SEMMERING

Es wurde wieder Winter, November 1912. Überflüssig, die

Berglandschaft zu schildern. Das können Russen, Schweden, Dänen

viel, viel besser. Sie kennen das Gepräge jedes Baumes, und wie der

Schnee sich ansetzt, je nachdem. Sie kennen die Eintönigkeit und

ihre Poesien, sie kennen die Melodie der Stille, und der Krähen

Mißton wird ein schaurig-melancholisches Leitmotiv: _Winter!_ Ich

liebte den Sommer, weil ich gesund war, und seinen Symphonien von

Farben, Düften lauschen konnte, unbeirrt durch etwas, was mich

drückt und niederzwingt. Nun ist es Winter. Ich sehe alles nur so,

wie wenn ein gütiges Schicksal den Abschied mir nicht schwer machen

wollte. Eine einzige Begeisterung ist geblieben und ringt sich

durch, wie wenn mein Bestes mir erhalten bleiben sollte. Ich sah

meine kleine Heilige im roten Wintersportkostüm. Der Wintertag

leuchtete auf ihrem geliebten Antlitz. Ich sah sie rodeln, ich hörte

ihr geliebtes jauchzendes Gekicher, sie flog davon, den scharfen

Kurven nach im weißen Fichtenwalde. Ich hatte sie gesehen! Ich ging

zurück ins Zimmer und versank in düsteres Sinnen ... Und es ward

Winter 1912!

"Semmering 1912" · 第 153 / 325 题