Es ist wirklich merkwürdig, daß Volksstämme, die z. B. in der

Webetechnik so weit wie diese Indianer gekommen sind, die Ackerbau

und Viehzucht haben, sich mit so elenden Hütten begnügen. In

regnerischen Nächten habe ich in ihnen Schutz gesucht und genau

gesehen, wie die Indianer dort leben. Gießt es ordentlich, so regnet

es überall hinein und Menschen und Sachen werden naß. In diesen

kleinen Hütten, wo oft mehrere Familien zusammenwohnen, ist der Raum

sehr beschränkt, und wenn in einer solchen Regennacht alle zu Hause

sind, kann nicht jeder ausgestreckt liegen. Ich selbst habe geringe

Bequemlichkeitsbedürfnisse, ich bin aber doch kein Freund davon, daß

eine Person quer über meinen Beinen liegt oder daß ein mit Läusen

behafteter Kopf auf meinem Kopfkissen Platz zu bekommen sucht.

Das Bett dieser Indianer ist während ihres ganzen Lebens ein Fell,

oder bei den Ashluslays zuweilen eine Schilfmatte als Matratze,

ein Holzklotz als Kopfkissen und, wenn es kalt ist, ein Fell- oder

Schafwollmantel als Decke.

Ist es warm, so liegen sowohl Männer als Frauen vollständig nackt,

und man sieht manches, was wir zivilisierten Menschen für unanständig

halten. In der Regel liegen mehrere unter derselben Decke, und zwar

nicht allein Männer, Frauen und Kinder, sondern auch mehrere Männer.

Diese Sitte ist bei den Indianern so eingewurzelt, daß nur solche

Decken unter meinen Tauschwaren gebilligt wurden, die zu einem

zweischläfrigen Bett reichten.

Außer für die Menschen soll in jeder Hütte auch für eine Menge Hunde,

Katzen, junge Strauße usw. Platz sein. Sie gehören zur Familie.

Ist es kalt und regnerisch, so ist die Feuerstätte in der Hütte, sonst

kocht man in der Regel am liebsten außerhalb des Hauses. Das Feuer wird

stets in Brand erhalten. Macht man eine kleine Reise, so nimmt man

Feuer (einen Feuerbrand) mit. Nur auf längeren Wanderungen benutzt man

das bekannte Feuerzeug, hölzerne Reibstäbchen.[17] Man bohrt in einem

Stab von etwas weicherem Holz mit einer stärkeren Holzart so lange, bis

durch die Reibung glühender Holzstaub entsteht. Dieses Feuerzeug ist

jetzt im Verschwinden und wird durch Feuerstein, Stahl und Zunder (hier

Caraguatábast) sowie durch Streichhölzer, leider nicht schwedischen,

sondern italienischen Fabrikats, ersetzt.

Jeder Indianer besitzt nicht mehr, als die ganze Familie forttragen

kann. Das meiste davon hängt in den Hütten unter dem Dache oder ist

in die Wände hineingestochen. Hängebretter oder Klammern sieht man

hier nicht. Jedes Individuum bewahrt seine Habseligkeiten allein,

meistens in großen Taschen aus Caraguatá oder Fell, auf. Meine

Lieblingsbeschäftigung war, in diesen Beuteln herumzuwühlen. In ihnen

befinden sich wild durcheinander Geräte, Schmucksachen, Heilmittel,

Samen, Schmutz und Insekten.

Jedes Individuum hat, wie gesagt, seine eigenen Beutel. Eine Frau

verwahrt ihre Sachen getrennt von denen ihres Mannes. Ein Kind hat

ebenfalls sein kleines Beutelchen.

Die für die Saat aufgehobenen Samen werden in mit Wachs verklebten

Töpfen aufbewahrt. Am Dache hängen oft Tabak und getrocknete Früchte.

In besonderen Schuppen werden größere Mengen dieser Konserven verwahrt.

Die Dörfer werden durch bissige, aber feige Hunde bewacht, die

anschlagen, wenn ein Fremder sich dem Dorfe nähert. Sie teilen die

Abneigung des Indianers gegen den weißen Mann.

Besucht man eine Chorotihütte, so wird einem in der Regel ein Holzklotz

zum Sitzen angeboten. Bei den Ashluslays erhält man dagegen ein Fell

oder eine Schilfmatte.

Die Arbeit beginnt in diesen Indianerdörfern in den allerfrühesten

Morgenstunden. Die Frauen beginnen mit ihrer Wirtschaft, gehen aus,

um Früchte zu sammeln oder nehmen sich eine andere Arbeit vor, die

Männer schneiden ihre Werkzeuge, gehen auf die Jagd oder schlafen ganz

einfach. Erst wenn es warm ist, begeben sie sich zum Fischfang. Ist

es sehr kalt, so bleibt man am liebsten in der warmen Hütte, bis die

Sonne richtig aufgegangen ist. Am Vormittag sind die meisten Indianer

und Indianerinnen aus, um Nahrungsmittel für die Küche zu sammeln.

Gegen Mittag kommt man mit dem Gesammelten oder Gefischten nach Hause.

Hat man Glück gehabt, kommen z. B. die Fischer mit reicher Beute nach

Hause, so herrscht in den Dörfern Freude. Die Kinder versammeln sich

am Tage auf den Spielplätzen und vergnügen sich nach Herzenslust oder

begleiten die Eltern zu ihrer Arbeit. Gegen Abend versammelt man sich

wieder um das schöne, wärmende Lagerfeuer, die Tagesereignisse werden

erzählt, die Pläne für den nächsten Tag entworfen. Am meisten spricht

man vom Essen. Am Abend begibt sich die Jugend nach den Tanzplätzen.

Während der Nacht ist es in diesen Choroti- und Ashluslaydörfern

beinahe niemals richtig still. Dort wird gesungen, in Freude und Leid,

dort wird gekocht, dort wird geschwatzt, dort hat die Jugend Rendezvous

und dort wird gekichert und gelacht.

Diese Indianer schlafen des Nachts keine sieben bis acht Stunden

ununterbrochen. Sie schlafen ein paar Stunden, essen und plaudern ein

Weilchen, schlafen wieder, essen noch einmal usw. In der Regel schlafen

sie viel mehr am Tage als wir. Der weiße Mann, der in einem solchen

Indianerdorf lebt, lernt bald das System, zu schlafen, wenn es ihm am

besten paßt.

Im Indianerhause ist der Raum beschränkt, aber es herrscht dort große

Eintracht. Niemals hört man jemand schimpfen, niemals versucht der

eine, sich auf Kosten des anderen Vorteile zu verschaffen. Schlagen

zwei Weiße ein Lager auf, und es ist nur ein guter Liegeplatz da, so

zanken sie sich, wer den Platz haben soll. Liegt ein Haufe Indianer in

einer engen Hütte, so teilen sie mit Gleichmut den knappen Raum. Sie

sind ja alle Brüder und Schwestern. Diese „Wilden“ verstehen, daß man

sich selbst in Kleinigkeiten nicht auf Kosten des anderen bereichern

darf.

Fußnoten:

[16] Nach Corrado, S. 539, treiben auch die den Chorotis nahestehenden

Matacos die Leibesfrucht durch mechanische Behandlung, Schläge auf den

Bauch, ab. El Colegio Franciscano de Tarija. Quarrachi 1884.

[17] Vergl. v. Rosen l. c. Taf. XIII.

+Viertes Kapitel.+

=Unter den Indianern am Rio Pilcomayo= (Fortsetzung).

Der Kampf ums Dasein.

Die Lebensbedingungen, unter denen die Indianer am Rio Pilcomayo leben,

sind, wenn wir von den Chiriguanos absehen, im großen ganzen für alle

dortwohnenden Stämme dieselben. Einige Unterschiede sind indessen

vorhanden.

Die Chorotis und Ashluslays leben vom Fischfang, Sammeln wilder

Früchte und Honig, Ackerbau sowie von der Jagd und der Viehzucht.

[Illustration: Abb. 7. Algarrobofrüchte kauende Ashluslayfrauen]

[Illustration: Abb. 8. Ashluslayindianer mit Sperrnetzen, Rio

Pilcomayo.]

Aus der folgenden Tabelle sehen wir, welches die Hauptnahrung der

ersteren in den verschiedenen Monaten des Jahres ist.

Januar }

Februar }

März } Landwirtschaftliche Erzeugnisse.

April } }

Mai } Fische.

Juni } } Früchte der Tusca und Tasi.

Juli } }

August, September: getrocknete, konservierte Früchte,

Ratten.

Oktober: Früchte des Chañar } Gelegenheitsfischerei.

November } Früchte der Algarrobo } Früchte der } }

Dezember } } Mistol[18] } } Feldfrüchte.

Im Mai, Juni und November leben die Chorotis im Überfluß. Da schwellen

die Magen an. Im August und September ist die Zeit der Not.

Die Ashluslays beginnen schon im November zu ernten. Sie leiden

wahrscheinlich seltener Mangel als die Chorotis.

Alle Pilcomayoindianer sind eifrige Jäger, und nur die weitab vom

Flusse wohnenden Indianer beteiligen sich nicht am Fischfang. Die

Fischgeräte bestehen bei den Chorotis ausschließlich aus Netzen. Die

Ashluslays wenden auch eine Art Körbe an. Von Netzen haben sie zwei

verschiedene Typen, die wir hier beide angewendet sehen.

Das bei den meisten südamerikanischen Indianern so gewöhnliche Schießen

der Fische mit Pfeil und Bogen habe ich bei den Chorotis und Ashluslays

niemals gesehen.[19] Angelfischerei ist, wo sie nicht von den Weißen

eingeführt ist, unbekannt.

[Illustration: Abb. 9. Nadeln zum Aufreihen der Fische, Ashluslay.]

Die Ausrüstung der Fischer besteht außer den Netzen aus einer Keule,

mit welcher die Fische getötet werden, und einer Holznadel (Abb. 9) mit

einer Schnur, auf welche die Fische aufgezogen werden. Die Nadel wird

durch die Augen der Fische gezogen und die Schnur mit den gefangenen

Fischen so um den Leib gebunden, daß sie hinten wie ein Schwanz

herabhängen.

Eine Fischfahrt mit den Indianern gehört zu den größten Vergnügungen,

die man am Rio Pilcomayo zu bieten hat. Sobald die Sonne zu wärmen

beginnt, wandern die Indianer, Männer und Knaben, mit ihren Netzen nach

dem Flusse. Die Frauen bleiben zu Hause oder suchen wilde Früchte.

Die alten Männer tragen in der Regel die Sperrnetze, die jungen die

Tauchnetze. Ist man zu dem Flusse, wo man fischen will, gekommen, so

werden Mäntel, Schmucksachen und Caraguatátaschen abgelegt. Man fischt

nackt oder nur mit einem Ledergürtel bekleidet.

Eine Anzahl Indianer bildet mit ihren Sperrnetzen eine Kette über den

Fluß (Abb. 8). Die übrigen Indianer treiben die Fische dann nach dieser

Kette, während sie selbst mit ihren Tauchnetzen fischen (Abb. 3).

[Illustration: Abb. 10.

Spaten.

Ashluslay. u. ⅒.]

Bei der Fischerei geht es lebhaft zu, denn das ist keine Arbeit,

sondern ein Vergnügen. Dort taucht einer mit dem Netz, um nach einem

Augenblick mit einem großen Fisch an die Oberfläche zu kommen; er

schlägt ihn mit der Keule tot und bindet ihn dann mit der Holznadel

um den Leib fest. Hier sieht man ein paar Füße verschwinden, dort

sieht man mehrere, die unter Schreien und Lachen in einer Bucht des

Flusses mit stillstehendem Wasser, in welchem die Fische sich sammeln,

umeinander tauchen.

Auf diesen Fischfahrten hat man so recht Gelegenheit, zu sehen, wie

schön diese Indianer gewachsen sind. Man sieht keinen, der korpulent

ist, keinen, der einen übertrieben großen Magen hat. Alle sind

wohlgebaut.

Hat der Fischfang müde gemacht, so läßt man sich am Ufer nieder, ruht

aus und ißt einen Teil des Fanges auf. Den Rest trägt man zu Frau und

Kindern ins Dorf. Fängt man nur wenig Fische, so besitzt man soviel

Ehrgefühl, daß man nicht selbst alles aufißt.

Die Chorotis und Ashluslays fischen ohne Kanoes. Sie haben keine

Fahrzeuge. Schwimmend und tauchend wie die Ottern verfolgen sie ihre

Beute.

Nach dem italienischen Forschungsreisenden Boggiani[20] haben dagegen

die den Ashluslays und Chorotis kulturell nahestehenden Lenguas im

paraguayischen Chaco viele Kanoes. Gleich den Chorotis und Ashluslays

haben weder die Tobas noch die Matacos oder Chiriguanos am oberen

Pilcomayo Boote. Mutmaßlich haben aber die Chorotis und Ashluslays

früher Kanoes gehabt. Dafür spricht die stark paddelähnliche Form ihrer

Spaten (Abb. 10). Diese sind vielleicht früher als Paddelblätter wie

als Spaten angewendet worden.

Herrscht Mangel an Fischen, so sperren die Indianer den Fluß. Eine

solche Sperre ist hier abgebildet (Abb. 11). Auf dem Gestell, auf

welchem ein alter Choroti mit seinem Netz sitzt, pflegen die Indianer

Feuer zu haben, um sich zu wärmen und um Fische zu braten. Damit das

Holzgestell nicht brennt, wird es durch Schlamm vom Feuer isoliert.

Eine andere unter diesen Indianern unbekannte, sonst aber von vielen

Indianerstämmen bekannte Fischereimethode ist die Vergiftung des

Wassers durch gewisse Pflanzen. Dagegen pflegt man große Quaste einer

feinblätterigen Schlingpflanze, von den Chorotis „Nécac“ genannt, ins

Wasser zu werfen, die von den Fischen gefressen werden und um die sie

sich sammeln. Gewöhnlich setzt man in der trockenen Zeit Laubbüschel

im Flusse auf, unter denen die Fische Schatten suchen und leicht mit

dem Netz gefangen werden können. Aller eben von mir erwähnter Fischfang

wird ausschließlich von den Männern betrieben.

Bei den Ashluslays fischen die Frauen mit Körben. Mit diesen in der

Hand schleichen sie den im Schlamme der Sümpfe lebenden langsamen

Panzersiluroiden nach und stülpen sie schnell über die Fische. Haben

sie einen Fisch gefangen, so holen sie ihn mit der Hand durch die

obere Öffnung des Korbes heraus.

[Illustration: Tafel 4. Fische essender Ashluslay.

In den Ohren hat er große Holzklötze. Das linke Armgelenk ist zum

Schutz gegen Bogensehnen umwickelt.]

[Illustration: Abb. 11 a. Sperrung des Rio Pilcomayo mit fischenden

Chorotis. Das angewendete Netz ist ein Tauchnetz.]

[Illustration: Abb. 11 b. Grundriß von 11 a.]

[Illustration: Abb. 11 c = A 11 b.]

Von der größten Bedeutung für die Chacoindianer ist das Einsammeln von

wilden Früchten. Der Chaco ist, wie schon erwähnt, außerordentlich

reich an solchen, und einige, wie der Tusca, Chañar und Algarrobo,

kommen in so großer Menge vor, daß sie tausende Menschen ernähren

können.

Jeden Morgen sieht man die Frauen in den Dörfern aufs Feld und in

den Wald gehen, um alles Eßbare zu sammeln. Sie haben gewaltige

Caraguatátaschen, in denen sie Früchte und Wurzeln sammeln, sowie

Stöcke zum Ausgraben von Wurzeln und lange Haken zum Herunterholen

von hoch in den Bäumen sitzenden Früchten mit. Den Mann sieht man

höchst selten Früchte sammeln. Er tut dies nur, um der Frau ein wenig

zu helfen. Außer Früchten werden verschiedene Blätter, Wurzeln,

Wurzelstöcke der Caraguatá usw. gegessen. Zum Herausgraben dieser

letzteren bedient man sich eigentümlicher Stöcke und Holzsägen.

[Illustration: Abb. 12. Chorotikinder spielen, daß sie den Fluß

sperren.]

Die wilden Früchte gehören keinem. Ein Indianer unternimmt jedoch keine

Streifzüge in das Gebiet eines fremden Stammes, um Früchte zu sammeln.

Staunenerregend ist es, wie genau diese Indianer alle Pflanzen der

Wälder und Felder kennen. Ein weißer Mann, der längere Zeit bei den

Tobas als Gefangener lebte, hat mir erzählt, daß einmal schreckliche

Not herrschte. Man versuchte da, alle möglichen und unmöglichen Zweige,

Wurzeln und Blätter zu kochen, um darunter etwas zum Essen Taugliches

zu finden.

Sicherlich ist der Mensch in solchen Zeiten der Not auf den Gedanken

gekommen, sich durch Kochen und Auspressen des Saftes eine so giftige

Pflanze wie die Mandioca nutzbar zu machen. Herrmann[21] berichtet,

wie die Ashluslays es verstehen, eine von den Chiriguanos „Ihuahuasu“

genannte giftige Frucht durch Kochen eßbar zu machen.

Wir dürfen auch nicht vergessen, daß die Botaniker keine der

wichtigsten Kulturpflanzen dem Menschen gegeben haben. Alle waren schon

von den Naturvölkern gekannt.

Die Ashluslays wie die Chorotis haben viele, wenn auch nicht große

Pflanzungen und leben mehrere Monate jährlich von den Erzeugnissen

dieser. Man kann gleichwohl mehrere Choroti- und Ashluslaydörfer

besuchen, ohne eine einzige Pflanzung zu sehen, da diese weder in der

Nähe der Dörfer noch der Flüsse liegen.[22]

Die Pflanzungen sind mangelhaft oder gar nicht umzäunt. Sie sind oft,

aber nicht immer, schlecht gejätet. Bei den Ashluslays habe ich gut

gejätete Pflanzungen mit Mandioca gesehen.

Besonders charakteristisch für den Feldbau dieser Völker ist, daß sie

niemals zusammenhängende Strecken bebauen, sondern einen Fleck hier,

einen Fleck da, je nachdem sie ein passendes, leicht zu rodendes Stück

finden.

Folgende Pflanzen werden von den Ashluslays und Chorotis angebaut:

Mais (in zahlreichen Varietäten).

Mandioca.

Zapallo (Cucurbita Pepo, Linn.).

Wassermelonen.

Tabak.

Baumwolle (nur Ashluslays).

Bohnen (in verschiedenen Varietäten).

Kalebaßfrucht.

Süße Kartoffeln (nur Chorotis).

Die Chorotis und Ashluslays wenden zum Jäten ihrer Pflanzungen Spaten

(Abb. 10) aus hartem Holze an. Diese Spaten haben, wie erwähnt,

eine eigentümlich paddelähnliche Form. Sie bestehen in der Regel

aus einem Stück. Bisweilen ist das Blatt an den Stiel gebunden. Die

Männer reinigen die Pflanzungen, beide Geschlechter säen und ernten

gemeinsam. Die Feldfrüchte werden aber stets von den Frauen und Kindern

nach Hause gebracht, falls sie nicht auf dem Pferde oder Eselsrücken

dorthin getragen werden. Die Saatzeit nimmt nach dem Erscheinen der

Plejaden ihren Anfang. Die Jahreszeit wird auch nach der Reife der

Algarrobofrucht und anderer wilder Früchte berechnet. Kleinere Perioden

werden nach dem Mond bestimmt.

Die wichtigste der hier angebauten Pflanzen ist der Mais. Von den

bemerkenswertesten hier anbaubaren Kulturpflanzen sind die Bananen

unbekannt.

Das umsichtigere schwächere Geschlecht bewahrt die Samen bis zur

Neusaat auf. In Zeiten der Not kann es mit ganz großen Schwierigkeiten

verbunden sein, die Aussaat vor den hungrigen Mägen zu verbergen.

Die Jagd spielt bei den am Flusse wohnenden Indianern eine unbedeutende

Rolle. Die vom Rio Pilcomayo entfernt wohnenden Ashluslays sind dagegen

eifrige Jäger, was man aus dem Reichtum an Fellen und Knochen wilder

Tiere in den Hütten erkennen kann.

[Illustration: Tafel 5. Mit Mais vom Acker kommende Ashluslaykinder.]

Die zur Jagd angewendeten Waffen sind vor allem Pfeil und Bogen.

Was würde wohl ein Indianer aus dem nordöstlichen Bolivia, z. B.

ein Yuracáre oder Gúarayú sagen, wenn er die Pfeile und Bogen der

Chacoindianer sähe, wenn er sehen würde, wie schlecht sie gearbeitet

sind, und daß in der Regel die Steuerfedern fehlen. Er würde sie

sicher auslachen. Falls er sie zu einem Preisschießen aufforderte,

würde er natürlich sofort über die Chorotis siegen. Er würde sich

aber wundern, mit welcher Fertigkeit und Sicherheit die Ashluslays

mit diesen häßlichen Pfeilen schießen. Auch im Chaco gibt es Pfeile

mit stumpfer Spitze zum Vogelschießen. Diese Spitzen sind nicht, wie

einige Verfasser behaupten, rund, damit die Vögel getötet werden,

ohne die Federn blutig zu machen, da sie hier niemals für Vögel,

deren Federn man anwenden will, benutzt werden. Die Pfeile haben nur

deshalb klumpige, stumpfe Spitzen, damit sie nicht in den Zweigen der

Bäume sitzen bleiben und somit verloren gehen. Schießt man einen Vogel

mit einem spitzen Pfeil, so geht er leicht in einen Zweig und bleibt

hängen, und es kann schwer und mühselig sein, ihn herunterzubekommen.

Der Indianer sucht nämlich immer, wenn er kann, die Pfeile

wiederzufinden, die ihr Ziel verfehlt haben.

Bei der Wildschweinjagd werden die Schweine durch die Hunde gestellt

und dann durch Keulen getötet. Die Ashluslays wenden zur Vogeljagd

gewöhnlich Tonkugelbogen an. Bei den Chorotis habe ich sie nur als

Kinderspielzeug gesehen. Auch Schleudern haben diese Indianer. Ich habe

jedoch niemals ihre Anwendung auf der Jagd gesehen.

Die Chacoindianer sind nicht so eifrige Jäger, wie die meisten mir von

Nordost-Bolivia bekannten Indianer. Moberg hat sich wenigstens oftmals

über das mangelnde Interesse der Chorotis für die Jagd geärgert, da es

ihm sehr schwer fiel, Gesellschaft zu finden, wenn er jagen wollte.

Ein richtiger Jäger schmückt sich niemals mit fremden Federn. Trägt ein

Indianer, der ein wirklicher Jäger ist, Zähne oder leuchtende Federn,

so stolziert er mit seinen eigenen Jagdtrophäen. Ein Choroti schmückt

sich ebensogern mit einer gefundenen Feder oder mit den Federn eines

Vogels, den ein anderer erlegt hat. Hatten wir beispielsweise einen

Storch geschossen, so teilten die Indianer die Federn unter sich, so

daß jeder ein paar bekam.

Verschiedene Amulette werden von den Ashluslays auf der Jagd

angewendet. Hat man in der stets unentbehrlichen Caraguatátasche den

Kopf einer Schildkröte, so kann man die Rehböcke anschleichen, ohne

daß sie davonspringen. Bei der Straußenjagd ist es gut, Hautstücke

von der Brust von Straußen, die man getötet hat, mitzunehmen. Sehr

gewöhnlich ist es, an geeigneten Stellen, wie Tränken, Plätze wo

die Strauße weiden usw., Jagdhütten zu bauen. Man versteht auch die

Anwendung von Schlingen.

Die Männer sammeln Honig und Wachs. Den letzteren wenden die Indianer

für ihre Pfeile, zu Pfropfen, in Tongefäßen, zu allerlei Reparaturen

usw. an.

Um beim Finden der Bienennester besseres Glück zu haben, stechen sich

die Ashluslays mit einem hölzernen Pfriemen über die Augen, bis das

Blut fließt. Das Aderlassen ist übrigens sehr gewöhnlich. In der Tasche

eines jeden Choroti- und Ashluslayindianers befinden sich eine ganze

Menge knöcherner Pfrieme, mit denen er sich sticht, wenn er müde ist.

Viele Indianer und auch Indianerinnen sind an Armen und Beinen ganz

mit Krusten bedeckt, so viel haben sie sich gestochen. Nach einer

anstrengenden Fisch- oder Jagdtour u. dgl. sieht man nicht selten

Indianer, die sich wütend in Arme und Beine stechen, so daß das Blut

strömt.

Die Leiden eines angeschossenen Tieres versteht ein Indianer nicht zu

würdigen. Niemand gibt ihm den Gnadenstoß, soweit dies nicht nötig ist,

damit es nicht entspringt.

Wir Weißen brauchen uns darum nicht über die grausamen Indianer zu

überheben, wir lassen mißgebildete Kinder leben und sich quälen, wir

essen ruhig im Überfluß, während die Mitmenschen in unserem eigenen

Staat hungern. Das tun dagegen diese Indianer niemals.

Von Insekten wenden die Chorotis und Ashluslays nur eine große

Käferlarve, die sie rösten, als Nahrung an. Erst wenn Not am Mann ist,

ißt man wohl alle möglichen Würmer. Sie kennen alle die kleinen Tiere

ausgezeichnet und haben für alle Namen. Als ich 1902 den Chaco als

Zoologe besuchte, pflegten die Chorotis für mich zu sammeln. Zeigte

ich ihnen an dem einen Tage ein Insekt, von dem ich mehrere Exemplare

wünschte, so kamen sie sicher am folgenden Tage mit einer großen Menge

von diesen wieder. Sie kannten jedes kleine Tierchen sowie jede Pflanze

und wußten, wo sie dieselben zu suchen hatten.

[Illustration: Abb. 13. Eine Chorotifrau trägt Wasser nach Hause. Rio

Pilcomayo.]

Die Viehzucht ist ebenfalls ein für diese Indianer wichtiger

Nahrungszweig. Die Chorotis haben recht viele Schafe und Ziegen sowie

eine geringe Anzahl Pferde. Viel reicher an Vieh als jene sind die

Ashluslays. In einem ihrer Dörfer, dem Dorfe des Häuptlings Toné,

das damals ca. 400 Einwohner hatte, zählte ich etwa 200 Kühe, etwa

200 Pferde, Maulesel und Esel, davon viele Stuten und Füllen, sowie

über 500 Schafe und Ziegen. Außer diesen Haustieren gibt es Hühner

und Katzen und eine unzählige Menge Hunde. Im Dorfe Tonés befanden

sich sicher ein paar hundert Hunde. Diese Indianer töten die jungen

Hunde nicht, sondern lassen sie sich frei vermehren. Alle diese oft

ausgehungerten Hunde sind deshalb eine wirkliche Plage im Dorfe. Sie

werden jedoch gut behandelt und nicht geschlagen, obschon die Nahrung

nicht für so viele Münder reicht. Ich sah einmal eine Chorotifrau,

die an der einen Brust ihr Kind, an der anderen einen Hund säugte.

Stirbt ein Hund, so wird er gleich den Pferden der Indianer ordentlich

begraben, und ein Pferd mit dem Holzspaten vergraben, ist sicher ein

tüchtiges Stück Arbeit. Die Weißen in Bolivia werfen dagegen ihre

toten Hunde und Pferde auf den Müllhaufen und lassen, als Dank für die

erwiesene Pflichttreue, die Geier ihnen den letzten Dienst erweisen.

Zum Tierbestand in einem Choroti- oder Ashluslaydorf gehört beinahe

mit Sicherheit eine Anzahl wilder Tiere. Diese sind aller Lieblinge.

Man sieht Störche, Nutrias, Wildschweine, Strauße, Füchse usw. In der

Regel sind sie Spielkameraden der Kinder. Diesen bereitet, wie unseren

Kindern, das Binden der Strauße, Tränken der Pferde, Füttern der Kühe

usw. eine große Freude.

Einmal bot ich in einem Ashluslaydorf ein prächtiges Tuch für eine

Henne. Ein kleines, süßes, etwa 10jähriges Mädchen tauschte sich mit

Freuden das Tuch ein. Als sie sah, daß die Henne geschlachtet wurde,

was sie sicher nicht erwartet hatte, begannen die Tränen über ihre

Wangen zu rollen, und plötzlich sprang sie davon, um ihren Freund zu

beweinen. Das Tier war ihre Gesellschaft und sicher nicht zum Essen

bestimmt.

Die Indianer im Chaco haben seit langer Zeit dieselben Haustiere wie

der weiße Mann. Verschiedene Stämme stehen von alters her mit den

Weißen in Berührung. Andere, tiefer im Chaco wohnende haben dann durch

den Handel zwischen den Stämmen diese Tiere erhalten. Von besonderer

Bedeutung sind hier natürlich die Schafe, aus deren Wolle die

Indianerinnen Mäntel weben.

Indianerleben · 第 3 / 21 段