5. Die Chronometer.

Mit diesem Namen („Zeitmesser”) wird eigentlich jede Uhr bezeichnet;

es hat sich aber jetzt dieser Ausdruck ausschließlich eingebürgert für

jene feinsten Federuhren, welche gegen Temperatur- und Lageänderungen

etc. möglichst unempfindlich sein sollen bei hervorragend genauem

Gange. Sie dienen besonders den Zwecken der Schifffahrt und Astronomie.

Die Chronometer werden in zwei Ausführungen gebaut: in großem

Maßstabe, als sogenannte Box-Chronometer und in kleinerer Form, als

Taschenchronometer.

Da Pendeluhren zur See selbstverständlich nicht brauchbar sind, eine

Uhr aber doch erwünscht und notwendig ist, so treffen wir schon

frühe auf Versuche zur Herstellung genau gehender Zeitmesser behufs

Ortsbestimmung auf dem Ozean. Es ist das die berühmte Frage der

Längenbestimmung auf offenem Meer.

Während die alten Völker sich vorzugsweise auf Küstenfahrten

beschränken mußten, durchfurcht das moderne Schiff alle Meere mit

täglich wachsender Geschwindigkeit und einer Sicherheit, als ob

es von unsichtbarer Hand dem Ziele zugesteuert würde. Außer dem

Berufsseefahrer, oder denjenigen Lesern, welche in der mathematischen

Geographie bewandert sind, wissen wohl die wenigsten Menschen, wie es

möglich ist, jeden Augenblick den Ort des Schiffes zu bestimmen. Es hat

tatsächlich auch lange gedauert, bis diese Aufgabe befriedigend gelöst

war, und nur unter steter Beihilfe von Wissenschaft und Kunstfertigkeit

ist sie endlich gelungen. -- Unzweideutig ist die Lage eines Punktes

auf unserer Erde bestimmt, durch Angabe seiner geographischen Breite

und Länge. Die Breite läßt sich am leichtesten feststellen, da sie

immer gleich dem Bogenabstand des Poles vom Horizont (Polhöhe) ist.

Segelt der Schiffer nach Norden, so heben sich die zugewandten Sterne

scheinbar immer mehr; diese wechselnde Stellung bietet nun ein Mittel,

die geographische Breite, d. h. den Abstand vom Aequator zu messen.

Zum gleichen Ziele führen auch Messungen der Sonnenhöhe, wenn sie

durch den Meridian geht u. s. w.

Bedeutend schwieriger ist es jedoch, den Längengrad zu bestimmen,

d. h. den Abstand des Meridians des Beobachters vom Meridian eines

bestimmten festen Punktes. Als Ausgangspunkt der Zählung wird jetzt auf

allen Seekarten Greenwich angenommen, nur die Franzosen beziehen sie

auf den Meridian von Paris (Paris liegt 2° 20′ 14″ östlich von G.). Da

unsere Erde sich mit der größten Regelmäßigkeit in 24 Stunden einmal

um die eigene Achse dreht, so ist es klar, daß auf eine Stunde Zeit

15 Längengrade kommen, also 4 Minuten auf einen Grad u. s. w. Ebenso

leicht begreifen wir, daß östlich gelegene Orte früher Mittag haben

als westliche, daß also bei einer Reise von Westen nach Osten parallel

zum Aequator, die Uhr des Reisenden beständig zurückbleiben muß, auf

einen Grad Längendifferenz um 4 Minuten, ebenso viel geht sie voraus

bei einer Bewegung im entgegengesetzten Sinne. Nun verstehen wir auch,

wie die Bestimmung der Länge mit Hilfe einer genau gehenden Uhr möglich

wird. Wurde, um ein Beispiel anzuführen, die Schiffsuhr bei der Abreise

genau nach Greenwicher Zeit gerichtet, und zeigt sie irgendwo am Mittag

statt 12 Uhr, wie die betreffende Ortsuhr, z. B. 2 Uhr, so ist die

Sonne schon vor 2 Stunden durch den Meridian von Greenwich gegangen;

wir befinden uns folglich um so viele Grade westlich von diesem Punkte,

als die Sonne in der Zeit von zwei Stunden durchläuft, d. h. 30°

westlich von Greenwich. Angesichts der Wichtigkeit des Seeverkehrs, der

Verantwortung für so viele Menschenleben und auch des großen Kapitals,

welches in unsern modernen Schiffskolossen steckt, ist es begreiflich,

daß das größte Gewicht auf genaue Ortsbestimmungen gelegt wird und

ebenso, daß Irrtümer in dieser Beziehung immer unangenehme, nicht

selten gefährliche Folgen haben müssen. Daher das Interesse, welches

schon seit mehreren Jahrhunderten dem Schiffschronometer zu teil

geworden. Dieses Interesse mag es auch rechtfertigen, hier, bevor wir

auf die eigentliche Schiffsuhr eingehen, kurz noch die Hauptmomente der

Geschichte des Chronometers, oder des Längenproblems zu berühren.

Einer der ersten, welcher Uhren zur Längenbestimmung (auf dem Lande)

vorschlug, war so viel bekannt, Rainer Gemma, aus Friesland.[82] Aber

dieser gute Rat scheiterte aus Mangel an guten Uhren. Wie die Spanier

versichern, hätte schon früher Alonso de Sta. Cruz in einem seither

verloren gegangenen, Philipp ~II.~ gewidmeten Buche denselben Vorschlag

gemacht; ebenso der Sohn des Christof Columbus, Don Hernando Colon.

Letzterer könnte als der Vater dieser Idee bezeichnet werden. Der

genannte spanische Herrscher soll auch für die Lösung des Problems

einen Preis von 10000 Talern in Aussicht gestellt haben (nach heutigem

Geldwert ca. 100000 Fr.). Die holländischen Staaten bestimmten anfangs

des ~XVII.~ Jahrhunderts zum gleichen Zwecke die Summe von 30000

Gulden.[83] Auch Huygens beschäftigte sich mit dieser Aufgabe, ebenso

Leibniz. In rechten Fluß kam die Frage aber erst, als England 1714

einen entscheidenden Schritt tat. In diesem Jahre wurde eine Kommission

eingesetzt, an welcher neben andern auch der berühmte Newton teilnahm.

Dieser unterzog in einer Denkschrift die bisherigen Methoden der

Längenbestimmung einer Kritik und schloß mit dem Rate, zur Aufmunterung

von Künstlern und Gelehrten einen Preis auszuschreiben. Dem wurde

seitens der Regierung Folge gegeben, indem sie 10000 Pfund (200000

Mk.) bestimmte für denjenigen, welcher eine Methode erfände, um bei

einer Fahrt von England nach Westindien die Länge bis auf 1 Grad, 15000

Pfund bis auf ⅔ und 20000 bis ½ Grad genau zu bestimmen. 1720 folgte

Frankreich diesem Beispiele, indem es die gleiche Preisaufgabe stellte.

Der Mann nun, welcher die gestellte, gewiß nicht leichte Forderung

erfüllte, und, wenn auch erst spät, den Preis erhielt, war Jean

Harrison von Barrow, Grafschaft Lincoln (1693-1776), Sohn eines

Zimmermanns und auf dem Gebiete der Uhrmacherkunst vollständiger

Autodidakt. 1736 brachte er einen Chronometer zustande, welcher vorerst

auf einem Flußschiff erprobt wurde. Später übernahm ihn ein englischer

Schiffskapitän auf eine Fahrt nach Lissabon. Das Resultat war gut, so

daß die Längenkommission ihn zu weiterem Schaffen ermutigte und eine

Unterstützung gewährte. Nachdem Harrison noch zwei weitere Modelle

angefertigt, erhielt er 1749 von der königlichen Akademie die goldene

Copley-Medaille (diese drei Uhren werden als kostbare Urkunden zur

Geschichte der Zeitmessung im Observatorium zu Greenwich aufbewahrt).

Im Jahre 1761 willfahrte endlich die Kommission den Bitten Harrisons,

seine Uhr zur Erprobung auf eine Fahrt nach Jamaica mitzunehmen.

Der Sohn des Erfinders machte die Reise mit, welche nach 18tägiger

Dauer eine berechnete Längendifferenz von 13° 50′ ergab, während das

Chronometer 15° 19′ wies. Natürlich erhob sich ein Streit; der junge

Harrison stand zu den Angaben der Uhr und behauptete, daß am nächsten

Morgen die Insel Portland sichtbar sein müßte, was auch wirklich

eintraf. Aehnlich erging es beim Anlaufen der Antillen. Am 61. Tage

lief das Schiff im Hafen von Jamaica ein. Es wurde nun nach den

Ergebnissen des Merkurdurchganges von 1743 der Längenabstand von Port

Royal auf Jamaica zu 5 Stunden 2′ 51″ westlich von Portsmouth bestimmt,

während das Chronometer 5″ weniger ergab. Auch auf der Rückfahrt

bewährte sich die Uhr ausgezeichnet; nach einer Probezeit von 161

Tagen ging sie noch auf 65″ genau, was ¼ Grad entspricht.[84]

So hatte Harrison die Aufgabe gelöst und zwar genauer als es verlangt

war, aber den ganzen Preis erhielt er doch noch lange nicht. Man erhob

Zweifel über die Zuverlässigkeit der Längenbestimmung von 1743 und

beschloß, eine zweite Fahrt zu unternehmen, vorher aber dem Erfinder

eine Abschlagszahlung von 5000 Pfund zu machen, mit der Verpflichtung

seine Konstruktion zu veröffentlichen. Es geschah dies in der Schrift:

~„Principles of time keeper.”~ Die Fahrt wurde 1764 angetreten, das

Fahrzeug, ein Kriegsschiff, zählte unter seinen Passagieren wieder

den jungen Harrison. Diesmal war das Ergebnis noch besser als zuvor,

so daß die Längenkommission erklärte, Harrison gebühre der Preis.

Das Parlament aber verstand sich bloß zur Zahlung von weitern 5000

Pfund mit der Erklärung, der Rest würde folgen, sobald der Gewinner

andere Uhrkünstler instand gesetzt haben werde, derartige Uhren auch

zu verfertigen. Diese Bedingung gab Anlaß zu langen und ärgerlichen

Streitigkeiten, bis schließlich der Uhrmacher Kendal nach Angaben

Harrisons eine Seeuhr herstellte, welche Cook auf seiner Weltumseglung

mitnahm und als gut erprobte. Der Erfinder war 75 Jahre alt, als er den

letzten Teil seines sauer verdienten Guthabens erlangte.

Außer dem oben erwähnten Kendal erwarben sich noch Mudge und andere

großen Ruhm durch Verfertigung genauer Chronometer.

Die glücklichen Erfolge, welche der geniale Harrison erzielt hatte,

reizten auch andere Künstler zur Lösung der gleichen Aufgabe. Hier sind

vor allem der Franzose Le Roy und der Neuenburger Berthoud zu nennen.

Pierre le Roy, den Saunier den hervorragendsten Uhrmacher Frankreichs

nennt, geb. 1717 zu Paris, gest. daselbst 1785, war der Sohn Julien

le Royʼs. Er erfand eine eigene freie Hemmung, die zuerst an seinem

1763 fertig gestellten Chronometer zur Anwendung kam.[85] Schon 1754

erhielt die Akademie von ihm ein versiegeltes Schreiben, in welchem

er die Prinzipien seiner Seeuhr klar legte; nach 10jähriger Arbeit

lag die erste Ausführung vor, welcher im Verlaufe noch zwei weitere

Modelle folgten. 1767 bewarb sich Le Roy um den Preis; die Akademie

verlangte jedoch eine Prüfung zur See. Diese erfolgte auf Kosten eines

edelsinnigen Privatmannes, Courtanvaux, und fiel gut aus. Ein zweiter

Versuch wurde mit einem Regierungsschiffe unternommen; den Uhrstand bei

der Abfahrt bestimmte der berühmte Cassini, das Endergebnis war eine

Genauigkeit von ⅛ Grad. Zwei weitere Fahrten genügten endlich, um alle

Zweifel an der Brauchbarkeit des Werkes zu beseitigen. Nun beginnen,

ganz wie in England, auch die Schwierigkeiten für den Erfinder: man

wollte nicht bezahlen. Dazu kamen noch Prioritätsstreitigkeiten mit

Berthoud, dessen Chronometer auf der letzten der oben genannten

Prüfungsfahrten zugleich mit dem Instrumente Le Royʼs erprobt worden

war. Schließlich indes erhielt Le Roy den Lohn für 25jährige Arbeit im

Dienste des Vaterlandes.

Der soeben erwähnte Berthoud (1727-1807) war außer auf dem Gebiete

der Uhrmacherkunst noch schriftstellerisch tätig; er verfaßte u. a.

eine Geschichte der Zeitmessung (~histoire de la mesure du temps

par les horloges~, 1782, 2 Bde.), auch brachte er einige wichtige

Verbesserungen an der Chronometerhemmung an. Le Roy und Berthoud

verwarfen überhaupt die Harrisonʼsche Hemmung, ihre Konstruktion ist

zweifellos besser und der Idee nach bis heute geblieben. Saunier nennt

die Chronometerhemmung eine Kollektiverfindung von Pierre le Roy,

Berthoud, Arnold, Breguet und Earnshav.[86]

Werfen wir nun nach diesen, vielleicht etwas langen geschichtlichen

Bemerkungen einen Blick auf die heute gebräuchlichen Chronometer.

[Illustration: Fig. 61.]

Fig. 61 zeigt ein derartiges Instrument. Es weicht im Bau bedeutend

von einer Taschenuhr ab. Die beiden, in der Abbildung sichtbaren

Federhäuser wirken auf ein und denselben Trieb ein; die Federn werden

nach einander aufgezogen, während die Uhr weiter läuft. Das Aufziehen

erfolgt alle Tage, wobei aber die Feder nur ganz wenig gespannt wird,

so daß sie mit einer gewissen mittleren, nahezu gleichbleibenden

Kraft zieht. Die Unruhe unterscheidet sich von der gewöhnlichen durch

die Form ihrer Spiralfeder, welche nicht in einer Ebene gebogen ist,

sondern wie eine Sprungfeder läuft. Sie besteht aus Stahl oder Gold.

Die Kompensation ist die oben erwähnte (Fig. 60).

[Illustration: Fig. 62.]

Eine eigentümliche Konstruktion zeigt die Hemmung. Wie unsere Abbildung

Fig. 62 darlegt, fehlt der Anker. Seine Stelle nimmt die Feder ~A~ ein,

welche in ~B~ mit dem dünneren Teile befestigt ist und etwas oberhalb

des Hemmungsrades, d. h. ein wenig über der Zeichenebene liegt. Diese

Feder ist nahe am dickeren Ende bei ~C~ mit einem Ansatz, senkrecht zur

Bildebene, dem sogenannten Ruhestein versehen, welcher die Zähne des

Hemmungsrades der Reihe nach aufhält, sie auf sich ruhen läßt. Gegen

das dünne Ende der Feder hin ist in ~D~ eine zweite sehr feine und

biegsame Feder ~E~ aus Gold befestigt, welche durch den hakenförmigen

Ansatz ~F~ frei beweglich hindurch geht, so daß ~E~ nach unten sich

ungehindert gegen die Radmitte bewegen kann, aber beim Rückgang nach

oben die Feder ~A~ mitnimmt. -- Auf der Achse der Unruhe ~G~ befindet

sich ein Scheibchen, welches bei ~a~ einen Stift trägt, der bei jeder

Schwingung der Unruhe mitbewegt wird, also gegen die Goldfeder stößt.

Geht nun z. B. ~a~ nach unten, so verschiebt sich das feine Federchen

~E~ leicht in der gleichen Richtung, während ~A~ in Ruhe bleibt,

wie auch der Zahn des Hemmungsrades bei ~C~. Wenn dann ~a~ wieder

zurückkommt, so wird auch ~A~ mitgenommen, so daß das Steigrad sich

drehen kann. Diese Drehung beträgt aber nur einen Zahn, weil die kleine

Feder, so bald sie frei wird, samt der Hemmungsfeder in die Ruhelage

zurückschnellt und den folgenden Zahn aufhält. Unterdessen stößt

einer der späteren Zähne an die Kante des Einschnittes ~i~ und gibt

dadurch der Unruhe einen neuen kleinen Antrieb. -- Wir haben also hier

eine „freie” Hemmung, da ja der Regulator (die Unruhe) mit Ausnahme

des kleinen Stoßes frei schwingt und vom Steigrad weder durch Druck

noch durch Reibung in seiner freien Bewegung gehemmt ist. So viel zur

Erklärung der Chronometerhemmung. Man begreift, daß eine derart exakte

und schwierige Konstruktion nur bei den feinsten und teuersten Uhren

in Anwendung kommt, also gewiß nicht bei den „Chronometern” des großen

Publikums sich findet.

Die Schiffschronometer werden in einem doppelwandigen, gepolsterten

Kasten in kardanischer Aufhängung, d. h. nach jeder Richtung frei

beweglich, also immer in horizontaler Lage verharrend, aufbewahrt.

Dieses „Chronometerspind” befindet sich im ruhigsten Teil des Schiffes.

Da sehr große Anforderungen an eine solche Uhr gestellt werden, so

hat jedes Werk eine eingehende Prüfung zu bestehen; diese wird in

Deutschland meist von der Seewarte zu Hamburg besorgt. Im übrigen

besitzt jede Kriegsmarine eigene Institute zur Anstellung derartiger

Versuche.

Die deutsche Seewarte in Hamburg prüft Chronometer sowohl inbezug

auf die Kompensation als auch auf genaue kardanische Aufhängung.

Die Dauer einer Untersuchung beträgt drei Monate; während welcher

die Uhren Temperaturschwankungen von etwa 5-30° ausgesetzt werden.

Für niedrige Temperaturen ist ein eigener Eiskeller vorhanden; in

einer Heizkammer wird die Luft durch Oefen oder Gasflammen auf die

erforderliche Temperaturhöhe gebracht. Zur genauen Kontrolle des Ganges

dient ein Chronograph, der mit der Normaluhr der Sternwarte verbunden

ist. Bei Konkurrenzprüfungen beträgt die Dauer zuweilen 180 Tage; es

wird dabei die Temperatur immer von 5 zu 5 Grad verändert, so daß

die Uhren jeder dieser Wärmestufen 30 Tage lang ausgesetzt sind. Die

Güte der Aufhängung wird geprüft, indem man den Uhren jede beliebig

geneigte Lage gibt und sie längere Zeit so gehen läßt. Um den Einfluß

der verschiedenen Bewegungen, die ein Schiff macht, zu bestimmen, wird

das Chronometer in einen Apparat gebracht, der nach verschiedenen

Richtungen durch einen Motor bewegt werden kann. Eine andere Prüfung

erstreckt sich auf den Magnetismus und dauert zwei weitere Wochen.

Die Ziffer ~XII~ der Uhr wird abwechselnd nach den 4 Himmelsgegenden

gekehrt und der Gang darnach kontrolliert.

Im Bisherigen wurde öfters der Ausdruck „Gang” gebraucht. Man versteht

darunter den Zeitunterschied, den das Chronometer zeigt gegenüber der

wahren astronomischen Zeit. Dieser Unterschied wird mit dem ± Zeichen

versehen angegeben und zwar so, daß z. B. der Ausdruck: „täglicher Gang

= + 3,5 Sekunden” besagen will, die Uhr zeige in 24 Stunden 3,5″ zu

wenig, sie bleibe zurück, man müsse also den genannten Betrag addieren,

um die genaue Zeit zu erhalten (hier ist Greenwicher Zeit verstanden,

oder, wenn auf mitteleuropäische bezogen, immer genau 1 Stunde mehr).

Nun wird auch der beste Chronometer nie absolut genau gehen; ebenso

sind Störungen nie ausgeschlossen; aus diesem Grunde führen z. B.

Kriegsschiffe drei oder mehr Chronometer an Bord. Zwei anzuwenden,

hätte nicht viel Nutzen, da man bei allfälligen Störungen nicht

wissen könnte, welcher fehlerhaft zeige. Ein drittes Instrument aber

ermöglicht eine gute Kontrolle. Bei den Riesensummen, welche der Bau

eines Kriegsschiffes verschlingt, kommen ja die Kosten für einige

Seeuhren nicht ernstlich in Frage.

Zweifelsohne stellen die Chronometer den Höhe- und Glanzpunkt der

gegenwärtigen Leistungen auf dem Gebiete der Uhrmacherkunst dar; es

leuchtet ein, daß nur das Zusammenwirken der mannigfaltigsten Kräfte im

Vereine mit strengster Prüfung derartige Erfolge möglich machen.

Die Uhren: Ein Abriß der Geschichte der Zeitmessung · 第 19 / 25 题