DER JUNGE:

»Stoff und Darstellung sind in eine unauflösliche Verbindung getreten,«

sagst du. Ich möchte lieber sagen: Stoff und Künstler. Aber was ist der

Stoff? Wann wird der Stoff »daseinsnotwendig«? Wann erhält er die

Unleugbarkeit eines von der Natur selbst Geschaffenen? Wahrscheinlich

muß der eine ihn erleben, der zweite erfinden, der dritte aus der

Geschichte nehmen. Dieser braucht eine regelrechte Fabel, jener webt

seine Gebilde wie aus einem Traum heraus, der die Bewegung und Stimmung

des Lebens und doch die Gesammeltheit der Dichtung hat. Das Wichtige ist

demnach nicht die Art des Stoffes selbst, sondern die Intensität der

Vision, die er erzeugt und die nicht auf einem Bild zu beruhen braucht,

sondern oft, dem Nebelball der Urwelten gleich, Feuer und Vegetation

noch in sich verborgen tragen kann.

Imaginäre Brücken: Studien und Aufsätze · 第 68 / 106 题