grossen Zeit: die im Jahre 1015 gegossenen riesenhaften Thürflügel im
Dome (Abb. 8), die bekanntlich in Anlehnung an die Trajanssäule im Jahre
1022 entstandene erzene Bernwardssäule (Abb. 9) und die ebenfalls in
Hildesheim erhaltenen künstlerisch und technisch gleich wertvollen
Altargeräte.
Dass bei allen diesen Werken das Wachsausschmelzverfahren Anwendung
gefunden hat, ist ziemlich unzweideutig zu erkennen. Schriftliche
Nachrichten fehlen leider auch für diese Werke, allein der wenig jüngere
Theophilus giebt uns doch genaue Beschreibungen verschiedener Formungs-
und Giessverfahren, die gleichartig auch bei den Hildesheimer Arbeiten
angewendet sein dürften.
[Illustration: Abb. 9. Bernwardssäule, Hildesheim.]
Die von Theophilus beschriebene Einformung eines Rauchfasses ist hier
zunächst von Interesse, als Beispiel des Verfahrens, das bei allen
komplizierter gestalteten, insbesondere hohlen Gussstücken damals
angewendet sein wird. Der kunstgeübte Mönch beschreibt das
Wachsausschmelzverfahren genau in der vorher (S. 19ff.) besprochenen
Ausführungsweise, nur Einzelheiten aus den Angaben des Theophilus seien
hier noch einmal hervorgehoben. Um eine geeignete Masse für den Formkern
und den Formmantel zu erhalten, sagt er: »Nimm mit Mist gemischten und
gut gemahlenen Thon, lasse ihn an der Sonne trocknen, den getrockneten
mache klein und siebe ihn mit Sorgfalt, den gesiebten dann vermische mit
Wasser und verreibe ihn tüchtig...« Von der den Kern umschliessenden
Wachsschicht, der künftigen Metallstärke, sagt er ausdrücklich: »siehe
zu, dass das Wachs an keiner Stelle dicker, noch dünner sei, als an den
übrigen.« Ganz besonderen Wert legt er auf das sorgfältige Ausglühen der
Form. Auf alles weist er in seiner schlichten Weise den Unkundigen hin,
so dass man sehr wohl nach seinen Angaben zu arbeiten vermöchte.
[Illustration: Abb. 10. Formschema, s. unten.]
Das von Theophilus für die Herstellung einer Glocke anzuwendende
Formverfahren würde kaum in den Rahmen des hier zu behandelnden Gebietes
hineinfallen, wenn man nicht auch darin nur das Beispiel einer zweiten in
geeigneten Fällen anzuwendenden Formungsmöglichkeit erblicken müsste.
Die ausführliche Beschreibung der Glockenformerei, wie sie Theophilus
giebt, soll hier übergangen werden, die Anwendung auf eine andere
Aufgabe, bei der ähnliche Formungsschwierigkeiten zu überwinden sind, wie
sie bei kunstreich verzierten Glocken sich einstellen, möge gestattet
sein.
Wenn es sich z. B. um den Guss eines grossen, aussen reich mit Figuren
verzierten Taufbeckens handelt oder um den Guss eines grossen
Thürflügels, dann wird man bei der Herstellung des Gussmodells, besonders
der Kostbarkeit des Wachses wegen, bestrebt sein, seine Verwendung nach
Möglichkeit einzuschränken und soweit es angängig ist, statt dessen sich
billigerer Stoffe zu bedienen.
[Illustration: Abb. 11. Formschema, s. S. 28.]
Abbildung 10 sei ein Stück des zu giessenden Thürflügels im
Querschnitt, a sei die Rückplatte, auf der einerseits Gestalten voll
vortreten, und wie in der Skizze angenommen ist, z. B. auch ein Baum
plastisch dargestellt ist. Die Platte mit allen darauf liegenden
bildlichen Darstellungen könnte nun nach dem bekannten Verfahren in Wachs
modelliert und geformt werden. Kaum schwieriger wird aber das Verfahren,
wenn die Platte a z. B. in Holz hergestellt wird, und dann auf diesem
Grunde alle vortretenden unterschnittenen Teile in Wachs modelliert
werden. Man würde dann statt einer völlig geschlossenen nur eine
zweiteilige Form herzustellen haben. Zunächst würde die Platte a bis zu
ihrer Oberkante mit Formlehm zu umhüllen sein, die Schnittfläche e würde
dann mit einer dünnen Staubschicht (z. B. Holzkohlenpulver) zu bedecken
sein, die das Anhaften der oberen, in der früher gekennzeichneten Weise
aufzutragenden, Formhälfte d verhindert. Ist diese zweiteilige Form
vorsichtig getrocknet, so kann sie auseinander genommen werden. Der
untere Formteil kann ohne weiteres abgehoben werden, dann kann auch die
Platte a von dem sie haltenden Wachs abgelöst und darauf die obere
Formhälfte d erwärmt werden, so dass die in Wachs modellierten Teile
herausschmelzen. Werden nun die beiden Formteile weiter getrocknet und
ausgeglüht, dann ist es nur noch notwendig, sie in richtiger Lage wieder
zusammen zu fügen -- was ermöglicht wird z. B. durch Stifte im unteren
Formteile, die in Löcher des oberen eingreifen -- eine Eingussöffnung und
Luftkanäle anzubringen, und die Form ist für den Guss vorbereitet.
[Illustration: Abb. 12. Taufbecken, Dom zu Hildesheim.]
Angenommen ist hier, dass alle vortretenden, in Wachs modellierten Teile
massiv gegossen werden sollen, notwendig ist das nicht, sehr wohl können
den kräftigeren Teilen Kerne eingefügt werden. In der beigefügten Skizze
(Abb. 11), in der das Gussmodell völlig aus Wachs bestehend gedacht ist,
sind die Kerne mit dem sie tragenden Eisenstabe eingezeichnet. Fest
steht, dass man sich auch diesen Vorteil zu nutze zu machen verstand.
Ausdrücklich unterrichtet werden wir darüber in einer französischen
Schrift des 13. Jahrhunderts, dem »Livre des établissements des métiers
de Paris«, des 1269 verstorbenen Etienne Boyleaux. Dort wird ein Besuch
in der Giesserwerkstatt des Meisters Alain Le Grant geschildert.
[Illustration: Abb. 13. Löwe, Braunschweig.]
Der Künstler modelliert einen grossen Kirchenleuchter in braunem Wachs
und giebt die nötigen Erklärungen, die in mancher Beziehung von hohem
Interesse sind. Er sei in Brabant, in der Bourgogne, in Deutschland und
Italien gewesen, dort gäbe es tüchtige Giesser und ihre Arbeit würde nach
Verdienst gewürdigt. In Frankreich verlange man überladene Arbeiten und
wolle sie nicht entsprechend bezahlen, deshalb würde Pfuscherarbeit
geliefert, an der die Fehlstellen mit Zinn ausgebessert seien, doch man
merke nichts davon, das Verständnis fehle.
An dem Kronleuchter, den er in Arbeit habe, würde jeder der sechs Arme in
einem Gusse hergestellt. Zunächst werde in Wachs ein tadelloses Modell
gemacht, die dicken Teile enthielten Kerne aus Erde mit gefaultem Stroh,
die nachher aus den für diesen Zweck in der Metallwandung ausgesparten
Löchern entfernt würden.
Die übrigen Angaben über die Herstellung des Formmantels decken sich mit
denen des Theophilus.
Neben zahlreichen, zum Teil köstlichen erzenen Thürflügeln, Grabplatten,
Taufbecken (Abb. 12), Kronleuchtern und kleinerem Kirchengerät entstehen
auch in der ersten Hälfte des zweiten nachchristlichen Jahrtausends
bereits grosse freiplastische Bronzewerke, deren einige auf öffentlichen
Plätzen Aufstellung fanden: im Dome zu Erfurt die fast lebensgrosse Figur
eines Leuchterträgers[14], der im Jahre 1166 aufgestellte Löwe vor der
Burg Dankwarderode in Braunschweig (Abb. 13) und das Reiterbild des
Drachentöters St. Georg auf dem Hradschin in Prag, von Martin und Georg
Klussenbach 1373 ausgeführt (Abb. 14).
[14] Abbildung und nähere Angaben in: Bau- und Kunstdenkmäler der
Provinz Sachsen, Heft XIII, S. 82ff.
Während nun besonders in Niederdeutschland fast allerorten mehr oder
minder bedeutsame Gusswerke geschaffen wurden, scheinen in anderen
Ländern in der Zeit vor dem 14. Jahrhundert nur wenige grössere Arbeiten
der Art entstanden zu sein. Die tüchtigen Leistungen der
Giesserwerkstätten im Maasgebiet, vor allem in =Dinant=, dürften noch am
ersten hervorzuheben sein. Wenn auch wohl einfachste handwerkliche
Arbeiten den weiten Ruf dieser Stadt begründeten, sind doch Werke wie der
grosse Taufkessel vom Jahre 1112 in St. Barthélemy in Lüttich den besten
Gussleistungen deutscher Künstler dieser Zeit gleichwertig an die Seite
zu stellen. Weder Italien noch Frankreich, England und die übrigen
europäischen Länder haben ähnlich bedeutende Werke gleichen Alters
aufzuweisen.
[Illustration: Abb. 14. St. Georg auf dem Hradschin in Prag.]
III. Das Wachsausschmelzverfahren vom 14. bis zum 19. Jahrhundert.
Zeitlich zunächst entstehen in =Italien= gussplastische Werke, die auch
die früher geschaffenen deutschen Schöpfungen hinter sich lassen und für
alle Zeiten ein Ruhmestitel in der Kunst jenes Landes sind.
Die in den Jahren 1330-1335 für das Baptisterium in Florenz von
Venetianer Giessern ausgeführte Bronzethür des Andrea Pisano (Abb. 15)
muss in Italien als das erste bedeutsame Beispiel bezeichnet werden, die
Gusstechnik im Grossen anzuwenden; die wenig älteren Erzgussarbeiten am
Brunnen in Perugia, am Dom in Orvieto u. a. m. sind dem gegenüber von
geringerer Bedeutung. Erst mit dem 15. Jahrhundert beginnt dort eine neue
Aera des Kunstgusses.
Wiederum ist es eine grosse Bronzethür, die die Erzplastik des 15.
Jahrhunderts einleitet, die 1403 von Ghiberti begonnenen Flügel für das
Florentiner Baptisterium (Abb. 18, S. 33). Genauere Nachrichten über das
angewendete Formverfahren sind über diese Thürflügel so wenig bekannt,
wie über das zweite am gleichen Ort befindliche, von demselben Künstler
ausgeführte viel berühmtere Flügelpaar (Abb. 20, S. 35), von dem
Michelangelo gesagt haben soll, sie seien würdig, die Pforten des
Paradieses zu schmücken. Und ebensowenig sind gleichzeitige nähere
technische Angaben erhalten über die anderen glänzenden Leistungen der
italienischen Giesskunst des 15. Jahrhunderts. Zweifellos fest steht
aber, dass das Wachsausschmelzverfahren angewendet wurde, nur über die
Art der Ausführung der Form können in Einzelheiten Zweifel bestehen.
Seit dem 16. Jahrhundert mehren sich aber in Italien die technischen,
gerade die Herstellung der Form berücksichtigende Abhandlungen.
In der bereits angeführten Schrift De sculptura (1504) schreibt Gaurikus:
»Unter »Form« verstehen wir nun aber, was vom Wachse seine Gestalt
empfängt, sie beibehält und schliesslich getreu wiedergiebt. Dabei kommt
es vorerst auf die Beschaffenheit des Thones an, der nicht zäh, nicht
erdig, nicht unrein sein darf. Dann wird er geweicht, zu gleichen Teilen
so lange mit Stopfwerk oder Pferdedünger durchgearbeitet, bis davon
nichts mehr zu unterscheiden ist, wobei man bisweilen Asche oder
Ziegelstaub zusetzt. Er wird getrocknet, abgekratzt, durchgesiebt und mit
Wasser begossen, dass er wieder lehmig wird, nicht zu hart und nicht zu
weich. Ich würde sagen, was beim ersten, beim zweiten und beim dritten
Ueberstreichen zu beachten ist, wie die Formen zuletzt mit eisernen
Bändern zusammenzuhalten, wie sie zu dörren und in die Erde zu graben
sind, wenn ich nicht absichtlich lieber wollte, dass Ihr das sähet,
anstatt es zu hören.«
[Illustration: Abb. 15. Thür des Andrea Pisano, Florenz, Baptisterium.]
Gaurikus spricht auch von der Formerei in Pulver -- unserem »fetten«
Sande oder der sogenannten »Masse« entsprechend -- doch da er Angaben
über die Art der Verwendung unterlässt, ist die Auskunft von geringem
Belang.
[Illustration: Abb. 16. Benv. Cellini, Perseus-Monument in der Loggia dei
Lanzi zu Florenz.]
Zwar etwa ein halbes Jahrhundert jünger, doch von ungleich höherer
Bedeutung sind für uns die Nachrichten des Benvenuto Cellini (1500-1571),
die sich auf die Einformung und den Guss noch erhaltener Erzwerke
beziehen. Insbesondere beschreibt Cellini die Ausführung des in der
Loggia dei Lanzi in Florenz stehenden Perseus-Monumentes (Abb. 16 u. 17).
[Illustration: Abb. 17. Benv. Cellini, Sockel zum Perseus-Monument.]
Das Wachsausschmelzverfahren ist dabei angewendet, jedoch in einer Art,
die von der des Theophilus besonders dadurch abweicht, dass das in Thon
oder Gips vorhandene Modell, ohne es zu zerstören, mechanisch in Wachs
übertragen wird, so dass im Falle eines sich etwa ergebenden Fehlgusses,
die Herstellung einer zweiten Form mit geringeren Schwierigkeiten
verbunden ist. Ob dieses Verfahren bereits im 15. Jahrhundert in Italien
angewendet wurde, ist mit unbedingter Sicherheit nicht zu entscheiden.
Durch erhaltene Briefe Cellinis, in denen er sein Verfahren als ein neues
bezeichnet, dürfte die Annahme, dass es doch bereits länger geübt wurde,
kaum widerlegt sein -- das Verfahren des Theophilus wurde neben dem von
Cellini beschriebenen noch Jahrhunderte lang auch von Cellini selbst
weiter gepflegt.
[Illustration: Abb. 18. Erste Thür Ghibertis, Florenz, Baptisterium.]
[Illustration: Abb. 19. Formverfahren Benv. Cellinis (a). (Schema.)]
Die von Cellini angewendete, ohne weiteres schwer verständliche Art der
Formung, soll mit Hilfe von beigegebenen Skizzen zu verdeutlichen
versucht werden. Cellini schreibt: »Modelliere die Statue, welche du
giessen willst, aus mit Scherwolle gemischter, dann der Verwesung
überlassener Erde und bringe dies Modell in allen Verhältnissen und
Formen der schönen Vollendung, die du an dem ausgeführten Werke zu sehen
wünschest, so nahe wie möglich. Die Kunst verlangt, dass, wenn du Gutes
leisten willst, solches nicht nur am frischen, sondern auch am trockenen
Modell der Fall sei. Zum Zweck des Abformens mit Gips wird letzterem nun
ein Ueberzug von Maler-Staniol gegeben: Man schmilzt Wachs und Terpentin
zu gleichen Teilen in einem Kessel und streicht das siedende Gemisch mit
einem Borstenpinsel ganz behutsam auf das Modell, indem man dabei wohl
acht giebt, Muskeln, Adern, oder andere feine Einzelheiten nicht zu
zerstören. Darüber lassen sich dann die Staniolblättchen aufs beste
aufkleben. Sie bestehen aus äusserst dünngeschlagenem Zinn, wie es die
Maler hin und wieder anwenden, z. B. wenn sie Waffen auf Leinwand malen.
Nachdem die ganze Figur nun noch mit Oel gesalbt worden, lassen sich die
Hohlformen mit Leichtigkeit darüber nehmen.... Letzteres geschieht auf
verschiedene Weise, die schönste aber, die mir vorgekommen ist, und deren
ich mich meistens bedient habe, besteht darin, die Form thunlichst in
mehrere Stücke zu zerlegen, deren Zahl und Lage sich nach den frei vom
Rumpfe abstehenden Teilen, wie Armen, Beinen und dem Kopf richtet. Diese
einzelnen Formstücke müssen mit grösster Sorgfalt hergestellt werden;
während der Gips noch weich ist, steckt man in jedes von ihnen einen
doppelten Eisendraht, der um soviel aus der Masse vorragt, dass man
daran, wie an einem Ringe, einen Bindfaden befestigen kann. Wenn der Gips
sich verhärtet hat, muss man versuchen, ob jedes einzelne Formstück sich
gut abheben lässt, ohne dass die Feinheiten des Werkes beschädigt werden;
ist dies der Fall, wird es wieder genau an seinen Platz gebracht und das
nächste Formstück möglichst nahe am vorigen genommen, damit der Guss
nicht durch leere Zwischenräume fehlerhaft ausfalle. So werden sämtliche
Formstücke zunächst von der einen Hälfte der Figur genommen, d. h. der
Hälfte der Länge nach,... hierbei sind etwaige Unterhöhlungen wohl zu
beachten, überhaupt die Formstücke so zu verteilen, dass sie wieder
zusammengefügt den Ueberguss eines zusammenhängenden, in einem Stücke
abhebbaren Gipsmantels von zweier Finger Dicke gestatten. Bevor letzteres
geschieht, muss man die aus den Gipsstücken vorstehenden Ringe von
Eisendraht mit etwas Thon umgeben, so dass sie nachher beim Abheben der
Hülle nicht hinderlich werden. Danach salbe man die Aussenfläche
sämtlicher Formstücke, welche die Gipshülle bekleiden soll, aufs beste
mit Oel, damit diese sich nach Erhärtung des Gipses leicht abheben lasse.
Hat man einmal versucht, ob dies geht, bringt man die Stücke wieder an
ihren Ort in dem Mantel und verfährt auf dieselbe Weise mit der zweiten
hinteren Hälfte der Figur.«
[Illustration: Abb. 20. Zweite Thür Ghibertis, Florenz, Baptisterium.]
Diese erste, vorbereitende Stufe bei der Herstellung der Metallgussform
möge zunächst an einigen Abbildungen verdeutlicht werden. Die Formarbeit
bleibt im ganzen dieselbe, wenn an Stelle einer ganzen Figur -- wie
Cellini annimmt -- z. B. nur ein Kopf gegossen werden soll.
[Illustration: Abb. 21. Vielteilige Gipsform über einem Kopfe (nach
Mariette, s. oben).]
Wenn das Thonmodell bereits fertig und in der beschriebenen Weise mit
Maler-Staniol überzogen ist, handelt es sich zuerst darum, eine
Gipshohlform herzustellen, die nur dazu dienen soll, das für das
Wachsausschmelzverfahren vorbereitete Wachsmodell auf mechanischem Wege
zu erhalten.
Man wird an einer Stelle des Kopfes beginnen, Gipsbrei aufzutragen in
einer Stärke, die sich nach der Grösse des Modells richtet. Vor dem
Erstarren der Gipsmasse wird man die Aussenfläche abschlichten und die
Drahtöse hineindrücken. Nachdem der Gips hart geworden ist, wird man ihn
vom Modell abheben, meist senkrecht zur Innenfläche gerichtete
Seitenflächen mit einem Messer anschneiden und das nun fertige Teilstück
ölen. Nachdem es wieder genau seinen Platz am Modell erhalten hat, trägt
man daneben wiederum Gipsbrei an und verfährt damit in gleicher Weise.
Jedes Teilstück wird man möglichst gross nehmen, doch stets so, dass es
Rundungen nur so weit bedeckt, als es abhebbar bleibt. Vor allem aber
muss auf voll unterschnittene Teile am Modell Rücksicht genommen werden;
am Kopf könnte das beispielsweise eine Locke sein. Man kann da auf
verschiedene Weise vorgehen. Entweder wird man die Unterschneidung
ausfüllen, ohne weiteres ist dann darüber zu formen. Doch da die
Unterschneidung dann an dem künftigen Einguss -- in diesem Falle Wachs --
ebenfalls fehlen würde, müsste sie nachträglich hergestellt werden. Oder
der voll unterschnittene Teil kann von vornherein vom Modell abgetrennt
werden, in der Gipsform und am Einguss würden dann nur die Trennflächen
zum Ausdruck kommen, an die -- vorausgesetzt, dass es sich wieder um
Wachs handelt -- leicht das abgetrennte, für sich modellierte oder
geformte Stückchen angesetzt werden kann.
Schliesslich ist auch, wenn nicht zu viele voll unterschnittene Teile
dicht nebeneinander vorhanden sind, die Schwierigkeit der Einformung
nicht gross. Man wird die Formstücke nur derart trennen müssen, dass sie
die ösenartige Unterschneidung von den Seiten je zur Hälfte bedecken.
[Illustration: Abb. 22. Formverfahren Benv. Cellinis (b). (Schema.)]
[Illustration: Abb. 23. Formverfahren Benv. Cellinis (c). (Schema.)]
[Illustration: Abb. 24. Formverfahren Benv. Cellinis (d). (Schema.)]
[Illustration: Abb. 25. Formverfahren Benv. Cellinis (e). (Schema.)]
Ist nun die eine Kopfseite, z. B. die vordere, in der angegebenen Weise
mit dicht aneinanderschliessenden Formstückchen aus Gips bedeckt, dann
werden, wie Cellini angiebt, die Drahtösen mit Thonklümpchen bedeckt und
sämtliche aufs beste mit Oel getränkten Teilstücke mit einer zweiten
Gipslage überkleidet (Abb. 19 u. 21). Diese Lage wird nach dem Erstarren
abgehoben und an den Stellen, die durch die Eindrücke der Thonklümpchen
gezeichnet sind, mit Löchern versehen.
[Illustration: Abb. 26. Formverfahren Benv. Cellinis (f). (Schema.)]
Nachdem dann auch die andere Kopfhälfte in derselben Weise eingeformt ist
und der Gips »den grössten Teil seiner Feuchtigkeit verloren hat«, werden
die Formstückchen einzeln vom Modell abgehoben und nebeneinander in dem
äusseren Gipsmantel befestigt, indem man Fäden, die durch die Drahtösen
gezogen sind, ausserhalb der Löcher des Mantels mit Hilfe kleiner
Holzknebel verknotet. Werden dann die beiden Mantelhälften mitsamt den
einliegenden Formstückchen vereinigt, so erhält man die Hohlform des
Kopfes (Abb. 21, 22).
In gleicher Weise würde bei einer ganzen Figur verfahren werden. Die
Gipshohlform dient nun als Grundlage für die weitere Herstellung der
hitzebeständigen Metallgussform.
[Illustration: Abb. 27. Ghiberti, Johannes d. T., Florenz, Or San
Michele.]
[Illustration: Abb. 28. Ghiberti, Matthäus, Florenz, Or San Michele.]
[Illustration: Abb. 29. Donatello, Denkmal des Gattamelata in Padua.]