Geheimnisvolles Neuyork -- -- --

Wilder Wirrwarr jagt vorbei in wachen Träumen. Ich sehe wimmelnde

schwarze Menschenmassen, höre donnerndes Getöse, schaue auf häßliche

Berge von Stein, die einen erschauern lassen ob der Schönheit ihrer

Wucht. Ueber wogendes Hafenmeer huschen Schiffsriesen ohne Zahl und an

den Wasserrändern strecken sich weithin ins Land wie Bienenkorbzellen

die Behausungen von Millionen von Menschen. Wo ist das Herz Neuyorks?

Welche Kraft pumpt den belebenden Arbeitsstrom durch seinen Riesenleib?

Wo muß man Neuyork packen, um es zu verstehen? Es wird die

Eingangspforte zur neuen Welt genannt, und wahrlich, Millionen von

Menschen sind durch sein Tor geschritten. Ist das sein Wesen? Ist es

eine Pforte nur?

Die Traumbilder huschen vorbei.

Vor einigen Monaten stand ich wieder einmal auf der _Great Oxford

Street_ in London und sah die Menschenmassen und die endlosen

Wagenreihen sich vorbeiwälzen. Da war der Eindruck so leicht zu

erfassen. Denn ein Kind hätte verstehen können, daß in diesem

Häuserwirrwarr und Menschengedränge das Herz Großbritanniens pulsierte,

das Hirn Englands schuf und dachte, der Mittelpunkt des Weltreichs sich

befand. Auch da ließ sich das beängstigende Einzelgetöse gar leicht zu

großem Zug zusammenfassen.

Neuyork aber ist geheimnisvoll.

Ein gescheiter Mann nannte es einmal das Wunderkind mit dem

Wasserkopf unter den Städten der Welt. Der anscheinend so unförmige

und häßliche Kopf aber sehe nur aus wie ein Wasserkopf und enthalte

in Wirklichkeit ein ganz ausgezeichnet entwickeltes Gehirn. Dieser

Wunderkinder-Vergleich ist sehr gut. Neuyork ist kindlich jung. Noch

nicht einmal dreihundert Jahre alt. Denn im Jahre 1626 war es, als die

Niederländer, gescheite Leute und tüchtige Seefahrer, die feine Nasen

für einen ideal guten Hafen hatten, auf der Insel Manhattan landeten

und das niederländische Dörfchen Neuamsterdam gründeten. Ganz genau auf

dem Fleck, wo jetzt die Wolkenkratzer gen Himmel ragen. Der Witz der

Weltgeschichte wollte es, daß dieses kleine Häuflein von holländischen

Männern den Menschen des Erdenflecks, auf dem sie hausten, in die

Jahrhunderte hinein Geist von ihrem Geist und Denken von ihrem Denken

vererben sollte -- Millionen von Menschen, die auch kein Tröpflein des

alten Holländerbluts in ihren Adern haben sollten. Und trotzdem -- --

Die Neuamsterdamer waren, in scharfem Gegensatz zu ihren Nachbarn,

den neuenglischen Puritanern, weder Idealisten, noch Fanatiker,

noch instinktive Republikaner. Sondern die Mynheers hatten gutes,

dickes, solides Kaufmannsblut und wollten Geschäfte machen in ihrem

Neuamsterdam. Nur Geschäfte. Recht gute Geschäfte. Sie sind auch sehr

reich geworden.

Und sie sind es, die dem Neuyork der Zukunft seinen Stempel aufgedrückt

haben!

Wenn man der Stadt der Geheimnisse überhaupt einen ganz großen

allgemeinen Zug nachweisen kann, so ist es der Charakterzug ihrer

holländischen Gründer:

Den Gulden mehren! Geschäfte machen um jeden Preis! Ob anständig oder

unanständig, aber auf jeden Fall! Her mit dem Dollar!!

Die schwerfälligen Neuamsterdamer mit den tuchenen Kniehosen, den

plumpen Schnallenschuhen, und dem Geldsinn sind längst vermodert und

leben nur noch in wenigen Hunderten Familien der Neuyorker Aristokratie,

ihren direkten Nachkommen, die sich _knickerbockers_ nennen nach der

Beinbekleidung ihrer Vorfahren -- Kurzhosige. Das sind die Roosevelts,

die Van Straatens, die Vanderveldes, die Yonkers. Diese alle sehr

reichen und zum Teil sehr bedeutenden Leute sind zwar ahnenstolz in

ihrer Art, legen aber auf das holländische Blut in ihnen recht wenig

Gewicht. Nein, der Dollar ist es, in dem die vermoderten alten Holländer

fortleben; in der brausenden Dollarluft, die über Neuyork dahinpfeift,

tummeln sich ihre Seelen. Nirgends in der Welt hat je das liebe Geld so

hart geherrscht als in der Meerstadt, über die des Nachts die

Strahlenbündel vom Haupte der Freiheitsstatue leuchten. Sie sind immer

harte Leute gewesen, diese Neuyorker, und Gold war stets ihre Losung.

Aus Neuamsterdam wurde Neuyork.

Keiner der geldgierigen Holländer durfte es erleben und keiner hat es

nur geahnt, daß Schiffe über Schiffe den Atlantischen Ozean durchqueren

sollten nach der kleinen Felseninsel am Hudson, und Millionen über

Millionen von Menschen sich durch die amerikanische Eingangspforte in

das neue Land drängen. Daß das meiste von dem Geld und ein weniges von

dem Menschenmaterial dieser Millionen an der Türschwelle der neuen Welt

hängen bleiben sollte. An Neuyork. Das Wunderkind wuchs erschreckend.

Dock wurde an Dock geklebt, ohne Ueberlegung, ohne Plan; dicht am

Straßenrand wurden die Anlegepfosten ins Meer gerammt und die

Anlegestege gebaut. Haus wurde Haus auf den Leib gepackt auf Manhattan.

Immer mehr wurden die Menschen. Der Wasserkopf war da. Das ungesunde,

anormale Wachstum; das hastige Gestalten nach den Forderungen des

Augenblicks, das der sonderbarsten Stadt der Welt ihren Stempel

aufgedrückt hat.

Das Gepräge des Chaotischen.

Als ob die treibenden Gewalten sich rauften und um Licht und Luft und

Dasein hätten ringen müssen; die Schiffahrt, der Binnenhandel, der

Außenhandel, der Ortshandel, die Finanzen. Nichts griff klar ineinander,

sondern alles war Wirrwarr. Neuyork ist niemals nur der große Welthafen

gewesen, nach dem von allen Erdenteilen Schiffe steuern; oder nur die

große Kaufmannsstadt, in der die von anderen geschaffenen Werte zur

Münze umgeprägt werden; oder nur die große Finanzstadt, in der die

Milliardenkämpfe zwischen den Großen des Landes ausgefochten werden

müssen -- sondern stets eine wirre Verbindung von allen diesen Dingen;

eine Hölle von gegensätzlichem Streben. Den inneren Zwiespalt zeigt

scharf das Aeußere der Stadt. Mir ist die grandiose Freiheitsstatue auf

der winzigen Felseninsel _Liberty Island_ mitten im Neuyorker Meer

niemals als tiefbrünstiges Symbol der Volksseele der neuen Welt

erschienen, sondern ich habe mich stets nur lachend gewundert, woher nur

in aller Welt diese Holtergepolter-Neuyorker sich jemals die Zeit

nahmen, an so abstrakte Dinge wie Freiheit und Symbolik auch nur zu

denken. Sonst sind sie doch praktisch nur; erstens praktisch, zweitens

praktisch, drittens praktisch, und viertens sonst überhaupt gar nichts.

Sie schmissen Dampferpier neben Dampferpier hin, wo er gerade nötig war;

sie bevölkerten Hoboken mit ekelhaften kleinen grauen und schwarzen

Dreckhäusern, weil das für die Notwendigkeiten der Schiffahrtsleute

gerade praktisch war; sie türmten dort, wo um die Milliarden gefochten

wird, im Herzen der Insel Manhattan, die Häuser himmelragend in die

Lüfte empor, daß die staunende Welt schaudernd die Augen aufriß und

lange Zeit das moderne Märchen vom Wolkenkratzer nicht recht glauben

wollte -- weil jeder Zoll Boden auf Manhattan ein Vermögen kostete und

die Luft darüber auch nicht einen Pfennig. Die Einfachheit dieser

Kalkulation wirkte gigantisch. Doch man jagt mit Sturmschritten in

Neuyork, und auch für den Wolkenkratzer hatte selbstverständlich nur der

Mann Zeit übrig, der ihn zwecks Dollarverdienens erbaute. Die anderen

grinsten beifällig, dachten aber gar nicht daran, die Konsequenzen des

Wolkenkratzersystems zu ziehen und so etwas wie ein einheitliches

Stadtbild zu schaffen.

So, wie der primitive Amerikaner sich ein praktisches rundes Loch in

seinen teuren Lackstiefel schneidet, wenn ein Hühnerauge ihn drückt, so

erbaute der Neuyorker seine Stadt. Neben dem Wolkenkratzer blieb die

Hütte stehen, dicht daneben. Auf die Hütte folgt womöglich eine winzige

Kirche, auf die Kirche wieder ein Wolkenkratzer, dann ein Häuschen, dann

ein Haus, dann wieder ein Wolkenkratzer. Und in diesen Tagen noch muß

der nur einigermaßen nachdenkliche Beschauer des Broadway und der

Manhattan-Gegend sich verzweifelt an den armen gequälten Schädel fassen

und ausrufen:

Wehe mir! Wie soll ich es begreifen, daß neben dem Riesen der Zwerg

wohnt! Daß Dieses so gigantisch ist und Jenes so erbärmlich klein!

Und im allgemeinen wird er, trotz aller Ehrfurcht für das Riesenhafte,

den Eindruck einer kolossalen Verrücktheit haben. Denn überall ist das

gleiche Chaos, die gleiche Ungereimtheit. Dicht an die groteske

Wolkenkratzergegend schließen sich die Avenuestraßen im

Wolkenkratzersquare, die wie eine völlig andere Welt anmuten. In ihrer

palastartigen Vornehmheit sehen sie aus, als sei in ihnen ein Stück des

aristokratischen Londoner Westendes mit Haut und Haaren und Haus und

Grund ausgegraben und nach Dollarika verpflanzt worden. Die Bowery dort

mit ihrem Tingeltangelgedröhne und widerlichem Spektakel von

Schwindelgeschäften könnte sehr wohl ein Fetzen des niedersten Paris

sein -- und die fürchterlichen grauen Häuser in den luftverpesteten

schmalen Straßen im Ostende, wo die Aermsten zu Dutzenden in einem

Zimmer wohnen, sind wie ein Abbild der _slums_ in Whitechapel. Doch

dazwischen dehnen sich Parks, weiten sich Spielplätze, die den

Städtebauern der alten Welt eine so ungeheure Anregung gegeben haben,

daß sie noch jahrelang nachwirken wird; strecken sich ins Land hinein

entzückende Villenstraßen, die ein Vorbild sind und ein Muster des

billigen eigenen Heims an den Rändern der großen Stadt.

So jagen sich Schritt für Schritt fast die verwirrend grotesken

Gegensätze im Städtebild Neuyorks. Und doch löst sich immer wieder als

einzig bezeichnend und allein wichtig der Häuserriese im Herzen

Manhattans von allen anderen Bildern los:

Der Wolkenkratzer.

Der fünfundzwanzigstöckige, der fünfzigstöckige, der

fünfundsiebzigstöckige Wasserkopfriese ist das Wahrzeichen Neuyorks und

sein Symbol, sein Stolz und seine Schande zugleich. Ist er doch der

Bienenkorb, in dem man die sonderbaren Menschenbienen am besten

schwirren sehen kann. Dort wohnt die Seele Neuyorks.

Jene anderen Viertel, die man so typisch nennt, sind nicht neuyorkhaft.

Es ist nichts Wunderbares, daß an der großen Türschwelle aller Nationen

so viele Fremde haften geblieben sind, mag es auch verblüffen, wenn man

feststellt, daß in Neuyork mehr Italiener wohnen als in Rom, mehr

Deutsche als in Breslau, mehr Franzosen als in der durchschnittlichen

Provinzstadt Frankreichs, mehr Juden endlich als an irgend einem Orte

der Welt zusammenhausen. Es scheint einem etwas ganz Natürliches, durch

winkelige Trödelstraßen zu schreiten, in denen fast nur »jiddisch«

gesprochen wird, und durch Viertel, wo man sich nur verständigen kann,

wenn man der italienischen Sprache mächtig ist. Und doch hat es wieder

etwas Erschütterndes, daß diese Leute ihr Völkischsein so völlig

mitgenommen haben in die neue Welt. Sie leben und lieben, sprechen und

denken, wie sie es in Italien taten; sie essen die Makkaronis und

trinken den Chianti ihrer Heimat, und träumen von dem glücklichen Tag,

an dem einst die italienische Sonne wieder auf sie scheinen wird. Sie

werden dann mit den paar hundert amerikanischen Dollars kleine

Landeigentümer geworden sein. Von dem aber, was Neuyork ist, trennt

diese Leute eine Unendlichkeit, auch wenn sie zehnmal ein Bürgerpapier

unterschrieben und zwanzigmal einen Amerikaner in den Stadtrat oder in

den Kongreß gewählt haben. Die gleiche Unendlichkeit scheidet die große

Masse der armen Juden von dem Wesen Neuyorks. Darin sind sich die

Fremden im großen Sinne alle gleich; Juden oder Deutsche oder Italiener

oder Slaven. In ihrer Gesamtheit bedeuten sie für Neuyork nichts weiter

als ungewöhnlich billiges und ungewöhnlich leicht traktables

Menschenfutter für die große Tätigkeitsmaschine; Menschenfutter, das von

einigen wenigen Leuten, die nationale Eigenart wohl kennen und sie

schlau auszunutzen verstehen, ausgepreßt wird wie eine Zitrone. Von

Tausenden dieser Fremdlinge lächelt einem, der sehr stark oder sehr zähe

oder sehr gescheit ist, der große Erfolg. Und dieser Eine nur immer ist

für Neuyork wichtig und Neuyork für ihn. Die Anderen sind Schatten, die

da kommen und gehen, die einige Männer reich und einige Industrien

lebensfähig machen.

Einst haben die Fremdlinge Neuyork geschaffen. Heute sind sie nur eines

seiner Anhängsel in dem Chaos, dessen einziger fester Punkt der Begriff

des Wolkenkratzers ist, ins Unendliche ausgedehnt, ins Symbolische

übertragen. --

Und der Guldensinn der Neuamsterdamer...

Wie der Wolkenkratzer einem bis ins Fabelhafte gesteigerten

Nützlichkeitssinn sein Dasein verdankt -- die Steinriesen Manhattans

wirken wie fanatische Prediger der Zweckmäßigkeit und der Arbeit -- so

ist der Neuyorker schlechtweg ein Zweckmäßigkeitsmensch. Er verkörpert

amerikanischen Kaufmannsgeist auf das Intensivste und sein leiser Stich

ins Uebertreibende charakterisiert das Wesen dieses Geistes erst recht.

Auf die einfachste Formel gebracht: Der Dollar regiert über das Land und

regiert noch härter im intensiven Neuyork. Doch was bei dem

Neuamsterdamer etwas unendlich Grobes, simpel Geldgieriges, abstoßend

Häßliches war, hat sich bei seinem Nachkommen von heutzutage zu einem

großartigen Glaubensbekenntnis an Arbeit, Leistung, Tätigkeit

verfeinert, vergrößert, veredelt. Das bloße Geldverdienen ist zu einem

Hohelied der Arbeit geworden. Der Neuyorker kämpft beileibe nicht nur

um den Dollar, um reich zu werden, sondern der Kampf an und für sich ist

ihm Notwendigkeit, Pflicht, Stolz, Liebe. Derjenige, der nicht mehr in

der Arbeit steht, ist ihm ein Nichts, eine Null. Der hat sein Bestes

weggegeben und ist eine Drohne, die essen mag und schweigen. Der hat

nicht mehr mitzureden und wenn er Millionen besäße. Es gibt in dieser

Stadt der reicheren Leute fast gar keinen oder gar keinen Reichen, der

sich aufs Altenteil setzte, um sich seines Goldes in Ruhe zu erfreuen.

Die weltbekannten Milliardäre, die sich mit größerem Recht vielleicht

als mancher Fürst, Herrscher nennen könnten, arbeiten in ihren Büros in

der Finanzstraße Wallstreet gerade so viel und angestrengter vielleicht

als der arme Arbeiter irgendwo in einem Weltwinkel, der mit

großaufgerissenen Augen von diesen Milliarden liest und sich unter ihren

Besitzern glücksfreudige Genießer vorstellt, erstaunliche Geldprotzen,

die im Golde wühlen und vom Golde schlemmen.

In Wirklichkeit arbeiten diese Leute schwer und überlassen in geduldiger

Amerikanerart das Genießen und Verschwenden ihren Frauen und Töchtern.

Die mögen sich mit Brillanten behängen und englische Herzöge heiraten

und in ihrem Kreise der oberen Vierhundert Tollheiten von wahnsinnigen

Gastmählern und unerhörten Verschwendungsorgien ersinnen. Er, der Herr

des Geldes, bleibt aus freiem Willen sein Knecht. Ihm ist am wohlsten,

wenn er von seinem Schreibtisch aus in einem menschenabgeschlossenen

Privatkontor die Telegramme in die Welt hinausjagt, die Entscheidungen

trifft, die Pläne ersinnt, die die ungeheure Macht des Geldes in

arbeitende Bewegung treiben. Sie sind oft genug und am meisten in ihrem

eigenen Lande die Geißeln der Menschheit genannt worden, diese

überreichen amerikanischen Milliardäre, die in ihrer gigantischen

Brutalität, ihrer übermenschlichen Goldeinsamkeit, ihrem Druck auf die

große Masse der Menschen eine der eigentümlichsten Erscheinungen

amerikanischer Art bilden. Sie gehören zu den Unbegreiflichkeiten der

Welt. Der eiserne Wille, die enorme Intelligenz, der unheimliche

Wagemut, der Hunderte, Tausende von Millionen zusammenrafft, ganz

gleichgültig, ob auf ehrlichem oder unehrlichem Wege, und die Zustände

vor allem, in denen diese Napoleoniden des Goldes überhaupt möglich

sind, erscheinen als etwas nahezu Unfaßbares. Die Widersprüche in ihrem

Leben und Wirken sind unlöslich. Ein Rockefeller -- ein armer, schwer

magenkranker Mann, der sich von Milch ernähren muß -- verfolgt mit

eiskalter Grausamkeit jeden Petroleumproduzenten, der sich seinem Willen

nicht fügt und macht mit voller Ueberlegung Tausende von Menschen, die

ihm im Wege stehen, zu Bettlern. Des Sonntags aber leitet der gleiche

Mann eine Sonntagsschulklasse und predigt jungen Männern Frömmigkeit und

christliche Liebe. Ein Rätsel. Es wäre lächerlich, da an Heuchelei zu

denken, denn Heuchler haben ihre Zwecke und der Petroleumkönig ist schon

in den allerersten Jahren seines kaufmännischen Lebens so reich

geworden, daß er wahrlich Heuchelei nicht nötig hatte.

Ein Carnegie schenkt den Armen der Welt etwas ganz Großes. Gute Bücher.

Die Bibliotheken, die seinen Millionen ihre Existenz verdanken, schießen

wie Pilze empor in den großen Städten. Wo in der Welt auch nur ein

tapferer Mann einem Menschen das Leben rettet und dabei selbst zugrunde

geht oder an seiner Gesundheit schwer geschädigt wird, da ist helfend

und tröstend der Carnegieschatz für Lebensretter da; viele Millionen von

dem einstigen Stahlkönig der selbstlosen Tapferkeit gewidmet. Der arme

Arbeiter, der dem ertrinkenden Mädchen nachspringt und seine

Selbstlosigkeit mit dem Leben bezahlen muß, hinterläßt Frau und Kinder.

Hier springt Carnegie ein, ob die Tat nun in Amerika geschehen ist oder

in Europa, in England, Frankreich, Deutschland, in Japan oder

Australien. Und diese Carnegiegesellschaft hat sich nicht etwa auf ein

kleinliches Schema festgelegt und verteilt Pfennige, sondern sie gibt

Kapital, auf daß die Witwe sich selbst helfen kann. Die

durchschnittliche Spende beträgt dreitausend Mark, kann jedoch, je nach

den Verhältnissen, eine Höhe von fünfzigtausend Mark erreichen. Der

gleiche Mann jedoch, der in warmem Mitfühlen für wertvolle Menschen

sorgen will, hat als amerikanischer Stahlkönig ein verruchtes System der

Arbeiterausbeutung geschaffen, das jeden sozial denkenden Menschen auf

das tiefste empören muß. Er ließ nicht nur auf Akkordlohn arbeiten --

das »Du erhältst bezahlt, was du dir verdienst!« ist ein gesundes

Prinzip -- sondern er erfand eine sehr feine neue Nuance. Er verlangte

von den vielen Tausenden von Arbeitern der vielen Stahlwerke eine

Mindestleistung im Akkord und zwar eine so hoch bemessene

Mindestleistung, daß der Arbeiter eine versäumte Minute gar nicht

nachholen konnte. Und über den Arbeiter stellte er den Aufseher. Nicht

etwa den altmodischen Aufseher, der halb technisch leitet und halb

polizeilich in Ordnung hält, sondern den modernen amerikanischen

Carnegieaufseher: den »Hetzpeitschenmann«! Den Treiber, den Hetzer, der

die Mindestleistung herauspressen mußte und -- zusammen mit dem Arbeiter

»flog«, wurde sie nicht erreicht. Diese eiskalte kaufmännische

Berechnung ergab ein vorzügliches Resultat. Die Stahlarbeiter schwitzten

sich die Seele aus dem Leib und gaben jeden geschlagenen Tag von den

dreihundert Arbeitstagen des Jahres alles her, was an Kraft in ihnen

war. Natürlich bezogen sie hohe Löhne auf diese Weise und waren sehr

zufrieden. Daß aber ein solcher Arbeiter im Alter von fünfundvierzig

Jahren ein völlig zerrüttetes menschliches Wrack war und überhaupt nicht

mehr arbeiten konnte -- das wußte der Arbeiter vorläufig noch nicht, und

Herrn Carnegie war es sehr gleichgültig.

Die Beispiele ließen sich in die Dutzende hinein wiederholen. Der

Milliardär stellt fast immer eine Reihe der sonderbarsten Widersprüche

dar. Es ist grobes Denken und dummes Denken, wenn man von diesen Leuten

sagt und schreibt, daß die Millionen, die sie mit vollen Händen der

Menschheit schenken, nur lächerliche Goldtropfen seien, gespendet, um

arge Gewissensbisse zu betäuben und sich in der Gunst der gefährlichen

Massen zu halten. Nein, man braucht auch dem Milliardär die

Schenkensfreude nicht wegzudisputieren. Der Einzelmensch und der

Geldriese scheinen eben zwei verschiedene Individuen zu sein... Denn die

Tatsache bleibt bestehen, daß keines der amerikanischen Riesenvermögen

erworben worden ist und erworben werden konnte ohne gewissenloseste

Ausbeutung der großen Massen. Ob die Carnegies ihr Geld durch

Arbeiterausbeutung machten oder die Vanderbilts und Astors durch

ungeheure Verwässerung von Eisenbahnaktien dem Publikum die Dollars zu

Milliarden aus den Taschen lockten -- es kommt immer auf das gleiche

heraus. Die Vielen mußten leiden, um dem Einen die Milliarde zu geben.

Der Milliardär ist eine Abnormität, und das Land, in dem ein einzelner

Mann in einem kurzen Menschenleben Hunderte von Millionen ansammeln

kann, etwas fast Unbegreifliches. Nur eines gibt wenigstens die

Anfangsmöglichkeit eines Verstehens.

Das eine, das für Amerika und die Amerikaner charakteristisch, im

Neuyorker potenziert, im Milliardär verungeheuerlicht ist:

Die heillose Freude an der Arbeit!

Nichts anderes kann diesen armen reichen Milliardär erklären, der im

Golde fast erstickt und sich doch abrackert bis zu seinem Todestag;

nichts anderes diesen Neuyorker, der arbeiten muß, ständig arbeiten, im

Laufschrittempo arbeiten, weil er sonst krank werden würde. Es ist, als

habe sich raffinierte Schöpferkraft einen Spezialwitz für Amerika und

die Amerikaner ausgedacht: Sie hat ins amerikanische Gehirn einen für

ihre Evolutionszwecke sehr praktischen neuen männlichen Ehrbegriff

gelegt!

Die Ehre des Mannes liegt in seiner Arbeit.

Hörst du zu arbeiten auf, so wirst du ehrlos!

So arbeitet der Neuyorker Tag und Nacht. Ein Stück von seiner Art habe

ich am eigenen Leibe verspürt und ich weiß heute noch nicht, da ich

schon längst wieder Europäer geworden bin, ob diese Art etwas wundervoll

Triebkräftiges und Lebenförderndes ist oder ob ihr doch nur die

jämmerliche Angst vor Not und Mangel zugrunde liegt. Ich habe beide

Arten kennen gelernt. Ich habe genau so gelebt wie jene Leute, die der

witzige Henry F. Urban ebenso witzig wie ungerecht Neuyorker

Dollarmaschinen getauft hat. Auch ich verlernte es, bedächtig zu essen

wie ein gesitteter Mensch, weil die knappe Zeit zu Besserem da zu sein

schien; auch ich wachte morgens in unbeschreiblich nervöser

Arbeitsungeduld auf und ging in Arbeitserregung zu Bett; auch mir war

neben der Arbeit alles andere im Tagesleben klein und unwichtig. Ich war

auch einer von denen, die in jener besonderen Art von Lebenskampf

standen, der alle Seiten dieser Arbeitshast gezeitigt hat. Man ist auf

seinen Schädel oder auf seine Hände angewiesen in Neuyork. Man hat für

sich selbst zu sorgen. Man weiß als durchschnittlicher Neuyorker

außerordentlich wenig von seinem Großvater, und einen Urgroßvater hat

man im allgemeinen überhaupt nicht -- und damit keine Tradition, keinen

Familienzusammenhang im großen, ganz gewiß nicht jene Kultur, die immer

erst der zweiten oder dritten Generation erfolgreicher Menschen

beschert wird. So wandelt sich in Neuyork, in dem diese Dinge schärfer

zutage treten als anderwärts in Amerika, die Not zur Tugend.

Die Arbeit wird zur Freude. Niedriges Geldhasten zu hohem Ehrbegriff und

großem Lebensideal. Und man sollte diese fürchterlich zusammengewürfelte

Stadt des Geldes und ihre dahinhastenden Menschen nicht kulturlos

schelten. Mir ist mein Arbeitshasten in Neuyork eine unbeschreiblich

freudige Erinnerung und es will mir scheinen, als hätte dieses

Vorwärtszappeln von Tag zu Tag große Aehnlichkeit mit etwas Schönem

gehabt, Begeisterung! Und wenn ich von dem unglücklichen Dollarneuyorker

lese, den das furchtbare Arbeitsrad seiner freudlosen harten Stadt

unerbittlich vorwärts und immer vorwärts treiben soll, dann denke ich

lachend an die frischen Gesichter und das frohe Wesen dieser angeblich

so bedauernswerten Leute. Ich habe nirgends so viel Frohsinn im

täglichen Arbeitsleben angetroffen, so viel Freude an der Arbeit, so

viel Güte im überbürdeten Menschen... Wenn ein armer Teufel in einem der

Riesenrestaurants Neuyorks um Arbeit vorfrägt, so wird ihm einer der

geplagten Leiter ganz gewiß drei Minuten schenken und als einfache

Selbstverständlichkeit ihn anhören -- in den entsprechenden

Riesenrestaurants von Berlin oder Paris würde man den Kuckuck

dergleichen tun!! Das ist nicht etwa ein ganz vereinzeltes, sondern nur

ein besonders merkwürdiges Beispiel! Dieser hastende, eilende,

schreckliche, rasende Arbeitsroland von Neuyorker, hat immer ein wenig

Zeit und immer ein wenig Güte für das übrig, was man den »lieben«

Nebenmenschen zu nennen pflegt. Man merkt das auf Schritt und Tritt. Der

berüchtigte _policeman_ gibt einem in liebenswürdigster Weise über

alle möglichen und unmöglichen Dinge Auskunft; der reiche Kaufmann

empfängt ohne weiteres einen gänzlich Unbekannten, wenn dieser nur einen

halbwegs vernünftigen Zweck seines Besuches anzugeben weiß; der Nachbar

in der Bar oder im Restaurant hat immer Zeit übrig für eine

Liebenswürdigkeit, einen praktischen Hinweis, eine Verbindlichkeit einem

ihm völlig Fremden gegenüber. Und das ist wieder einer jener

Widersprüche, aus denen der moderne Neuyorker zusammengesetzt zu sein

scheint.

* * * * *

So löst es sich aus dem unentwirrbaren Rätselnetz der geheimnisvollen

Stadt heraus wie ein Leitfaden. Die dumpfe, graue, häßliche Luft, die

Wolkenkratzerriesen umhüllt und erbärmliche Hütten, märchenhaften

Reichtum und hündisches Elend, wahnsinnigstes Spekulationshasten und

großartiges schöpferisches Arbeiten, alle hohen und niederen Kräfte des

Weltgetriebes, -- hat eine Seele. Denn man kann wahrlich sagen, daß es

über diesem Ungetüm von Stadt wie eine letzte Essenz in der Luft liegt,

aus Großem und Kleinem, aus Schönem und Häßlichem zusammendestilliert:

Arbeit! Schaffen! Tätigkeit!

Und deshalb ist dieses Neuyork, das holländische Kaufleute gründeten und

Fremdlinge aller Nationen ausbauten, zu einem typischen Wahrzeichen des

Reiches Amerika geworden. Denn nur einen einzigen eigenem Charakterzug

hat dieses amerikanische Reich von Fremdlingen aller Nationen Gnaden:

Tätigstes Leben!

Die sogenannte Amerikanerin.

Der Lausbub und die Frauen. -- Die dumpfe Sehnsucht. -- Der

Mädelknopf. -- Der langweilige Zeitungsgeselle. -- Nicky's und

Flossy's Privatansichten. -- Die Frauen meiner Freunde. -- Mrs.

Burton und ihre Ehe. -- Gibt es eine amerikanische Frau? -- Die

Becken-Theorie. -- Die verdienende Amerikanerin. -- Die Tragödie

der Arbeit. -- Frauentypen. -- Die tolle Abstinenzlerin. --

Frauenverehrung? -- Der grobzotige Amerikaner. -- Das Gibsongirl.

-- Tausend Wahrheiten und tausend Widersprüche. -- Es gibt doch

keine »Amerikanerin«!

Mein eigenes Leben in der Stadt der hetzenden Eile und des

Dollarinstinkts als Ehrbegriff war tätig und nur tätig. Die komische und

doch auch wieder stark eigenartige Idiosynkrasie des Zeitungsmannes

verbot Beschäftigung mit allem, das nicht »_copy_«, Arbeit,

Zeitungsresultat produzierte. Was die Rotationspresse nicht brauchen

konnte, war an und für sich eine Nebensächlichkeit -- als Axiom! Alles,

was nicht Zeitungsstoff ergab, war verwerfliches, persönliches

Vergnügen, zulässig in bescheidenem Maße, aber doch verlorene Zeit --

entgangenes Gut!

So fraß man, ohne auch nur eine Ahnung davon zu haben, den merkwürdigen

Neuyorker Ehrbegriff vom nur tätigen Leben in sich hinein, und lebte

höchst kulturlos wie die Neuyorker leben.

Kein besseres Beispiel dafür gibt es als die völlig untergeordnete

Rolle, die der weltenversetzende Begriff Frau in meinem Neuyorker

Zeitungsleben spielte.

Es hatte einfach keinen Platz übrig für Frauen!

Praktisch. Theoretisch stand es im Zeichen einer dumpfen Sehnsucht. Es

war dazumal Sitte in Neuyork, daß junge Männer, die gern witzig sein

wollten, in jenem verrückten Knopfloch des Männerrocks, für das kein

korrespondierender Knopf da ist, statt der Veilchen oder Chrysanthemen

ein weißes Emailschildchen trugen. Auf dem stand in roten Buchstaben:

_Girl wanted!_

Mädchen gesucht!

Es war das eine getreue Nachahmung der Ueberschrift in den

Annoncenspalten der Zeitungen, in denen Hausfrauen Dienstmädchen

suchten: _Girl wanted!_ Nur meinten die jungen Männer etwas ganz

anderes. Natürlich fielen die Mädchen immer wieder auf den Witz herein

und lachten, und die angenehme Atmosphäre ausgiebigen Flirts war ohne

weitere zeitraubende Vorbereitungen gegeben. Ich trug zwar keinen

solchen Knopf. Aber in meiner Seele war er stets angeknöpft: _Girls

wanted!_ Nur wollte es der Teufel des tätigen Lebens, daß jedesmal,

wenn der seelische Knopf wirklich einmal zum Vorschein kommen wollte,

schleunigst irgend ein praktischer (höchst interessanter!) Männergedanke

aus irgend einer Hirnecke hervorschoß und den schönen Augenblick

zerstörte. Nicky sagte einmal:

»Ein Mann wie du ist mir noch nicht vorgekommen! Ich möchte nur einmal

erleben, daß du es fertig bringst, länger als fünf Minuten

liebenswürdig zu sein! Bin ich nett zu diesem Mann -- und er erzählt mir

eine alte Mordgeschichte!«

»Verrückt...« brummte ich.

Und schüttelte verständnislos und arg geniert den Kopf.

* * * * *

Und ich lache und lache, daß mir die Feder wackelt in der Hand. Die

guten Götter bescheren mir in diesem Augenblick die Gunst, geisterige

Stimmen aus der Vergangenheit hören zu dürfen, für die ich völlig taub

war, als sie lebendig klangen. Sie schütteln die Köpfchen, die

Neuyorkerinnen von Anno dazumal, und ihre Stimmchen flüstern und lachen.

In grobmännliche Töne übersetzt, würden die Stimmen sagen:

Der Esel!

Der Idiot!

Der langweilige Zeitungsgeselle!

Welch grobgehobelter, seelenloser, verständnisbarer Idiot der Sausewind

von damals doch Frauen gegenüber gewesen sein muß! Sagte einmal Flossy:

»Deine Frau möchte ich nicht sein! Nicht für drei Millionen!«

»Erstens möchte ich nicht dein Mann sein,« antwortete ich, »und

zweitens weshalb nicht?«

»Soso und überhaupt,« meinte Flossy, und in ihre Augen kam der stark

wasserhaltige Seelenblick, den ich kannte und stets instinktiv als

höchst langweilig empfunden hatte.

»Ueberhaupt!« fuhr sie entrüstet fort. »Du würdest lieber in irgend

einer dummen Redaktion vier Stunden verquatschen als bei deiner Frau zu

sitzen und nett zu sein!«

»_Flossy, dear --_«

»Geh weg!«

»Weißt du was -- heute abend wollen wir ins Dachgartenrestaurant gehen.

Den Zigeunerprimas, der dort fiedelt und der so komische Verbeugungen

macht, findest du doch wundervoll!«

»-- und dann erzählst du mir wieder den ganzen Abend von deinen

langweiligen Reportergeschichten und --«

Aber sie ging doch mit.

* * * * *

Eines Abends saßen wir im Klub und stellten lachend einen Anfall von

allgemeiner Trägheit fest. Holloway hatte seine Pflichten auf einen

_assistant_ abgewimmelt, Burton sich vorzeitig aus der Redaktion

gedrückt, und Norris meinte gähnend, heute sollten einmal die anderen

arbeiten an seiner Stelle. Nach Hause gehen aber wollte keiner so recht.

Der eine stimmte für Poker, der andere für ein Varieté, der dritte für

einen Bowerybummel. Bis endlich Dick Burton entschied:

»Gaiety-Theater! Die Tänze sollen sehr hübsch sein. Und wir wollen die

_ladies_ mitnehmen!«

»Gut!« nickte Holloway.

Und es entstand ein allgemeiner Exodus nach den Telephonzellen, um die

Frauen herbeizurufen. Dicky hatte die Polstertüre offen gelassen und ich

hörte deutlich sein --

»Jawohl, ins Gaiety-Theater -- die Kinder sind doch schon im Bett --

bißchen fix, Lizzie, -- jawohl, ich bin hier im Klub -- wir gehen alle

miteinander -- du fährst natürlich mit der _elevated_ -- in dreißig

Minuten kannst du hier sein -- _au revoir, sweetheart_...«

Da riß ich die Augen weit auf und starrte den zurückkehrenden Dicky an,

als sei er auf einmal ein ganz anderer Mensch geworden. Nicht um alle

Welt hätte ich den Mund halten können --

»Bist -- du -- denn -- verheiratet, Dicky?«

»_Very much so_,« antwortete Dick erstaunt. »Aber sehr! Ganz

außergewöhnlich so!«

»Und du hast Kinder?«

»Einen ganzen Hut voll,« grinste Dick. »Vier Stück. Weshalb in aller

Welt denn nicht?«

»Buben oder Mädels?«

»Drei Buben und ein Fräulein,« antwortete Burton und sah mich

verblüfft an. »Weshalb fragst du eigentlich? Bist du nebenbei Agent für

eine Lebensversicherung geworden und soll ich vielleicht dein erstes

Opfer sein?«

Ich aber schnappte nach Luft und sah mich hilflos um. Waren die anderen

vielleicht auch verheiratet? Da lebte und arbeitete ich seit Monaten mit

diesen Männern in engster Gemeinschaft, kannte bis ins Kleinste ihre

Arbeit, ihre Leistungen, ihre Geldverhältnisse, ihre Eigenheiten; sie

waren mir Freunde und Brüder. Aber wo sie eigentlich wohnten -- wie sie

lebten -- und ob sie Frauen und Kinder hatten -- das wußte ich nicht!

Darüber hatten sie nie geredet!

»Ist Holloway auch verheiratet?« fragte ich leise.

»Gewiß. Was hast du denn heute?«

»M--m--mm--« brummte ich.

So verwundert war ich und so bodenlos neugierig, daß ich die Minuten

zählte bis zum Eintreffen der geheimnisvollen Frauen. Es dauerte auch

nicht lange, bis der Diener kam und dann immer wieder kam und immer

meldete, eine Dame warte im Empfangszimmer. Zu den geheiligten

Klubräumen selbst hatten Frauen natürlich keinen Zutritt. Der

betreffende Herr verschwand dann mit einer geradezu unheimlichen

Promptheit. Man läßt Frauen nicht warten in Amerika. Zufällig war Mrs.

Burton die letzte der eintreffenden Damen, und ich ging mit Dick

hinüber.

»_Halloh, Dick_,« sagte händeschüttelnd eine schlanke Dame, so jung,

schlank, zierlich und kleinmädchenhaft, daß der Verdacht in mir

aufstieg, Dicky müsse die Anzahl seiner Kinder renommistisch übertrieben

haben. Drei Buben und ein Mädel und -- Gott verdamm' mich, das kleine

Dings da...

»Mr. Carlé, Lizzie -- Mrs. Burton.«

»So erfreut, Sie kennen zu lernen!« sagte eine Kinderstimme. »Gehört

habe ich von Ihnen längst, und Ihre Arbeit kenne ich natürlich auch!«

Ich schnappte nach Luft.

Was? Nicht nur Kinder hatte das Kind, sondern sogar von unserer Arbeit

wollte es etwas wissen oder gar verstehen? Ich sah die anderen Frauen,

sie schienen alle jung und alle schlank zu sein, kaum an und machte nur

mechanisch meine Verbeugungen, weil ich meine Augen nicht von dem

merkwürdigen Kind lassen konnte. Im Varieté, es war eine _leg show_,

wie der Amerikaner diese noch klaftertief unter der europäischen

Operette stehenden Tanz- und Singgeschichten nennt, ein »Wadentheater«,

kümmerte ich mich wenig um die Bühne und die Beine, sondern

hauptsächlich um das Kind mit dem blonden Haar und dem Riesenhut, das

vor mir saß. Ich gedachte sie nachher gründlich zu interviewen, diese

Mrs. Burton.

Das war einmal eine neue Sorte! Leise lachend überlegte ich mir, daß ich

in meinen sechs Jahren amerikanischen Lebens doch recht wenig von Frauen

und Frauentum kennengelernt hatte, was bei der Art dieses Lebens ja

durchaus nicht zum Verwundern war. Aber komisch kam ich mir doch vor mit

meinem tölpelhaften Nichtwissen. War man da hurradix viele Tausende von

Meilen umhergekugelt -- wußte ganz genau, weshalb die Neuyorker Frau

notwendigerweise ein anderes Menschenkind sein mußte als die San

Franziskoer Frau -- vermaß sich kühnlich, ganz bestimmte Ansichten über

den verrohenden Einfluß großen Reichtums auf weibliche Reichtumsträger

zu haben -- lachte grimmig und wissend, wenn die amerikanische

Frauenmanie wieder einmal besonders groteske Verehrungsformen annahm --

und -- -- stand nun da wie vor einem unfaßbaren Rätsel, als einem die

doch nicht gerade gänzlich unfaßbare Tatsache gegenübertrat, daß

Männer, die man kannte, Frauen hatten... Heute, da sich mit scharfem

Erinnern besseres Verstehen paart, ist eine Lizzie Burton, das Kind,

eine Verkörperung des besten amerikanischen Frauentyps. Vielleicht mehr.

Bescheiden im Fragen bin ich nie gewesen. »Erzählen Sie mir alles über

sich selber!« bat ich das Kind schon bei den Austern im Restaurant.

»Wie unamerikanisch!« lachte Mrs. Burton. »Was ist das Problem? Wenn

Sie einen vernünftigen Grund anzugeben wissen, so würde ich vielleicht

-- --«

»Das Problem ist folgendes: Wie ist es möglich, daß ein Mann wie Dick

Burton, den ein lebenausfüllender Beruf so ziemlich die ganzen 24

Stunden des Tages in Anspruch nimmt, noch Zeit für Frau und Kinder übrig

hat? Ich meine, wie macht er es?«

Das Kind machte ein nachdenkliches Gesicht. »Sitzt mein Hut gerade?«

fragte es. »Ja? Sie sollten sich wirklich eine Frau nehmen...«

Und dann erzählte mir diese gute und gescheite Frau in sonderbar

großmütterlicher Art -- ein kleiner Junge schien ich mir ihr gegenüber

-- wie zwei Kameraden sich ihr Leben teilten. Es waren nur Andeutungen,

kurze Strichelchen. Ich hörte mit grenzenlosem Erstaunen, daß diese Frau

die Arbeit ihres Mannes Gedanken um Gedanken, Zeile um Zeile fast,

mitlebte, die Persönlichkeiten und die Leistungen der Neuyorker

Zeitungswelt weit besser kannte als ich, der ich mitten in diesem Leben

stand, und Kinder erzog dabei, und genug eigenen Ehrgeiz übrig behielt,

sich an Frauennovellen zu versuchen. Fast sonderbarer noch wirkte es

auf mich, daß dieser Dick Burton, der rasende Arbeiter, der »gemütliche

Junge«, der anscheinend immer im Zeitungsgebäude oder im Klub war, es

doch fertig brachte, viele Stunden im Tag mit seiner Frau zu verleben

und seine Zeit auf das Raffinierteste einteilte, um ebenso raffiniert

darüber zu schweigen. Wie gut der Amerikaner den Mund halten kann, wußte

ich längst; wie gründlich er diese Tugend übt, wenn es sich um sein

Eigenstes handelt, lernte ich jetzt. Und nahm eine Lehre mit, die

merkwürdigerweise dem Lausbuben später eine Art Ideal werden sollte.

Sagte das »Kind«:

»Ihr Männer -- und mit euch die meisten Frauen -- glaubt immer, die Ehe

sei eine ganz sonderbare Sache, so eine Art Dauerkonzert von Engelmusik

mit gelegentlichen Teufelsmißtönen zur Abwechslung, auf jeden Fall aber

ein grandioses Ereignis, dem (das sagt ihr, wenn ihr klug seid) das

langweilige Ebenmaß folgen muß, das alle großen Ereignisse beschattet.

In Wirklichkeit aber ist die Ehe, mein lieber Junge, etwas ungeheuer

Einfaches. Zwei gute Freunde hausen eben zusammen und sind bald ernst,

bald traurig, bald toll ausgelassen, bald selig begeistert, wie der Tag

und die Stunde es bringen mag. _That's all._ Das ist alles. Kameraden.

Dabei ist es weder dem Mann verboten, zu verehren, noch der Frau, zu

bewundern, aber der Witz ist das Gutfreundsein. Kapiert?«

* * * * *

Was damals nebensächliches Schauen, naives Zugucken, ziemliches

Nichtverstehen war, verdichtet sich heute in der Reife des Urteils aus

tausend kleinen Erinnerungen an Hunderte von weiblichen Menschen zu

einem Bild der amerikanischen Frau.

Doch erfasse ich es wirklich recht?

Gibt es denn eine amerikanische Frau?

Kann man aus dem Zettelkasten der Erinnerung tatsächlich ein

Schublädchen hervorziehen, das die Aufschrift trägt: Die Amerikanerin???

Sind wir nicht =Menschen= allzumal auf dieser runden Erdkugel? Männer

oder Frauen erst in zweiter Linie? Einander gleich und ebenbürtig,

lächerlich wenig im Grunde doch nur beeinflußt von der abweichenden

Kompaßnadel nationaler, klimatischer, gesellschaftlicher

Spezialeigenarten?

Es scheint mir ein sonderbares Beginnen, die Frauen des

nordamerikanischen Erdteils unter den Hut einer Gesamtklassifizierung

bringen zu wollen. Das wäre fast so komisch als das Streben jenes

englischen Gelehrten, der einst die lapidare Theorie aufstellte:

Amerikanerinnen bringen ihre Kinder schwer zur Welt. Sie leiden

außerordentlich unter der Geburt und sind feststehend unfähig, über drei

Kinder zu produzieren. Ich, der englische Gelehrte Soundso habe die

Lösung gefunden -- --

Meine Untersuchungen gingen von den Indianerstämmen aus, zu neu

eingewanderten Frauen über, zur zweiten Generation dann, und zur

dritten, der typisch amerikanischen, endlich. Diese dritte Generation

von Frauen, die wirklichen Amerikanerinnen, leiden an einer

eigentümlichen Verhärtung der Knochensubstanz, die gleichzeitig eine

Verengerung der ausschlaggebenden Beckenknochen oder vielmehr deren

völlige Unbeweglichkeit herbeiführt!

Ueber die Gründe war sich der gelehrte Herr nicht recht klar, glaubte

jedoch an besondere atmosphärische Einflüsse und erwog sogar höchst

ernsthaft, ob nicht die ungeheuerlichen Ausdünstungen des Großen

Salzsees das böse Karnickel sein könnten...

Oh ja, man glaubt das in Amerika!

Man ventilierte bänglich die Beckenfrage -- eine Zeitlang zum wenigsten.

Genau so glaubt man in Europa, daß es eine merkwürdige typische

Amerikanerin gebe, die ganz bestimmte Eigenschaften haben müsse. Das

gibt es nicht! Und so möchte ich mich dagegen verwahren, eine

Schubladenetikette prägen zu wollen. Sondern, was ich von der

Amerikanerin gesehen habe, von ihr weiß, über sie las, sei gegeben als

ein Bildchen -- Menschen daran zu erinnern, daß wir überall in erster

Linie =Menschen= sind und bleiben.

* * * * *

Die amerikanische Frau...

Wieder ist der alte Trick wirksam, über die feinen Dunstgebilde einer

Zigarette hinweg in die dunkle Ecke zu starren, bis es sich im Schatten

regt und rasch huschend Bilder sich bilden und im Gedankenreich

Gestalten kommen und verschwinden.

Da ist eine Neuyorker Straße, wimmelnd von Neuyorkerinnen, die zu ihrer

fleißigen, tüchtigen Tagesarbeit eilen, groß behutet, elegant beschuht,

sündhaft teuer oft umhüllt. Sie arbeiten wie der Teufel, acht Stunden

lang im Tag, reden eine Jargonsprache, die hart ist und grausam nüchtern

wie der amerikanische Dollar, sind gerissener, schlauer, berechnender

als die Männer neben ihnen, wenn sie auch verhältnismäßig selten die

absolute Freude an der Arbeit, die fast ideale Schaffensbegeisterung des

amerikanischen Mannes erreichen. Mir schwebt unbestimmt ein Zitat vor,

das wahrscheinlich falsch ist, aber auch dann gescheit: Ein Pfaffe ist

entweder eine wandelnde Tragödie oder eine unanständige Posse... So das

durchschnittliche Neuyorker Mädel.

Eine Tragödie entweder von Arbeit, so hart, daß es einem das Herz

beklemmen könnte, wenn man daran denkt, und einem jämmerlichen

Mietzimmerchen, und einem todmüden Mädel, das spät abends heimlich ihre

Taschentücher im Waschbassin wäscht, und Garderobe flickt, und über dem

Spiritusapparat das kleine Bügeleisen erhitzt, die Bluse zu plätten, die

nun einmal tadellos sein muß. Und dann halb im Schlaf, auf dem Bett

sitzend, jenes Haarbürsten, fünfzig Bürstenstriche links, fünfzig

Bürstenstriche rechts, das dem müden Mädel allabendlich wie eine

Höllenplage vorkommt und doch getan werden muß, weil ein gepflegtes

Aeußeres zum Fortkommen im Leben genau so gehört wie die Arbeit selbst.

Gebürstet muß werden, mag der Rücken auch noch so schmerzen und die

Augen sich auch noch so sehr gegen das Offenhalten sträuben, und

beileibe darf es das arme Ding nicht versäumen, die Nagelhäutchen mit

dem Beinstäbchen zurückschieben und die Nagelflächen zu glätten, mag es

sich auch halbtot gähnen dabei. Denn das Geschäft verlangt gepflegte

Hände. Man kann diesen Tageslauf von schwerer Arbeit und jämmerlichem

Sichabplagen um die unbedingte Notwendigkeit einer gefälligen äußeren

Erscheinung die Tragödie der mittleren amerikanischen Frauenarbeit in

Warenhaus und Geschäftskontor nennen. Die Kehrseite der Tragödie, die

vom zierlichen Lustspiel bis zur, wie gesagt, unanständigen Posse

reicht, ist dann natürlich das Ausnützen der geschäftlich nötigen,

gefälligen äußeren Erscheinung zu Theaterbilletts, nicht anscheinend

sondern wirklich eleganter Garderobe, netten kleinen Abenddiners,

wunderschönen Blumen, die schließlich die Essenz jener lustigen und im

Grunde harmlosen Liebesverhältnisse sind, von denen es nur so wimmelt im

Lande der anscheinend grenzenlosen Frauenverehrung. Und die unanständige

Posse tritt dann in Erscheinung, wenn an Stelle der gelegentlichen,

netten Diners gewohnheitsmäßiger Sekt tritt und die elegante, kleine

Wohnung. Es gibt eben kein Klischee. Im Prinzip soll und muß von Rechts

und Moral wegen das amerikanische Weib eine Göttin sein -- in der Praxis

wird ihr häufig genug die weniger anspruchsvolle Rolle einer Amorette

zugewiesen...

Die Bilder in der Schattenecke huschen.

Und die Gestalten sind sich merkwürdig unähnlich. Da ist das süße,

verlogene, amerikanische Geschöpfchen, das Billy mit Teddy betrügt und

Teddy mit Joe, und Joe mit Nr. 4 und so weiter durchs große Einmaleins,

und mit sechzehn Jahren schon lügen und schwindeln kann, daß sich die

stählernen Balken eines Wolkenkratzers vor Entsetzen biegen könnten;

extra dazu geschaffen scheinend, den gräßlichsten Unfug in Herzen und

Taschen anzurichten. Da ist in grellem Gegensatz das frische, gesunde,

selbstbewußte Mädchen, das sein junges Leben nach dem gesunden Grundsatz

lebt, ein »anständiger Kerl« zu sein. Da sind amerikanische Frauen, die

träge in den Tag hineinleben, sich von ihren dummen Männern verehren

lassen, und jeden hart verdienten Dollar zum Fenster hinauswerfen, ohne

einen anderen Besitztitel auf Verehrung zu haben, als den einen, daß ein

gütiges Geschick sie mit dem weiblichen Geschlecht bedacht hat -- da

sind aber auch, und zwar so zahlreich wie die Göttinnen, nämlich zu

Hunderttausenden, die tüchtigen weiblichen Menschen, die verheiratet,

oder unverheiratet, ihre Pflicht tun und vor sich selber und den anderen

den Kopf hochhalten, weil sie Respekt vor sich haben.

Da ist die Leichtsinnige, die Prüde, die küchenfuchsige Frau, deren

Lebensstolz und Lebenszweck ihre Kuchen sind und sonst nichts; da ist

die Affenmutter, die ihren kleinen Bengel mit heißer Mutterliebe zu

einem Scheusal von Menschen verzieht; da ist die giftmischende

Klatschbase, da ist die Gesellschaftsgans -- sie alle sind im lieben

Dollarland so häufig und so selten wie anderwärts auch.

Wie darf man eigentlich von »der amerikanischen Frau« reden, wenn die

einen Betschwestern sind, die sich mit Abscheu von jedem männlichen

Wesen wenden würden, das nur ein einzigesmal bei dem sündhaften Genuß

eines Glases Bier ertappt worden ist, und die anderen tolle

Bacchantinnen, bei deren Wackeltänzen einem guten alten griechischen

Satyr ob dieser grotesken Verzerrung des Geschlechterspiels die Haare

auf dem Bockskopf zu Berge stehen würden?

Wie kann man sich klar sein über das Wesentliche in der Stellung der

amerikanischen Frau, wenn im gleichen Erinnern sich so verschiedene

Vorstellungen begegnen wie die folgenden:

Gab's da zu meiner Zeit eine Mrs. Wieheißtsiegleichnoch -- ich habe den

Namen vergessen, aber die Persönlichkeit ist kulturgeschichtlich -- aus

Kansas City im Staate Kansas. In die war der Wassergeist der

Abstinenzler gefahren. Schön und gut. Ansichtssache. Weniger schön und

gut aber war es, daß sie sich eine innere Stimme fabrizierte, die ihr

allsogleich befehlen mußte, die Trinkstätten des Teufels zu vernichten.

Das unangenehme alte Weib -- zum Verständnis der Situation muß betont

werden, daß die Dame weder jung noch schön war -- nahm also ihr

Küchenbeil, begab sich in die nächste Bierkneipe und schlug sämtliche

Gläser und vor allem die teuren Spiegel kurz und klein. Das war in

Kansas City, wo in einigen Tagen in allen Wirtschaften die Gläser rar

wurden. Sie dehnte dann, weil's so schön war und die Wasserapostel

lauten Beifall heulten, ihren Siegeszug über ganz Amerika aus. Ohne in

ein Irrenhaus eingesperrt zu werden, ohne Folgen als gelegentliche

kleine Geldstrafen, ohne daß sich auch nur einer der brutalisierten

Wirtschaftesitzer gewehrt, die Megäre gepackt und aus seiner Wirtschaft

hinausgeworfen hätte!

Denn so tief ist, so sagte man damals halb kopfschüttelnd, halb

entzückt, in der amerikanischen Oeffentlichkeit die Verehrung des

Amerikaners für den Begriff Frau, daß er selbst in solchen Fällen das

Geschlecht respektiert. Sehr schön!

Der gleiche Amerikaner aber, das muß einmal konstatiert werden,

behandelt in getreuer Nachahmung seines englischen Vetters die Aermsten

der Armen unter den Frauen mit einer so gemeinen Brutalität, wie sie

anderswo in Ländern weißer Männer kaum zu finden sein dürfte. Im Bordell

betragen sich die amerikanischen Muster eingefleischter, mit Muttermilch

eingesogener Ritterlichkeit wie Bestien -- als müßten sie sich von der

aufgezwungenen Anbetung von Göttinnen einmal gründlich erholen. Die Dame

eines Hauses im elegantesten Teil des Neuyorker Tenderloin -- die Gäste

der Maison hatten den Abend vorher für Tausende von Dollars Möbel

demoliert, und ich besah mir den Schaden -- erzählte mir einmal in der

unbefangenen Geschäftsmanier ihrer Klasse, sie gedenke ihr Etablissement

in das billige und anspruchslose Ostende der Stadt zu verlegen, denn die

»gute« Gesellschaft ruiniere sie! _Why, they are always jumping the

bill!_ jammerte sie. Sie zahlen nicht! Sie danke verbindlichst für die

üblichen Gesellschaften von sechs oder sieben Herren in Lack und Frack,

die eben von irgend einem vornehmen Ball kämen, »Krach« schlügen bei

ihr, Sekt tränken, und dann Arm in Arm johlend davonzögen, ohne einen

»roten Cent« zu bezahlen. _Policeman?_

»Ach, einen Polizisten fressen diese jungen Teufel einfach auf!...«

erklärte Madame. Das mag nur eine kleine Aeußerlichkeit scheinen --

randalierende, bezechte, »feine« Herren gibt es auch anderwärts. Wer

sich aber einmal von dem Glauben an die immer unbedingte Herrschaft des

Weibes in Amerika heilen will, der gehe in ein amerikanisches Bordell!

Er wird dort von Männern der guten Klasse einen Unterhaltungston,

Ausdrücke, eine tierische Behandlung der Mädchen, Dinge überhaupt, sehen

und hören, die einen halbwegs anständigen Menschen anwidern müssen.

Typisch ist auch in Amerika, daß der scharf zugespitzte Scherz mit

zotigem Einschlag, der anderswo zwar ungezogen, aber graziös ist, stets

in platte Gemeinheit, in brutale Wortdeutlichkeit ausartet. Sie läßt

einem die Haare zu Berge stehen, die amerikanische Zote der guten

Gesellschaft!

Wo bleibt da die Frauenverehrung?

In das gleiche Gebiet gehört das systematische Ausbeuten der

Frauenarbeit, das in Amerika mindestens ebenso schamlos betrieben wird

wie irgendwo in der Welt; in der Textilindustrie vor allem und in der

Konfektion. Die Zustände in der Neuyorker Konfektion, den Schwitzläden,

spotteten zu meiner Zeit jeder Beschreibung und sind heute noch

unverändert.

Was bleibt nun übrig vom Typ der Amerikanerin, der sogenannten

Amerikanerin?

In der Erscheinungen Flucht haftet das Auge auf dem Auffallenden, dem

Außergewöhnlichen.

Wenn wir uns den Begriff Amerikanerin vorstellen, so tritt wohl uns

allen, mögen wir Amerika kennen oder nicht, ein ganz ausgeprägtes,

rassiges »amerikanisch-nationales« Bild von einer Frau vor die Augen,

die mit mädchenhafter Schlankheit die stolze Haltung des

Selbstbewußtseins vereint. Wir sehen eine besonders schön geschwungene

Linie des Halsansatzes, sehr stark abfallende Schultern, einen Mangel an

allem, was man Ueppigkeit nennen könnte, kräftig blondes Haar, und ein

Gesicht, das regelmäßig und schön ist, aber eigentümlich kalt-süß

anmutet. Amerikanerinnen, die so aussehen, gibt es namentlich in der

besten Gesellschaft, gibt es zu Tausenden, vielleicht zu Zehntausenden.

Aber der Typ ist dieses Bild durchaus nicht, sondern wir bilden ihn uns

nur ein, weil -- Mr. Gibson von des amerikanischen Gottes Gnaden, der

berühmte Yankeefederzeichner, sich gerade auf diese Amerikanerin verbiß,

sie tausendmal zeichnete, millionenmal über alle Welt hin reproduzieren

ließ, und sämtlichen Künstlerkollegen von Stift und Pinsel das gleiche

amerikanische Frauenbild in den Schädel hypnotisierte. Wir alle aber

glauben getreulich:

So sieht die Amerikanerin nun eben einmal aus!

Ein ähnlicher Vorgang, das Haftenbleiben am Auffallenden,

Außergewöhnlichen, wiederholt sich in dem allgemeinen Begriff der

sogenannten Amerikanerin. Im gebildeten Durchschnittsgehirn wird der

bloße Artname Amerikanerin augenblicklich und mechanisch eine ganze

Reihe von Vorstellungen auslösen:

Amerikanerin, _Lady_, Rührmichnichtan, märchenhafter Reichtum, Tochter

wunderschön, Mutter gräßlicher Parvenü, hehre Göttin, vor der alles

Staubmännliche in die Knie sinkt, Dollarprinzessin, prachtvolles

Menschenkind, denn lügenfrei und knochenehrlich, und so weiter. Nach

Reflexion ergänzt sich die Reihe der Vorstellungen: Vernünftigere

Erziehung, bessere Stellung der Frau, aber verzerrt zur

Weiberherrschaft; bekannte Sache, sehr erklärlich aus den Zeiten, da in

dem neuen Land die Frauen rar waren...

Das alles ist ebenso gescheit wie dumm, ebenso richtig wie unrichtig.

Man darf nie vergessen, daß in einem Land, das stetig, und zwar immer

von heut auf morgen, stärkster Entwicklung unterworfen ist, sich gar

nichts, aber auch gar nichts klischieren läßt. Ich könnte zum Beispiel

die absolut richtige Behauptung aufstellen:

Amerika ist ein Land, in dem die Männer die Kriminalromane erleben und

fast nur Frauen die Kriminalromane schreiben!

Sämtliche aber an diese Tatsache etwa geknüpfte Folgerungen wären

grundfalsch... Es wird auch in Amerika mit Wasser gekocht und auch die

Amerikanerinnen sind Menschen, wandelnd in der Prozession der

Menschlichkeiten. Sind dumm oder gescheit, fleißig oder träge, anständig

oder unanständig. Weibchen oder Menschen. Aber man kann nicht sagen, daß

eine Amerikanerin bestimmte nationale Eigenschaften haben muß, so etwa

wie sich aus dem amerikanischen Mann als nationaler Begriff die

intensive Arbeit herausdestillieren läßt. Es ist wahr, daß die

amerikanische Frau eine schlechte und verschwenderische Hausfrau ist,

aber es ist ebenso wahr, daß sie sparen kann bis aufs Letzte, wenn die

Not ins Haus kommt. Es ist wahr, daß sie bodenlose Ansprüche an den Mann

stellt, aber es ist auch wahr, daß sie für ihn arbeitet und für ihn

sorgt, wenn es sein muß. Es ist wahr, daß ihr die Pfäfferei und die

Prüderie der Engländer noch in den Knochen stecken, und es ist

ebensowahr, daß sie frei und groß und menschlich denken kann.

Wo ist da das Letzte, das Ausschlaggebende, =das= Amerikanische?

Wo ist die sogenannte Amerikanerin?

Vielleicht hat mir einst die Persönlichkeit Lizzie Burtons diese Frage

beantwortet. Noch ist die Eigenart der Amerikanerin nicht greifbar

deutlich zu erkennen im großen Zug, denn ein Wust von Ueberliefertem

umgibt sie und streitet mit Neuem. Ist doch die anscheinend so echte

Dollarprinzessin nichts weiter als uralter englischer Reichtumsdünkel,

ein wenig freiheitlicher auflackiert; die Prüde, im Grunde ein Produkt

ebenfalls englischen Puritanertums, und durch das amerikanische

Sektenwesen noch ein wenig mehr belastet; die Anspruchsvolle, eine naive

Nachahmerin ihrer nationalen Urgroßmütter, die in Schiffsladungen nach

dem neuen Männerland gebracht wurden und begehrter waren denn

Edelgestein. Mit all diesen Dummheiten kämpft jedoch sicherlich, und

zwar ohne daß die männlichen und weiblichen Leutchen es wissen, in

selbstverständlicher Entwicklung die kerngesunde, praktische,

vernünftige Eigenart des amerikanischen Landes. Und schließlich wird

vielleicht einmal aus der jetzigen sogenannten Amerikanerin, die recht

unamerikanisch sein kann, ein nationaler Typ entstehen. Die praktische,

kluge, stolze Frau, die ihr Geschlecht weder unterschätzt noch

überschätzt, und die Erde der Arbeit mit dem Himmel des Gefühls in

Einklang zu bringen weiß, ohne ein Närrchen zu sein, oder ein

poesieloses Mannweib. Vorläufig aber darf man weder in der

Dollarprinzessin noch in der anspruchsvollen Göttin noch im armen

Arbeitstier die wirkliche Amerikanerin zu erblicken glauben -- denn eine

wirkliche Amerikanerin gibt es noch nicht...

Wie das Wandern wieder begann.

Meine periodische Frühlingsdummheit. -- Das große Neuyork ist zu

klein für mich. -- Die Sehnsucht nach dem großen Ereignis. --

Hinaus! Erleben! -- Die neue Wanderschaft beginnt. -- Journalist im

Herumziehen. -- Der pennsylvanische Bergarbeiterstreik. -- Der

Sergeant wird ausgepumpt. -- Ich schlage der Miliz ein Schnippchen.

-- Die Bergleute schlagen mir ein Schnippchen. -- Das Ende des

Streiks. -- Seine Ursachen. -- Ein raffiniertes Ausbeutesystem. --

Die Blechmarkenwirtschaft. -- Journalistenfahrten kreuz und quer.

-- Das Ereignis fehlt immer noch...

Die ganz großen Dummheiten im Leben habe ich immer in den Zeiten des

Jahres gemacht, da der Frühling nahte. Wenn andere Menschen zu sanfter

Lyrik sich neigten und in beifälligen Sehnsüchten des Bibelworts

gedachten, das Alleinsein des Menschen sei nicht gut, dann wurde irgend

etwas in mir gewaltig rebellisch, und die Gehirnkämmerchen, in denen die

Tollheit, der Wandertrieb, die Veränderungssucht eine Zeitlang

wenigstens wohl verwahrt gewesen waren, müssen dann plötzlich ihre

Türchen geöffnet und meinen Schädel mit ihrem gefährlichen Inhalt

überschwemmt haben.

Und so ist es auch an einem Vorfrühlingstag gewesen, an einem jener

wundervollen Tage, deren herbe Luft und junger Sonnenschein wie eine

Verkündung neuer Kraft und neuen Werdens den Menschen packen, als ich

im tollen Verkehrsgebrause den Broadway hinunterschritt und im Gehen

wirre Träume träumte um mein liebes Ich herum.

Ich bin im Luftschlösserbauen nie sparsam mit Material und

Größenverhältnissen gewesen und verzichtete auch diesmal auf alle

Kleinlichkeit. Ich sehe die Luftschlösser noch ganz genau vor mir. Es

ist mir erinnerlich, daß ich in dem rasenden Tempo, das solchen Träumen

eigen ist, einen neuen kubanischen Feldzug erlebte, nur mit dem kleinen

Unterschied, daß ich nicht Signalmann war, sondern kommandierender

General der amerikanischen Armee, um dann mit einem in Träumen furchtbar

leichten Uebergang Zeitungsmilliardär zu werden und als Besitzer von

einigen Dutzend Riesenzeitungen die Geschicke eines Erdteils zu

beeinflussen, und nun, _presto_, neues Zauberbild, das Knirschen und

Rauschen von Eisenbahnbremsen zu hören und den sausenden Luftzug

jagender Fahrt auf der Lokomotive zu verspüren. Ich weiß noch so gut,

als stünde ich wiederum an der Ecke von Broadway und 58. Straße, wie das

Gedränge mich aus den Träumen scheuchte, und ich sehe noch das

entrüstete Gesicht der jungen Dame, der ich in den Arm gelaufen war, und

höre noch das scharfe »_sir!_« ihres Begleiters. Und ich entsinne

mich sehr wohl, wie nun auf einmal meine goldene Frühlingslaune

tollfröhlichen Träumens in bittere Unzufriedenheit umschlug.

Langsam schlich ich mich in mein Zimmer im Montgomery und setzte mich

ans offene Fenster.

Wie das nach Rauch und Schmutz roch trotz aller Frühlingsluft! Wie grau

und düster die Häuser aussahen trotz allen Sonnenscheins und wie

langweilig das lärmende Getriebe da unten doch war, wenn man wußte, daß

es aus gleichgültiger Tagesarbeit strömte und zu gleichgültiger

Tagesarbeit ging. Die Wolkenkratzer, wie waren sie altbekannt und fade;

die riesigen Häusermassen, wie ausdruckslos geworden!

War man denn allezeit verdammt, immer die gleichen Dinge zu sehen und

immer die gleichen Menschen zu beschreiben und immer täglich sich den

Kopf zerbrechen zu müssen darüber, welche Kleinlichkeit morgen wieder

die dollarbringenden Zeilen füllen sollte!

Ich kam mir bemitleidenswert vor.

Ich hatte Sehnsucht.

Die Rebellion in mir war im schönsten Zug.

Ich dachte an die Männer um mich. Dick Burton war vor kurzer Zeit als

Korrespondent nach London geschickt worden; Frank Holloway erst vor

einigen Tagen nach den Philippinen abgegangen, um eine glänzende

Stellung im Stab des amerikanischen Gouverneurs einzunehmen. Unter den

anderen summte und surrte es ständig von Riesenprojekten.

In der knappen bestimmten amerikanischen Art wurde da besprochen, wie

dem Kupfertrust der Garaus gemacht werden sollte, oder die

republikanische Partei gestürzt, oder der Balkankrieg »gemacht«, wenn es

im nächsten Herbst da unten endlich losgehe. »Im Herbst brennt es auf

dem Balkan«, war überhaupt eine stehende Phrase. Der eine sprach mit

Vorliebe davon, einen Schoner auszurüsten und die Südseeinseln zu

befahren; der andere wollte demnächst nach Alaska, um einmal etwas

Gescheites zu schreiben und nebenbei schnell einige Millionen Gold zu

ergraben. Dieser sehnte sich nach dem Wirrwarr südamerikanischer

Republiken, jener wollte die Wracker und Küstenpiraten der kleinen

Floridainseln in ihren Schlupfwinkeln belauschen, ein dritter ein

Reklamebüro gründen, das Amerika mit seinen nagelneuen glänzenden Ideen

faszinieren und natürlich ein Märchenvermögen einbringen sollte. Wo bei

diesen endlosen Projekten der Scherz aufhörte und der Ernst begann,

hätten auch viel ernstere und erfahrenere Leute nicht beurteilen können,

denn Leistungen hatten sie alle schon zu verzeichnen, waren alle

Sausewinde, und gehörten alle einem Lande an, in dem Journalisten häufig

Minister werden, noch häufiger erfolgreiche Politiker, und am

allerhäufigsten Leiter großer kaufmännischer Unternehmungen.

Sollte ich da verwundert und gierig immerdar nur zuhören!

Und ich starrte zum Fenster hinaus und schalt mich einen Narren, der

bienenemsig kleine Dinge zusammenarbeitete und philisterhaft zufrieden

war damit, sich satt zu essen und ein unbekannter kleiner Reporter zu

bleiben. Hinaus mußte man aus diesem Neuyork, wo die großen Namen und

die großen Könner einen bedrängten! Wagen mußte man! Sich rühren und

regen! Erleben, um schildern zu können! Wer rastet, rostet!

Ich holte mir die Argumente nur so aus dem blauen Frühlingshimmel

herunter, zu Dutzenden, zu Hunderten, und kam mir mit jeder Minute

ernster, strebender, bedeutender vor. So etwa, als überschritte ich voll

Wagemut einen Rubikon. Es kam mir gar nicht in den Sinn, als sei ich

vielleicht im Begriff, eine große Dummheit zu machen, sondern es schien

mir, als wäre ich auf einmal sehr gescheit geworden.

Man merke, wie sonderbar Frühlingslüfte manchmal mit Menschen spielen.

Hinaus! Erleben -- die Sehnsucht!

Es war doch einfach nicht zum Ertragen, hier in Neuyork zu sitzen, sein

glänzendes Auskommen zu haben, nicht von Sorgen belastet zu sein, in

bravem Einerlei zu arbeiten -- und zu wissen dabei, daß es irgendwo

draußen noch eine Welt gab, in der etwas los war. Mit Macht trieb es

mich hinaus. So! Nun stand mein Entschluß fest. Fort! Als aber die

Unvernunft glücklich gesiegt hatte, erwog ich ganz vernünftig Mittel und

Wege zur Ausführung. Fünf Minuten lang etwa. Hatte nicht Frank Holloway

beim Abschied gesagt:

»_Stick to the human interest side of it, kid!_«

»Halt dich ans Menschliche, Kleiner!«

Das war nun Zeitungsslang gewesen, aber für den Eingeweihten klar wie

Quellwasser. Die amerikanische Zeitung verlangt nackte Tatsachen und

genaue Einzelheiten, wünscht aber als Garnierung das »menschliche

Interesse«, das auf Herzen und Vorstellungskraft wirkt. Das ist eine Art

Allgemeinrezepts und als solches ein miserabler Mischmasch; wird aber

ehrfürchtig befolgt. Weil ich nun -- so sagte mir Holloway -- in rein

naivem Auffassen nur Menschliches, mir ganz Persönliches schilderte, was

der routinierte Zeitungsmann überhaupt gar nicht mehr fertig brachte, so

wurden meine Sachen eigenartig befunden und genommen.

Denn Zeitungsmann blieb ich natürlich. Nichts anderes war möglich --

Selbstverständlichkeit!

»Halten wir uns also ans Menschliche!« murmelte ich vergnügt vor mich

hin. Und kam mir so begeistert vor, und so tatkräftig, und so

willensstark, und nicht einmal als Ahnung dämmerte es in mir auf, daß

wieder einmal Wandertrieb und Veränderungssucht mich gepackt hatten. Der

Zufall wollte es, daß schon der erste Blick in die Zeitungen mir eine

Aufgabe zeigte, die mir gefiel. In einem Teil der pennsylvanischen

Kohlenregion in der Nähe Pittsburgs war ein Streik ausgebrochen, der zu

schweren Ausschreitungen geführt hatte. Eine Kompagnie der

pennsylvanischen Staatsmiliz war mobilisiert worden. Die Neuyorker

Blätter brachten lange Berichte über die Ursachen des Streiks, die

Aussichten auf Beilegung, die beiderseitigen Interessen, aber

Schilderndes war nicht so recht da.

Hier wollte ich den menschlichen Hebel ansetzen! Ich!

Der Deutsche Lausbub in Amerika: Erinnerungen und Eindrücke. Band 3 (von 3) · 第 18 / 27 题