Ich habe zu meinen zahlreichen unglücklichen Lieben noch eine neue
hinzubekommen — — — den _Schnee_! Er erfüllt mich mit Enthusiasmus, mit
Melancholie. Ich will ihn zu nichts Praktischem benützen, wie
Scheerngleiten, Rodeln, Bobfahren; ich will ihn betrachten, betrachten,
betrachten, ihn mit meinen Augen stundenlang in meine Seele
hineintrinken, mich durch ihn und vermittelst seiner aus der dummen,
realen Welt hinwegflüchten in das sogenannte „weiße und
enttäuschungslose Zauberreich“! Jeder Baum, jeder Strauch wird durch ihn
zu einer selbständigen Persönlichkeit, während im Sommer ein allgemeines
Grün entsteht, das die Persönlichkeiten der Bäume und Sträucher
verwischt. Ich liebe den Schnee auf den Spitzen der hölzernen
Gartenzäune, auf den eisernen Straßengeländern, auf den Rauchfängen,
kurz überall da am meisten, wo er für die Menschen unbrauchbar und
gleichgültig ist. Ich liebe ihn, wenn die Bäume ihn abschütteln wie eine
unerträglich gewordene Last, ich liebe ihn, wenn der graue Sturm ihn mir
ins Gesicht nadelt und staubt und spritzt. Ich liebe ihn, wenn er in
sonnigen Waldlachen zerrinnt, ich liebe ihn, wenn er pulverig wird vor
Kälte wie Streuzucker. Er befriedigt mich nicht, ich will ihn nicht
benützen zu Zwecken der süßen Ermüdung und Erlösung, ich will nicht
kreischen und jauchzen durch ihn, ich will ihn anstarren in ewiger
Liebe, in Melancholie und Begeisterung. Er ist also eine neue letzte
„unglückliche Liebe“ meiner Seele!