Wie trüb auch sonst die Tage schleichen
Im Herbst, das Heute ist voll Licht.
Die Sonne zeigt ein hell Gesicht,
Und blanke Silberwellen streichen
Am Himmel hin. Den Weg herab
Mit Rucksack kommt und Wanderstab
Ein Fremder matt und scheu daher.
Voll Trauer, wie ein Greis gebeugt,
Geht er die Postchaussee. Nichts zeugt
Vom alten Hans, fast gar nichts mehr.
Sein halberloschner Blick umschweift
Das Meer der gelben Ährenwellen,
Der Berge bunten Kranz. Es greift
Der schöne Traum sein Herz; es schwellen
Des Allvergessens Seligkeiten
Die Brust. Doch die Gedanken schreiten,
Ach, einem andern Ziele zu.
Nichts wär' ihm nötiger als Ruh'.
Er kommt, so scheint's, von weit, weit her.
Sein Atem keucht und schmerzt, und schwer
Schmerzt seine Seele ihn und ächzt.
Er denkt, doch kein Gedanke lechzt
Nach Ruh'. -- Wem gilt sein tiefes Grübeln?
Erstaunt, wie er mit allen Übeln
Von dem Geschick gemartert ward;
Des eitlen Tuns erstaunt, wie er genarrt,
Lacht bitter auf er, daß er trunken
Die Welt des Wahns, so hassenswert,
In seiner Unvernunft begehrt
Und ihrem leeren Glanz versunken;
Daß er sich in der Menschen Schoß,
Von ihrem eklen Tun wie toll
Berauscht, bezaubert, -- schwankungslos
Geworfen kühn und glaubensvoll.
Ach, kalt wie Gräber waren sie,
Habgier und Ehrsucht galt allein,
Nichts sonst, -- und wie verächtlich Vieh
So tierisch, ach, und so gemein.
Sie zogen in den Staub, was gut
Und hehr. Es schalten ihre Zungen
Verächtlich nur Begeisterungen
Und Geistestat. Falsch war die Glut;
Und wenn sie sich emporgeschwungen,
Verderben rings. Wer lauschte schon
Der Reden einschläferndem Ton
Und bebte nicht? Von Gift wie schwer
Ihr Atem, wie voll Lüge ist
Ihr Herzschlag und ihr Geist voll List;
Wie hohl die Worte und wie leer!
* * * * *
Ja, tausendfach war ihm die Wahrheit
Begegnet und von ihm erkannt.
Doch ward zu höherm Glück die Klarheit
Ihm in der Seele Träumerland?
Wie ferne Sternenhelle zog
Verlockend ihn der Ruhm. Allein
Sein blinkend Gift war scharf, es trog
Der dichte Qualm ihm vor den Schein.
* * * * *
Der Tag versinkt im West. Die Schatten
Des Abends wachsen, und die matten,
Hellweißen Wolkenränder glühen
In greller Röte auf. Die dunkeln
Vergilbten Blätter alle sprühen
Von goldnem Strahlenwerk und funkeln.
Der Wiesengrund der Heimat tut
Sich vor dem Wandrer auf. Es füllt
Den matten Blick urplötzlich Glut,
Und eine heiße Träne quillt.
Die Freuden aus vergangnen Jahren,
Harmloser Späße, alter Träume Scharen,
Sie engen ihm die Brust und rauben
Den Atem ihm. Er will's nicht glauben
Und sinnt dem Grund nach und beginnt
Zu weinen wie ein schwaches Kind.
* * * * *