ist der vom Kaiser ~Franz Joseph I.~ durch "Allerhöchste
Entschliessung" vom 12. Februar 1848 angenommene Wahlspruch. Dessen
Schöpfer ist Ritter Joseph *v. Bergmann*, Lehrer der Söhne Erzherzogs
Karl. Das vom Kaiser am 4. März 1849 von Olmütz aus erlassene
Manifest, wodurch er die Auflösung des Reichstages von Kremsier
verkündete, schliesst: "Gross ist das Werk, aber gelingen wird es den
vereinten Kräften".--
* * * * *
In der 1. Sitzung des Vereinigten Landtages von 1848 am 2. April sprach
Graf Adolf Heinrich *Arnim-Boytzenburg* (1803-68) in der Debatte über
die Adresse an den Thron ein in verschiedenen Fassungen, z.B. in dieser:
*Die Regierung muss der Bewegung stets einen Schritt voraus sein,*
oft citiertes Wort in folgendem Zusammenhange aus:
"Das Ministerium hat sich ferner gesagt, dass in einer Zeit, wie
die seines Eintritts, es nicht ratsam sei, hinter den Erfahrungen
der drei letzten Wochen und deren Ergebnissen in den übrigen
deutschen Staaten zurückzubleiben, sondern, dass es ~besser sei,
den Ereignissen um einen Schritt voranzugehen~, damit nicht erst
durch einzelne Konzessionen Einzelnes gegeben und immer wieder von
dem Strom der Zeit überflutet werde, sondern damit das, was gewährt
werden könne, auf Einmal gegeben, Geltung und Dauer gewinne".--
* * * * *
In der Sitzung vom 14. Juni 1848 der preussischen Nationalversammlung
nannte ~Georg~ *Jung* bei Gelegenheit des ~Reichensperger~schen
Antrags, welcher aus Anlass einer angeblichen Misshandlung des Herrn
~von Arnim~ eine Kommission zur Untersuchung dieser Angelegenheiten zu
ernennen vorschlug, solche Ausschreitungen: das
*Schaumspritzen jugendlicher Freiheit.--*
* * * * *
~Von Treitschke~ ("Histor. u. polit. Aufsätze" 4. Aufl., Lpz. 1871.
I, 429, im Aufsatze "F. C. Dahlmann", Freiburg 1864) spricht über das
Vertrauen zu den rettenden Thaten der "Kabinette der bewaffneten
Furcht in Wien und Berlin" und über die auch in die Hallen von St.
Paul hereinbrechende Reaktion und sagt dann: "Kein geringerer Mann als
*Dahlmann* hat das unselige Wort:
*Rettende That*
erfunden". (Friedrich Christoph ~Dahlmann~, geb. 1785, gest. 1860.)--
* * * * *
Aus der deutschen konstituierenden Nationalversammlung ist das Wort des
Präsidenten ~von Gagern~ in der 22. Sitzung am 24. Juni 1848:
*der kühne Griff,*
tief ins Volk gedrungen. Er sprach:
"Wer soll die Centralgewalt schaffen? Meine Herren! ich habe diese
Frage von dem Standpunkte des Rechtes und von dem Standpunkt der
Zweckmässigkeit vielfach beurteilen hören; ich würde bedauern,
wenn es als ein Prinzip gälte, dass die Regierungen in dieser
Sache gar nichts sollten zu sagen haben; aber vom Standpunkte der
Zweckmässigkeit ist meine Ansicht bei weiterer Überlegung wesentlich
eine andere, als die der Majorität im Ausschuss...... Meine Herren!
Ich thue ~einen kühnen Griff~ und ich sage Ihnen: wir müssen die
provisorische Centralgewalt selbst schaffen".
Der stürmische Jubelruf, mit dem ~Gagerns~ Wort aufgenommen wurde,
verschaffte diesem seinen Widerhall, und doch hatte Gagern nur ein Wort
seines Vorredners Karl *Mathy* (1807-1868) wiederholt, der, von der
Ansicht ausgehend, dass auch die Einzelstaaten bei Begründung einer
deutschen Centralgewalt gehört werden müssten, gesagt hatte:
"... sollten die Regierungen einzelner Staaten unterlassen, dem
Beispiele zu folgen, dem Beispiele treuer Pflichterfüllung gegen das
gesammte Vaterland, welches die Versammlung, wie ich nicht zweifle,
geben wird, dann meine Herren, ja dann wäre uns ein ~kühner Griff~ nach
der Allgewalt nicht nur erlaubt, sondern durch die Not geboten".
Vielleicht schwebten ~Schillers~ Worte vor ("Gesch. d. 30jähr. Krieges"
B. 3, vorletzter Absatz):
"Die Geschichte ... sieht sich zuweilen durch Erscheinungen belohnt,
die gleich einem ~kühnen Griff~ aus den Wolken in das berechnete
Uhrwerk der menschlichen Unternehmungen fallen".--
* * * * *
*Das ist das Unglück der Könige, dass sie die Wahrheit nicht
hören wollen*
sagte ~Johann~ *Jacoby* (1805-77) am 2. November 1848 als Mitglied
der von Friedrich Wilhelm IV. empfangenen Deputation der Berliner
Nationalversammlung.
Möglicherweise kam dieses Wort, dem Erregten in jenem Augenblick
natürlich unbewusst, aus ~Herders~ "Cid" (2, 32), wo Graf von Cabra
zum sterbenden König Don Sancho spricht:
"Ach, der Kön'ge hartes Schicksal,
Dass, wenn man sie nicht mehr fürchtet,
Dann nur ihnen Wahrheit spricht".
Worauf der Cid leise, dass es den Verscheidenden nicht beleidige,
hinzufügt:
"Auch zu andern, andern Zeiten
Sagt man ihnen wohl die Wahrheit;
Aber ~sie~, sie hören nicht--".--
* * * * *
In der Nacht vom 9. u. 10. Novemb. 1848, als die Bürgerwehr und die
Gewerke Berlins der Nationalversammlung bewaffneten Schutz anboten,
sprach der damalige Präsident der Versammlung Hans Victor *von Unruh*
(1806-1886): "Ich wäre entschieden der Meinung, dass hier nur
*passiver Widerstand*
geleistet werden könne, und dass die wahre Entscheidung über
die schwere Krisis, welche durch die jetzigen Ratgeber der Krone
hereingebrochen ist, in der Hand des Landes liege. So lange die Presse,
so lange das Vereins- und Versammlungsrecht nicht von neuem geknebelt
ist, hat das Land die Mittel in den Händen, ohne Blutvergiessen den
Sieg über die Bestrebungen der Reaktion herbeizuführen", und im
weiteren Verlauf seiner Rede wiederholte er: "wir dürfen, wenn wir den
Boden im Lande nicht verlieren wollen, den Gewaltschritten der Krone
nur passiven Widerstand entgegensetzen".--
* * * * *
Der Ausdruck:
*Bassermannsche Gestalten*
zur Bezeichnung zerlumpter Galgenvögel entstand auf Grund des am 18.
Nov. 1848 im Frankfurter Parlamente vom Abgeordneten Friedrich Daniel
*Bassermann* (1811-1855) erstatteten Berichts über Berliner Zustände:
"Spät kam ich (in Berlin) an, durchwanderte aber noch die Strassen
und muss gestehen, dass mich die Bevölkerung, welche ich auf
denselben, namentlich in der Nähe des Sitzungslokals der Stände,
erblickte, erschreckte. Ich sah hier ~Gestalten~ die Strassen
bevölkern, die ich nicht schildern will".
Das Wort wurde schnell populär. Schon die Überschrift des zweiten
Heftes vom Band 1 der "Bibliothek moderner Räubergeschichten"
(Berlin, C. Schultze, 1851) lautet: "Bassermannsche Gestalten".--
* * * * *
Der Abgeordnete ~Julius~ *Kell* sagte in der Sitzung der sächsischen
zweiten Kammer am 15. Febr. 1849:
*Die Gründe der Regierung kenne ich nicht; aber ich muss sie
missbilligen.--*
* * * * *
Der Minister des Auswärtigen, Freiherr Otto Theodor *von Manteuffel*
(1805-1882), äusserte in der 8. Sitzung der Preussischen Zweiten Kammer
vom 3. Dez. 1850 das zum Citat gewordene Wort:
*Der Starke weicht einen Schritt zurück*
in diesem Zusammenhange:
"Das Misslingen eines Planes hat immer etwas Schmerzliches; es wirkt
aber verschieden auf den Schwachen. Der Schwache gelangt dadurch
in eine Gereiztheit; ~der Starke tritt wohl einen Schritt zurück~,
behält aber das Ziel fest im Auge und sieht, auf welchem andern Wege
er es erreichen kann". (S. Kap. XI. ~Martial~ "De Spectaculis" 31.)--
* * * * *
*Autorität, nicht Majorität*
ist die Zusammenfassung folgender Betrachtungen, die Friedrich
Julius *Stahl* (1802-1861) am 15. April 1850 in der 11. Sitzung des
Volkshauses des Erfurter Parlaments anstellte:
"Wie können vollends die Anhänger jenes Systems mit solcher
Zuversicht jetzt vor uns hintreten, nach den Erfahrungen von 1848?
Standen sie da der entfesselten Bewegung nicht ebenso gegenüber wie
jener Zauberlehrling den Gewässern, die er heraufbeschworen hatte
und nicht mehr zu bannen vermochte? Sie hatten den Spruch vergessen,
sie zu bannen, oder vielmehr dieser Spruch stand nicht in ihrem
Lexikon: denn dieser Spruch heisst 'Autorität'. Da wollen sie die
Gewässer besprechen mit einem Zauberspruche ihres Systems: Majorität,
Majorität!"
Die Fassung: "~Autorität, nicht Majorität~" findet sich zuerst in
einer, 1851 im Selbstverlage des Verfassers erschienenen Schrift von E.
~Knönagel~: "Autorität--nicht Majorität--beherrscht die Welt. Epistel
in 12 Capiteln wider den Aberglauben am Constitutionalismus. An Bürger
und Bauer, Städter und Landmann." ~Stahl~ hatte am 5. März 1852 in der
Ersten Kammer die Aristokratie verherrlicht. Als er am 12. Dez. 1852
bei einem ihm zu Ehren im Englischen Hause zu Berlin, Mohrenstrasse No.
49, gegebenen Festmahle von Gesinnungsgenossen eine silberne Säule
empfing, die auf der einen Seite die Inschrift: "Zur Erinnerung an den
5. März 1852 von gleichgesinnten Männern des Regierungsbezirks Köslin",
auf der anderen
"Autorität, nicht Majorität"
trug, wies er in der Erwiderungsrede darauf hin, dass er diesem
Grundsatze seines Lebens zum ersten Male in jenem Parlamente Ausdruck
gegeben habe. Im weiteren Verlaufe seiner Erwiderung wandte er das
berüchtigte Wort an: "Die Wissenschaft bedarf der Umkehr", was
gewöhnlich in der Form citiert wird:
*Die Wissenschaft muss umkehren,*
("Neue Preussische Zeitung", No. 291, 15. Dez. 1852.)--
* * * * *
Für die ~Klodt v. Jürgensburg~schen Rossebändiger vor dem königlichen
Schlosse in Berlin erfand in der Reaktionszeit nach 1850 der Oberlehrer
Dr. Julius *Bartsch* († 1867 zu Berlin) die Bezeichnung:
*der gehemmte Fortschritt und der beförderte Rückschritt.--*
* * * * *
*Die grossen Städte müssen vom Erdboden vertilgt werden*
hat *von Bismarck* nicht gesagt. Er äusserte in der 46. Plenarsitzung
der zweiten Kammer vom 20. März 1852 in Erwiderung gegen den
Abgeordneten ~Harkort~:
"Wenn der Herr Abgeordnete auch die Äusserung hier wiederholt hat,
dass die Regierung dem Volke misstraue, so kann ich ihm sagen, dass
auch ich allerdings der Bevölkerung der ~grossen Städte~ misstraue,
so lange sie sich von ehrgeizigen und lügenhaften Demagogen leiten
lässt, dass ich aber dort das wahre preussische Volk nicht finde.
Letzteres wird vielmehr, wenn ~die grossen Städte~ sich wieder einmal
erheben sollten, sie zum Gehorsam zu bringen wissen, ~und sollte es
sie vom Erdboden tilgen~".--
* * * * *
~von Bismarck~ schrieb 1853 (ohne Datum) seiner Schwester vom
Frankfurter Bundestage: "Ich gewöhne mich daran, im Gefühle gähnender
Unschuld alle Symptome von Kälte zu ertragen und die Stimmung
*gänzliche*(_r_) *Wurschtigkeit*
in mir vorherrschend werden zu lassen, nachdem ich den Bund allmählich
mit Erfolg zum Bewusstsein des durchbohrenden Gefühls seines Nichts zu
bringen nicht unerheblich beigetragen zu haben mir schmeicheln darf"
(L. Hahn: "Fürst Bismarck", Berl. 1878, I, S. 45).--
* * * * *
~Heinrich~ *Leo*s (1799-1878) Kraftausdruck:
*Skrophuloses Gesindel!*
steht im Geschichtlichen Monatsbericht vom Juni, "Volksblatt für Stadt
und Land", 1853, No. 61, wo es heisst:
"Gott erlöse uns von der europäischen Völkerfäulnis und schenke
uns einen ~frischen, fröhlichen Krieg~, der Europa durchtobt, die
Bevölkerung sichtet und das ~skrophulose Gesindel~ zertritt, was jetzt
den Raum zu eng macht, um noch ein ordentliches Menschenleben in der
Stickluft führen zu können".
*Der frische fröhliche Krieg*
steht noch einmal in ~Leos~ "Volksblatt für Stadt und Land", 1859, No.
35:
"Ein langer Friede häuft nach des Verfassers Argument eine Menge
fauler Gährungsstoffe auf. Drum thut uns ein frischer, fröhlicher,
die Nationen, namentlich die die europäische Bildung tragenden
Nationen tiefer berührender Krieg bitter Not" u.s.w.--
* * * * *
*Aufkläricht*
stammt ebenfalls von ~Leo~. (S. ~Wilhelm Harnisch~: "Briefe an seine
Tochter", Essen 1841, S. 11, 12, 19, 20, 27, 29, 50, 113, 202.)--
* * * * *
Glaubwürdiger Überlieferung nach hat ein von Colberg 1855 (s.
Rangliste) nach Graudenz versetzter und vom dortigen Militärgericht
vernommener, humoristischer Artillerielieutenant *Haase* ausgesagt:
"Mein Name ist Haase, ich weiss von gar Nichts und bin bereit, diese
meine Aussage zu beschwören." Daher das Wort:
*Ich weiss von Nichts. Mein Name ist Haase.--*
* * * * *
Der ~Prinz-Regent von Preussen~, der nachmalige deutsche Kaiser
*Wilhelm der Grosse* hielt am 8. Nov. 1858 eine Ansprache an das am 5.
von ihm gebildete Ministerium, in der vorkam ("Nationalz." v. 25. Nov.
1858, Abendausg.): "In Deutschland muss Preussen
*moralische Eroberungen*
machen durch eine weise Gesetzgebung bei sich" u.s.w. Nach der
"Hannoverschen Tagespost" wiederholte er als König das Wort am 30.
August 1866 beim Empfang einer Deputation aus Hannover.--
* * * * *
Nach der Entlassung des Ministeriums ~von der Pfordten~ hatten
die Gemeindebevollmächtigten der Stadt Würzburg die Absicht,
den königlichen Professor an der Universität Würzburg und
Appellationsgerichtsrat Dr. ~Weis~, mit dem die Regierung bisher im
Kampfe gelegen hatte, zum rechtskundigen Bürgermeister zu wählen.
Staatsminister ~von Neumayr~ berichtete darüber an König ~Max II.~ von
Baiern und erhielt darauf folgende (in No. 137 der "Neuen Münchener
Zeitung" von 1859 abgedruckte) Entscheidung des Monarchen zu Antwort:
"Den politischen Kampf gegen Dr. ~Weis~ in irgend welcher Form
fortzuführen, halte ich für durchaus nicht mehr geeignet;
*Ich will Frieden haben mit Meinem Volke*
~und den Kammern~; deshalb habe ich das Ministerium gewechselt, und
es ist infolge dessen auch die ~Weis~sche Frage in das Stadium des
Vergessens von Meiner Seite eingetreten. Von diesem Gesichtspunkte
aus widerstrebt es Meinem Gefühle, den Dr. ~Weis~ zu befördern; Ich
werde aber der Sache ihren jetzigen naturgemässen Lauf lassen und
habe nicht das Geringste dagegen, wenn derselbe zum Bürgermeister
von Würzburg gewählt wird, werde ihn vielmehr ohne Anstand nach den
bestehenden gesetzlichen Normen in dieser Eigenschaft bestätigen".
Heinrich von ~Sybel~ berichtet in seinem Buche "Die Begründung des
deutschen Reiches durch Wilhelm I." (1889. Bd. 2, S. 301), dass
Ludwig Karl Heinrich ~Freiherr~ *von der Pfordten* (1811-1880) dieses
Wort dem Könige soufflierte. Man hatte "einen kleinen Staatsstreich"
in Bayern geplant, "Auflösung der Kammer, Oktroyierung eines neuen
Wahlgesetzes, und was sonst solche Rettungen zu begleiten pflegt". Als
aber der Prinz von Preussen das Ministerium Manteuffel stürzte, musste
auch ~v. d. Pfordten~ in München weichen und er rieth seinem König,
den Forderungen der Kammer nachzugeben, die Schuld des Zwistes auf
die Minister zu schieben und jene beruhigende Wendung zu gebrauchen.
"Der von dem Staatsstreichminister erfundene Satz wurde zu einem
populären Schlagwort, auf welches während der späteren preussischen
Verfassungswirren jeder Bayer mit patriotischem Stolze hinwies, ohne
zu ahnen, dass Bayern die Erhaltung seines allerdings hohen Ruhmes,
niemals einen Bruch seiner Verfassung erlebt zu haben, in erster Linie
dem Prinzen von Preussen verdankte". (In ~Schillers~ "Maria Stuart", 1,
6 heisst es:
Nicht eine Welt in Waffen fürchtet sie,
So lang' sie Frieden hat mit ihrem Volke.)--
* * * * *
~Gyulai~ erkannte (1859, nach dem Gefechte bei Palestro), dass seine
einzige Rettung der schleunige Übergang über den Tessin sei, und so gab
er am 1. Juni den Befehl:
*sich rückwärts zu konzentrieren,*
ein Ausdruck, der dadurch geschichtlich wurde, der aber schon vordem in
Militärkreisen üblich war.
Nämlich in einem aus Bautzen, 21. Sept. 1813 datierten Briefe des
Obersten ~von Müffling~ an General ~von dem Knesebeck~ heisst es:
"Kömmt er (Napoléon) endlich aus seinem Loch--schnell rückwärts
konzentriert u.s.w." (G. H. ~Pertz~: "D. Leben d. Feldm. Gr. v.
Gneisenau", Berl. 1869, Bd. 3, S. 360).--
* * * * *
Der preussische Minister Alexander Gustav Adolf ~Graf~ *von
Schleinitz* (1807-1885) gebrauchte im Jahre 1859 hinsichtlich des
französisch-österreichischen Krieges den Ausdruck:
*die Politik der freien Hand.*
~Bismarck~ bediente sich desselben Ausdrucks am 22. Jan. 1864 im
Abgeordnetenhause.--
* * * * *
Der Österreichische Minister Johann Bernhard ~Graf~ *von Rechberg*
(geb. 1806) sagte in seiner Antwortdepesche nach Berlin hinsichtlich
der Anerkennung Italiens (1861):
*Garantien, die das Papier nicht wert sind, anf dem sie
geschrieben stehen.--*
* * * * *
*Angenehme Temperatur*
ist eine Redeblume des preussischen Kriegsministers Albrecht Theodor
Emil ~Graf~ *von Roon* (1803-1879). Er begleitete in der Sitzung des
Herrenhauses am 23. Januar 1862 die Einbringung des Gesetzentwurfs
wegen Abänderung des Gesetzes über die Verpflichtung zum Kriegsdienst
vom 3. Sept. 1814 mit den Worten:
"Ich habe über die Bedeutung dieses Gesetzentwurfes mich an diesem
Orte eigentlich näher auszusprechen: sein Zusammenhang mit der
Organisation des königlichen Heeres ist unverkennbar, und da ich
bereits zweimal Gelegenheit gehabt habe, ~die angenehme Temperatur~,
welche in diesem Hause in Betreff jener grossen Massregel herrscht,
zu fühlen, so wäre es eine Art von Undankbarkeit, wenn ich die Herren
mit einer weitläufigen Auseinandersetzung der Notwendigkeit und
Nützlichkeit des fraglichen Gesetzentwurfes ermüden wollte".--
* * * * *
In einer Abendsitzung der Budgetkommission des preussischen
Abgeordnetenhauses, 30. Sept. 1862, sagte *von Bismarck*, "im Lande
giebt es eine Menge
*catilinarischer Existenzen,*
die ein grosses Interesse an Umwälzungen haben". Danach gab Theodor
~König~ einem Roman den Titel: "Eine catilinarische Existenz" (Breslau
1865).--
* * * * *
*Zeitungsschreiber ein Mensch, der seinen Beruf verfehlt hat*
wurde in dieser Form nicht von ~Bismarck~ gesagt, beruht aber auf einer
Äusserung von ihm. Als eine Ergebenheits-Deputation aus Rügen an den
König, welche dieser am 10. November 1862 empfing, einige Tage zuvor
dem Minister-Präsidenten ihre Aufwartung machte, äusserte dieser, nach
dem Kreisblatte der Insel Rügen, "die Regierung werde Alles aufbieten,
ein Verständnis mit dem Abgeordnetenhause herbeizuführen, dass aber die
~oppositionelle Presse~ diesem Streben zu sehr entgegenwirke, indem
sie zum ~grossen Teil in Händen von Juden und unzufriedenen, ihren
Lebensberuf verfehlt habenden Leuten~ sich befinde".--
* * * * *
*Macht geht vor Recht*
hat ~Bismarck~ nie gesagt. Am 27. Januar 1863 sprach ~Bismarck~ im
Abgeordnetenhause: "Conflicte werden, da das Staatsleben nicht still
zu stehen vermag, zu Machtfragen; wer die Macht in Händen hat, geht
dann in seinem Sinne vor". Graf Maximilian *von Schwerin* (1804-1872)
erwiederte darauf: "Ich erkläre, dass ich den Satz in dem die Rede des
Herrn Minister-Präsidenten kulminierte: 'Macht geht vor Recht' ...
nicht für einen Satz halte, der die Dynastie in Preussen auf die Dauer
stützen kann ..., dass dieser vielmehr umgekehrt lautet:
*Recht geht vor Macht* _u.s.w._"
~Bismarck~, der während dieser Rede seines Gegners nicht anwesend war
und erst später, wieder in den Saal eingetreten, vernommen hatte,
dass man ihm den Ausspruch: "Macht geht vor Recht" untergelegt hatte,
verwahrte sich dagegen, worauf Graf ~von Schwerin~ erwiderte, er
erinnere sich nicht gesagt zu haben, der Minister-Präsident habe
diese Worte gebraucht, sondern nur, dass dessen Rede in diesem Satze
kulminiere. Noch am 1. Februar 1868 wehrte sich ~Bismarck~ dagegen im
preussischen Landtage, als ihm Twesten eine Redewendung missdeutete.
Bismarck sagte damals: "Ich möchte nicht, dass aus diesem meinem
Worte durch die Geburtshilfe des Herrn Vorredners ein ~fliegendes
Wort~ gemacht werde, wie aus einem früheren, welches ich niemals
ausgesprochen habe, dass Macht vor Recht gehe."
(S. Habakuk 1, 3, wo ~Luther~ "Es gehet Gewalt über Recht", das
er in der "Auslegung des Habakuk" als ein "gemein Sprichwort"
bezeichnet, hineintrug. Seit ~Agricola~ lautet dies in den
Sprichwörtersammlungen: "Gewalt geht für Recht" und ~Spinozas~
"Tract. polit." cap. II, § 8 bietet: "quia unusquisque tantum iuris
habet, quantum potentia valet", weil jeder so viel Recht hat, als er
Macht hat.)--
* * * * *
(_Das_) *innere Düppel*
stand zum ersten Male nach der Erstürmung der Düppeler Schanzen durch
die Preussen am 18. April 1864 in der Form "Düppel im Innern" im
Politischen Tagesberichte der "~Norddeutschen Allgemeinen Zeitung~" vom
30. Sept. 1864.--
* * * * *
Seitdem Georg *Büchmann* (1822-84) den vorliegenden "Citatenschatz des
deutschen Volkes" erscheinen liess, also seit 1864, wurde der Name
*Büchmann*
vielfach für citatenreiche Leute (z.B.: "Sie sind ja der reine
Büchmann!") oder zum Titel solcher Bücher (z.B.: "Der rothe Büchmann",
"Der ungeflügelte Büchmann") verwendet.--
* * * * *
Aus authentischer Quelle kann versichert werden, dass Feldmarschall
Frhr. v. ~Manteuffel~ als preussischer Gouverneur von Schleswig im Okt.
1865 das ihm von antipreussischen Zeitschriften aufgebürdete Wort:
*Wir haben heidenmässig viel Geld*
nie gesagt hat.--
* * * * *
An der Spitze des Morgenblattes der Wiener Zeitung "Die Presse" vom 18.
Juni 1866 steht:
"Wien, 17. Juni. Die bis heute Abend eingetroffenen Nachrichten
entsprechen nicht der Wichtigkeit des Moments. Die militairische
Situation betrachten wir in einem unten folgenden Artikel. Hier
konstatieren wir bloss, dass nach den eingetroffenen Nachrichten die
Preussen viele Theile Sachsens besetzt haben, und dass preussische
Truppen nicht bloss in Hannover und Kurhessen, sondern auch in
Darmstadt eingerückt wären. Die Preussen entwickeln überhaupt eine
*affenähnliche Beweglichkeit".*
Das Wort ist umgestaltet worden in:
*affenartige Beweglichkeit, affenmässige Geschwindigkeit* _u.s.w._
Der Verfasser des Artikels war der damalige Mitarbeiter der Presse
August *Krawani*.--
* * * * *
*Der preussische Schulmeister hat die Schlacht bei Sadowa
gewonnen*
ist die Umformung eines Ausspruchs des Geheimrats Dr. Oskar *Peschel*
(1826-75), Professors der Erdkunde in Leipzig, welcher in einem
Aufsatze des von ihm redigierten Blattes "Ausland" ("Die Lehren der
jüngsten Kriegsgeschichte", No. 29 17. Juli 1866, S. 695, Spalte 1)
schrieb:
"Wir sagten eben, dass selbst der Volksunterricht die Entscheidung
der Kriege herbeiführe: wir wollen jetzt zeigen, dass, wenn die
Preussen die Österreicher schlugen, ~es ein Sieg der preussischen
Schulmeister über die österreichischen Schulmeister~ gewesen
sei"; und (Spalte 2): "Die Mathematik ist der Wetzstein, und in
diesem Sinne darf man wohl sagen, die ~preussischen Schulmeister~
haben in dem ersten Abschnitt des böhmischen Feldzuges ~über die
österreichischen gesiegt~".--
* * * * *
*Berechtigte Eigentümlichkeiten*
steht in den vom 3. Okt. 1866, Schloss Babelsberg datierten Patenten
der Besitzergreifungen von Hannover, Kurhessen, Nassau und Frankfurt
durch König *Wilhelm I.*--
* * * * *
Graf *Bismarck* soll den Schluss seiner am 11. März 1867 im
Norddeutschen Reichstage gehaltenen Rede:
"Meine Herren, arbeiten wir rasch!
*Setzen wir Deutschland, so zu sagen, in den Sattel! Reiten wird
es schon können",*
nach der Spenerschen Zeitung vom 28. März 1874 in einem Gespräche mit
zwei Abgeordneten selbst als "geflügeltes Wort" bezeichnet haben. Im
Zoll-Parlament sagte er am 18. Mai 1868: "Dem Herrn Vorredner gebe ich
zu bedenken, dass
*ein Appell an die Furcht in deutschen Herzen niemals ein Echo
findet".--*
* * * * *
Als es sich im Anfange des Jahres 1869 darum handelte, das in Preussen
noch vorfindliche Vermögen des Kurfürsten von Hessen mit Beschlag zu
belegen, wurde Graf ~Bismarck~, dem damaligen Minister-Präsidenten,
der Vorhalt gemacht, er werde die ihm schon zur Verfügung stehenden
geheimen Fonds, um unbekannte Summen vermehrt, zur Korruption der
Presse und anderen sich der Aufsicht entziehenden Zwecken verwenden.
Es handelte sich nämlich nicht bloss um die verhältnismässig kleinen
Revenuen aus dem in Beschlag genommenen Vermögen des Kurfürsten,
sondern auch um die Zinsen der 16 Millionen Thaler, welche dem König
von Hannover erst bewilligt und dann einbehalten waren, und mit deren
Verwendung das Abgeordnetenhaus sich erst am Tage vorher beschäftigt
hatte. Darauf antwortete Graf ~Bismarck~ am 30. Jan. 1869:
"Ich bin nicht zum Spion geboren meiner ganzen Natur nach; aber
ich glaube, wir verdienen Ihren Dank, wenn wir uns dazu hergeben,
bösartige ~Reptilien~ zu verfolgen bis in ihre Höhlen hinein,
um zu beobachten, was sie treiben. Damit ist nicht gesagt, dass
wir eine halbe Million geheimer Fonds brauchen können; ich hätte
keine Verwendung dafür und möchte die Verwendung für solche Summen
nicht übernehmen. Es werden sich andere Verwendungen finden, die
Ihre nachträgliche Genehmigung und Zustimmung finden werden. Auf
dem hessischen Hofvermögen haften, wie man sagt, Verpflichtungen
dem Lande gegenüber, Baupflichten, die übernommen worden sind. Es
wird eine Ehrenpflicht der Regierung sein, wenn sie in dem Besitz
der Fonds ist, solche Schulden zu tilgen; aber machen Sie uns aus
dem bedauerlichen Zwange, dass wir Gelder auch zu anderen Zwecken
verwenden müssen, keinen Vorwurf; probieren Sie selbst erst, ob Sie
Pech anfassen können, ohne sich zu besudeln".