*Daniel*
für "weiser Richter", welcher durch ~Shakespeares~ "Kaufmann von
Venedig" (4, 1) volkstümlich geworden ist. Shylock nennt dort die in
Gestalt eines Richters auftretende Porzia einen Daniel, und Graziano
wiederholt das Wort, den Shylock verhöhnend.--
* * * * *
Auf *Matthäus* 3, 10 (vrgl. Luk. 3, 9): "Es ist schon die Axt den
Bäumen an die Wurzel gelegt. Darum, welcher Baum nicht gute Frucht
bringet, wird abgehauen und ins Feuer geworfen ..." beruht:
*die Axt an die Wurzel legen.--*
Matth. 3, 11 (vrgl. Luk. 3, 16) heisst es: "Ich taufe euch mit Wasser
zur Busse: der aber nach mir kommt....., der wird euch mit dem heiligen
Geist und mit Feuer taufen". Daher reden wir, jedoch ohne den Sinn
festzuhalten, von einer
*Feuertaufe.--*
Aus Matth. 3, 12: "Und er hat seine Wurfschaufel in seiner Hand; er
wird seine Tenne fegen und den Weizen in seine Scheune sammeln; aber
die Spreu wird er verbrennen mit ewigem Feuer", citiert man:
*Die Spreu vom Weizen sondern.--*
Matth. 3, 17 lesen wir:
*Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe;*
(vrgl. Jesaias 42, 1; Matth. 17, 5; Mark, 1, 11; Luk. 3, 22; 2. Petri
1, 17).--
Matth. 4, 10, sowie Luk. 4, 8 steht das Wort Jesu zum Teufel:
*Hebe dich weg von mir, Satan!*
*Apage, Satana!*
(In ähnlicher Weise redet Christus den Petrus an: Matth. 16, 23 und
Mark. 8, 33.)--
Matth. 5, 3: "Μακάριοι οἱ πτωχοὶ τῷ πνεύματι" ("Selig sind
die am Geiste Armen") übersetzte Luther: "Selig sind, die da geistlich
(veraltet für "geistig") arm sind", woraus wir die Worte gebildet haben:
*arm an Geist,*
*geistesarm* _und_ *Geistesarmut.--*
Matth. 5, 14 spricht Jesus zu den Jüngern: "Ihr seid das Licht der
Welt", nach der Vulgata: "Vos estis lux mundi", woraus uns wohl für
einen bedeutenden Geist die Bezeichnung "ein
*lumen mundi"*
entsprang. "Lumina civitatis" (Staatsleuchten) nannte ~Cicero~
("Catil." 3, 10, 24) berühmte Männer.--
*Sein Licht unter den Scheffel stellen*
und
*Sein Licht vor den Leuten leuchten lassen*
stammt aus Matth. 5, 15 und 16: "Man zündet auch nicht ein Licht an und
setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter, so leuchtet
es denen allen, die im Hause sind. Also lasset euer Licht leuchten vor
den Leuten" u.s.w. (vrgl. Mark. 4, 21; Luk. 8, 16 und 11, 33.)--
*Kein Jota,* _oder_ *nicht ein Jota*
beruht auf Matth. 5, 18. Der griechische Text hat dort statt des
Lutherischen "--wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe":
"ἰῶτα ἕν--οὐ μὴ παρέλθῃ" (in der Vulgata: "iota unum--non
praeteribit" d.h. "~nicht ein Jota~ wird zergehen"). Der ganze Satz
(vrgl. Luk. 16, 17) lautet: "Bis dass Himmel und Erde zergehe, wird
nicht zergehen der kleinste Buchstabe, noch Ein Titel vom Gesetz, bis
dass es alles geschehe". Daher auch unser:
*Kein Titel,* _oder_ *Tütel,* _oder_ *Tittel,* _oder_
*Tittelchen.--*
Nach Matth. 5, 26 sagen wir:
*der letzte Heller.--*
Matth. 5, 37 steht:
*Eure Rede aber sei, ja, ja, nein, nein; was drüber ist, das ist
vom Übel.--*
Matth. 5, 45: "... er lässt seine Sonne aufgehen über die Bösen und
über die Guten und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte" giebt uns
das Wort:
*Seine Sonne scheinen lassen über Gerechte und Ungerechte.--*
Giebt jemand prahlerisch aller Welt etwas kund, so tadeln wir, dass er
es
*ausposaune,*
nach Matth. 6, 2: "Wenn du nun Almosen giebst, sollst du nicht lassen
vor dir posaunen, wie die Heuchler thun in den Schulen und auf den
Gassen".--
*Lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte thut*
lesen wir Matth. 6, 3.--