Der Mönch blickte überrascht auf. »Wer sagt das?«

»Nun, ... man spricht so. Haben Sie davon gehört?«

»Nein, gnädiger Herr; niemals noch.«

»Hm! ... Kümmern Sie sich ein wenig um die Sache, ... wie?«

»Gnädiger Herr, spionieren ...«

Aurelie warf dem Sprecher einen gehässigen Blick zu. Der Dekan runzelte

die Stirn.

»Wer spricht von spionieren?« sagte er. »Sie wissen nicht, was Sie

reden. Sie sollen die Augen offen halten, ... anderes verlangt man doch

nicht von Ihnen.«

Schweigend verbeugte sich der Mönch. In seinem unschuldigen jungen Gesicht

drückte sich augenscheinliche Verwirrung aus.

»Ich beauftrage Sie also,« fuhr der Dekan fort, brach jedoch ab. Es war

an die Tür geklopft worden.

»Herein!« sagte er ärgerlich. Ein gewisses Unbehagen bemächtigte sich

aller, als auf die Aufforderung derjenige eintrat, über dessen Schicksal

sie soeben zu Gericht gesessen hatten.

»Was wollen Sie?« herrschte der Dekan den Ahnungslosen an. Nichts

Besonderes wollte er; er war nur gekommen, um mit dem Dekan über

irgendeine kirchliche Angelegenheit zu sprechen. Alle wichen seinen Blicken

aus.

»Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich gestört habe,« sagte Harteck,

über den sonderbaren Empfang befremdet.

»Sie stören durchaus nicht,« versetzte der Dekan, der sich bereits

gefaßt hatte. »Geh in Dein Zimmer, Aurelie, und Sie, Pater Benediktus,

vergessen den Auftrag nicht, den ich Ihnen soeben erteilt habe.«

»Ich werde ihn nicht vergessen,« antwortete der Mönch, bis über die

Schläfen errötend, verbeugte sich ungeschickt und folgte dem Fräulein,

das mit steifem Kopfnicken und zusammengekniffenen Lippen aus der Stube

ging.

Harteck sagte nun, was er zu sagen hatte; er war bald zu Ende. Während er

sprach, sah ihn der Dekan von der Seite an und schnupfte mehrere Male. Das

bleiche, edle, etwas leidende Gesicht des jungen Priesters flößte ihm

nicht das geringste Mitleid ein. Er hielt Hartecks verschüchterten Blick

aus, ohne mit den Wimpern zu zucken, und als er ihn entließ und der junge

Geistliche sich mit einer Verbeugung zurückzog, setzte sich der Dekan an

das Pult und wiederholte im Geiste die Worte: »Ich werde demnächst nach

Salzburg reisen und diese Sache in Ordnung bringen.«

Der geistliche Tod: Roman. Zehnte Auflage. · 第 19 / 35 题