Dies ist unser gnädiger Wille

steht zuerst in der Form: "Tel est notre plaisir", in einer Ordonnanz

König *Karl*s *VIII.* (1470-98) von Frankreich vom 12. März 1497.

(Collection des Ordonnances des Rois.) Das "bon" findet sich in keiner

Verfügung der Könige Frankreichs, und der Satz bedeutet nichts Anderes,

als "Placet".--

* * * * *

*Chevalier sans peur et sans reproche*

*Ritter ohne Furcht und Tadel*

ist der Beiname des heldenmütigen ~Bayard~ († 1524). So wird er

genannt im Titel des sehr seltenen, auf der Bibliothèque nationale zu

Paris unter "I. n'27 1200 Réserve" in den Katalog eingetragenen Buches:

"La tresioyeuse plaisante et recreative hystoire composée par le loyal

serviteur des faiz gestes triumphes et prouesses du bon ~chevalier sans

paour et sans reprouche~, le gentil seigneur de Bayart" etc. 1527.

(Es giebt auch eine Ausgabe von 1525.) Das Beiwort kommt unverändert

unzählige Male in dem Buche vor. Nach La Croix du Maine schrieb

Bouchet: "Panégyrique du Chevalier sans reproche, messire Louys de la

Trimouille" (Poitiers, chez Jaques Bouchet, 1527). De la Trimouille

fiel in der Schlacht bei Pavia (1525).--

* * * * *

*Franz I.* (1494-1547) lassen die meisten historischen Darstellungen

nach seiner Besiegung und Gefangennahme in der Schlacht bei Pavia

(1525) mit einem Briefe an seine Mutter auftreten, dessen Kürze sie

gewöhnlich ausdrücklich hervorheben.

*Tout est perdu, fors* (_modern: hors_) *l'honneur!*

*Alles ist verloren, nur die Ehre nicht!*

soll Alles gewesen sein, was in diesem Muster von Lakonismus gestanden

habe. Jedoch ist dieser von ~Dulaure~ aufgefundene und in dessen

"Geschichte von Paris" (1837, B. 3, S. 209) abgedruckte Brief länger

und lautet:

"Madam! Sie zu benachrichtigen, welches der Ausgang meines Unglücks

ist, so ist mir vor allen Dingen nur die Ehre und das gerettete

Leben geblieben (de toutes choses ne m'est demouré que l'honneur et

la vie qui est sauve), und weil diese Nachricht Ihnen in unserem

Missgeschick einigen Trost bereiten wird, habe ich gebeten, dass man

mich diesen Brief schreiben lasse, was man mir gefällig bewilligt

hat" u.s.w.--

* * * * *

*Le quart d'heure de Rabelais,*

"die Viertelstunde des Rabelais" (das heisst: "die letzte

Viertelstunde im Wirtshause, in welcher man seine Zeche zu

bezahlen hat") ist auf eine Anekdote aus dem Leben des ~Rabelais~

zurückzuführen, die sich in einer 50 oder 60 Jahre nach dessen Tode

von dem Priester und Rechtslicentiaten ~Antoine le Roy~ in Meudon

zusammengestellten Foliohandschrift "Elogio Rabelaesina"[70] findet.

Aus Rom zurückberufen, war ~Rabelais~ im Gasthause zu Lyon in

Geldverlegenheit. Da lässt er die Ärzte der Stadt benachrichtigen, dass

ein ausgezeichneter Doktor von weiten Reisen heimgekehrt sei und ihnen

seine Beobachtungen mitzuteilen wünsche. Sie erscheinen. Er behandelt,

verkleidet und mit verstellter Stimme, die schwierigsten Fragen der

Heilkunst. Plötzlich nimmt er eine geheimnisvolle Miene an, schliesst

die Thüren und spricht: "Hier habe ich ein feines Gift aus Italien

mitgebracht, um Euch vom König und seinen Kindern zu befreien". (Dies

wäre denn die ~Viertelstunde~ gewesen, welche Rabelais benutzte, um

sich aus Geldverlegenheit zu retten.) Sofort verlassen ihn Alle; nach

wenigen Augenblicken wird er festgenommen, mit Bedeckung nach Paris

gebracht und vor den König geführt. ~Rabelais~ erscheint, ohne noch

länger Geberde und Stimme zu verstellen. ~Franz I.~ lächelt, entlässt

huldvoll die bestürzten Lyonnaiser und behält ~Rabelais~ zum Abendessen

bei sich.--

[Fußnote 70: No. 8704 der Pariser Nationalbibliothek.]

* * * * *

*Heinrich IV.* von Frankreich (reg. 1589-1610) hat (nach den der

"Geschichte Heinrichs des Grossen", 1681, von ~Hardouin de Péréfixe~

angehängten "Denkwürdigen Worten") einst zum Herzog von Savoyen gesagt:

"-- wenn Gott mir noch Leben schenkt, so will ich es so weit bringen,

dass es keinen Bauer in meinem Königreiche giebt, der nicht im Stande

sei, ein Huhn in seinem Topfe zu haben". Das wurde dann erweitert zu:

*Je veux que le dimanche chaque paysan ait sa poula au pot.*

*Ich wünsche, dass Sonntags jeder Bauer sein Huhn im Topfe hat.*

Als ~Heinrich IV.~, so wird erzählt,[71] von seinem Beichtvater wegen

seiner vielen Liebschaften getadelt ward, liess er ihm Tage lang

Rebhühner auftragen, bis er sich beschwerte, dass er

*toujours perdrix*

essen müsse. Der König erwiderte, dass er ihm die Notwendigkeit

der Abwechselung habe einleuchtend machen wollen. Doch erwähnt kein

französisches Wörterbuch diesen Ausspruch. Dass er, obgleich in keinem

spanischen Wörterbuche befindlich, auch in Spanien bekannt ist, ergiebt

sich aus dem Bänkelsängerliede "Curiosa Relacion Poetica, En Coplas

Castellanas del verdadero aspecto del mundo y estado de las mujeres"

(Barcelona 1837), worin es heisst:

como dice el adagio

Geflügelte Worte: Der Citatenschatz des deutschen Volkes · 第 380 / 438 题