Geflügelte Worte aus griechischen Schriftstellern.
*Homer* verdanken wir den Ausdruck:
ἔπεα πτερόεντα,
*geflügelte Worte,*
welcher 46mal in der "Iliade", 58mal in der "Odyssee" vorkommt. Er wird
seit dem Erscheinen des vorliegenden Buches, also seit 1864, allgemein
auf den in ihm behandelten Stoff angewendet, so dass ~Georg Büchmann~
als Urheber der ~wissenschaftlichen~ Bedeutung dieses Wortes zu nennen
ist (vrgl. die "Einleitung").--Auch drang die Bezeichnung in die
holländische, dänische, schwedische und französische Sprache ein (vrgl.
vorne das "Gedenkblatt"). Carlyle brauchte in seinem 1838 geschriebenen
Essay über Walter Scott den Ausdruck "winged words" schon in dem Sinne
der "citierbaren Sentenzen".--
*Nestor,*
der älteste und weiseste Grieche in der "Iliade" (1, 247 ff. und
anderwärts) hat hervorragenden Greisen seiner Art den Namen gegeben.--
Das kriegerische Volk, welches in Homers "Iliade" dem Achill
unterthänig ist, gab uns für jede, mit dem Schwerte, der Feder oder der
Zunge kampfbereite Gefolgschaft seinen Namen:
*Myrmidonen.--*
"Iliade" 1, 599 und "Odyssee" 8, 326 steht:
ἄσβεστος γέλως;
"Odyssee" 20, 346:
ἄσβεστον γέλω,
*unauslöschliches Gelächter,*
woraus wir
*homerisches Gelächter*
gemacht haben, was sich vielleicht zuerst als "rire homérique"
in Frankreich findet, wie z.B. in den aus den achtziger Jahren
des achtzehnten Jahrhunderts stammenden "Memoires de la Baronne
d'Oberkirch" (cap. 29): "on partit d'un éclat de rire homérique".--
* * * * *
"Iliade" 2, 204 und 205 steht:
*Οὐκ ἀγαθὸν πολυκοιρανίη, εἷς κοίρανος ἔστω,
Εἷς βασιλεύς ...*
Niemals frommt Vielherrschaft im Volk; nur Einer sei Herrscher,
Einer König allein ...
So schliesst ~Aristoteles~ (Metaph. 12. 10 gegen Ende) seine Theologie
im Gegensatz zu der Speusippischen Sonderung der Wesenklassen.--
"Iliade" 2, 212-277 schildert uns das Urbild eines boshaften
Schwätzers, den "hässlichsten Mann vor Ilion",
*Thersites,*
wie er zeternd den Agamemnon frech verleumdet und vom Odysseus mit
Worten und Schlägen unter dem heiteren Beifall der Achaier zum
Schweigen gebracht wird.--
Das "Iliade" 2, 408. 563 u. 567 und sonst noch 22mal vorkommende
βοὴν ἀγαθόςβοὴν ἀγαθός (im Schlachtruf tüchtig), ein Beiwort des
Menelaus und des Diomedes, hat ~Voss~[60] frei übersetzt mit
*Rufer im Streit.--*
[Fußnote 60: Job. Heinrich Voss gab seit 1777 einzelne Stücke der
Odyssee heraus, dann 1781 die ganze Odyssee und 1793 die Iliade.]
Aus "Iliade" 4, 164, 165 und 6, 448, 449 ist:
*Ἔσσεται ἦμαρ, (ὅτ' ἄν ποτ' ὀλώλῃ Ἴλιος ἱρή--)*
*Einst wird kommen der Tag, (da die heilige Ilios hinsinkt--).*
Auf Grund der Erwähnung "Stentors mit der ehernen Stimme, der so laut
schreien konnte wie fünfzig andere", ("Iliade", 5, 785) nennen wir eine
ungewöhnlich laute Stimme eine
*Stentorstimme.--*
In "Iliade" 6, 142 werden die Menschen harmlos als solche bezeichnet,
"die des Feldes Frucht essen", "οἳ ἀρούρης καρπὸν ἔδουσιν"
(vrgl. auch "Odyssee" 8, 222; 9, 89; 10, 101) was wir im verächtlichen
Sinne nach ~Horaz~ (Epist. I, 2, 27) lateinisch citieren:
(_Nos numerus sumus et_) *fruges consumere nati,*
(Wir sind Nullen) geboren allein zum Essen der Feldfrucht.--
"Iliade" 6, 484 steht:
*δακρυόεν γελάσασα,*
*Unter Thränen lächelnd*
nimmt Andromache ihr Söhnchen dem scheidenden Hektor ab.--
Aus "Iliade" 12, 243 ist:
*Εἷς οἰωνὸς ἄριστος ἀμύνεσθαι περὶ πάτρης.*