nicht nach ~Schillers~ Fassung ("Wallenst. Tod" 5, 7):
Erst über meinen Leichnam sollst du hingehn,
sondern nach ~Körners~ ("Hedwig" 3, 10) also citiert:
*Nur über meine Leiche geht der Weg.--*
~Herders~ Gedicht "Die wiedergefundenen Söhne" ("Adrastea" 2, 200-204,
Lpz. 1801) bietet:
*Was die Schickung schickt, ertrage!
Wer ausharret wird gekrönt.*
Die erste Zeile stammt wohl aus ~Shakespeares~ (Heinrich VI., T. 3, 4,
3):
"What fates impose, that men must needs abide".--
Der von ~Herder~ bearbeitete "Cid" (1805) beginnt:
*Trauernd tief sass Don Diego.--*
Im 28. Gesange heisst es:
*Rückwärts, rückwärts, Don Rodrigo!
-- -- -- -- -- -- -- -- -- --
Rückwärts, rückwärts, stolzer Cid!--*
Der 51. Gesang enthält:
"Auf ins Feld! Es geht zum Siege,
Krieger, gen Valencia!"
was wir nach Pius Alex. ~Wolffs~ "Preciosa" (1821) 4, 12 in der Form
citieren:
*Auf* (_denn_)*--nach Valencia!*
~Reinhold Köhler~, "Herders Cid und seine französische Quelle", (Lpz.
1867) hat nachgewiesen, dass mit Ausnahme von 14 Romanzen Herders
Cid eine bald mehr bald weniger treue metrische Übertragung einer
namenlosen französischen Prosabearbeitung der spanischen Cid-Romanzen
in der "Bibliothèque universelle des Romans", (1783, Juli) ist. Die
22 ersten Romanzen erschienen in der "Adrastea" 5, 165-239, Leipz.
1803.--
* * * * *
Karl Arnold *Kortum*[24] (1745-1824) lässt in T. I, Kap. 19 der 1784
in Münster erschienenen "Jobsiade" bei den wunderlichen Antworten des
Examinanden stets die Verse wiederkehren:
*Über diese Antwort des Kandidaten Jobses
Geschah allgemeines Schütteln des Kopfes.--*
[Fußnote 24: Nicht: ~Kortüm~.]
* * * * *
In Trapps "Braunschweigischem Journal", 11. Stück, Novemberheft 1790,
schlägt der Sprachreiniger Joachim Heinrich *Campe* (1746-1818) auf S.
280-282:
*Zerrbild*
oder: "Zerr-gemälde" für "Karikatur" vor und für "Delicatesse" auf S.
282:
*Zartgefühl,*
was ~Weigand~ ohne Begründung auf ~Lessing~ zurückführt.
In ~Wielands~ "Pervonte" (1778) wird das Wort noch wie
"Zärtlichkeitsgefühl" gebraucht, wenn (3. Teil) Vastola sagt:
"Wo nimmt es wohl Pervonte her,
Dass unser einer sich von Zartgefühlen nähre?"--
In seiner Schrift "Über die Reinigung und Bereicherung der deutschen
Sprache" (Dritter Versuch. Verb. u. verm. Ausg., Brnschw. 1794,
Ausübender Teil, S. 284) empfahl ~Campe~ für "Rendez-vous" das Wort
"Stell-dich-ein", welches wir jetzt
*Stelldichein*
schreiben. Ebenda (S. 14) spricht er von dem "anfangs so laut
verworfenen, nachher von vielen guten Schriftstellern angenommenen
Wort":
*Umwälzung*
für "Revolution". Dies Wort hatte er in den "Briefen aus Paris" zum
ersten Male versucht, welche im "Braunschweigischen Journal" abgedruckt
wurden. Im 3. Bd., 1789, 2. Brief aus Paris, steht S. 303:
*Staatsumwälzung.--*
* * * * *
Aus Friedrich Justin *Bertuch*s (1747-1822) Lied "Das Lämmchen"
("Wiegenliederchen", Altenburg 1772, S. 30) wird
*Ein junges Lämmchen, weiss wie Schnee,*
und:
Die Freuden, die man übertreibt,
Die Freuden werden Schmerzen.
in der Form citiert:
*Die Freuden, die man übertreibt,
Verwandeln sich in Schmerzen.--*
* * * * *
Gottfr. Aug. *Bürger*s (1748-94) Gedicht "Die Weiber von Weinsberg"
(1774) enthält:
*O weh, mir armen Korydon!,*
eine Klage, die sich ursprünglich auf den in unerwiderter Liebe zum
schönen Alexis hinschmachtenden Schäfer Korydon in ~Vergils~ 2.
Ecloge[25] bezieht, der den Namen seinem Vorbilde Theokrit entlehnte,
in dessen 4. Idylle Korydon handelnd auftritt, während er Idylle 5, 6
nur erwähnt wird. Bürger benutzte ein altes Studentenlied, in dem ein
Vers beginnt:
O weh, mir armen Choridon, o weh!
("Studentenlieder des 17. und 18. Jahrh.", herausg. v. Rob. u. Rich.
Keil, 1861, S. 171.) Zu erinnern ist hier auch noch an das Gedicht des
Adam Olearius:
"Coridons Klage über die jetzige verkehrte Welt".--
[Fußnote 25: Vrgl. Vers 69:
"Ah, Corydon, Corydon! Quae te dementia cepit!"
"Korydon, Korydon, Ach! Welch Wahnsinn hat dich ergriffen!"
Wonach dann bei Iuvenal 9, 102 "O Corydon, Corydon!" so viel heisst,
wie "O du Hans Narr!"--]
In ~Bürgers~ "Lenore" (Göttinger Musenalmanach von 1774, S. 214)
Strophe 1, 3 steht:
*Bist untreu, Wilhelm, oder todt?--*
Strophe 2, 2 bietet:
*Des langen Haders müde.--*
und Strophe 9, 1 u. 2 enthält das Wort:
*Hin ist hin!
Verloren ist Verloren!--*
Der 6. Vers der 20. Strophe dieses Gedichtes, der mehrmals darin
wiederholt wird:
*Die Toten reiten schnell!*
ist nicht Bürgers Erfindung, sondern (nach ~Althof~ "Leben Bürgers"
Göttingen 1798, S. 37) dem Munde eines Bauermädchens entnommen, das er
einst im Mondschein singen hörte:
Der Mond, der scheint so helle,
Die Toten reiten so schnelle,
Fein's Liebchen, graut dir nicht?
Diese wenigen Worte hätten ihm nie wieder aus dem Sinne gewollt,
und aus ihnen hätte sich nach und nach das gewaltige Lied "Lenore"
gestaltet.
Nach ~Herders~ erst 1815 nach seinem Tode erschienener Recension
(Ausg. Suphan, Bd. 20, S. 377-379) des Althofschen Buches hat
Herder in seiner Kindheit in einer Weltecke in Ostpreussen oft ein
Zaubermärchen erzählen hören, in dem der Refrain (und zwar mit einer
Antwort vermehrt) gerade die Strophe war, die Bürger singen hörte.
Der Geliebte nämlich reitet mit der Geliebten in einer kalten,
mondhellen Winternacht und spricht sie im Weiterreiten wiederholt an:
Der Mond scheint hell,
Der Tot reit't schnell,
Feinsliebchen, grauet dir?
worauf sie antwortet:
Und warum sollt's mir grauen?
Ist doch Feinslieb bei mir.
"Die Toten reiten schnell", heisst es auch in dem in "Des Knaben
Wunderhorn" (B. II, S. 19; 1. Ausg. 1808) mitgeteilten Liede
"Lenore", welches die Überschrift hat: "Bürger hörte dieses Lied
nachts in einem Nebenzimmer". L. ~Erk~ hält es nicht für ein
Volkslied. Die Überschrift "Aus dem Odenwald", welche es in der 2.
Ausg. v. J. 1846 bekommen hat, enthält wohl nur eine Mutmassung.
Erk hat kein solches Lied im Odenwald ausfindig machen können. In
der Bearbeitung von Achims ~von Arnim~ und Clemens' ~Brentano~ "Des
Knaben Wunderhorn", die ~Birlinger~ und ~Crecelius~ 1876 lieferten,
steht es T. 2, S. 263 und ist betitelt "Die Toten reiten schnell".
In ~Heines~ "Französischen Zuständen", Brief XIII vom 25. Juli 1840
heisst es:
"Auf den hiesigen Boulevards-Theatern wird jetzt die Geschichte
Bürgers, des deutschen Poeten, tragiert; da sehen wir, wie er, die
Leonore dichtend, in Mondschein sitzt und singt: Hurrah! les morts
vont vite--mon amour, crains-tu les morts?"
Schon Mme de Staël (1813: "De l'Allemagne" XIII) citierte bei
Besprechung Bürgers das "Les morts vont vite".--
Aus der Schlussstrophe der "Lenore" ist:
*Geduld! Geduld! wenn's Herz auch bricht!--*
Aus ~Bürgers~ "Der Kaiser und der Abt" ("Gedichte", Götting. 1778)
stammt:
*Drei Männer umspannten den Schmerbauch ihm nicht,*
und:
*Der Mann, der das Wenn und das Aber erdacht,
Hätt' sicher aus Häckerling Gold schon gemacht.--*
~Bürgers~ Ballade "Die Entführung, oder Ritter Karl von Eichenhorst und
Fräulein Gertrude von Hochburg" (Januar 1778) beginnt:
*Knapp', sattle mir mein Dänenross,
Dass ich mir Ruh erreite.--*
~Bürgers~ "Trost" (vermutlich 1786):
*Wenn dich die Lästerzunge sticht,
So lass dir dies zum Troste sagen:
Die schlechtsten Früchte sind es nicht,
Woran die Wespen nagen,*
stand zuerst im Göttinger Musenalmanach für 1787, S. 7.--
* * * * *
Ludw. Heinr. Christoph *Hölty*s (1748-76) 1775 verfasstes, im
Vossischen Musenalmanach für 1776 zuerst gedrucktes Rheinweinlied
beginnt:
*Ein Leben wie im Paradies.--*
Im Jahrgange 1777 des erwähnten Almanachs erschien auch zuerst ein 1776
gedichtetes Lied:
*Wer wollte sich mit Grillen plagen?*
aus dem dann noch die Verse bekannt sind:
*O, wunderschön ist Gottes Erde
Und wert darauf vergnügt zu sein.--*
Im Jahrgang 1778 desselben Almanachs steht ~Höltys~ ebenfalls 1776
gedichtetes Lied:
*Rosen auf den Weg gestreut
Und des Harms vergessen!*
Diese beiden Lieder fanden durch J. F. Reichardts Composition die
weiteste Verbreitung.
Endlich finden wir im Vossischen Musenalmanach von 1779 ~Höltys~ Lied:
*Üb' immer Treu und Redlichkeit,*
das nach der Melodie des Liedes "Ein Mädchen oder Weibchen" aus Mozarts
"Zauberflöte" (1791) gesungen zu werden pflegt.--
* * * * *
Aus *Goethe* (1749-1832) sind folgende geflügelte Worte. In "Götz von
Berlichingen" (1773) 1. Akt, erwidert Götz den Wunsch Weislingens, er
möge Freude an seinem Sohn Karl erleben, mit dem Spruche:
*Wo viel Licht ist, ist starker Schatten.--*
Kurz darauf antwortet Weislingen dem ihm mit den Worten: "Ein fröhlich
Herz!" zutrinkenden Götz:
*Die Zeiten sind vorbei! --*
(_vrgl. das lächelnde "Tempi passati"._)
* * * * *
In ~Goethes~ "Clavigo" 1, 1 (1774) sagt Carlos:
*Man lebt nur einmal in der Welt;*
und Akt 2 am Ende:
*Da macht wieder jemand einmal einen dummen Streich.--*
Im 4. Akt gegen Ende sind:
*Luft! Luft! Clavigo!*
die Worte der sterbenden Marie Beaumarchais.--
* * * * *
In "Dichtung und Wahrheit" (14. Buch) gedenkt Goethe seines am 19. Juli
1774 gedichteten Schwankverses "Diné zu Coblenz". Er schildert sich
darin bei Tische zwischen Lavater und Basedow sitzend. Lavater belehrt
einen Geistlichen über die Geheimnisse der Offenbarung; Basedow beweist
einem Tanzmeister, dass die Taufe ein veralteter Gebrauch sei; Goethe
widmet sich unterdessen den Genüssen der Mahlzeit:
*Prophete rechts, Prophete links,
Das Weltkind in der Mitten.--*
* * * * *
In den "Leiden des jungen Werthers" (1774) B. II, unterm 24. Dez. 1771
lesen wir: "Und das
*Glänzende Elend,*
die Langeweile unter dem garstigen Volke, das sich hier neben einander
sieht!"
In ~Gellerts~ Fabel "Damokles" (1746) hiess es schon:
"Bei aller Herrlichkeit stört ihn des Todes Schrecken
Und lässt ihn nichts, als teures Elend schmecken".
Dies deutet weiterhin auf ~Ovid~, der ("Met." 11, 133) den Midas in
Verzweiflung vor seinen in Gold verwandelten Speisen zum Bacchus beten
lässt:
" ... miserere, precor, speciosoque eripe damno".
"Sei barmherzig und mach' mich frei von dem glänzenden Übel!"--
* * * * *
In der "Iris" (Jacobis), Bd. 2, St. 3, März 1775, S. 161-224 erschien
~Goethes~ Singspiel "Erwin und Elmire", das im 1. Auftritte des 1.
Aufzuges die Worte enthält:
*Ein Schauspiel für Götter,*
(Zwei Liebende zu sehn!)
~Goethe~ mochte hierzu durch ~Gellerts~ Lustspiel "Die zärtlichen
Schwestern" (1747) angeregt worden sein, worin es (2, 6) heisst:
"Kann wohl ein schönerer Anblick sein, als wenn man zwei zärtliche
sieht, die es vor Liebe nicht wagen wollen, einander die Liebe zu
gestehen?"--
In "Erwin und Elmire" (a. a. O. S. 242) steht auch das Gedicht "Neue
Liebe, neues Leben" mit dem Anfangsvers:
*Herz! mein Herz? was soll das geben?--*
* * * * *
Aus ~Goethes~ Ballade "Der Fischer"[26] wird citiert:
*Kühl bis ans Herz hinan!*
und:
*Halb zog sie ihn, halb sank er hin.--*
[Fußnote 26: In "Volks- und anderen Liedern, mit Begleitung des
Fortepiano. In Musik gesetzt von Siegm. Frhr. v. Seckendorff", Weimar
1779, S. 5, in demselben Jahre von ~Herder~ ("Volkslieder", 2. T., S.
3) als "Das Lied vom Fischer" wieder abgedruckt.]
* * * * *
Aus der Ballade "Erlkönig" (1782 im Singspiel "Die Fischerin"
erschienen, 1781 gedichtet) wird citiert:
*Und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt.--*
* * * * *
Aus dem Gedichte "Das Göttliche" (zuerst im Tiefurter Journal, 1782,
No. 40) citieren wir:
*Edel sei der Mensch,
Hülfreich und gut.--*
* * * * *
Das von ~Goethe~ am 7. September 1783 an einen Fensterpfosten des
Bretterhäuschens auf dem Gickelhahn bei Ilmenau geschriebene Lied:
*Über allen Gipfeln ist Ruh*
schliesst:
*Warte nur, balde
Ruhest du auch!--*
* * * * *
Am 16. März 1787 schrieb ~Goethe~ in Bezug auf seine "Iphigenie" in
Caserta:
*So eine Arbeit wird eigentlich nie fertig.--*
"Iphigenie", 1787, bietet in 1, 2 die Worte der Titelheldin:
*Das Land der Griechen mit der Seele suchend*
und:
*Ein unnütz Leben ist ein früher Tod*
und:
*Das Wenige verschwindet leicht dem Blick,
Der vorwärts sieht, wie viel noch übrig bleibt,*
ferner die des Arkas:
*Ein edler Mann wird durch ein gutes Wort
Der Frauen weit geführt.--*
In ~Goethes~ "Iphigenie" 1, 3 stehen die Worte des Thoas:
*Du sprichst ein grosses Wort gelassen aus*
und:
*Man spricht vergebens viel, um zu versagen;
Der andre hört von allem nur das Nein;*
in 2, 1 die Worte des Pylades:
*Lust und Liebe sind die Fittige
Zu grossen Thaten;*
endlich in 3, 1 die Worte des Orest an Iphigenie:
*Zwischen uns sei Wahrheit!*
die Friedrich Wilhelm IV., der belesene Fürst, am 11. Apr. 1847 dem
vereinigten Landtage zurief.--
* * * * *
*Das Beste ist gut genug*
ist entnommen aus ~Goethes~ "Italiänischer Reise", unter "Neapel", am
Ende des 2. Briefes vom 3. März 1787, wo es heisst: "In der Kunst ist
das Beste gut genug".--
* * * * *
~Aristophanes~, der Dichter des von Goethe 1787 übersetzten Lustspiels
"Die Vögel" wird im Epiloge zu dieser Übersetzung von ~Goethe~
*der ungezogene
Liebling der Grazien*
genannt, ein Wort, das später gern auf Heinrich ~Heine~ angewendet
wurde. Vielleicht zuerst 1846 von L. ~Schücking~ (s. dessen
"Lebenserinnerungen" 1886, Bd. 2, S. 137 und 140).--
* * * * *
Aus ~Goethes~ "Egmont" (1788) werden die Worte 3, 2:
*Ich versprach dir einmal Spanisch zu kommen*
von demjenigen citiert, welcher mit einem Rohrstocke droht.--
Clärchens Lied in "Egmont", Akt 3:
*Freudvoll
Und leidvoll,
Gedankenvoll sein;
Langen
Und Bangen
In schwebender Pein,
Himmelhoch jauchzend,
Zum Tode betrübt,
Glücklich allein
Ist die Seele, die liebt,*
wurde uns zu einer Kette von "Geflügelten Worten". "Langen" hat hier
die Bedeutung von "Verlangen tragen", "sich sehnen" (englisch: to
long), und wird oft in "Hangen" verändert.
Geschah dies zuerst durch ~Beethoven~, der 1810 die Musik zum
Egmont mit dieser Veränderung drucken liess? In der Handschrift
des Egmont auf der Königl. Bibliothek zu Berlin steht von ~Goethes~
Hand: "Langen"; "Hangen" wurde wohl durch die 'schwebende Pein'
hervorgerufen. Das Volk singt wie der vermeintliche Schneidergeselle
in ~Heines~ "Harzreise" (1824):
Freudvoll und leidvoll,
Gedanken sind frei.
"Zum Tode betrübt" entlehnte ~Goethe~ den Worten Jesu (Matth. 26, 38;
Mark. 14, 34):
"Meine Seele ist betrübt bis an den Tod".--
Auch sind die gegen Ende des 5. Aktes von Egmont gesprochenen Worte zu
verzeichnen:
*Süsses Leben! schöne freundliche Gewohnheit des Daseins und
Wirkens!
von dir soll ich scheiden!--*
* * * * *
Aus dem Singspiele "Die ungleichen Hausgenossen", woran ~Goethe~
1785-89 arbeitete, ist das zuerst in Schillers Musen-Almanach für
1796 veröffentlichte Gedicht: "Antworten bei einem gesellschaftlichen
Fragespiel". Daraus führen wir an die Worte eines "Erfahrenen":
*Geh' den Weibern zart entgegen,
Du gewinnst sie auf mein Wort.
Und wer rasch ist und verwegen,
Kommt vielleicht noch besser fort.
Doch, wem wenig d'ran gelegen
Scheinet, ob er reizt und rührt,
Der beleidigt, der verführt.--*
* * * * *
Aus dem 1789 im 8. Bd. von "Goethes Schriften" (Leipz., Göschen)
erschienenen Gedichte "Beherzigung" wird die Schlussstrophe citiert:
*Eines schickt sich nicht für alle!
Sehe jeder, wie er's treibe,
Sehe jeder, wo er bleibe,
Und wer steht, dass er nicht falle.*
Der letzte Vers beruht auf 1. Korinther 10, 12: "... wer sich lässt
dünken, er stehe, mag wohl zusehen, dass er nicht falle", während
der erste Vers aus lateinischer Quelle geflossen zu sein scheint.
Vrgl. ~Cicero~ pro Roscio Amerino 42, 122: "Non in omnes, arbitror,
omnia convenire"; ~Properz~ 4, 9, 7: "Omnia non pariter rerum sunt
omnibus apta"; ~Tacitus~ "Ann." 6, 54: "non eadem omnibus decora" und
~Plinius~ "Epist." 6, 27: "non omnibus eadem placent, nec conveniunt
quidem".--
Unmittelbar hinter diesem Gedichte stand dasjenige, welches jetzt
"Erinnerung" heisst:
*Willst du immer weiter schweifen?
Sieh', das Gute liegt so nah.
Lerne nur das Glück ergreifen:
Denn das Glück ist immer da.*
Das Gedicht: "Frisches Ei, gutes Ei" endigt:
*Begeisterung ist keine Heringsware,
Die man einpökelt auf einige Jahre.--*
Das Gedicht: "Wie du mir, so ich dir" heisst:
*Mann mit zugeknöpften Taschen,
Dir thut niemand was zu lieb;
Hand wird nur von Hand gewaschen;
Wenn du nehmen willst, so gieb!*
vrgl.: "manus manum lavat".--
* * * * *
Aus ~Goethes~ "Tasso" (1790) citieren wir:
*Du siehst mich lächelnd an, Eleonore,* (1, 1)
(_Und siehst dich selber an und lächelst wieder_);
*Die Stätte, die ein guter Mensch betrat,
Ist eingeweiht;* (1, 1)
*Es bildet ein Talent sich in der Stille,
Sich ein Charakter in dem Strom der Welt;* (1, 2)
(_Doch--haben alle Götter sich versammelt
Geschenke seiner Wiege darzubringen:_)
*Die Grazien sind leider ausgeblieben.* (2, 1)--
Das 2, 1 vorkommende:
"So fühlt man Absicht, und man ist verstimmt"
wird in der Form citiert:
*Man merkt die Absicht und man wird verstimmt.--*
In derselben Scene finden wir das Wort Tassos:
*Erlaubt ist, was gefällt,*
was dem
libito fè licito
aus ~Dantes~ "Hölle" V, 55 nachgeahmt zu sein erscheint, aber von
Goethe aus ~Tassos~ Schäferspiel "Aminta" entnommen ist, worin die
zweite Strophe des Chorliedes am Ende des ersten Aktes mit den Worten
schliesst:
"ein goldnes, glückliches Gesetz,
Das die Natur schrieb: Wenn's gefällt, so ziemt's,"
wie überhaupt die begeisterten Worte über die goldene Zeit, die Goethe
hier dem Tasso in den Mund legt, eine Umschreibung dieses Chorgesanges
sind. Zu Grunde liegt wohl dem Allem das freche "si libet, licet", was
Julia zu ihrem Stiefsohn Caracalla sagte, als er sie zum Weibe begehrte
(bei ~Spartian~: "Antonin. Caracalla", c. 10). -- Die Prinzessin erhebt
dann bei Goethe sofort den Spruch des Dichters zu dem einfach schönen:
"Erlaubt ist, was sich ziemt",
wozu sie ihm den Weg durch die Worte weiset:
*Willst du genau erfahren, was sich ziemt,
So frage nur bei edlen Frauen an.*
Die Gegenüberstellung des "Erlaubt ist, was gefällt", und des
"Erlaubt ist, was sich ziemt", verdankte Goethe entweder dem
Schäferdrama "Il pastor fido" (1585) des ~Guarini~ (Mailand. 1807. S.
368ff.), der in bewusstem Gegensatze zu Tassos Worten singt: "Wenn es
sich ziemt, gefällt's" (piaccia, se lice"), oder er entnahm es diesen
ihm wohl durch Herder zugänglich gemachten Versen des Jakob ~Balde~
(geb. 1603, gest. 1668; "Poemata" Colon. 1660. "Lyric." IV, Od. 14.
Str. 12):
"Ardente Roma: QVOD LIBET, HOC LICET
Clament NERONES: QVOD LICET, HOC LIBET;
TRAJANE, dices. At nec omne
Quod licet, hoc libeat regenti."
Herder arbeitete, ehe der "Tasso" erschien, an einer Übersetzung
des Balde. In der "Terpsichore" I. T. 1795 lautet bei ihm die obige
Strophe (s. "Sämtl. Werke", her. v. B. Suphan, Bd. 27, S. 67):
"_Neronen_ singen, während dem Brande Roms:
'_Erlaubt ist, was beliebet_'. Mein König singt:
'_Nur was erlaubt ist, das beliebt mir_'.
Königen auch ist erlaubt nicht Alles".--
* * * * *
Aus ~Goethes~ "Faust. Ein Fragment". (Echte Ausgabe. Leipzig, Göschen.
1790) wird citiert:
Nacht.
_Faust:_ *Da steh' ich nun, ich armer Thor!
Und bin so klug, als wie zuvor.
Es möchte kein Hund so länger leben!
Urväter Hausrat.
Welch Schauspiel! aber ach! ein Schauspiel nur!
Wie anders wirkt dies Zeichen auf mich ein!*
_Geist:_ (_So schaff ich_) *am sausenden Webstuhl der Zeit.*
_Faust:_ *Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen.
Doch werdet ihr nie Herz zu Herzen schaffen.
Wenn es euch nicht von Herzen geht.*
_Wagner:_ (_Allein_) *der Vortrag macht des Redners Glück.*
_Faust:_ *Es trägt Verstand und rechter Sinn
Mit wenig Kunst sich selber vor.*
_Wagner:_ (_Und_) *wie wir's dann zuletzt so herrlich weit
gebracht.--*
Faust. Mephistopheles.
(Seit der Ausgabe von 1808: Studierzimmer.)
_Mephist.:_ *Ich sag' es dir: ein Kerl, der spekuliert,
Ist wie ein Tier, auf* (_einer Heide. Seit 1808:_)
*dürrer Heide
Von einem bösen Geist im Kreis herum geführt,
Und rings umher liegt schöne grüne Weide.--*
(Schülerscene.)
_Mephist.:_ *In spanische Stiefel eingeschnürt.*
_Mephist.:_ *Irrlichteriere(n)*
_Schüler:_ *Mir wird von allem dem so dumm,[27]
Als ging mir ein Mühlrad im Kopf herum.*
_Schüler:_ *Denn was man schwarz auf weiss besitzt
Kann man getrost nach Hause tragen.*
[Fußnote 27: In den späteren Bearbeitungen: *von alle dem.*]
_Mephist.:_ *Es erben sich Gesetz' und Rechte
Wie eine ew'ge Krankheit fort.*
_Mephist.:_ (_Vernunft wird Unsinn, Wohlthat Plage;_)
*Weh dir, dass du ein Enkel bist!*
(_Vom Rechte, das mit uns geboren ist,
Von dem ist leider nie die Frage._)
_Mephist.:_ *Im Ganzen--haltet euch an Worte!
Am besten ist's auch hier, wenn ihr nur Einen hört
Und auf des Meisters Worte schwört.*
(vrgl. ~Horaz~ "Epist." I, 1, 14, "jurare in verba magistri".)
_Mephist.:_ *Denn eben wo Begriffe fehlen,
Da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein.*
_Mephist.:_ *Ich bin des trocknen Tons nun satt.*
_Mephist.:_ *Der Geist der Medizin ist leicht zu fassen.*
_Mephist.:_ *Doch der den Augenblick ergreift,
Das ist der rechte Mann.*
_Mephist.:_ *Besonders lernt die Weiber führen;
Es ist ihr ewig Weh und Ach
So tausendfach
Aus einem Punkte zu kurieren.*
_Schüler:_ *Das sieht schon besser aus! Man sieht doch, wo
und wie.*
_Mephist.:_ *Grau, teurer Freund, ist alle Theorie,
Und grün des Lebens goldner Baum.*
_Mephist.:_ (_Folg' nur dem alten Spruch und meiner Muhme,
der Schlange_),
*Dir wird gewiss einmal bei deiner Gottähnlichkeit
bange!*
_Mephist.:_ *Sobald du dir vertraust, sobald weisst du
zu leben.--*
Auerbach's Keller in Leipzig.
_Siebel:_ (_Fühlt man erst recht_) *des Basses Grundgewalt.*
_Brander:_ *Ein garstig Lied! Pfui! Ein politisch Lied!*
_Brander:_ *Hatte sich ein Ränzlein angemäst't
Als wie der Doktor Luther.*
_Mephist.:_ (_Mit_) *wenig Witz und viel Behagen.*
_Frosch:_ *Mein Leipzig lob' ich mir!
Es ist ein klein Paris und bildet seine Leute.*
Schon in einer Beschreibung Leipzigs vom Jahre 1768 heisst es "Paris
im Kleinen" (Düntzers Faust, 2. Aufl.) und in dem seltenen Buche
"Gepriesenes Andencken von Erfindung der Buchdruckerey ...", Lpzg.
1740, singt der Magister und Rektor in Sangerhausen, Christian
Gottlob ~Kändler~ (S. 139):
"So schlecht der Fremde von uns spricht,
So untersteht er sich doch nicht,
Was Leipzig drucket zu verschmähen,
Papier und Littern sind zu schön,
Er denkt zum Schluss: Paris zu sehen,
Allein er siehet Leipzig stehn".
_Mephist.:_ *Den Teufel spürt das Völkchen nie,
Und wenn er sie beim Kragen hätte.*
*Spanien, das Land des Weins und der Gesänge*
entwickelte sich aus den Worten des Mephistopheles:
"Wir kommen erst aus Spanien zurück,
Dem schönen Land des Weins und der Gesänge".
_Frosch:_ *Denn wenn ich judicieren soll,
Verlang' ich auch das Maul recht voll.*
_Brander:_ *Ein echter deutscher Mann mag keinen Franzen
leiden,
Doch ihre Weine trinkt er gern.*
_Alle
singen: _*Uns ist ganz kannibalisch wohl
Als wie fünfhundert Säuen.--*
Hexenküche.
_Mephist.:_ (_Auch_) *die Kultur, die alle Welt beleckt,*
(_Hat auf den Teufel sich erstreckt_).
_Mephist.:_ *Den Bösen sind sie los, die Bösen sind geblieben.*
_Mephist.:_ *Dies ist die Art, mit Hexen umzugehn.*
_Mephist.:_ (_Denn_) *ein vollkommner Widerspruch
Bleibt gleich geheimnisvoll für Kluge wie für
Thoren.*
_Mephist.:_ *Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte
hört,
Es müsse sich dabei doch auch was denken lassen.--*
Strasse.
_Faust:_ *Mein schönes Fräulein, darf ich wagen,
Meinen Arm und Geleit ihr anzutragen?--*
Abend.
_Margarete:_ *Nach Golde drängt,
Am Golde hängt
Doch Alles!*
_Mephist.:_ *Gleich schenken? Das ist brav! Da wird er
reüssieren!--*
Der Nachbarin Haus.
_Mephist.:_ *Es ist eine der grössten Himmelsgaben,
So ein lieb Ding im Arm zu haben.*
(_In späteren Ausgaben:_ *'s ist* _u.s.w._)
_Margarete:_ *Das ist des Landes nicht der Brauch.*
_Mephist.:_ *Durch zweier Zeugen Mund
Wird allerwegs die Wahrheit kund.*
(Dies ruht auf 5. Mos. 19, 15: "Es soll kein einzelner Zeuge wider
jemand auftreten, sondern in dem ~Munde zweier~ oder dreier ~Zeugen~
soll die Sache bestehen" und auf Joh. 8, 17: "Auch stehet in eurem
Gesetz geschrieben, dass zweier Menschen Zeugnis ~wahr~ sei", vrgl. 5.
Mos. 17, 6; Matth. 18, 16; 2. Kor. 13, 1; 1. Tim. 5, 19.)
_Faust:_ *Wer recht behalten will und hat nur eine Zunge
Behält's gewiss.--*
Gretchens Stube.
_Gretchen:_ *Meine Ruh' ist hin.
Mein Herz ist schwer.--*
Marthens Garten.
_Faust:_ *Name ist Schall und Rauch,
Umnebelnd Himmelsgut.*
_Margarete:_ *Es thut mir lang schon weh',
Dass ich dich in der Gesellschaft seh'.*
_Faust:_ *Es muss auch solche Käuze geben.*
_Faust:_ *Ahnungsvoller Engel* (_du_)!
_Faust:_ *Du hast nun die Antipathie!*
_Margarete:_ *Ich habe schon so viel für dich gethan,
Dass mir zu thun fast nichts mehr übrig bleibt.*
_Mephist.:_ *Die Mädels sind doch sehr interessiert,
Ob einer fromm und schlicht nach altem Brauch.
Sie denken, duckt er da, folgt er uns eben auch.*
_Mephist.:_ *Hab' ich doch meine Freude d'ran!--*
Dom.
_Gretchen:_ *Nachbarin! Euer Fläschchen!--*
Aus ~Goethes~ 1794 erschienenem "Reinecke Fuchs" stammt:
*Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen.--*
* * * * *
Im 11. Kap. des 2. Buches von "Wilhelm Meisters Lehrjahren" (erschienen
1795 und 1796) kommt in dem am Schlusse stehenden Liede des
Harfenspielers (gedichtet 1782):
*O Trank der süssen Labe!*
vor. Das Lied erhielt später unter "Balladen" den Titel: "Der Sänger".
Hier sind die Worte verändert in:
*O Trank Toll süsser Labe!--*
Die Worte des Harfenspielers in "Wilhelm Meisters Lehrjahren" 2, 13:
*Wer nie sein Brot mit Thränen ass,
Wer nie die kummervollen Nächte
Auf seinem Bette weinend sass,
Der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte*
schrieb die Königin Luise in ihr Tagebuch, als sie auf der Flucht
nach Königsberg am 3. Dez. 1806, von einem Schneesturm überfallen, zu
Ortelsburg in ein Bauernhaus einkehren musste. Goethe spricht sich
bewegt hierüber aus in den "Sprüchen in Prosa" (n. 153. Werke 19, 43.
Hempel. vrgl. "Du speisest sie mit Thränenbrot" ... Ps. 80, 6 und "Der
Betrübten Brot" Hosea 9, 4).--
Aus der sich bei ~Goethe~ anschliessenden Strophe:
Ihr führt ins Leben uns hinein,
Ihr lasst den Armen schuldig werden,
Dann überlasst ihr ihn der Pein;
*Denn alle Schuld rächt sich auf Erden,*
ist der letzte Vers sehr bekannt. Dahinter steht bei ~Goethe~ ein
anderer Gesang des Harfenspielers, welcher beginnt:
*Wer sich der Einsamkeit ergiebt,
Ach! der ist bald allein!--*
*Das Land, wo die Citronen blüh'n,*
ist aus dem Liede "Mignon" (Wilhelm Meisters Lehrjahre 3, 1): "Kennst
du das Land, wo die Citronen blüh'n?"--
In der 3. Strophe heisst es:
*Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg,*
was auf unklare Menschen angewendet zu werden pflegt.--
In "Wilhelm Meisters Lehrjahren" 4, 9 stehen Philines Worte:
*wenn ich dich lieb habe, was geht's dich an!*
~Goethe~ citiert sie in "Wahrheit und Dichtung", 14. Buch, also: "Jenes
wunderliche Wort (~Spinozas~): "Wer Gott recht liebt, muss nicht
verlangen, dass Gott ihn wieder liebe", mit allen den Vordersätzen,
worauf es ruht, mit allen den Folgen, die daraus entspringen,
erfüllte mein ganzes Nachdenken. Uneigennützig zu sein in Allem, am
uneigennützigsten in Liebe und Freundschaft, war meine höchste Lust,
meine Maxime, meine Ausübung, so dass jenes freche spätere Wort
*Wenn ich dich liebe, was geht's dich an*
mir recht aus dem Herzen gesprochen ist". Das Wort ~Spinozas~ steht
in seiner Ethik, pars V, propositio XIX in der Form: "Qui Deum amat,
conari non potest, ut Deus ipsum contra amet".--
Wir citieren die Überschrift des 6. Buches von "Wilhelm Meisters
Lehrjahren", wenn wir
*Bekenntnisse einer schönen Seele*
sagen.--
* * * * *
~Goethes~ Ballade "Der Zauberlehrling" (zuerst in Schillers
Musen-Almanach für 1798, S. 32) enthält die Worte:
*Die ich rief, die Geister,
Werd' ich nun nicht los;*
und aus seiner Ballade "Der Schatzgräber" (zuerst ebenda S. 46) wird
citiert:
*Tages Arbeit! Abends Gäste!
Saure Wochen! Frohe Feste!--*
* * * * *
Aus ~Goethes~ Sonett in "Was wir bringen" (Vorspiel bei Eröffnung des
neuen Schauspielhauses zu Lauchstädt: 26. Juni 1802; 19. Auftritt) wird
citiert:
*In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister.*
Dies Sonett befindet sich mit dem Titel "Natur und Kunst" auch in dem
"Epigrammatisch" überschriebenen Abschnitte seiner Gedichte.--
* * * * *
Im Wieland-Goetheschen "Taschenbuch auf das Jahr 1804", S. 97 steht
~Goethes~ "Tischlied" zum 22. Jan. 1802:
*Mich ergreift, ich weiss nicht wie,
Himmlisches Behagen;*
und S. 113 das Gedicht "Schäfers Klagelied", das nach Zelters
"Briefwechsel mit Goethe" (I, S. 21 und 41) schon 1802 bekannt war. Am
Ende der zweiten Strophe befinden sich, die das träumende Hinabwandeln
des Schäfers vom Berge schildernden Zeilen:
*Ich bin heruntergekommen
Und weiss doch selber nicht wie,*
die wir in ganz anderem Sinne ("heruntergekommen" in übertragener
Bedeutung) citieren.--
* * * * *
Aus ~Goethes~ (ebenda S. 115-116 zuerst erschienenem) Gedichte "Trost
in Thränen" wurde üblich:
*Die Sterne, die begehrt man nicht.*
S. 150 ebenda lässt ~Goethe~ am Ende des Gedichtes "Frühlingsorakel"
den Kuckuck seinen eigenen Namen
*Mit Grazie in infinitum*
wiederholen.--
* * * * *
Aus dem zu Schillers Todtenfeier am 10. Aug. 1805 von der Lauchstädter
Bühne erklungenen ~Goethe~schen "Epiloge zu Schillers Glocke" blieben
die folgenden Worte der vierten Strophe haften:
*Denn er war unser!* (_Mag das stolze Wort
Den lauten Schmerz gewaltig übertönen!_)
*Und hinter ihm in wesenlosem Scheine,
Lag, was uns Alle bändigt, das Gemeine.*
Erschienen im "Taschenbuch für Damen auf das Jahr 1806" her. v.
Huber, Lafontaine, Pfeffel u. A., Tübingen, J. G. Cotta; wiederholt
und erneut bei der Vorstellung am 10. Mai 1815; abgedruckt in den
"Sämtl. Werk." 6, 423. Stuttg. u. Tüb., J. G. Cotta 1840.--
* * * * *
Aus dem in Tübingen, 1808, bei Cotta (8. Band von ~Goethes~ Werken)
erschienenen "Faust" wird citiert:
Zueignung (gedichtet 1797).
*Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten.--*
Vorspiel auf dem Theater.
_Direktor:_ (_Zwar sind sie an das Beste nicht gewöhnt.
Allein_) *sie haben schrecklich viel gelesen.*
_Dichter:_ *Was glänzt, ist für den Augenblick geboren,
Das Echte bleibt der Nachwelt unverloren.*
_Direktor:_ *Wer Vieles bringt, wird Manchem etwas bringen.*
_Lustige
Person:_ *Greift nur hinein in's volle Menschenleben!*
_Lustige
Person:_ *Und wo ihr's packt, da ist's interessant.*
_Lustige
Person:_ *Wer fertig ist, dem ist nichts recht zu machen,
Ein Werdender wird immer dankbar sein.*
_Direktor:_ *Der Worte sind genug gewechselt,
Lasst mich auch endlich Thaten seh'n.--*
Prolog im Himmel.
_Der Herr:_ *Es irrt der Mensch, so lang er strebt.*
_Der Herr:_ *Ein guter Mensch, in seinem dunkeln Drange
Ist sich des rechten Weges wohl bewusst.*
_Mephist.:_ *Von Zeit zu Zeit seh' ich den Alten gern.--*
Faust. Der Tragödie erster Teil.
Nacht.
_Wagner:_ *Zwar weiss ich viel, doch möcht' ich alles wissen.*
_Faust:_ *Was du ererbt von deinen Vätern hast.
Erwirb es, um es zu besitzen.*
_Faust:_ *Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der
Glaube;
Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind.--*
Vor dem Thor.
_Bürger:_ *Nein, er gefällt mir nicht, der neue Burgemeister!*
_Andrer
Bürger:_ *... hinten, weit in der Türkei.*
_Faust:_ *... ein dunkler Ehrenmann.*
_Faust:_ *Was man nicht weiss, das eben brauchte man,
Und was man weiss, kann man nicht brauchen.*
_Faust:_ *Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust.*
_Die eine will sich von der andern trennen;
Die eine hält mit derber Liebeslust
Sich an die Welt mit klammernden Organen;
Die andre hebt gewaltsam sich vom Dust
Zu den Gefilden hoher Ahnen._
Schon Wieland lässt in dem lyrischen Drama "Die Wahl des Herkules"
(1773) diesen, zwischen Tugend und Begehrlichkeit schwankenden
Halbgott ausrufen:
"Zwei Seelen--ach, ich fühl' es zu gewiss!
Bekämpfen sich in meiner Brust
Mit gleicher Kraft." ...
Und lange vor Wieland singt ~Racine~ (1639-1699) im dritten Gesange
seiner "Cantiques spirituels", "Plainte d'un Chrétien sur les
contrariétés qu'il éprouve au dedans de lui-même", den er dem
siebenten Kapitel des "Römerbriefes" entlehnte, wo Paulus den Kampf
seines inneren und äusseren Menschen schildert:
"Mon Dieu, quelle guerre cruelle!
Je trouve deux hommes en moi:
L'un veut, que plein d'amour pour toi,
Mon coeur te soit toujours fidèle,--
L'autre, à tes volontés rebelle,
Me révolte contre la loi".
"L'un tout esprit et tout céleste,
Veut, qu'au ciel sans cesse attaché,
Et des biens éternels touché,
Je compte pour rien tout le reste,
Et l'autre par son poids funeste
Me tient vers la terre penché". etc.
~Wieland~ und ~Goethe~ setzten für "deux hommes" unwillkürlich "deux
âmes" als den üblichen Begriff. Sie kannten wohl die Lehre des
Mani (3. Jahrh. n. Chr.), von deren Anhängern Balthasar ~Bekker~
("Bezauberte Welt" I. Buch, XVIII. Hauptstück § 7; holländ. 1691,
deutsch 1693 Amsterd.) sagt: "Sie halten gar dafür, dass jeder Mensch
zwo Seelen habe, deren eine allezeit wider die andere streite". Und
Beide hatten gewiss in ~Xenophons~ "Cyropaedie" VI, 41 des wider
Willen sündhaft verliebten Araspes Vermuthung gelesen, "er müsse
ohne Frage zwei Seelen haben (δύο γὰρ, ἔφη, ὦ Κῦρε, σαφῶς ἔχω
ψυχάς), denn ~eine~ Seele könne nicht böse ~und~ gut sein,
noch zugleich etwas wollen und es auch nicht wollen." Bereits in
den "Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten" (1793-1795) lässt
~Goethe~ den "Alten" von "Ferdinand" sagen, er habe seiner Eltern
grundverschiedene Gemüthsarten in sich vereinigt, so dass "seine
Freunde zu der Hypothese ihre Zuflucht nehmen mussten, dass der junge
Mann wohl zwei Seelen haben mochte"; und weiterhin heisst es da
"die gute Seele schien die Oberhand zu gewinnen". ~Hierzu~ brauchte
~Goethe~ Racine nicht; seine Faustworte aber strömen klar aus jener
Quelle.--
_Faust:_ (_Du hast wohl recht:_) *ich finde nicht die Spur
Von einem Geist, und alles ist Dressur.*--
Studierzimmer.
_Faust:_ *mein geliebtes Deutsch.*
_Mephist.:_ *Wozu der Lärm? was steht dem Herrn zu Diensten?*
_Faust:_ *Das also war des Pudels Kern!*
_Faust:_ *Der Kasus macht mich lachen.*
_Mephist.:_ *der Geist, der stets verneint!*
_Mephist.:_ *Beisammen sind wir, fanget an!*
_Mephist.:_ *Du bist noch nicht der Mann, den Teufel fest zu
halten!--*
Studierzimmer.
_Mephist.:_ *Allwissend bin ich nicht; doch viel ist mir
bewusst.*
_Faust:_ *Was willst du armer Teufel geben?*
_Faust:_ *Verweile doch! Du bist so schön!*
(vrgl. T. II, 5 "Grosser Vorhof des Palastes".)
_Mephist.:_ *Blut ist ein ganz besondrer Saft.*
Schon in Christian Heinrich ~Postels~ Singspiel "Die Gross-Muthige
Thalestris oder Letzte Königin der Amazonen" (Hamburg. Vorgestellet
anno 1690) heisst es im "anderen Auftritt":
"Blut ist der Safft vor allen Säfften,
Der tapfren Muth im Herzen kann ernähren".--
Hexenküche.
_Mephist.:_ *Ein stiller Geist ist Jahre lang geschäftig;
Die Zeit nur macht die feine Gährung kräftig.*
_Tiere:_ (_Wir kochen_) *breite Bettelsuppen.--*
Walpurgisnacht.
_Mephist.:_ *süsser Pöbel.*
(G. v. ~Loeper~ führt dies Wort in seiner Ausgabe des Faust auf ein
"dolce plebe" im Ariost zurück, giebt aber keine Stelle an.)
_Mephist.:_ *Die Müh' ist klein, der Spass ist gross.*
_Mephist.:_ *Du glaubst zu schieben und du wirst geschoben.*
(vrgl. "Maximes et réflexions morales du Duc de la Rochefoucauld"
1782, No. 43 "L'homme croit souvent se conduire lorsqu'il est
conduit".)--
Feld.
_Mephist.:_ *Sie ist die erste nicht.* (_Nicht Goethes
Erfindung, sondern ein altes Wort._)--
Kerker.
_Faust:_ *Der Menschheit ganzer Jammer fasst mich an.*
_Margarete:_ *Heinrich! Mir graut's vor dir.--*
* * * * *