Dreizehntes Bild

Ein traurig Bild: Ruinen von Athen!

Die Säulenreih'n, die bildwerkreichen,

Sind morsch. In öden Tälern stehn

Sie traurig, müder Zeiten Zeichen.

Zertrümmert halb und halb verwittert

Das hehre Denkmal, und zersplittert

Selbst der Granit. -- Ein karger Rest. --

Ein morscher Architrav nur prangt

Voll Majestät, und Efeu rankt

Und hält am Kapitäl sich fest.

In Gräben, die man längst verließ,

Herabgestürzt ein Giebelkranz;

Dort schimmert noch ein prächt'ger Fries

Und der Reliefmetopen Glanz.

Hier trauert eine reichgeschmückte

Korinthsche Säule noch. Und leise

Eidechsen schlüpfen scharenweise

Darüber hin. Voll Würde blickt

Er auf das Elend rings. Gerückt

In toter Zeiten dunkle Nacht,

Verdrängt, hat er für nichts mehr acht.

Athens Ruinen, ach! Trüb gleiten

Die Bilder von Vergangenheiten

Vorbei. An kaltem Marmor lehnt

Der Wanderer. Wie er sich auch sehnt,

Er weckt Erstorbnes nicht. Vergebens!

Das Bündel des vergangnen Lebens

Knüpft er nicht auf. Ohnmächt'ge Qual,

Verlorne Müh'! -- Allüberall

Liest nur Zerstörung, Schmach und Schande

Der trübe Blick. Im Sonnenbrande

Blinkt durch die Säulen dann und wann

Ein Turban wohl. Quer durch die Blöcke,

Durch Pfeiler, Gräber, Mauerstöcke

Treibt barsch sein Roß ein Muselmann. -- --

Hufschlag stampft letzte Trümmer nieder. -- --

Unsagbar tiefe Traurigkeit

Packt da den Fremden plötzlich wieder.

Wie stöhnt sein Herz so laut. Er kann

Den Schmerz nicht meistern. Bitter leid,

Daß er den weiten Weg gemessen,

Ist's ihm. Hat er sein Dach, den stillen,

Friedlichen Platz daheim vergessen,

Verlassen um der Gräber willen?

Ach, wären doch die Traumgespinste,

Die schönen, seinem Sinn geblieben.

Der reinen Schönheit Spiegelkünste,

Ach, hätten sie ihn nicht getrieben!

Nun sind die Träume tot und kalt

Und abgestreift ihr Zauberflor. --

Mit unbarmherziger Gewalt

Habt ihr ihm schonungslos das Tor

Zur Glut der Traumeswelt verschlossen,

Ihr, öder Wirklichkeiten Sprossen!

Langsam verläßt und kummerschwer

Der Fremde nun den Trümmerort.

Er schwört, des blinden Einst nicht mehr

Zu denken, aber immerfort

Fliehn seine Opfer vor ihm her. -- -- --

Sämmtliche Werke 8: Briefwechsel II, Hans Küchelgarten Briefwechsel II / Die Beichte des Dichters / Betrachtungen über die Heilige Liturgie / Jugendschriften / Fragmente / Hans Küchelgarten · 第 41 / 56 题