BERGHOTEL-FRONT

Sechs Uhr morgens. Ein nebeliger Julimorgen. Alles duftet nach

feuchtigkeitsdurchsogenem Waldboden. Alle Fenster sind geschlossen, bis

auf die der jungen Schönheit, die vor den Toren der Lungentuberkulose

angelangt ist. An diesem Fenster hängt, vom gestrigen Abendprunke, ein

tiefblau seidenes Gewand, bewegt sich im Morgenwinde. Irgendwo singt

eine Kinderfrau ein Kindchen wieder in den unterbrochenen Morgenschlaf

ein. Ein Hund kriecht vorüber, als käme er von einer Sündennacht außer

Hause. Ich denke: „Klara, Franziska, Sonja — — —“, und belausche ihre

geliebten Kinderatemzüge, die ich nicht höre!

"Semmering 1912" · 第 183 / 325 题