5, 4 sagt Prinz Heinrich, als er den sich tot stellenden Falstaff unter
den Gefallenen auf dem Schlachtfelde erblickt:
*Ich könnte besser einen Bessern missen,*
*I could have better spared a better man,*
und ebenda sagt Falstaff:
*Das bessere Teil der Tapferkeit ist Vorsicht.*
*The better part of valour is discretion.*
Im zweiten Teil von ~Shakespeares~, "König Heinrich IV.", 4, 4 haben
wir des Königs Worte:
*Dein Wunsch war des Gedankens Vater, Heinrich,*
*Thy wish was father, Harry, to that thought.*
Es liesse sich annehmen, dass irgendwie des ~Demosthenes~ Gedanke (3.
Olynthische Rede § 19): "ὃ γὰρ βούλεται, τοῦθ' ἕκαστος καὶ οἴεται"
(Jeder bildet sich die Dinge so ein, wie er sie sich wünscht)
bis zu Shakespeare gelangt wäre, der ihm dann seine dauernde
Form gab.--
* * * * *
In ~Shakespeares~ "Julius Cäsar", 1, 2 sagt Cäsar:
*Er denkt zu viel, die Leute sind gefährlich.*
*He thinks too much; such men are dangerous.*
Das in 3, 1 vorkommende Wort des Antonius:
Zuletzt, doch nicht der letzte meinem Herzen,
Tho' last, not least in love,
ist in der Form, in der es Lear, 1, 1 zu Cordelia spricht
*Du jüngste, nicht geringste,*
_Although_ *the last, not least,*
geläufiger (Shakespeare fand es bereits in ~Spensers~ [† 1599] "Colin
Clout", 444 vor).
In "Julius Cäsar" 3, 2 finden wir die Worte des Antonius:
*Denn Brutus ist ein ehrenwerter Mann;
Das sind sie Alle, Alle ehrenwert.*
*For Brutus is an honourable man,
So are they all, all honourable men.*
Die Umwandlung einer aus ~Plutarchs~ "Caesar" 69 entlehnten Stelle
(ὄψῃ δέ με περὶ Φιλίππους) lautet in ~Shakespeares~ "Julius
Caesar" 4, 3:
*Bei Philippi sehen wir uns wieder.--*
* * * * *
In Shakespeares "Heinrich V.", 2, 1 (und in den "Lustigen Weibern von
Windsor" 2, 1) sagt Nym:
*Das ist der Humor davon,*
*There's the humour of it,*
was sich in derselben Scene viermal in der Form
that is the humour of it
wiederholt. Aus 4, 3 führen wir ein uns nur in englischer Form:
*Household words*
(_Alltagsworte_)
geläufiges Wort an. Es ist dadurch so bekannt geworden, dass
Charles ~Dickens~ es zum Titel eines viel gelesenen litterarischen
Unterhaltungsblattes wählte.--
* * * * *
In ~Shakespeares~ "Richard III.", 1, 1 steht:
*the winter of our discontent.*
*Der Winter unseres Missvergnügens;*
5, 4:
*Ein Pferd! ein Pferd!* (_m_)*ein Königreich für'n Pferd*
*A horse! a horse! my kingdom for a horse!*
Beim Citieren wird dieses Wort häufig travestiert, so dass statt "ein
Pferd" der jedesmalige Gegenstand des Wunsches gesetzt wird.--
* * * * *
Aus ~Shakespeares~ "Heinrich VIII.", 4, 2 stammt:
*Men's evil manners live in brass; their virtues
We write in water.*
Der Menschen Sünden leben fort in Erz;
Ihr edles Wirken schreiben wir ins Wasser.
Shakespeare hat hier offenbar Thomas ~Mores~ "History of Richard
III.", 1557, S. 57 benutzt: "Men use, if they have an evil turne, to
write it in marble, and whoso doth us a good a tourne, we write it in
duste". (Hat man ein Ungemach erfahren, so pflegt man es in Marmor
zu schreiben, und jede uns erwiesene Wohlthat schreiben wir in den
Staub).--
* * * * *
Aus ~Shakespeares~ "Sommernachtstraum" 5, 1 entnehmen wir:
*Des Dichters Aug' in schönem Wahnsinn rollend,*
*The poets eye, in a fine frenzy[57] rolling;*
ferner des die Satzglieder verdrehenden Prologusspielers Worte "That
is the true beginning of our end" ("Das ist das wahre Beginnen unseres
Endes", anstatt "Das ist das wahre Endziel unseres Beginnens"), die wir
in der Form:
*Das ist der Anfang vom Ende,*
oder französisch citieren:
*C'est le commencement de la fin,*
was in den "Hunderttagen" zu seinem Erstaunen Talleyrand zugeschrieben
wurde (s. Fournier: "l'Esprit dans l'histoire", Par. 1882, 4. Aufl.
S. 438); endlich rufen wir aus derselben Scene ironisch einem
grossprahlenden Redner zu:
*Gut gebrüllt, Löwe!
*Well roared, lion!--*
[Fußnote 57: Horaz, Od. III, 4: amabilis insania.]
* * * * *
~Shakespeares~ "Kaufmann von Venedig" bietet 1, 2:
*Gott schuf ihn, also lasst ihn für einen Menschen gelten.*
*God made him, and therefore let him pass for a man;*
2, 2:
*Das ist ein weiser Vater, der sein eigen Kind kennt,*
*It is a wise father, that knows his own child,*
(Telemachs Worte: "Odyssee", I, 215-16). Aus 4, 1 wird citiert:
*Ich steh' hier auf meinen Schein.*
*I stay here on my bond.--*
* * * * *
Aus ~Shakespeares~ "Sturm" ist:
*Caliban*
für einen ungefügen, plumpen Gesellen sprichwörtlich; aus 2, 2 ist:
*Die Not bringt einen zu seltsamen Schlafgesellen,*
*Misery acquaints a man with strange bedfellows.--*
* * * * *
Aus ~Shakespeares~ "Romeo und Julia" citieren wir die Namen der
streitenden Familien Montague und Capulet, als Typen des Parteizwistes
zweier Häuser, in der Form:
*Montecchi und Capuletti;*
aus "Romeo und Julia", 2, 2:
*Der Narben lacht, wer Wunden nie gefühlt,*
*He jests at scars, that never felt a wound;*
*Was ist ein Name? Was uns Rose heisst,
Wie es auch hiesse, würde lieblich duften;*
*What 's in a name? that which we call a rose,
By any other name would smell as sweet;*
aus 3, 5:
*Es war die Nachtigall und nicht die Lerche;*
*It was the nightingale and not the lark;*
aus 5, 3:
*O, wackrer Apotheker!
Dein Trank wirkt schnell.*
*O, true apothecary!
Thy drugs are quick.--*
* * * * *
Aus ~Shakespeares~ "Macbeth", 1, 3, ist anzuführen (diesmal nach
~Schillers~ Übersetzung, nur dass er "rennt" statt "rinnt" nahm):
*Komme, was kommen mag,
Die Stunde rinnt auch durch den rauh'sten Tag;*
*Come what come may,
Time and the hour runs through the roughest day;*
aus 1, 5:
*Zu voll von Milch der Menschenliebe,*
*Too full of the milk of human kindness.*
(vrgl. Schillers "Tell" 4, 3). Hat Shakespeare dabei an 1. Petri 2, 2
gedacht: "Und seid begierig nach der vernünftigen lauteren Milch, als
die jetzt geborenen Kindlein, auf dass ihr durch dieselbige zunehmet?"
Aus "Macbeth" 5, 1 wird citiert:
*Alle Wohlgerüche Arabiens,*
*All the perfumes of Arabia.--*
* * * * *