Das ist genau das deutsche lange >a<, das >a< mit dem Hauch, mit der

Aspiration.

Das zweite >a< aber ist das >a<, das Sie beim Lachen hervorbringen: ha

ha, ha ha ha. Dieses ist das kurze >a<, es entsteht durch den Druck,

durch Pression.

Gehaucht wird das >a< (lang) vor _einem_ Konsonanten,

hervorgepreßt (kurz) aber vor _zwei_ Konsonanten.

>A< ist gehaucht in >sage<, >habe<, >male<, >Knabe<, Vater<; denn >a<

>ist vor _einem_ Konsonanten.

>A< wird hervorgepreßt in >halte<, >lasse<, >danke<, kalt<, >Satz<;

>denn >a< ist vor _zwei_ Konsonanten.

So haben wir auch zwei >e<, ein gehauchtes und ein gepreßtes; gehaucht

vor _einem,_ aber gepreßt vor _zwei_ Konsonanten. So haben

wir zwei >i<, zwei >o<, zwei >u<, zwei >ä<, zwei >ö<, zwei >ü<.

Das deutsche >au< gleicht dem englischen {'ou'} in {'mouse',

'house'}. Das deutsche >äu< und >eu< dem englischen {'oy'} in {'boy',

'annoy'}. Das deutsche, >ei< dem englischen {'i'} in {'idle', 'fine'}.

Wollen Sie das deutsche >ü< oder >ö< aussprechen, so formen Sie die

Lippen so, als wollten Sie pfeifen; und gebrauchen Sie die Oberlippe

mehr, so entsteht das >ü< und lautet wie {'u'} im Französischen

{'rue'}; gebrauchen Sie die Unterlippe mehr, so entsteht das >ö< und

lautet wie das französische {'eu'} in {'amateur'} -- aber bei dem >ü<

ist die Öffnung des Mundes noch kleiner, als beim >ö<; >ä< lautet

ähnlich dem Tone, den das Lämmchen hervorbringt in >bl----ä<.

Hüten Sie sich, das deutsche >u< zu sprechen wie Sie es tun im

englischen Worte {'use',} das ist nicht deutsch und klingt

unschön. Sprechen Sie das >u< wie {'oo'} in {'moon'.}

Im Deutschen trennen wir Silben nicht wie im Englischen. Im Englischen

sagen Sie {'Jan--uary',} im Deutschen sagen wir >Ja--nuar<; im

Englischen sagen wir {'min-ute',} im Deutschen sagen wir >Mi--nu--te<.

Im Deutschen beginnen wir die Silben mit Konsonanten, wo immer es

tunlich ist. Also, >sa--ge<, nicht >sag--e<; wir sprechen >ma--len<,

aber nicht >mal--en<; >hö--ren<, nicht >hör--en< und >schrei--ben<,

nicht >schreib--en<.

Der Accent bei >sage< ist auf >sa<, nicht auf >ge<; in >malen< auf

>ma< und nicht auf >len<; sprechen Sie >*sa*'ge, *ma*'len, *hö*'ren,

*schrei*'ben<.

Sprechen Sie in diesen Wörtern die erste Silbe recht energisch und

schön aus und dehnen Sie die letzte nicht lang.

Im Englischen ist man oft geneigt, im Satze, das Pronomen besonders zu

betonen; im Deutschen zieht man das Verbum vor, z.B. {'*I* understand

you';} aber >Ich *verste'he* Sie.<

Ein Wort, welches zusammengesetzt ist aus einer Präposition und einem

Verbum, hat den Accent auf der Präposition: *vor*'sprechen,

*ab*'schreiben, *auf*'stehen, *unter*'gehen, *aus*'arbeiten,

*bei*'stehen, *mit*'sprechen, *nach*'sehen &c. &c.

Wörter, zusammengesetzt aus zwei Substantiven, haben den Accent auf

dem ersten Worte, z.B. *Haus*'-Thüre, *Sprach*'-Lehre, *Winter*'-Hut,

*Herzens*'-Freude.

Viele von den Konsonanten werden im Deutschen ausgesprochen, wie im

Englischen.

Das >g< ist wie das {'g'} in {'go',} und das >g< sollte stets so

ausgesprochen werden, ob am Anfang oder am Ende. Nur in seltenen

Fällen und nur da, wo der Wohlklang (die Euphonie) es verlangt, sollte

es ein wenig sanfter gesprochen werden, doch niemals am Anfang. --

Man hüte sich vor den Extremen!

In einem Teile Deutschlands spricht man das >r< mit dem Gaumen, wie

die Franzosen es tun; in einem andern bringt man das >r< mit der

Zunge hervor, wie man es tut in der englischen Sprache, -- und so ist

es am besten.

Das deutsche >s< sei sanft wie das englische {'s'} -- denn so ist es

am schönsten; ein >ss<, (doppeltes >s<) sei stark.

>St< wird von vielen Deutschen wie s und t gesprochen, ganz wie das

englische {'st'} in {'stone', 'star', 'strong', 'string'.}

Von vielen aber wird es gesprochen wie >scht<; also nicht >S--t--ein<

sondern >Schtein<; nicht >S--t--ern< sondern >Schtern<; nicht

>s--t--ark< sondern >schtark<.

In den besten Theatern Deutschlands gilt die letzte Aussprachs-Weise;

die größten und besten Gesangs-Lehrer Deutschlands lassen nur

>Schtern<, >Schtock<, >schtark<, niemals >S--t< aussprechen beim

Singen.

>V< ist wie >F< und >F< wie >V<.

>W< kommt dem englischen {'v'} ziemlich nahe -- und ich bitte Sie,

sprechen Sie doch das deutsche >w< niemals wie das englische {'w'}.

>Z< ist >ts<; also >zanken< wie >tsanken<, >Zahlen< wie Tsahlen<,

>>Zorn< wie >Tsorn<.

Jetzt kommt das >ch< -- das ist leicht. -- Kennen Sie den

eigentümlichen Ton, den die Gans hervorbringt? -- sehen Sie, so --

nun, das ist das deutsche >ch< bei dem Vokale >e<, wie in >recht<; bei

dem Vokale >i<, wie in >ich<, (ja nicht isch!!!); bei >ä<, wie in

>Mächte<; bei >ö<, wie in >möchte<; bei >ü<, wie in >Bücher<,

>züchte<; bei >ei<, wie in >reich<, >leicht<; bei >eu<, wie in

>Leuchte< und in >euch<.

>Ch< wird mit dem Gaumen hervorgebracht (Guttural) bei den Vokalen

>a<, >o<, >u< und >au< -- in >ach<, >Nacht<, >hoch<, >mochte<,

>suche<, >Bruch< und >Rauch<.

Sprechen Sie besonders die Anfangs-Konsonanten aller Silben energisch

und schön aus.

Bitte, beachten Sie stets das Gesetz der Schönheit! Der Mensch mit

einem Gefühle für das Schöne wird auch seine Sprache, die höchste

eigne Errungenschaft des Menschen-Geistes, schön sprechen. Und dann

wollen Sie vor allem bedenken, daß die deutsche Sprache auf demselben

Boden entsprossen ist, auf welchem die göttliche Musik Beethovens

erstand. Und nun kommt noch eine, meine letzte Regel. Sprechen Sie das

Deutsche recht langsam, leicht und elegant und ziehen Sie die Worte

nicht zusammen, sonst könnte es Ihnen ergehen wie jener Sängerin, da

sie den »Erlkönig« von Goethe öffentlich vortrug; sie kam an die

Stelle:

»Dem Vater grauset's; er reitet geschwind,

Er hält in den Armen das ächzende Kind --«

und sang: »Er hält in den Armen da--sächzende Kind.« Lautes Lachen

erfolgte, denn alle hatten verstanden »Er hält in den Armen das 16te

Kind.« Ich bin zu Ende -- Otto, Sie haben das Wort.

Otto: Die folgenden Personen werden in dieser Komödie vor Ihnen

erscheinen: Luise und Ottilie, Rudolf und Arthur, etwas später dann

ein Sergeant von der Polizei mit Polizisten, auch der Herr Baron von

Sellen mit seiner Gemahlin Elisabeth, und dann viele andere Personen,

Gäste eines großen Hotels, in dessen Empfangs-Zimmer sich das Ganze

abspielt.

Luise ist die junge Gemahlin Rudolfs; gestern hatten sie Hochzeit

gehalten und waren dann am Nachmittage abgereist und am Abend im Hotel

angekommen. Am folgenden Morgen dann trafen, wie vorher brieflich

bestimmt war, sich die befreundeten Paare. Luise und Ottilie treffen

zuerst und allein zusammen, und später so auch die Herren.

Die erste Scene beginnt also mit der freudigen Begegnung zwischen

Luise und Ottilie. -- Willst Du zu lesen beginnen, Louis?

Louis: Sehr wohl, ich beginne:

* * *

*Erste Scene.*

=Luise -- Ottilie.=

Luise: Ach -- Ottilie!

Ottilie: Aber, Luise!

Luise: Ottilie, -- ich bin unglücklich!

Ottilie: Wie du mich erschrickst -- du unglücklich? beste, liebste,

Luise, -- unglücklich am Tage nach der Hochzeit -- nein, nein es kann,

es darf nicht sein; -- aber so weine doch nicht in einem fort. Was ist

dir denn, so sprich, so sprich doch nur, ich bitte dich, liebe Luise!

Luise: Es begann nach meiner Trauung. Alles war so schön gegangen

und da ich vom Altare trete, um an Rudolfs Arm zurückzukehren und die

Menschen erblicke, welche da Kopf an Kopf in der Kirche stehen, da

kommt eine -- eine Verwirrung über mich und -- o -- Ottilie -- ich --

verlor meinen Trauring.

Ottilie: Das ist schlimm!

Luise: O, es ist ein entsetzliches Unglück. Als ich nach Hause kam,

merkte ich es erst. -- Nur meine Mutter weiß es und unser alter treuer

Diener. Überall haben sie gesucht, jeden Stein haben sie umgedreht --

umsonst -- er ist fort und niemals finde ich ihn wieder, niemals,

niemals!

Ottilie: Und Rudolf?

Luise: Er weiß noch nichts. Als wir nachmittags abreisen wollten und

bereits im Wagen saßen, bemerke ich gerade noch, daß mir mein neuester

und gerade mein schönster Hut fehlte, du weißt ja -- der dir so

besonders gefiel. Ich bitte Rudolf, in das Haus zu eilen und ihn mir

zu bringen. Er geht -- und bleibt entsetzlich lange aus. Endlich, da

ich vor Ungeduld beinahe vergehe, kommt er wieder -- denke dir, kommt

wieder ohne meinen Hut und lacht so laut und so fürchterlich, daß er

kein Wort zu sprechen vermag, lacht konvulsivisch; und je mehr ich

bitte, je mehr ich weine, desto lauter lacht er. Das ist der Anfang

unserer Reise -- er in der einen Ecke und lacht, daß ich meine, er

habe den Verstand verloren, und ich in der andern Ecke und weine, daß

mir schier das Herz vergehen will. Endlich kommen wir hier an im

Hotel. Da eile ich in mein Zimmer und schließe mich ein ganz allein

und durchweine die Nacht.

Ottilie: Und Rudolf?

Luise: Ist der herzloseste, leichtsinnigste Mensch von der Welt,

aber ich habe ihn auch vor meiner Thüre klopfen lassen -- zur Strafe

klopfen lassen, bis er müde wurde.

Ottilie: Luise, Luise, ich fürchte, du begehst einen großen Irrtum!

Luise: So, meinst du? Ich dachte es auch heute Morgen, und öffnete

deshalb die Thür und hoffte, er würde wieder kommen; und richtig, ich

höre Schritte nahen -- das waren seine Tritte -- warte, dachte ich,

ich will es dir nicht zu leicht machen, und setze mich ans Fenster und

drehe der Thüre den Rücken zu. Richtig, er tritt ein, und ich bleibe

eine Weile stille sitzen und schaue zum Fenster hinaus, jeden Moment

denkend, er müsse nun kommen, mich in seine Arme zu fassen -- aber er

bleibt still. Ich drehe mich um und sehe -- denke dir meinen Schrecken

-- einen fremden Herrn auf meinem Sopha ausgestreckt. Als er mich

sieht, ist er ebenso erschreckt wie ich selbst und stammelt in

Verwirrung ein paar Worte: Pardon -- Irrtum --, giebt mir in Hast

seine Karte und ist im Nu -- mit den Schuhen in der Hand und dem Rocke

auf dem Arme -- zur Thüre hinaus, und das alles ging so schnell wie

der Blitz und so komisch, daß ich trotz meines Elendes nun auch laut,

laut lachen mußte.

Ottilie: Nein -- das muß ich sagen -- der zweite Tag deines

ehelichen Lebens fängt komisch genug an. Laß mich die Karte sehen.

Luise: Hier -- hier ist sie.

Ottilie: Hm. -- Friedrich Baron von Sellen; sieh', sieh'. Weißt du,

Freundin, das geht so nicht mit dir und Rudolf -- ihr müßt euch wieder

vereinigen und zwar heute Morgen noch. Ich habe eine gute Idee. Wir

schreiben ihm ein Billet -- und -- nun, du sollst sehen, er wird schon

kommen.

Luise: O ja, er muß zu mir kommen; er war allein schuld, o, der

häßliche Mensch!

Ottilie: Komm, komm nur auf mein Zimmer!

[Beide ab.]

* * *

*Zweite Scene.*

=Rudolf -- Arthur.=

Rudolf: Sage, was du willst, Arthur -- es hilft nichts, gar

nichts. Es ist das Beste, man nimmt das Leben leicht. Ich habe es

versucht, war ernst -- was war die Folge? Konnte während der ganzen

Nacht kein Auge schließen. In der unbehaglichsten Stimmung verlasse

ich endlich heute früh mein Zimmer, um im Freien Trost, Zerstreuung zu

suchen, und nehme gerade, als ich dort auf der Brücke stehe, meine

beste Trösterin, meine Cigarre, aus der Tasche, mache Feuer und stecke

in Gedanken -- das Feuer statt der Cigarre in den Mund. Nicht allein,

daß ich vor Schmerz laut aufschreien mochte, -- von den Fenstern des

Hotels muß ich noch das laute Gelächter dazu vernehmen. Mein Gesicht

muß im Momente wohl recht komisch gewesen sein, ich hätte gerne selber

mitgelacht, wenn es nur nicht meiner Zunge begegnet wäre. Ärgerlich

eile ich zurück zum Hotel, will auf mein Zimmer gehen, öffne die Thüre

und -- denke dir mein freudiges Erstaunen: wahrhaftig --, da sitzt sie

am Fenster und sieht auf die Berge hinaus. Aha, denke ich, sie hört

mich nicht, ich will sie überraschen -- und leise, ganz leise von

hinten komme ich näher, näher, und schnell lege ich meine Hände auf

ihre Augen. Na -- die Überraschung! Wie von einer Viper gestochen,

springt sie auf vom Stuhle und schreit Feuer! Mörder! -- Himmel, jetzt

erst sehe ich, daß es gar nicht meine Frau, -- daß es eine alte Dame

in einer kolossalen Nacht-Haube ist. Ich sehe mich um -- das war ja

gar nicht mein Zimmer -- ich will ihr erklären, sie läßt mir keine

Zeit und schreit in einem fort: Feuer! Räuber! Mörder! -- Ich höre die

Leute auf dem Korridor rennen und denke das Beste sei fortzueilen.

Ich thue also und komme glücklich eine Treppe höher wieder in mein

eignes Zimmer.

So begann der zweite Tag dieser allerliebsten Hochzeits-Reise.

Arthur: Und was ist aus deiner jungen Frau geworden?

Rudolf: Ach, frage mich nicht -- das ist eine ganz fatale

Geschichte!

Arthur: Also -- in dem Punkte scheinst du doch ernst zu werden.

Rudolf: Nun, denkst du vielleicht, es sei ein Spaß, eine Frau zu

haben und doch keine zu haben, oder stundenlang vor der Thüre seiner

Angetrauten vergebens zu stehen und auf alles Klopfen, Bitten,

Beschwören, Drohen keine andere Antwort zu hören, als Seufzen und

Schluchzen und Weinen? -- O, laß mich nicht mehr daran denken, es

macht mich rasend.

Arthur: Still, Rudolf -- was willst du von mir, ich habe dir ja kein

Leid zugefügt.

Rudolf: Du? -- nein, das ist wahr.

Arthur: Ich kann es nicht begreifen: du der liebenswürdigste Mensch,

einen Streit mit deiner Frau -- und noch dazu am Hochzeits-Tage.

Warum, Mensch, konntest du nicht warten bis später?

Rudolf: Als ob ich einen Willen gehabt hätte! Der abscheuliche Putz,

die Hüte, sind daran schuld.

Arthur: Die Hüte?

Rudolf: Ja, der Hut und deine Schwester!

Arthur: Oho, -- nun gar meine Schwester!

Rudolf: Höre mich an. Alles war glücklich überstanden: Trauung und

Gratulation und Küssen und Hände-Schütteln, Vorstellung und Empfangen

und Weinen und Abschied-Nehmen &c. &c. und glücklich sitze ich

schon im Wagen neben meiner himmlischen Luise und juble im Herzen --

da fällt es ihr mit einem Male ein, daß sie noch den einen Hut haben

muß. Ich muß wieder aussteigen und in's Haus zurückeilen. Kaum trete

ich ein, so erblickt mich mein Cousin und Wehmut im Auge umschlingt er

mich mit beiden Armen und seufzt: Bruder, noch eine Flasche

Champagner, -- noch eine -- und zieht mich fort mit sich, ob ich will

oder nicht. Da kommt deine Schwester Antonie. Und nun zieht sie mich

am andern Arm fort, fort in den Tanz-Saal und sagt: »Ich muß erst

meinen Tanz haben, Rudolf; eher kommen Sie mir nicht fort.« Verblüfft

steht da mein enttäuschter Cousin und hält die Champagner-Flasche in

der Hand; er weiß nicht, was er allein damit tun soll, und schlüpft

sie mir schnell in die hintere Tasche meines Frackes. Beim Tanzen geht

der Kork los, explodiert -- dem General vom Bombenfeld an die Nase. Er

schreit laut auf vor Schmerz, der Champagner spritzt nach tausend

Seiten auf alle; alles flieht entsetzt auseinander, und ich entrinne

glücklich, komme zurück in den Wagen und rufe dem Kutscher zu:

Vorwärts, vorwärts -- und flugs gehts dahin. Ich aber falle in die

Ecke und beginne zu lachen und lache übermenschlich, und nähmest du

mir das Leben, ich konnte mich nicht halten. Luise fragt nach ihrem

Hute; ich kann nicht antworten. Sie beginnt zu weinen und je mehr sie

weint, desto mehr muß ich lachen und an die Champagner-Scene

denken. Als ich endlich zu mir komme und alles erklären will, sitzt

sie in der Ecke und weint und will kein Wort von mir hören, dem

herzlosesten Menschen auf der ganzen Gottes-Erde. Wir kommen hier an

in dem Hotel -- sie eilt in ihr Zimmer, schließt sich ein und mich aus

-- nun, du weißt ja den Rest dieser herrlichen Hochzeits-Reise.

Arthur: Rudolf, wirklich, ich bedaure dein Unglück.

Rudolf: Siehst du, Arthur, das freut mich von dir; da ist doch eine

Menschen-Seele, die mein Unglück mit mir fühlen kann.

Arthur: Ich will mit meiner Frau sprechen; Ottilie und Luise sind

Freundinnen. Verlaß dich darauf, meine Ottilie bringt alles wieder in

Ordnung. Ich will jetzt zu ihr gehen.

Rudolf: Ich werde hier warten auf dich.

Arthur: Sehr wohl. (Ab.)

* * *

*Dritte Scene.*

=Rudolf erst allein, dann Sergeant.=

Rudolf: =(Am Fenster stehend, sieht hinaus auf die Berge und

singt für sich halblaut.)=

Nimm das Leben leicht,

Nimm das Leben leicht;

Nimm es leicht,

Nimm es leicht!

Tra-la-ra'-la-ra.

Tra-la'-la.

La-l la'-la

La-la'.

=(Ein Sergeant der Polizei nähert sich ihm.)=

Sergeant: Ich bedauere, Sie stören zu müssen in Ihrem guten Humor!

Rudolf: Und Sie wünschen?

Sergeant: Ich wünsche nichts -- ich befehle.

Rudolf: Oho --

Sergeant: -- befehle Ihnen, mir zu folgen.

Rudolf: Dazu verspüre ich durchaus keine Lust.

Sergeant: Das glaube ich. Leute von Ihrer Sorte folgen mir niemals

gern.

Rudolf: Mann, wissen Sie wohl, mit wem Sie reden?

Sergeant: Ja, mit einem von der Bande, die --

Rudolf: Bande?

Sergeant: -- welche nun lange genug unsere Stadt unsicher gemacht

hat.

Rudolf: Aber wissen Sie denn nicht, daß ich ....

Sergeant: Wir wissen alles; wir wissen, daß Sie heute Morgen bei

einer Dame eingebrochen sind, sie berauben, sie morden, und wer weiß,

was sonst noch wollten; also --

Rudolf: Wa -- was -- heute Morgen -- Dame -- so -- aber, mein lieber

Sergeant, das war ein Mißverständnis -- eine Zerstreuung -- ich

versichere --

Sergeant: Versichern Sie das später lieber dem Richter -- jetzt

folgen Sie mir.

Rudolf: Aber ich sage Ihnen doch, daß ich Ihnen nicht folgen werde,

nicht folgen kann. Ich -- ich bin auf meiner Hochzeits-Reise -- und

eher --

Sergeant: Still, Freund! =(er pfeift, worauf mehrere Polizisten

eintreten)= -- ergreifet ihn!

Rudolf: Was? mich? Wagt es -- ich bin auf meiner Hochzeits-Reise --

=(während des Tumults, der entsteht, indem die Polizisten Rudolf

ergreifen und fesseln, kommen Kellner und Gäste von allen Seiten und

zuletzt auch Luise. Als sie Rudolf gebunden unter den Polizisten

erblickt, schreit sie laut auf, eilt auf ihn zu und umklammert

ihn.)=

Luise: Rudolf --! Was ist hier geschehen?

Rudolf: Aus Verzweiflung, daß --

Luise: Ein neues Unglück? -- O, alles kommt durch mich, durch meine

Schuld -- es ist meine Schuld, meine Schuld alleine; =(sie wendet

sich flehend zu den Leuten)= o, helfet mir, ihr guten Leute!

=(sie erblickt den Baron von Sellen, der mit seiner Gattin

am Arme erscheint.)= O, Herr Baron, helfen Sie meinem Gatten, er

ist unschuldig!

Baron von Sellen: Ist jener da Ihr Gatte, der heute Morgen bei

meiner Frau eingebroch... -- höre mal, meine liebe Elisabeth, -- jetzt

aber, glaube ich, hast du einen Mißgriff gemacht: das ist ja der

Gemahl dieses jungen, allerliebsten Weibchens, das ich heute Morgen so

erschreckt habe durch -- meinen Einbruch. Herr Sergeant, meine Gattin

nimmt ihre Klage zurück; nicht wahr, Elisabeth?

Frau Baronin von Sellen: Ja, sonst möchte jene junge Frau mir meinen

Gatten verhaften lassen -- es war nur ein Irrtum, Herr Sergeant.

Arthur =(erscheint mit Ottilie in Eile)=: Eine Depesche an

Rudolf!

Rudolf: Luise, öffne sie doch schnell für mich.

Luise =(liest laut)=: »Liebe Luise! Ring ist gefunden, sende

ihn dir mit deinem Hute.

Antonie.«

Rudolf: Hurrah, der Hut kommt nach.

Luise: Und mein Ring ist gefunden, Ottilie! mein Ring, mein Ring!

Rudolf: Aber, Kinder, nun bindet mich doch los, ich muß doch meine

Frau umarmen! So --

=(singend):=

Nimm das Le'ben leicht,

Nimm das Le'ben leicht;

Nimm es lei'cht, --

Nimm es lei'cht!

Tra--la--ra'--la--ra--

Tra--la'--la

Tra--l'la'--la

La--la'.

Nun aber, Luischen, beginnen wir unsere Hochzeits-Reise!

Die Gäste alle: Viel Vergnügen und Glück auf den Weg!

* * *

Alle: Bravo, bravo!

Dr. Albert: Otto und Louis, meine Brüder, reicht mir Eure

Hände. Ich gratuliere Euch und auch mir selbst. --

Alle: Und wir alle gratulieren herzlich.

Herr Meister: Das ist vorzüglich, vorzüglich, -- ah!

Bella: Und ich überreiche Ihnen, Herr Otto, einen Lorbeer-Kranz.

Martha Parks: Und ich Dir, mein lieber Bruder Louis!

Otto: Meine teuren Freunde. Obwohl wir, Bruder Louis und ich, uns

Mühe gegeben haben, dieses kleine Spiel recht gut zu machen, so wissen

wir doch, daß wir diese enthusiastische Aufnahme Ihrer Freundschaft

schulden. Wir fühlen es und wissen es wohl zu schätzen und danken

Ihnen mit unserm ganzen Herzen. Und ich bin sicher, wir handeln ganz

auch im Sinne der Damen, wenn wir diese Kränze, unsern ersten Lorbeer,

mit dem Manuskripte der Komödie vereint, unserm Herrn Meister

überreichen als ein Zeichen unserer Freundschaft, als ein Zeichen

unserer Dankbarkeit und als ein Zeichen unserer hohen Achtung. Wir

bitten Sie, Herr Meister, nehmen Sie beides von uns an.

Herr Meister: Meine Freunde, das Herz ist mir tief gerührt, und mein

Auge strömt über von Thränen der Freude. Sie machen mich glücklich,

meine Freunde, und ich nehme, was Sie mir reichen, als teures Andenken

an die frohen Stunden, die wir zusammen verlebt haben, und als ein

Zeichen der Hoffnung für die glückliche Zeit, welche wir noch vor uns

haben. --

Frau Meister: Und sie wird kommen, mir sagt es das Herz.

Herr Meister: Dem durfte ich immer trauen und ihm traue ich auch

jetzt. Gewiß, teure Freunde, noch andere glückliche Tage werden

folgen, und wenn wir auch scheiden müssen, laßt uns immer denken an

die Worte des Sängers:

Es ist bestimmt in Gottes Rat,

Daß man vom Liebsten, was man hat,

Muß scheiden;

Wiewohl doch nichts im Lauf der Welt

Dem Herzen ach, so sauer fällt

Als Scheiden, als Scheiden!

Nur mußt du mich auch recht verstehn,

Ja recht verstehn,

Wenn Menschen aus einander gehn,

So sagen sie: Auf Wiedersehn,

Ja, Wiedersehn!

* * *

Alle: Auf Wiedersehn, auf Wiedersehn!

[Illustration]

_Anhang._

Inhalt des Anhangs.

Seite

Der Hand-Schuh 307

Die Bürgschaft 309

Ritter Toggenburg 314

Der Alpen-Jäger 316

Gefunden 318

Erl-König 319

Der Fischer 320

Die wandelnde Glocke 321

Der Kaiser und der Abt 322

Das Gewitter 328

* * *

Räuber-Lied 331

Krambambuli 333

Blau blüht ein Blümelein 336

Gebet während der Schlacht 338

Wenn die Schwalben heimwärts ziehn 341

Jäger-Leben 347

Lorelei 351

Es ist bestimmt in Gottes Rat 355

[Illustration]

*Der Hand-Schuh.*

Vor seinem Löwen-Garten

Das Kampf-Spiel zu erwarten,

Saß König Franz,

Und um ihn die Großen der Krone,

Und rings auf hohem Balkone

Die Damen in schönem Kranz.

Und wie er winkt mit dem Finger,

Auf tut sich der weite Zwinger,

Und hinein mit bedächtigem Schritt

Ein Löwe tritt

Und sieht sich stumm

Rings um,

Mit langem Gähnen,

Und schüttelt die Mähnen

Und streckt die Glieder

Und legt sich nieder.

Und der König winkt wieder,

Da öffnet sich behend

Ein zweites Thor,

Daraus rennt

Mit wildem Sprunge

Ein Tiger hervor.

Wie der den Löwen erschaut,

Brüllt er laut,

Schlägt mit dem Schweif

Einen furchtbaren Reif

Und recket die Zunge,

Und im Kreise scheu

Umgeht er den Leu,

Grimmig schnurrend,

Drauf streckt er sich murrend

Zur Seite nieder.

Und der König winkt wieder,

Da speit das doppelt geöffnete Haus

Zwei Leoparden auf einmal aus,

Die stürzen mit mutiger Kampf-Begier

Auf das Tiger-Tier;

Das packt sie mit seinen grimmigen Tatzen

Und der Leu mit Gebrüll

Richtet sich auf, da wird's still;

Und herum im Kreis,

Von Mord-Sucht heiß,

Lagern sich die greulichen Katzen.

Da fällt von des Altans Rand

Ein Hand-Schuh von schöner Hand

Zwischen den Tiger und den Leun

Mitten hinein.

Und zu Ritter Delorges, spottender Weis'

Wendet sich Fräulein Kunigund:

»Herr Ritter, ist eure Lieb' so heiß,

Wie ihr mir's schwört zu jeder Stund,

Ei, so hebt mir den Hand-Schuh auf!«

Und der Ritter, in schnellem Lauf,

Steigt hinab in den furchtbar'n Zwinger

Mit festem Schritte,

Und aus der Ungeheuer Mitte

Nimmt er den Hand-Schuh mit keckem Finger.

Und mit Erstaunen und mit Grauen

Sehen's die Ritter und die Edel-Frauen,

Und gelassen bringt er den Hand-Schuh zurück.

Da schallt ihm sein Lob aus jedem Munde,

Aber mit zärtlichem Liebes-Blick --

Er verheißt ihm sein nahes Glück --

Empfängt ihn Fräulein Kunigunde.

Und er wirft ihr den Hand-Schuh in's Gesicht:

»Den Dank, Dame, begehr ich nicht!«

Und verläßt sie zur selben Stunde.

*Die Bürgschaft.*

(_Damon und Phinthias._)

Zu _Dionys,_ dem Tyrannen, schlich

_Damon,_ den Dolch im Gewande;

Ihn schlugen die Häscher in Bande,

»Was wolltest du mit dem Dolche, sprich!«

Entgegnet ihm finster der Wüterich. --

»Die Stadt vom Tyrannen befreien!«

»Das sollst du am Kreuze bereuen.«

Studien und Plaudereien im Vaterland. Second Series · 第 15 / 19 段