Ein ungeheures Schicksal war über das deutsche Volk hereingebrochen.
Allein mit unseren österreichisch-ungarischen Verbündeten fanden wir
uns gegenüber der russisch-französisch-englischen Koalition, die von
vornherein durch Belgien, Serbien und Montenegro verstärkt war und
der sich noch im Laufe des August auch Japan zugesellen sollte. Unser
italienischer Dreibundgenosse dagegen lehnte es ab, den Bündnisfall
als gegeben anzusehen, und erließ eine Neutralitätserklärung, die
den französischen Ministerpräsidenten zu Worten hoher Freude und die
französische Kammer zu einer stürmischen Ovation für die »lateinische
Schwester« veranlaßte. Auch Rumänien, das seit vielen Jahren durch eine
geheime Militärkonvention mit uns verbunden war, hielt sich abseits;
König Carol war nicht stark genug, gegen seine widerstrebenden Minister
und die ententefreundliche öffentliche Meinung die Erfüllung der von ihm
übernommenen Verpflichtungen durchzusetzen.
Die Übermacht der Feinde war erdrückend. Allein Rußland und Frankreich
vermochten eine Truppenmacht ins Feld zu stellen, die der vereinigten
deutschen und österreichisch-ungarischen erheblich überlegen war.
Allein die britische Flotte war eine gewaltige Übermacht gegenüber den
vereinigten Flotten Deutschlands und seines Bundesgenossen. Nicht minder
war finanziell und wirtschaftlich das ungeheure Übergewicht auf der
andern Seite, und schon die ersten Tage des Krieges zeigten, daß unsere
Feinde, namentlich England, entschlossen waren, dieses Übergewicht bis
zum äußersten auszunutzen.
Auch das stärkste Herz mußte sich von der Sorge bedrückt fühlen, wie
das deutsche Volk sich der furchtbaren Übermacht sollte erwehren
können. Es brauchte der ganzen Kraft, die nur das Bewußtsein der guten
Sache verleiht, um die bangen Zweifel zu verscheuchen und die mutige
Zuversicht zu schaffen, mit der das deutsche Volk in den Kampf um sein
Dasein und seine Zukunft ging.
Die Straßen hallten wider von dem festen Tritte der Jungmannschaften
und der Landwehrmänner, die, blumengeschmückt und vaterländische Lieder
singend, ausmarschierten. Die Hoffnungen und die heißen Wünsche des
ganzen deutschen Volkes begleiteten sie. Der Abschiedsschmerz und die
Sorge um das Wiedersehen gingen unter in der Hingabe an das bedrohte
Vaterland. Alles schien klein geworden, was bisher das Leben ausgefüllt
hatte; es gab nur noch eines: die Verteidigung des deutschen Bodens
und der deutschen Volksgemeinschaft. In diesem Gedanken fand sich ganz
Deutschland in erhebender Einheit zusammen, alle Stämme, alle Klassen,
alle Parteien. Und diese Einheit, aus der höchsten Not des Vaterlandes
geboren, erschien als Gewähr des Sieges.