Das *Maleachi* 3, 16 und Matth. 23, 5 vorkommende Wort

*Denkzettel*

erklärt sich aus 4. Mos. 15, 38-39, wo der Herr durch Moses den Kindern

Israel befiehlt, dass sie "Läpplein an den Fittigen ihrer Kleider"

tragen, bei deren Anblick sie an alle Gebote denken sollen (vrgl. das

ähnliche "Denkmahl" 5. Mos. 6, 8; 11, 18 und dazu Sprüche 3, 3; 7, 3).--

* * * * *

Aus dem Buche *"Die Weisheit Salomons an die Tyrannen"* 15, 12: "Sie

halten auch das menschliche Leben für einen Scherz, und menschlichen

Wandel für einen Jahrmarkt" ... entnehmen wir den

*Jahrmarkt des Lebens.--*

* * * * *

Im Buche *Judith* 6, 3 steht:

*sterben und verderben.--*

* * * * *

*Tobias* 2, 9 lesen wir: "Tobias aber fürchtete Gott mehr, denn den

König" ..., danach uns Paulus in der Apostelgeschichte 5, 29 die Lehre

giebt:

*Man muss Gott mehr gehorchen denn den Menschen.--*

Ein alter Reimspruch:

*Was du nicht willst, das dir geschieht,

Das thu' auch keinem andern nicht,*

oder:

*Was du nicht willst, das man dir thu',

Das füg' auch keinem Andern zu,*

ist die Umformung von Tobias 4, 16: "Was du nicht willst, das man

dir thue, das thue einem Andern auch nicht", (vrgl. Matth. 7, 12 und

Luk. 6, 31.) Man nimmt an, das Buch Tobiae stamme aus dem ersten

vorchristlichen Jahrhundert, und so könnte man diesen Spruch auch

auf den Rabbi ~Hillel~ zurückführen, der von 70 vor bis 10 n. Chr.

lebte. Nach dem Talmudtraktat Sabbath (fol. 31 a) hat nämlich dieser

Synedrialvorsitzende und Mischnalehrer einst einem Heiden, der ins

Judentum aufgenommen werden wollte, gesagt: "Was dir unlieb ist, füge

deinem Nebenmenschen nicht zu; das ist das ganze Gesetz u.s.w." Wir

citieren das Wort auch lateinisch nach ~Lampridius~ (51), welcher vom

Kaiser ~Alexander Severus~ († 235 n. Chr.) berichtet: "Er rief öfter

aus, was er von einigen Juden oder Christen gehört und behalten hatte:

*Quod tibi fieri non vis, alteri ne feceris,*

liess es, wenn er jemanden rügte, durch den Ausrufer ausrufen, und

liebte diesen Spruch so, dass er ihn sowohl an seinen Palast wie auch

an öffentliche Gebäude anschreiben liess". Doch hätte der Kaiser diese

Weisheit auch von den Heiden erfahren können: denn schon im 4. Jahrh.

v. Chr. sagte ~Isokrates~ (3, im Nikokles, 61) ἃ πάσχοντες

ὑφ' ἑτέρων ὀργίζεσθε, ταῦτα τοῖς ἄλλοις μὴ ποιεῖτε. (Worüber ihr

zürnt, wenn ihr es von andern erleidet, das thut den andern nicht.) Der

Spruch findet sich ferner im ~Seneka~ (ep. 94) und in der syrischen

Redaktion des Buches "von den sieben weisen Meistern" (von Fr.

Bäthgen, Lpz. 1879, S. 4), sowie in der arabischen Bearbeitung dieser

Erzählung in "1001 Nacht". (Deutsche Ausgabe. Hagen-Habicht, B. 15, S.

117.) u.s.w.--

*Ein guter Gesell*

sagen wir nach Tobias 5, 6.--

"*Der gute Engel*

Jemandes sein" oder "Einem als solcher zur Seite stehen", ist aus

Tobias 5, 29 (vrgl. 2. Makk. 15, 23) entlehnt, wo Tobias zur Frau

seines Sohnes von diesem spricht: "Ich glaube, dass der gute Engel

Gottes ihn geleite".--

Die Worte aus Tobias 6, 3:

*O Herr, er will mich fressen!*

wendet man im gewöhnlichen Leben an, um ein unverstecktes, unhöfliches

Gähnen damit zu rügen. Weil man aber gähnt, wo es langweilig ist, so

kritisiert man damit auch eine solche Gesellschaft, oder man sagt

kurzweg:

*Tobias sechs, Vers drei.--*

* * * * *

*Jesus Sirach* 3, 11 steht:

"*Des Vaters Segen bauet den Kindern Häuser,*

aber der Mutter Fluch reisset sie nieder."--

3, 24 lesen wir:

(_Und_) *was deines Amtes nicht ist, da lass deinen Vorwitz;*

und nach 3, 27: "Denn wer sich gern in Gefahr giebt, der verdirbt

darinnen" wird citiert:

*Wer sich in Gefahr begiebt, kommt darin um.--*

*Wider den Strom schwimmen*

ist entnommen aus Sirach 4, 31: "Strebe nicht wider den Strom" (vrgl.

Juvenal 4, 89: "nunquam direxerit brachia contra torrentem").--

Sirach 7, 15 (vrgl. Matth. 6, 7): ... "wenn du betest, so mache nicht

viele Worte" ist die Quelle der Redewendungen:

*Viele Worte machen*

und:

*Nicht viele Worte machen.--*

Sirach 7, 40 steht:

*Was du thust,* (_so_) *bedenke das Ende.*

Ist nach diesem Spruch der lateinische gemacht:

*Quidquid agis, prudenter agas et respice finem,*

Was du beginnest, beginne es klug und bedenke das Ende, der schon im

Mittelalter (z.B. in den "Gesta Romanorum", c. 103) citiert wird?

Andere mittelalterliche Schriften (Edélestand du Méril, Poésies

inédites du moyen-âge, p. 162) berufen sich hinsichtlich dieses

Ausspruches auf ~Aesop~ (Fab. 45, bei Halm; vrgl. 45b): ... τῶν

ἀνθρώπων τοὺς φρονίμους δεῖ πρότερον τὰ τέλη τῶν πραγμάτων σκοπεῖν,

εἶθ' οὕτως αὐτοῖς ἐπιχειρεῖν--"klugen Leuten ziemt es,

zunächst das Ende eines Unternehmens ins Auge zu fassen, und es erst

dann also ins Werk zu setzen". Ferner ist zu erinnern an V. 27 aus den

pseudo-pythagoräischen "goldenen Sprüchen": "βουλεύου δὲ πρὸ ἔργου,

ὅπως μὴ μωρὰ πέληται]"--"Überlege vor der That, damit nichts

Thörichtes daraus entstehe".

~Hans Sachs~ erzählt in dem 1557 geschriebenen

"Mensch, was du thust, bedenk' das End,

Das wird die höchst' Weisheit genennt."

(I, 4), dass ein Philosoph aus Athen diese Weisheit für tausend

Goldstücke zu Rom dem Kaiser Domitianus verkauft habe, und

glaubt irrtümlich, diese Geschichte sei im Sueton zu finden. Im

"Kurtzweiligen Zeitvertreiber" von 1666, S. 50 wird erzählt, dass

der Tyrann Dionysius einst einen Philosophen unter den Kaufleuten

sitzen sah und ihn fragte, was er zu verkaufen hätte. Er antwortete:

"Weisheit" und bestimmte den Preis dafür auf 400 Gulden. Dionys

bezahlte den Preis, und der Philosoph sagte ihm unsern Spruch her.--

Sirach 9, 24 steht:

*Das Werk lobt den Meister.--*

Geflügelte Worte: Der Citatenschatz des deutschen Volkes · 第 70 / 438 题