Er ging, er machte sich fort, er entschlüpfte, er entrann.--

*Videant consules ne quid res publica detrimenti capiat,*

Die Konsuln mögen dafür sorgen, dass die Republik keinen

Schaden leidet

bildete, seit man vom 6. Jahrh. an die Diktatur nicht mehr in Rom

anwenden wollte, das sogenannte senatus-consultum ultimum, welches die

Konsulargewalt zu einer diktatorischen machte (s. ~Cicero~ "pr. Mil."

26, 70, "in Catil." I, 2, 4, "Phil." 5, 12, 34, "Fam." 16, 11, 3;

~Cäsar~ "de bell. civ." 1, 5, 3; 1, 7, 4; Liv. 3, 4, ~Sallust~ "Catil."

29, ~Plutarch~ "C. Gracch." 14 u. "Cic." 15.)--

Aus ~Ciceros~ "de fin." 5, 25, 74 stammt:

*Consuetudo* (_quasi_) *altera natura,*

*Die Gewohnheit ist* (_gleichsam_) *eine zweite Natur;*

~Galenus~ ("De tuenda valetudine", cap. 1) bietet die heute übliche

Form: "Consuetudo est altera natura". Schon in des ~Aristoteles~

"Rhetorik", 1370a 6 (Bekker) heisst es: "die Gewohnheit ist der Natur

gewissermassen ähnlich" (τὸ εἰθισμένον ὥσπερ πεφυκὸς ἤδη

γίγνεται).--

In ~Ciceros~ "Tuscul." 1, 17, 39 heisst es:

*Errare .. malo cum Platone, .. quam cum istis vera sentire,*

Lieber will ich mit Plato irren, als mit denen (den Pythagoreern)

das Wahre denken.--

*Di minorum gentium*

(wörtlich: "Götter aus den geringeren Geschlechtern") nennen wir die

untergeordnete Schicht einer Klasse Menschen mit Beziehung auf das

"maiorum gentium di" (d.h. "die oberen zwölf Götter" bei ~Cicero~

"Tusc." 1, 13, 29), Bezeichnungen, die daraus entsprangen, dass

Tarquinius ausser den von Romulus berufenen "patres maiorum gentium"

("Senatoren aus den hervorragenden Geschlechtern") auch "patres

minorum gentium" ("Senatoren geringerer Herkunft") berief (vrgl. Cicero

"d. rep." 2, 20; Liv. 1, 35, 6 und dazu das "Patrici minorum gentium"

bei Cic. "Fam." 9, 21 und Liv. 1, 47, 7).--

Aus ~Ciceros~ I. "Philippica", 5, 11 und zugleich aus "De finibus" 4,

9, 22, (vrgl. Livius 23, 16 im Anfang, wo es in nicht übertragener

Bedeutung steht) stammt die für eine den Staat bedrohende Gefahr

gebräuchlich gewordene Wendung:

*Hannibal ad* (~nicht: ante~) *portas.*

su Hannibal (ist) an den Thoren.

Diese Redensart, wie die Erinnerung an Catilina und an das aus ~Livius~

(XXI, 7: "dum ea Romani parant consultantque, iam Saguntum summa vi

oppugnabatur") geschöpfte Wort:

*Dum Roma deliberat, Saguntum perit,*

Während Rom beratschlagt, geht Sagunt zu Grunde,

(auch in der Form:

*Roma deliberante Saguntum perit*

citiert) wurden von ~Goupil de Préfeln~ in einer Sitzung der

konstituierenden Versammlung von 1789 zu dem unrichtigen Citate

vermischt:

*Catilina est aux portes, et l'on délibère.*

Er stichelte damit auf ~Mirabeau~, der diesem Worte dadurch erst recht

Bahn verschaffte, dass er es in seiner berühmten Rede zur Abwendung des

Bankerotts wiederholte und variirte.--

In ~Ciceros~ II. "Philippica" 14, 35, "pro Milone" 12, 32 und "pro

Roscio Amerino" 30, 84 und 31, 86 wird das uns geläufige

*cui bono?*

(Wozu?)

*(A quoi bon?)*

eigentlich: "Wem zum Nutzen?" ausdrücklich als ein Wort des L.

*Cassius* bezeichnet. Aus der zuletzt angeführten Stelle ersehen

wir, dass L. Cassius, ein Mann von äusserster Strenge, bei den

Untersuchungen über Mord den Richtern einschärfte, nachzuforschen, "cui

bono", wem zum Nutzen das Ableben des Ermordeten war.--

Cicero spricht in seiner Rede "pro Roscio Amer." 16, 47: "Homines

notos sumere odiosum est, cum et illud incertum sit, velintne hi sese

nominari" ("angesehene Leute nennen, ist eine heikle Sache, da es auch

zweifelhaft ist, ob sie selbst genannt werden wollen"). Daher sagen

wir, wenn es gescheidter ist, keine Namen zu nennen:

*Nomina sunt odiosa,*

Geflügelte Worte: Der Citatenschatz des deutschen Volkes · 第 256 / 438 题