Bild von der Formungsart zu gewinnen, die im allgemeinen bei den grossen
Gestalten des Grabmals angewendet sein wird; allein von dem
Wachsausschmelzverfahren ist die Rede. Aus der an Colin gestellten
Forderung, die Gipsformen dem Giesser mit abzuliefern, ergiebt sich
weiter, dass auch in Deutschland im 16. Jahrhundert, nicht mehr stets,
wie es Theophilus angiebt, das Modell freihändig vom Künstler über einem
vorgebildeten Kerne modelliert wurde, dass vielmehr zuerst ein Thonmodell
hergestellt und von diesem mit Hilfe von Gipsformen mechanisch der
Wachsabdruck genommen wurde, dessen Ueberarbeitung von Künstlerhand man
allerdings auch nicht für unentbehrlich erachtete. Im ganzen wird das in
Deutschland geübte Verfahren dem von Cellini beschriebenen geglichen
haben. Und wenn nun auch über die Formungsarbeit, die in der Vischerschen
Giesshütte in Nürnberg angewendet wurde, nichts Näheres bekannt ist, so
darf doch wohl ohne weiteres von den in Bezug auf das Maximiliansgrab
erhaltenen Nachrichten der Rückschluss gezogen werden, dass auch dort zum
mindesten für alle grösseren und feineren Aufgaben in gleicher Weise
verfahren wurde; übrigens lassen ja auch die erhaltenen Gussarbeiten
darauf schliessen. Zugleich lassen diese auch, wie nicht unerwähnt
bleiben möge, erkennen, dass vielfach nach Holzmodellen geformt worden
ist. In welchem Masse man bereits in dieser Zeit auch bei einfacheren
figürlichen Modellen, die bei anderen Gegenständen wie z. B. Geschützen
zweifellos angewendete Teilformerei in Lehm zu Hilfe nahm, soll hier
nicht zu entscheiden versucht werden.
[Illustration: Abb. 51. Peter Vischer, Gestalt König Arthurs (links) vom
Grabmal Kaiser Maximilians in Innsbruck.]
[Illustration: Abb. 52. Peter Vischer, Gestalt Theoderichs vom Grabmal
Kaiser Maximilians in Innsbruck.]
Noch von zahlreichen Bronzegusswerken des 16. und 17. Jahrhunderts, die
bis heute eine Zierde besonders der grossen süddeutschen Städte,
Nürnberg, Augsburg und München bilden, sind uns die Namen der
Giesskünstler überliefert; eine Reihe tüchtiger niederländischer Meister
findet sich darunter. Auch italienischen Giessernamen begegnet man, z. B.
wurden die bedeutenden Erzfiguren in der Begräbniskapelle des Domes zu
Freiberg i. S. von dem Florentiner Carlo da Cesare ausgeführt (Abbildung
54 und 55).
In =Nürnberg= entstand noch vor der Mitte des 16. Jahrhunderts von der
Hand des Pankraz Labenwolf die bekannte Brunnenfigur des Gänsemännchens
(Abb. 57). Auch dessen Sohn Georg Labenwolf ist ein Giesser und Bildner
von grossem Ansehen gewesen. Sein Hauptwerk war der 1585 vollendete
Brunnen für Kronborg bei Kopenhagen, zu dessen Ausführung er 1576 nach
Dänemark berufen wurde.
[Illustration: Abb. 53. Grabmal Kaiser Maximilians in Innsbruck.]
[Illustration: Abb. 54. Kurfürst August in der Begräbniskapelle des Domes
zu Freiberg i. S. Modell und Guss von Carlo da Cesare.]
Den Tugend-Brunnen (Abb. 58) neben der Lorenzer Kirche in Nürnberg goss
in den Jahren 1585-1589 Benedikt Wurzelbauer, auch er genoss einen hohen
Ruf ausserhalb seiner Heimatsstadt. Bekannt ist unter anderem, dass er in
den Jahren 1590 und 1630 zwei stattliche Brunnen für Prag und ausserdem
einen für Durlach schuf.
Noch einen Giesskünstler hatte Nürnberg im 17. Jahrhundert aufzuweisen,
von dem einige hervorragende Werke erhalten sind, Wolfgang Hieronymus
Herold. Er goss den in Nürnberg selbst, aus nicht völlig aufgeklärten
Gründen, nie zur Aufstellung gekommenen »Peuntbrunnen« mit Neptun und
seiner Gefolgschaft, Najaden, Tritonen und anderen Wasserwesen. Das
Wachsmodell für diesen Brunnen wurde 1650 von Chr. Ritter geliefert, an
den Gussmodellen waren Mitarbeiter Georg Schweiger und Jeremias Eisler,
als Ciseleur wird genannt Johannes Wolrab. Im Jahre 1797 wurde der
Brunnen von Kaiser Paul I. von Russland erworben und in vereinfachter
Gruppierung in Peterhof aufgestellt. Von anderen grösseren Gussarbeiten
Herolds sei noch die bekannte Figur des Heil. Nepomuk für die Karlsbrücke
in Prag angeführt.
In =Augsburg= war in der Zeit von 1586 bis 1609 der zweifellos auch als
Bildhauer nicht unbedeutende Giesser Hubert Gerhard thätig. Er führte im
Jahre 1595 die vermutlich von Peter Candid aus Brügge modellierte
Erzstatue am Augustusbrunnen aus (Abb. 59-62), und unter anderem auch die
jetzt im bayerischen National-Museum in München aufgestellte
Kolossalgruppe des Mars und der Venus (Abb. 63).
Ebenfalls ein Niederländer Meister, Adriaen de Vries, schuf in Augsburg
die mit Bronzebildwerken geschmückten, nach ihren Hauptfiguren benannten
Merkur- und Herkules-Brunnen in den Jahren 1596 bis 1602 (Abb. 64-66).
[Illustration: Abb. 55. Kurfürstin Anna in der Wettiner Begräbniskapelle
im Dome zu Freiberg i. S. Modell und Guss von Carlo da Cesare.]
[Illustration: Abb. 56. Taufbecken, gegossen 1547 von Hans Sivvercz,
Hildesheim, St. Andreaskirche.]
Wolfgang Neidhardt goss für dieselbe Stadt das Neptunsbild auf dem
Fischmarkte und im Jahre 1607 den kolossalen Erzengel am Zeughause
gemeinsam mit Joh. Reichel, von dem auch eine Statue Gustav Adolphs
geschaffen sein soll, die später Kaiser Ferdinand III. verehrt wurde.
Andere Augsburger Giessmeister werden noch als Mitarbeiter am
Maximiliansgrabe genannt; auch der Wittelsbacher-Brunnen im Brunnenhofe
der Münchener Residenz (Abb. 67) soll von dem Augsburger Hans Reisinger
gegossen sein.
In =München= selbst waren auch Giesser von besonderer Tüchtigkeit
ansässig. Der berühmteste unter ihnen, Hans Krumper aus Weilheim, war
1580-1620 bei Hofe angestellt, doch werden ihm in jüngster Zeit manche
Gussarbeiten, die als von ihm ausgeführt galten, wieder abgesprochen. Er
hat zumeist die Entwürfe des bereits genannten Niederländers Peter Candid
in Bronze gegossen. Als Arbeiten seiner Giesshütte werden noch angesehen
die köstlichen Portalskulpturen und die Madonna (Abb. 68) an der Residenz
in München, die Bekrönungsfigur der Bavaria auf dem Rundtempelchen im
Residenzgarten (Abb. 69), die Mariensäule in München (Abb. 70) u. a. m.
Die weit berühmte Gestalt des Erzengels Michael an der Münchener
Michaels-Kirche (Abb. 71) soll nach Hubert Gerhards Modell von Martin
Frey gegossen sein, von dem auch, wie heute festzustehen scheint, die
anmutige Figur des Perseus im Grottenhofe der Residenz im Guss ausgeführt
wurde (Abb. 72).
Einige der Hauptfiguren am Grabmale Kaiser Ludwigs des Bayern in der
Münchener Frauenkirche (Abb. 74) goss Dionysius Frey aus Kempten; welcher
Anteil an der Gussarbeit dieses Monumentes dem Hans Krumper zukommt, den
man früher als den alleinigen Verfertiger ansah, ist zweifelhaft.
[Illustration: Abb. 57. Pankraz Labenwolf, Gänsemännchen-Brunnen,
Nürnberg.]
=Innsbruck= (Giesshütte in Mühlau bei Innsbruck) war durch das
Maximiliansgrab zu einer der namhaftesten deutschen Giesserstädte
geworden, in der ausser jenem Monument (nur wenige Teile, besonders die
Figuren Peter Vischers, sind nicht in Innsbruck gegossen) noch einige
bedeutende Erzgusswerke entstanden. Der bereits früher genannte
Giessmeister Gregor Löffler in Innsbruck führte den mit reichem
figürlichen Erzschmuck ausgestatteten Brunnen vor der Villa Belvedere in
Prag aus, und für den Innsbrucker Hofgarten goss 1627 Heinrich Reinhardt
nach dem Modelle des Kaspar Gras in Innsbruck einen Brunnen, der aus der
Reihe der vorher genannten Schöpfungen der Art dadurch herausfällt, dass
ein erzenes, geschickt ausbalanciertes Reiterbild des Erzherzogs Leopold
-- wohl das älteste grössere Bronzemonument mit springendem Pferde --
bestimmt war, seine mittlere Säule zu bekrönen. Der Brunnen ist nur zum
Teil erhalten; im Jahre 1893 wurde er aufs neue zusammengefügt, auf dem
Rennwege in Innsbruck aufgestellt. Werke derselben Künstler sind acht
mythologische Figuren ebenfalls im Hofgarten und das Grabmal des
Erzherzogs Max in der Pfarrkirche mit lebensgrossen Gestalten St. Georgs
und des knieenden Fürsten.
In =Franken=, vor allem in der seit langem blühenden, zu Ausgang des 17.
Jahrhunderts von der trefflichen Giesserfamilie Kopp geleiteten
=Forchheimer Giesshütte= entstehen in Süddeutschland die letzten
namhaften Bronzegusswerke bis zum 19. Jahrhundert. Grabmäler in den
Kirchen von Bamberg und Würzburg und ein Brunnen mit der Statue des Heil.
Willibald in Eichstädt vom Jahre 1695 werden als Arbeiten jener Meister
angesehen.
Immer bescheidener werden in der Folgezeit in Deutschland die Aufgaben
der Erzgiesser. Grabplatten dürften die einzigen Werke geblieben sein,
die noch einige Zeit einen gewissen Grad höheren Könnens in Anspruch
nahmen, im 18. Jahrhundert waren in Nürnberg noch eine Reihe von
Giesshütten damit beschäftigt.
[Illustration: Abb. 58. Bened. Wurzelbauer, Tugend-Brunnen, Nürnberg.]
Geschmack und Bedürfnis neigte sich in der Bildnerei minder kostbaren und
weniger schwierig zu gestaltenden Stoffen zu. Stein und Stuck waren eher
geeignet, den mit den vorhandenen Mitteln selten zu vereinbarenden,
bisweilen zum Uebermass gesteigerten Ansprüchen plastischen Schmuckes an
Bauten und in den fürstlichen Gärten zu genügen.
Den niederdeutschen Giesshütten, die schon in den letzten Jahrhunderten
eigentlich monumentale Werke kaum noch geliefert hatten, folgten mit dem
Ausgange des 17. Jahrhunderts im Niedergange auch die süddeutschen.
Die Giessertradition war besonders in Norddeutschland durchbrochen und
bei den wenigen grossen Erzgusswerken, die noch entstanden bis zum
Einsetzen der neuen Blütezeit des Erzgusses im 19. Jahrhundert, musste
das Ausland Pate stehen.
Als man angespornt durch das französische Beispiel auch in der
preussischen Hauptstadt ein grosses Fürstenbild in Bronze giessen wollte,
lehnte der dazu berufene Berliner Stückgiesser die Ausführung ab, erst
ein in französischen Werkstätten geschulter deutscher Meister übernahm
die ehrenvolle Aufgabe.
Johann Jacobi goss in =Berlin= im Jahre 1697 das im Jahre 1803 in
Königsberg aufgestellte Standbild des Kurfürsten Friedrich III. und am 2.
Nov. des Jahres 1700 das für die Lange Brücke in Berlin bestimmte
Reiterbild des Grossen Kurfürsten (Abb. 73 u. 75), beide nach Modellen
von Andreas Schlüter.
[Illustration: Abb. 59. Hubert Gerhard und Peter Candid, Augustusbrunnen,
Augsburg.]
Soweit die erhaltenen Nachrichten erkennen lassen -- die älteren Angaben
widersprechen sich teilweise -- wandte Jacobi das noch näher zu
beschreibende Formverfahren an, das er in Paris gelernt hatte; die
Denkmäler wurden demnach in einem Gusse im Wachsausschmelzverfahren
ausgeführt.
[Illustration: Abb. 60. Augustusfigur vom Augustusbrunnen in Augsburg.]
[Illustration: Abb. 61. Beckenfigur vom Augustusbrunnen in Augsburg.]
Schon die früher angeführte Thatsache, dass die Leistung des Bildhauers
in diesem Falle völlig in den Schatten gestellt wurde durch den Ruhm, den
allein der Giessmeister davontrug, lässt erkennen, wie wenig Verständnis
man damals hatte für die zahllosen grossartigen Werke, die deutsche
Giesser früher geschaffen hatten, man hätte sonst nicht die Arbeit
Jacobis als etwas ganz und gar Unerhörtes erachten können.
Noch in einer westdeutschen Stadt, in =Düsseldorf=, entstanden zu Beginn
des 18. Jahrhunderts bedeutendere Bronzegusswerke, freilich nicht von der
Hand eines deutschen Meisters. Erhalten ist davon in Düsseldorf das von
dem Brüsseler Bildhauer Grupello modellierte und 1703 gegossene
Reiterbild des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz (Abb. 76).
Als man aber wenig später, in Dresden dem König August dem Starken ein
Denkmal setzen wollte, fehlte bereits der Meister, der es verstanden
hätte, ein solches Werk in Bronze zu giessen, so dass man sich
entschliessen musste, es von dem Augsburger Wiedemann in Kupfer treiben
zu lassen[16] (Abb. 140).
[16] Vergl. Sponsel, Das Reiterdenkmal Augusts des Starken. Neues
Archiv für Sächs. Geschichte und Altertumskunde. Bd. XXII. 1901.
Erwähnt sei hier ferner noch, dass im weiteren Verlauf des 18.
Jahrhunderts, besonders im Süden des deutschen Reiches, in Oesterreich
und Bayern, wenn nicht Bronzegussarbeiten, so doch eine Reihe
monumentaler Gusswerke in Blei und Zinn entstanden, bei denen als
Formverfahren auch gewiss allein das Wachsausschmelzverfahren in Betracht
kam, die Gussschwierigkeiten jedoch wohl wesentlich geringere waren.
Genannt seien von diesen Arbeiten der von Raphael Donner modellierte, im
Jahre 1739 auf dem Neumarkte in Wien aufgestellte Brunnen, dessen
Bleiteile in neuerer Zeit in Bronze nachgegossen worden sind (Abb.
77-79), desselben Künstlers Rathausbrunnen mit Perseus und Andromeda
(Abb. 80) und seine Reitergruppe des Heil. Martin in Pressburg (Abb. 81),
ferner das Reiterbild Franz I. für Wien und das Denkmal der Maria
Theresia für Klagenfurt -- beide von Balthasar Moll (1717-85). Das
letztere wurde im Jahre 1873 durch Pönninger erneuert.
[Illustration: Abb. 62. Beckenfigur vom Augustusbrunnen in Augsburg.]
[Illustration: Abb. 63. H. Gerhard und C. Polaggio, Mars und Venus
(München, National-Museum).]
Schliesslich sei als das letzte grosse deutsche Bronzemonument, das noch
im unmittelbaren Anschluss an die alte Wachsformerei entstand, das von
Zauner modellierte und gegossene Reiterbild Josephs II. in Wien (Abb. 82)
genannt.
Der Künstler hatte besonders in Italien die Gusstechnik studiert,
fertigte in den Jahren 1795-1797 ein grosses Probegussstück und brachte
am 19. September 1800 die Reiterfigur und am 26. Februar 1803 das Pferd
des Joseph-Denkmals fehlerfrei aus der Form.[17]
[17] Vergl. Ellmauer, Le monument de Joseph II. Vienne 1807.
Auf die zahlreichen für fürstliche Gärten ausgeführten Bleifiguren und
Gruppen sei nur hingewiesen.
Von Interesse ist es nun, dass gerade in der Zeit des Niederganges
unserer Kunstgiesserei eine der wenigen aus früheren Jahrhunderten
erhaltenen deutschen Beschreibungen des Wachsausschmelzverfahrens
veröffentlicht wurde, in der »Curieusen Kunst- und Werck-Schul ... von
einem sonderbaren Liebhaber der Natürlichen Künste und Wissenschaften.
Nürnberg. In Verlegung Johann Ziegers 1696.« (I. S. 478ff.) Um eine hohle
Figur zu giessen, wird dort angegeben, solle man von dem Modell zuerst
eine Teilform von Gips anfertigen und je »nachdem die Figuren leicht oder
nicht leicht sind, formiret man sie von 3, 4, 6, 10 oder 12 Stücken.«
Allzugrosse und insbesondere reicher ausgestaltete Figuren können dem
Verfasser demnach kaum als giessbar vorgeschwebt haben. Er giebt dann
weiter an: »Ihr müsset euren ausgehöhlten Gips so viel und offt mit Oel
bestreichen, als er das Oel wieder von sich giebt, und ihn mit Baum-Wolle
trocknen, hernach nehmet alle euere Stücke zusammen, und bindet sie mit
Stricklein, und sehet zu, wo es sich am füglichsten giesen lassen wolle.
Und nachdem ihr euer Wachs schmeltzen lasset, dass solches weder zu kalt
noch zu warm ist, so giest es in den Einguss des Gipses, ist es eine
kleine Figur, die ihr darzu gebrauchet, so lasset es eine kurtze Zeit
darinnen, hernach nehmet den irdenen Stüpffel heraus, damit ihr das Loch
des Eingusses verstopfft habt, und kehret eure Figur alsbald von oben zu
unterst, das Wachs in ein Gefäss ablaufen zu lassen, hernach lasset das
Wachs in der Form fein stille stehen, bedecket sie hernach, so habt ihr
eine ausgefüllte Figur im Wachs, so sie zu wenig Raum hat, muss man sie
mehr stille stehen lassen in der Form, ehe man sie herausnimmt; wo sie
aber zu dicke ist, muss man sie weniger Zeit darinnen lassen.«
[Illustration: Abb. 64. Adriaen de Vries, Merkurbrunnen in Augsburg.]
[Illustration: Abb. 65. Adriaen de Vries, Herkulesbrunnen in Augsburg.]
Diese Art der Wachsschichtherstellung in der Gipsform ist aus älteren
Beschreibungen nicht bekannt, doch zweifellos auch nur anwendbar bei sehr
einfachen Modellen. Man füllt also die Form mit flüssigem Wachs, das dann
zuerst an der Gipswandung erstarrt. Sobald man annimmt, dass die
erstarrte Schicht eine hinreichende Stärke erreicht hat, wird die Form
»gestürzt«, um den noch flüssigen Teil des Wachses wieder ausfliessen zu
lassen.
[Illustration: Abb. 66. Adriaen de Vries, Herkulesbrunnen in Augsburg.]
Nachdem der Verfasser dann angegeben, dass nach dem Gewicht des Wachses
die Menge des zum Guss nötigen Metalles zu berechnen ist, beschreibt er
die Herstellung des Kernes wie folgt: »Nachdem ihr euere Figur besagter
massen habt, so es ein Thier ist, das könnet ihr entweder in die Länge
oder quer durch mit einem warmen Messer entzwey schneiden; wenn es nun
zertheilet ist, könnet ihr Dohn (Thon) nehmen, so mit ein wenig fein
kleingemachten Kohlenstaub vermischet ist, schlagt es untereinander mit
einem eisernen Stäblein, damit er weich werde, wie ein Teig, alsdann
füllet mit dieser Erden eine Wachsfigur, und wann das mittelste trocken
ist, so beleget die Gegenden mit gar feuchter und kleiner Erden, da die
Nuss und die Figur zusammen schliessen sollen, und sehet wol zu, dass die
feuchte Erden nicht über die Rinde des Wachses gehe, und wann sie wieder
zusammen gesetzet sind, so ergäntzt es mit einem etwas warmen kupffern
oder eisernen Former, und schmelzet es an denen zusammen gefügten Orten
zu; wann das geschehen, so thut einen Guss von dem Wachs hinein, an dem
allerfüglichsten Ort, und der lang genug ist, mit Lufft-Löchern. So ihr
sehet, dass ein Theil an eurer Figur seye, da das Metall nicht wohl
durchfliesen wolte, so rollet kleine Stöcklein von Wachs, wie eine
Gänse-Feder gross, oder gröser, nach der Gröse euerer Figur, diese
lasset, mit einem warmen Eisen, an einigen Ort der Figur halten, und dass
die Spitze des Stöckleins komme an den Ort, da ihr vermuthet, dass das
Metall nicht wohl hinfliese, und machet es, wie gesagt worden, an der
Figur veste. Hernach nehmet kleine Steffte von Messing, oder Eisen, so
gross als ein Nadelknopff gross, so einen Finger ohngefehr lang ist, nach
der Gröse des Wachses, oder der Nuss, lasset diese Steffte die quer
hinein gehen in das Wachs, bis sie den Kern erreichen, und das Wachs
einen Faden breit darüber gehe, und stellet die Steffte so wol vornen als
hintendurch die Figur, und an die Enden, damit die Nuss von allen
Theilen, über gemeldten Stefften gehalten werde, und das äusserste nicht
berühre, noch darmit zusammen falle.«
Eines Kommentars bedürfen diese Angaben kaum, bemerkenswert ist nur,
dass der Kern nicht über einem vorher angefertigten Gerüst von
Eisenstäben hergestellt wird, sondern dass er nach dem Ausschmelzen des
Wachses nur durch die bereits früher erwähnten Kernstützstäbe in
unverrückbarer Lage zum Kernmantel gehalten wird.
[Illustration: Abb. 67. Wittelsbacher-Brunnen, München, Residenz;
gegossen von Hans Reisinger.]
Um den Mantel zu erhalten, sagt der Verfasser: »Nehmet guten
Gieser-Dohn, weichet ihn ein in warmen Wasser, als von Milch, in einem
irdenen Geschirr, darnach gieset ihn allmählich ab, in ein Gesätz, so
wird durch dieses Mittel der Griess oder Sand am Boden des ersten liegen
bleiben. Nachdeme ihr die gemeldte Erde sich setzen lassen, so gieset das
Wasser sachte darvon ab, und gieset wieder anders frisches darauf, und
mischet es wohl unter einander. Von dieser Erden nehmet mit einem grosen
Pensel, und gebet eine dünne Lage über euere Wachs-Figur, und wann sie
trocken, noch eine, und also bis auf sechse zu; hernach, wann es trocken,
so überziehet und stärket es mit der mit Scheer-Wolle zubereiteten Erde,
und wann es vollkommen trocken ist, so leget euere Forme auf eiserne
Stänglein in Gestalt eines Rostes, und sehet zu, dass das Wachs in der
Form nicht koche, es würde sie sonst zerbrechen; man muss sie auf eine
Seiten neigen, damit das Wachs durch den Einguss, nach dem Mass, als es
schmeltzet, heraus fliese, bis nichts mehr darvon drinnen ist. Wann
dieses geschehen, so leget eine Forme an ein gelind Feuer, bis sie gantz
durchdrungen seye, je mehr je besser, und lasset euch nicht verdriesen,
sie eine lange Weile zu backen, mitler Zeit dass sie backet, so lasset
euer Metall wohl heiss fliesen. Und, damit es fein sauber werde, ist
nothwendig, dass man zwey Schmelz-Tiegel im Feuer habe, damit man das
Metall aus dem einen in den anderen giesen könne, dessen Schaum oder
Schlacken darvon zu bringen. Wann nun das Metall wohl heiss ist, scharret
eure Forme in den Sand, das Metall hineinfliesen zu lassen, und lasset
erkalten; hernach zerschlaget die Erden, so werdet ihr euere Figur ohne
Rand oder Riss haben.«
[Illustration: Abb. 68. Peter Candid, Madonna an der Residenz in
München.]
[Illustration: Abb. 69. Peter Candid, Bavaria, München, Residenzgarten.]
Die schriftstellerische Darstellungsweise des Verfassers ist nicht
glänzend, doch man kann ihn verstehen, und vor allem lassen manche
Einzelheiten wohl darauf schliessen, dass er das Wachsausschmelzverfahren
nicht nur vom Hörensagen kannte; zu bedauern ist, dass der Verfasser
nicht angiebt, wo er seine Studien gemacht hat. Die Anwendbarkeit für
monumentale Werke scheint ihm allerdings nicht mehr bekannt gewesen zu
sein, er würde gewiss darauf hinzielende Andeutungen nicht vermissen
lassen.
Im Laufe des 18. Jahrhunderts kam die Erzplastik in Deutschland nicht
wieder zu Ehren. Die künstlerischen Anschauungen, die sich am Ausgange
des Jahrhunderts in schroffer Wandlung der antiken Formenwelt als dem
einzig würdigen Vorbilderkreise zuwandten, waren nicht geeignet, die
Liebe für das herbe Material wieder zu erwecken. Eines der köstlichsten
Dokumente für die ums Jahr 1800 in Bezug auf die Bronze wohl ziemlich
allgemein herrschende Sinnesart findet sich abgedruckt in der
Encyklopädie von Krünitz (Artikel Monument S. 668ff). Ueber das bereits
damals geplante Denkmal Friedrichs des Grossen schrieb »Herr Professor
Levezow« wie folgt: »Aber doch glaube ich zur Beantwortung einer
wichtigen Frage: aus welcher Materie dieses Denkmahl bestehen soll? kurz
hinzufügen zu müssen, da vielleicht der Gedanke, dass die Kostbarkeit der
Materie demselben einen grösseren Wert verleihen kann, der nothwendigen
Grösse desselben in der Ausführung und der auch davon abhangenden
Wirkungen des Ganzen, den glücklichsten Eindruck rauben kann... daher
geb' ich es gern zu, dass zur Unterstützung der ganzen ästhetischen
Wirkung der Statue Friedrichs, der =Marmor von Carara nothwendig ist=;
dessen reiner dem Zutritt der freyen Luft nicht ausgesetzten und deshalb
immer bleibenden Schönheit ich doch gern den Vorzug vor der zwar
grösseren Stärke des doch zu Anfang blendenden und im =Alter durch Rost
entstellten Erzes= geben möge...«
[Illustration: Abb. 70. Peter Candid, Mariensäule in München.]
[Illustration: Abb. 71. Hub. Gerhard und Martin Frey, Erzengel Michael,
München, Michaelskirche.]
Wenn solche Anschauungen von hochgeachteten Männern öffentlich
ausgesprochen werden konnten, ohne den Urheber lächerlich zu machen, wird
man darnach das Urteil der grossen Menge bemessen können.
[Illustration: Abb. 72. Perseus-Brunnen, München, Residenz; Guss von
Martin Frey.]
[Illustration: Abb. 73. Andreas Schlüter, Denkmal des Grossen Kurfürsten
in Berlin.]
Bemerkt zu werden verdient noch, dass in den zahlreichen deutschen, die
Giesserei behandelnden Werken des 18. sowohl, wie des beginnenden 19.
Jahrhunderts stets am ausführlichsten über das Wachsausschmelzverfahren
gesprochen, und dass zumeist dieses auch als das vollkommenste
hingestellt wird. Dabei ist allerdings unschwer nachweisbar, dass die
Herren Verfasser fast durchgehends aus vorhandenen Quellen schöpften.
Irgend etwas Neues über die Art der Einformung ist aus jenen
Veröffentlichungen nicht zu lernen, sie mögen deshalb, soweit nicht bei
anderer Gelegenheit davon zu sprechen ist, unberücksichtigt bleiben.
In =Frankreich= sind die bedeutsamsten Bronzegusswerke im 17. und 18.
Jahrhundert entstanden. Doch dass man auch in früheren Jahrhunderten
bereits die Gusstechnik beherrschte, geht aus der bereits angeführten
Schrift des Etienne Boyleaux hervor. Und seit jener Zeit scheint diese
Kunst eifrig weiter gepflegt worden zu sein. Benvenuto Cellini sagt, dass
in der Gegend von Paris mehr Bronzegegenstände gegossen würden, als in
der ganzen übrigen Welt, und der bekannte italienische Künstlerbiograph
des 16. Jahrhunderts, Vasari, berichtet uns darüber bei Gelegenheit der
Aufzählung von Primaticcios Werken, der sich mit anderen italienischen
Künstlern unter König Franz I. längere Zeit in Frankreich, besonders in
Fontainebleau, aufhielt.
[Illustration: Abb. 74. Grabmal Kaiser Ludwigs des Bayern, München,
Frauenkirche; zum Teil gegossen von Dionysius Frey aus Kempten.]
Vasari giebt an, dass Primaticcio vom Könige nach Italien gesandt wurde,
um antike Bildwerke anzukaufen. Ausser Marmorskulpturen brachte er von
einigen grossen Hauptwerken auch Gipsabgüsse mit nach Frankreich, um nach
ihnen Reproduktionen in Bronzeguss auszuführen. Die Absicht wurde auch
verwirklicht und Vasari bemerkt dazu: er wolle nicht verschweigen, dass
Primaticcio zur Ausführung jener Statuen so treffliche Meister des Gusses
hatte, dass die Güsse nicht nur genau ausfielen, sondern auch mit einer
so reinen Oberfläche, dass sie des Ausputzens gar nicht bedurften. Als
Giesser dieser zumeist noch erhaltenen Figuren und Gruppen werden unter
anderen genannt: Pierre Bontemps, Francisque Rybon, Pierre Beauchesne und
Benoist le Bouchet.