DER ALTE:

Ohne Zweifel. Die Kraft der Vision im Dichter bestimmt die Kraft des

Werkes, ihre Dauer und Unvergeßlichkeit aber seine Harmonie. Alles

andere hat mit inspiratorischen Dingen nichts mehr zu tun, sondern

unterliegt den Gesetzen der Entwicklung. Wo die Vision aufhört, beginnt

die geistige Arbeit, das Reich des Geschmackes, des Urteiles, der Wahl.

Hier ist auch die Grenze zwischen dem Dichter und dem Schriftsteller.

Der Dichter und seine Stoffe verhalten sich zu einander wie der Baum zu

seinen Blättern, die Stoffe des Schriftstellers aber gleichen den

beliebig ausgewählten, ärmlichen oder luxuriösen Möbeln eines Zimmers.

Dort wird jeder Mangel die Kehrseite eines Vorzuges sein, hier wird

selbst jeder Vorzug auf einen einzigen Mangel zurückdeuten. Dort ein

lebendiger Organismus, gleichviel ob kränklich oder stark, hier eine

Maschinerie, stümperhaft oder in ihrer Art vollkommen.

Imaginäre Brücken: Studien und Aufsätze · 第 69 / 106 题