In den "Englischen Fragmenten" (1828, Kap. 12, Vorrede von 1830) nennt
sich ~Heine~ "so recht
*europamüde".*
Ernst ~Willkomm~ schrieb dann (1838) einen Roman "Die Europamüden",
und ~Immermann~ citierte das Wort im "Münchhausen" (Düsseld. 1839. I,
18). Im Vorwort zu A. ~Weills~ "Sittengemälden aus dem elsässischen
Volksleben", 1847 (Ges. W. XIV, 151), und im "Romancero", 1846-51
(Ges. W. XVIII, 79 u. 122), wendet Heine selbst das Wort wiederum an.--
Aus ~Heines~ "Neuem Frühling" (1831), No. 6, stammt:
*Wenn du eine Rose schaust,
Sag', ich lass' sie grüssen.--*
Aus Kap. 24 von ~Heines~ "Atta Troll" (Kap. 1-24 ersch. 1843 in der
"Zeitung für die elegante Welt") ist:
*Kein Talent, doch ein Charakter,*
und aus Kap. 27 des "Atta Troll" (ersch. Hamb. 1847), wo Heine von den
jungen Freiheitsdichtern im Gegensatz zu den alten Romantikern singt:
"Das sind ja des Völkerfrühlings
Kolossale Maienkäfer,
Von Berserkerwut ergriffen!"
citieren wir den
*Völkerfrühling.*
Fürst ~Bismarck~ schloss seine Reichstagsrede am 2. März 1885 mit
dem Satz: "Es liegt eine eigentümliche prophetische Voraussicht
in unserem alten nationalen Mythus, dass sich, so oft es den
Deutschen gut geht, wenn ein deutscher Völkerfrühling wieder, wie
der verstorbene Kollege Völk sich ausdrückte, anbricht, dass dann
auch stets der Loki nicht fehlt, der seinen Hödur findet, einen
blöden, dämlichen Menschen, den er mit Geschick veranlasst, den
deutschen Völkerfrühling zu erschlagen, respektive niederzustimmen".
Joseph ~Völks~ Rolle im öffentlichen Leben begann aber erst nach
dem Erscheinen des "Atta Troll", so dass er wohl schwerlich vor
~Heine~ vom "Völkerfrühling" gesprochen haben wird. ~Heine~ singt
schon in seinem "Poseidon" (1825-26 "Die Nordsee" I, 5) von Hellas'
leuchtendem "Menschenfrühling" und Friedrich ~Delbrück~ schrieb ein
Buch "Über die Verehrung gegen Eltern und der Frühling der Natur
verglichen mit dem Frühling des Menschengeschlechts". Magdeburg
1799.--
Schliesslich citiert man aus ~Heines~ "Neuen Gedichten", 1844 (Jolanthe
und Marie):
*Blöde Jugendeselei,*
und aus dem "Romancero" (1846-51 "Zwei Ritter") als Muster verkommenen
Polentums:
*Krapülinski und Waschlapski.--*
* * * * *
Aus Wilhelm *Hauff*s (1802-27) Liede "Reiters Morgengesang" (gedichtet
1824 nach dem schwäbischen Volksliede) citieren wir, das Vergängliche
menschlicher Pracht betonend:
*Gestern noch auf stolzen Rossen,*
(_Heute durch die Brust geschossen,
Morgen in das kühle Grab!_).
und:
*... ach, wie bald
Schwindet Schönheit und Gestalt!--*
* * * * *
Aus Nikolaus *Lenau*s (1802-50) Liede "Der Postillon" hört man oft den
Anfangsvers citieren:
*Lieblich war die Maiennacht.--*
* * * * *
Aus des Wieners ~Friedrich Kaiser~ Posse "Verrechnet", deren Kouplets
von Johann Nepomuk *Nestroy* (1802-62) sind, blieb
Es muss ja nicht gleich sein,
-- es hat ja noch Zeit,
in der Form bekannt:
*Muss es denn gleich sein?--*
* * * * *
Ludolf *Wienbarg* (1802-72) versah sein Buch "Aesthetische Feldzüge",
1834, (nach ~Strodtmann~ "Heines Leben" I, S. 432, auf den Vorschlag
seines Verlegers ~Julius Wilh. Campe~) mit einer Widmung an
*das junge Deutschland,*
und im folgenden Jahre richtete W. ~Menzel~ ("Litteraturblatt", 11. und
13. Sept.) seinen ersten Angriff auf die junge Litteratur, der er zum
Zeichen der Verachtung ihres kosmopolitischen Strebens den Namen "la
jeune Allemagne" gab.--
*Des Lebens Unverstand mit Wehmut zu geniessen,
Ist Tugend und Begriff;*
stammt aus dem Anfange dieses Jahrhunderts und hat nicht, wie die
"Braunschweiger Anzeigen" (Okt. 1876. St. 232. S. 2809) behaupten,
den weiland braunschweigischen Hof-Buchbinder Joh. Engelh. Voigts zum
Verfasser, sondern den General und Oberhofmarschall des Kurfürsten von
Hessen, Hans Adolf *von Thümmel* († 1851), der in dem Glauben, ein
Dichter zu sein, viele ähnliche Verse beging. Die obigen begeisterten
einen Kandidaten der Theologie, A. L., dazu, ins Fremdenbuch der
Rudelsburg folgende Worte (mit Zeichnung) einzutragen:
Und wer des Lebens Unverstand
Mit Wehmut will geniessen,
Der lehne sich an eine Wand
Und strample mit den Füssen.--
Derselbe v. Thümmel soll auch der Verfasser sein von:
*Im Schatten kühler Denkungsart.*
Möglicherweise aber sind ~diese~ Worte Eigentum des oben genannten
~Voigts~, wie in dem angeführten Artikel der "Braunschweiger Anzeigen",
allerdings ohne Beleg, versichert wird.--
* * * * *
Aus Gust. Albert *Lortzing*s (1803-51) zuerst 1837 in Berlin
aufgeführter Oper "Czar und Zimmermann" citieren wir:
*O, ich bin klug und weise,
Und mich betrügt man nicht.*
und:
*Es ist schon lange her--*
endlich:
*O selig, o selig, ein Kind noch zu sein!*
Der Text zu dieser komischen Oper ist nach ~Hoffmann von Fallersleben~
("Unsere volkstümlichen Lieder", No. 817, Nachtrag) von Salomon ~Reger~
(1804-57); nach dem Textbuche Hermann Mendels (Herausg. d. musikal.
Convers.-Lex.) hat aber ~Lortzing~ den Operntext selbst gedichtet, und
nur das Czarenlied stammt von Salomon *Reger* her.--
* * * * *
Aus Eduard *Mörike*s (1804-75) Gedichten ist in Süddeutschland als
Citat anzusehen:
*Sommerweste.*
Nämlich in dem Gedichte "An meinen Vetter" (1. Ausg. der Gedichte,
Stuttg. u. Tüb. 1838, S. 208-9) heisst es:
Lieber Vetter! Er ist eine
Von den freundlichen Naturen,
Die ich Sommerwesten nenne.--
* * * * *
*Setze dir neben mir,
Dir steh'n zu seh'n, das jammert mir,*
und:
*Was ist mich das, mein Kind, mit dich!
Du isst mich nich, du trinkst mich nich,*
und:
*Du bist mich doch nich krank?*
sind einem, die in Berlin gewöhnliche Verwechselung von ~mir~ und
~mich~ verspottenden Gedichte des Hofschauspielers *Rüthling* (†
1849) entnommen, lauten jedoch im Originale ("Museum komischer
Vorträge", No. 1, 11. Aufl., Berlin) etwas anders.--
* * * * *
Aus den Gedichten von Karl Friedrich Heinrich *Strass* (1803-64)
citieren wir den Anfang eines von ihm 1842 gedichteten, von ~Chemnitz~
umgearbeiteten und von C. G. ~Bellmann~ komponierten Liedes:
*Schleswig-Holstein, meerumschlungen.--*
* * * * *
Ludwig *Feuerbach* (1804-72) schrieb in seiner Anzeige von
~Moleschotts~ "Lehre der Nahrungsmittel für das Volk" i. J. 1850 das
geflügelt gewordene Wort:
*Der Mensch ist, was er isst,*
wobei ihm ~Brillat-Savarin~ (s. unter Kap. V) vorgeschwebt haben mag.
Da nun ~Feuerbachs~ Satz von den Gegnern des Materialismus noch platter
aufgefasst wurde, als er gemeint war, so gab Feuerbach zur Erläuterung
die Schrift heraus "Das Geheimnis des Opfers oder der Mensch ist, was
er isst" (Ges. Werke. Lpz. 1864-66. X). Darin heisst es (S. 6):
"Gott ist, was er isst; er isst Ambrosia, d.h. also Unsterblichkeit
oder unsterbliche Speise, also ist er ein Unsterblicher, ein Gott;
der Mensch dagegen isst Brot, isst Früchte der Erde, also Irdisches,
Nicht-Ambrosisches, Sterbliches, also ist er ein Mensch, ein
Sterblicher".
Und weiterhin (S. 26) fragt er:
"Sind die Juden nicht auch deswegen von den Heiden so verspottet
und gehasst worden, weil sie die Speisen verschmähten, welche diese
liebten? ... Liegt aber diesem Hasse nicht der Gedanke zu Grunde: Wer
nicht ~isst~, was wir essen, der ~ist~ auch nicht, was wir sind?"--
* * * * *
Aus Louis *Schneider*s (1805-78) Schwank "Der reisende Student" stammt:
*Ungeheure Heiterkeit*
(_Ist meines Lebens Regel_),
welches er der Melodie des Beauplanschen Liedes "C'est le galop qui
fait le bonheur de ma vie" als Text unterlegte.--
L. ~Schneiders~ Lustspiel "Der Kurmärker und die Picarde" giebt uns,
als Einlage das Lied:
*O Tannebaum, o Tannebaum,
Wie grün sind deine Blätter!*
Dies entsprang (nach dem "Deutschen Liederhort" von Erk und Böhmer,
1893, No. 175 a, b, c, d u. 176) aus dem zwischen 1550 und 1580 auf
einem fliegenden Blatt gedruckten Liede (s. Strophe 9, die sich
wiederholt in No. 121 des 1582 erschienenen Ambraser Liederbuches)
"Es hing ein Stallknecht seinen Zaum u.s.w.":
"O Tanne, du bist ein edler Zweig,
Du grünest Winter und die liebe Sommerzeit,
Wenn alle Bäume dürre sein,
So grünest du, edles Tannenbäumelein".--
* * * * *
Der Anfang des von Ida Gräfin *Hahn-Hahn* (1805-80) 1835 verfassten
Liedes:
*Ach wenn du wärst mein eigen!*
wird allgemein citiert, jedoch soll nach ~Erk~ und ~Böhmer~ ein
Volkslied aus dem 16. Jahrh. den gleichen Anfang haben.--
* * * * *
Das vor 1826 entstandene, von ~Mendelssohn~ komponierte Gedicht Eduard
Freiherr *von Feuchtersleben*s (1806-49) "Nach altdeutscher Weise"
beginnt:
Es ist bestimmt in Gottes Rat,
Dass man, was man am liebsten hat,
Muss meiden,
und schliesst:
*Wenn Menschen auseinandergehn,
So sagen sie: auf Wiedersehn!*
_Ja Wiederseh'n!_
Die Anfangszeilen jedoch citieren wir in der Form, die der Komponist
ihnen gab:
*Es ist bestimmt in Gottes Rat,
Dass man vom Liebsten, was man hat,
Muss scheiden.--*
* * * * *
Friedrich *Halm* (Pseudonym für Eligius Franz Joseph Freiherr v.
~Münch-Bellinghausen~; 1806-71) bietet in dem Drama "Der Sohn der
Wildnis" (1842):
*Zwei Seelen und ein Gedanke,
Zwei Herzen und ein Schlag!--*
* * * * *