in der Erfindung eigene Werke französischer Künstler, dass man den
Bronzeguss in Frankreich durchaus beherrschte. Jean Boucher goss sechs
grosse, von Germain Pilon modellierte Gestalten für das in der Kathedrale
von St. Denis aufgestellte Grabmal Heinrichs II. und Katherinas von
Medici, das 1570 vollendet wurde. Etwa gleichzeitig wurden nach Modellen
des Barthélemi Prieur, die jetzt im Louvre befindlichen Figuren der Pax,
Justitia und Abundantia für das Grabmal des Kardinals Karl von Bourbon
für dieselbe Kirche gegossen. Um das Jahr 1600 schuf Pierre Biard
bedeutende Bronzegusswerke, von denen eine lebensgrosse weibliche
Flügelgestalt: La Renomée jetzt im Louvre aufgestellt ist.
[Illustration: Abb. 75. Andreas Schlüter, Denkmal des Grossen Kurfürsten
in Berlin; Guss von Jacobi.]
Das im Jahre 1608 bei Giovanni da Bologna in Auftrag gegebene, von Pietro
Tacca im Modell vollendete Pferd zum Reiterdenkmal Heinrichs IV. von
Frankreich, das auf dem Pont Neuf in Paris aufgestellt wurde, soll ebenso
wie die zugehörige, von dem auch in der Giesserei erfahrenen Dupré
modellierte Königsfigur im Jahre 1613 in Paris gegossen sein. Ueber die
Art der Formung sind Nachrichten nicht erhalten. Das Denkmal wurde in
mehreren Teilen und wohl ebenso, wie die vorher genannten französischen
Erzwerke, im Wachsausschmelzverfahren gegossen.
Als Bildner und Giesser war Hubert Le Sueur thätig. Sein Hauptwerk, das
im Jahre 1633 in Erzguss vollendete Reiterdenkmal Karls I. von England,
wurde auf Charing Cross in London aufgestellt.
Im Jahre 1639 wurde im Auftrage Richelieus ein Reiterstandbild Ludwigs
XIII. für die Place Royale in Bronze gegossen. Das Pferd dieses Denkmals
war bereits im Jahre 1564 von Daniele da Volterra in Rom gegossen, die
Königsfigur von dem genannten Biard d. J. in Paris.
Im Jahr 1647 führte Simon Guillain ein Denkmal des zehnjährigen Ludwigs
XIV. aus, eine Art Triumphbogen auf Säulen mit Figuren in Bronze, das am
Pont au Change aufgestellt wurde (Abb. 83). In Lyon goss um die Mitte des
Jahrhunderts Marcelin Chaumont bedeutende Erzwerke.
Die zahllosen Bronzegussarbeiten, die für die königlichen Gärten und
Schlösser hergestellt wurden, können hier nicht näher gewürdigt werden,
der Hinweis darauf möge genügen. Die tüchtigsten Bildhauer und
Giesskünstler -- unter den letzteren besonders Ambroise Duval und die
Brüder Keller -- wirkten gemeinsam daran. In der zweiten Hälfte des 17.
Jahrhunderts nehmen mehr noch wie vorher die zur Verherrlichung des
Königtums geschaffenen, für öffentliche Plätze bestimmten Erzmonumente
unser ganzes Interesse in Anspruch.
[Illustration: Abb. 76. Grupello, Denkmal des Kurfürsten Johann Wilhelm
in Düsseldorf.]
In Paris allein befanden sich mehrere grosse Bronzebilder Ludwigs XIV. Im
Jahre 1686 vollendete der Niederländer Martin Desjardins ein 13 Fuss
hohes Standbild des Königs für die Place des Victoires (Abb. 84). Der
Künstler leistete auch als Giesser tüchtiges, und es wird ausdrücklich
erwähnt, dass er den ungeteilt ausgeführten Guss dieses Denkmals leitete.
Bemerkt sei allerdings, dass dieses Standbild, wie jüngere Berichte
wissen wollen, in vergoldetem Blei hergestellt wurde.
Ein anderes Standbild des Königs wurde nach dem Modelle des ebenfalls als
Giesser thätigen Coysevox 1689 im Hôtel de Ville errichtet.
Im Jahre 1687 wurde angeblich auf dem Vendômeplatz in Paris bereits ein
Reiterdenkmal Ludwigs XIV. enthüllt, das nach dem Modelle Girardons,
eines Erzgiessers Sohn, ausgeführt, aber da es als zu klein befunden, der
Stadt Beauvais überlassen wurde.
Im Jahre 1699 wurde dann das zweite 21 Fuss hohe Reitermonument Ludwigs
an Stelle des ersten aufgestellt (Abb. 85). Das Modell hatte wiederum
Girardon geschaffen. Der Guss wurde von Balthasar Keller ausgeführt.
Im Auftrage des Marschalls von Boufflers begann Girardon 1694 mit der
Ausführung eines Reiterbildes des Königs, das im Jahre 1701 in Boufflers
in der Picardie aufgestellt wurde. Bereits 1674 soll ein von Girardon
modelliertes und von Keller gegossenes Reiterdenkmal des Königs in Lyon
aufgestellt worden sein.
Ein zweites Reiterdenkmal desselben Fürsten von Desjardins hatte diese
Stadt auf der Place Bellecour aufzuweisen.
Etienne Lehongre goss, wie es heisst im Jahre 1690, selbst in einem Guss
nach eigenem Modell eine Reiterstatue Ludwigs, die im Jahre 1725 auf der
Place Royale in Dijon aufgestellt wurde.
Coysevox führte ausser dem bereits erwähnten Standbilde noch im Jahre
1685 ein Reiterdenkmal des grossen Königs für Rennes aus. Schliesslich
wurde auch in Montpellier im Jahre 1718 ein Denkmal dieses Fürsten
errichtet, das in Paris gegossen wurde nach dem Modelle der Flamländer
Mazeline und Utrels.
[Illustration: Abb. 77. Raphael Donner, Brunnen auf dem Neumarkte in
Wien.]
[Illustration: Abb. 78. Raphael Donner, Brunnen auf dem Neumarkte in
Wien.]
Die Reihe der Denkmäler des »Sonnenkönigs« ist damit nicht erschöpft,
doch dürften die bedeutendsten, die übrigens sämtlich in der grossen
Revolution zerstört wurden, aufgezählt sein.
Bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts war es in Frankreich üblich gewesen,
in den Arsenalen abwechselnd Kriegsmaterial und Bildwerke zu giessen.
Erst auf Veranlassung Louvois' wurde das von Heinrich II. im Jahre 1549
begründete Pariser Arsenal umgewandelt in eine »fonderie royale des
statues et autres ouvrages pour les bâtiments du roi.« Leiter dieser
königlichen Kunstgiesserei wurde im Jahre 1684 als Commissaire générale
des fontes de France der genannte Johann Balthasar Keller, ein Schweizer
von Geburt, der aber auf Veranlassung eines älteren, schon vor ihm in
Paris ansässigen Bruders, erst dort die Giesserei erlernt hatte. Keller
wurde verpflichtet, alle ihm vom Marquis de Louvois für den König in
Auftrag gegebenen Statuen im =Wachsausschmelzverfahren= -- à cire perdue
-- zu giessen. Für jede Statue in der Höhe zwischen sechs und acht Fuss
erhielt er 1200 Francs, doch sollte er dafür die =Wachsmodelle von den
geschicktesten Bildhauern nacharbeiten= lassen und alles für die
Herstellung der Form Notwendige auf eigene Kosten beschaffen, nur das
Gussmaterial wurde ihm geliefert. Für jede Statue, die die Höhe von acht
Fuss überschritt, sollten ihm 300 Francs mehr gezahlt werden und für jede
Figur, die nicht die Grösse von fünfeinhalb Fuss erreichte, 300 Francs
weniger.
[Illustration: Abb. 79. Raphael Donner, Brunnen auf dem Neumarkte in
Wien.]
[Illustration: Abb. 80. Raphael Donner, Perseus und Andromeda,
Rathausbrunnen in Wien.]
Joh. Balth. Keller arbeitete gemeinsam mit seinem Bruder Joh. Jakob
Keller. Die von ihnen geleitete Giesshütte ist in aller Welt berühmt
geworden; über das von ihnen angewendete Verfahren wird noch zu sprechen
sein.
In Frankreich blieb auch im Verlauf des 18. Jahrhunderts die Bronze das
geschätzteste Material für Bildsäulen; eine Reihe grosser, allerdings
ebenfalls in der Revolution zerstörter Fürstenbilder legen weiter Zeugnis
dafür ab. Die Technik änderte sich nicht, nur in nebensächlichen
Einzelheiten schwankte man in der Ausübung des Wachsverfahrens.
Zu Ehren Ludwigs XV. gesetzte Denkmäler haben die französischen Giesser
um die Mitte des 18. Jahrhunderts in erster Linie beschäftigt.
Im Jahre 1743 wurde in Bordeaux ein Reiterbild des Königs nach dem
Modelle des Bildhauers Jean Bapt. Lemoyne aufgestellt (Abb. 86). Der Guss
-- der erste dieser Art wieder in Frankreich seit etwa vierzig Jahren --
wurde von Varin ausgeführt, er misslang zunächst; nur die Hälfte der Form
wurde mit Metall gefüllt, doch durch einen geistreichen Einfall des
Giessers wurde, wie es heisst, der Schaden geheilt, ohne den gelungenen
Teil zu verlieren. Varin verfuhr in derselben Art, die der französische
Bildhauer Falconet bei ähnlicher Gelegenheit anwandte. Falconet war von
Katharina II. im Jahre 1766 nach Petersburg berufen worden, um das
bekannte Reiterdenkmal Peters des Grossen auszuführen (Abb. 107). Auch
ihm gelang nur der Guss der unteren Hälfte des Denkmals. Nach Abräumung
des oberen Formteiles wurde der Metallrand gerade gesägt und mit
schwalbenschwanzförmigen Einschnitten versehen, darauf wurde der nicht
gelungene Teil über dem Kerne neu in Wachs ausgeführt, die Form wieder
vervollständigt, und in einem zweiten Guss gelang die Herstellung
vollkommen.
[Illustration: Abb. 81. Raphael Donner, St. Martin, Pressburg.]
Lemoyne schuf ausser dem genannten Denkmal noch im Jahre 1754 ein
Standbild Ludwigs XV. für Rennes (Abb. 87). Dieses Denkmal wurde ebenso
wie das im Jahre 1758 nach dem Modelle Edme. Bouchardons in Paris
vollendete bekannteste Reiterbild jenes Fürsten (Abb. 88 u. 89) von Gor
in Paris gegossen. Von Barthélemi Guibal wurde nach eigenem Modell in
Luneville im Jahre 1755 ein Königsdenkmal in Bronzeguss für die Place
Royale in Nancy ausgeführt (Abb. 90), und im Jahre 1763 ebensolch ein
Monument für Rheims, das nach dem Modelle des Jean Bpste. Pigalle
ebenfalls von Gor gegossen wurde (Abb. 91).
Die zahlreichen grossen Reiterdenkmäler, die im 17. und 18. Jahrhundert
in Frankreich entstanden, gewinnen für uns ein ganz besonderes Interesse
noch dadurch, dass uns ein paar grosse, mit zahlreichen Kupfertafeln
ausgestattete Werke über ihre Ausführung eingehendste Nachricht geben.
Das zuerst erschienene, von Boffrand in Paris im Jahre 1743
herausgegebene, bereits verschiedentlich angeführte Werk beschreibt die
ungeteilte Einformung und den Guss der Statue Ludwigs XIV., die im Jahre
1699 von Keller nach Girardons Modell gegossen wurde, das zweite von
Mariette im Jahre 1768 herausgegebene Werk den Guss des Denkmals Ludwigs
XV., das nach dem Modelle Bouchardons 1758 von Gor im Erzguss vollendet
wurde.
An der Hand dieser Werke und mit Hilfe einiger der dort gegebenen
vortrefflichen Abbildungen soll die Herstellung eines grossen
Reitermonumentes noch näher behandelt werden.
Doch bevor darauf eingegangen wird, soll auf eine in manchen Punkten
besonders interessante allgemeiner gefasste Beschreibung der damals in
Frankreich geübten Gusstechnik, die sich in Félibiens Werke: Des
principes de l'architecture etc. Paris 1697 findet, die Aufmerksamkeit
gelenkt werden.
In diesem Werke wird von dem Wachsausschmelzverfahren eine ausführliche
Darstellung gegeben, von anderen Formungsverfahren ist bezeichnenderweise
gar nicht die Rede, für künstlerische Zwecke kam also nur jenes Verfahren
in Betracht.
[Illustration: Abb. 82. Zauner, Denkmal Josephs II. in Wien.]
Die von Félibien beschriebene Art der Formherstellung ist gegenüber der
von Cellini angegebenen vereinfacht. Die Vorarbeiten sind im allgemeinen
in beiden Fällen gleich. Vom Modell, das in einer Mischung aus Thon von
Arcueil und Sand von Belleville hergestellt wird, nimmt man eine Gipsform
aus Teilstückchen, die (nach Félibien) in horizontal getrennten
Mantelschichten vereinigt und darin in derselben Weise befestigt werden,
wie Cellini angiebt.
Nachdem die Gipsteilform vollendet ist, wird sie wieder vom Mantel
abgehoben, und die einzelnen inneren Formstücke werden mit Oel oder
nötigenfalls nach vorhergehender Erhitzung mit Wachs getränkt. Dann wird
die Innenseite der Formstücke mittels Pinsel mit einer, je nach der
Jahreszeit verschieden zusammengesetzten Wachsmischung bestrichen, und
dieser Auftrag so oft wiederholt, bis die Wachsschicht die Stärke der
künftigen Metallwandung erreicht hat. Darauf wird auf einer festen
Grundlage ein Eisengerüst gebaut mit einem oder zwei Querstäben, die nach
der Form des Modells gebogen und von Zeit zu Zeit durchbohrt sind, um
weitere Eisenstäbchen zur künftigen Unterstützung des Kernes
hindurchstecken zu können. Der Kern wird nun über dem Gerüst in der
gleichen Art hergestellt, die auch Cellini als die beste angiebt, d. h.
er wird schichtweise von unten anfangend über dem Kerngerüst in der
zugleich damit, Schicht auf Schicht zusammengesetzten, bereits mit der
Wachsschicht versehenen Form aufgetragen.
Von Interesse ist es aber, dass Félibien bei dieser Gelegenheit sagt,
dass noch einzelne Giesser sich des Verfahrens bedienten, das »die Alten«
angewendet hätten. Sie modellierten über einem Eisengerüst den Kern aus
einer Mischung von Töpferthon, Pferdemist und Scherwolle, genau dem
Modelle gleich. Von der ganzen Oberfläche entfernten sie darauf wieder
eine Schicht in der Dicke der gewünschten künftigen Metallwandung und
ersetzten sie nach dem Trocknen des so gewonnenen Kernes durch eine
Wachslage, der nun wieder in allen Feinheiten die Form des Modells
gegeben wurde.
[Illustration: Abb. 83. Sim. Guillain, Denkmal des zehnjährigen Ludwigs
XIV., ehemals Paris, Pont au Change (nach Stich in Description de Paris,
Paris 1742, Bd. I).]
Wenn in der zuerst angegebenen Art verfahren wird, muss von dem fertig
gestellten Kerne die Gipsform mit Wachsschicht abgehoben werden, und
seine Oberfläche, nachdem er getrocknet ist, mit der aus der Gipsform
gelösten Wachslage belegt werden. Dann, sagt Félibien, könne der
=Künstler= die Wachsschicht überarbeiten und ihr eine erhöhte Anmut und
gesteigerten Ausdruck in einzelnen Zügen verleihen -- in der Haltung und
Anordnung der Glieder sei natürlich nichts mehr zu ändern.
Schliesslich werden die in Wachs gebildeten Einguss- und Luftröhren
angesetzt und über dem Ganzen wird der Formmantel hergestellt. Sehr
sorgsam wird bei diesem wichtigsten Teile der Form verfahren.
Zunächst wird das Wachs mit einer aufs feinste zerstossenen und
zerriebenen Mischung aus Zinnasche (potée) und Tiegelcement (ciment de
creusets) etliche Male bestrichen und stets darauf geachtet, dass die
kleinen im Auftrag entstehenden Risse gefüllt werden. Dann wird ebenfalls
noch mit dem Pinsel dieselbe, jetzt jedoch mit Pferdemist und terre
franche versetzte Mischung 6 bis 7 Mal aufgetragen, darauf eine 7-8fache
Schicht, die nur aus Pferdemist und terre franche besteht. Und
schliesslich wird die zuletzt verwendete Masse mit der Hand in stärkeren
Lagen aufgetragen, aber stets die folgende Schicht erst, nachdem die
letzte getrocknet ist.
[Illustration: Abb. 84. Martin Desjardins, Denkmal Ludwigs XIV., ehemals
Paris, Place des Victoires (nach Stich in Description de Paris, Paris
1742, Bd. II).]
[Illustration: Abb. 85. Girardon, Denkmal Ludwigs XIV., ehemals Paris,
Vendômeplatz; Guss von Balthasar Keller (Boffrand, s. S. 12).]
Wenn das alles erledigt ist, kann die ganze Form erwärmt und das Wachs
ausgeschmolzen werden. Nötig ist nur noch, die Form in der Dammgrube vor
dem Schmelzofen einzustampfen, dann kann das flüssige Metall
hineingefüllt werden.
Beachtung verdient noch das von Félibien über die Einformung von Reliefs
Gesagte, weil allem Anscheine nach dasselbe Verfahren zu verschiedenen
Zeiten auch bei der Herstellung von Vollfiguren angewendet wurde, indem
man diese in zwei Längsteilen formte und goss, die nachher zusammengefügt
wurden.
Die von dem Modell genommene Gipsform wird, wie Félibien angiebt, mit
einer Wachsschicht in der künftigen Metallstärke ausgekleidet. Darauf
wird auf das Wachs, also auf die Rückseite, eine Gips- oder Thonlage
gebracht, die nur den Zweck hat, dem Wachs die nötige Haltbarkeit während
der Nacharbeit zu verleihen, sobald von der Bildseite die Gipsform wieder
abgelöst ist. Das Bemerkenswerte ist nun, dass nicht, wie es sonst
geschieht, die Einguss- und Luftröhren an der Schauseite, sondern am
Rande und auf der Rückseite der Wachslage angesetzt werden. Solange also
die Rückseite noch mit einer haltgebenden Füllung versehen ist, wird die
ganze Schauseite, wie es vorher beschrieben ist, in dünnen Schichten mit
dem Gussmantel versehen, wenn dieser die notwendige Festigkeit erreicht
hat, wird die Füllmasse von der Rückseite entfernt, dann werden Einguss-
und Luftröhren angefügt. Schliesslich wird auch die Rückseite mit
Einschluss der in Wachs vorgebildeten Röhren mit Formmasse bedeckt. Im
übrigen wird in der bekannten Weise weiter verfahren.
Ein in dieser Art hergestelltes Relief wird der Ueberarbeitung durch
Ciselierung bei gutem Gelingen des Gusses überhaupt nicht bedürfen.
[Illustration: Abb. 86. J. B. Lemoyne, Denkmal Ludwigs XV., ehemals in
Bordeaux; Guss von Varin (nach Stich in Patte, Monuments érigés en France
à la gloire de Louis XV. Paris 1765).]
Cellini beschreibt auch die Einformung seines bekannten Reliefs der
»Nymphe von Fontainebleau«, ohne aber ähnliche Angaben zu machen.
Aus den Werken von Boffrand und Mariette sind im folgenden die Tafeln nur
soweit wiedergegeben, wie es zur Verdeutlichung der verschiedenen
Formungsstadien notwendig schien. Die Tafeln des jüngeren Werkes wurden
der grösseren Klarheit wegen bevorzugt, nur eine in Einzelheiten
abweichende Abbildung Boffrands wurde der entsprechenden in Mariettes
Werk gegenübergestellt; soweit nichts anderes bemerkt ist, war das
beschriebene Verfahren in beiden Fällen dasselbe.
[Illustration: Abb. 87. J. B. Lemoyne, Denkmal Ludwigs XV., ehemals in
Rennes; Guss von Gor (Abb. aus Patte, s. oben).]
[Illustration: Abb. 88. Bouchardon, Denkmal Ludwigs XV., ehemals in
Paris, Place de Louis XV. (Place de la Concorde). (Abb. aus Patte,
s. o.)]
Abb. 92.
Ansicht der Gipsteilform. Die entfernten Teilstücke gestatten den Blick
auf das eingeschlossene Modell.
Abb. 93.
Blick in die der Länge nach horizontal durchschnittene Gipsform, aus
der das Modell entfernt ist.
Erkennbar ist die doppelte Schicht der Formstücke. Kleine, von allen
Feinheiten leicht abhebbare Stücke werden in grösseren, starken
zusammengefasst (vgl. Abbildung 21 S. 36). Die kleinen, quadratischen
Oeffnungen am Bauch und die geraden Durchbohrungen der Formwandung sind
für die Aufnahme des Eisengerüstes bestimmt. Die Oesen in den kleinen
runden Vertiefungen sind als Handhaben bestimmt, die übrigen
Einschnitte sind Lagermarken, um ein genaues Zusammenpassen der
Formstücke zu ermöglichen.
Abb. 94.
Blick in die der Länge nach horizontal durchschnittene Gipsform, die in
der Dammgrube über dem Eisengerüst zusammengebaut und bereits mit der
Wachsschicht ausgelegt ist, die die künftige Metallstärke darstellt.
Abb. 95.
Ansicht der Dammgrube, in der das Eisengerüst zur Unterstützung des
Kernes in seinen Hauptteilen aufgebaut ist. Oben sieht man das
Stichloch (die Ausflussöffnung für das Metall) am Ofen.
Abb. 96.
Ansicht der in der Dammgrube völlig zusammengesetzten, mit der
Wachslage versehenen Gipsform, in die durch Oeffnungen von oben die
flüssige Kernmasse, bestehend aus Gips und Ziegelmehl, eingefüllt wird.
Bei der Einformung der Statue Ludwigs XIV. wurde die Kernmasse nicht
flüssig eingebracht. Keller wandte das auch von Cellini als das beste
gekennzeichnete Verfahren an, er setzte die mit Wachs bekleidete
Gipsform von unten anfangend schichtweise zusammen und im Aufbauen
füllte er mit kompakter Kernmasse aus. Nur die schwer mit der Hand
erreichbaren Teile, wie den Schwanz, das erhobene Bein, den Kopf und
einen Teil vom Halse des Pferdes und die ganze Königsfigur wurden mit
einem Brei aus Gips und Ziegelmehl ausgegossen.
Abb. 97.
Die Abbildung stellt einen Zustand dar, der bei der Ausführung in
Wirklichkeit nicht erreicht wird. Die von der Gipsform befreite
Wachslage schwebt über dem Kerngerüste. Gezeigt sollen werden alle die
Vorrichtungen, die ausser dem Hauptgerüst notwendig sind, dem Kerne
selbst und dem Wachse daran den nötigen Halt zu geben. Der ganze Körper
ist im Innern mit Drahtwolle gefüllt. $T$-förmige Haken greifen in die
Wachsschicht ein, ihr herausragender Teil wird künftig von der
Kernmasse gehalten.
Abb. 98.
Ansicht des für die Einformung vorbereiteten Wachsmodells mit dem Netz
der ebenfalls in Wachs vorgebildeten Eingussröhren und Luftkanäle. --
Die Luftkanäle sind gekennzeichnet durch oben daraus entweichenden
Rauch; sie unterscheiden sich von den Eingussröhren dadurch, dass ihre
Nebenzweige vom Modell aus ansteigen, während dieselben bei den
Gussröhren umgekehrt gerichtet sind. Der Giesser Gor nahm diese
Anordnung als eine von ihm eingeführte Neuerung in Anspruch. Zum
wenigsten wird er von Zeitgenossen dieser Einrichtung wegen, durch die,
wie bereits früher gezeigt ist, das flüssige Metall gezwungen wird,
zuerst die unteren Teile der Form zu füllen, besonders gepriesen.
Cellini verfuhr in derselben Weise.
Balth. Keller wandte, wie die Abbildung 99 des Boffrandschen Werkes
erkennen lässt, diese Sicherheitsmassregel nicht an, obschon sie ihm
vermutlich nicht unbekannt war. Noch zu bemerken ist, dass Keller das
in Wachs vorgebildete Rohrnetz, damit es sich selbständig zu tragen
vermöchte, aus Hohlstäben fertigte; Gor befestigte die Wachsstäbchen
mit dünnen Stiften, wie die Abbildung erkennen lässt.
Abb. 100.
In dieser Abbildung ist das Ausschmelzen des Wachses und das Verglühen
der Form dargestellt. In den ausgesparten Hohlräumen zwischen Form und
Dammgrube ist Holz entzündet, das Wachs läuft unten aus Oeffnungen ab,
die später wieder verstopft werden.
Zur Vervollständigung der Abbildungsfolge sei hier hingewiesen auf die
Abbildungen 5 u. 6.
Dargestellt ist dort der Beginn des Gusses. Die Werkleute sind bereit,
die die Einflussöffnungen verschliessenden Eisenstöpsel herauszuheben,
sobald die Mulde über diesen Oeffnungen mit flüssigem Erz gefüllt ist.
Abb. 102.
Längsschnitt durch die Gussform mit dem Wachsmodell.
Die innere, das Wachs zunächst umschliessende Formmasse, »potée«
genannt, besteht aus Lehm, Pferdemist, gepulverten weissen Tiegeln und
Rinderhaaren. Durch eine Ziegelummauerung wird diese Schicht gefestigt.
Abb. 103.
Das von der Form befreite Reiterbild wird aus der Dammgrube gewunden.
Abb. 104.
Seiten- und Oberansicht der mit Eisenbändern armierten Gussform.
[Illustration: Abb. 89. Paris, Place de Louis XV. mit dem Denkmal
Bouchardons (Abb. aus Patte, s. o.).]
[Illustration: Abb. 90. B. Guibal, Denkmal Ludwigs XV., ehemals in Nancy
(Abb. aus Patte, s. oben).]
Schon vorher wurde darauf hingewiesen, dass bereits im 12. Jahrhundert
die Giesskunst in den =Niederlanden= hoch entwickelt war, hier möge in
Anknüpfung daran hinzugefügt werden, dass eigentlich von vornherein den
Meistern auf diesem Kunstgebiete die volle Entfaltung ihrer Kräfte im
eigenen Lande sehr erschwert wurde; ihren Schaffensdrang konnten sie
zumeist nur ausserhalb der Heimat bethätigen. Schon aus den letzten
Jahrhunderten des Mittelalters finden sich zahlreiche niederländische
Erzgusswerke -- vor allem Grabplatten -- in den Kirchen der benachbarten
Länder, in erster Linie Englands.
Im 16. Jahrhundert waren Niederländer Bildgiesser, wie gezeigt wurde,
besonders in Italien und im 17. Jahrhundert in Deutschland mit grossen
Aufgaben beschäftigt.
Neben einigen hochbedeutsamen Erzgusswerken in Kirchen flandrischer
Städte, wie z. B. in Brügge den Grabmonumenten der Maria von Burgund,
1502 von Pierre de Beckere und Karls des Kühnen von J. Jongelinck 1558
vollendet, sind frei aufgestellte bronzene Denkmäler nur wenig geschaffen
worden.
Das um die Mitte des 16. Jahrhunderts in Antwerpen aufgestellte
Reiterdenkmal Albas von J. Jongelinck wurde bereits 1576 wieder zerstört.
Von den Denkmälern des 17. Jahrhunderts sind erhalten das 1620 von P. de
Keyzer vollendete Standbild des Erasmus in Rotterdam und die ja
allerdings nur kleine, aber allgemein bekannte, anmutige Brunnenfigur des
Maneken-pis in Brüssel von Franc. Duquesnoys 1619 ausgeführt.