Dieser Buchanan wird weiterhin geschildert als

Ein Schurke durch und durch,

Der längst zuvor schon seinen Rosenkranz gebetet.]

[Anmerkung 23: Siehe eine von ihm am 31. Januar 1689 zu Dublin

gehaltene Predigt. Der Text derselben ist: »Seid unterthan aller

menschlichen Ordnung um des Herrn willen.«]

[Anmerkung 24: +Walker's Account of the Siege of Derry, 1689+;

+Mackenzie's Narrative of the Siege of Londonderry, 1689+; +An

Apology for the Failures charged on the Reverend Mr. Walker's

Account of the late Siege of Derry, 1689+; +A Light to the Blind.+

Die letztgenannte Schrift, ein Manuscript im Besitze Lord

Fingal's, ist das Werk eines eifrigen Katholiken und eines

Todfeindes England's. Umfängliche Auszüge daraus finden sich unter

den Mackintosh-Manuscripten. Auf dem Titelblatte steht die

Jahrzahl 1711.]

[_Mountjoy wird abgesandt, um Ulster zu pacificieren._] Man hätte

glauben können, daß der Widerstand Enniskillen's und Londonderry's

Tyrconnel zu einem verzweifelten Schritte treiben werde. Und in der That

wurde sein wildes und herrschsüchtiges Temperament auch anfangs durch

die Nachricht in eine an Wahnsinn grenzende Wuth versetzt. Nachdem er

aber seine Wuth, wie gewöhnlich, an seiner Perrücke ausgelassen, wurde

er etwas ruhiger. Es waren ihm eben Nachrichten von sehr abkühlender

Natur zugekommen. Der Prinz von Oranien marschirte unaufgehalten gegen

London; fast jede Grafschaft und jede große Stadt hatte sich für ihn

erklärt. Jakob, von seinen geschicktesten Heerführern und seinen

nächsten Verwandten verlassen, hatte Commissarien abgeschickt, die mit

den Eingedrungenen unterhandeln sollten, und hatte Ausschreiben zur

Einberufung eines Parlaments erlassen. So lange das Ergebniß der in

England schwebenden Unterhandlungen ungewiß war, durfte der Vicekönig es

nicht wagen, an den widerspenstigen Protestanten Irland's blutige Rache

zu nehmen. Er hielt es daher für gerathen, vorläufig eine Nachsicht und

Mäßigung zu heucheln, die seinem Character durchaus fremd waren. William

Stewart, Viscount von Mountjoy, wurde beauftragt, die englische

Bevölkerung von Ulster zu beschwichtigen. Mountjoy, ein tapferer Soldat,

ein ausgezeichneter Gelehrter, ein eifriger Protestant und dabei doch

ein eifriger Tory, war eines von den wenigen Mitgliedern der

Staatskirche, die in Irland noch ein Amt bekleideten. Er war

Feldzeugmeister dieses Königreichs und Oberst eines Regiments, in

welchem das englische Element noch ungewöhnlich stark vertreten war. In

Dublin war er die Seele eines kleinen Kreises gelehrter und geistreicher

Männer, die sich unter seinem Vorsitz zu einer Königlichen Societät

vereinigt hatten, einer Nachbildung im Kleinen der Londoner Königlichen

Societät. In Ulster, mit dem er in besonders enger Verbindung stand,

genoß sein Name bei den Colonisten eines hohen Ansehens.[25] Er eilte

mit seinem Regiment nach Londonderry und wurde mit offenen Armen

empfangen, denn man wußte, daß er zwar ein entschiedener Anhänger der

erblichen Monarchie, aber nicht minder ein treuer Freund des reformirten

Glaubens war. Die Bürger gestatteten ihm bereitwillig, eine

ausschließlich aus Protestanten bestehende kleine Garnison, unter dem

Commando seines Oberstleutnants Robert Lundy, der den Titel eines

Gouverneurs annahm, in der Stadt zurückzulassen.[26]

Die Nachricht von Mountjoy's Besuch in Ulster war den Vertheidigern von

Enniskillen höchst angenehm. Einige von dieser Stadt abgeordnete

Gentlemen machten ihm ihre Aufwartung, um seine Unterstützung zu

erbitten, wurden aber durch den Empfang, der ihnen zu Theil ward,

enttäuscht. »Ich kann Euch nur den Rath geben,« sagte er, »daß Ihr Euch

der Autorität des Königs unterwerfet.« -- »Wie, Mylord?« versetzte einer

der Abgeordneten, »sollen wir uns geduldig abschlachten lassen?« -- »Der

König,« sagte Mountjoy, »wird Euch beschützen.« -- »Wenn Alles was uns

zu Ohren kommt wahr ist, wird es Sr. Majestät schwer genug werden, sich

selbst zu schützen.« So endete die Conferenz ohne befriedigendes

Resultat. Enniskillen behielt seine trotzige Haltung bei und Mountjoy

kehrte nach Dublin zurück.[27]

Unterdessen hatte es sich in der That klar herausgestellt, daß Jakob

nicht einmal sich selbst schützen konnte. Man erfuhr in Irland, daß er

geflohen, daß er angehalten worden, daß er wieder geflohen und daß der

Prinz von Oranien im Triumph zu Westminster angelangt war, die

Verwaltung des Reichs übernommen und eine Convention einberufen hatte.

[Anmerkung 25: Über Mountjoys Character und Stellung siehe

Clarendon's Briefe aus Irland, besonders den an Lord Dartmouth vom

8. Febr. und den an Evelyn vom 24. Februar 1685/86. +»Bon officier

et homme d'esprit,«+ sagt Avaux.]

[Anmerkung 26: +Walker's Account+; +Light to the Blind.+]

[Anmerkung 27: +Mac Cormick's Further Impartial Account.+]

[_Wilhelm tritt in Unterhandlung mit Tyrconnel._] Die Lords und

Gentlemen, auf deren Ansuchen der Prinz die Regierung übernommen hatte,

waren ernstlich in ihn gedrungen, den Zustand Irland's sofort in

Erwägung zu ziehen, und er hatte ihnen darauf die Versicherung gegeben,

daß er sein Möglichstes thun werde, um die protestantische Religion und

das englische Interesse in diesem Lande aufrecht zu erhalten. Seine

Feinde beschuldigten ihn nachmals der völligen Nichtbeachtung dieses

Versprechens, ja sie behaupteten sogar, er habe Irland absichtlich immer

tiefer und tiefer in den Abgrund des Verderbens versinken lassen.

Halifax, sagten sie, habe mit grausamem und perfidem Scharfsinn das

Mittel ausgedacht, der Convention eine Art von Zwangsjacke anzulegen,

und der Streich sei nur zu gut gelungen. Der Beschluß, welcher Wilhelm

auf den Thron berief, würde nicht so leicht durchgegangen sein, wäre der

Staat nicht von so großen Gefahren bedroht gewesen, und nur in Folge

seiner eignen schmachvollen Unthätigkeit hätten diese Gefahren einen

solchen Grad erreicht.[28] Da diese Anschuldigung durch keine Beweise

unterstützt wird, sind Diejenigen, die sie wiederholen, wenigstens

verpflichtet nachzuweisen, daß Wilhelm ein offenbar besserer Weg zu

Gebote stand als der, welchen er einschlug, und das dürfte ihnen schwer

werden. Ja, hätte er wenige Wochen nach seiner Ankunft in London eine

große Armee nach Irland schicken können, so würde sich dieses Königreich

vielleicht nach einem kurzen Kampfe, oder selbst ohne allen Kampf seiner

Autorität unterworfen haben, und eine lange Reihe von Verbrechen und

Drangsalen hätte abgewendet werden können. Aber die factiösen Redner und

Pamphletisten, die ihn so unüberlegt tadelten, daß er keine solche Armee

absendete, würden in nicht geringe Verlegenheit gekommen sein, wenn sie

die nöthigen Truppen, Schiffe und Gelder hätten beschaffen sollen. Die

englische Armee hatte ihm vor kurzem noch feindlich gegenübergestanden,

ein Theil derselben war ihm noch immer abgeneigt, und das Ganze war im

höchsten Grade desorganisirt. Von der Armee, die er aus Holland

mitgebracht, war nicht ein Regiment entbehrlich. Er hatte den Schatz

leer und den Gold der Flotte in Rückstand gefunden. Es stand nicht in

seiner Macht, irgend einen Theil der Staatseinkünfte zu verpfänden.

Wer ihm Geld lieh, lieh es ihm auf keine andre Sicherheit als auf sein

bloßes Wort. Nur die patriotische Freigebigkeit der londoner Kaufleute

hatte ihn in den Stand gesetzt, bis zum Zusammentritt der Convention die

laufenden Regierungsausgaben zu bestreiten. Es ist also gewiß ungerecht,

ihn zu tadeln, daß er unter solchen Umständen nicht auf der Stelle eine

Flotte ausrüstete, welche hinreichte, ein Königreich zu erobern.

Da er einsah, daß es, so lange die englische Regierung nicht befestigt

war, nicht in seiner Macht stehen würde, mit bewaffneter Hand wirksam in

die Angelegenheiten Irlands einzugreifen, beschloß er einen Versuch mit

Unterhandlungen zu machen. Diejenigen, welche nach dem Ausgange

urtheilten, behaupteten er habe bei dieser Gelegenheit nicht seinen

gewohnten Scharfblick gezeigt. Sie sagten er hätte wissen sollen, daß es

ungereimt sei, von Tyrconnel Unterwerfung zu erwarten. Dies war jedoch

damals nicht die Ansicht gutunterrichteter Männer, deren Interesse

hinreichende Gewähr für ihre Aufrichtigkeit bot. Eine zahlreiche

Versammlung von Cavalieren und Gentlemen, welche in Irland Güter

besaßen, wurde während des Interregnums im Hause des Herzogs von Ormond

am St. James Square gehalten. Sie riethen dem Prinzen zu versuchen, ob

der Vicekönig nicht zu einer ehrenvollen und vortheilhaften Kapitulation

bewogen werden könnte.[29] Man hat in der That starken Grund zu glauben,

daß Tyrconnel wirklich schwankte. Denn so heftig auch seine

Leidenschaften waren, vergaß er darüber doch nie sein Interesse und er

konnte wohl in Zweifel sein, ob es nicht in seinem Interesse liege, sich

bei vorgerücktem Alter und abnehmender Gesundheit mit völliger

Straflosigkeit für alle früheren Vergehen und mit hohem Range und großem

Vermögen lieber von den Geschäften zurückzuziehen, als Leben und

Eigenthum den Zufällen eines Kriegs gegen die ganze Macht England's

preiszugeben. Es ist notorisch, daß er sich bereit zeigte nachzugeben.

Er setzte sich in Communication mit dem Prinzen von Oranien und zog zum

Schein Mountjoy und Andere zu Rathe, die sich zwar von ihrer

Unterthanenpflicht gegen Jakob noch nicht losgesagt hatten, aber

entschiedene Anhänger der Landeskirche und des Staatsverbandes mit

England waren.

[Anmerkung 28: Burnet I. 897 und Swift's und Dartmouth's Noten.

Tutchin wiederholt im »Observator« diese grundlose Verleumdung.]

[Anmerkung 29: +Orange Gazette, Jan. 10. 1688/89.+]

[_Die Temple werden zu Rathe gezogen._] Auf einer Seite, von welcher

Wilhelm den einsichtsvollsten Rath zu erwarten berechtigt war, glaubte

man fest an die Aufrichtigkeit der Versicherungen Tyrconnel's. Kein

andrer britischer Staatsmann genoß damals in ganz Europa eines so hohen

Rufes wie Sir Wilhelm Temple. Seine diplomatische Gewandtheit hatte

zwanzig Jahre früher den Fortschritt der französischen Macht gehemmt. Er

war ein treuer und nützlicher Freund der Vereinigten Provinzen und des

Hauses Nassau gewesen, stand seit langer Zeit auf dem vertrautesten

Freundschaftsfuße mit dem Prinzen von Oranien und hatte die Vermählung

zu Stande gebracht, der England seine kürzliche Befreiung verdankte. Mit

den Angelegenheiten Irland's galt Temple für besonders vertraut. Seine

Familie hatte dort ansehnliche Besitzungen, und er selbst hatte mehrere

Jahre daselbst zugebracht; er hatte die Grafschaft Carlow im Parlament

vertreten und ein großer Theil seiner Einkünfte floß ihm aus einem

einträglichen irischen Amte zu. Die höchste Stufe der Macht, des Ranges

und des Reichthums würden ihm erreichbar gewesen sein, wenn er

eingewilligt hätte, seine Zurückgezogenheit aufzugeben und der neuen

Regierung seine Unterstützung und das Gewicht seines Namens zu leihen.

Aber Macht, Rang und Reichthum hatten für seinen epikuräischen Character

bei weitem weniger Reiz als Behaglichkeit und Ruhe. Er wies die

lockendsten Anträge zurück und beschäftigte sich nach wie vor in

ländlicher Abgeschiedenheit mit seinen Büchern, Tulpen und Ananas. Nach

einigem Zaudern willigte er indessen ein, seinen ältesten Sohn Johann in

Wilhelm's Dienste treten zu lassen. Während der Erledigung des Thrones

war Johann Temple in wichtigen Geschäften verwendet worden und in

Angelegenheiten, welche Irland betrafen, hatte seine Meinung, von der

man füglich annehmen konnte, daß sie mit der seines Vaters

übereinstimmte, großes Gewicht. Dieser junge Staatsmann schmeichelte

sich, einen Agenten gefunden zu haben, der vortrefflich geeignet schien,

die Unterhandlung mit Tyrconnel zu einem guten Ende zu führen.

[_Richard Hamilton wird auf Temple's Wort nach Irland gesandt._] Dieser

Agent gehörte einer angesehenen Familie an, die von einem schottischen

Adelsgeschlecht abstammte, aber schon seit langer Zeit in Irland

ansässig war und sich zum römischkatholischen Glauben bekannte. Unter

der heiteren Schaar, die sich während der unmittelbar auf die

Restauration folgenden Jahre des zügellosen Jubilirens in Whitehall

tummelte, hatten die Hamilton eine hervorragende Rolle gespielt. Die

schönen langen Locken, die strahlende Jugendfrische und die

schmachtenden blauen Augen der liebenswürdigen Elisabeth entzücken uns

noch heute auf dem Bilde Lely's. Sie hatte den Ruhm, keine geringe

Eroberung zu machen. Ihrer üppigen Schönheit und ihrem schelmischen

Geiste war es vorbehalten, den Widerwillen des kaltherzigen und

spottsüchtigen Grammont gegen das unauflösliche Band zu besiegen. Einer

ihrer Brüder, Anton, schrieb die Chronik jener glänzenden und

leichtfertigen Gesellschaft, zu deren glänzendsten und leichtfertigsten

Mitgliedern er gehört hatte. Er verdient das seltene Lob, als

Nichtfranzos ein Werk geschrieben zu haben, das dem Geiste wie dem Style

nach eines der vorzüglichsten französischen Bücher genannt werden muß.

Ein andrer Bruder, Namens Richard, hatte sich in fremden Diensten einige

militärische Erfahrung erworben. Sein Geist und seine Artigkeit hatten

ihn selbst in dem glänzenden Cirkel von Versailles ausgezeichnet. Man

munkelte, daß er es gewagt habe, den Blick zu einer hochgestellten Dame,

der natürlichen Tochter des großen Königs, der Gemahlin eines legitimen

Prinzen des Hauses Bourbon zu erheben und daß es geschienen, als ob die

Aufmerksamkeiten ihres vermessenen Anbeters ihr nicht mißfallen

hätten.[30] Der Verwegene war nachher in sein Vaterland zurückgekehrt,

war zum Brigadegeneral in der irischen Armee ernannt und in dem irischen

Geheimrath vereidigt worden. Als man die holländische Invasion

erwartete, kam er mit den Truppen, welche Tyrconnel zur Verstärkung der

königlichen Armee schickte, über den St. Georgskanal. Nach Jakob's

Flucht unterwarfen sich diese Truppen dem Prinzen von Oranien. Jetzt

schloß Richard Hamilton nicht nur ebenfalls Frieden mit der herrschenden

Gewalt, sondern sprach auch die zuversichtliche Überzeugung aus, daß,

wenn man ihn nach Dublin senden wolle, er die daselbst angeknüpften

Unterhandlungen glücklich würde zu Ende führen können. Sollte ihm dies

nicht gelingen, so versprach er auf sein Ehrenwort, in drei Wochen nach

London zurückzukehren. Man wußte, daß er in Irland großen Einfluß hatte,

seine Ehrenhaftigkeit war nie angezweifelt worden und er genoß die hohe

Achtung der Familie Temple. Johann Temple erklärte, daß er für Richard

Hamilton stehen könne wie für sich selbst. Diese Bürgschaft wurde für

genügend erachtet und Hamilton ging nach Irland ab, nachdem er seine

englischen Freunde versichert hatte, daß er Tyrconnel bald zur Vernunft

bringen werde. Die Anerbietungen, die er den Katholiken und dem

Vicekönig persönlich zu machen autorisirt war, waren höchst liberal.[31]

[Anmerkung 30: +Mémoires de Madame de la Fayette.+]

[Anmerkung 31: +Burnet I. 808+; +Life of James, II. 320+;

+Commons' Journals, July 29. 1689.+]

[_Tyrconnel schickt Mountjoy und Rice nach Frankreich._] Es ist nicht

unmöglich, daß Hamilton sich wirklich vorgenommen hatte, sein

Versprechen zu erfüllen. Bei seiner Ankunft in Dublin aber sah er wohl,

daß er eine Aufgabe übernommen hatte, der er nicht gewachsen war.

Tyrconnel's Unschlüssigkeit, mochte sie nun wahr oder erheuchelt gewesen

sein, war zu Ende. Er war zu der Überzeugung gelangt, daß ihm keine Wahl

mehr blieb. Mit leichter Mühe hatte er die unwissenden und empfänglichen

Irländer zur Wuth aufgestachelt. Zu beruhigen vermochte er sie nicht

wieder. Es hatte sich das Gerücht verbreitet, der Vicekönig

correspondire mit den Engländern, und dieses Gerücht hatte die Nation in

Flammen gesetzt. Das gemeine Volk sagte: wenn er es wagen sollte, sie

für Geld und Ehrenstellen zu verkaufen, würden sie das Schloß verbrennen

und ihn darin, und würden sich unter Frankreichs Schutz stellen.[32] Er

sah sich genöthigt, die gleichviel ob wahre oder falsche Erklärung

abzugeben, daß er nie daran gedacht, sich zu unterwerfen, und nur um

Zeit zu gewinnen zum Schein Unterhandlungen angeknüpft habe. Ehe er sich

jedoch offen gegen die englischen Ansiedler und gegen England selbst

erklärte, was einen Krieg auf Tod und Leben zur Folge haben mußte,

wünschte er sich Mountjoy's zu entledigen, der bislang der Sache Jakob's

treu gewesen war, der aber, wie man sehr gut wußte, niemals eingewilligt

haben würde, an der Beraubung und Unterdrückung der Colonisten Theil zu

nehmen. Heuchlerische Versicherungen von Freundschaft und friedlichen

Absichten wurden nicht gespart. Es sei eine heilige Pflicht, sagte

Tyrconnel, das drohende Unheil abzuwenden. König Jakob selbst würde,

wenn er den ganzen Sachverhalt kannte, nicht wünschen, daß seine

irischen Freunde sich in diesem Augenblicke in ein Unternehmen

einließen, das für sie verderblich werden müsse und ihm nichts nützen

könne. Er würde ihnen daher erlauben, ja ihnen sogar befehlen, sich der

Nothwendigkeit zu unterwerfen und ihre Kräfte für bessere Zeiten

aufzusparen. Wenn sich ein loyaler, geschickter und wohl unterrichteter

Mann von Gewicht nach Saint-Germains begebe und Sr. Majestät den Stand

der Dinge auseinandersetze, so würde der König leicht zu überzeugen

sein. Wolle nicht Mountjoy diese so ehrenvolle und wichtige Mission

übernehmen? Mountjoy zauderte und gab zu verstehen, daß man Jemanden

schicken sollte, von dem sich mit größerer Wahrscheinlichkeit erwarten

lasse, daß er dem Könige angenehm sein werde. Tyrconnel aber erklärte

fluchend und tobend, daß Irland in den Abgrund der Hölle versinken

würde, wenn man König Jakob nicht wohl beriethe, und er bestand darauf,

daß Mountjoy als Repräsentant der loyalen Mitglieder der Staatskirche

nach Saint-Germains gehen und daß der erste Baron der Schatzkammer,

Rice, ein in der königlichen Gunst sehr hoch stehender Katholik, ihn

begleiten solle. Mountjoy gab nach und die beiden Gesandten reisten

zusammen, aber mit ganz verschiedenen Instructionen versehen, ab. Rice

war beauftragt, Jakob zu sagen, daß Mountjoy im Herzen ein Verräther und

nur deshalb nach Frankreich geschickt worden sei, damit den Protestanten

Irland's ein Lieblingsführer entzogen würde. Ferner sollte Rice den

König versichern, daß er mit Ungeduld in Irland erwartet werde und daß

er, wenn er sich daselbst mit einer französischen Heeresmacht zeigen

wolle, seine gesunkene Größe bald wiederherstellen könne.[33] Außerdem

war der erste Baron noch mit anderen Instructionen versehen, die

wahrscheinlich selbst vor dem Hofe von Saint-Germains geheimgehalten

wurden. Für den Fall, daß Jakob nicht geneigt sein sollte, sich an die

Spitze der eingebornen Bevölkerung Irland's zu stellen, war Rice

angewiesen, um eine Privataudienz bei Ludwig nachzusuchen und ihm den

Vorschlag zu machen, Irland in eine französische Provinz zu

verwandeln.[34]

[Anmerkung 32: Avaux an Ludwig, 25. März (4. April) 1689.]

[Anmerkung 33: +Clarke's Life of James, II. 321.+ Mountjoy's

Circulardepesche vom 10. Jan. 1688/89; +King IV. 8.+ In +»Light to

the Blind«+ wird Tyrconnel's »kluge Verstellung« gerühmt.]

[Anmerkung 34: Avaux an Ludwig, 13.(23.) April 1689.]

[_Tyrconnel ruft das irische Volk zu den Waffen._] Sobald die beiden

Gesandten abgereist waren, begann Tyrconnel sich auf den unvermeidlich

gewordenen Kampf vorzubereiten, und der treulose Hamilton unterstützte

ihn dabei auf das Kräftigste. Die irische Nation wurde zu den Waffen

gerufen und sie leistete dem Aufrufe mit merkwürdiger Bereitwilligkeit

und Begeisterung Folge. In die Flagge, welche auf dem Schlosse von

Dublin wehte, waren die Worte gestickt: +»Now or never: now and for

ever,«+ (jetzt oder nimmer: jetzt und für immer) und diese Worte fanden

durch das ganze Land ein Echo.[35] Nie hat Europa in der neueren Zeit

eine solche Erhebung eines ganzen Volks gesehen. Die Gewohnheiten des

celtischen Bauern waren von der Art, daß er kein Opfer brachte, wenn er

sein Kartoffelfeld mit dem Lager vertauschte. Er liebte Aufregung und

Abenteuer, und scheute die Arbeit viel mehr als Gefahren. Seine

nationalen und religiösen Gefühle waren seit drei Jahren durch die

beständige Anwendung von Reizmitteln aufgestachelt worden. Auf jeder

Messe und jedem Jahrmarkte hatte er gehört, daß bald eine gute Zeit

kommen werde, daß die Tyrannen, welche sächsisch sprächen und in Häusern

mit Schieferdächern wohnten, vertrieben werden und daß das Land dann

wieder seinen eigenen Kindern gehören würde. Um die Torffeuer von

hunderttausend Hütten waren allnächtlich rohe Balladen gesungen worden,

welche die Befreiung des unterdrückten Volks verkündeten. Die Priester,

welche größtentheils den alten Familien angehörten, die die

Ansiedelungsacte zu Grunde gerichtet hatte, welche aber von der

eingebornen Bevölkerung noch immer verehrt wurden, hatten von tausend

Altären herab jedem Katholiken ans Herz gelegt, seine Anhänglichkeit an

die wahre Religion durch Anschaffung von Waffen für den Tag zu beweisen,

an welchem es nöthig werden dürfte, zum Heile ihrer Sache das Glück der

Schlachten zu versuchen. Die Armee, welche unter Ormond nur aus acht

Regimentern bestanden hatte, wurde jetzt auf achtundvierzig Regimenter

gebracht, und die Reihen waren bald übervoll. Es war unmöglich, in

kurzer Zeit nur ein Zehntel der benöthigten Anzahl guter Offiziere zu

finden. Patente wurden mit verschwenderischer Freigebigkeit müßigen

Aufliegern verliehen, welche Anspruch darauf machten, von guten irischen

Familien abzustammen. Doch selbst auf diese Weise konnte der Bedarf an

Hauptleuten und Leutnants nicht beschafft werden und viele Compagnien

wurden von Schuhflickern, Schneidern und Lakaien befehligt.[36]

[Anmerkung 35: Gedruckter Brief aus Dublin vom 25. Febr. 1689:

+Mephibosheth and Ziba, 1689.+]

[Anmerkung 36: Die Verwandschaft der Priester mit den alten

irischen Familien ist in Petty's +Political Anatomy of Ireland+

erwähnt. Siehe auch: +Short View by a Clergyman lately escaped,

1689+; +Ireland's Lamentation, by an English Protestant that

lately narrowly escaped with life from thence, 1689+; +A True

Account of the State of Ireland, by a person who with great

difficulty left Dublin, 1689+; +King II. 7.+ Avaux bestätigt Alles

was diese Schriftsteller über die irischen Offiziere sagen.]

[_Verwüstung des Landes._] Die Löhnung der Soldaten war sehr gering. Der

Gemeine hatte nur drei Pence den Tag. Davon bekam er nie mehr als die

Hälfte baar ausgezahlt, und selbst diese Hälfte war oft in Rückstand.

Aber ein viel verlockenderer Köter als dieser karge Lohn war die

Aussicht auf unbegrenzte Zügellosigkeit. Wenn die Regierung ihm weniger

gab als für seine Lebensbedürfnisse ausreichte, so nahm sie es dagegen

nicht zu genau mit den Mitteln, durch welche er dem Mangel abzuhelfen

suchte. Obwohl vier Fünftel der Bevölkerung Irland's Celten und

Katholiken waren, so kamen doch vier Fünftel des irischen Eigenthums auf

die protestantischen Engländer. Die Kornspeicher, die Keller, und vor

Allem die Viehheerden der Minderheit wurden der Mehrheit preisgegeben.

Denn die Bewaffnung war jetzt allgemein. Niemand wagte es mehr, ohne

eine Waffe, sei es eine Pike, ein langes Messer, +skean+ genannt, oder

wenigstens einen zugespitzten und im Feuer gehärteten Eschenholzstock,

in der Messe zu erscheinen. Selbst die Frauen wurden von ihren

Seelsorgern ermahnt, Skeans bei sich zu führen. Alle Schmiede,

Zimmerleute und Schwertfeger waren fortwährend mit der Anfertigung von

Gewehren und Klingen beschäftigt. Es war kaum möglich ein Pferd

beschlagen zu lassen. Weigerte sich ein protestantischer Handwerker,

an der Verfertigung von Kriegsgeräth Theil zu nehmen, das gegen seine

Nation und Religion gebraucht werden sollte, so wurde er ins Gefängniß

geworfen. Es läßt sich mit Wahrscheinlichkeit annehmen, daß Ende Februar

mindestens hunderttausend Irländer unter den Waffen standen. Nahe an

funfzigtausend davon waren Soldaten; die übrigen waren Banditen; deren

Gewaltthätigkeit und Zügellosigkeit die Regierung zum Schein

mißbilligte, sich aber nicht bemühte, denselben Einhalt zu thun. Die

Protestanten wurden nicht allein nicht beschützt, sondern sie durften

sich nicht einmal selbst schützen. Es war beschlossen, daß sie inmitten

einer bewaffneten und feindseligen Bevölkerung unbewaffnet bleiben

sollten. Ein Tag wurde festgesetzt, an welchem sie alle ihre Schwerter

und Feuergewehre in die Pfarrkirchen bringen sollten, und zu gleicher

Zeit angekündigt, daß jedes protestantische Haus, in welchem nach diesem

Tage eine Waffe gefunden würde, der Plünderung durch die Soldaten

preisgegeben werden sollte. Man beklagte sich bitter über diese

Maßregel, da der erste beste Schurke, der eine Lanzenspitze oder ein

altes Pulverfaß in einem Winkel eines Hauses verberge, vollständigen

Ruin über den Eigenthümer desselben bringen könne.[37]

Der Oberrichter Keating, selbst Protestant und fast der einzige

Protestant, der noch ein hohes Amt in Irland bekleidete, stritt muthig

für die Sache der Gerechtigkeit und Ordnung wider die vereinte Macht der

Regierung und des Pöbels. Bei den Frühjahrsassisen zu Wicklow schilderte

er vom Richterstuhle herab in energischen Ausdrücken die traurige Lage

des Landes. Ganze Grafschaften, sagte er, würden durch ein Gesindel

verwüstet, das den Geiern und Raben gleiche, welche dem Marsche einer

Armee folgen. Die meisten dieser Elenden seien gar keine Soldaten und

handelten unter keiner dem Gesetze bekannten Autorität. Dennoch sei es

nur zu offenbar, daß sie durch einige hohe Befehlshaber ermuthigt und

protegirt würden. Wie könne sonst in geringer Entfernung von der

Hauptstadt ein offner Markt für geraubtes Gut gehalten werden? Die

Geschichten, welche Reisende von den Hottentotten am Kap der guten

Hoffnung erzählten, sehe man in Leinster verwirklicht. Nichts sei

gewöhnlicher, als daß ein rechtlicher Mann sich des Abends reich an

Schaf- und Rinderheerden, die er durch den Fleiß und die Thätigkeit

eines langen Lebens erworben, niederlege und am andren Morgen als

Bettler erwache. Keating bemühte sich indessen mit nur geringem Erfolge,

inmitten jener entsetzlichen Anarchie das Ansehen des Gesetzes aufrecht

zu erhalten. Priester und Heerführer traten auf, um den Oberrichter

einzuschüchtern und die Räuber in Schutz zu nehmen. Ein solcher Schurke

kam straflos davon, weil kein Kläger gegen ihn aufzutreten wagte. Ein

Andrer erklärte, daß er sich auf den Befehl seines Seelsorgers und nach

dem Beispiele vieler höher stehender Leute, die er hier im Gerichtssaal

sehe, bewaffnet habe. Nur zwei von den +Merry Boys+ (lustigen Burschen),

wie man sie nannte, wurden überführt; die schlimmsten Verbrecher kamen

ohne Strafe davon, und der Oberrichter sagte entrüstet zu den

Geschwornen, daß die Schuld an dem Ruin des Landes vor ihrer Thür

liege.[38]

Wenn solche Gesetzlosigkeit in Wicklow herrschte, so kann man sich

leicht vorstellen, wie es in uncultivirteren und vom Sitze der Regierung

weiter entfernten Districten zugegangen sein muß. Keating war der

einzige richterliche Beamte, der sich kräftig bemühte, dem Gesetze

Ansehen zu verschaffen. In der That, der Oberrichter des höchsten

Criminalgerichtshofes im Königreiche, Nugent, erklärte auf der

Richterbank zu Cork, daß ohne Gewaltthätigkeit und Beraubung die

Absichten der Regierung nicht durchgeführt werden könnten, und daß unter

solchen Umständen Räubereien als ein nothwendiges Übel geduldet werden

müßten.[39]

Die Zerstörung von Eigenthum, welche binnen wenigen Wochen stattfand,

wäre unglaublich, würde sie nicht durch einander fern stehende und ganz

verschiedenen Interessen ergebene Zeugen bestätigt. Die Schilderungen

von Protestanten, welche während jener Schreckensherrschaft mit

Lebensgefahr nach England entkamen, und die von Gesandten, Commissarien

und Heerführern Ludwig's stimmen genau, mitunter sogar wörtlich überein.

Alle erklärten einstimmig, daß es vieler Jahre bedürfen werde, um die

Verwüstungen wieder gut zu machen, welche das bewaffnete Landvolk in

einigen Wochen angerichtet habe.[40] Mehrere von der sächsischen

Aristokratie besaßen glänzend möblirte Schlösser mit Schränken, die von

Silbergeschirr strotzten. All' dieser Reichthum verschwand. In einem

Hause, welches für dreitausend Pfund Sterling Silberzeug enthalten

hatte, blieb nicht ein einziger Löffel.[41] Der Hauptreichthum Irland's

aber bestand in Vieh. Zahllose Schaf- und Rinderheerden bedeckten diesen

ungeheuren, durch die Feuchtigkeit des Atlantischen Oceans befruchteten

Wiesenteppich. Mehr als ein Gentleman besaß zwanzigtausend Stück Schafe

und viertausend Rinder. Die Freibeuter, welche jetzt das Land überzogen,

gehörten einer Klasse an, welche gewohnt war, von Kartoffeln und saurer

Milch zu leben, und die das Fleisch jederzeit als einen nur den Reichen

zu Gebote stehenden Luxus betrachtet hatten. Diese Leute schwelgten

anfangs im Genusse von Rind- und Hammelfleisch, wie die rohen Horden,

die sich vor Alters aus den Wäldern des Nordens über Italien ergossen,

im Genusse der kostbarsten Weine schwelgten. Die Protestanten

schilderten mit Abscheu und Ekel die unglaubliche Gefräßigkeit ihrer

befreiten Sklaven. Die geschlachteten Thiere wurden halb roh und halb zu

Kohle verbrannt, bald noch blutend, bald schon im Zustande der

Verwesung, in Stücke zerrissen und ohne Salz, Brot oder Gemüse

verschlungen. Diejenigen, welche gekochtes Fleisch vorzogen, machten,

da es ihnen oft an Kesseln fehlte, mit gutem Erfolge den Versuch, einen

ganzen Ochsen in seiner eignen Haut zu kochen. Es existirt noch eine

alberne Tragikomödie, welche in diesem und dem darauffolgenden Jahre auf

einem kleinen Theater zum Ergötzen des englischen Pöbels aufgeführt

wurde. Ein Haufen halbnackter Wilder erschien, ein celtisches Lied

brüllend und um einen Ochsen herumtanzend, auf der Bühne. Hierauf

begannen sie von dem lebenden Thiere Stücke loszuschneiden und das

blutende Fleisch auf die Kohlen zu werfen. Die Barbarei und

Scheußlichkeit der Freßgelage der »Rapparees« war in der That so arg,

daß die Dramatiker in Grub Street sie kaum zu karrikiren vermochten. Mit

dem Eintritt der Fastenzeit hörten die Plünderer im Allgemeinen auf zu

schwelgen, aber sie fuhren fort zu zerstören. Ein Bauer war im Stande

eine Kuh zu tödten, bloß um ein Paar Schuhe zu bekommen. Oft wurde eine

ganze Heerde Schafe oder fünfzig bis sechzig Stück Rinder geschlachtet,

die Thiere abgezogen, die Vließe und Häute mitgenommen und die Cadaver

liegen gelassen, um die Luft zu verpesten. Der französische Gesandte

berichtete seinem Gebieter, daß in Zeit von sechs Wochen funfzigtausend

Stück Hornvieh auf diese Art getödtet worden seien und nun im

ganzen Lande unter freiem Himmel verfaulten. Die Zahl der in dem

nämlichen Zeitraum geschlachteten Schafe soll sich auf drei- bis

viermalhunderttausend Stück belaufen haben.[42]

Jede Schätzung, die man jetzt von dem Werthe des Eigenthums machen kann,

das während jenes furchtbaren Racenkampfes zerstört wurde, muß

nothwendig sehr ungenau sein. Indessen fehlt es uns nicht gänzlich an

Material zu einer solchen Schätzung. Die Quäker waren weder eine sehr

zahlreiche noch eine sehr wohlhabende Klasse. Wir dürfen schwerlich

annehmen, daß sie mehr als ein Fünfzigstel der protestantischen

Bevölkerung Irland's bildeten oder daß sie mehr als ein Fünfzigstel des

protestantischen Vermögens in Irland besaßen. Überdies wurden sie

unzweifelhaft schonender behandelt als irgend eine andre protestantische

Secte. Jakob war stets für sie eingenommen gewesen, sie gestehen selbst,

daß Tyrconnel sein Möglichstes that, um sie zu schützen, und sie

scheinen selbst vor den Augen der Rapparees Gnade gefunden zu haben.[43]

Und doch schlugen die Quäker ihre pekuniären Verluste auf hunderttausend

Pfund Sterling an.[44]

[Anmerkung 37: Im französischen Kriegsministerium befindet sich

ein Bericht über den Zustand Irland's im Februar 1689. In diesem

Bericht heißt es, daß die Zahl der als Soldaten eingereihten

Irländer fünfundvierzigtausend betrage, daß sie aber auf

hunderttausend gestiegen sein würde, wenn Alle die sich freiwillig

stellten, angenommen worden wären. Siehe auch: +The Sad and

Lamentable Condition of the Protestants in Ireland, 1689+;

+Hamilton's True Relation, 1690+; +The State of Papist and

Protestant Properties in the Kingdom of Ireland, 1689+; +A true

Representation to the King and People of England how Matters were

carried on all along in Ireland, licensed Aug. 16. 1689+; +Letter

from Dublin, 1689+; +Ireland's Lamentation, 1689+; +Compleat

History of the Life and Military Actions of Richard, Earl of

Tyrconnel, Generalissimo of all the Irish forces now in arms,

1689.+]

[Anmerkung 38: Siehe die Verhandlungen in den +State Trials+.]

[Anmerkung 39: +King, III. 10.+]

[Anmerkung 40: Zehn Jahre, sagt der französische Gesandte; zwanzig

Jahre, sagt ein protestantischer Flüchtling.]

[Anmerkung 41: +Animadversions an the proposal for sending back

the nobility and gentry of Ireland, 1689/90.+]

[Anmerkung 42: +King, III. 10+; +The Sad Estate and Condition of

Ireland, as represented in a Letter from a Worthy Person who was

in Dublin on Friday last, March 4. 1689+; +Short View by a

Clergyman, 1689+; +Lamentation of Ireland, 1689+; +Compleat

History of the Life and Actions of Richard, Earl of Tyrconnel,

1689+; +The Royal Voyage+, aufgeführt 1689 und 1690. Dieses Stück,

das, wenn ich nicht irre, in der Bartholomäusmesse gegeben wurde,

ist eines der interessantesten von einer interessanten Gattung von

Compositionen, welche zwar jedes literarischen Werthes ermangeln,

aber deshalb von Bedeutung sind, weil sie zeigen, was damals die

erfolgreichste Lockspeise für ein aus gemeinem Volke bestehendes

Publikum war. »Der Zweck dieses Schauspiels,« sagt der Verfasser

in seiner Vorrede, »ist namentlich der, den perfiden, gemeinen,

feigen und blutdürstigen Character der Irländer vor Augen zu

führen.« Was die flüchtigen Protestanten von der muthwilligen

Vernichtung des Viehes erzählen, wird von Avaux in einem vom

13.(23.) April 1689 datirten Briefe an Ludwig, und von Desgrigny

in einem vom 17.(27.) Mai 1690 datirten Schreiben an Louvois

bestätigt. Die meisten Depeschen, welche Avaux während seines

Aufenthalts in Irland schrieb, sind in einem Werke enthalten,

das vor einigen Jahren im englischen auswärtigen Amte in wenigen

Exemplaren gedruckt wurde. Viele habe ich auch im französischen

Ministerium des Auswärtigen abgeschrieben. Die Briefe von

Desgrigny, der im Commissariat angestellt war, fand ich in der

Bibliothek des französischen Kriegsministeriums. Ich kann die

Bereitwilligkeit und Zuvorkommenheit, mit der mir die reichen und

vortrefflich geordneten Schätze interessanter Belehrung in Paris

geöffnet wurden, nicht genug rühmen.]

[Anmerkung 43: »Eine eigenthümliche Erscheinung, welche nie

vergessen werden darf, war, daß Diejenigen, welche damals (zu Ende

des Jahres 1688) an der Spitze der Regierung standen, uns zu

begünstigen und sich unsre Freundschaft bewahren zu wollen

schienen.« +History of the Rise and Progress of the People called

Quakers in Ireland, by Wight and Rutty, Dublin 1751.+ King wirft

in der That (III. 17.) den Quäkern vor, daß sie Verbündete und

Werkzeuge der Papisten gewesen seien.]

[Anmerkung 44: Wight and Rutty.]

[_Die Protestanten in Süden unfähig Widerstand zu leisten._] In

Leinster, Munster und Connaught war es den englischen Ansiedlern ihrer

geringen und zersplitterten Anzahl wegen rein unmöglich, dem furchtbaren

Andrange der eingebornen Bevölkerung einen erfolgreichen Widerstand

entgegenzusetzen. Charleville, Mallow und Sligo fielen in die Gewalt der

Eingebornen. Bandon, wo die Protestanten eine ansehnlichere Streitmacht

zusammengezogen hatten, wurde durch den Generalleutnant Macarthy, einen

Officier, der aus einer der vornehmsten celtischen Familien abstammte

und unter einem angenommenen Namen lange in der französischen Armee

gedient hatte, zur Übergabe gezwungen.[45] Die Bewohner von Kenmare

hielten sich in ihrer kleinen Festung, bis sie von dreitausend regulären

Soldaten angegriffen wurden und bis sie erfuhren, daß mehrere Kanonen

herbeigeschafft würden, um den Erdwall zu zerstören, der das Haus des

Agenten umgab. Da endlich wurde eine Capitulation abgeschlossen, und den

Colonisten gestattet, sich auf einem mit Lebensmitteln und Wasser

spärlich versehenen kleinen Fahrzeuge einzuschiffen. Sie hatten keinen

erfahrenen Schiffer an Bord; doch nach einer vierzehntägigen Seereise,

während der sie wie die Neger auf einem Sklavenschiffe zusammengepfercht

waren und vor Hunger und Durst fast umkamen, erreichten sie wohlbehalten

den Hafen von Bristol.[46] Wenn solcher Art das Schicksal der Städte

war, so lag es auf der Hand, daß die Landsitze, welche die

protestantischen Gutsbesitzer unlängst in den drei südlichen Provinzen

befestigt hatten, sich nicht länger zu halten vermochten. Viele Familien

unterwarfen sich, lieferten ihre Waffen ab und schätzten sich glücklich,

daß sie mit dem Leben davon kamen. Viele beherzte und tapfere Gentlemen

und Freisassen aber waren entschlossen lieber umzukommen, als sich zu

ergeben. Sie packten das leicht transportable werthvolle Eigenthum

zusammen, verbrannten das was sie nicht mitnehmen konnten und brachen

wohl bewaffnet und beritten nach den Orten in Ulster auf, welche die

Besten ihres Stammes und ihres Glaubens waren. Die Elite der

protestantischen Bevölkerung von Munster und Connaught fand in

Enniskillen ein Asyl. Die Tapferen und Entschlossenen von Leinster

schlugen den Weg nach Londonderry ein.[47]

[Anmerkung 45: +Life of James, II. 327. Orig. Mem.+ Macarthy und

sein fingirter Name werden mehrere Male von Dongeau erwähnt.]

[Anmerkung 46: +Exact Relation of the Persecutions, Robberies and

Losses sustained by the Protestants of Killmare in Ireland,

1689+.]

[Anmerkung 47: +A true Representation to the King and People of

England how Matters were carried on all along in Ireland by the

late King James, licensed Aug. 16. 1689+; +A True Account of the

Present State of Ireland by a Person that with Great Difficulty

left Dublin, licensed June 8. 1689.+]

[_Enniskillen und Londonderry halten sich._] Der Muth Enniskillen's und

Londonderry's stieg angesichts der Gefahr immer höher und höher. An

beiden Orten wurden die Nachrichten von dem was die Convention zu

Westminster gethan, mit unbeschreiblicher Freude aufgenommen. Wilhelm

und Marie wurden in Enniskillen mit einmüthigem Enthusiasmus und mit

demjenigen Pomp proklamirt, den die kleine Stadt erschwingen konnte.[48]

Lundy, der in Londonderry commandirte, durfte es nicht wagen, der

allgemeinen Gesinnung der Bürger und seiner eigenen Soldaten

entgegenzutreten. Er kündigte daher seinen Beitritt zu der neuen

Regierung an und unterschrieb eine Erklärung, durch die er sich

verpflichtete, treu zu dieser Regierung zu stehen, widrigenfalls er als

ein Feigling und Verräther betrachtet sein wollte. Ein Schiff aus

England brachte bald ein Patent von Wilhelm und Marien, das ihn in

seinem Posten bestätigte.[49]

[Anmerkung 48: +Hamilton's Actions of the Inniskilling Men,

1689.+]

[Anmerkung 49: +Walker's Account, 1689.+]

[_Richard Hamilton marschirt mit einer Armee nach Ulster._] Die

Protestanten von Ulster zur Unterwerfung zu zwingen, bevor Unterstützung

aus England eintreffen konnte, war jetzt Tyrconnel's Hauptzweck. Eine

starke Truppenmacht wurde unter dem Commando Richard Hamilton's nach dem

Norden dirigirt. Dieser Mann hatte alle Verpflichtungen, welche einem

Gentleman und Soldaten am heiligsten sind, mit Füßen getreten, war gegen

seine Freunde, die Temple, meineidig geworden, hatte sein militärisches

Ehrenwort gebrochen, und schämte sich jetzt nicht als General gegen eine

Regierung ins Feld zu ziehen, der er sich als Gefangener zu stellen

verpflichtet war. Sein Marsch hinterließ in dem Aussehen des Landes

Spuren, welche auch dem sorglosesten Auge viele Jahre hindurch nicht

unbemerkt bleiben konnten. Seine Armee war von einem Gesindel begleitet,

das Keating sehr richtig mit den unsauberen Raubvögeln verglichen hatte,

die sich jederzeit da sammeln, wo es stark nach Aas riecht. Der General

erklärte, daß es sein aufrichtiger Wille sei, alle Protestanten, welche

ruhig zu Hause blieben, vor Verderben und Gewaltthätigkeiten zu behüten,

und gewährte ihnen mit größter Bereitwilligkeit von ihm eigenhändig

unterschriebene Schutzbriefe. Aber diese Schutzbriefe erwiesen sich als

nutzlos und er mußte eingestehen, daß er zwar seine Soldaten im Zaume

halten könne, aber unter dem Pöbeltroß, der seiner Armee folgte, keine

Ordnung zu halten vermöge. Das Land hinter ihm war eine Wüste, und bald

war auch das Land vor ihm in gleichem Maße verödet. Denn bei der

Nachricht von seiner Annäherung verbrannten die Colonisten ihre

bewegliche Habe, rissen ihre Häuser nieder und zogen sich nach dem

Norden zurück. Einige von ihnen versuchten es, bei Dromore Stand zu

halten, aber sie wurden durchbrochen und auseinandergesprengt. Nun wurde

die Flucht wild und tumultuarisch. Die Fliehenden brachen die Brücken ab

und verbrannten die Fähren. Ganze Städte, die Sitze der protestantischen

Bevölkerung, wurden zerstört, und kein einziger Bewohner blieb darin.

Die Einwohner von Omagh zerstörten ihre Häuser so vollständig, daß kein

Dach übrig blieb, das den Feind gegen Wind und Regen hätte schützen

können. Die Bewohner von Cavan zogen sämmtlich nach Enniskillen. Es war

ein regnerischer, stürmischer Tag und die Wege waren grundlos. Einen

herzerschütternden Anblick gewährten die weinenden und ausgehungerten

Frauen und Kinder, welche mitten unter den bewaffneten Männern bis an

die Knie im Kothe waten mußten. Ganz Lisburn floh nach Antrim, und als

der Feind heranrückte, strömte ganz Lisburn und Antrim zusammen nach

Londonderry. Dreißigtausend Protestanten beider Geschlechter und jeden

Alters waren hinter den Bollwerken der Zufluchtsstadt zusammengedrängt.

Hier endlich, am Rande des Oceans, bis in das letzte Asyl gehetzt und zu

einer Verzweiflung aufgestachelt, in der der Mensch sich umbringen läßt,

sich aber so leicht nicht unterwirft, machte die herrschende Race Front,

um dem andringenden Feinde die Spitze zu bieten.[50]

[Anmerkung 50: +Mackenzie's Narrative+; +Mac Cormick's Further

Impartial Account+; +Story's Impartial History of the Affairs of

Ireland, 1691+; +Apology for the Protestants of Ireland+; Brief

von Dublin vom 25. Febr. 1689; Avaux an Ludwig von 15.(25.) April

1689.]

[_Jakob entschließt sich nach Irland zu gehen._] Inzwischen waren

Mountjoy und Rice in Frankreich angelangt. Mountjoy wurde sogleich

festgenommen und in die Bastille geworfen. Jakob beschloß, der von Rice

überbrachten Einladung nachzukommen, und bat Ludwig um ein französisches

Hülfsheer. Dieser aber, obwohl er in allen Dingen, welche die

persönliche Würde und Bequemlichkeit seiner königlichen Gäste betrafen,

eine fast romantische Aufmerksamkeit und eine an Verschwendung grenzende

Freigebigkeit bewies, hatte keine Lust, ein starkes Truppencorps nach

Irland zu schicken. Er sah, daß Frankreich auf dem Continent einen

langwierigen Krieg gegen eine mächtige Coalition zu bestehen haben

werde, der ungeheure Ausgaben verursachen mußte, und so groß auch die

Hülfsquellen des Landes waren, sah er doch ein, wie wichtig es war,

nichts zu vergeuden. Er betrachtete die unglücklichen Verbannten, denen

er eine so fürstliche Aufnahme hatte zu Theil werden lassen, mit

aufrichtigem Mitleid und gutem Willen; doch bei allem Mitleid und gutem

Willen konnte es seinem Scharfblicke nicht lange verborgen bleiben, daß

sein Bruder von England der einfältigste und verderbteste Mensch von der

Welt war. Jakob's Thorheit, seine Unfähigkeit, die Charactere der

Menschen und die Zeichen der Zeit zu erkennen, sein Starrsinn, der sich

gerade in solchen Fällen, wo die Klugheit zum Nachgeben rieth, am

unbeugsamsten zeigte, und sein Schwanken, das immer am kläglichsten bei

solchen Gelegenheiten hervortrat, welche Festigkeit erheischten, hatten

seine Vertreibung aus England zur Folge gehabt und konnten auch über

Frankreich großes Unheil bringen, wenn man seine Rathschläge blindlings

befolgte. Als ein von Rebellen vertriebener legitimer Souverain, als ein

von Ketzern verfolgter Bekenner des wahren Glaubens und als ein naher

Verwandter des Hauses Bourbon, der um einen Platz am Herde dieses Hauses

gebeten, hatte er Anspruch auf Gastfreundschaft, liebevolle Behandlung

und Achtung. Es gehörte sich, daß ihm ein stattlicher Palast und ein

großer Forst angewiesen wurde, daß die Haustruppen ihm die höchsten

militärischen Ehren bezeigten und daß alle Hunde des Großjägermeisters

und alle Falken des Großfalconiers zu seiner Verfügung standen. Wenn

aber ein Fürst, der, an der Spitze einer großen Flotte und eines großen

Landheeres, ein Reich verloren hatte, ohne einen Schlag zu thun, Pläne

zu See- und Landfeldzügen vorschlug, wenn ein Fürst, der durch seine

völlige Unkenntniß des Characters seiner eigenen Landsleute, seiner

eigenen Soldaten, seiner eigenen Diener und seiner eigenen Kinder zu

Grunde gegangen war, sich beikommen ließ, für den Eifer und die Treue

des irischen Volks stehen zu wollen, dessen Sprache er nicht verstand

und dessen Land er noch nie betreten, so mußten seine Vorschläge

nothwendig mit Vorsicht aufgenommen werden. Dies waren die Ansichten

Ludwig's und er wurde darin durch seinen Kriegsminister Louvois

bestärkt, der aus privaten wie aus öffentlichen Gründen nicht wünschte,

daß Jakob von einer starken Truppenmacht begleitet werde. Louvois haßte

Lauzun und Lauzun war ein Günstling in Saint-Germain. Er trug den

Hosenbandorden, ein Ehrenzeichen, das sehr selten Fremden, welche nicht

souveraine Fürsten waren, verliehen worden ist. Man glaubte sogar am

französischen Hofe, daß er, um ihn vor den anderen Rittern des höchsten

aller europäischen Orden auszuzeichnen, mit dem nämlichen Georg decorirt

worden sei, den Karl I. auf dem Schaffot den Händen Juxon's übergeben

hatte.[51] Es war ihm außerdem Hoffnung gemacht worden, daß er, wenn

französische Truppen nach Irland geschickt wurden, dieselben commandiren

solle, und diese ehrgeizige Hoffnung wollte Louvois vereiteln.[52]

[Anmerkung 51: +Mémoires de Madame de la Fayette+; Frau von

Sévigné an Frau von Grignan vom 28. Febr. 1689.]

[Anmerkung 52: +Burnet II. 17+; +Clarke's Life of James, II.

320--322.+]

[_Unterstützung, welche Jakob von Ludwig gewährt wird._] Eine Armee

wurde daher vor der Hand verweigert, sonst aber Alles bewilligt. Die in

Brest liegende Flotte erhielt Befehl sich zum Absegeln bereit zu machen,

Waffen für zehntausend Mann und große Massen von Munition wurden an Bord

geschafft. Etwa vierhundert Kapitäns, Leutnants, Cadetten und Kanoniere

wurden für den wichtigen Dienst, die neuauszuhebenden irischen Truppen

zu organisiren und einzuüben, ausgewählt. Den Oberbefehl erhielt ein

alter Kriegsveteran, der Graf von Rosen. Unter ihm standen Maumont mit

dem Range eines Generalleutnants, und ein Brigadier Namens Pusignan.

Eine halbe Million Kronen in Gold, eine Summe die ungefähr

hundertzwölftausend Pfund Sterling entsprach, wurde nach Brest

gesandt.[53] Für Jakob's persönliche Bequemlichkeit war mit einer

Ängstlichkeit gesorgt, welche der einer liebenden Mutter glich, die

ihren Sohn zu seinem ersten Feldzuge ausstattet. Das Ameublement für die

Kajüte, das Lagergeräth, die Zelte, die Betten und das Tafelgeschirr,

Alles war luxuriös und kostbar. Nichts was dem Verbannten angenehm oder

nützlich sein konnte, war zu kostspielig für die Freigebigkeit oder zu

geringfügig für die Aufmerksamkeit seines artigen und splendiden

Wirthes. Am 15. Februar machte Jakob seinen Abschiedsbesuch in

Versailles. Er wurde mit allen Beweisen von Achtung und Zuvorkommenheit

in den Gebäuden und Anlagen herumgeführt. Die Wasserwerke waren ihm zu

Ehren im Gange. Es war gerade die Carnevalszeit, und nie hatten der

große Palast und die prächtigen Gärten einen heiterern Anblick gewährt.

Am Abend erschienen die beiden Könige nach einer langen und ernsten

Privatconferenz in einem glänzenden Cirkel von Herren und Damen. »Ich

hoffe,« sagte Ludwig in seiner edelsten und liebenswürdigsten Weise,

»daß wir scheiden, um uns in diesem Leben nie wieder zu begegnen. Dies

ist der beste Wunsch, den ich für Sie hegen kann. Sollte jedoch ein

böses Geschick Sie zur Rückkehr zwingen, so sein Sie versichert, daß Sie

mich bis zum letzten Augenblicke so finden werden, wie Sie mich bisher

gefunden haben.« Am 17. stattete Ludwig in Saint-Germains seinen

Gegenbesuch ab. Im Augenblicke der letzten Umarmung sagte er mit seinem

freundlichsten Lächeln: »Wir haben noch etwas vergessen: einen

Brustharnisch für Sie. Sie sollen den meinigen haben.« Der Brustharnisch

wurde herbeigebracht und gab den Schöngeistern des Hofes Gelegenheit zu

geistreichen Anspielungen auf die von Vulcan verfertigte Rüstung, welche

einst Achilles seinem schwächeren Freunde lieh. Jakob reiste nach Brest

ab und seine durch Krankheit und Kummer niedergedrückte Gemahlin schloß

sich mit ihrem Kinde ein um zu weinen und zu beten.[54]

Mehrere von Jakob's eigenen Unterthanen begleiteten ihn oder folgten ihm

schleunigst nach; die Vornehmsten darunter waren sein Sohn Berwick,

Cartwright, Bischof von Chester, Powis, Dower und Melfort. Keiner von

dem ganzen Gefolge war dem großbritannischen Volke so verhaßt als

Melfort. Er war ein Apostat, Viele hielten ihn für einen nicht

aufrichtigen Apostaten, und die anmaßende, willkürliche und drohende

Sprache seiner Staatsschriften war selbst den Jakobiten zuwider. Daher

war er ein Liebling seines Gebieters, denn in Jakob's Augen waren

Unpopularität, Starrsinn und Unversöhnlichkeit die gewichtigsten

Empfehlungen für einen Staatsmann.

[Anmerkung 53: Maumont's Instructionen.]

[Anmerkung 54: Dangeau vom 15.(25.) und 17.(27.) Febr. 1689; Frau

von Sévigné vom 18.(28.) Febr. und 10. Febr. (2. März); +Mémoires

de Madame de la Fayette.+]

[_Wahl eines französischen Gesandten zum Begleiter Jakob's._] Welcher

Franzos den König von England in der Eigenschaft eines Gesandten

begleiten sollte, war ein Gegenstand ernster Berathung zu Versailles

gewesen. Barillon konnte ohne auffallende Geringschätzung nicht

übergangen werden. Aber seine Lässigkeit, sein Mangel an Energie und vor

Allem die Leichtgläubigkeit, mit der er auf Sunderland's Versicherungen

gehört, hatten auf Ludwig einen ungünstigen Eindruck gemacht. Was in

Irland zu thun war, war keine Arbeit für einen Tändler oder Gimpel.

Der Geschäftsträger Frankreich's in diesem Lande mußte mehr als den

gewöhnlichen Functionen eines Gesandten gewachsen sein. Er war

berechtigt und verpflichtet, in allen Zweigen der politischen und

militärischen Verwaltung des Reichs, in welchem er den mächtigsten und

freigebigsten Bundesgenossen vertreten sollte, gute Rathschläge zu

geben. Barillon wurde daher übergangen. Er stellte sich als ob er seine

Ungnade mit Fassung ertrüge. Wenn auch seine politische Laufbahn große

Calamitäten über das Haus Stuart wie über das Haus Bourbon gebracht

hatte, so war sie doch keineswegs ohne Gewinn für ihn selbst gewesen. Er

sagte er sei alt und korpulent, er beneide jüngere Männer nicht um die

Ehre, in den irischen Sümpfen von Kartoffeln und Whiskey zu leben, er

wolle es versuchen, sich mit Rebhühnern, mit Champagner und mit der

Gesellschaft der geistreichsten Männer und hübschesten Frauen von Paris

zu trösten. Man sprach jedoch davon, daß er von sehr peinlichen Gefühlen

gequält werde, die er zu verbergen sich bestrebte; seine Gesundheit und

sein Frohsinn nahmen mehr und mehr ab und er versuchte es nun, in

religiösen Übungen Trost zu finden. Manche Leute waren sehr erbaut durch

die Frömmigkeit des alten Wüstlings; Andere aber schrieben seinen Tod,

der bald nach seinem Rücktritt aus dem öffentlichen Leben erfolgte,

der Scham und dem Ärger zu.[55]

[Anmerkung 55: Memoiren La Fare's und Saint-Simon's; Note von

Renaudot über die englischen Angelegenheiten, 1697, in den

französischen Archiven, Frau von Sévigné vom 20. Febr. (2. März)

und vom 11.(21.) März 1689; Brief von Frau von Coulanges an Herrn

von Coulanges vom 23. Juli 1691.]

[_Der Graf von Avaux._] Der Graf von Avaux, dessen Scharfblick alle

Pläne Wilhelm's durchschaut und der vergebens zu einer Politik gerathen

hatte, die jene Pläne wahrscheinlich vereitelt haben würde, war der

Mann, auf den Ludwig's Wahl fiel. In Bezug auf Talent und Befähigung

wurde Avaux von keinem der vielen geschickten Diplomaten, welche sein

Vaterland damals besaß, übertroffen. Sein Benehmen war ungemein

anziehend, seine persönliche Erscheinung angenehm und sein Gemüth sanft

und liebreich. Seine Manieren und seine Conversation waren die eines

Cavaliers, der an dem elegantesten und prächtigsten aller Höfe erzogen

worden, der diesen Hof sowohl in katholischen wie in protestantischen

Ländern vertreten und der auf seinen Wanderungen die Kunst erlernt

hatte, den Ton jeder Gesellschaft zu treffen, in welche der Zufall ihn

führen mochte. Dabei war er höchst umsichtig und gewandt, fruchtbar an

Auskunftsmitteln und geschickt in Entdeckung der schwachen Seiten eines

Characters. Indessen war sein eigner Character nicht frei von Schwächen.

Der Gedanke von plebejischer Herkunft zu sein, war die Qual seines

Lebens. Er schmachtete nach dem Adel mit einer eben so bedauernswerthen

als lächerlichen Sehnsucht. Bei aller seiner Geschicklichkeit, Erfahrung

und ausgezeichneten Bildung stieg er doch zuweilen unter dem Einflusse

seines geheimen Grames auf das Niveau von Molière's Jourdain herab und

ergötzte boshafte Beobachter durch Scenen, welche eben so komisch waren

wie die, in der der ehrliche Tuchhändler zum Mamamuschi gemacht

wird.[56] Es möchte noch sein, wenn dies das Schlimmste gewesen wäre.

Aber es ist nicht zuviel gesagt, wenn man behauptet, daß Avaux von dem

Unterschiede zwischen Recht und Unrecht so wenig einen Begriff hatte wie

ein unvernünftiges Thier. Ein Gefühl vertrat bei ihm die Stelle der

Religion und Moral: eine abergläubische und unduldsame Ergebenheit für

die Krone, der er diente. Dieses Gefühl durchdringt alle seine Depeschen

und leuchtet aus allen seinen Gedanken und Worten hervor. Nichts was dem

Interesse der französischen Monarchie förderlich sein konnte, schien ihm

ein Verbrechen. Er hielt es in der That für ausgemacht, daß nicht nur

die Franzosen, sondern alle Menschen dem Hause Bourbon eine natürliche

Unterthanentreue schuldeten und daß Jeder, der Anstand nehme, das Glück

und die Freiheit seines Vaterlandes dem Ruhme dieses Hauses aufzuopfern,

ein Verräther sei. Während seines Aufenthalts im Haag bezeichnete er

stets diejenigen Holländer, die sich Frankreich verkauft hatten, als den

gutgesinnten Theil. In den Briefen, die er aus Irland schrieb, tritt das

nämliche Gefühl noch stärker hervor. Er würde ein noch scharfsichtigerer

Staatsmann gewesen sein, wenn er mehr mit den unter dem Volke

herrschenden Gefühlen von moralischer Billigung und Mißbilligung

sympathisirt hätte. Denn seine Gleichgültigkeit gegen alle Rücksichten

der Gerechtigkeit und Nachsicht war so groß, daß er in seinen Plänen das

Gewissen und das Zartgefühl seiner Mitmenschen gänzlich außer Acht

ließ. Mehr als einmal empfahl er wissentlich so haarsträubende

Abscheulichkeiten, daß selbst schlechte Menschen darüber empört waren.

Es gelang ihnen aber nie, ihm ihre Bedenken nur begreiflich zu machen.

Alle derartigen Vorstellungen hörte er mit einem cynischen Lächeln an

und war selbst in Zweifel darüber, ob Die welche ihm den Text lasen

wirklich solche Thoren waren, für die sie sich ausgaben, oder ob sie

sich nur so stellten.

Dies war der Mann, den Ludwig zum Begleiter und Aufseher Jakob's

erwählte. Avaux war beauftragt, sich womöglich mit den Mißvergnügten im

englischen Parlament in Verbindung zu setzen, und war ermächtigt,

nöthigenfalls etwa hunderttausend Kronen unter sie zu vertheilen.

[Anmerkung 56: Siehe Saint-Simon's Erzählung der List,

durch welche Avaux sich in Stockholm für einen Ritter des

Heiligen-Geistordens auszugeben versuchte.]

[_Jakob landet in Kinsale._] Jakob traf am 5. März in Brest ein, ging

hier an Bord eines Kriegsschiffs, der St. Michael genannt, und segelte

binnen achtundvierzig Stunden ab. Er hatte indessen bis zu seiner

Abreise vollauf Zeit einige von den Fehlern zu zeigen, durch die er

England und Schottland verloren hatte und durch die er auch Irland zu

verlieren im Begriff stand. Avaux schrieb aus dem Hafen von Brest, daß

es wohl nicht leicht sein werde, irgend eine wichtige Angelegenheit in

Gemeinschaft mit dem König von England durchzuführen. Se. Majestät sei

nicht im Stande ein Geheimniß zu bewahren, denn selbst die Matrosen des

St. Michael hätten ihn bereits Dinge sagen hören, welche nur für die

Ohren seiner vertrautesten Freunde hätten aufgespart werden sollen.[57]

Die Reise ging glücklich und ohne Störung von statten und am Nachmittag

des 12. März landete Jakob im Hafen von Kinsale. Die katholische

Bevölkerung empfing ihn mit Äußerungen ungeheuchelter Freude, und die

wenigen Protestanten, welche in diesem Theile des Landes geblieben

waren, schlossen sich ihnen, vielleicht ebenfalls nicht unaufrichtig, zu

seiner Begrüßung an. Denn obgleich ein Feind ihrer Religion, war er doch

kein Feind ihrer Nation, und sie durften vernünftigerweise hoffen,

daß auch der schlechteste König etwas mehr Achtung vor Gesetz und

Eigenthumsrechten zeigen werde als die Merry Boys und Rapparees gezeigt

hatten. Der Vikar von Kinsale befand sich auch unter Denen, die ihm ihre

Aufwartung machten; er wurde vom Bischof von Chester vorgestellt und

nicht unfreundlich aufgenommen.[58]

Jakob erfuhr, daß seine Sache gut stehe. In den drei südlichen Provinzen

des Landes waren die Protestanten entwaffnet und durch den Schrecken so

wirksam niedergehalten, daß er von ihrer Seite nichts zu fürchten hatte.

Im Norden zeigte sich ein Schein von Widerstand; aber Hamilton war im

Anrücken gegen die Mißvergnügten, und es unterlag kaum einem Zweifel,

daß sie leicht überwältigt werden würden. Ein Tag ward in Kinsale darauf

verwendet, die Waffen und Munitionsvorräthe in Sicherheit zu bringen;

nicht ohne Schwierigkeit verschaffte man sich die zur Beförderung

einiger Reisenden nöthige Anzahl Pferde, und am 14. März brach Jakob

nach Cork auf.[59]

[Anmerkung 57: Dieser Brief befindet sich in den Archiven des

französischen Ministeriums des Auswärtigen, fehlt aber in dem sehr

seltenen Bande, der in Downing Street gedruckt wurde.]

[Anmerkung 58: +A full and true Account of the Landing and

Reception of the late King James at Kinsale, in a Letter from

Bristol, licensed April 4. 1689+; +Leslie's Answer to King+;

+Ireland's Lamentation+; Avaux vom 13.(23.) März.]

[Anmerkung 59: Avaux vom 13.(23.) März 1689; +Life of James, II.

327. Orig. Mem.+]

[_Jakob's Einzug in Cork._] Wir würden sehr irren, wenn wir glaubten,

daß die Straße, durch welche er in diese Stadt einzog, die geringste

Ähnlichkeit gehabt habe mit dem stattlichen Zugange, der den Reisenden

des 19. Jahrhunderts mit Bewunderung erfüllt. Gegenwärtig nimmt Cork,

obwohl noch durch manche häßliche Überbleibsel aus früherer Zeit

verunziert, unter den Hafenplätzen des Reichs keine geringe Stelle ein.

Der Schiffsverkehr ist mehr als halb so stark als der Schiffsverkehr

London's zur Zeit der Revolution war. Der Ertrag der Zölle übersteigt

das ganze Einkommen, welches das gesammte Königreich Irland in den

ruhigsten und blühendsten Zeiten den Stuarts lieferte. Die Stadt besitzt

breite und schön gebaute Straßen, reizende Gärten, einen korinthischen

Porticus, der einem Palladio Ehre machen würde, und ein gothisches

Collegium, das würdig wäre in High Street zu Oxford zu stehen. Im Jahre

1689 nahm die Stadt etwa den zehnten Theil der Bodenfläche ein, den sie

jetzt bedeckt und war von schlammigen Wassergräben durchschnitten,

welche längst überwölbt und bebaut sind. Ein öder Sumpf, in welchem der

Jäger, der den Wasservögeln nachstellte, bei jedem Schritte tief in

Wasser und Schlamm einsank, bedeckte das Areal, auf dem jetzt stattliche

Gebäude und die Paläste großer Handelsgesellschaften stehen. Damals gab

es nur eine einzige Straße, in der zwei Wagen einander ausweichen

konnten. Von dieser Straße gingen zu beiden Seiten enge Gäßchen aus,

schmutziger und übelriechender als selbst Diejenigen sich vorstellen

können, die sich ihre Begriffe von Elend nach den ärmlichsten Theilen

der Stadtviertel St. Giles und Whitechapel gebildet haben. Eines dieser

Gäßchen, das vergleichsweise nicht mit Unrecht Broad Lane genannt wird,

ist zehn Fuß breit. Aus diesen Straßen, gegenwärtig Sitzen von Hunger

und Krankheit, die man der Hefe der Gesellschaft überlassen hat,

strömten die Bürger herbei, um Jakob zu bewillkommnen. Er wurde von

Macarthy, der in Munster das Obercommando führte, mit militärischen

Ehren empfangen.

Es war dem Könige unmöglich, sofort nach Dublin weiter zu reisen, denn

die südlichen Grafschaften waren durch das Gesindel, welches die

Priester zu den Waffen gerufen hatten, so vollständig verwüstet, daß die

Transportmittel nicht leicht zu beschaffen waren. Pferde waren eine

Seltenheit geworden; in einem großen Districte gab es nur zwei Wagen und

diese erklärte Avaux für unbrauchbar. Es dauerte mehrere Tage, bis das

von Frankreich mitgebrachte Geld, obwohl eben keine so ungeheure Masse,

die paar Meilen Wegs, welche Cork von Kinsale trennten, mühsam

transportirt werden konnte.[60]

Während der König und sein Kriegsrath sich bemühten, Wagen und Pferde

aufzutreiben, kam Tyrconnel von Dublin an. Seine Berichte lauteten

ermuthigend. Den Widerstand Enniskillen's scheint er für kaum der

Beachtung werth gehalten zu haben. Londonderry, sagte er, sei der

einzige wichtige Punkt, den die Protestanten im Besitz hätten, und

selbst Londonderry werde sich seiner Ansicht nach nur wenige Tage halten

können.

[Anmerkung 60: Avaux vom 15.(25.) März 1689.]

[_Reise Jakob's von Cork nach Dublin._] Endlich war Jakob im Stande sich

von Cork nach der Hauptstadt zu begeben. Unterwegs machte der kluge und

wachsame Avaux mancherlei Bemerkungen. Zuerst ging die Reise durch

wildes Hochland, wo man sich nicht wundern durfte, nur wenige Spuren von

Kunst und Industrie zu finden. Von Kilkenny aber bis vor die Thore von

Dublin führte der Weg durch eine wellenförmige Ebene mit reicher

natürlicher Vegetation. Dieser fruchtbare Distrikt hätte mit

Viehheerden, mit Gemüsegärten und mit Kornfeldern bedeckt sein sollen,

war aber eine unbebaute und unbevölkerte Wüste. Selbst in den Städten

gab es nur wenig Handwerker. Manufacte waren kaum zu sehen, und wo sich

solche fanden, waren sie nur zu enormen Preisen zu erlangen.[61] Dies

Alles kam daher, weil die meisten englischen Einwohner geflüchtet und

Kunst, Industrie und Kapital mit ihnen gegangen waren.

Jakob erhielt auf seiner Reise vielfache Beweise von der

Bereitwilligkeit des Landvolks, aber es waren Beweise, welche Männern,

die an den Höfen Frankreich's und England's erzogen waren, sonderbar

und unheilverkündend vorkommen mußten. Auf den Feldern sah man wenig

Arbeiter; auf der Landstraße aber wimmelte es von mit Skeans, Knütteln

und Halbpiken bewaffneten Rapparees, welche herbeiströmten, um den

Befreier ihres Stammes zu sehen. Die Straße hatte ungefähr das Aussehen,

als ob ein Jahrmarkt auf derselben gehalten würde. Spielleute kamen

herbei und musicirten vor ihm in einer Weise, die sich stark von der der

französischen Oper unterschied, und die Dorfbewohner führten nach dieser

Musik wilde Tänze auf. Lange Friesmäntel, ähnlich denen, welche Spenser

hundert Jahre früher als zu Lagerdecken für Rebellen und zu Mänteln für

Diebe geeignet beschrieben hatte, waren auf den Weg gebreitet, den die

Cavalcade ziehen mußte, und Kränze, in denen Krautstrünke die Stelle der

Lorbeern vertraten, wurden der königlichen Hand dargereicht. Die Weiber

wollten durchaus Se. Majestät küssen; aber sie müssen wenig Ähnlichkeit

mit ihren heutigen Nachkommen gehabt haben, denn diese Aufmerksamkeit

war ihm so widerlich, daß er seinem Gefolge befahl, sie in gemessener

Entfernung zu halten.[62]

Am 24. März zog er in Dublin ein. Diese Stadt war damals nach Umfang und

Einwohnerzahl die zweite auf den britischen Inseln. Sie bestand aus

sechs- bis siebentausend Häusern und hatte wahrscheinlich über

dreißigtausend Einwohner.[63] An Wohlstand und Schönheit stand jedoch

Dublin vielen englischen Städten nach. Von den eleganten und prächtigen

Gebäuden, welche gegenwärtig beide Seiten des Liffey zieren, war damals

noch kaum eines nur projectirt. Die Universität, ein Gebäude, das ganz

anders aussah als das, welches sich jetzt auf der nämlichen Stelle

erhebt, lag völlig außerhalb der Stadt.[64] Der Flächenraum, den jetzt

Leinster House und Charlemont House, Sackville Street und Merrion Square

einnehmen, war eine unbebaute Wiese. Die meisten Wohnhäuser waren von

Holz und haben längst massiveren Gebäuden Platz gemacht. Das Schloß war

1686 fast unbewohnbar gewesen. Clarendon hatte sich bitter beklagt, daß

er keinen Gentleman in Pall Mall kenne, der nicht eine bequemere und

freundlichere Wohnung habe, als der Vicekönig von Irland. Keine

öffentliche Ceremonie könne unter dem viceköniglichen Dache auf

anständige Weise abgehalten werden. Obgleich fortwährend neue

Glasscheiben und Ziegel eingesetzt würden, dringe der Regen doch

beständig in die Zimmer.[65] Tyrconnel hatte, seit er Vicekönig war,

ein etwas bequemeres neues Gebäude aufführen lassen. Nach diesem Gebäude

wurde der König mit festlichem Gepränge durch den südlichen Theil der

Stadt geführt. Man hatte Alles aufgeboten, um dem Stadttheile, durch den

er kommen mußte, einen festlichen und glänzenden Anstrich zu geben.

Die gewöhnlich mit tiefem Koth bedeckten Straßen waren mit Sand und mit

Zweigen und Blumen bestreut. Draperien und Teppiche hingen aus den

Fenstern Derer, welche die Mittel zu solchem Luxus besaßen. Die Ärmeren

ersetzten die kostbaren Stoffe durch Betttücher und Überzüge. Hier stand

ein Trupp Mönche mit einem Kruzifix, dort eine Schaar von vierzig

weißgekleideten Mädchen mit Blumensträußern, Stadtpfeifer und Harfner

spielten die Melodie des Liedes: +»The King shall enjoy his own again.«+

Der Vicekönig trug das Staatsschwert vor seinem Gebieter her. Die

Richter, die Herolde, der Lord Mayor und die Aldermen erschienen in dem

ganzen Pomp ihrer Amtswürde. Zu beiden Seiten waren Soldaten

aufgestellt, um die Passage frei zu halten. Eine Reihe von zwanzig

Karossen, welche öffentlichen Beamten gehörten, folgte dem Zuge. Vor dem

Eingange ins Schloß kam dem Könige die Hostie unter einem von vier

Bischöfen seiner Kirche getragenen Baldachin entgegen. Als er derselben

ansichtig wurde, kniete er nieder und betete eine Weile. Dann erhob er

sich wieder und ward in die Kapelle seines Palastes geführt, einst -- so

sonderbar ist der Wechsel alles Irdischen -- die Reitbahn Heinrich

Cromwell's. Hier wurde zur Feier der Ankunft Sr. Majestät ein Te Deum

abgehalten. Am folgenden Morgen hielt er eine Geheimrathssitzung,

entband den Oberrichter Keating von jedem ferneren Besuche des

Staatsraths, ließ Avaux und den Bischof Cartwright vereidigen und erließ

eine Proklamation, welche auf den 7. Mai ein Parlament nach Dublin

berief.[66]

[Anmerkung 61: Avaux, 25. März (4. April) 1689.]

[Anmerkung 62: +A full and true Account of the Landing and

Reception of the late King James+; +Ireland's Lamentation+; +Light

to the Blind.+]

[Anmerkung 63: Siehe die Berechnungen Petty's, King's und

Davenant's. Wenn die durchschnittliche Zahl der Bewohner eines

Hauses in Dublin die nämliche war wie in London, so würde die

Bevölkerung von Dublin sich auf etwa vierunddreißigtausend Seelen

belaufen haben.]

[Anmerkung 64: Johann Dunton spricht von College Green bei Dublin.

Ich habe Briefe aus jener Zeit gesehen, die nach dem Collegium

_bei_ Dublin adressirt waren. Im Britischen Museum befinden sich

einige interessante alte Pläne von Dublin.]

[Anmerkung 65: Clarendon an Rochester, 8. Febr. 1685/86, 20.

April, 12. August und 30. November 1686.]

[Anmerkung 66: +Clarke's Life of James, II. 330.+; +Full and True

Account of the Landing and Reception etc.+; +Ireland's

Lamentation.+]

[_Unzufriedenheit in England._] Als die Nachricht von Jakob's Ankunft in

Irland in London eintraf, war die Angst und Bestürzung groß und mit

ernster Unzufriedenheit gemischt. Der große Haufe, der den

Schwierigkeiten, welche Wilhelm von allen Seiten umgaben, nicht

hinreichend Rechnung trug, tadelte laut seine Sorglosigkeit. Allen

Schmähungen der Unwissenden und Böswilligen setzte er, seiner Gewohnheit

nach, nur eine unerschütterlich ernste Ruhe und das Stillschweigen der

tiefsten Verachtung entgegen. Aber Wenige waren von der Natur mit einem

so festen Character begabt wie der seinige und noch Wenigere hatten eine

so lange und so harte Schule durchgemacht. Die Vorwürfe, welche seine

von Jugend auf durch beide Extreme des Geschicks geprüfte Seelenstärke

nicht zu erschüttern vermochten, schlugen einem weniger entschlossenen

Herzen eine tiefe Wunde.

Während alle Kaffeehausclubs einstimmig erklärten, daß schon längst eine

Flotte und eine Armee hätten nach Dublin geschickt werden sollen, und

sich wunderten, wie ein so berühmter Staatsmann wie Se. Majestät sich

von einem Hamilton und Tyrconnel habe täuschen lassen können, ging ein

Gentleman zur Wassertreppe des Temple, rief ein Boot herbei und befahl,

ihn nach Greenwich zu fahren. Er nahm ein Briefcouvert aus der Tasche,

schrieb mit Bleistift einige Zeilen darauf und legte das Papier nebst

einem Silberstück als Fahrlohn auf die Bank. Als das Boot durch den

dunklen Mittelbogen der London-Brücke fuhr, sprang er in's Wasser und

verschwand. Er hatte auf das Couvert die Worte geschrieben: »Meine

Thorheit, etwas zu unternehmen, was ich nicht durchführen konnte, hat

dem Könige großen Schaden gebracht, der nicht mehr gut zu machen ist. --

Es giebt keinen bequemeren Weg für mich als diesen. -- Möge er in seinen

Unternehmungen glücklich sein. -- Möge der Himmel ihm seinen Segen

geben.« Die Zeilen hatten keine Unterschrift, aber der Leichnam wurde

bald gefunden und als der Johann Temple's erkannt. Er war jung und

hochgebildet, war der Erbe eines angesehenen Namens, besaß eine

liebenswürdige Gattin und ein großes Vermögen und die höchsten

Staatsämter standen ihm offen. Das Publikum scheint überhaupt gar nicht

gewußt zu haben, in welchem Umfange er für die Politik verantwortlich

war, die der Regierung so viel Tadel zugezogen hatte. So streng der

König auch war, besaß er doch ein viel zu edles Herz, als daß er einen

Irrthum als ein Verbrechen hätte behandeln können. Er hatte den

unglücklichen jungen Mann eben zum Kriegssekretär ernannt und seine

Bestallung war in der Ausfertigung begriffen. Es ist nicht

unwahrscheinlich, daß gerade die kalte Großmuth des Gebieters die Reue

des Dieners unerträglich machte.[67]

[Anmerkung 67: +Clarendon's Diary+; +Reresby's Memoirs+;

+Narcissus Luttrell's Diary.+ Ich habe mich in Bezug auf Temple's

letzte Worte an die Angabe Luttrell's gehalten. Sie stimmt im

Wesentlichen mit der Clarendon's überein, hat aber mehr von der

bei einer solchen Gelegenheit sehr natürlichen Hast. Wenn irgend

etwas ein so tragisches Ereigniß lächerlich machen konnte, so

waren es die Wehklagen des Verfassers der »Londeriade«:

Dem Freunde sendet einen Brief der arme Knab'

und springt verzweifelnd in der Themse feuchtes Grab.]

[_Parteispaltungen im Dubliner Schlosse._] Doch so groß auch die

Unannehmlichkeiten waren, mit denen Wilhelm zu kämpfen hatte, diejenigen

durch welche der Gleichmuth seines Schwiegervaters damals geprüft wurde,

waren noch größer. Kein Hof in Europa war von mehr Hader und Intriguen

zerrissen als solche innerhalb der Mauern des Dubliner Schlosses zu

finden waren. Die zahlreichen kleinen Cabalen, welche ihren Ursprung in

der Habgier, der Eifersucht und der Böswilligkeit Einzelner hatten, sind

kaum der Erwähnung werth. Aber es bestand eine Ursache zu Zwiespalt,

welche zu wenig beachtet worden ist und durch die sich Vieles erklären

läßt, was in der Geschichte der damaligen Zeiten für räthselhaft

gehalten wurde.

Der englische Jakobitismus und der irische Jakobitismus hatten nichts

mit einander gemein; der englische Jakobit war von hoher Begeisterung

für das Haus Stuart beseelt, und in seinem Eifer für die Interessen

dieses Hauses vergaß er nur zu oft die Interessen des Staats. Sieg,

Frieden und Wohlstand erschienen dem unerschütterlichen Eidverweigerer

als Übel, wenn sie darauf hinzielten, die Usurpation populär und

permanent zu machen. Niederlage, Staatsbankerott, Hungersnoth und

Invasion waren in seinen Augen öffentliche Wohlthaten, wenn sie die

Aussicht auf eine Restauration vermehrten. Er würde lieber sein

Vaterland als die letzte der Nationen unter Jakob II. oder Jakob III.

gesehen haben, denn als den Beherrscher der Meere, den Schiedsrichter

zwischen verfeindeten Potentaten, den Sitz der Künste und den

Bienenstock der Industrie unter einem Prinzen des Hauses Nassau oder

Braunschweig.

Die Gesinnungen des irischen Jakobiten waren ganz andrer, und man muß es

offen gestehen, edlerer Art. Die gestürzte Dynastie galt ihm nichts. Es

war ihm nicht, wie dem Cavalier von Cheshire oder Shropshire, von der

Wiege an gelehrt worden, treue Anhänglichkeit an jene Dynastie als die

erste Pflicht eines Christen und eines Edelmannes zu betrachten. Alle

seine Familientraditionen, alle Lehren, die er von seiner Amme und von

seinen Priestern empfangen, hatten eine ganz andre Tendenz gehabt. Er

war dazu angehalten worden, die fremden Beherrscher seines Vaterlandes

mit dem Gefühle zu betrachten, mit dem der Jude Caesar, der Schotte

Eduard I., der Castilianer Joseph Bonaparte, der Pole den russischen

Autokraten betrachtet. Der hochadelige Milesier bildete sich etwas

darauf ein, daß vom 12. bis zum 17. Jahrhundert jede Generation seiner

Familie gegen die englische Krone unter Waffen gestanden hatte. Seine

ältesten Ahnen hatten gegen Fitzstephen und De Burgh gekämpft, sein

Urgroßvater hatte die Soldaten Elisabeth's in der Schlacht am Blackwater

geschlagen. Sein Großvater hatte mit O'Donnel gegen Jakob I. conspirirt.

Sein Vater hatte unter Phelim O'Neil gegen Karl I. gefochten. Die

Confiscation des Familiengutes war durch eine Acte Karl's II. bestätigt

worden. Kein Puritaner, der von Laud vor die Hohe Commission citirt

worden war, der unter Cromwell bei Naseby gekämpft, der kraft der

Conventikelacte verfolgt worden war und der sich wegen seiner

Betheiligung an dem Ryehousecomplot hatte verbergen müssen, war dem

Hause Stuart weniger zugethan als die O'Hara und die Macmahon, von deren

Unterstützung das Schicksal dieses Hauses jetzt abzuhängen schien.

Der feststehende Vorsatz dieser Männer war, das fremde Joch

abzuschütteln, die sächsische Ansiedelung zu vertilgen, die

protestantische Kirche zu zerstören und den Boden seinen früheren

Eigenthümern zurückzugeben. Um diese Zwecke zu erreichen, würden sie

sich ohne das mindeste Bedenken gegen Jakob erhoben haben, und um diese

Zwecke zu erreichen, erhoben sie sich für ihn. Die irischen Jakobiten

wünschten daher keineswegs, daß er wieder in Whitehall regieren möchte,

denn sie mußten nothwendig einsehen, daß ein Beherrscher von Irland, der

zugleich Beherrscher von England war, die Verwaltung des kleinen und

ärmeren Königreichs nicht lange würde in directem Widerspruch mit der

Gesinnung des größeren und reicheren leiten wollen, und, wenn er auch

gewollt hätte, nicht würde leiten können. Ihr eigentlicher Wunsch war,

daß beide Kronen völlig getrennt werden und daß ihre Insel, ob unter

Jakob oder ohne Jakob kümmerte sie wenig, einen abgesonderten Staat

unter dem mächtigen Schutze Frankreich's bilden möchte.

Während eine Partei im Staatsrathe zu Dublin Jakob als ein bloßes

Werkzeug zur Durchführung der Befreiung Irland's betrachtete,

betrachtete eine andre Partei Irland als ein bloßes Werkzeug zur

Herbeiführung der Restauration Jakob's. In den Augen der englischen und

schottischen Lords und Gentlemen, die ihn von Brest aus begleitet

hatten, war die Insel, auf der sie gegenwärtig weilten, nichts als eine

Brücke, auf der sie nach Großbritannien zu gelangen hofften. Sie waren

noch ebensosehr Verbannte, als sie es in Saint-Germains gewesen, und sie

hielten sogar Saint-Germains für einen viel angenehmeren Verbannungsort

als das Dubliner Schloß. Sie sympathisirten nicht mit der eingebornen

Bevölkerung der entlegenen und halb barbarischen Region, in die ein

sonderbarer Zufall sie geführt. Ja sie waren sogar durch gemeinsame

Abkunft wie durch gemeinsame Sprache mit der Colonie verbunden, deren

Ausrottung der Hauptzweck der eingebornen Bevölkerung war. Sie hatten in

der That, wie die große Masse ihrer Landsleute, die eingebornen Irländer

mit höchst ungerechter Verachtung angesehen, weil sie sie als den

anderen europäischen Nationen nicht nur an erworbenen Kenntnissen,

sondern auch an natürlicher Intelligenz und natürlichem Muth

nachstehend, kurz als geborne Gibeoniten betrachteten, gegen die man

sich sehr liberal gezeigt, indem man ihnen erlaubt hatte, für ein

klügeres und mächtigeres Volk Holz zu hauen und Wasser zu tragen. Diese

Politiker meinten auch -- und darin hatten sie unzweifelhaft Recht --

daß, wenn es der Endzweck ihres Gebieters sei, den englischen Thron

wieder zu erlangen, es Wahnsinn von ihm sein würde, sich der Führung der

O und der Mac zu überlassen, welche England mit tödtlicher Feindschaft

betrachteten. Ein Gesetz, das die irische Krone für unabhängig

erklärte, ein Gesetz, das Mitren, Kirchengüter und Zehnten von der

protestantischen auf die katholische Kirche übertrug, ein Gesetz, das

zehn Millionen Acker Land von den Sachsen auf die Celten übertrug,

würde, in Clare und Tipperary ohne Zweifel mit lautem Beifall

aufgenommen werden. Aber welchen Eindruck würden diese Gesetze in

Westminster, welchen in Oxford gemacht haben? Es wäre eine traurige

Politik gewesen, sich Männer wie Clarendon und Beaufort, Ken und

Sherlock zu entfremden, um den Beifall der Rapparees vom Allen-Moor zu

erlangen.[68]

So lagen die englischen und irischen Factionen im Rathe zu Dublin in

einem Streite, der keine gütliche Beilegung zuließ. Avaux betrachtete

inzwischen diesen Streit aus einem ihm ganz eigenthümlichen

Gesichtspunkte. Sein Ziel war weder die Emancipation Irland's, noch die

Wiedereinsetzung Jakob's, sondern die Größe der französischen Monarchie.

Auf welchem Wege dieses Ziel am besten erreicht werden konnte, war

allerdings ein sehr schwieriges Problem. Ein französischer Staatsmann

mußte unzweifelhaft eine Contrerevolution in England wünschen. Eine

solche Contrerevolution mußte nothwendig zur Folge haben, daß die Macht,

welche Frankreich's furchtbarster Feind war, sein treuester

Bundesgenosse wurde, daß Wilhelm zur Bedeutungslosigkeit herabsank und

daß die europäische Coalition, deren Haupt er war, sich auflöste. Aber

welche Aussicht war auf eine solche Contrerevolution? Die englischen

Verbannten hofften allerdings, wie alle Verbannten, zuversichtlich auf

eine baldige Rückkehr in ihr Vaterland. Jakob rühmte sich laut, daß

seine Unterthanen jenseit des Kanals, obgleich durch die verführerischen

Worte Religion, Freiheit und Eigenthum auf einen Augenblick irre

geleitet, ihm im Grunde aufrichtig zugethan seien und sich um ihn

schaaren würden, sobald er in ihrer Mitte erschiene. Aber der kluge

Gesandte bemühte sich vergebens, einen haltbaren Grund für diese

Hoffnungen zu entdecken. Er wußte gewiß, daß sie sich nicht auf eine aus

irgend welchem Theile Großbritanniens angelangte Nachricht stützten und

er betrachtete sie lediglich als Träume eines schwachen Geistes. Er

hielt es für unwahrscheinlich, daß der Usurpator, dessen Talent und

Entschlossenheit er während eines zehnjährigen ununterbrochenen Kampfes

würdigen gelernt hatte, sich den durch so gewaltige Anstrengungen und

durch so gelehrte Combinationen errungenen großen Preis leicht wieder

werde entreißen lassen. Es mußte daher erwogen werden, welches

Arrangement für Frankreich am vortheilhaftesten sein würde, im Fall es

sich als unmöglich herausstellte, Wilhelm aus England zu vertreiben.

Und es lag auf der Hand, daß, wenn Wilhelm nicht aus England vertrieben

werden konnte, das für Frankreich vortheilhafteste Arrangement das sein

mußte, welches man anderthalb Jahre früher, als Jakob keine Aussicht auf

einen männlichen Erben hatte, im Sinne gehabt. Irland mußte von der

englischen Krone losgetrennt, von den englischen Colonisten gesäubert,

wieder mit der römischen Kirche vereinigt, unter den Schutz des Hauses

Bourbon gestellt und in allen Beziehungen, den Namen ausgenommen, zu

einer französischen Provinz gemacht werden. Im Kriege standen dann seine

Hülfsquellen seinem Schutzherrn zur unumschränkten Verfügung; es

lieferte seinem Heere Rekruten, bot seiner Flotte schöne Häfen dar,

welche alle großen westlichen Kanäle des englischen Handels

beherrschten, und die starke nationale und religiöse Antipathie, mit der

seine eingeborne Bevölkerung die Bewohner der Nachbarinsel betrachtete,

war eine hinreichende Garantie für ihre Treue gegen die Regierung,

welche allein sie gegen die Sachsen schützen konnte.

Im Ganzen genommen schien es daher Avaux, daß von den beiden Parteien,

in welche der Dubliner Geheimrath gespalten war, die irische Partei

diejenige sei, welche zu unterstützen im Interesse Frankreich's lag.

In Folge dessen verband er sich innig mit den Häuptern dieser Partei,

erlangte von ihnen die vollständigsten Aufschlüsse über Alles was sie

beabsichtigten, und war bald im Stande seiner Regierung zu berichten,

daß die Gentry sowohl als das gemeine Volk durchaus nicht abgeneigt

seien, französisch zu werden.[69]

Die Ansichten Louvois', unstreitig des größten Staatsmannes, den

Frankreich seit Richelieu hervorgebracht hatte, scheinen mit denen

Avaux' völlig übereingestimmt zu haben. Das Beste, schrieb Louvois,

was König Jakob thun könne, sei, zu vergessen, daß er in Großbritannien

regiert habe, und nur daran zu denken, Irland in eine gute Verfassung zu

bringen und sich darin festzusetzen. Ob dies das wirkliche Interesse des

Hauses Stuart war, darf wohl bezweifelt werden; jedenfalls aber war es

das wirkliche Interesse des Hauses Bourbon.[70]

Über die schottischen und englischen Verbannten, und besonders über

Melfort, ließ sich Avaux beständig mit einer Schärfe aus, die man von

einem so einsichtsvollen und erfahrenen Manne kaum hätte erwarten

sollen. Melfort befand sich in einer eigenthümlich unglücklichen Lage.

Er war ein Renegat, er war ein Todfeind der Freiheiten seines

Vaterlandes, er besaß einen schlechten und tyrannischen Character, und

doch war er in gewissem Sinne ein Patriot. Die Folge davon war, daß er

allgemeiner verabscheut wurde als irgend einer seiner Zeitgenossen. Denn

während sein Abfall und seine Willkürherrschaftsmaximen ihn zum

Gegenstande des Abscheus für England und Schottland machten, wurde er

wegen seiner ängstlichen Sorge für das Ansehen und die Integrität des

Reichs auch von den Irländern und Franzosen verabscheut.

Die erste zu entscheidende Frage war, ob Jakob in Dublin bleiben, oder

ob er sich an die Spitze seiner Armee in Ulster stellen sollte. Über

diese Frage geriethen die irischen und die britischen Factionen hart

aneinander. Auf beiden Seiten wurden Gründe von keinem besonderen

Gewicht geltend gemacht, denn keine der beiden Parteien wagte es, sich

unumwunden darüber auszusprechen. Der eigentliche streitige Punkt war,

ob der König in irischen oder in britischen Händen sein sollte. Blieb er

in Dublin, so war es ihm kaum möglich, irgend einer Bill, die ihm von

dem Parlament, welches er dahin berufen, vorgelegt wurde, seine

Zustimmung zu verweigern. Er war dann gezwungen, unschuldige

protestantische Gentlemen und Geistliche zu Hunderten zu berauben,

vielleicht gar zu verurtheilen, und dadurch mußte er seiner Sache

jenseit des St. Georgkanals nicht wieder gut zu machenden Schaden thun.

Begab er sich hingegen nach Ulster, so war er nur wenige Segelstunden

von Großbritannien entfernt. Sobald Londonderry gefallen war, und man

war allgemein der Ansicht, daß es sich nicht lange werde halten können,

konnte er sich mit einem Theile seiner Truppen einschiffen und in

Schottland landen, wo seine Freunde für zahlreich gehalten wurden. War

er aber einmal auf britischem Boden und unter britischen Anhängern, so

lag es nicht mehr in der Macht der Engländer, seine Zustimmung zu ihren

Beraubungs- und Racheplänen zu erzwingen.

[Anmerkung 68: Ein interessanter Brief vom Bischof Maloney an den

Bischof Tyrrel, den man im Anhange zu King's +State of the

Protestants+ findet, bringt viel Licht in den Streit zwischen

englischen und irischen Parteien in Jakob's Geheimen Rathe.]

[Anmerkung 69: Avaux, 25. März (4. April), 13.(23.) April 1689.

Ich habe mir jedoch weniger aus einem einzelnen Briefe als aus der

ganzen Tendenz und dem ganzen Geiste der Correspondenz Avaux'

meine Ansicht über seine Pläne gebildet.]

[Anmerkung 70: +»Il faut donc, oubliant qu'il a esté Roy

d'Angleterre et d'Ecosse, ne penser qu'à ce qui peut bonifier

l'Irlande, et luy faciliter les moyens d'y subsister.«+ Louvois an

Avaux. 3.(13.) Juni 1689.]

[_Jakob beschließt nach Ulster zu gehen._] Die Debatten im Staatsrathe

waren lang und heiß. Tyrconnel, der eben zum Herzog erhoben worden war,

rieth seinem Gebieter in Dublin zu bleiben. Melfort drang in Se.

Majestät, daß er nach Ulster gehen solle. Avaux bot seinen ganzen

Einfluß zur Unterstützung Tyrconnel's auf; aber Jakob, dessen

persönliche Neigung natürlich für die britische Seite der Frage war,

beschloß dem Rathe Melfort's zu folgen.[71] Avaux fühlte sich tief

gekränkt. In seinen officiellen Schreiben drückte er mit großer

Bitterkeit seine Verachtung des Characters und des Verstandes des Königs

aus. Über Tyrconnel, welcher gesagt hatte, er verzweifle an dem

Glückssterne Jakob's und die eigentliche Frage schwebe zwischen dem

Könige von Frankreich und dem Prinzen von Oranien, sprach sich der

Gesandte in Worten aus, die ein warmes Lob sein sollten, aber vielleicht

mit mehr Recht ein Tadel genannt werden dürften. »Wenn er ein Franzose

wäre, könnte er keinen größeren Eifer für die Interessen Frankreich's an

den Tag legen.«[72] Dagegen wurde Melfort's Benehmen mit einem Tadel

bedacht, der einem Lobspruche sehr ähnlich steht: »Er ist weder ein

guter Irländer, noch ein guter Franzos. Alle seine Neigungen

concentriren sich auf sein Vaterland.«[73]

[Anmerkung 71: Siehe die Depeschen Avaux' vom April 1689; +Light

to the Blind.+]

[Anmerkung 72: Avaux, 6.(16.) April 1689.]

[Anmerkung 73: Avaux, 8.(18.) Mai 1689.]

[_Jakob's Reise nach Ulster._] Da der König nun einmal beschlossen

hatte, nach dem Norden zu gehen, so hielt Avaux es nicht für gerathen

zurückzubleiben. Die königliche Reisegesellschaft brach auf, Tyrconnel

in Dublin zurücklassend, und kam am 13. April in Charlemont an. Es war

eine sonderbare Reise. Längs des ganzen Weges war das Land von der

betriebsamen Bevölkerung verlassen und durch Räuberbanden verwüstet.

»Es ist als wenn man durch die Wüsten Arabiens reiste,« sagte einer der

französischen Offiziere.[74] Was die Colonisten nur irgend hatten

fortbringen können, befand sich in Londonderry oder Enniskillen. Das

Übrige war gestohlen oder vernichtet. Avaux schrieb seinem Hofe, daß er

mehrere Meilen weit nach Heu für seine Pferde habe schicken müssen. Kein

Landmann wagte es, etwas zum Verkauf zu bringen, aus Furcht daß es ihm

unterwegs von einem Herumstreicher abgenommen werden möchte. Einmal

mußte der Gesandte die Nacht in einer elenden Schenkstube voll

rauchender Soldaten, ein andermal in einem demolirten Hause ohne Fenster

oder Läden zum Schutze gegen den Regen zubringen. In Charlemont erlangte

man mit großer Mühe und nur durch besondere Gunst einen Sack Hafermehl

für die französische Gesandtschaft. Weizenbrot gab es nur auf der Tafel

des Königs, der ein wenig Mehl von Dublin mitgenommen und dem Avaux

einen Diener geliehen hatte, welcher das Backen verstand. Wer die Ehre

hatte, zur königlichen Tafel geladen zu werden, bekam Brot und Wein

zugemessen. Jeder Andre, so vornehm er immer sein mochte, aß Haferbrot

und trank Wasser oder ein abscheuliches Bier, das aus Hafer, anstatt aus

Gerste gebraut und mit einem namenlosen Kraute an Stelle des Hopfens

gewürzt war.[75] Und die Fama sagte, daß die Gegend zwischen Charlemont

und Strabane noch verödeter sein sollte als die Gegend zwischen Dublin

und Charlemont. Es war unmöglich, einen großen Vorrath von Proviant mit

sich zu führen. Die Wege waren so schlecht und die Pferde so schwach,

daß die Baggagewagen alle weit zurückgeblieben waren. Es fehlte daher

den Oberoffizieren der Armee an dem Nothwendigsten, und die Mißstimmung,

eine natürliche Folge dieser Entbehrungen, wurde noch vermehrt durch die

Theilnahmlosigkeit Jakob's, der es gar nicht zu bemerken schien, daß es

seinen Begleitern an dem nöthigen Comfort gebrach.[76]

Am 14. April reiste der König mit seinem Gefolge weiter nach Omagh. Es

war regnerisch und windig, die Pferde vermochten kaum sich dem Sturme

entgegen durch den Schmutz zu arbeiten, und der Weg war häufig von

Gießbächen durchschnitten, welche fast Flüsse genannt werden konnten.

Die Reisenden mußten mehrere Furthen passiren, wo das Wasser den Pferden

bis an die Brust ging. Einige von der Gesellschaft waren ganz erschöpft

von Hunger und Anstrengung. Das ganze Land ringsumher war eine

grauenvolle Wildniß. Auf einer Strecke von vierzig Meilen zählte Avaux

nur drei elende Hütten. Sonst war Alles Felsen, Sumpf und Moor. Als die

Reisenden endlich Omagh erreichten, fanden sie es in Trümmern. Die

Protestanten, welche die Mehrheit der Einwohner bildeten, waren geflohen

und hatten kein Bund Stroh, kein Faß Branntwein zurückgelassen. Die

Fenster waren zerbrochen, die Kamine zertrümmert, sogar die Schlösser

und Riegel waren von den Thüren losgerissen.[77]

Avaux hatte nicht aufgehört, den König zur Rückkehr nach Dublin

aufzufordern; aber seine Vorstellungen waren bisher erfolglos geblieben.

Jakob's Starrsinn war jedoch ein solcher, der mit männlicher

Entschlossenheit nichts gemein hatte und über den zwar Vernunftgründe

nichts vermochten, der aber durch Launen leicht zu erschüttern war. In

Omagh erhielt er am Morgen des 16. April Briefe, die ihn sehr besorgt

machten. Er erfuhr, daß ein starkes Corps Protestanten in Strabane unter

Waffen stand und daß unweit der Mündung des Foylesees englische

Kriegsschiffe gesehen worden waren. Drei Boten wurden in einer Minute an

Avaux abgeschickt, um ihn in das verfallene Gemach zu bescheiden, in

welchem das königliche Bett aufgeschlagen worden. Hier kündigte Jakob,

halb angekleidet und mit der Miene eines Mannes, den ein vernichtender

Schlag getroffen, ihm seinen Entschluß an, auf der Stelle nach Dublin

zurückzueilen. Avaux vernahm diese Mittheilung mit Erstaunen und

billigte den Entschluß des Königs. Melfort schien in völliger

Verzweiflung zu sein. Die Reisenden kehrten also um und kamen spät am

Abend wieder in Charlemont an. Hier empfing der König Depeschen ganz

andren Inhalts wie die, welche ihn vor einigen Stunden erschreckt

hatten. Die Protestanten, die sich bei Strabane gesammelt hatten, waren

von Hamilton angegriffen worden. Unter einem rechtschaffenen Anführer

würden sie wahrscheinlich Stand gehalten haben. Aber Lundy, der sie

befehligte, hatte ihnen gesagt, daß Alles verloren sei, hatte ihnen

geheißen, auf ihre Rettung bedacht zu sein, und hatte ihnen selbst das

Beispiel zur Flucht gegeben.[78] In Folge dessen hatten sie sich in

Unordnung nach Londonderry zurückgezogen. Die Correspondenten des Königs

erklärten es für eine Unmöglichkeit, daß Londonderry sich halten könne.

Se. Majestät brauche nur vor den Thoren zu erscheinen und sie würden

augenblicklich geöffnet werden. Dies brachte Jakob wieder auf andere

Gedanken, er machte sich Vorwürfe, daß er sich zur Rückkehr nach dem

Süden hatte überreden lassen, und er bestellte seine Pferde, obgleich es

schon spät Abends war. Die Pferde waren fast gänzlich erschöpft und

ausgehungert; trotzdem aber wurden sie gesattelt. Melfort geleitete

seinen Gebieter triumphirend ins Lager. Avaux erklärte nach erfolglosen

Gegenvorstellungen, daß er entschlossen sei, nach Dublin zurückzukehren.

Man darf annehmen, daß die großen Unbequemlichkeiten, die er bisher zu

ertragen gehabt, einigen Antheil an diesem Entschlusse hatten, denn

Klagen über diese Unbequemlichkeiten füllen einen großen Theil seiner

Briefe, und in der That war auch der langjährige Aufenthalt in den

Palästen Italiens, in den sauberen Zimmern und Gärten Holland's und in

den prächtigen Pavillons der pariser Vorstädte eine schlechte

Vorbereitung auf die verfallenen Hütten von Ulster. Seinem Gebieter aber

führte er für seine Weigerung, mit nach dem Norden zu gehen, einen

gewichtigeren Grund an. Jakob's Reise war im Widerspruch mit der

einstimmigen Meinung der Irländer unternommen worden und hatte ernste

Besorgnisse unter ihnen erweckt, sie fürchteten, daß er sie verlassen

wolle, um eine Landung in Schottland zu versuchen, und sie wußten, daß

er, war er einmal in Großbritannien gelandet, weder den Willen noch die

Macht haben würde das zu thun, was sie am meisten wünschten. Indem sich

nun Avaux weigerte, Jakob weiter zu begleiten, gab er ihnen einen

Beweis, daß, wer sie auch sonst verrathen möchte, Frankreich ihr steter

Freund bleiben werde.[79]

Während Avaux sich auf dem Rückwege nach Dublin befand, eilte Jakob nach

Londonderry. Er fand seine Armee einige Meilen südlich von der Stadt

concentrirt. In seinem Gefolge befanden sich die französischen Generäle,

welche mit ihm von Brest abgesegelt waren, und zwei von ihnen, Rosen und

Maumont, wurden über Richard Hamilton gestellt.[80] Rosen war ein

geborner Liefländer, der in früher Jugend ein Glückssoldat geworden, der

sich zur Auszeichnung emporgekämpft hatte und der, obgleich ihm die den

Hof von Versailles characterisirenden körperlichen und geistigen Vorzüge

gänzlich abgingen, dennoch daselbst in hoher Gunst stand. Er besaß ein

heftiges Temperament und rohe Manieren, und seine Sprache war ein

seltsames Gemisch verschiedenartiger französischer und deutscher

Dialecte. Selbst Diejenigen, welche die beste Meinung von ihm hegten und

behaupteten, seine rauhe Außenseite berge einige gute Eigenschaften,

mußten zugestehen, daß sein Äußeres gegen ihn sprach und daß es ihnen

nicht angenehm sein würde, wenn sie im Dunklen an einem Waldsaume einer

solchen Gestalt begegneten.[81] Das Wenige, was man von Maumont weiß,

gereicht ihm zur Ehre.

[Anmerkung 74: Pusignan an Avaux, 30. März (9. April) 1689.]

[Anmerkung 75: Dieser traurige Bericht über das irische Bier ist

einer Depesche entlehnt, welche Desgrigny von Cork aus an Louvois

schrieb und die sich in den Archiven des französischen

Kriegsministeriums befindet.]

[Anmerkung 76: Avaux, 13.(23.), 20.(30.) April 1689.]

[Anmerkung 77: Avaux an Ludwig vom 15.(25.) April 1689, und an

Louvois von dem nämlichen Datum.]

[Anmerkung 78: +Commons' Journals, Aug. 12. 1689+; +MacKenzie's

Narrative.+]

[Anmerkung 79: Avaux, 17.(27.) April 1689. Die Geschichte dieses

sonderbaren Planwechsels ist in +Life of James, II. 330--332. Orig

Mem.+ ganz unrichtig erzählt.]

[Anmerkung 80: +Life of James, II. 334, 335. Orig. Mem.+]

[Anmerkung 81: Memoiren Saint-Simon's. Einige englische

Schriftsteller sind der irrigen Meinung, Rosen sei damals schon

Marschall von Frankreich gewesen. Dies wurde er erst 1703. Er war

lange Maréchal de Camp gewesen, was etwas ganz Andres ist, und war

kürzlich zum Generalleutnant befördert worden.]

[_Der Fall Londonderry's erwartet._] Man erwartete im Lager allgemein,

daß Londonderry ohne Schwertstreich fallen werde. Rosen prophezeite mit

großer Zuversicht, der bloße Anblick der irischen Armee werde die

Besatzung zur Übergabe bestimmen. Richard Hamilton aber, der den

Character der Colonisten besser kannte, hatte schlimme Ahnungen. _Eines_

wichtigen Bundesgenossen innerhalb der Mauern der Stadt waren die

Belagerer gewiß. Der Gouverneur Lundy bekannte sich zwar zum

protestantischen Glauben und hatte an der Proklamirung Wilhelm's und

Mariens Theil genommen, aber er stand in geheimer Communication mit den

Feinden seiner Kirche und der Souveraine, denen er Treue geschworen.

Einige haben vermuthet, daß er ein verkappter Jakobit gewesen sei, und

sich die Revolution nur deshalb zum Schein habe gefallen lassen, um

desto leichter eine Restauration herbeiführen zu helfen, doch ist es

wahrscheinlich, daß sein Verhalten eher der Zaghaftigkeit und

Geistesarmuth als dem Eifer für irgend eine öffentliche Sache

zuzuschreiben ist. Er scheint den Widerstand für hoffnungslos gehalten

zu haben, und in der That mußten die Vertheidigungsmittel Londonderry's

einem militärischen Auge kläglich vorkommen. Die Festungswerke bestanden

aus einem mit Gras und Unkraut bewachsenen einfachen Walle; selbst vor

den Thoren war kein Graben; die Zugbrücken waren seit langer Zeit

vernachlässigt, die Ketten waren verrostet und kaum noch zu gebrauchen;

die Brustwehren und Thürme waren nach einem Systeme erbaut, das Schülern

Vauban's wohl ein Lächeln abzwingen konnte, und diese schwachen

Vertheidigungswerke waren fast auf jeder Seite von Anhöhen beherrscht.

Die Erbauer der Stadt hatten allerdings nie daran gedacht, daß sie eine

regelmäßige Belagerung auszuhalten haben würde, und hatten sich damit

begnügt, Werke anzulegen, welche hinreichten, die Einwohner gegen einen

tumultuarischen Angriff der celtischen Bauern zu schützen. Avaux

versicherte Louvois, daß ein einziges französisches Bataillon solche

Vertheidigungswerke leicht erstürmen werde. Und selbst wenn der Platz

trotz aller dieser Nachtheile im Stande sein sollte, eine Armee

zurückzuschlagen, welche von der Kenntniß und Erfahrung von Generälen,

die unter Condé und Turenne gedient hatten, geführt würde, so müsse doch

der Hunger den Kampf bald beendigen. Die Lebensmittelvorräthe seien

gering und die Bevölkerung sei durch eine Menge von Colonisten, welche

vor der Wuth der Eingebornen geflohen, um das Sieben- bis Achtfache der

gewöhnlichen Zahl vermehrt worden.[82]

Lundy scheint daher von dem Augenblicke an, wo die irische Armee in

Ulster einrückte, jeden Gedanken an einen ernsthaften Widerstand

aufgegeben zu haben. Er sprach in einem so verzagten Tone, daß die

Bürger und seine eignen Soldaten gegen ihn murrten. Er scheine es,

sagten sie, darauf abgesehen zu haben, sie zu entmuthigen. Inzwischen

rückte der Feind mit jedem Tage näher heran, und man erfuhr, daß Jakob

selbst das Commando seiner Truppen zu übernehmen gedenke.

[Anmerkung 82: Avaux, 4.(14.) April 1689. Unter den Manuscripten

im britischen Museum befindet sich ein interessanter Bericht über

die Vertheidigungsmittel Londonderry's, der 1705 von einem

französischen Ingenieur, Namens Thomas, für den Herzog von Ormond

abgefaßt wurde.]

[_Es kommt Succurs aus England._] Gerade in diesem Augenblicke zeigte

sich ein Schimmer von Hoffnung. Am 14. April gingen englische Schiffe in

der Bai vor Anker. Sie hatten zwei Regimenter an Bord, welche unter den

Befehlen eines Obersten, Namens Cunningham, zur Verstärkung der Garnison

abgesandt worden waren. Cunningham und mehrere von seinen Offizieren

kamen ans Land, um sich mit Lundy zu besprechen. Dieser rieth ihnen

davon ab, ihre Mannschaften landen zu lassen, indem die Stadt sich nicht

halten könne. Noch mehr Truppen hineinzuwerfen, würde daher schlimmer

als nutzlos sein, denn je zahlreicher die Besatzung sei, um so mehr

Gefangene würden dem Feinde in die Hände fallen. Die beiden Regimenter

könnten nichts besseres thun als nach England zurückzukehren. Er

gedenke, sagte er, heimlich auf und davon zu gehen, und die Einwohner

müßten dann zusehen, wie sie unter möglichst vortheilhaften Bedingungen

kapituliren könnten.

[_Verrätherei Lundy's._] Er ließ sich die Formalität eines Kriegsraths

gefallen, von dem er aber alle diejenigen Offiziere ausschloß, deren

Gesinnungen er als von den seinigen abweichend kannte. Einige, die sonst

immer zu solchen Berathungen gezogen worden waren und die deshalb jetzt

unaufgefordert kamen, wurden aus dem Zimmer gewiesen. Was der Gouverneur

sagte, wurde von seinen Creaturen bestätigt. Cunningham und seine

Kameraden durften es kaum wagen, ihre Ansicht der eines Mannes

entgegenzusetzen, der natürlich viel bessere Lokalkenntniß hatte als sie

und dem sie überdies zu gehorchen angewiesen waren. Einer der wackeren

Soldaten erhob jedoch Einwürfe. »Bedenken Sie,« sagte er, »Londonderry

aufgeben heißt Irland aufgeben.« Aber seine Einwendungen wurden mit

Verachtung zurückgewiesen.[83] Der Kriegsrath ging auseinander,

Cunningham kehrte mit seinen Offizieren auf die Schiffe zurück und traf

Anstalten zur Abreise. Unterdessen schickte Lundy heimlich einen Boten

ins Hauptquartier des Feindes, mit der Versicherung, daß die Stadt auf

die erste Aufforderung ohne Kampf übergeben werden würde.

[Anmerkung 83: +Commons' Journals, Aug. 12. 1689.+]

[_Die Bewohner von Londonderry beschließen sich zu vertheidigen._]

Sobald aber das was im Kriegsrathe vorgegangen, in der Stadt ruchbar

wurde, empörte sich der Geist der Soldaten und Bürger gegen den feigen

und treulosen Anführer, der sie verrathen hatte. Viele von seinen

eigenen Offizieren erklärten, daß sie sich nicht länger für verpflichtet

hielten, ihm zu gehorchen. Drohende Stimmen ließen sich vernehmen, bald

daß ihm der Hirnschädel eingeschlagen, bald daß er auf den Wällen der

Stadt aufgehängt werden solle. Es wurde eine Deputation an Cunningham

abgesandt, um ihn flehentlich zu bitten, das Commando der Stadt zu

übernehmen. Er entschuldigte sich jedoch mit dem plausiblen Grunde, daß

er Ordre habe, in allen Stücken den Befehlen des Gouverneurs Folge zu

leisten.[84] Inzwischen ging das Gerücht, daß Einer nach dem Andren von

Lundy's Vertrauten sich aus der Stadt stehle. Am Abend des 17. fand man,

daß lange nach Einbruch der Dämmerung die Thore noch offen und die

Schlüssel verschwunden waren. Die Offiziere, welche diese Entdeckung

machten, nahmen es auf sich, die Parole zu ändern und die Wachen zu

verstärken. Die Nacht ging jedoch ohne einen Angriff vorüber.[85]

Nach einigen angstvollen Stunden brach der Morgen an. Die Irländer mit

Jakob an ihrer Spitze, waren jetzt nur noch vier Meilen von der Stadt

entfernt. Es wurde nun ein tumultuarischer Kriegsrath der angesehensten

Einwohner zusammenberufen. Einige von ihnen sagten dem Gouverneur mit

Heftigkeit gerade ins Gesicht, daß er sie verrathen habe. Er habe sie,

riefen sie aus, ihrem erbittertsten Feinde verkauft und habe die Truppen

nicht eingelassen, die der gute König Wilhelm zu ihrer Vertheidigung

gesandt habe. Während der Wortwechsel seinen Höhepunkt erreicht hatte,

meldeten die auf den Wällen ausgestellten Schildwachen, daß die Vorhut

der feindlichen Armee in Sicht sei. Lundy hatte Befehl gegeben, daß

nicht gefeuert werden sollte, aber seine Autorität war zu Ende. Zwei

tapfere Soldaten, Major Heinrich Baker und Kapitain Adam Murray, riefen

das Volk zu den Waffen. Sie wurden unterstützt durch die Beredtsamkeit

eines bejahrten Geistlichen, Georg Walker, Rectors der Gemeinde

Donaghmore, der mit vielen seiner Amtsbrüder in Londonderry ein Asyl

gesucht hatte. Die ganze Bevölkerung der überfüllten Stadt war von einem

Gefühle beseelt. Soldaten, Gentlemen, Freisassen und Handwerker eilten

auf die Wälle und bemannten die Geschütze. Jakob, der sich, des Sieges

gewiß, dem südlichen Thore bis auf hundert Schritt genähert hatte, wurde

mit dem Geschrei: »Keine Übergabe!« und mit einer Kanonensalve von der

nächsten Bastion empfangen. Ein Offizier von seinem Stabe fiel neben ihm

todt nieder. Der König und seine Begleiter beeilten sich, aus dem

Bereiche der Kanonenkugeln zu kommen. Lundy, der jetzt in der größten

Gefahr schwebte, von denen die er verrathen hatte, in Stücken zerrissen

zu werden, verbarg sich in einem entlegenen Gemache. Hier blieb er den

Tag über, und während der Nacht entkam er unter dem großmüthigen und

weisen Beistande Murray's und Walker's, als Lastträger verkleidet.[86]

Noch jetzt wird der Theil des Walles gezeigt, wo er sich herunterließ,

und noch lebende Leute rühmen sich die Früchte eines Birnbaumes gekostet

zu haben, der ihm das Herabsteigen erleichtert hatte. Sein Name ist noch

heutigen Tages den Protestanten im Norden Irland's ein Greuel und sein

Bild wurde lange und wird vielleicht jetzt noch alljährlich mit

ähnlichen Zeichen des Abscheus, wie sie in England dem Guy Faux zu Theil

werden, aufgehängt und verbrannt.

[Anmerkung 84: Den besten Bericht über diese Vorgänge findet man

in den Verhandlungen des Hauses der Gemeinen vom 12. August 1689.

Siehe auch die Erzählungen von Walker und Mackenzie.]

[Anmerkung 85: +Mackenzie's Narrative.+]

[Anmerkung 86: Walker und Mackenzie.]

[_Ihr Character._] Jetzt war Londonderry ohne alle militärische wie

bürgerliche Obrigkeit. Niemand in der Stadt hatte das Recht einem Andern

zu befehlen, die Vertheidigungsmittel waren schwach, die Vorräthe

gering, und ein wüthender Tyrann stand mit einer zahlreichen Armee vor

den Thoren. Drinnen aber herrschte ein Geist, der oft in Augenblicken

verzweifelter Bedrängniß das gesunkene Glück von Nationen wieder

aufgerichtet hat. Obwohl verrathen und verlassen, desorganisirt, von

Hülfsmitteln entblößt und von Feinden umringt, war die edle Stadt doch

noch immer keine leichte Eroberung. Was auch ein Ingenieur von der

Stärke ihrer Mauern halten mochte: hinter diesen Mauern war der

intelligenteste, muthigste und hochsinnigste Theil der englischen

Bevölkerung von Leinster und Nordulster versammelt. Die Anzahl der

waffenfähigen Männer betrug siebentausend Mann, und die ganze Welt hätte

nicht siebentausend Männer liefern können, welche besser geeignet

gewesen wären, einer furchtbaren Nothwendigkeit mit klarem Urtheil,

unerschütterlichem Muthe und trotziger Geduld die Stirn zu bieten. Sie

waren sämmtlich Protestanten und der Protestantismus der Mehrzahl hatte

eine puritanische Färbung. Sie hatten viel Ähnliches von der nüchternen,

entschlossenen und gottesfürchtigen Klasse, aus welcher Cromwell sein

unbesiegbares Heer gebildet. Die eigenthümliche Lage aber, in die sie

versetzt waren, hatte einige Eigenschaften in ihnen entwickelt, die im

Mutterlande vielleicht nicht zur Geltung gekommen sein würden. Die

englischen Bewohner Irland's waren eine aristokratische Kaste, die durch

höhere Bildung, durch festes Zusammenhalten, durch rastlose Wachsamkeit

und durch kaltblütige Unerschrockenheit in den Stand gesetzt worden war,

eine zahlreiche und feindliche Bevölkerung in Unterwürfigkeit zu

erhalten. Fast Jeder von ihnen war mehr oder weniger zu militärischen

wie zu politischen Functionen herangebildet worden. Fast Jeder war mit

dem Gebrauche der Waffen vertraut und gewohnt, an der Justizverwaltung

Theil zu nehmen. Zeitgenössische Schriftsteller sagten, daß die

Colonisten etwas von dem castilischen Stolze, aber nichts von der

castilischen Indolenz hätten, daß sie ein ausgezeichnet reines und

correctes Englisch sprächen und daß sie sowohl als Milizen wie als

Geschworne hoch über ihres Gleichen im Mutterlande ständen.[87] Leute in

der Lage der Angelsachsen in Irland haben zu allen Zeiten eigenthümliche

Fehler und eigenthümliche Tugenden gehabt, die Fehler und Tugenden von

Herren im Gegensatz zu den Fehlern und Tugenden von Sklaven. Das

Mitglied eines dominirenden Stammes ist in seinem Verkehr mit dem

unterworfenen Stamme zwar selten falsch -- denn Falschheit ist das

Hülfsmittel des Schwachen -- aber gebieterisch, anmaßend und grausam.

Gegen seine Brüder aber zeigt er sich im allgemeinen gerecht, gütig und

selbst edel. Seine Selbstachtung bestimmt ihn alle seinem Stamme

Angehörenden zu achten. Sein Interesse treibt ihn an, ein gutes

Einvernehmen mit Denen zu unterhalten, deren prompten, kräftigen und

muthigen Beistand er vielleicht einmal zur Erhaltung seines Eigenthums

und seines Lebens bedürfen kann. Er ist stets der Wahrheit eingedenk,

daß sein persönliches Wohl von dem Übergewicht der Klasse abhängt,

der er angehört. Dadurch wird selbst sein Egoismus zum Gemeinsinn, und

dieser Gemeinsinn wird durch Sympathie, durch das Verlangen nach Beifall

und durch die Furcht vor Entehrung zu wilder Begeisterung aufgestachelt.

Denn die einzige Meinung, auf die er Werth legt, ist die Meinung seiner

Standesgenossen, und ihrer Ansicht nach ist treue Hingebung für die

gemeinsame Sache die heiligste aller Pflichten. Der so constituirte

Character hat zwei Seiten. Von der einen Seite angesehen, muß er von

jedem Rechtschaffenen und Unbefangenen mit Mißbilligung betrachtet

werden. Von der andren Seite gesehen, erzwingt er sich unwiderstehlich

Beifall. Der Spartaner erregt unsren Abscheu, wenn er den unglücklichen

Heloten schlägt und mit Füßen tritt. Den nämlichen Spartaner können wir

nicht ohne Bewunderung betrachten, wenn wir ihn an dem Tage, von dem er

wohl weiß, daß es sein letzter sein wird, im Engpaß von Thermopylä ruhig

sein Haar ordnen sehen und seine lakonischen Scherze aussprechen hören.

Dem oberflächlichen Beobachter mag es sonderbar vorkommen, daß soviel

Böses und soviel Gutes beisammen gefunden werden können. In der That

aber stehen dieses Gute und dieses Böse, die auf den ersten Anblick fast

unvereinbar scheinen, in innigem Zusammenhange und haben einen

gemeinsamen Ursprung. Weil der Spartaner gelernt hatte, sich als einem

Herrschergeschlechte angehörend zu betrachten und auf jeden

Nichtspartaner als auf einen tief unter ihm Stehenden herabzusehen,

deshalb hatte er kein Mitgefühl für die elenden Sklaven, welche vor ihm

im Staube krochen, und deshalb kam ihm nie, selbst nicht in der höchsten

Noth, der Gedanke, sich einem fremden Herrn zu unterwerfen oder vor

einem Feinde zu fliehen. Etwas von diesem nämlichen, aus Tyrannei und

Heroismus zusammengesetzten Character hat man bei allen den Nationen

gefunden, welche über zahlreichere Nationen dominirten. Nirgend aber hat

sich im modernen Europa dieser Character so augenfällig gezeigt wie in

Irland. Mit welcher Verachtung, mit welcher Abneigung die herrschende

Minderzahl in diesem Lande lange Zeit die unterworfene Mehrzahl

betrachtete, kann man am besten aus den gehässigen Gesetzen ersehen,

welche noch zu einer Zeit, deren sich gegenwärtig Lebende erinnern, das

irische Gesetzbuch schändeten. Diese Gesetze wurden endlich abgeschafft,

aber der Geist, der sie zu Tage gefördert hatte, überlebte sie und macht

sich noch jetzt zuweilen in Excessen Luft, welche dem Gemeinwohl zum

größten Nachtheil und der protestantischen Religion zur Unehre

gereichen. Dessenungeachtet kann man unmöglich leugnen, daß die

englischen Colonisten mit leider zu vielen Fehlern einer herrschenden

Kaste alle edelsten Tugenden einer solchen verbanden. Die Fehler haben

sich ganz natürlich im schlimmsten Grade zu Zeiten des Gedeihens und der

Ruhe gezeigt, wie die Tugenden sich am glänzendsten in Zeiten der Noth

und Gefahr bewährt haben, und nie traten diese Tugenden sichtbarer in

den Vordergrund als bei den Vertheidigern von Londonderry in dem

Augenblicke da ihr Commandant sie im Stich gelassen und das Lager ihres

Todfeindes vor den Mauern ihrer Stadt aufgeschlagen war.

Sobald der erste Ausbruch der durch Lundy's Treulosigkeit erregten Wuth

sich gelegt hatte, ergriffen Die, welche er verrathen, mit einer der

berühmtesten Senate würdigen Kaltblütigkeit und Umsicht Maßregeln zur

Aufrechthaltung der Ordnung und zur Vertheidigung der Stadt. Es wurden

zwei Gouverneurs, Baker und Walker, erwählt. Baker übernahm das

militärische Kommando, und Walker's specielles Geschäft bestand in der

Erhaltung der inneren Ruhe und in der Vertheilung der Bedürfnisse aus

den Magazinen.[88] Die kampffähigen Einwohner wurden in acht Regimenter

eingetheilt und Obersten, Hauptleute und Subalternoffiziere ernannt. In

wenigen Stunden kannte Jedermann seinen Posten und war bereit, sich beim

ersten Trommelschlage auf denselben zu begeben. Das Verfahren, durch

welches Cromwell in der vorhergehenden Generation unter seinen Soldaten

eine so glühende und beharrliche Begeisterung erhalten hatte, wurde auch

hier wieder mit nicht minder vollständigem Erfolge angewendet. Ein

großer Theil des Tages ward mit Predigen und Beten hingebracht. Achtzehn

Geistliche der Landeskirche und sieben bis acht nonconformistische

Priester befanden sich in der Stadt. Sie alle strengten sich mit

unermüdlichem Eifer an, den Muth des Volks zu heben und zu erhalten.

Unter ihnen selbst herrschte für diese Zeit vollkommene Einigkeit. Aller

Streit über Kirchenregiment, Stellungen und Ceremonien war vergessen.

Der Bischof hatte sich, als er gesehen, daß seine Sermone über den

passiven Gehorsam selbst von den Episkopalen bespöttelt wurden, zuerst

nach Raphoe und dann nach England begeben, wo er jetzt in einer londoner

Kapelle predigte.[89] Auf der andren Seite war ein schottischer

Fanatiker, Namens Hewson, der die Presbyterianer ermahnt hatte, nicht

mit Leuten, die sich weigerten den Covenant zu unterschreiben,

gemeinschaftliche Sache zu machen, dem wohlverdienten Abscheu und Hohn

der gesammten Protestanten verfallen.[90] Die Kathedrale gewährte einen

eigenthümlichen Anblick. Auf der Höhe des breiten Thurmes, der jetzt

durch einen von andrer Bauart ersetzt ist, waren Kanonen aufgefahren,

unter den Bogengängen war Munition aufgehäuft und im Chore wurde jeden

Morgen die Liturgie der anglikanischen Kirche verlesen. Am Nachmittag

versammelten sich die Dissenters zu einem einfacheren Gottesdienst.[91]

Jakob hatte vierundzwanzig Stunden gewartet, wahrscheinlich in der

Hoffnung, daß Lundy seine Versprechungen erfüllen werde, und diese

vierundzwanzig Stunden hatten hingereicht, um die Anstalten zur

Vertheidigung Londonderry's zu vollenden. Am Abend des 19. April

erschien ein Trompeter am südlichen Thore und fragte, ob die vom

Gouverneur eingegangenen Verpflichtungen erfüllt werden würden. Die

Antwort lautete, daß die Männer, welche diese Mauern bewachten, mit den

Verpflichtungen des Gouverneurs nichts zu thun hätten und entschlossen

wären, sich bis aufs Äußerste zu vertheidigen.

Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Sechster Band: enthaltend Kapitel 11 und 12 · 第 5 / 9 题