[Fußnote 21: ~Halliwell~ "Dictionary of archaic and provincial words",
Lond. 1844-1845, führt die alte sprichwörtliche Redensart "The case is
altered, quoth Plowden" (der Fall ist ein anderer, sprach Plowden) auf
diesen ausgezeichneten Juristen zur Zeit der Königin Maria von England
(1553-58) zurück. In "Tales and quicke Answeres", (o. J. um 1535) wird
sie von einem Bauer in Seeland erzählt; (Shakespeare Jest-Boocks. W.
Carew Hazlitt. Lond. 1860. Vol. I. 2. Abt. S. 134, No. 121); auch
~Erasmus~ in "Ecclesiastae sive de ratione concionandi" (2. Ausg.,
1536, S. 454) nennt sie eine Seeländische Geschichte. Nach "Luthers
Tischreden", Eisleben, 1566, S. 612 erzählte sie ~Luther~ 1546. Dort
heisst es: "Da sprach der Schultes: 'War's meine Kuh? Das ist ein ander
Ding'. In "~Bidermanni~ ex societate Jesu Acroamatum libri 3" wird in
3, 1, 13 sprichwörtlich "die Kuh des Praetor" angeführt. Eine andere
Geschichte, in der einem Bauer doppeltes Recht, das zweite Mal mit den
Worten: "Mein Bauer, das wär ein anders" in Aussicht gestellt wird,
erzählt ~Grimmelshausen~ im "Wunderbarlichen Vogelnest", 1, 6 (1672);
er wiederholt sie im "Deutschen Michel", 8.]
* * * * *
*Ach, wie ist's möglich dann,
Dass ich dich lassen kann*
ist der Anfang eines um 1750-1780 entstandenen Volksliedes. ("Deutscher
Liederhort" von Erk und Böhme, 1893, No. 548.) Zur ersten Strophe sind
zwei hinzugedichtet; diese drei bilden den jetzt üblichen Text, den
~Georg Scherer~ ("Volkslieder", 1868, No. 40) mitteilt. Der neue Text
ist komponiert von Moritz ~Ernemann~: "Acht Lieder. Berlin 1825"; darin
steht unter dem Texte: ~Hel~. (mina) ~v. Chézy~ (1783-1856).
Die jetzt übliche Melodie hat ~Friedrich Kücken~ (geb. 1810, †
1882) komponiert. Die "Gartenlaube" machte Louis Böhmer (†
1860) zum Dichter und Komponisten des Liedes, was ~Hoffmann von
Fallersleben~ "Unsere volkstümlichen Lieder", 3. Aufl., Leipzig 1869,
S. 159 eine Schrulle nennt. Erk schrieb darüber an Büchmann: "Der
Bummelante Böhner kann nichts dazu, dass ihm unverständige Leute die
Melodie zugeschrieben haben".--
* * * * *
*Morgen, morgen! nur nicht heute!*[22]
(Sprechen immer träge Leute)
ist der Anfang des Liedes "Der Aufschub" von Christian Felix *Weisse*
(1726-1804) in dessen "Liedern für Kinder", 1766, verm. Aufl. Mit neuen
Melodien v. J. A. ~Hiller~, (Leipz. 1769, S. 104-5). Laut Vorrede sind
die Lieder von S. 100 an hier neu hinzugekommen.--
[Fußnote 22: "Also das Eilige auf Morgen" sprach ~Archias~ lächelnd zu
Pelopidas und steckte den Brief zu sich, welchen ihm dieser als eilig
überbrachte. Das "οὐκοῦν εἰς αὔριον τὰ σπουδαῖα" wurde nach
~Plutarch~ ("Pelopidas" c. 10) sprichwörtlich in Griechenland.]
* * * * *
Aus Gotthold Ephraim *Lessing*s (1729-81) "Sinngedichten" (1753)
citieren wir den Schluss des ersten "Die Sinngedichte an den Leser":
(Wer wird nicht einen Klopstock loben?
Doch wird ihn Jeder lesen?--Nein.)
*Wir wollen weniger erhoben
Und fleissiger gelesen sein.*
Geschöpft sind diese Verse aus ~Martials~ (4, 49) Spottworten an den
Dichter Flaccus:
"Confiteor: laudant illa, sed ista legunt",