Der einfacheren Handhabung wegen und um alle Tiefen der Gipsform leicht

erreichen zu können, zerlegt man sie wieder in ihre Hauptteile, dann

giesst man, wie Cellini weiter beschreibt: »ein wenig feines Fett in ihre

Höhlung, in welche alsdann eine Schicht Wachs, Thon oder Nudelteig (woher

dies Verfahren auch das »Nudeln« heisst) eingedrückt wird. Zu diesem

Zwecke schneidet man in ein Stück Holz eine Höhlung von der Grösse der

Handfläche und der Tiefe eines guten Messerrückens, auch mehr oder

weniger tief, je nach der Stärke, welche man dem Gusse geben will. In

diese Art von hölzerner Form füllt man (in gleichmässiger Dicke) den

Teig, nimmt ihn dann heraus und drückt ihn so in die Hohlform aus Gips,

dass ein Stück das andere genau berührt. Ist auf diese Weise die Form von

oben bis unten damit überzogen, legt man ihre Hälften nebeneinander auf

den Boden und macht ein Gerüst aus Eisen, welches dadurch, dass man den

Stangen die Krümmungen des Rumpfes und der Gliedmassen des Modelles

giebt, der Statue gleichsam als Gerippe dienen soll. Darüber trägt man

dann nach und nach mageren, d. h. mit Scherwolle gekneteten Thon auf, den

man ab und zu an der Luft oder am Feuer trocknen lässt, bis endlich das

Gerüste die Hohlform vollständig ausfüllt, wovon man sich durch

wiederholtes Aneinanderpassen derselben überzeugt. Berührt dieser

Formkern überall die Nudelschicht, so wird er wieder herausgenommen,

ringsum von oben bis unten mit feinem Eisendraht umwunden und so lange

starker Hitze ausgesetzt, bis er gebrannt ist. Ist dies geschehen, so

bestreicht man ihn mit einem ganz feinen Brei aus mit Scherwolle

gemischter Erde, Ziegelpulver und gestossenen Knochen, worauf durch

nochmaliges Erhitzen auch dieser Ueberzug gebrannt wird. Hat man dann

nach Entfernung der Nudelschicht die Form innen mit dem allerfeinsten

Speck dünn eingerieben -- und zwar mit erwärmtem, weil dieser besser in

den Gips einzieht --, sind dann auch die Eingussröhren für das Wachs

angebracht, so befestigt man mittels einiger Eisenstangen, die man vom

Gerüste des Kernes hat herausragen lassen, Hohlform und Kern

wechselseitig derart, dass sie sich gegeneinander nicht verrücken können.

Hat man die Hüllen recht fest miteinander verbunden, so richtet man die

Statue auf und bringt zum wenigsten noch vier Luftkanäle an; je mehr

ihrer sind, desto sicherer wird die Füllung der Form mit Wachs vor sich

gehen. Zwei der Luftkanäle werden an den Händen angebracht, zwei andere

an den tiefsten Stellen der Füsse. Um sich diese Arbeit zu erleichtern,

stellt man die Form auf eine erhöhte Unterlage, bohrt mit grosser

Vorsicht ein Loch in schräger Richtung nach unten, ohne dass irgend

Unreinigkeiten in das Innere der Form gelangen, steckt in das Loch Stücke

Schilfrohr, die man mit Verständnis aufwärts biegt und, Rohr an Rohr, zu

einer an der Statue emporsteigenden Röhre verbindet. Ist so bei

sämtlichen Luftkanälen verfahren, so werden die Stellen, wo zwei

Rohrstücke sich aneinander fügen, wie auch die, wo das erste im Loche

sitzt, mit etwas feuchtem Thon verschmiert, damit das Wachs keine Lücken

zum Herausfliessen finde. Darauf kann man das Wachs heiss und gut

geschmolzen einströmen lassen. Wenn nur alle Vorarbeiten, besonders die

Anbringung der unteren Luftkanäle, richtig ausgeführt sind, wird die Form

sich bei noch so schwieriger Haltung der Figur leicht füllen. Nachdem man

die Form einen Tag lang, zur Sommerszeit zwei Tage, sich hat abkühlen

lassen, nimmt man die Banden mit grösster Sorgfalt ab und löst alle

Fäden, welche die einzelnen Formstücke an ihre gemeinsame Gipshülle

befestigen. Deren erste Hälfte wird nun leicht abzuheben sein, weil das

Wachs sich während der zweitägigen Ruhe wenigstens um die Dicke eines

Pferdehaars zusammengezogen hat. Ebenso entfernt man die zweite Hälfte

der Hülle und legt dann beide Teile so auf niedrige Böcke, dass man mit

den Händen darunter greifen kann. Nun löst man von der Statue auch alle

einzelnen Formenstücke, die vorhin durch Drahtringe und Bindfäden an der

Hülle befestigt gewesen, eines nach dem anderen auf das sorgfältigste ab,

putzt die Gussnähte sauber fort und überarbeitet die ganze Figur recht

gründlich. Dabei lassen sich Einzelheiten und anmutige Zuthaten noch mit

leichter Mühe ansetzen.«

[Illustration: Abb. 30. Verrocchio, Brunnen im Pal. Vecchio zu Florenz.]

[Illustration: Abb. 31. Verrocchio, Christus und Thomas, Florenz, Or San

Michele.]

Auch diese Ausführungen Cellinis bedürfen der begründenden Erklärungen.

Zunächst ist auffallend das als »Nudeln« bezeichnete Zwischenverfahren,

das man, wie es scheint, zu anderen Zeiten kaum angewendet hat, dem aber

gewisse Vorteile kaum abzusprechen sind.

Die Form eines Kopfes diene weiter als Beispiel. Wenn die Gipshohlform

vorhanden ist, dient sie zunächst dazu, den Kern zu erhalten, das ist auf

verschiedene Weise möglich, das »Nudeln« ist der umständlichste Weg.

[Illustration: Abb. 32. Verrocchio, Denkmal des Colleoni, Venedig.]

In einer gleichmässig vertieften Platte stellt man zuerst dünne Scheiben

in einer beliebigen knetbar weichen Masse z. B. Teig, Thon oder Wachs her

und legt mit dieser die Gipsform möglichst gleichmässig aus, doch kommt

es durchaus nicht darauf an, dass diese Schicht in alle Tiefen gedrückt

wird, sie hat ja weiter keinen Zweck, als die Herstellung des Kernes zu

erleichtern -- den Abstand des Kernes von der Formfläche überall gleich

zu erhalten, dann auch die leicht verletzliche Form vor Beschädigung zu

schützen. Der Kern aus Thon mit Scherwolle wird, wie Cellini allgemein

verständlich beschreibt, über einem Eisengerüst, das in geeigneter Weise

gestaltet ist, aufgetragen und allmählich von unten nach oben

fortschreitend in die mit der Hilfsschicht ausgelegte Gipsform sorgfältig

eingepasst (Abb. 23).

Ist so der ganze Kern fertig gestellt, so wird die Gipsform mitsamt der

Hilfsschicht abgehoben und der Kern, nachdem er von oben bis unten mit

feinem Eisendraht umwunden ist, geglüht. Um danach wieder dem Kerne eine

schlichte Oberfläche zu geben, wird er mit der von Cellini angegebenen

Masse dünn überzogen und darauf noch einmal gebrannt.

Wesentlich einfacher ist die Bildung des Kernes, wenn in der Art

verfahren wird, die Cellini ebenfalls beschreibt, von der er allerdings

sagt, dass sie weniger zuverlässig sei. Dieses Verfahren besteht darin:

»den Gusskern der Statuen anstatt aus Thon, aus mit gebrannten Knochen

und gepulverten Ziegeln gemischtem Gips herzustellen. Trifft es sich,

dass der Gips gerade von der rechten Sorte ist, so ist dies Verfahren ein

leichteres, weil man, anstatt die Ueberzüge einen nach dem anderen von

Thon aufzutragen, den mit einer gleichen Menge der erwähnten Zuthaten zu

einem Brei angerührten Gips sofort über die in die Hohlform gedrückte

Nudelschicht giessen und dort erhärten lassen kann. Dann nimmt man ihn

aus der Höhlung, umwickelt den ganzen Kern fest mit Eisendraht, den man

nachher wieder recht achtsam mit einem etwas flüssigeren Brei der obigen

Mischung, verstreicht. Nun brennt man den Kern wie einen irdenen....«

Wird alsdann über dem verglühten Kerne die Gipsform, aus der nun die

Hilfsschicht entfernt ist, wieder zusammengebaut, so entsteht natürlich

an Stelle jener Hilfsschicht zwischen Kern und Gipsform ein freier Raum,

diesen in allen Feinheiten mit flüssig einzugiessendem Wachs zu füllen,

ist die nächste Aufgabe.

[Illustration: Abb. 33. Verrocchio, Denkmal des Colleoni, Venedig.]

[Illustration: Abb. 34. Jac. Sansovino, Gestalt des Friedens, Venedig,

Loggietta.]

Cellini giebt an, wie zu dem Zwecke Röhren anzubringen seien, es bedarf

hier nicht der Wiederholung, nur auf das Princip, das gleichartig auch

beim Einguss des flüssigen Metalles verfolgt wird, sei kurz hingewiesen.

Es kommt beim Einfüllen der erstarrenden Masse darauf an, sie mittels

Röhren zunächst in die tiefst gelegenen Teile der Form zu leiten und sie

darin gleichmässig ansteigen zu lassen. Nur so ist es zuverlässig

erreichbar, die Form in allen Tiefen zu füllen. Die Gefahr der

Verstopfung enger Formhöhlungen, ehe sie gänzlich mit Wachs gefüllt sind,

wird dann sehr gering; der Luft bleibt hinreichend Zeit zu entweichen.

Nicht ganz klar ersichtlich ist aus der Beschreibung, wie die Röhren

angebracht werden sollen. Das einfachste dürfte sein, die Eingusskanäle

zwischen den beiden Schichten der Teilform mit Durchbohrung der Innenlage

anzuordnen, Schilfrohr wäre dann entbehrlich. Da solches zu Hilfe

genommen wurde, muss angenommen werden, dass auch der äussere Gipsmantel

durchbohrt wurde und dass von den erhaltenen Oeffnungen aus

Schilfröhrchen, die mit Thon gedichtet wurden, an der Aussenwandung der

Form hinaufgezogen wurden, etwa wie in der Skizze Abbildung 24 angegeben

ist.

[Illustration: Abb. 35. Jac. Sansovino, Pallas Athene, Venedig,

Loggietta.]

[Illustration: Abb. 36. Bartolommeo Ammanati, Brunnen in Florenz, Piazza

del Granduca.]

Bei E wird eingegossen, die flüssige Masse strömt zuerst bei a, a in die

Form, sobald diese bis b, b gefüllt ist, tritt sie durch die dort

mündenden Nebenzweige des Eingussrohres und so fort, wenn noch weitere

übereinander angebracht sind. Bei dieser Art der Füllung kann bereits die

Wachsmasse in den unteren Teilen zur Ruhe kommen, während in die oberen

noch die Flüssigkeit einströmt, und der stetig gesteigerte Druck wird die

noch nicht erstarrte Masse in alle Feinheiten der Form pressen. Ohne

weiteres ersichtlich ist, dass diese Vorteile fortfallen müssten, wenn

man von oben, unmittelbar in den Raum zwischen Kern und Form, z. B. da,

wo in der Skizze die Oeffnung für die verdrängte Luft angenommen ist, das

flüssige Wachs einströmen lassen würde, wie es nach dem citierten Text

den Anschein haben könnte, da die Eingussröhren ebenfalls als Luftröhren

bezeichnet sind.

[Illustration: Abb. 37. Bartolommeo Ammanati, Brunnen in Florenz, Piazza

del Granduca.]

Nachdem dann das eingegossene Wachs ein bis zwei Tage lang abgekühlt ist,

wird die Gipsform in der Weise entfernt, dass zuerst die die inneren

Teilstücke haltenden Fäden durchschnitten werden, wodurch die grossen

äusseren Mantelstücke abhebbar werden. Erst wenn diese fortgenommen sind,

lassen sich natürlich die einzelnen Teilstückchen von den Rundungen und

Tiefen des nun in Wachs vorhandenen Modells lösen.

Am Wachs können nun nach Bedarf weitere Durchführungsarbeiten vorgenommen

werden, die besonders wertvoll werden, wenn, wie es in früheren

Jahrhunderten anscheinend stets zu geschehen pflegte, die Künstler, die

das Originalmodell geschaffen haben, auch das Wachsmodell mit eigner Hand

vollenden. Auch etwa nicht miteingeformte sehr zarte, vortretende oder

voll unterschnittene Teile würden nun in Wachs hinzugefügt werden müssen.

Für die Metallgussform ist der über dem Eisenskelett aufgebaute Kern und

die durchaus die Stelle des künftigen Metalles ersetzende Wachsschicht

vollendet, die weitere Aufgabe ist es, die Wachslage mit dem äusseren

Formmantel zu umhüllen und in diesem Mantel Röhren anzubringen, die

einerseits dem geschmolzenen Wachs das Ausfliessen und dem flüssigen

Metalle das Einströmen gewähren und anderseits solche, die die Luft

entweichen lassen.

Die Schmelzbarkeit des Wachses nutzt man auch für die Herstellung der

Röhren aus, man trägt also nicht zuerst den Formmantel auf und bringt in

diesem durch Bohrung Kanäle an, man beginnt vielmehr mit Anfertigung der

Röhren, d. h. man giebt Wachsstäbchen von hinreichender Stärke die Lage

am Wachsmodell, die die Röhren später einnehmen sollen (Abb. 25).

Cellini sagt darüber, es seien: »sämtliche Luftkanäle, die man für den

Bronzeguss anzubringen beschlossen hat, aus Wachs anzufügen und zwar in

schräg nach unten verlaufender Richtung; später, wenn der Thonüberzug

erst aufgetragen ist, lassen sie sich leicht durch thönerne Röhren nach

oben gebogen fortsetzen.« Und weiter giebt er an: »dass die Luftkanäle

deswegen schräg nach unten verlaufen müssen, damit das Wachs besser

ablaufen könne und die Form nicht durch andernfalls nötiges Hin- und

Herwenden leide und Gefahr laufe, zu zerbrechen.«

[Illustration: Abb. 38. Ammanati und Tribolo, Brunnen in Villa reale di

Castello bei Florenz.]

Beim Auftragen des äusseren Formmantels kommt es vor allem darauf an,

dass er möglichst fein die Wachsschicht in allen zarten Teilen deckt. Man

beginnt deshalb damit, mit einem weichen Pinsel eine flüssig breiige

Formmasse aufzutragen, deren Herstellung Cellini wie folgt beschreibt:

»Nun pulverte ich gebranntes Hornmark von Hammeln. Solches gleicht einem

Schwamme, lässt sich leicht brennen und übertrifft an Güte alle anderen

gebrannten Knochenarten. Gleichfalls pulverte ich halb so viel Tripel und

ein Viertel Hammerschlag und vermischte die drei Teile in einem Aufguss

von Rinds- oder Pferdemist, den ich erhielt, indem ich letzteren in einem

feinlöcherigen Siebe mit reinem Wasser übergoss.« Diesen Brei trug

Cellini »in gleichmässiger Dicke... über die Wachshülle der Figur auf,

liess ihn trocknen und fuhr so fort, bis er eine Schicht von der Dicke

eines Messerrückens bildete.« Diese Schicht überzog er: »mit einer Hülle

aus Formerde in der Dicke eines halben Fingers... und nachdem diese

getrocknet war, mit einer zweiten, endlich mit einer dritten von

Fingerdicke.«

Der Formmantel, der mit Eisenbändern umwunden werden muss, wird

schliesslich die Stärke haben müssen, dass sämtliche in Wachs

vorgebildeten Kanäle darin Platz haben, und dass er zugleich die

notwendige Widerstandsfähigkeit erreicht (Abb. 26).

Die Gussform ist dann vollendet, es ist nur noch nötig, sie langsam zu

erwärmen, das Wachs sorgfältig ausfliessen zu lassen und das flüssige

Metall einzufüllen. Die Form wird, um diese letzte Aufgabe erfüllen zu

können, wie früher beschrieben ist, in der Dammgrube, unmittelbar vor dem

Ofen, in dem das Metall geschmolzen wird, in Sand eingestampft.

Eine künstlerische Würdigung der italienischen Erzplastik des 15. bis 19.

Jahrhunderts würde über den Rahmen dieser die Technik behandelnden

Schrift hinausgehen, nur die bedeutsamsten grösseren öffentlich

aufgestellten Werke und die Namen ihrer Schöpfer mögen angeführt werden.

[Illustration: Abb. 39. Giov. da Bologna, Neptunsbrunnen in Bologna.]

Die meisten italienischen Bildhauer des 15. Jahrhunderts waren in der

Schule des Goldschmiedes gebildet, schon deshalb ist man gern geneigt,

ihnen einen wichtigeren Anteil auch an der Gussausführung ihrer Werke

einzuräumen, mit Sicherheit darüber zu entscheiden, ist jedoch bei den

spärlichen oder unzuverlässigen Nachrichten über diesen Punkt selten

möglich.

[Illustration: Abb. 40. Giov. da Bologna, Merkur auf dem Windhauch.]

Lorenzo Ghibertis Thüren am Florentiner Baptisterium wurden bereits

erwähnt, auch grosse Freifiguren hat derselbe Künstler in Bronzeguss

geschaffen: die Gestalten Johannes d. T. (Abb. 27), des Matthäus (Abb.

28) und des heil. Stephanus für die Nischen an Or San Michele in Florenz.

Neben Ghiberti hat der grösste Bildner des Quattrocento, Donatello,

zahlreiche Modelle für den Erzguss geschaffen, sein persönlicher Anteil

an der Ausführung ist jedoch sehr in Frage gestellt. Während der

gemeinschaftlichen Thätigkeit mit Michelozzo wird diesem die Leitung der

Gussarbeiten zugefallen sein, und in Padua war ein dort ansässiger

Glockengiesser der ausführende Meister. Gaurikus sagt, dass Donatello

niemals selbst gegossen habe. Von Donatellos Werken seien nur genannt die

Judith in der Loggia dei Lanzi und der Gattamelata in Padua (Abb. 29),

das erste grosse erzene Reiterbild, das seit vielen Jahrhunderten wieder

entstand.

[Illustration: Abb. 41. Giov. da Bologna, Denkmal Cosimos I. di Medici in

Florenz.]

[Illustration: Abb. 42. Giov. da Bologna, Denkmal Ferdinands I. di Medici

in Florenz.]

Kaum weniger hervorragende Gusswerke gehören auch der zweiten Hälfte des

15. Jahrhunderts an.

In den Jahren 1451 und 1454 sollen Niccolo di Giovanni Baroncelli und

Antonio di Cristoforo in Ferrara nach eigenen Modellen ein Reiterdenkmal

des Niccolo und ein Standbild des Borso d'Este, die beide nicht mehr

erhalten sind, in Bronze gegossen haben.

Verrocchio schuf die höchst anmutige Brunnenfigur des Knaben mit dem

Delphin im Hofe des Pal. Vecchio zu Florenz (Abb. 30), weiter die Gruppe

des Christus und Thomas für Or San Michele (Abb. 31) und das gewaltige

Reiterbild des Colleoni für Venedig (Abb. 32 u. 33); von Verrocchio wird

ausdrücklich berichtet, dass er 1488 infolge einer Erkältung, die er sich

bei den Gussarbeiten dieses Reitermonumentes zuzog, gestorben sei.

Zweifellos selbst als Erzgiesser thätig dürften die Brüder Pollajuolo

gewesen sein. Von Antonio möge hier das in der Peterskirche in Rom

aufgestellte Grabmal des Papstes Innocenz VIII. mit der Kolossalfigur

dieses Kirchenfürsten nicht ungenannt bleiben.

Zahlreicher noch sind die im 16. und 17. Jahrhundert in Italien

geschaffenen grossen Bronzegusswerke, wenn auch eine Zeitlang unter dem

Einflusse Michelangelos, der dieser Technik entschieden abgeneigt war,

ein Zurückgehen der Gussplastik unverkennbar ist.

Neben den Denkmälern und grossen dekorativen Skulpturen nehmen jetzt vor

allem die Monumentalbrunnen, die bisher nur selten mit figürlichem

Bronzeschmuck ausgestattet waren, eine wichtige Stellung ein.

In Venedig und den Nachbarstädten entstanden nach dem 15. Jahrhundert

öffentlich aufgestellte grosse Erzwerke nur wenige. Die Brunnenmündungen

im Dogenpalast, von der Hand Jacopo Sansovinos vier Figuren für die

Loggietta (Abb. 34 u. 35) und die sitzende Porträt-Figur des Thomas von

Ravenna über dem Portal von S. Giuliano, weiter Tiziano Aspettis Statuen

St. Pauli und Mosis für die Fassade von St. Francesco della Vigna sind

ausser den im Inneren der Kirchen aufgestellten Gusswerken die

bemerkenswertesten Leistungen.

[Illustration: Abb. 43. Pietro Tacca, Brunnen auf der Piazza del

Annunciata in Florenz.]

[Illustration: Abb. 44. Pietro Tacca, Denkmal Ferdinands I. in Livorno.]

In Toscana blüht auch im 16. Jahrhundert der Kunstguss wie vorher. Im

Jahre 1509 goss Bernardino von Lugano nach Rusticis Modell die kraftvolle

Gruppe der Predigt Johannis d. T., die über der Nordthür des

Baptisteriums in Florenz aufgestellt wurde.

Von dem Hauptgusswerke Benvenuto Cellinis, dem um 1550 geschaffenen

Perseusmonument in der Loggia dei Lanzi in Florenz, ist bereits die Rede

gewesen. Ueber dem Portal des Florentiner Baptisteriums wurde in dieser

Zeit die Gruppe der Enthauptung Johannis d. Täufers von Vincenzo Danti

aufgestellt, der für Perugia eine Denkmalstatue des Papstes Julius III.

schuf.

Um das Jahr 1570 wurde auf der Piazza del Granduca in Florenz der Brunnen

Bartolommeo Ammanatis aufgestellt, dessen bekrönender Neptun zwar in

Marmor gebildet, dessen leicht schwebende Satyrn und Pane am Beckenrande

aber in Erz gegossen wurden (Abb. 36 u. 37).

In der mannigfaltigsten Weise bediente sich der aus den Niederlanden

gebürtige Giovanni da Bologna der Erzgusstechnik bei seinen zahlreichen

grossen Werken. Der Neptuns-Brunnen in Bologna, bei dem die Figuren und

alle dekorativen Teile in Bronze ausgeführt waren, begründete den grossen

Ruhm des Künstlers (Abb. 39). Als Bekrönungsfigur eines Brunnens war

zweifellos auch der bekannte höchst graziöse »Merkur auf dem Windhauch«

gedacht (Abb. 40).

Desselben Künstlers Reiterbilder der Mediceer Cosimo I. (Abb. 41) und

Ferdinand I. (Abb. 42) in Florenz sind als Beispiele der grossen

Denkmalplastik in Erz für die Zeit um 1600 von hohem Interesse.

Von den in Italien gebliebenen Bronzewerken des Pietro Tacca, des

Schülers und Mitarbeiters Giovannis da Bologna sind aus der ersten Hälfte

des 17. Jahrhunderts in Florenz die beiden Brunnen auf der Piazza del

Annunciata (Abb. 43) und in Livorno das Denkmal Ferdinands I. mit den

gefesselten Negersklaven am Sockel zu nennen (Abb. 44).

Die Reiterstatuen des Alessandro und Ranuccio Farnese (Abb. 45) auf dem

grossen Platze in Piacenza wurden nach den Modellen des Francesco Mocchi

d. J. im Jahre 1625 von dem römischen Giesser Marcello, wie es heisst,

jede in einem Gusse, vollendet.

[Illustration: Abb. 45. Denkmal des Ranuccio Farnese, Piacenza. Modell

von Fr. Mocchi, Guss von Marcello.]

Auch in Rom entstand in der zweiten Hälfte des 16. und im 17. Jahrhundert

eine Reihe sehr bedeutsamer Bronzegusswerke, die vor allem in der

Peterskirche Aufstellung fanden. Von den unter freiem Himmel stehenden

monumentalen Gussarbeiten des 16. Jahrhunderts sei Taddeo Landinis

treffliche Fontana delle Tartarughe angeführt (Abb. 46).

In der zweiten Hälfte des 17. und im 18. Jahrhundert treten in Italien

die Denkmal- und Brunnenskulpturen mehr und mehr zurück, und zugleich

damit nimmt die Verwendung der Bronze immer mehr ab. Nur wenige grosse

statuarische Werke entstehen noch, wenn die für die Kirchen geschaffenen

Denkmäler unberücksichtigt bleiben dürfen.

Die Technik des Erzgusses gerät dennoch in Italien, wie es scheint, nie

in dem Masse in Vergessenheit wie besonders im 18. Jahrhundert in

Deutschland. In weitestem Umfange ausgeübt wird aber die Giesserei

monumentaler Werke auch in Italien erst wieder im 19. Jahrhundert, das

Formverfahren blieb auch dann zunächst das altübliche mit Hilfe von

Wachs, erst verhältnismässig spät wurde für grosse Erzmonumente in

Italien das unten näher besprochene Teilformverfahren in Sand nach dem

Beispiele Frankreichs und Deutschlands eingebürgert.

Eine neue Glanzperiode der Giesskunst begann mit dem 16. Jahrhundert

auch nordwärts der Alpen, besonders in =Deutschland=. Die ersten und

grossartigsten plastischen Arbeiten der Renaissance waren auch bei uns in

Bronzeguss ausgeführt. Die berühmtesten Giesserwerkstätten finden sich in

dieser Zeit aber nicht mehr in Niederdeutschland. Die den

Haupthandelsverkehr mit Italien vermittelnden reichen süddeutschen

Städte, vor allem Nürnberg und Augsburg, sind zu den bedeutsamsten

Mittelpunkten des deutschen Kunstschaffens geworden.

[Illustration: Abb. 46. T. Landini, Fontana delle Tartarughe in Rom.]

Grabmäler und Brunnen waren die vornehmsten Aufgaben, die die

Giesskünstler jener Städte beschäftigten.

Wenn nun auch die Nachrichten über die Giessmeister des 16. und der

folgenden Jahrhunderte durchaus nicht so spärlich fliessen, so sind

genauere Angaben über die Art der Ausführung auch berühmtester

Bronzewerke kaum erhalten oder nur mühsam aus noch vorhandenen

geschäftlichen Vereinbarungen zusammen zu suchen.

Ueber das Grabmal des Heiligen Sebaldus in Nürnberg (Abb. 47 u. 48), das

von Peter Vischer und seinen Söhnen in den Jahren 1506 bis 1519 in

Nürnberg geschaffen wurde, und ebenso über die weiteren vielgerühmten

Gusswerke dieser volkstümlichsten deutschen Kunstgiesserfamilie sind

Nachrichten, die sich auf die Herstellungsweise, insbesondere auf die Art

der Einformung beziehen, nicht überliefert (Abb. 49).

[Illustration: Abb. 47. Peter Vischer, Sebaldusgrab, Nürnberg.]

[Illustration: Abb. 48. Peter Vischer, Selbstbildnis am Sebaldusgrab in

Nürnberg.]

Etwas günstiger ist es in dieser Beziehung bestellt mit dem, dem

Sebaldusgrab an Berühmtheit kaum nachstehenden Grabmal des Kaisers

Maximilian in der Hofkirche in Innsbruck (Abb. 50).[15] Die zahlreichen

überlebensgrossen Bronzefiguren dieses Monumentes sind im Laufe des 16.

Jahrhunderts von verschiedenen Künstlern, deren Namen mit ziemlicher

Sicherheit für die einzelnen Statuen nachweisbar sind, entworfen und

gegossen. Die beiden köstlichsten Rittergestalten zur Seite des

eigentlichen Grabmals -- König Arthur (Abb. 51) und Theoderich (Abb. 52)

-- werden wohl mit Recht als Werke Peter Vischers angesehen. Zweifellos

fest steht, dass er zwei Figuren ausgeführt hat und der Lieferungstermin

deutet auf die genannten hin. Von anderen Giesskünstlern, die am Grabmal

mitgearbeitet haben, sind besonders zu nennen die Gebrüder Stefan,

Heinrich, Melchior und Bernhard Godl, Peter, Gregor und Hans Christoph

Löffler, Hans Lendenstreich und Ludwig de Duca. Ueber das erste grosse

zum Denkmal gegossene Erzbild giebt der Meister Peter Löffler in einem

1508 an den Kaiser gerichteten Schreiben eine wichtige technische

Auskunft, er sagt: »Nun lass ich Kais. M. wissen, dass ich das bild mit

seiner zugehörung vor sant Jakobs tag nicht giessen mag, ursach halber

die Formen ob dem bild kann und mag ich bei dem Feuer nicht trocknen. Es

muss von ihm selber an der Luft trocknen; denn das bild selber ist ganz

von wachs gemacht. Wenn ich das bild bei dem Feuer wollt trocknen, so

zergieng das wachs, und wär all arbeit daran verloren.« Weitere Notizen,

die die Art des Formverfahrens ebenso mit Sicherheit erkennen lassen,

sind besonders erhalten über die die Mitte des Grabmals bekrönende

Gestalt des knieenden Kaisers selbst und vier Tugendengestalten (Abb.

53). Für die Modellierung dieser Figuren war der Bildhauer Alexander

Colin aus Mecheln berufen, der Guss wurde zunächst Hans Christoph Löffler

übertragen. Colin sollte »dieselben pilder und stücke« zum Giessen

zusammenrichten. Auch habe er die Patronen (das sind Formen) von Gips,

»darein er die pilder und andere stuck von Wachs gegossen«, dem Löffler

zuzustellen, damit dieser, falls ein Guss missraten sollte, wieder

darnach giessen könne. Löffler lehnt schliesslich den Guss ab, und man

berief Hans Lendenstreich von München. Lendenstreich wünscht, dass er mit

allem versorgt wird. Er fordert Metall, Schmelztiegel, Kohlen, Ziegel,

Erde, Lehm, Sand, Scherwolle und Kälberhaare, welche er unter den Lehm

mischen müsse, Eisendraht und einen Schmied für das Eisenwerk. Auch

Lendenstreich kam nur dazu, die Gestalten der Tugenden zu giessen, die

Kaiserfigur wurde schliesslich von Ludwig de Duca gegossen. Auch dieser

giebt die wichtigsten Materialien an, deren er bedürfe: 30 Centner

Metall, ein Centner Wachs, weiter Eisen, Gips, Scherwolle, Lehm und

Ziegel.

[15] Vergl. D. v. Schönherr, Gesammelte Schriften. Innsbruck 1900.

Bei der Vereinbarung um die Ausführung der Statue Chlodwigs verpflichtet

sich Georg Löffler »alles ganz und von einem Stück« zu fertigen, »damit

solch pild um so vil ganz und reiner gefall«.

[Illustration: Abb. 49. Peter Vischer, Grabmal des Erzbischofs Ernst,

Magdeburg, Dom.]

[Illustration: Abb. 50. Grabmal Kaiser Maximilians, Innsbruck,

Hofkirche.]

Technik der Bronzeplastik · 第 4 / 12 段