Eine angenehme Abwechslung während des Lernens war das Anzünden der
Öllampe am Winternachmittage. Draußen sah man undeutlich graue Häuser
wie fremde Welten. Da kam das Stubenmädchen und zündete die Öllampe an.
Vorsichtig nahm sie die Milchglaskugel ab, den glänzenden Zylinder aus
Glas. Sie drehte den bereits vormittags richtig abgeschnittenen Docht
hoch mit der Messingschraube, legte zwei fadendünne harz-imprägnierte
Hölzchen (eine ganz neue Erfindung der Technik) im Kreuz über den gelben
Docht und zündete jene an den Enden an. Oft brannte der Docht, oft
brannte er nicht. Endlich brannte er. Da stülpte das Stubenmädchen
vorsichtig den Glaszylinder auf und dann die Milchglaskugel. Nun wurde
noch ein wenig an der Messingschraube, auf welcher der Name „Ditmar“ und
zwei Merkurflügel waren, hin und her gedreht, damit die Lampe nicht
rauche. Endlich brannte sie mit einem dottergelben matten Schein. Da saß
man denn, und schrieb die Einleitung zu dem Aufsatze: „Charakter des
Wallenstein“: „Wenn wir die großen Helden vergangener Zeiten an unserem
geistigen Auge vorüberziehen lassen — — —“
„Sie, Marie, der Docht raucht auf der linken Seite — — —“
„Aber junger Herr, das ist eine Sekkatur. Ich habe ihn heute vormittags
ganz gerade abgeschnitten.“
Charakter des Wallenstein: „Auf der Höhe seiner Macht angelangt,
überfiel ihn wie die meisten Sterblichen die Sehnsucht nach noch
Höherem, Unerreichbarem — — —“
Die Lampe brannte mit dottergelbem, mattem Schein, und richtig, links
rauchte sie ein wenig und schwärzte sogar den Glaszylinder an.