Auf Matth. 26, wo geschrieben steht, dass die anderen Jünger schlafen,
während Judas den Herrn verrät, beruht das Wort:
*Der Verräter schläft nicht;*
und auf Matth. 26, 15: "Ich will ihn euch verraten. Und sie boten ihm
30 Silberlinge" der Ausdruck:
*Judaslohn.--*
Wenn wir in bitteren Leiden wünschen:
*Dieser Kelch mag an mir vorübergehen,*
so wenden wir ungenau Worte Christi an, die Matth. 26, 39. 42; Lukas
22, 42; Markus 14, 36 angegeben werden.--
Matth. 26, 10 spricht Jesus von dem Weibe, die köstliches Wasser auf
sein Haupt goss: "Sie hat ein gutes Werk an mir gethan". Daher unser
Wort:
*Ein gutes Werk an Einem thun.--*
Matth. 26, 41 und Markus 14, 38 lesen wir:
*Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.--*
Matth. 26, 48 u. 49 (vrgl. Luk. 22, 48) heisst es von Judas: "Und
der Verräter hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: welchen ich
küssen werde, der ist's, den greifet. Und alsobald trat er zu Jesu und
sprach: Gegrüssest seyst du, Rabbi! und küssete ihn". Darauf beruht der
Ausdruck:
*Judaskuss,*
und einen
*Judas*
nennen wir danach einen falschen, verräterischen Menschen.--
*Sehen, wo es hinaus will*
sagen wir nach Matth. 26, 58: "Petrus ... setzte sich bey den Knechten,
auf dass er sähe, wo es hinaus wollte".--
Matth. 26, 73 sprechen die Umstehenden zu Petro, als er Jesum zum
zweiten Male verleugnet hatte: "Wahrlich, du bist
*auch Einer von Denen*
(nämlich: die mit Ihm waren); denn deine Sprache verrät dich". Der
Titel von Fr. Th. ~Vischer~'s Buch "Auch Einer" (1879) wurzelt in
diesen Worten.--
*Matthäi am letzten sein*
in der Bedeutung: "Seinem Ende oder seinem Verderben nahe sein" beruht
auf dem Schlusse des Evangeliums Matthäi: "(bis an der Welt) Ende".
"Matthäi am letzten" citiert Luther im "Katechismus" (4. Hauptst. 1.
B.).--
* * * * *
Aus *Markus* 1, 7; Luk. 3, 16; Joh. 1, 27 (vrgl. Apost. 13, 25)
entnehmen wir die Redeweise:
*Nicht wert sein, einem die Schuhriemen aufzulösen.--*
Nach Mark. 3, 30: "Denn sie sagten: er hat einen unsaubern Geist"
citieren wir:
*Unsauberer Geist.*
Von der Macht Jesu über die "unsauberen Geister", oder "den
unsauberen Geist", welcher Luk. 4, 33 "unsauberer Teufel" heisst, ist
die Rede Matth. 10, 1; Mark. 1, 23-27; 5, 2-9; 9, 25; Luk. 4, 33-35;
8, 29; Mark. 3, 11; vom Ausfahren des "unsauberen Geistes" ausser an
einigen der citierten Stellen: Matth. 12, 43 u. Luk. 11, 24.--
*Ihre Zahl ist Legion*
beruht auf Mark. 5, 9, wo der "unsaubere Geist" spricht: "Legion heisse
ich, denn unser ist viel" und Luk. 8, 30, wo der Teufel sagt, dass er
"Legion" heisse; "denn es waren viel Teufel in ihn gefahren".--
Mark. 6, 26 heisst es vom Herodes "er ward betrübt", weil Herodias ihn
um des Täufers Haupt gebeten, "doch um des Eides willen und derer, die
am Tische sassen, wollte er sie nicht lassen
*eine Fehlbitte thun".*
Im Text aber steht gerade diese Wendung nicht, so dass wir damit nicht
Markus, sondern Luther citieren.--
*Das Scherflein der Witwe*
beruht auf Mark. 12, 42 und Luk. 21, 1-4, wo jedoch von "zwei
Scherflein" (= einem Heller) die Rede ist;
*der Glaube macht selig*
auf Mark. 16, 16: "Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig
werden: wer aber nicht glaubet, der wird verdammet werden". ("Wer's
glaubt, wird selig", sagt das Volk zu einer wenig glaubwürdigen
Erzählung.)--
*Mit Zungen reden*
ist Mark. 16, 17 entnommen; auch kommt es Apostelgeschichte 2, 4;
10, 46; 19, 6 und 1. Korinth. 14 vielmals vor. In den ersten beiden
Stellen, wo es "mit neuen" und "mit andern Zungen" lautet, bedeutet es
"in fremden Sprachen reden", in den folgenden Stellen ohne Beiwort hat
es den Sinn "vom heiligen Geist erfüllt reden".--
* * * * *
Aus *Lukas 1*, 66 citieren wir:
*Was wird* (_eigentlich: will_) *aus dem Kindlein werden!*
aus Luk. 2, 13:
*Die Menge der himmlischen Heerscharen;*
aus Luk. 2, 52:
*Zunehmen an Alter und Weisheit;*
und aus Luk. 6, 38:
*Gebet, so wird euch gegeben.*
*Ein voll, gedrückt, gerüttelt und überflüssig Mass* (_wird man
in euren Schoss geben: denn eben_)
*mit dem Mass, da ihr* (_mit_) *messet, wird man euch wieder
messen.*
(vrgl. Matth. 7, 2 u. Mark. 4, 24.)--
Nach Luk. 9, 55: "Welches Geistes Kinder" citiert man:
*Wess Geistes Kind.--*
Luk. 10, 7 und 1. Tim. 5, 18 heisst es:
(_Denn_) *ein Arbeiter ist seines Lohnes wert,*
während es Matth. 10, 10 "seiner Speise" lautet.--