Krankheit und Tod haben ihren Grund in Verhexung. Unter den Chanés ist
Tambápui der größte Zauberer. Er ist der Enkel des Tsuhuandico und Sohn
des Yapandáy, der ebenfalls ein großer „ipáye“ war.
In den Sagen treten Yamándutunpa, Mariutunpa und Tipaytunpa niemals
auf. Dort spielen Aguaratunpa (der Fuchsgott) und Tatutunpa (der
Gürteltiergott) die größte Rolle. Aguaratunpa hat Tembeta (s. S. 211).
Sie haben menschliche Leidenschaften, und besonders die Geschichte des
Fuchsgottes ist eine Schilderung von allerlei Kniffen und Verbrechen.
Der Gürteltiergott ist etwas besser und steht auch höher.
Vocapoy erzählte mir, er habe einen alten Mann gekannt, der in den
Bergen einen Tunpa gesehen habe. Er war eine Handbreit groß und
wohlgekleidet. Das Wasser rann von seinem Körper.
[Illustration: Tafel 20. Sagenerzähler. Chané. Rio Parapiti.]
Batirayu glaubte steif und fest an die Existenz der Añas und Añatunpas,
an ihre Verbindung mit den Zauberern und an deren Macht. Daß
Aguararenta existiert, davon war er fest überzeugt. Der Wahrheitstreue
der Sagen von den Abenteuern und Erlebnissen der Aguaratunpas und
Tatutunpas, die ich hier unten wiedergeben will, stand er skeptisch
gegenüber.
In der Religion dieser Indianer existiert somit zuerst ein Kern von
Wahrheit, an den sie glauben. Hierzu kommen die Abenteuer und Taten,
die sie am Lagerfeuer von den Geistern erzählen und die wenigstens die
Intelligenteren, die Denkenden unter ihnen, selbst als Sagen auffassen.
Diese Sagen will ich hier unten wiedergeben.
Der Begriff eines großen, allmächtigen Gottes ist den Chanés fremd.
Jetzt wissen sie indessen alle direkt oder indirekt etwas vom
Christentum, wodurch die Vorstellung an einen großen Gott einzudringen
beginnt. Vocapoy, der kein Christ war, erzählte mir einmal, die Chanés
glaubten an einen großen Gott, Tunpa.
Batirayu sagte, er glaube nicht an einen Gott, wie ihn die Christen
beschreiben. Er wunderte sich, daß die Christen die Armen bedrückten
und so viele Schlechtigkeiten begingen, da sie doch lehrten, daß die
Sünder mit der Hölle bestraft werden. „Wie kann man wissen, wie es im
Himmel aussieht, da niemand, der dort gewesen, zur Erde zurückgekommen
ist“, sagte Batirayu.
„Und so sagen sie, daß wir Flügel bekommen sollen“, sagte er und lachte
höhnisch.
Den Missionaren nach glauben die Chanés an ein höchstes Wesen,[99]
Tunpahétte-vae, den wirklichen Gott. Der Name klingt schon verdächtig.
Ich stehe der Annahme, daß dieser ursprünglich ist, sehr skeptisch
gegenüber. Als ich mit den Missionaren über die Religion der Indianer
sprach, erstaunte ich über ihre Unwissenheit. Sie verachten die
Vorstellungen der Indianer und halten es nicht der Mühe wert, sie näher
kennen zu lernen. Es gelingt ihnen niemals, sich von der katholischen
Vorstellung zu befreien, daß die Indianer, die, wie wir, von Adam und
Eva herstammen und zu denen San Thomas gepredigt hat, nichts von ihrem
„ursprünglichen Glauben“ wissen.
Zwei der Tunpas, die hier in den Sagen auftreten, haben Tiernamen,
Aguaratunpa (Fuchsgott) und Tatutunpa (Gürteltiergott). In den Sagen
finden wir einen intimen Zusammenhang zwischen Menschen und Tieren.
Batirayu sagte: „Alle Tiere sind Menschen gewesen.“
+Die Erschaffung der Welt, wie der Fuchsgott, Aguaratunpa, den
Algarrobobaum fand und wie er den weißen Kondor, Ururuti, fing.+
Erzählt von zwei Chanéindianern am Rio Parapiti.
Es wird erzählt, daß im Anfang ein Tunpa war. Er machte die Erde mit
dem Himmel und alle Sterne, die Sonne und den Mond. Es wird erzählt,
daß diese Erde nichts trug, daß sie ganz kahl war. Tunpa setzte da
allerlei Früchte hinein, um die Armen zu speisen, wie die Caraguatá
und die Mangára. Es wird erzählt, daß dort eine Algarrobo war, die
Mutter aller Bäume. An diesem Baum waren allerlei Früchte. Dieser Baum
hat sich in der ganzen Welt vermehrt. Hierauf kam Tunpa, nahm den
Mutterbaum mit und ließ die Sprößlinge hier. Es wird erzählt, daß Tunpa
die Voreltern von uns und auch die Voreltern der Weißen geschaffen
hat. Den Avas[100] und Chanés gab Tunpa einen Holzspaten und einen
langen geschnitzten Stock, „carúmpa“ genannt, Pfeil und Bogen, ein
Schaf, eine Ziege, ein Huhn und einen Hund, damit sie alle diese Tiere
vermehren und damit sie sich mit diesen Werkzeugen ernähren. Den Weißen
gab er Gewehre, ein Pferd, eine Stute und eine Kuh und alle möglichen
Werkzeuge aus Eisen, damit sie mit diesen arbeiten.[101]
Es wird erzählt, daß die kleine Viscacha,[102] „Tacumbocumba“, diese
Bäume, die vom Mutterbaum zurückblieben, beaufsichtige. Sie hatte
diese Bäume sehr gut beaufsichtigt, keinen einzigen Samen hatte sie
fortführen lassen. Sie hatte die Blüten gekostet, sie aber bitter
gefunden, bis sie Frucht gaben. Als sie reif waren, säete sie die
Samen. Als diese wieder gereift waren, säete sie diese wieder. Im
folgenden Jahre hatten sie alle reife Frucht gegeben.
Aguaratunpa war zum Hause der Tacumbocumba gekommen. Diese war eine
alte Frau. Sie bot Aguaratunpa von diesen Früchten, die sie bewacht
hatte, und er fand sie sehr gut. Er fragte, wie sie heißen. Sie
erwiderte, diese Früchte heißen „mä“.
Als sie ihm die Früchte anbot, setzte sie sich neben Aguaratunpa,
damit er kein einziges Samenkorn mitnehme. Aguaratunpa verbarg in
einem hohlen Zahne eines der kleinsten Samenkörner. Als er zu essen
aufgehört hatte, reichte ihm die Alte Wasser zum Mundausspülen, damit
kein einziges Samenkorn zurückbleibe. Mit dem Finger untersuchte sie
Aguaratunpas Mund, konnte aber kein einziges Korn finden. Wieder
fragte Aguaratunpa die Frau, wie der Baum heiße, und nahm Abschied.
Den Namen des Baumes nennend, setzte er seinen Weg fort. Nicht weit
davon fiel Aguaratunpa, vergaß den Namen des Baumes und kehrte zu der
Alten zurück, um zu fragen. Darauf setzte er seinen Weg fort. Wieder
fiel er, wieder vergaß er den Namen, und wieder kam er zu der Alten
zurück, um zu fragen. Da sagte sie: „Du hast etwas Samen mitgenommen,
und so untersuchte sie noch einmal seinen Mund, konnte aber nichts
finden. Hierauf ging Aguaratunpa weiter, bis er zu einer offenen
Ebene kam. Dort säete er den Algarrobosamen, den er mithatte. Dann
zog er weit umher. Nach einigen Jahren kam er zurück und fand schon
eine große Algarrobopflanze vor. Wieder zog er weit umher. Als er
zurückkam, blühte die Algarrobo. Er nahm eine Blüte und kaute sie. Sie
war bitter. Wieder zog Aguaratunpa in die Welt hinaus. Als er zu seiner
Algarrobo zurückkam, fand er sie voll reifer Früchte. Er nahm eine
auf, die auf die Erde gefallen war, und kostete sie. Sie war süß und
gut. Er suchte nun nach jemand, der den Baum für ihn bewachen wollte.
Er fragte zuerst einen Käfer, „Nyákira“, dieser wollte aber nicht.
Dann fragte er „Húiran“, einen kleinen schwarzen Vogel, der wollte
aber auch nicht. Nun fragte er einen anderen Käfer, „Tikitikiru“,[103]
und dieser versprach ihm, den Baum zu bewachen. Kommt jemand, der von
deiner Algarrobo Früchte stehlen will, so will ich singen: „Tikitikiru,
tikitikiru, ko mä séramátata, tiki, tiki“, sagte er. Aguaratunpa
war nicht weit gegangen, da hörte er: „Tikitikiru, tikitikiru, ko
mä séramátata, tiki, tiki.“ Aguaratunpa eilte zurück. „Hier sind
(Tuáta) der Floh, (Yatéu) die Zecke und (Isáu) die Blattschneideameise
gewesen und die haben Früchte von deiner Algarrobo gestohlen“, sagte
Tikitikiru. Die Zecke hatte ein großes Tragnetz mitgehabt, um die
Früchte zu tragen, und die Blattschneideameise war auf den Baum
geklettert, um sie abzubeißen. Aguaratunpa eilte ihnen nach. Zuerst
erreichte er die Ameise. Er trat auf ihre Mitte. Darum sind alle
Ameisen so schmal um den Leib. Dann nahm er die Zecke auf und trat
mitten auf sie, so daß sie ganz platt wurde. Zuletzt bekam er den Floh
und trat auf ihn, glitt aber aus, so daß er ihn seitwärts drückte.
Darum sind alle Flöhe klein und zusammengedrückt. Tikitikiru überließ
nun Aguaratunpa die Algarrobo, damit er sie selbst bewache. Er spannte
seine Hängematte auf und legte sich zur Ruhe. An einem Zweig sah er
noch eine Frucht, die die Diebe zurückgelassen hatten. Aguaratunpa
rief nun den Wind herbei, und der schüttelte den Zweig, an welchem
die Algarrobofrucht saß, so daß sie herunterfiel. Die Frucht fiel
Aguaratunpa mitten ins Auge. Der Fuchsgott war nun tot.
Bald kamen alle Geier, um von Aguaratunpa zu essen. Sie schickten
den Kolibri „Chinu“, um ihren großen Häuptling, den weißen Kondor,
„Ururuti“, zu holen, damit dieser von Aguaratunpa esse.
„Hütet euch, er ist nicht tot, er stellt sich nur tot, um unsern großen
Häuptling zu fangen,“ sagte einer der Geier, „Kara-kara“.
„Gewiß ist er tot“, sagte die Fliege „Mbéru“ und kroch unter dem
Schwanz des Fuchsgottes hinein und aus einem Nasenloch heraus, durch
das andere hinein und so unter dem Schwanz wieder heraus.
„Er ist nicht tot“, sagte Kara-kara.
„Er ist tot“, sagte die Fliege und legte Eier in Aguaratunpas Augen, so
daß sie voller Würmer waren. Als der weiße Kondor kam, näherte er sich
Aguaratunpa, um zu essen.
„Hüte dich, er ist nicht tot“, sagte der Geier.
„Er ist tot“, sagte die Fliege und kroch wieder unter Aguaratunpas
Schwanz hinein und durch das eine Nasenloch heraus, durch das andere
hinein und dann unter dem Schwanze wieder heraus.
Der weiße Kondor begann nun von Aguaratunpa zu essen. Dieser fuhr nun
auf, nahm ihn gefangen und band ihn mit einer Kette von Silber.
„Eine Herde Pferde will ich dir geben, wenn du mir die Freiheit
schenkst“, sagte der weiße Kondor.
„Ich habe so viele Pferde, daß ich nicht mehr brauche“, sagte
Aguaratunpa.
„Ich will dir große Felder geben, wenn du mir die Freiheit schenkst“,
sagte der weiße Kondor.
„Ich habe so viele Felder, daß ich nicht mehr brauche“, sagte
Aguaratunpa.
„Ich will dir meine beiden Töchter zu Frauen geben und ein Haus, in dem
du wohnen kannst, wenn du mir die Freiheit schenkst“, sagte der weiße
Kondor.
„Ich brauche deine Töchter nicht, denn ich habe in allen Dörfern
Frauen“, sagte Aguaratunpa.
„Ich will ein ganzes Haus mit silbernen Schalen, ‚cagua‘, füllen und es
dir geben, wenn du mir die Freiheit schenkst“, sagte der weiße Kondor.
„Ich habe so viel Silber, wie ich brauche,“ sagte Aguaratunpa, „und ich
habe dich gefangen, um dich zu töten. Kannst du mir aber den weißen
Gummiball, ‚toki‘, schenken, damit ich damit spielen kann, so will ich
dir die Freiheit schenken“, sagte Aguaratunpa.
An eine lange silberne Kette gebunden, flog Ururuti, um den weißen
Gummiball zu holen. Als Aguaratunpa ihn bekam, schenkte er dem weißen
Kondor die Freiheit. Der Strauß, „Yándu“, und die Fledermaus, „Andira“,
spielten Ball. Der eine warf den Ball, fing ihn mit dem Kopf auf und
stieß ihn dem anderen zu, der ihn wieder mit dem Kopfe auffing und
zurückstieß (vgl. S. 193). Als der Ball durch die Luft flog, fing der
weiße Kondor ihn auf und verschwand. Aguaratunpa schickte nun einen
Vogel, „Tavatan“, um den schwarzen Gummiball zu holen, und das ganze
Dorf spielte. Mit dem Strauß spielte Aguaratunpa. Mitten im Spiel
tauschte er den Ball gegen einen Stein aus und warf ihn. Der Strauß
fing ihn mit dem Kopf und fiel tot nieder. Als er wieder lebendig
wurde, hatte er einen plattgedrückten Kopf, wie jetzt alle Strauße. Mit
dem schwarzen Gummiball verschwand die Fledermaus.
Nun ist die Geschichte aus.
[Illustration: Abb. 127. Tongefäß. Chiriguano. Caipipendi. ⅓.]
Tatutunpas und Aguaratunpas Verheiratung.
Sage, erzählt von dem Chanéindianer Agilera am Rio Parapiti.
Es wird erzählt, dort war einmal ein großer Häuptling, Chiquéri, und
dort waren auch Tatutunpa und Aguaratunpa. Sie lebten alle weit, weit
fort von hier. Am weitesten wohnte der große Häuptling. Dieser hatte
Tatutunpa kommen lassen, um ihm seine Tochter zur Frau zu geben.
Tatutunpa kannte viele Künste und Aguaratunpa kannte auch viele Künste.
Tatutunpa machte sich auf den Weg. Er ging ganz langsam und wartete an
vielen Stellen. Wo er Feuer anmachte, wuchs hohes Gras. Zwei bis drei
Tage, nachdem Tatutunpa sein Haus verlassen hatte, kam Aguaratunpa und
fragte, wohin Tatutunpa gegangen sei. Man sagte ihm, Tatutunpa sei zu
dem großen Häuptling gegangen. Aguaratunpa folgte ihm nun und traf ihn
nicht weit davon. Bevor sie ankamen, fanden sie eine Pflanze namens
„ihuahuasu“[104] am Wege. Aguaratunpa sagte zu Tatutunpa, er solle die
Früchte abpflücken, damit sie sie essen könnten. Er ging in den Wald
unter die Pflanze. Bevor noch Tatutunpa eine der Früchte hatte berühren
können, schüttelte Aguaratunpa die Pflanze, so daß alle Früchte auf
Tatutunpa fielen. Dieser, der jung und hübsch war, wurde nun einäugig
und alt. Nun war Aguaratunpa der jüngere und schönere von beiden. Sie
setzten nun ihren Weg zu dem großen Häuptling fort. Tatutunpa hatte
eine Halskette, die Aguaratunpa ihm, bevor sie ankamen, abgelockt hatte.
Der große Häuptling glaubte, Tatutunpa, der alt und häßlich war, sei
Aguaratunpa und dieser Tatutunpa. Er gab dem ersteren seine schönste
Tochter zur Frau und dem letzteren gab er eine seiner allerhäßlichsten,
die auch einäugig, wie er, war.
Aguaratunpa begann zu arbeiten, um den Acker zu roden und zu säen.
Während er arbeitete, band er sein langes Haar auf. Als er von der
Arbeit kam, war er ganz schmutzig. Tatutunpa tat nichts. Er lag den
ganzen Tag neben seiner Frau und flötete auf einer runden Holzpfeife
(Abb. 80). Als seine Schwiegermutter sah, daß er nicht arbeitete, sagte
sie: „Dieser Mann denkt gar nicht an seine Familie.“
Da er dies hörte und wußte, daß Aguaratunpa schon viel gearbeitet
hatte, fragte er seine Frau, ob ihr Vater keinen alten Acker habe, den
er bebauen könne. Die Schwiegermutter sagte da zu ihrer Tochter: „Warum
fragt jener Mann nach einem Acker, er, der so faul ist. Besser wäre
es, wenn Aguaratunpa, der arbeitet, danach fragte.“
Tatutunpa ging mit seinem Stock und seiner Frau nach dem alten Acker
des Häuptlings. Er ging auf den großen, wüsten Acker, grub ein wenig
Erde auf, hob einen Erdklumpen auf und warf ihn in die Luft. Der
Erdklumpen fiel zur Erde und zerbröckelte in viele Stücke. „Diese Erde
ist nichts wert“, sagte er und fragte seine Frau, ob nicht irgendwo
eine große Ebene sei, die er bebauen könnte. Sie sagte, es gäbe eine
große Ebene. Sie begaben sich dorthin und gingen mitten auf die Ebene.
Tatutunpa grub ein wenig Erde auf, warf wieder einen Erdklumpen in die
Luft, dieser ging aber nicht entzwei, sondern fiel ganz nieder. Er
sagte zu seiner Frau, diese Erde lasse sich sehr gut bearbeiten. Sie
gingen nach Hause.
Am anderen Morgen begab sich der alte Tatutunpa mit seinem Spaten
nach der Ebene, wo er ein wenig gegraben hatte, und steckte ihn in
den Boden. In ganz kurzer Zeit wurde die ganze große Ebene ganz
allein von dem Spaten gereinigt. Tatutunpa rief nun den Wind herbei,
der mit großer Stärke kam und alles schlechte Zeug wegblies. Nur das
Allerfeinste war stehen geblieben. Hierauf rief er den Wirbelwind, der
den Acker ganz frei fegte. Tatutunpa bat die Papageien um Samen, sie
kamen aber mit untauglichen Samenkörnern, die alle entzwei waren. Als
er sah, daß diese Samen nichts taugten, bat er die Enten und Tauben und
die ganz kleinen Tauben, sie möchten mit allerlei Samen kommen, und
diese taten es auch. Sie säeten sogar selbst. Als die Saat beendet war,
begab sich Tatutunpa auf dem Wege, der nach seinem Hause führte, heim.
Er war noch nicht weit gekommen, da drehte er sich um, um nach seinem
Acker zu sehen. Er sah, daß die Pflanzen schon zu keimen begannen.
Wieder ging er ein Stück und wendete sich wieder um, um nach seinem
Acker zu sehen. Die Pflanzen waren schon groß. Wieder ging er weiter
und drehte sich wieder um. Da fand er seinen Acker schon in Blüte. In
der Nähe seines Hauses wandte sich Tatutunpa wieder um, um nach seinem
Acker zu sehen, und fand, daß alles, was er gesäet hatte, schon reife
Früchte trug.
Bei Aguaratunpa, der so fleißig gearbeitet hatte, war noch nichts reif
oder in Blüte.
Am folgenden Tage sagte Tatutunpa zu seiner Frau: „Wir wollen gehen,
um nach unserem Acker zu sehen. Sie gingen nach dem Acker und die
Frau sah, daß alle Früchte reif waren. Tatutunpa gebot ihr, ein Feuer
anzumachen, um Mais und alle anderen Früchte zu rösten. Er sagte ihr,
sie solle einen Maiskolben, zwei Bohnen und einen Kürbis ausgraben,
aber nicht mehr. Nicht einmal dies vermochten sie aufzuessen.
Danach gingen sie nach Hause und sagten zu der Alten, sie solle mit
ihnen kommen und alles abernten, was sie zu essen wünsche. Die Alte
glaubte ihnen nicht, sondern glaubte, sie hätten gestohlen. Sie konnte
nicht glauben, daß sie etwas zu ernten hätten, da sie nicht gearbeitet
hatten. „Ich gehe lieber zu meiner anderen Tochter, die fleißig
gearbeitet hat“, sagte die Alte.
Aguaratunpa begab sich nun zu Tatutunpas Acker und stahl Kürbisse,
die er nach seiner Anpflanzung brachte. Mit Stäbchen und Dornen
befestigte er die Kürbisse an den halbgewachsenen Kürbisstengeln. In
der Dämmerung kehrte er heim und sagte zu seiner Frau, sie solle ihre
Mutter bitten, in seinem Acker Kürbisse zu ernten. Die Tochter ging zu
ihrer Mutter und sagte: „Wir wollen nach dem Acker gehen, um Kürbisse
zu holen.“ Vergnügt machte die Alte sich auf den Weg, denn sie hatte
gesehen, daß sie viel gearbeitet hatten, und sie glaubte ihrer Tochter.
Sie gingen, fanden aber nicht mehr Kürbisse, als wie sie in einer
Getreideschwinge einernten konnten.
Am folgenden Tage bat wieder Tatutunpas Frau ihre Mutter, mit aufs Feld
zu kommen. Die Alte glaubte ihr gar nicht, als aber der Alte, ihr Mann,
sah, daß sie so hartnäckig waren, befahl er ihr, zu gehen. Ärgerlich
machte sich die Alte auf den Weg. Tatutunpa ging vor ihr, auf seiner
Pfeife flötend. Als sie auf den Acker kamen, sah die Alte, daß er voll
von allerlei Früchten, Mais, Kürbissen, Bohnen und Kalebassen war. Die
Alte wurde richtig vergnügt, sie konnte ihre Freude kaum mäßigen.
Als sie nach dem Ackerrain kam, sah sie eine gewaltige Kalebasse
und sagte zu ihrer Tochter, diese wünsche sie für sich. Während sie
plauderten, fiel die Kalebasse auf die Alte, diese fiel hin und konnte
sich infolge der schweren Kalebasse, die sie drückte, kaum bewegen.
Die Tochter kam ihr zu Hilfe und versuchte die Kalebasse zu heben, sie
vermochte es aber nicht. Sie rief ihrem Manne zu, er solle kommen und
ihr helfen. Dieser blieb jedoch eine lange Weile fort, und erst als die
Alte dem Tode nahe war, kam er, hob die Kalebasse auf und setzte sie
wieder an ihrem alten Platze fest. Die halbtote Alte hob er auf.
Als sie sich nach einem Weilchen erholt hatte, sahen sie sich weiter
den Acker an. Die Alte wollte einen Maiskolben abbrechen. Tatutunpa
sagte ihr, sie solle seinen Acker schonen und nur den Kolben abbrechen.
Sie erntete nun zwei Maiskolben und zwei von allen anderen Früchten,
ohne etwas zu zerstören. Alles, was sie abgeerntet hatte, setzte sofort
wieder reife Früchte an. Mit den Früchten beladen, ging sie nach Hause.
Sie erzählte ihrem Manne, daß Tatutunpa schon einen großen Acker habe.
„Das ist somit der Tatutunpa, den wir haben kommen lassen“, sagte der
Alte. „Aguaratunpa hat uns betrogen.“
Am folgenden Tag sagte Tatutunpa zu seiner Frau: „Wir wollen nach
unserem Acker gehen.“ Sie gingen dorthin. Er grub nun ein Loch, in
welchem er ein Feuer machte. Als das Loch richtig warm, richtig rot
war, nahm er eine sehr große Kalebasse und kroch in dieselbe hinein.
Er bat seine Frau, die Kalebasse zuzustopfen, in die warme Grube zu
legen und die Kalebasse, wenn er pfeife, umzudrehen, damit er hinaus
könne. Die Frau tat so, wie er gesagt hatte. Als er pfiff, drehte sie
die Kalebasse um und Tatutunpa kam heraus, schön und jung, mit allen
seinen alten Schmucksachen geschmückt.
Nach einem Weilchen wärmte Tatutunpa die Grube wieder und seine Frau
kroch in die Kalebasse. Er bedeckte diese und warf sie in die Grube.
Als sie pfiff, drehte er die Kalebasse um. Jung und schön kam sie aus
derselben.
Sie kehrten nach Hause zurück und nahmen ein Quebrachostäbchen mit, um
damit Feuer anzumachen. Als sie nach Hause kamen, war die Alte mit dem
Brauen von Maisbier beschäftigt.
„In dieser Nacht wird es sehr kalt und deshalb habe ich dieses Stäbchen
mitgenommen, damit wir etwas haben, woran wir uns wärmen können“,
sagte Tatutunpa. Aguaratunpa hatte viel „Tartago“-Holz mit nach Hause
genommen, es reichte aber nicht die ganze Nacht. Mitten in der Nacht
war das Holz zu Ende. Er ging zur Feuerstätte seiner Schwiegermutter,
die beim Maisbierkochen war. Als die Alte sah, daß ein Fuchs sich
zu ihrem Feuer schlich, steckte sie ein Stück Holz in Aguaratunpas
Hinteren. Mit dem Holz im Hinteren sprang er davon, für immer in einen
Fuchs verwandelt.
Die Entstehung der Arbeit.
Erzählt von dem Chanéindianer Batirayu.
Tatutunpa hatte einen Zauberspaten. Stellte man ihn des Abends in den
Acker, so war der Acker am Morgen fertig gegraben. Aguaratunpa kam
eines Tages in Gesellschaft seiner beiden Brüder zu Tatutunpa. „Wir
wollen um deinen Spaten spielen“, sagte er. „Wenn es blitzt, wollen
wir in den Blitz sehen, und derjenige, der nicht blinzelt, gewinnt den
Spaten.“ Darauf ging Tatutunpa ein.
Aguaratunpa lieh sich nun die Augen der Heuschrecke „Tu-ku“, die keine
Augenlider hat, Tatutunpa und Aguaratunpa setzten sich und stierten
nach dem Himmel. Als es blitzte, blinzelte Tatutunpa, aber nicht
Aguaratunpa, der die Augen der Heuschrecke hatte. Er hatte den Spaten
gewonnen. Als er ging, nahm er gleichwohl nicht den Spaten, der selbst
grub, mit, sondern einen gewöhnlichen hölzernen Spaten.
„Nehme ich den Spaten mit dem hohlen Stiel, so können auch die Faulen
Mais bauen, mit dem hier aber muß man arbeiten, um Mais für seine
Familie zu schaffen“, sagte Aguaratunpa zu seinen Brüdern.
Der Heuschrecke gab Aguaratunpa die geliehenen Augen zurück.
Wie Aguaratunpa seinen Bruder nach dem Himmelsgewölbe schickte.
Erzählt von dem Chanéindianer Batirayu.
Aguaratunpa lebte mit seinem Bruder zusammen. In einem Korb hatte er
zwei kleine Papageien. Eines Tages flogen sie nach einem Acker, wo sie
Mais aßen. Als sie nach Hause kamen, hatte der eine Maismehl um den
Schnabel: „Woher hast du das?“ fragte Aguaratunpa. „Von einem Acker
weit hinten, wo die Sonne untergeht“, sagten die Papageien.
Am folgenden Tag schickte Aguaratunpa die Papageien fort. Wohin sie
flogen, dahin folgte er ihnen. Als er hinkam, brach er Mais ab. Da
kam der Besitzer des Ackers und sah, daß jemand Mais gestohlen hatte.
Aguaratunpa verbarg sich, der Besitzer fand ihn aber, da er sich, als
er den Mais abbrechen wollte, in Hände und Füße geschnitten und überall
Blutspuren hinterlassen hatte.
Der Besitzer sagte zu Aguaratunpa: „Warum hast du mir Mais gestohlen,
hättest du mich darum gebeten, hätte ich ihn dir gegeben.“ Er brach
viele Maiskolben ab und belud Aguaratunpa damit, der sie nach Hause
brachte. Er legte sie neben die Tür.
Als er am folgenden Morgen erwachte, hatte der kleine Haufen sich in
einen großen verwandelt, der bis an das Dach reichte.
Aguaratunpas Bruder fragte ihn, woher er den Mais habe. „Es ist weit
weg,“ sagte Aguaratunpa. „Es gibt keinen Weg, und du kannst nicht
hinfinden.“
Der Bruder machte sich aber doch auf den Weg und kam an den Acker,
wo er „anday“[105] fand, von dem er aß. Dieser war vergiftet, und er
starb. Tot fand Aguaratunpa ihn. Er sagte, er wolle ihn wieder lebendig
machen. Aguaratunpa nahm eine Pflanze, „ihuahuasu“. Mit dieser schlug
er ihn. Er sprang über ihn, erst gerade über den Körper, dann vom Kopf
bis zum Schwanz.
Der Bruder wurde wieder lebendig und sagte: „Ich habe lange
geschlafen.“ -- „Du hast nicht geschlafen, du bist tot gewesen“, sagte
Aguaratunpa. Dieser schickte den Bruder zum Himmel.[106] Wenn es
donnert, dann geht der Bruder Aguaratunpas spazieren.
Über den Sohn von Tatutunpa und wie er seine Mutter gerettet hat.
Erzählt von dem Chiriguanoindianer Yambási am Rio Grande.