*'s Geschäft bringt's mal so mit sich*
stammt aus ~Kalischs~ "Berlin bei Nacht";
*Darin bin ich komisch*
und:
*So'n bischen Französisch,
Das ist doch ganz wunderschön*
aus seiner Posse "Der gebildete Hausknecht".
*So lasst ihm doch das kindliche Vergnügen*
ist aus der Posse "Namenlos" von ~Pohl~ und ~Kalisch~. ~Kalisch~ ist
auch der Schöpfer der typisch gewordenen Gestalten des "Kladderadatsch"
(begründet 1848): des ewigen Quartaners
*Karlchen Miessnick,*
des schlagfertigen Berliner Spiessbürgerpaares
*Müller und Schultze*
und des breitspurig jüdelnden
*Zwückauör* (_Zwickauer_),
der auch in ~Kalischs~ gleichzeitiger Posse "100,000 Thaler" als
Börsenspekulant mit Herrn Zittauer auftritt und nach Max ~Rings~
"Erinnerungen", ein Breslauer Urbild gehabt haben soll.--
* * * * *
*Gegen Demokraten
Helfen nur Soldaten*
ist der Schluss des Gedichtes *v. Merckel*s "Die fünfte Zunft", das
als fliegendes Blatt im Aug. oder Sept. 1848 erschien, in den "Zwanzig
patriotischen Liedern" von ~v. Merckel~ (Berlin 1850) wieder abgedruckt
wurde und in ~Paul Lindaus~ "Gegenwart" vom 16. Nov. 1878 zu finden
ist. Sehr bekannt wurde das Wort als der Titel einer 1848 zu Berlin
erschienenen Broschüre, die ein Oberst ~v. Griesheim~ verfasst haben
soll (s. Graf Roons Denkwürdigkeiten 1, 270).
Wenn Karl ~Braun-Wiesbaden~ in "Nur ein Schneider" den Schneider
sagen lässt, der Prinz von Oranien-Nassau habe seit 1787 den
Grundsatz im Munde geführt: "Gegen Demokraten helfen nur Soldaten",
so ist das wohl nur eine Erfindung.--
* * * * *
*Wie denken Sie über Russland?*
ist der Titel eines in Berlin 1861 erschienenen Lustspiels von Gustav
*v. Moser* (geb. 1825).--
* * * * *
*Es wär' so schön gewesen,
Es hat nicht sollen sein*
ist die Umgestaltung von
Behüet dich Gott! es wär' zu schön gewesen,
Behüet dich Gott, es hat nicht sollen seyn!
im XIV. Stück des "Trompeter von Säkkingen" (1854) Viktor *v.
Scheffel*s (1826-1886).--
* * * * *
In "Immanuel Kant. Ein Denkmal seiner unsterblichen Philosophie, dem
deutschen Volke geweiht von Fr. M. *Freystadt*" (1. u. 2. Aufl.,
Königsb. 1864; S. 16) nennt der Verfasser
*Königsberg die Stadt der reinen Vernunft*
und fügt in einer Anmerkung hinzu: "Schreiber dieses war der Erste, der
Königsberg den gedachten Ehrentitel gab in einem Korrespondenzartikel
für die Leipziger Allgemeine Zeitung während der vierziger Jahre dieses
Säculums". (Jahrgang und Nummer giebt er nicht an.) Dies Wort scheint
frei nach Heinrich Heine gebildet zu sein, der 1828-29 im 2. T. der
"Reisebilder" (Ges. W. II, 12) von Berlin "der gesunden Vernunftstadt"
spricht.--
* * * * *
Julius *Stettenheim*s (geb. 1831) ergötzlicher Lügenberichterstatter
und Verdreher geflügelter Worte
*Wippchen*
ist zur typischen Figur geworden und viel citiert wird dessen oft
wiederkehrende und meistens überflüssige Wendung:
*Verzeihen Sie das harte Wort!*
(vrgl. "Wippchens sämtliche Berichte" von ~Julius Stettenheim~
1878ff.). "Verzeiht ein hartes Wort mir!" sagt schon in ~Herders~
"Cid." (I, 21) Doña Uraca zu ihrem sterbenden Vater.--
* * * * *
Aus Wilhelm *Busch*s (geb. 1832) "Max und Moritz, eine Bubengeschichte
in sieben Streichen" (Münch. 1865) ist der Vers verbreitet:
*Dieses war der erste Streich,
Doch der zweite folgt sogleich.--*
* * * * *
Aus Hermann *Salingré*s (1833-79) Posse "Graupenmüller" (1865) wird
citiert:
*Man muss die Feste feiern, wie sie fallen.--*
Der Titel eines 1876 als Manuscript gedruckten Lustspiels von Julius
*Rosen* (Nikolaus Duffek 1833-92) lautet:
*O diese Männer!*
Schon in dem ~Richardson~schen Romane "Sir Charles Grandison" (1753),
Bd. 3, Brief 16 heisst es:
"O these men!"--
* * * * *
Als am 9. Sept. 1865 zu Danzig ein auf Rechnung des Herrn Friedrich
Heyn erbautes Fregattschiff "Marineminister von Roon" von Stapel
gelassen wurde, ward dabei ein vom Regierungsrat *Wantrup* († 1891)
verfasstes Gedicht gesprochen, aus dessen Anfangszeilen:
_Vom Fels zum Meere weh'n des Königs Fahnen,
Und auch die blaue Salzflut grüssen ihre Farben
Schwarzweiss_--*so reinlich und so zweifelsohne*
die letzten fünf Worte unvergänglich geworden sind.--
* * * * *
Ein sonst unbekannter, nun verstorbener Schriftsteller *Hogarten* ist
der Verfasser des weitverbreiteten Verses:
*Geniess't im edlen Gerstensaft
Des Weines Geist, des Brotes Kraft.*
Er schrieb diese Worte im Auftrage der Berliner Tivolibrauerei, deren
Saalgebäude sie seit 1869 schmücken. Als Kuriosum sei erwähnt, dass
sich der Dichter, dem man einen Friedrichsd'or bot, zwanzig dafür
erstritt.--
* * * * *
In einem Feuilletonartikel "tote Seelen" in der "Neuen freien Presse"
(31. März 1875; wieder abgedruckt in "Halb-Asien", 2. Aufl. 1879. II,
81 ff.), der das Treiben jüdischer Wucherer in Galizien geisselte,
schuf Karl Emil *Franzos* (geb. 1848) das Schlagwort:
*Jedes Land hat die Juden, die es verdient,*
und nannte es den "Schlüssel zur neueren Geschichte der Juden".
Antisemiten und Philosemiten zogen gegen das Wort los, es hallte wieder
in der europäischen Presse und blieb geflügelt. ~Franzos~ hat es
offenbar dem Satze nachgebildet: "Chaque pays a le gouvernement qu'il
mérite", der auf ~Proudhon~ zurückgeführt zu werden pflegt. Ob mit
Recht, bleibt noch zu erforschen. Andere meinen, Friedrich ~Gentz~ sei
des Gedankens Vater.
*Halb-Asien*
wird ein Teil des von der Kultur nur überfirnissten Osteuropas genannt,
nachdem ihn Karl Emil ~Franzos~ zuerst im Feuilleton der "Neuen freien
Presse" (Herbst 1875, "Von Wien nach Czernowitz") so bezeichnete.
Franzos citierte sich dann selbst, als er (Jan. 1876) das Buch
herausgab: "Aus Halb-Asien. Kulturbilder aus Galizien, der Bukowina,
Südrussland und Rumänien".--
* * * * *
In der No. 28 der "Züricher Post" vom 2. Februar 1888 steht ein
satirisches Lied von Karl *Henckell* (geb. 1864), das den Titel:
"Lockspitzellied" führt. Davon stammt das Wort
*Lockspitzel*
als Verdeutschung von "agent provocateur". Die Bezeichnung "Spitzel"
für Spion entstammt der österreichischen Volkssprache.--