*Denkzettel*
erklärt sich aus 4. Mos. 15, 38-39, wo der Herr durch Moses den Kindern
Israel befiehlt, dass sie "Läpplein an den Fittigen ihrer Kleider"
tragen, bei deren Anblick sie an alle Gebote denken sollen (vrgl. das
ähnliche "Denkmahl" 5. Mos. 6, 8; 11, 18 und dazu Sprüche 3, 3; 7, 3).--
* * * * *
Aus dem Buche *"Die Weisheit Salomons an die Tyrannen"* 15, 12: "Sie
halten auch das menschliche Leben für einen Scherz, und menschlichen
Wandel für einen Jahrmarkt" ... entnehmen wir den
*Jahrmarkt des Lebens.--*
* * * * *
Im Buche *Judith* 6, 3 steht:
*sterben und verderben.--*
* * * * *
*Tobias* 2, 9 lesen wir: "Tobias aber fürchtete Gott mehr, denn den
König" ..., danach uns Paulus in der Apostelgeschichte 5, 29 die Lehre
giebt:
*Man muss Gott mehr gehorchen denn den Menschen.--*
Ein alter Reimspruch:
*Was du nicht willst, das dir geschieht,
Das thu' auch keinem andern nicht,*
oder:
*Was du nicht willst, das man dir thu',
Das füg' auch keinem Andern zu,*
ist die Umformung von Tobias 4, 16: "Was du nicht willst, das man
dir thue, das thue einem Andern auch nicht", (vrgl. Matth. 7, 12 und
Luk. 6, 31.) Man nimmt an, das Buch Tobiae stamme aus dem ersten
vorchristlichen Jahrhundert, und so könnte man diesen Spruch auch
auf den Rabbi ~Hillel~ zurückführen, der von 70 vor bis 10 n. Chr.
lebte. Nach dem Talmudtraktat Sabbath (fol. 31 a) hat nämlich dieser
Synedrialvorsitzende und Mischnalehrer einst einem Heiden, der ins
Judentum aufgenommen werden wollte, gesagt: "Was dir unlieb ist, füge
deinem Nebenmenschen nicht zu; das ist das ganze Gesetz u.s.w." Wir
citieren das Wort auch lateinisch nach ~Lampridius~ (51), welcher vom
Kaiser ~Alexander Severus~ († 235 n. Chr.) berichtet: "Er rief öfter
aus, was er von einigen Juden oder Christen gehört und behalten hatte:
*Quod tibi fieri non vis, alteri ne feceris,*
liess es, wenn er jemanden rügte, durch den Ausrufer ausrufen, und
liebte diesen Spruch so, dass er ihn sowohl an seinen Palast wie auch
an öffentliche Gebäude anschreiben liess". Doch hätte der Kaiser diese
Weisheit auch von den Heiden erfahren können: denn schon im 4. Jahrh.
v. Chr. sagte ~Isokrates~ (3, im Nikokles, 61) ἃ πάσχοντες
ὑφ' ἑτέρων ὀργίζεσθε, ταῦτα τοῖς ἄλλοις μὴ ποιεῖτε. (Worüber ihr
zürnt, wenn ihr es von andern erleidet, das thut den andern nicht.) Der
Spruch findet sich ferner im ~Seneka~ (ep. 94) und in der syrischen
Redaktion des Buches "von den sieben weisen Meistern" (von Fr.
Bäthgen, Lpz. 1879, S. 4), sowie in der arabischen Bearbeitung dieser
Erzählung in "1001 Nacht". (Deutsche Ausgabe. Hagen-Habicht, B. 15, S.
117.) u.s.w.--
*Ein guter Gesell*
sagen wir nach Tobias 5, 6.--
"*Der gute Engel*
Jemandes sein" oder "Einem als solcher zur Seite stehen", ist aus
Tobias 5, 29 (vrgl. 2. Makk. 15, 23) entlehnt, wo Tobias zur Frau
seines Sohnes von diesem spricht: "Ich glaube, dass der gute Engel
Gottes ihn geleite".--
Die Worte aus Tobias 6, 3:
*O Herr, er will mich fressen!*
wendet man im gewöhnlichen Leben an, um ein unverstecktes, unhöfliches
Gähnen damit zu rügen. Weil man aber gähnt, wo es langweilig ist, so
kritisiert man damit auch eine solche Gesellschaft, oder man sagt
kurzweg:
*Tobias sechs, Vers drei.--*
* * * * *
*Jesus Sirach* 3, 11 steht:
"*Des Vaters Segen bauet den Kindern Häuser,*
aber der Mutter Fluch reisset sie nieder."--
3, 24 lesen wir:
(_Und_) *was deines Amtes nicht ist, da lass deinen Vorwitz;*
und nach 3, 27: "Denn wer sich gern in Gefahr giebt, der verdirbt
darinnen" wird citiert:
*Wer sich in Gefahr begiebt, kommt darin um.--*
*Wider den Strom schwimmen*
ist entnommen aus Sirach 4, 31: "Strebe nicht wider den Strom" (vrgl.
Juvenal 4, 89: "nunquam direxerit brachia contra torrentem").--
Sirach 7, 15 (vrgl. Matth. 6, 7): ... "wenn du betest, so mache nicht
viele Worte" ist die Quelle der Redewendungen:
*Viele Worte machen*
und:
*Nicht viele Worte machen.--*
Sirach 7, 40 steht:
*Was du thust,* (_so_) *bedenke das Ende.*
Ist nach diesem Spruch der lateinische gemacht:
*Quidquid agis, prudenter agas et respice finem,*
Was du beginnest, beginne es klug und bedenke das Ende, der schon im
Mittelalter (z.B. in den "Gesta Romanorum", c. 103) citiert wird?
Andere mittelalterliche Schriften (Edélestand du Méril, Poésies
inédites du moyen-âge, p. 162) berufen sich hinsichtlich dieses
Ausspruches auf ~Aesop~ (Fab. 45, bei Halm; vrgl. 45b): ... τῶν
ἀνθρώπων τοὺς φρονίμους δεῖ πρότερον τὰ τέλη τῶν πραγμάτων σκοπεῖν,
εἶθ' οὕτως αὐτοῖς ἐπιχειρεῖν--"klugen Leuten ziemt es,
zunächst das Ende eines Unternehmens ins Auge zu fassen, und es erst
dann also ins Werk zu setzen". Ferner ist zu erinnern an V. 27 aus den
pseudo-pythagoräischen "goldenen Sprüchen": "βουλεύου δὲ πρὸ ἔργου,
ὅπως μὴ μωρὰ πέληται]"--"Überlege vor der That, damit nichts
Thörichtes daraus entstehe".
~Hans Sachs~ erzählt in dem 1557 geschriebenen
"Mensch, was du thust, bedenk' das End,
Das wird die höchst' Weisheit genennt."
(I, 4), dass ein Philosoph aus Athen diese Weisheit für tausend
Goldstücke zu Rom dem Kaiser Domitianus verkauft habe, und
glaubt irrtümlich, diese Geschichte sei im Sueton zu finden. Im
"Kurtzweiligen Zeitvertreiber" von 1666, S. 50 wird erzählt, dass
der Tyrann Dionysius einst einen Philosophen unter den Kaufleuten
sitzen sah und ihn fragte, was er zu verkaufen hätte. Er antwortete:
"Weisheit" und bestimmte den Preis dafür auf 400 Gulden. Dionys
bezahlte den Preis, und der Philosoph sagte ihm unsern Spruch her.--
Sirach 9, 24 steht:
*Das Werk lobt den Meister.--*