Luk. 21, 35 (vrgl. Hiob 43, 19) spricht Jesus: "wie ein

*Fallstrick*

wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen".--

Luk. 22, 6 (vrgl. Apostelg. 24, 68) steht:

*Ohne Rumor.--*

Aus Luk. 23, 6-12 erklärt sich die Redensart:

*von* _Herodes (fälschlich:_ *Pontius) zu Pilatus schicken*

_oder_ *laufen.--*

Das Luk. 23, 16 und 22 enthaltene:

*Züchtigen und loslassen*

ist ein den Handwerkern gewöhnlicher Ausdruck geworden. Der Küfer

sagt, er könne züchtigen und loslassen, d.h. zum Wein Wasser zusetzen

oder nicht; der Schuhmacher, wenn er Schuhe mit Riemen gemacht hat, er

könne sie züchtigen und loslassen, d.h. zubinden und aufbinden u.s.w.--

*Denn so man das thut am grünen Holz, was will am dürren werden!*

steht Lukas 23, 31.--

Lukas 24, 36 und Joh. 30, 19. 21. 26 spricht Jesus:

*Friede sei mit euch!*

*Pax vobiscum!--*

* * * * *

*Johannes* 1, 46 spricht Nathanael zum Philippus:

*Was kann von Nazareth Gutes kommen?--*

Joh. 1, 51 (vrgl. Hesekiel 1, 1, Apostelgesch. 7, 55 und 10, 11) finden

wir:

*Den Himmel offen sehen.--*

Joh. 2, 15 (vrgl. Matth. 21, 12; Mark. 11, 15 und Luk. 19, 45) heisst

es von Jesus: "... er machte eine Geissel aus Stricken und ~trieb~ sie

alle ~zum Tempel hinaus~", nämlich die Viehhändler und Wechsler. Daher

*zum Tempel hinaus treiben*

uns für "unsanft entfernen" üblich wurde.--

*Wie Nikodemus kommen bei der Nacht*

beruht auf Joh. 3, 2 wo erzählt wird, dass der Pharisäer Nikodemus,

"ein Oberster unter den Juden", zu Jesu kam "bey der Nacht" (s. auch

7, 50 und 19, 39), der mit ihm redete vom Wege zum ewigen Leben, der

Wiedergeburt im Geiste. "Wie mag solches zugehen?" fragt Nikodemus, und

(V. 10): "Jesus antwortete und sprach zu ihm:

*Bist Du ein Meister in Israel und weisst das nicht?"--*

Auf Joh. 8, 7, wo Jesus spricht: "Wer unter euch ohne Sünde ist, der

werfe den ersten Stein auf sie" beruht:

*Den ersten Stein auf jemanden werfen.--*

Nach Joh. 8, 57: "Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht

fünfzig Jahr alt und hast Abraham gesehen?" wurde die Redeweise

*Er hat schon Vater Abraham gesehen*

in den Rheinlanden gebräuchlich für "er ist über fünfzig Jahre alt".--

Joh. 9, 4 steht: "Ich muss wirken die Werke dess, der mich gesandt hat,

so lange es Tag ist;

*es kommt die Nacht, da niemand wirken kann".*

(vrgl. Goethes "Noch ist es Tag" u.s.w.).--

*Was du thust, das thue bald*

spricht Joh. 13, 27 Jesus zu Judas Ischarioth.--

Joh. 18, 38 enthält die Frage des Pilatus:

*Was ist Wahrheit?--*

Der Ausruf des Pilatus, Joh. 19, 5: "Sehet, welch ein Mensch!" ist in

lateinischer Form:

Ecce homo!

ein Wort geworden, womit man in der Kunst die Darstellung eines

leidenden Christus mit der Dornenkrone bezeichnet.--

Joh. 19, 22 steht des Pilatus Grundsatz:

*Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.--*

Die Worte des auferstandenen Jesu zu Maria aus Joh. 20, 17 lauten in

der Vulgata:

*Noli me tangere!*

(Rühre mich nicht an!).--

*Ungläubiger Thomas*

ist aus Joh. 20, 24-29 entwickelt, wo der Jünger Thomas nicht eher an

die Auferstehung Jesu glauben mag, als bis er dessen Wunden betastet

hat.--

Joh. 21, 23 sagen die anderen Jünger von dem Johannes:

*Dieser Jünger stirbt nicht.--*

* * * * *

Aus der *Apostelgeschichte S. Lucae* 2, 5 und 10, 35 ist entlehnt:

*Allerlei Volk,*

aus 2, 11:

*Juden und Judengenossen;*

aus 2, 12:

*Was will das werden?*

und aus 2, 13:

*voll süssen Weines sein.--*

Apost. 4, 20 steht:

*Non possumus*

"~wir können es ja nicht~ lassen, dass wir nicht reden sollten, was wir

gesehen und gehöret haben".

ebenda 4, 32:

*Ein Herz und eine Seele.--*

Nach dem Zauberer Simon (Apost. 8, 9-24), der die Gabe der Mitteilung

des Geistes durch Händeauflegen von den Aposteln für Geld erhandeln zu

können glaubte, nennen wir Schacher mit geistlichen Ämtern

*Simonie.--*

Apost. 9, 5 und 26, 14 steht der bei den vorchristlichen Griechen und

Römern schon übliche[13] Vergleich:

*Wider den Stachel löcken.*

[Fußnote 13: "πρὸς κέντρον λακτίζειν"--Aeschyl. "Agam."

1624; Eurip. "Bakch." 795; s. auch Plaut. "Truc." 4, 2, 55 u. Terent.

"Phorm." 1, 2, 28: "contra stimulum calcare".]

"Löcken" ist so viel als "mit den Beinen ausschlagen", und das

dem Ausdrucke zu Grunde liegende Bild ist das eines vor den Pflug

gespannten Rindes, welches gegen den Stachelstock des Treibers

eigensinnig ausschlägt.--

*Aus einem Saulus ein Paulus werden*

oder:

*Seinen Tag von Damaskus erleben*

erläutert sich aus dem Anfange des 9. Kap. der Apostelgeschichte.

Apost. 9, 15 spricht der Herr von Saulus: "Dieser ist mir

*ein auserwähltes Rüstzeug".--*

Der Bekehrung des Saulus Apost. 9, 18 ist entlehnt:

*Wie Schuppen von den Augen fallen.--*

Apost. 18, 21 steht geschrieben: "*τοῦ θεοῦ θέλοντος ...*"

("will's Gott ..."), ebenso 1. Kor. 4, 19 ("So der Herr will ..."),

Ebr. 6, 3 ("So es Gott anders zulässt ...") und ähnlich Jak. 4, 15 ("So

der Herr will ..."). Danach sprechen wir:

"*Will's Gott*" oder: "*So Gott will*".--

Apost. 20, 35 bringt:

*Geben ist seliger denn Nehmen.*

Nach ~Plutarchs~ "Sprüchen von Königen und Feldherren" hat ~Artaxerxes~

gesagt: "Geben ist königlicher denn Nehmen" (τὸ προσθεῖναι

τοῦ ἀφελεῖν βασιλικώτερόν ἐστι).--

Wenn wir sagen:

*zu den Füssen eines Lehrers sitzen,*

so citieren wir Paulus, der Apost. 22, 8 berichtet: "Ich bin ein

jüdischer Mann, geboren zu Tarsen in Cilicien, und erzogen in

dieser Stadt, zu den Füssen Gamaliels, gelehret mit allem Fleiss im

väterlichen Gesetz ..."--

Apost. 26, 24 enthält:

*Paule, du rasest,*

und:

*Die grosse Kunst macht Dich rasen(d).--*

* * * * *

Aus dem *Römerbrief* citieren wir:

1, 20:

*Also dass sie keine Entschuldigung haben;*

3, 23: "Denn es ist hier kein Unterschied; sie sind allzumal Sünder..."

wird gewöhnlich so citiert:

*Wir sind Sünder allzumal.--*

5, 5:

*Hoffnung* (_aber_) *lässt nicht zu Schanden werden.--*

Nach Römer 6, 6, Epheser 4, 22, Kolosser 3, 9, wo "der alte Mensch"

gebraucht wird, ist

*der alte Adam*

gebildet, ein Wort, das auf der Anschauung und Sprachweise des Paulus

beruht (Römer 5, 14 ff. und 1. Korinth. 15, 45), wonach dem ersten Adam

als Urheber der Sünde und des Todes in Christus der zweite Adam als

Urheber des Lebens und der Unsterblichkeit gegenübergestellt wird. Das

hebräische Wort "Adam" heisst auf deutsch "Mensch". Ist "alter Adam"

zuerst von Luther gebraucht worden?

Es kommt im 4. Hauptstück des Katechismus vor; in seiner Predigt am

Sonntag Lätare, die andere Predigt; in der 9. Passionspredigt; in der

anderen Predigt am Tage der heiligen Dreifaltigkeit; in der Predigt

am 16. Sonntag und in der am 19. Sonntag nach der Dreifaltigkeit.--

Nach Römer 7, 18: "... Wollen habe ich wohl, aber Vollbringen das Gute

habe ich nicht" und nach Philipper 2, 13: "Gott ist es, der in euch

wirket beides, das Wollen und das Vollbringen nach seinem Wohlgefallen"

reden wir vom

*Wollen und Vollbringen.--*

Nach Röm. 7, 22 und Ephes. 3, 16 sagen wir:

*der inwendige Mensch.--*

Röm. 10, 2: "ich gebe ihnen das Zeugnis, dass sie eifern um Gott, aber

mit Unverstand", bietet uns das Wort:

*eifern mit Unverstand.--*

*Heidenblindheit* _und_ *blinder Heide*

stammt aus Röm. 11, 25: "Blindheit ist Israel eines Teils widerfahren,

so lange, bis die Fülle der Heiden eingegangen sei"; und noch

deutlicher aus Eph. 4, 17: "So sage ich..., dass ihr nicht mehr

wandelt, wie die andern Heiden ...", 18: "welcher Verstand verfinstert

ist und sind entfremdet von dem Leben, das aus Gott ist, durch ... die

Blindheit ihres Herzens".--

Röm. 12, 11 steht:

*Schicket euch in die Zeit;*

auch Eph. 5, 16 und Koloss. 4, 5 lautet es bei Luther ebenso, während

Bunsen hier strenger übersetzt: "Kaufet die Zeit aus", d.h. "wendet

die Zeit gescheidt an".--

Röm. 12, 15: "Freuet euch mit den Fröhlichen und weinet mit den

Weinenden" liefert uns die Wendung:

*Sich freuen mit den Fröhlichen.--*

Römer 13, 7 bietet:

*Ehre, dem* (_die_) *Ehre gebühret.--*

Aus Röm. 14, 22: "... Selig ist, der sich selbst kein Gewissen macht in

dem, das er annimmt" schöpfen wir:

*Sich kein* (oder ein) *Gewissen aus Etwas machen.--*

* * * * *

Im *1. Korintherbrief* heisst es: 1, 19 (s. Jesaias 29, 14), dass Gott

verwerfen will

*Den Verstand der Verständigen*

(s. Schillers "Die Worte des Glaubens" 1798).--

Geflügelte Worte: Der Citatenschatz des deutschen Volkes · 第 88 / 438 题