Bis zum 17. Jahrhundert lebten die Schwarzwälder, von der Welt
fast ganz abgeschlossen, einzig der Bebauung des armen Bodens, der
Viehzucht und in etwa der Bearbeitung des Holzes, als Köhler u. s. w.
Der dreißigjährige Krieg brachte mit den Einquartierungen auch neue
Gesichtspunkte von außen, oft allerdings auch Not und Elend, und
damit wohl die Nötigung, sich auf neuen Wegen den Lebensunterhalt
zu verschaffen. Steyrer, Benediktiner des Stiftes St. Peter auf dem
Schwarzwald teilt uns in einer kleinen Schrift sehr schätzenswerte
Einzelheiten über die Entstehung der dortigen Uhrenindustrie mit.[89]
Er bemerkt in der Vorrede seines Werkchens: „Niemand wird in Abrede
stellen, daß die Kunst, Uhren zu verfertigen, eine der nützlichsten und
notwendigsten für Stadt und Land, und alle Vorfälle des menschlichen
Lebens sei. Nun aber darf man dreiste sagen, daß eben diese Kunst
vielleicht nirgends höher, vielfältiger und gemeinnütziger getrieben
werde, als auf dem Schwarzwald, und zwar von dessen Bewohnern,
den Schwarzwäldern selbst, deren Geschicklichkeit, Einsicht und
erfinderischer Geist schier alle Vermutung in diesem Fach übersteigt.
Und was hiebei das Merkwürdigste ist; so beschäftigen sich nicht nur
viele Hundert Schwarzwälder mit Verfertigung aller Gattungen der
Uhren, sondern sie verschleißen auch diese Waren selbst, handeln damit
in die entferntesten Lande, und kommen insgemein mit reichem Gewinne
wieder zurück. Der sonst so rauhe und seinem Namen nach fürchterliche
Schwarzwald ist es, welcher schon viele Jahre hindurch ganz Europa
und neuerdings Asien und Amerika mit vielen Tausend zwar mehreren
Teils hölzernen, doch sehr dauerhaften, richtigen, schönen, teils
gemeinen, teil künstlichen Uhrwerken versieht. Der Schwarzwald ist es,
welcher ohne Lehrmeister, ohne Aufmunterung, ohne Unterstützung einer
höheren Macht aus innerem Triebe und durch eigenen Fleiß es in dieser
Kunst so weit gebracht hat, daß er jetzt die größten Künstler hierin
zählt, seinen Herren Ehre macht, etliche tausend Hände beschäftigt,
das Land bereichert, und ein weit aussehendes, beträchtliches Gewerb
treibt. Eine merkwürdige Epoche für den Schwarzwald”. Diese warmen, von
berechtigtem Stolz getragenen Worte beweisen, daß man schon vor einem
Jahrhundert die Bedeutung des neuen Erwerbszweiges gar wohl erkannte
und würdigte.
Um die Mitte des 17. Jahrhunderts errichtete das Kloster St. Peter
eine Glashütte im sogenannten Knobelwalde, welche bald zu einem Weiler
heranwuchs und den Namen „Glaserdörfle” erhielt. Hier entstanden die
ersten Schwarzwälder Uhren. Die Glasbläser vertrieben ihre Ware selbst,
zuerst in der Umgegend, nach und nach immer weiter hin, als eine Art
Handelsgesellschaft mit Niederlagen an verschiedenen Orten. Ein von
Böhmen zurückkehrender Glasträger brachte eine Holzuhr mit, welche
nicht bloß angestaunt, sondern bald nachgemacht wurde von Gliedern
der Familie Kreuz auf dem Glashof bei Waldau, Pfarrei Neukirch. Der
gelungene Versuch wurde von anderen Seiten wiederholt. Eine der ersten
Uhren kam, wie Steyrer schreibt, in den Besitz des Paters Kalteisen,
damals Pfarrverweser zu Neukirch um 1667. Sie versah ihren Dienst im
dortigen Pfarrhause bis in den Anfang des 19. Jahrhunderts hinein,
um dann zu verschwinden. Nachbildungen davon sind in der Sammlung
der großh. Gewerbehalle in Furtwangen und in der Altertumssammlung
daselbst.[90] Als zweiter Uhrmacher wird noch der „Hackbretterlenz,”
Lorenz Frey in der Nähe von St. Peter erwähnt. Diese Uhren, mit rohen
Werkzeugen verfertigt, waren Wageuhren und natürlich wenig genau.
Infolge der Kriegswirren schlief die Sache wieder ein, so daß die
eigentliche Uhrenindustrie erst von später, nämlich aus dem Jahre 1725
datiert.
[Illustration: Fig. 65.]
Weil keine früheren Aufzeichnungen bekannt sind, als die
~P.~ Steyrerʼs, und das Büchlein selten geworden ist, so mögen hier
über die zweite Periode der Schwarzwälder Uhrenindustrie aus genanntem
Schriftchen einige Angaben mitgeteilt werden.
„_Simon Dilger_ aus Urach fürstenbergischer Herrschaft gebürtig und
eben allda haussäßig, seines Handwerkes ein Drechsler, unternahm ohne
Lehrmeister durch eigenen Fleiß das Uhrenmachen, wie schon gesagt
worden ist, um das Jahr 1725, und verfertigte keine andere, als
Waguhren, wiewohl anderswo die weit richtigeren Pendeluhren schon eine
geraume Zeit im Schwunge gingen. Von diesem lernte sein Sohn Friedrich
Dilger, der hernach mit seinem Vater die Uhrmacherkunst fortführte, und
unter andern auch ein württembergischer Untertan aus dem St. Georger
Kirchspiel, namens _Weißer_, insgemein der Mulenweber genannt, in die
Lehre nahm, welcher bald hernach ein Meisteruhrenmacher ward.
Schier zu gleicher Zeit, doch etwas später als Friedrich Dilger,
verlegte sich auf das Uhrenmachen Josef Dilger aus der Neukirch im
Waagenstal, gleichfalls seines Handwerks ein Drechsler wie Simon
Dilger, mit dem er aber in keiner Blutsfreundschaft stand, und Georg
Gföll aus der Urach. Alsdann zogen beide in das Klostertal, und trieben
allda mit gutem Fortgang ihre Kunst..... Indessen, als sich Josef
Dilger in dem Klostertal aufhält, kommt zu ihm, um die Uhrenmacherkunst
zu lernen, _Anton Ganther_ aus der Neukirch, welcher, nachdem er
dieselbe wohl begriffen, gleich wieder, und zwar 20 Jahre früher als
sein Lehrmeister nach Hause wandert, wo er auch einen jungen Buben,
namens _Christian Wehrle_ in die Lehre nimmt, ungeachtet diesem hievon
alles abwehrte, unter dem Vorwande: die Uhren würden nicht immerdar
abgehen, da sie schier ewig dauern. Es vermehrte sich also die Zahl der
Uhrenmacher durch Christian Wehrle und Michael Dilger oder Gosemichele,
welche beide zu hohem Alter gekommen und unter die ersten Uhrmacher zu
zählen sind.”
Wir übergehen die folgende lange Liste von Uhrmachern, die Steyrer
aufführt; die Ausbreitung der neuen Kunst erhellt am besten aus
der Angabe, daß allein in der Herrschaft St. Peter 1796 29 Meister
arbeiteten, welche jährlich über 3300 Uhren der verschiedensten Art
anfertigten. Zur gleichen Zeit schätzte man die auf dem Schwarzwald
ansässigen Uhrmachermeister auf etwa 500, abgesehen von jenen, die auf
dem Handel begriffen und ebenfalls der Mehrzahl nach Meister waren. Der
Lohn eines guten Gesellen belief sich um diese Zeit auf 30-100 Gulden,
eine Summe, die auch heute wohl nur von wenigen überschritten, von den
meisten aber nicht erreicht werden dürfte, wenn man den damaligen hohen
Geldwert berücksichtigt.
Die Holzuhren waren sehr einfach: drei Räder nebst Getrieben und
einem Zeiger; Feile, Bohrer, Messer und ein Zirkel um die Zähne
vorzuzeichnen, bildeten das ganze Werkzeug. Sie fanden aber
dessenungeachtet guten Absatz und bald traten auch bessere Instrumente
an Stelle der alten. Mathias Löffler in Gütenbach (Amt Triberg)
erfand einen Apparat zum bequemen Einteilen und Schneiden der Räder,
das sogenannte Zahngeschirr. Friedrich Dilger erstellte zuerst eine
Teilscheibe. Um 1750 kamen die bekannten Kuckuckuhren auf; auch
bewegliche Figuren wurden angebracht, ebenso Planetarien. Steyrer zählt
unter den „gemeinen Uhren” solche auf, welche Viertel und Stunden,
auch die Sekunden zeigen; Repetieruhren; Werke mit achttägigem Gange,
teils mit Gewichten, teils mit Feder versehen. Von „Kunstuhren” erwähnt
derselbe u. a.: Uhren, auf denen ein Kapuziner-Bruder alle Stunden
läutet; Uhren, worauf eine Schildwache geht und ihre ordentliche
Wendung macht; Uhren, worauf ein Scherenschleifer schleift;
„_Sackuhren von Holz_” u. s. w. Ins 18. Jahrhundert zurück geht auch
die Fabrikation von Spieluhren, die sich heute gerade im Schwarzwald
so hoch entwickelt hat. Um 1740 wurden die gläsernen Glöckchen der
Schlaguhren durch metallene ersetzt, die zuerst von auswärts bezogen
wurden; etwa 1750 führte Paul Kreuz aus der Herrschaft St. Peter
die Glockengießerei mit großem Erfolg ein. Die Zifferblätter wurden
anfänglich von Hand bemalt, bis Mathäus Grießhaber aus Gütenbach
die Zeichnung auf eine Kupferplatte stechen und Abdrücke auf Papier
machen ließ. Am Gehäuse wurden bald auch Schnitzereien angebracht. Das
Zifferblatt wurde mit Oelfarben bemalt und gefirnißt, den betreffenden
Lack erfanden drei Uhrmacher und gaben so Anlaß zur weitern Verbreitung
der Schildmalerei. Auch die Patres von St. Peter unterstützten die neue
Industrie auf jede mögliche Weise; so erfand ~P.~ Thaddäus Rinderle für
die Uhrmacher ein neues Bohrgeschirr. Das gleiche ist zu sagen von den
Chorherren zu St. Mergen.
Mit zunehmender Produktion dehnten sich natürlich auch die
Handelsbeziehungen immer weiter aus; schon 1740 treffen wir eine
Niederlage in Magkraut bei Eisenbach; das erste fremde Land, wohin
die Schwarzwälderuhren ihren Weg nahmen, war Frankreich; dann folgten
der Reihe nach England, Irland, Schottland, Holland, Rußland, Polen,
Ungarn, Italien, Spanien, Portugal, Dänemark, Schweden, Nordamerika,
die Türkei und Aegypten. Die Händler fanden vielfach allerlei
Hindernisse, welche jedoch ihr zäher Sinn nach und nach überwand.
Kaiserin Katharina ~II.~ erlaubte den Handel in ihrem ganzen Reich,
nachdem ein Händler ihr eine kunstvolle Uhr zum Geschenk gemacht;
ebenso erteilte 1779 der Sultan ihnen einen Freibrief.
Dieser Gewerbezweig hatte sich offenbar stark entwickelt. Im Jahre 1800
schätzte man die Anzahl der jährlich erstellten Uhren auf 110000 Stück.
Als 1805 die früheren österreichischen und fürstenbergischen
Territorien an das badische Haus übergingen, zählte das Amt Triberg
unter 8693 Einwohnern 375 Uhrmacher, 303 Händler neben 109 sonst noch
als Nebenarbeiter in der Uhrmacherei angestellten Personen.
Die Revolutionskriege schädigten auch die Uhrenindustrie gewaltig,
ohne sie jedoch vernichten zu können; sie breitete sich vielmehr
auf weitere Gemeinden aus. Poppe gibt für das Jahr 1840 (Dinglers
Journal) als Gesamtproduktion 540000 Stück an, welche nach Meitzen von
1845-1846 die Zahl 600000 erreichten (A. Meitzen: die Uhrenindustrie
des Schwarzwaldes. 1848. Neudruck von Fehsenfeld, Freiburg 1900). Im
Jahre 1872 endlich belief sich die gesamte Produktion des Schwarzwaldes
auf 1800000 Uhren aller Art, im Werte von ca. 18 Mill. Mark. Nach
einer Schätzung anläßlich der Berichterstattung über die Karlsruher
Ausstellung von 1875 betrug die Zahl derjenigen, welche ihren Unterhalt
mit der Uhrmacherei verdienen, mehr als 13000. 1885 wurden im
Schwarzwald 92 Gemeinden gezählt, welche sich mit der Herstellung von
Uhren beschäftigen.
Aehnlich wie in der Schweiz vollzieht sich auch hier nach und nach ein
Uebergang von der Hausindustrie zum Großbetrieb in Fabriken mit den
neuesten und besten Einrichtungen. Hieher ist besonders die Fabrikation
nach amerikanischem Muster zu rechnen, gegen welche der kleine Betrieb
nicht mehr aufkommen kann.
Wir müssen es uns leider versagen, hier näher auf die einzelnen Zentren
der Uhrenindustrie im Schwarzwald einzugehen; es möge genügen, kurz auf
einige bekannte und berühmte Heimstätten dieses Gewerbes hinzuweisen.
In dem württembergischen Städtchen _Schramberg_ liegt nicht bloß
die bedeutendste Uhrenfabrik des Schwarzwaldes, sondern vielleicht
der ganzen Welt; es ist dies die „Vereinigte Uhrenfabrik von
Gebrüder Junghans und Thomas Haller, A.-G.” Der Gründer ist Erhard
Junghans, aus einer dürftigen Arbeiterfamilie stammend; zuerst in der
Strohmanufaktur hervorragend beschäftigt, gründete derselbe 1860
auch eine Uhrwerkstätte nach amerikanischem Systeme (Ausstanzen der
Uhrteile) und es gelang, die amerikanische Ware nicht nur zu erreichen,
sondern noch zu übertreffen. Welch gewaltigen Umfang dieses Geschäft
hat, beweisen folgende Zahlen, die wir den Ausführungen G. Speckharts
entnehmen: im Jahre 1889 belief sich die Zahl der Maschinen auf 776;
850 Arbeiter waren beschäftigt und die Anzahl der fabrizierten Uhren
betrug 482930 Stück. 1896 dagegen hatten sich die Maschinen auf 1357,
die Zahl der Arbeiter auf 1202 vermehrt, während 1166056 Uhren die
Werkstätten verließen, um den Namen Junghans überall bekannt zu machen.
Die Fabrik der Gebr. Junghans allein umfaßt 26 meist 6stöckige Gebäude;
die zahlreichen Arbeitsmaschinen werden durch Dynamos betrieben,
diese wieder durch 2 gewaltige Dampfmaschinen von 800 und 250 ~P.S.~
(Die 800 Pferdekraftmaschine repräsentiert einen Wert von 250000 Mk).
Auch Wasserkraft kommt noch zur Verwendung. Augenzeugen berichten
Wunderdinge über die Maschinen in den sogenannten Geheimsälen, welche
stets verschlossen gehalten werden und das denkbar Vollkommenste auf
diesem Gebiete darstellen sollen. -- In Schramberg ist auch der Sitz
der bereits mehrfach erwähnten großartigsten Uhrensammlung der Welt,
das sogenannte deutsche Museum für Zeitmeßkunst, gegründet von Arthur
Junghans.
Erwähnt sei noch die „_Württembergische Uhrenfabrik Schweningen_.”
Gegründet 1848 von Johannes Bürk, dem Erfinder der tragbaren
Wächter-Kontroll-Uhr, hat sich auch dieses Geschäft sehr rasch
entwickelt. Bis 1904 betrug die Anzahl der gelieferten Kontroll-Uhren
ca. 50000. Außerdem werden noch elektrische Uhren, Triebwerke u. s. w.
angefertigt. Die Fabrik beschäftigt 250 Arbeiter. -- Noch ausgedehnter
ist die Uhrenfabrik von Friedrich Mauthe (jetzt Gesellschaft m. b. H.)
am gleichen Ort. Dieselbe erstellt Regulatoren, sowie amerikanische
Uhren und zählt in den Haupt- und Nebenbetrieben etwas über 1100
Angestellte. Die Firma Schlenker und Kienzle beschäftigt 1200
Arbeiter. Seit 1900 besitzt Schweningen eine Kgl. Fachschule.
Die badische Stadt Villingen ist ebenfalls ein wichtiger Sitz der
Uhren-Industrie; diese entwickelte sich namentlich durch die Ausdauer
des jetzigen Direktors der „Uhrenfabrik Villingen. A.-G.”, Herrn
Wilhelm Jerger.
Seit mehr als einem halben Jahrhundert hat der Großbetrieb in der
Herstellung von Uhren in _Lenzkirch_ (Baden) seinen Sitz. Die Begründer
desselben sind Eduard Hauser und Franz Josef Faller. Die Fabrik
beschäftigt 500-600 Arbeiter.
Die nötige wissenschaftliche Förderung erhält die Schwarzwälder
Uhrenindustrie durch die 1850 gegründete Uhrmacherschule in Furtwangen,
wo schon seit der Mitte des 18. Jahrhunderts Uhren, besonders
Spielwerke hergestellt werden. Die Anstalt ging 1863 zeitweilig ein;
neu eröffnet wurde sie 1877; die Anzahl der Schüler belief sich im
Jahre 1899/1900 auf 64. Die Schule genießt staatliche Unterstützung und
unterrichtet ihre Schüler ein Jahr lang.
Alle Anzeichen sprechen dafür, daß die Uhrenfabrikation des
Schwarzwaldes sich nicht bloß erhalten, sondern immer mehr ausbreiten
werde.
Den Schluß vorstehenden Kapitels möge ein kurzer Hinweis auf die jetzt
bereits so hoch entwickelte deutsche Präzisions-Taschenuhrenindustrie
in _Glashütte i. S._ bilden. Es muß dieser Ort hier deswegen genannt
werden, weil die Glashüttenuhren sich den besten Genferuhren würdig
an die Seite stellen, überhaupt z. Z. von keinem andern Fabrikat
übertroffen werden.
Glashütte liegt 30 ~km~ südlich von Dresden und besitzt außer einer
Uhrmacherschule und verschiedenen großen Uhrenfabriken zahlreiche
Werkstätten, die sich mit Herstellung von astronomischen Pendeluhren,
Chronometern, Werkzeugen u. s. w. beschäftigen. Uns interessieren hier
nur die Taschenuhren. Die Gründung dieser Industrie reicht über 50
Jahre zurück; Ferdinand Adolf Lange (1815-1875) gebührt das Verdienst,
seinem Lande durch Einführung der Uhrenindustrie den größten Dienst
geleistet zu haben. Nach Ueberwindung vieler Schwierigkeiten setzte er,
zuerst mit finanzieller Unterstützung des Staates, sein Unternehmen
ins Werk, mit so großem Erfolg, daß 1895, beim 50jährigen Jubiläum
der Firma, in Glashütte ca. 50 Werkstattinhaber gezählt wurden.
Der jährliche Umsatz beträgt etwa 3500 Uhren, sämtliche feiner und
feinster Qualität, da billige Ware hier nicht fabriziert wird. In
Langeʼs Geschäft arbeitete bis zu seinem Tode auch der berühmte Moritz
Großmann, bekannt als Schriftsteller auf dem Gebiete der Uhrentechnik.
Er gründete auch die deutsche Uhrmacherschule zu Glashütte, im
Jahre 1878; sie zählt, sowohl was Unterricht als wissenschaftliche
und praktische Hilfsmittel betrifft, unter die besten derartigen
Anstalten.[91]
Der Gewerbestatistik des Deutschen Reiches vom Jahre 1882 entnehmen wir
noch zu besserem Ueberblick folgende Zahlen:
Württemberg beschäftigte zu genanntem Zeitpunkte insgesamt 2519
selbständige Uhrmacher, Lehrlinge und Gehilfen (von der Hausindustrie
abgesehen). Baden 4696; Preußen 14132; Sachsen 1813; im ganzen Reiche
zusammen 29035 Personen. Auf 14988 selbständige Meister kommen nur
14047 Lehrlinge, was also für später ein gutes Auskommen derselben
verbürgt.
Aus all dem ergibt sich, daß Deutschland anfängt, sich vom Ausland
immer mehr unabhängig zu machen und daß dieses Ziel wahrscheinlich in
absehbarer Zeit erreicht sein dürfte.