*Der Not gehorchend, nicht dem eignen Trieb,*
der vielleicht aus dem Wort des Apothekers in Shakespeares "Romeo und
Julie" (5, 1) entstand:
"My poverty, but not my will, consents",
oder aus Dantes ("Inferno" 12, 87):
"Necessità 'l c' induce e non diletto".
Nachdem Don Manuel zum ersten Male die Bühne verlassen hat, ertönt das
Wort des Chors:
*Etwas fürchten und hoffen und sorgen
Muss der Mensch für den kommenden Morgen.*
Ferner citieren wir:
1, 7:
*Ein jeder Wechsel schreckt den Glücklichen;*
2, 5:
*Die ist es oder keine sonst auf Erden!*
3, 4:
*Blendwerk der Hölle!*
3, 5:
*Was sind Hoffnungen, was sind Entwürfe!*
4, 4:
*Nicht an die Güter hänge dein Herz,
Die das Leben vergänglich zieren!
Wer besitzt, der lerne verlieren,
Wer im Glück ist, der lerne den Schmerz;*
4, 7:
*Auf den Bergen ist Freiheit!
Die Welt ist vollkommen überall,
Wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual.
Das Leben ist der Güter höchstes nicht,
Der Übel grösstes aber ist die Schuld.*
Der zweite Vers ist die Übersetzung von ~Ciceros~ [ad. fam. VI, 4,
2]: ("nec esse ullum malum praeter culpam".--A. W. v. ~Schlegel~
versah diese Verse mit Bezug auf ~Müllners~ Drama "Die Schuld", 1816,
im Wendtschen Musen-Almanach von 1832 mit der Überschrift: "Unter
Müllners Bildnis" und Carl ~Bagger~ ["Digtninger, gamle og nye",
1836] schreibt:
[In ein Stammbuch.]
Das Leben ist der Güter höchstes nicht,
Der Übel grösstes aber sind die Schulden).--
* * * * *
Der erste Vers aus ~Schillers~ Romanze "Der Jüngling am Bache", welche
in dem am 12. Okt. 1803 in Weimar aufgeführten und 1806 erschienenen
"Parasiten" 4, 4 eingeflochten ist, lautet:
*An der Quelle sass der Knabe.*
Der "Parasit" ist von ~Schiller~ aus ~Picards~ "Médiocre et Rampant
ou le moyen de parvenir" (1797) weniger übersetzt als übertragen; die
Schillersche Romanze hat mit der Picards nur die Stimmung gemein,
so dass obiges Citat durchaus Schiller angehört, während jedoch der
Schluss der Romanze:
*Raum ist in der kleinsten Hütte
Für ein glücklich liebend Paar*
seine Entstehung wohl einer Reminiscenz verdankt. Nämlich in
~Wielands~ "Musarion" (1768), Bd. 1, stottert Fanias: "Gewiss sehr
viel Ehre! Allein mein Haus ist klein"; worauf die Schöne versetzt:
"Und wenn es kleiner wäre, für eine Freundin hat die kleinste
Hütte Raum" und in J. A. ~Leisewitzens~ "Julius von Tarent" (1776)
2, 3 ruft Bianca: "Diese Hütte ist klein; Raum genug zu einer
Umarmung.--Dies Feldchen ist enge--Raum genug für Küchenkräuter und
zwei Gräber; und dann, Julius, die Ewigkeit;--Raum genug für die
Liebe!"--
* * * * *
Aus ~Schillers~ Ballade "Der Graf von Habsburg" ("Taschenbuch für Damen
auf das Jahr 1804", Tübingen, Cotta) stammt:
*die kaiserlose, die schreckliche Zeit!*
aus dem "Siegesfest" (ebenda):
*Von des Lebens Gütern allen
Ist der Ruhm das höchste doch;
Wenn der Leib in Staub zerfallen,
Lebt der grosse Name noch,*
sowie:
*Trink ihn aus, den Trank der Labe,
Und vergiss den grossen Schmerz.--*
Der vorletzte Vers des von ~Schiller~ 1804 für Beckers "Taschenbuch"
verfassten Gedichtes "Der Alpenjäger" lautet:
*Raum für alle hat die Erde.--*
* * * * *
Citate aus "Wilhelm Tell" (1804) sind Tells Worte an Ruodi den Fischer
(1, 1):
*Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt;*
Ruodis Antwort:
*Vom sichern Port lässt sich's gemächlich raten;*
Ferner Ruodis:
*Da rast der See und will sein Opfer haben;*
Tells Worte an den Hirten (s.: Erasmus ~Alberus~):
*Ich hab' gethan, was ich nicht lassen konnte;*
und der Schlussvers der ersten Scene:
*Wann wird der Retter kommen diesem Lande?*
In der zweiten Scene wendet Gertrud ein Wort an, das nur die
Wiederauffrischung eines alten Sprichworts ist:
*Dem Mutigen hilft Gott!*[49]
[Fußnote 49: s.: Fortes fortuna adiuvat.]
Der zweite Akt führt uns aus der ersten Scene zu:
*Ich bin der letzte meines Stamms;*
wobei zu erinnern ist, dass bereits Friedr. Leop. Graf zu ~Stolberg~
in seiner "Romanze" (1774; "ges. W." der Brüder Stolberg T. 1, S. 56)
sang:
"Er, der letzte seines Stammes
Weinte seiner Söhne Fall".
Aus derselben Scene des "Tell" citieren wir:
*Ans Vaterland, ans teure, schliess dich an,
Das halte fest mit deinem ganzen Herzen,
Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft;*
und:
*Es lebt ein anders denkendes Geschlecht.*
2, 2 bietet:
*Wir sind ein Volk und einig woll'n wir handeln,*
und gegen Ende:
*Wir wollen sein ein einzig* (_nicht: einig_) *Volk von Brüdern,
In keiner Not uns trennen und Gefahr.*
Aus 3, 1 entnehmen wir die Worte Walthers:
*Was da fleucht und kreucht,*
gewöhnlich in der Form sämtlicher späteren Auflagen:
*Was da kreucht und fleucht,*[50]
Worte, die sich an 1. Mos, 7, 14 anlehnen.
[Fußnote 50: Schon ~Walther von der Vogelweide~ singt (nach Simrocks
Übersetzung, 6. Aufl., Leipz. 1876, S. 5) im Gedichte "Wahlstreit"
(1198): "Was kriechet oder flieget", vrgl. ~Homers~ "Ilias" 17, 447:
"ὅσσα τε γαῖαν ἔπι πνείει τε καὶ ἕρπει", ~Herodot~ 1, 140:
"τἆλλα ἑρπετὰ καὶ πετεινά" u.s.w.--]
Aus derselben Scene brauchen wir drei Worte Tells:
*Früh übt sich, was ein Meister werden will;*
*Die Axt im Haus erspart den Zimmermann;*
*Wer gar zu viel bedenkt, wird wenig leisten.*
3, 3 enthält des Rudenz Worte:
*Allzu straff gespannt, zerspringt der Bogen.*[51]
[Fußnote 51: ~Amasis~, König von Ägypten (570-526) sagte vom Bogen
(Herodot II, 173): "εἰ γὰρ δὴ τὸν πάντα χρόνον ἐντεταμένα εἴη,
ἐκραγείη ἄν"--"denn bliebe er alle Zeit gespannt, so würde
er wohl zerbrechen". Er entschuldigte damit seinen Hang, die
Regierungsmühen mit Trinkgelagen abwechseln zu lassen. Dann leiht
Phädrus (3, 4, 10) dem ~Aesop~ die Weisheit, der Geist brauche Spiel,
um wieder denkfrisch zu werden, denn: "Cito rumpes arcum, semper
si tensum habueris"--"du zerbrichst den Bogen schnell, wenn du ihn
stets gespannt haben willst". ~Grimmelshausens~ "Simplicissimus"
IV, 1 bietet: "Wann man den Bogen überspannet, so muss er endlich
zerbrechen". Doch Schiller schöpfte wohl aus F. M. ~Klingers~
Trauerspiel: "Die Zwillinge" (1774), wo es 2, 2 heisst: "wir wollen den
Bogen nicht zu stark spannen, damit die Sehne halte".]
4, 2 spricht der sterbende Attinghausen:
*Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit,
Und neues Leben blüht aus den Ruinen;*
*Seid einig--einig--einig!*
Aus Tells Monolog 4, 3 wird citiert:
*Durch diese hohle Gasse muss er kommen,
Es führt kein andrer Weg nach Küssnacht.--Hier
Vollend ich's.
Die Gelegenheit ist günstig.
Dort der Hollunderstrauch verbirgt mich* (_ihm_);
*Mach deine Rechnung mit dem Himmel, Vogt!
Fort musst du, deine Uhr ist abgelaufen;*
*in gährend Drachengift hast du
Die Milch der frommen Denkart mir verwandelt;*
(wobei wohl 5. Mos. 32, 33 "Ihr Wein ist Drachengift" und Lady
Macbeth ["Macbeth" 1, 5] vorgeschwebt hat, die vom Gemüt ihres Mannes
sagt, es sei "zu voll von der Milch der Menschenliebe";)
*Es lebt ein Gott zu strafen und zu rächen;
Entränn' er jetzo kraftlos meinen Händen* (_nämlich der Pfeil_),
*Ich habe keinen zweiten zu versenden;*
endlich:
*Auf dieser Bank von Stein will ich mich setzen,*
was schon des auffallenden Stils wegen citiert wird.
Aus dem darauf folgenden Gespräch Tells mit dem Flurschützen ist
bekannt:
*Es kann der Frömmste nicht in Frieden bleiben,
Wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt,*
die Umänderung eines älteren Sprichworts: "Niemand kann länger Frieden
haben, als seinem Nachbar beliebt".
Dann ruft der getroffene Gessler (4, 3):
*Das ist Tells Geschoss!*
Und nun singen die barmherzigen Brüder:
*Rasch tritt der Tod den Menschen an.--*
Aus dem durch ~Schillers~ Tod (1805) unvollendet gebliebenen
"Demetrius" citieren wir:
*Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen,*
wodurch ein oft dagewesener Gedanke[52] für uns seine bleibende Form
erhielt.--
[Fußnote 52: S. ~Cicero~ "d. off." 2, 22: "non enim numero haec
iudicantur, sed pondere"; ~Plinius d. jüng.~ B. 2, Ep. 12: "numerantur
enim sententiae, non ponderantur"; ~Moses Mendelssohn~ (Ges. W. 3,
370; an Nicolai): "Stimmen ... wollen gewogen und nicht gezählt sein";
~Wieland~ (1774. "Abderiten" 5, 3), der da meint, es komme nicht auf
"majora" (das Mehr), sondern auf "saniora" (das Vernünftigere) an;
~Lichtenberg~ (1777. Ausg. v. 1867 B. 2, 3, 236), der es bedauert,
"dass wir so oft die Stimmen nur zählen können. Wo man sie wägen kann,
soll man es nie versäumen"; ~Klopstock~ (Aug. 1800. "Die Wage"): "Du
zählst die Stimmen; wäge sie--" und endlich ~Schiller~ selbst (1801.
"Maria Stuart" 2, 3): "Nicht Stimmenmehrheit ist des Rechtes Probe",
(vrgl. Stahls "Autorität nicht Majorität!")] der in "Trogalien zur
Verdauung der Xenien, Kochstädt, zu finden in der Speisekammer", 1797
zu lesen ist.--
* * * * *
Chr. Fürchteg. *Fulda*, Lehrer am Pädagogium zu Halle, ist der
Verfasser eines Spottverses gegen Goethes und Schillers "Xenien":
Die neumodischen Distichen.
- u u - - - - - u u - u u - -
*In Weimar und in Jena macht man Hexameter wie der.
Aber die Pentameter sind doch noch excellenter,*
* * * * *
Nikolaus *Sturm*, mit dem Klosternamen ~Marcellinus~ (1760-1819), ist
Verfasser eines Liedes, dessen Anfang lautet:
*Nach Kreuz und ausgestand'nen Leiden.*
("Lieder, zum Teil in bayerischer Mundart von P. Marcelin ~Sturm~,
ehemaligem Augustiner". 1819 No. 15.)--
* * * * *
Joh. Peter *Hebel* (1760-1826) "Schatzkästlein des rheinischen
Hausfreundes" (1811) erzählt eine Geschichte "Die zwei Postillone":
"Diese Postillone, welche zwischen Dinkelsbühl und Ellwangen fuhren,
hatten von zwei Handelsleuten stets so schlechte Trinkgelder
erhalten, dass sie sich vornahmen, die Herren freigebiger zu machen.
Einst traf es sich, dass der Dinkelsbühler Schwager, den einen
dieser Handelsleute fahrend, auf der Landstrasse dem Postillon von
Ellwangen begegnete, welcher den anderen Handelsmann fuhr. Keiner
will dem anderen ausweichen. Zuerst zanken sich die Postillone,
und als die Reisenden sich in den Wortwechsel mischen, schlägt der
Ellwanger Postillon dem Passagier in dem gegenüberstehenden Postwagen
mit der Peitsche ins Gesicht, worauf der Postillon aus Dinkelsbühl
ein Gleiches an dem anderen Passagier that. Nachdem sie ihre
gegenseitigen Passagiere durchgepeitscht hatten, trennten sie sich.
Diesmal gab jeder der beiden Reisenden ein besseres Trinkgeld.--Hebel
lässt den einen Postillon sagen: 'Du sollst meinen Passagier nicht
hauen; er ist mir anvertraut und zahlt honett, oder ich hau' den
Deinigen auch'."
Der Volksmund hat die Worte des Postillons verkürzt zu:
*Haust Du meinen Juden, so hau' ich Deinen Juden.*
~Hebel~ erklärt in der Vorrede, dass mehrere der mitgeteilten
Geschichten anderswo bereits zu hören oder zu lesen waren, und dass
er auf diese Kinder des Scherzes und der Laune, denen er ein nettes
und lustiges Röcklein angehängt, keine weiteren Ansprüche mache. Wem
entlehnte er diesen Schwank?--
* * * * *
Durch Aug. Friedr. Ferd. von *Kotzebue*s (1761-1819) Lustspiel "Die
Indianer in England" (1789 zu Reval aufgeführt, 1790 zu Leipzig
erschienen) ist der Name der Tochter des Nabob von Mysore,
*Gurli,*
eine Bezeichnung für ein gefühlvoll-naives Frauenzimmer geworden. Auch
citiert man den Sammeltitel einiger Schriften ~Kotzebues~:
*Die jüngsten Kinder meiner Laune*
(Leipz. 1793-97) gewöhnlich in der Form:
*Das jüngste Kind meiner Laune,*
mit welchem Scherzworte der Tischler Valentin in ~Raimunds~
"Verschwender" 3, 7 seine Pepi vorstellt.--
* * * * *
Die Anfangsverse von ~Kotzebues~ 1802 verfasstem, von Himmel
komponierten Liede (im Februarheft des "Freimütigen" von 1803) "Trost
beim Scheiden" (zuerst "Gesellschaftslied" genannt) citieren wir in der
Form:
*Es kann ja nicht immer so bleiben
Hier unter dem wechselnden Mond,*
und den Anfang von dessen vierter Strophe also:
*Wir sitzen so fröhlich beisammen,
Wir haben einander so lieb;*
während es ursprünglich "Es kann schon nicht Alles so bleiben" hiess
und "Wir haben uns Alle so lieb".--
* * * * *
Der Anfangsvers einer 1810 erschienenen Romanze ~Kotzebues~ aus seinem
Lustspiele "Der arme Minnesinger" (Alman. dram. Spiele, 9. Jhrg. S.
146) heisst:
*Über die Berge mit Ungestüm.*
Das Lied wurde 1811 allgemein bekannt durch Carl Maria von Webers
Composition, die seine erste war.--
* * * * *
*Rinaldo Rinaldini*
wurde zur stehenden Bezeichnung für einen räuberhaften Gesellen
durch des Chr. Aug. *Vulpius* (1762-1827) ehemals weitverbreiteten
Schauerroman "Rinaldo Rinaldini, der Räuberhauptman; eine romantische
Geschichte unsers Jahrhunderts" (Leipz. 1797 ff.). In seiner
Zeitschrift "Janus" veröffentlichte ~Vulpius~ im Jahre 1800 "Romanzen
und Lieder über Rinaldini". Die zweite "Romanze" dort (1, 371) beginnt:
"In des Waldes düstern Gründen", und wurde zum Volkslied (vrgl. den
"Liederhort" von Erk und Böhmer). Diesen Anfangsvers citieren wir in
der Form:
*In des Waldes tiefsten Gründen,*
wohl mit Anlehnung an ~Schiller~, der in seiner "Kassandra" (1802)
singt:
"In des Waldes tiefste Gründe
Flüchtete die Seherin."--
* * * * *
Die letzte Strophe des Gedichtes "Das Grab" von Joh. Gaudenz Gusert
Graf von *Salis-Seewis* (1762-1834) lautet ("Götting. Mus.-Alman." f.
1788):
*Das arme Herz, hienieden
Von manchem Sturm bewegt,
Erlangt den wahren Frieden
Nur, wo es nicht mehr schlägt.--*
* * * * *
Der Anfang des Weihnachtsliedes:
*Morgen, Kinder, wird's was geben,
Morgen werden wir uns freu'n,*
wird oft angewendet. Es steht in Splittegarbs Liedersammlung, Berlin
1795, 2. Aufl., S. 317, wurde aber schon vor 1783 von Joh. Phil.
Kirnberger in Berlin komponiert. Nach einer Familientradition war der
Verfasser der Schulvorsteher Martin Friedrich Philipp *Bartsch* in
Berlin († 1833).--
* * * * *
*Unterbrochenes Opferfest*
ist der Titel einer ~von Winter~schen, 1796 erschienenen Oper, deren
Text von F. X. *Huber* herrührt.--
* * * * *
Joh. Gottfr. *Seume* (1763-1810) bietet uns in dem Gedichte "Der Wilde"
("Gedichte", Riga, 1801) die Worte:
(_Ein Kanadier, der noch_) *Europens
Übertünchte Höflichkeit* (_nicht kannte_).
(_Seht,_) *wir Wilden sind doch bess're Menschen,
Und er schlug sich seitwärts in die Büsche.*
Zuerst erschien das Gedicht in Schillers "Neuer Thalia" (Bd. 3 S. 255
Lpz. 1793) und begann:
"Ein Amerikaner, der Europens ..."--
In der "Zeitung für die elegante Welt", 1804, No. 23, liess ~Seume~ das
Gedicht "Die Gesänge" erscheinen, dessen erste Strophe:
Wo man singet, lass dich ruhig nieder,
Ohne Furcht, was man im Lande glaubt;
Wo man singet, wird kein Mensch beraubt;
Bösewichter haben keine Lieder,
im Volksmunde umgewandelt worden ist in:
*Wo man singt, da lass dich ruhig nieder;
Böse Menschen haben keine Lieder.*
Schon ~Luther~ sagt in seinem Gedichte "Frau Musica" (Klugs
Gesangbuch, Wittenberg 1543):
Hie kann nicht sein ein böser Mut,
Wo da singen Gesellen gut,
und ~Cervantes~ "Don Quijote", II 34 (1615) gegen Ende:
Senora, donde hay musica, no puede haber cosa mala.
Gnädige Frau, wo Musik ist, da kann nichts Böses sein.
Die Parodie der Seumeschen Verse von David ~Kalisch~:
*Wo man raucht, da kannst du ruhig harren,
Böse Menschen haben nie Cigarren*
steht im "Humoristisch-satirischen Volkskalender des Kladderadatsch"
von 1850, S. 27.--
* * * * *
*Jean Paul* (Johann Paul Friedrich Richter, 1763-1825) machte zum
Schauplatz seiner Satire "Das heimliche Klaglied der jetzigen Männer"
(Bremen 1801) das Landstädtchen[53]
*Krähwinkel,*
das dadurch, wie dann durch ~Kotzebues~ Lustspiel "Die deutschen
Kleinstädter" (1803), die Bedeutung eines Klatschnestes erhielt. Auch
schrieb ~Kotzebue~ "Des Esels Schatten oder der Process in Krähwinkel"
im "Almanach dramatischer Spiele für 1810" (Riga 1809). Danach nennt
man jedes kleinstädtisch aufgebauschte Ereignis eine
*Krähwinkelei.--*
[Fußnote 53: Crawinkel, von ~Jahn~ (nach H. Pröhle in "Fr. Ludwig Jahns
Leben") in einem Briefe von 1825 Krähwinkel genannt, ist ein Dorf bei
Laucha im Kreise Eckartsberga unweit von Jena; Krehwinkel, ein Weiler
im Oberamt Schorndorf in Württemberg; Krähwinkel, ein Dorf im Kreise
Solingen des Regierungsbezirks Düsseldorf.]