Einmal ritt ich von Vocapoys Dorf, um einen alten Chané aufzusuchen,

der eine hübsche alte Tracht hatte. Nach einigem Zögern zeigte er

sie mir. Er hatte sie sorgfältig in anderes Zeug eingewickelt. Wie

ein enthusiastischer Museumsbeamter ein altes Kleinod hervorholt, so

wickelte er sie sorgfältig auf. Man sah förmlich, wie lieb sie ihm

war. Obgleich ich ihm einen sehr hohen Preis bot, wollte er sie nicht

verkaufen.

Daß diese Indianer die alten Erinnerungszeichen lieben, beweist, daß

sie eine gewisse Kultur haben. Dies gilt jedoch nur für die Alten, die

Jungen sind nicht mehr so, die verkaufen alles, ohne zu zögern. Was

kümmern sie sich um eine abgenutzte, alte Festtracht, wenn sie ein

rotes, flatterndes Halstuch und Hosen mit Rock dagegen bekommen können!

Der Siegeszug der Hosen über die Welt hat auch diese Täler und Ebenen

erreicht.

Die Chiriguanos und Chanés führen jetzt nicht mehr richtigen Krieg

mit anderen Indianerstämmen. Bisweilen machen die Chanés am Rio

Parapiti jedoch gelegentlich Streifzüge gegen die Tsirakuaindianer.

Die Ashluslays behaupteten auch, wie mir mein Dolmetscher erzählt hat,

daß der Tobahäuptling Taycolique bei seinem Einfall in ihr Gebiet 1909

verschiedene Chiriguanos bei sich hatte.

Batirayu erzählte, die Chanés hätten früher die Köpfe der getöteten

Feinde heimgebracht und sie bei Festen auf den Plätzen der Dörfer

aufgestellt.

[Illustration: Abb. 82. Tongefäß von den Chanés. ¼. Rio Parapiti.]

Fußnoten:

[54] Arundo saccharoides.

[55] Garcilasso de la Vega: The Royal Commentaries of the Incas. Vol.

I–II. Hakluyt Society. London 1869 u. 1871.

[56] Dies wird durch Viedma bestätigt: Descripcion geografica y

estadistica de la Provincia de Santa Cruz de la Sierra. Coleccion Pedro

de Angelis. Buenos Aires 1836. Tom. III. S. 180-181.

+Elftes Kapitel.+

Vom Lande der Chané- und Chiriguanoindianer.

Alltagsleben in den Chané- und Chiriguanohütten.

In der Regel habe ich mich in den Hütten der Chanés und Chiriguanos

sehr wohl gefühlt. Das Leben in diesen Dörfern ist ganz gleichartig.

Schildert man ein Dorf, so hat man sie beinahe alle geschildert.

Wie alle übrigen Indianer, die ich südlich von Santa Cruz de la Sierra

in Bolivia besucht habe, leben diese Indianer in Dörfern. Einige

dieser Dörfer sind recht groß und werden von einigen hundert Personen

bewohnt. Oft liegen viele Dörfer nahe aneinander. Die Hütten liegen

in der Regel um einen Markt, auf dem zuweilen Flaschenbäume gepflanzt

sind, die in der Regenzeit Schutz verleihen. Die Märkte dienen als

Spiel- und Versammlungsplätze. Die Hütten sind, im Gegensatz zu den

runden Choroti- und Ashluslayhütten, viereckig, und ihre nach dem Dorf

zu gerichtete Tür ist am Giebel angebracht. Sie sind aus Rohr oder

Holzlatten und mit Dächern aus Gras. Nicht selten sind sie mit Erde

verputzt.

Unter dem Einfluß der Weißen verändern aber die Chanés und Chiriguanos

allmählich ihre Hütten, und viele Indianer bauen schon mit ihnen

identische Hütten.

Keine Hütte hat hier ihre ursprüngliche indianische Form. Die echten

Chiriguanohütten (die ursprünglichen Chanéhütten kennt man nicht)

waren sehr groß; in demselben Hause wohnten bis zu 100 Personen

und das ganze Dorf bestand nur aus einigen großen Hütten.[57]

Diese entsprechen offenbar den aus Brasilien bekannten großen

Familienhäusern, die ich in Bolivia nur bei den Chacobos, einem

Panostamm aus Lago Rojo-Aguado, gesehen habe.

Schon zu Viedmas[58] Zeit, Ende des 18. Jahrhunderts, scheinen sie

jedoch den ursprünglichen Haustyp aufgegeben und kleinere Hütten gebaut

zu haben.

[Illustration: Abb. 83. Feuerstätte zum Maisbierkochen. Chanédorf. Rio

Itiyuro. Rechts auf dem Bilde große Gefäße, in denen das Maisbier gärt.

Das Haus ist mit Erde verputzt.]

In vielen Dörfern gehören zu jeder Hütte eine oder mehrere Maisscheunen

(Abb. 84 a), in denen Mais, Kürbisse usw. aufbewahrt werden. Diese

Scheunen sind auf Pfählen gebaut und vielleicht eine Erinnerung aus

der Zeit, wo die Chiriguanos und Chanés in sumpfigen Gegenden wohnten.

Zu jeder Scheune gehört in der Regel eine Leiter (Abb. 84 b). Manchmal

sind die Scheunen mit den Wohnhäusern zu einem Hause zusammengebaut.

Solche Hütten habe ich in der Nähe von Machareti und bei Yatavéri

unweit Ivu gesehen. Nicht so selten stehen die Scheunen auf den Feldern

weit ab von den Wohnhäusern.

[Illustration: Abb. 84 a. Maisscheune. Chané. Rio Itiyuro.]

Es ist in diesen Dörfern fein und rein. Hütten und Markt werden täglich

gefegt und der Müll verbrannt.

Der Raum in den Hütten ist nicht zu gering bemessen. In der Regel

wohnt in jedem Hause nur eine Familie, die manchmal, außer den übrigen

Familiengliedern, aus den Männern der Töchter besteht, welche während

der Verlobung und im Anfang der Ehe bei der Schwiegermutter wohnen.

Vor der Hütte ist die große Feuerstätte (Abb. 83), wo das Maisbier,

und zuweilen auch das Essen, gekocht wird. In der Hütte ist ebenfalls

eine Feuerstätte, wo man kocht und die man aufsucht, um sich bei kalten

Nächten und Tagen zu wärmen.

[Illustration: Abb. 84 b. Bild, das die Konstruktion der Scheune zeigt.]

[Illustration: Tafel 16. Caraguatá. Von den Indianern im Chaco

vielseitig angewandte Pflanze.]

Manche Nacht habe ich in diesen Hütten geschlafen. Sie sind in der

Regel frei von Ungeziefer, was man nicht von den Wohnstätten aller

anderen Indianer und von den Häusern der Weißen sagen kann. Die

Lagerstätte besteht entweder aus einem Bett aus einer Art Bambusrohr,

oder man liegt auf dem Fußboden auf einer Schilfmatte oder einem

Fell. Hängematten sieht man ebenfalls in den Hütten, sie sind aber

nicht allgemein. Im tropischen Südamerika hat die Hängematte ihr

Heimatland, sie verschwindet aber nach Süden zu und auf den Bergen,

denn dort ist es zu kalt, um sie anzuwenden.

[Illustration: Abb. 85. Sitzbank. Chiriguano. Tarairi. ⅕.]

[Illustration: Abb. 86. Haken zum Aufhängen der Sachen. Chiriguano. ⅙.]

Am Dache der Hütte hängen auf Haken und Gestellen Kleider und Eßwaren,

Medizin und anderes. Hier verwahren auch die Männer ihre Pfeile und

Bogen, ihre Trommeln u. dgl. In Lianenschlingen pflegen Maiskolben zu

hängen.

In einer Chané- oder Chiriguanohütte ist es, besonders des Abends,

wenn alle an das schöne, wärmende Feuer kriechen, wenn der Mund geht,

die Alten Sagen erzählen, die Mütter ihre Kleinen zu Bett bringen, die

jungen Paare abseits sitzen und kosen, sehr gemütlich.

Hier und da sieht man eine in Holz geschnitzte Sitzbank (Abb. 85) von

einer besonders von den brasilianischen Indianern her bekannten Form.

[Illustration: Abb. 87. Chanéfrau. Rio Parapiti. In dem Tragnetz hat

sie einen Wasserkrug.]

An den Wänden der Hütte entlang stehen immer eine Menge Tongefäße

von allen Dimensionen. Manche davon sind so groß, daß ein Mann

hineinkriechen könnte. Dort sind Töpfe, dort sind Röstschalen, dort

sind feinbemalte Gefäße, die bei den Festen hervorgeholt werden, und

dort ist der Schatztopf, in welchem die Hausfrau alle Kostbarkeiten

und Andenken der Familie verwahrt. In ihm liegen, falls das Haus

„vermögend“ ist, Kleider, Schmucksachen, Schalen aus Silber und

Halsketten aus Türkis und Crysocol und vieles andere.

Sehr früh ist es still in den Dörfern. Es wird nicht, wie in einem

Choroti- oder Ashluslaydorf, die ganze Nacht geschwatzt. Die jungen

Herren und die unverheirateten jungen Mädchen laufen nicht herum, um

beieinander zu liegen. Die sittlichen Chané- und Chiriguanomädchen

werden von ihren Müttern bewacht, gehen nicht auf Abenteuer aus und

nehmen keine Herrenbesuche an. Es kommen keine Nachtmahlzeiten, wie

bei den Chorotis und Ashluslays, vor. Man schläft nämlich in diesen

Dörfern des Nachts, d. h. wenn man nicht mit dem Maisbrauen für ein

Fest beschäftigt ist.

[Illustration: Abb. 88. Tabakspfeife. Chiriguano. Caipipendi. ½.]

[Illustration: Abb. 89. Spatenstiel. Chiriguano. ca. ¹⁄₁₅.]

Sehr früh des Morgens wird man in beinahe allen Dörfern durch

Klagelieder geweckt. Immer ist dort einer, der einen Angehörigen

verloren hat und ihn laut beweint. Ist jemand im Dorfe gestorben, so

ist es für einen, der gern lange schläft, unheimlich im Dorfe.

In der allerfrühesten Morgenstunde stehen die Frauen auf, etwas später

die Männer, und die Tagesarbeit beginnt. Das erste, was die Frauen tun,

ist, daß sie Wasser holen und ein Bad, ein richtig erfrischendes Bad

nehmen.

Die Wasserkrüge tragen sie auf verschiedene Weise. Am Rio Itiyuro

tragen die Chanéfrauen sie auf der Schulter, am Rio Parapiti in einem

Tragnetz (Abb. 87). Der letztere Brauch ist auch bei den Chiriguanos am

gewöhnlichsten. Auf dem Kopfe tragen nur diejenigen Frauen Krüge, die

mit den Weißen leben und ihre Sitten und Gebräuche angenommen haben.

Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern.

Wie bei den Choroti- und Ashluslayindianern, hat in der Regel auch

hier, wie wir aus der untenstehenden Tabelle ersehen, jedes Geschlecht

seine bestimmte Arbeit.

+Tabelle, welche die Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen bei

den Chanés und Chiriguanos ausweist.+

Männer Frauen

Fischfang + +[59]

Jagd. +

Pflanzen, Roden +

Säen + +

Ernten + +

Kochen +[60] +

Holztragen + +[61]

Wassertragen +

Zubereitung

berauschender

Getränke +

Sammeln wilder

Früchte und

Wurzeln +

Keramik +

Holzarbeiten +

Netzstricken +

Seilflechten +

Mattenflechten +

Hängemattenbinden +

Lederarbeiten +

Waffenherstellung +

Verzierung von

Kalebassen +

Hausbau +[62]

Weben +[63] +

Fädenspinnen +

Bandflechten +

Viehzucht + +

Nähen + +

Korbarbeiten +

Tagewerke für

die Weißen + +[64]

Vergleicht man diese Tabelle mit der auf Seite 94, so findet man,

daß das schwere Holztragen und der Hausbau bei den höher stehenden

Chanés und Chiriguanos beinahe von den Frauen auf die Männer

übergegangen ist. Eigentümlicherweise sind gewisse Industrien, z. B.

die Tongefäßherstellung, bei beinahe jedem primitiven Indianerstamm

Frauenarbeit. Auf dieselbe Weise werden die Kalebassen überall von den

Männern geschmückt, wie sie auch alle Holzarbeiten ausführen. Daß hier

auch die Frauen fischen, kommt daher, weil verschiedene dieser Indianer

an wasserarmen Flüssen leben, in denen nur kleine Fische leben, bei

deren Fang der Mut und die Kraft der Fischer auf keine Probe gestellt

wird.

Nahrungszweige.

Der Fischfang und die Jagd spielen für den Chané und Chiriguano

keine bedeutende Rolle. Sie sind, wie ich schon vorher erwähnt habe,

Ackerbauer, vor allem Maisbauer. Diese Indianer leben so ausschließlich

von Mais, daß alle andere Nahrung für sie eine untergeordnete Rolle

spielt. Eine Ausnahme machen die am Rio Parapiti wohnenden Indianer,

die mehr süße Kartoffeln als Mais bauen, die in ihrem Land eine

ausgezeichnete Ernte geben.

Folgende Pflanzen werden von den Chanés und Chiriguanos angebaut:

Süße Kartoffeln.

Mais.

Zapallo (Cucurbita pepo Lin.).

Kalebaßfrüchte.

Bohnen in verschiedenen Variationen.

Baumwolle.

Uruku.

Tabak.

Tuna (z. B. bei Yatavéri). Opuntia.

Hirse.

Mandioca (selten).

Schilfrohr zu Pfeilschäften (am Rio Parapiti).

In den Pflanzungen dieser Indianer habe ich weder gewöhnliche

Kartoffeln noch Bananen gesehen. Die süßen Kartoffeln sind, nach

Batirayus Angaben, in später Zeit von den Weißen eingeführt. Der

Tabakbau ist unbedeutend. Die Chanés und Chiriguanos sind keine großen

Raucher. Sie rauchen meist Zigaretten in Maisblättern, selten Pfeife

(Abb. 88). Bei ihnen braucht man seine Pfeife nicht seinem Nachbar zum

Weiterrauchen zu geben.

Es ist eigentümlich, wie verschieden bei den Indianerstämmen der

Tabakverbrauch ist. Die Aymaras und Quichuas, die Koka kauen, rauchen

sehr selten. Sie finden keinen Geschmack daran. Ebensowenig rauchten

die Chacobos und Atsahuacas, zwei Stämme, die ich auf meinen Reisen

kennen lernte. Als ich einem Chacobo eine Zigarette anbot, machte

er nur ein paar Züge, behielt den Rauch einige Augenblicke im Munde

und warf dann die Zigarette fort. Die Chacobos bauen indessen Tabak,

wenden ihn aber ausschließlich als Heilmittel an. Ist einem Chacobo

ein „boro“, eine Fliegenlarve, „Dermatomya“, unter die Haut gekommen,

so bedeckt er die Eintrittsstelle der Fliegenlarve mit Tabakpulver und

kann nach einigen Stunden die tote Larve herausquetschen. Die Chorotis

und Ashluslays sind leidenschaftliche Raucher. Bei ihnen ist das

Rauchen einer der höchsten Lebensgenüsse. Diese Gegensätze sind ganz

sonderbar.

Die Chiriguanos und die Chanés haben ausgedehnte Anpflanzungen, die, im

Gegensatz zu den Rodungen der Chorotis und Ashluslays in der Wildnis,

gut gepflegt sind. Ehemals hat man Spaten aus hartem Holz mit schönen

Stielen angewendet (Abb. 89), diese sind aber jetzt außer Gebrauch

gekommen und vollständig durch eiserne Spaten verdrängt worden.

Die Felder liegen nicht selten weit von den Dörfern, wie z. B. im

Caipipendital. Dies hängt damit zusammen, daß nicht überall das ganze

Jahr Wasser in der Nähe der Pflanzungen vorhanden ist.

Die gewonnenen Früchte werden, wie schon erwähnt, in auf Pfählen

gebauten Scheunen (Abb. 84) verwahrt, um sie wenigstens etwas vor

Ratten, Feuchtigkeit usw. zu schützen. Diese Scheunen sieht man, außer

bei den Chanés am Rio Pilcomayo, überall.

Die Felder sind mit gestrüppförmig gebauten Zäunen eingezäunt, deren

Übersteigung oft Schwierigkeiten macht. Eine Düngung der Felder kommt

nicht vor. Dagegen läßt man einen ausgenutzten Acker brach liegen.

Die Zeit des Säens wird nach der Stellung des Siebengestirns, „ychu“,

bestimmt. Geht dieses sehr früh am Morgen über den Horizont, so ist

Saatzeit. Wenn die Regenzeit beginnt, muß alles gesät sein.

Die Männer roden und säen. Bei der Ernte helfen alle mit, Männer,

Frauen und Kinder. Bei den Chanés im Itiyurotal säeten die Männer den

Mais, d. h. sie besorgten die größeren Pflanzungen, während die Frauen

Gärtner waren und Kürbisse, Bohnen usw. pflanzten.

Die Chanés und die Chiriguanos sind keine großen Jäger. Vielleicht hat

man früher mehr gejagt. Ihre Jagdwaffen bestehen aus Pfeil und Bogen.

Zur Wildschweinjagd werden Keulen angewendet, zur Straußenjagd wurden

früher die Boleadora, „churima“ benutzt. Schlingen und Vogelnetze

kommen auch vor. Früher trugen die Jäger eine offenbar den Spaniern

nachgeahmte, nach europäischem Schnitt zugeschnittene Tracht aus

Leder.[65] Diese durfte nicht im Hause hängen. Früher durfte auch

bei den Chanés am Rio Parapiti kein Fleisch im Hause gekocht werden,

sondern dies mußte ein Stückchen davon geschehen. Die Knaben sind

natürlich eifrige Jäger kleiner Vögel. Sie benutzen manchmal, wie auch

die Männer, Tonkugelbogen.

Man hat eigens für die Wildschweinjagd abgerichtete Jagdhunde. In einem

Chanédorf am Rio Itiyuro sah ich, wie man allen Hunden ein rotes Kreuz

auf den Kopf malte, damit sie nicht von einem in der Nähe grassierenden

tollen Hunde gebissen würden. Es war wirklich spaßhaft zu sehen, wie

diese heidnischen Chanés ihre Hunde mit dem Kreuzzeichen gegen die

Tollwut schützten.

Batirayu erzählte mir, die Chanémänner dürften, wenn sie auf die Jagd

gingen, in der Nacht vorher nicht bei ihren Frauen schlafen.

Der Fischfang wird in den verschiedenen Flüssen ungleich betrieben.

Im Rio Itiyuro fischen beinahe ausschließlich Frauen und Kinder. Dort

gibt es auch nur kleine Fische. Ich sah dort drei Fischereimethoden.

Angelfischerei, Fischfang mit Kalebasse und Fischerei durch Aufdämmen

von Teichen. Die Angelhaken bestehen aus gebogenen Nadeln, die man von

den Weißen bekommen hat. Flöße und Senkblei kommen nicht vor.

Der Fischfang mit Kalebasse geschieht folgendermaßen. In den Boden

des Flusses werden mehrere Laubbüschel gesteckt, die Schatten geben,

und vor jeden von diesen wird eine Kalebasse (Abb. 90) mit saurem,

gemahlenem Mais (Abfälle vom Bierbrauen) gestellt. Die Fische

sammeln sich in den Kalebassen, die von den Frauen von Zeit zu Zeit

herausgenommen werden. Diese schleichen sich an die Kalebasse heran,

legen schnell die Hand auf die Mündung, heben sie hoch und entleeren

dann den Inhalt in Gruben am Flußufer.

Eine andere, in dem erwähnten Flusse oft angewendete Art des Fischens

ist das Aufdämmen länglicher Teiche im Sande, in denen die Fische sich

sammeln. Die Fische werden nach Entleerung des Wassers aus den Teichen

gefangen. Zuweilen läßt man den Teich in einer mit einem Ketscher

verschlossenen Rinne enden, aus der die Fische nicht heraus können.

Aller Fischfang, den ich am Rio Itiyuro gesehen habe, geschah während

der Trockenzeit an sonnenheißen Tagen.

[Illustration: Abb. 90. Fischfang mit Kalebasse. Rio Itiyuro.]

Im oberen Rio Pilcomayo fischen die Chiriguanos mit von den Weißen

erhaltenen Angelhaken, mit den Tauchnetzen der Chorotis ähnlichen,

obschon kleineren Netzen und durch Schießen der Fische mit Pfeil und

Bogen. Die zum Fischfang angewendeten Pfeile haben zwei oder mehrere

Spitzen.

Im Rio Parapiti sah ich Chanés und Chiriguanos mit einem Netz von dem

hier abgebildeten Typ (Abb. 91) fischen. Beim Fischschießen wenden die

dortigen Chiriguanos Pfeile mit vielen feinen Spitzen an.

In diesen zuletzt genannten Flüssen fischen die Männer immer im

tieferen Wasser mit Netz und mit Pfeil und Bogen, während die Frauen

sich damit begnügen, kleine Fische in den Verdämmungen zu fangen, wenn

der Fluß halbtrocken ist.

Nicht so selten nehmen die Indianer lange Reisen vor, um zu fischen.

So pflegen die Chanés zuweilen während der Trockenzeit die Sümpfe,

„Madrejones“, in denen der Rio Parapiti sich verliert, zu besuchen.

Es ist merkwürdig, daß Völker, die so viel fischen, so wenige

Fischereigeräte kennen. In meiner Schilderung der Chorotis und

Ashluslays haben wir mit dieser Armut schon Bekanntschaft gemacht.

Moberg und der Verfasser wollten einmal am Rio Pilcomayo den Indianern

etwas von unseren Erfahrungen im Fischfang zum besten geben und

fabrizierten nun eine Reuse, über die wir nicht wenig stolz waren. Wir

setzten sie in der vollen Überzeugung aus, daß sie am Morgen voller

Fische sei. Holz und Abfälle aller Art war alles, was wir fingen, und

ich kann nicht leugnen, daß die Indianer uns ein wenig auslachten.

Der Grund der Armut dieser Indianer an Fischereigeräten ist nicht

der Mangel an Ideen, sondern ein anderer. Es passen ganz einfach

wenige Fischereimethoden für diese Gewässer. Ein Netz des Nachts

aussetzen, geht nicht an, denn wenn ein Palometafisch in das Netz

gerät, schneidet er dasselbe mit seinen messerscharfen Zähnen sofort

entzwei. Angelfischerei treiben, wo es solche Fische gibt, ist auch

nicht verlockend, denn sie beißen die Angeln ebenso leicht, wie die

Angelschnüre, ab, wenn sie nicht aus sehr gutem Material sind. In

diesen tropischen Gewässern modern auch die Fischgeräte schneller, als

bei uns, man darf sie also nicht eine ganze Nacht über im Wasser lassen.

Die Chiriguanos und Chanés haben keine Fahrzeuge. Sie sind dagegen

außerordentliche Water, und hier während der Regenzeit in den Flüssen

waten, ist gerade keine Kleinigkeit. Hat man jedoch einen dieser

Indianer als Beistand, so kommt man, wenn es überhaupt möglich ist,

doch hinüber.

Als eine Eigentümlichkeit kann ich erwähnen, daß ich während meiner

ganzen Reise niemals einen eingeborenen Weißen oder Mestizen habe

fischen sehen. In Bolivia ist es nicht fein, frische Fische zu essen.

Am Rio Pilcomayo aßen die Offiziere der Militärposten beinahe niemals

die leckeren, frischen, lachsähnlichen Fische aus dem Flusse, sondern

zogen Büchsenlachs aus Alaska vor. Da dieser, wenn er nach Bolivia

kommt, sehr alt ist, schmeckt er schrecklich. Die Angelfischerei ist

auch die einzige Fischereimethode, welche die Indianer von den Weißen

gelernt haben.

[Illustration: Abb. 91. Netz. Chiriguano. Rio Parapiti. ca. ¹⁄₁₂.]

Von Haustieren haben die Chiriguanos und Chanés nur die Hunde nicht

von den Weißen bekommen. Diese Hunde scheinen mir jetzt stark mit

fremdem Blut vermischt zu sein. Sie haben immer Namen, z. B. tirupotchi

(altes Kleid), chapikáyu (gelbe Augenbrauen). In der Regel haben die

Chiriguanos und Chanés weniger Pferde, Kühe, Esel, Schafe und Ziegen,

als die Chorotis und Ashluslays. Hühner und Schweine haben sie dagegen

mehr. Zuweilen sieht man Enten, Perlhühner und Truthähne. In gewissen

Gegenden, wie z. B. im Caipipendital, wo die Indianer reich sind, haben

sie gleichwohl viel Vieh. Was sie besitzen, suchen ihnen die Weißen

leider auf alle Weise abzuschwindeln. So ist es nichts Ungewöhnliches,

daß ein weißer Mann oder eine weiße Frau mit einigen Fäßchen Branntwein

in ein Dorf kommt und dasselbe mit einem Paar der besten Kühe der

Indianer verläßt. Die Weißen werden reicher, die Indianer ärmer.

Die Menagerie gezähmter Waldtiere, die man in den Dörfern der

primitiveren Indianer sieht, findet man bei diesen Indianern nicht.

Ein Papagei, der etwas Guarani spricht, ist jedoch in den Hütten nichts

Ungewöhnliches.

[Illustration: Abb. 92 a. Dämpfapparat. Chané. Rio Itiyuro.]

Zubereitung der Speisen.

Den Schmutz, den wir bei der Zubereitung der Speisen und im Essen bei

den Chorotis und Ashluslays treffen, findet man bei den Chanés und

Chiriguanos nicht. Die Speisen sind dagegen schrecklich einförmig. Sie

bestehen aus Mais in allen möglichen Formen, gekochtem Mais, geröstetem

Mais, in Asche gebackenem Maisbrot, Maismehlbrei und gedämpftem

Maismehl. Das letztere wird in einem hier abgebildeten Apparat (Abb.

92) zubereitet.

Fleisch wird mit Mais als Suppe gekocht oder geröstet. Bevor es in

den Topf gelegt wird, wird es sauber gewaschen. Die Fische werden in

Klammern oder in Maisblättern über dem Feuer geröstet. Die kleinen

Fische, die ich auf diese Weise zubereiten gesehen habe, werden erst

beim Essen ausgenommen. Hat man viele Fische, so werden sie für den

künftigen Bedarf getrocknet.

[Illustration: Abb. 92 b. Oberes Tongefäß.

Das hier abgebildete Exemplar ist von den Mataco-Vejos, die seine

Anwendung von den Chanés gelernt haben. ¼.]

Besonders in Zeiten der Not werden auch verschiedene wilde Gewächse

gegessen. Zum Essen wird Salz angewendet, das jetzt von den Weißen

gekauft wird. Früher holte man es aus den Bergsalzgruben am San Luis

auf dem Wege von der Stadt Tarija nach dem Chaco, oder bereitete Salz

aus salzhaltiger Erde, „yukiu“. Die mit Salz gemengte Erde wurde in

eine Schale mit Wasser gelegt, sank zu Boden, und das Salzwasser wurde

angewendet.

Frauen und Männer essen getrennt. Zu Hause geht es gewöhnlich so

zu, daß die Männer zuerst essen und dann die Frauen und Kinder. Die

Indianer wollen beim Essen Ruhe haben. Es ist deshalb höchst ungezogen,

sie während dieser wichtigen Beschäftigung anzusprechen.

Sie essen, soweit ich es gesehen habe, nicht aus einer

gemeinschaftlichen Schüssel, sondern jeder ißt aus seiner Schale. Nach

den Mahlzeiten spülen sie den Mund und waschen sich die Hände, indem

sie das Spülwasser über die Finger spucken.

Es schien mir, als würden hier wirkliche Mahlzeiten abgehalten, von

denen die erste des Morgens, die zweite mitten am Tage und die dritte

bei Sonnenuntergang eingenommen wurde.

Hat man in einem Hause Überfluß an Speisen, so ladet man auch die

Nachbarhäuser ein. Ein besuchender Indianer wird sehr gastfrei

aufgenommen. Er braucht nicht fortzugehen, ohne Maisbier oder Essen

erhalten zu haben. In den Chanédörfern am Rio Parapiti setzten mir die

Indianer, wenn ich zu ihnen zu Besuch kam, immer eine Schüssel mit

süßen Kartoffeln vor.

Die Chanés essen keine Esel, Maulesel, Pferde, Hunde, Füchse, Geier

oder Affen. Dagegen werden Puma und Jaguar für eßbar gehalten.

Wenn die Frauen in den Dörfern nicht zu kochen, zu brauen oder ihre

Kleinen zu warten haben, sind sie doch immer fleißig. Wenigstens die

älteren unter ihnen sieht man beinahe niemals ohne Beschäftigung.

Sie spinnen, machen Tongefäße, weben. Ich habe diese Frauen schätzen

gelernt, ich habe ihre liebevolle Fürsorge für die Kinder, ihren Fleiß,

ihre Pflege des Heims, ihre Geschicklichkeit und ihren Geschmack

bewundert.

Spiele.

Indianerleben · 第 11 / 21 段