*Neue Besen kehren gut*
an, was zuerst[15] in *Freidank*s "Bescheidenheit" (W. Grimms Vrîdanc
15: "Von Dieneste" g. E.) in der Form vorkommt:
Der niuwe beseme kert vil wol
ê daz er stoubes werde vol.
(Der neue Besen kehrt sehr wohl,
Eh' dass er Staubes werde voll.)--
[Fußnote 15: Vrgl. über Dieses und Ähnliches die "~Einleitung~",
in der gesagt ist, dass auch Sprichwörter nicht vom Himmel fallen,
sondern stets ihren ersten Urheber haben müssen. Falls also nicht
aus der Form des ersten Befundes mit Sicherheit hervorgeht, dass ein
bereits gebräuchliches Sprichwort vorliegt, kann der Sammler die erste
schriftstellerische Quelle getrost anmerken. Die spätere Forschung
möge dann untersuchen, ob das Wort schon in früheren Tagen im Volke
verbreitet war.]
* * * * *
*Das fünfte Rad am Wagen*
stammt aus *Herbort* von Fritzlars (1. Decennium des 13. Jahrh.) "Liet
von Troye" 83 "so zele man mich zem fünften Rade" oder aus "~Vrîdanc~"
41 "Von Guote und Uebele":
der wagen hât deheine stat
dâ wol stê daz fünfte rat.
(Der Wagen hat keine Stelle,
Wo das fünfte Rad wohl angebracht wäre.)--
* * * * *
*Den Mantel nach dem Winde kehren*
findet sich zuerst in *Gottfried von Strassburg*s (um 1215) "Tristan
und Isolt" (262, 32 f. Massmann, Leipz. 1843) in der Form:
man sol den mantel keren,
als ie die winde sint gewant.--
* * * * *
Aus dem "Sachsenspiegel" (1219-1233) *Eike von Repkow*s, eines Schöffen
aus der Nähe von Magdeburg, stammt:
*Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.*
Es lautet bei ~Homeyer~ ("Des Sachsenspiegels erster Teil oder das
Sächsische Landrecht nach der Berliner Handschrift von 1369"; 3. Ausg.,
Berlin 1861, 2. Buch, Artikel 59, § 4): "Die ok irst to der molen kumt,
die sal erst malen".--
* * * * *
*Wer seinen Kindern giebt das Brot
Und leidet nachmals selber Not,
Den soll man schlagen mit der Keule tot,*
befindet sich an manchem Stadtthore Norddeutschlands neben einer
aufgehängten Keule angebracht. Dieser Spruch ist einer Erzählung des
*Rüdiger von Hünchhover* entnommen, der in Urkunden 1290-1293 erscheint
(Herrigs Archiv 7, 340). Sie heisst "Der Schlägel" und lautet also:
"Ein alter Mann, der sein ganzes Vermögen seinen Kindern überlassen
hat, die ihn nun schlecht behandeln, weiss in ihnen den Glauben zu
erwecken, dass er noch einen Schatz zurückbehalten habe, worauf sie
ihn wieder in Ehren halten. Nach seinem Tode finden aber die Kinder
in der vermeintlichen Schatzkiste nichts als einen Schlägel, mit der
Beischrift, dass man einem jeden, der seine ganze Habe seinen Kindern
übergiebt und infolgedessen in Not und Elend lebt, mit diesem Schlägel
das Gehirn einschlagen müsse".
("Koloczaer Codex altdeutscher Gedichte" von Graf ~Mailáth~ und
~Köffinger~, S. 155, und v. ~der Hagens~ "Gesamtabenteuer" 49,
vrgl. auch "Meister Stephans Schachbuch", ein mittelniederdeutsches
Gedicht des 14. Jahrhunderts, herausgegeben von W. Schlüter 1889-90,
V. 4730-4881.) Nach ~Thiele~ "Danmarks Folkesagen", I, 107 wird in
Dänemark diese Geschichte von Olaf Bagger in Odense unter Friedrich
II. (1559-1588) erzählt.--
* * * * *
*Die Welt will betrogen sein*
steht in der Form "die wellt die will betrogen syn" in ~Sebastian~
*Brant*s (1458-1521) 1494 erschienenen "Narrenschiff" (Ausg. Zarncke,
S. 65, Sp. 1). Man führt es oft in der lateinischen Form an:
*Mundus vult decipi.*
So heisst es schon in Sebast. ~Franks~ 1533 erschienenen "Paradoxa",
No. 236 (247): "Die Welt will betrogen und belogen sein und nur mit
Wahn geäfft und regiert werden, wie jener Mönch sagt, der für sein
Thema hält:
Mundus vult decipi
darumb bin ich hie,
dem man zu Lohn alle Säcke voll stiess". Hierin sieht Dr. ~Weinkauff~
(Birlingers "Alemannia", VI, 1. S. 48 u. 49) die Grundlage von
*Mundus vult decipi, ergo deciplatur*
(Die Welt will betrogen sein, darum sei sie betrogen);
während ~Thuanus~ (Bch. 12, anno 1556) dies lateinische Wort auf den
päpstlichen Legaten ~Caraffa~ (späteren Papst Paul IV., † 1559)
zurückführt.--
* * * * *
*Grobian*
ist auch ein Wort ~Sebastian Brants~ aus dem "Narrenschiff" (Zarncke,
S. 71 u. 72). Er spricht dort von einem "neuen Heiligen, Grobian
geheissen", den er weiterhin "Sankt Grobian" nennt.--
* * * * *
*Hanswurst*
findet sich zum ersten Male in der Form ~Hans Worst~ in der
niederdeutschen Übersetzung von ~Sebastian Brants~ "Narrenschiff"
(Rostock 1519, No. 76, 83, Ausg. ~Zarncke~, S. 75, Sp. 2). Bei Brant
selbst steht ~hans myst~. ~Hans Mist~ ist auch der Name eines Bauern in
einem Fastnachtspiele des 15. Jahrh. (~Keller~ I, S. 342). Hans Worst
wiederholt sich bei ~Luther~ in der "Vermahnung an die Geistlichen,
versammelt auf dem Reichstag zu Augsburg", 1530, im Abschnitte "Vom
ehelosen Stande"; in der Predigt über die "Auferstehung der Toten", B.
19, 133; in "Wider den Meuchler zu Dresden" (1531), 25, 105; und in
"Wider Hans Worst" (Wittenberg 1541, 26, 4) sagt ~Luther~:
"Dies Wort, Hans Worst, ist nicht mein, noch von mir erfunden,
sondern von andern Leuten gebraucht wider die grossen Tölpel, so klug
sein wollen, doch ungereimt und ungeschickt zur Sache reden und thun".
Schon hieraus möchte man schliessen, dass Luther an eine volkstümliche
Bühnengestalt gedacht hat, besonders aber aus den kurz darauf folgenden
Worten:
"Wohl meinen etliche, ihr haltet meinen gnädigen Herrn (den
Kurfürsten von Sachsen) darum für Hans Worst, dass er von Gottes, dem
ihr feind seid, Gaben stark, fett und volliges Leibes ist. Also hab
ichs auch oft gebraucht, sonderlich und allermeist in der Predigt".
Die heut übliche Form "Hans Wurst" steht erst in ~Fischarts~
"Gargantua" (1575. c. 8. g. E.): "Trink alzeit for den durst--So tringt
dich kain durst--Mein Hans Wurst".--
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*Calembourg*
entstammt nach der von Philarète ~Chasles~ ("Études sur l'Allemagne
ancienne et moderne", Paris 1854, p. 83) aufgestellten und in ~Littrés~
Lexikon gebilligten Etymologie dem Schwankbuche Philipp *Frankfurter*s
"Der Pfaffe von Kalenberg" (nachweisbar erst Ende des 15. Jahrh.
geschrieben, vielleicht schon im 11. Jahrh.). Aus Calembourg haben wir
dann zur Bezeichnung hervorragend schlechter Wortwitze
*Kalauer*
gemacht, wobei wohl an Leder und die geringere Qualität der Stiefel
gedacht worden ist, wie sie die Stadt Kalau liefert. Andere wollen
wissen, der Ausdruck rühre daher, dass Ernst Dohm seine guten Witze dem
"Kladderadatsch" Sommers aus Kalau sandte.--
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