Ein traurig Bild: Ruinen von Athen!
Die Säulenreih'n, die bildwerkreichen,
Sind morsch. In öden Tälern stehn
Sie traurig, müder Zeiten Zeichen.
Zertrümmert halb und halb verwittert
Das hehre Denkmal, und zersplittert
Selbst der Granit. -- Ein karger Rest. --
Ein morscher Architrav nur prangt
Voll Majestät, und Efeu rankt
Und hält am Kapitäl sich fest.
In Gräben, die man längst verließ,
Herabgestürzt ein Giebelkranz;
Dort schimmert noch ein prächt'ger Fries
Und der Reliefmetopen Glanz.
Hier trauert eine reichgeschmückte
Korinthsche Säule noch. Und leise
Eidechsen schlüpfen scharenweise
Darüber hin. Voll Würde blickt
Er auf das Elend rings. Gerückt
In toter Zeiten dunkle Nacht,
Verdrängt, hat er für nichts mehr acht.
Athens Ruinen, ach! Trüb gleiten
Die Bilder von Vergangenheiten
Vorbei. An kaltem Marmor lehnt
Der Wanderer. Wie er sich auch sehnt,
Er weckt Erstorbnes nicht. Vergebens!
Das Bündel des vergangnen Lebens
Knüpft er nicht auf. Ohnmächt'ge Qual,
Verlorne Müh'! -- Allüberall
Liest nur Zerstörung, Schmach und Schande
Der trübe Blick. Im Sonnenbrande
Blinkt durch die Säulen dann und wann
Ein Turban wohl. Quer durch die Blöcke,
Durch Pfeiler, Gräber, Mauerstöcke
Treibt barsch sein Roß ein Muselmann. -- --
Hufschlag stampft letzte Trümmer nieder. -- --
Unsagbar tiefe Traurigkeit
Packt da den Fremden plötzlich wieder.
Wie stöhnt sein Herz so laut. Er kann
Den Schmerz nicht meistern. Bitter leid,
Daß er den weiten Weg gemessen,
Ist's ihm. Hat er sein Dach, den stillen,
Friedlichen Platz daheim vergessen,
Verlassen um der Gräber willen?
Ach, wären doch die Traumgespinste,
Die schönen, seinem Sinn geblieben.
Der reinen Schönheit Spiegelkünste,
Ach, hätten sie ihn nicht getrieben!
Nun sind die Träume tot und kalt
Und abgestreift ihr Zauberflor. --
Mit unbarmherziger Gewalt
Habt ihr ihm schonungslos das Tor
Zur Glut der Traumeswelt verschlossen,
Ihr, öder Wirklichkeiten Sprossen!
Langsam verläßt und kummerschwer
Der Fremde nun den Trümmerort.
Er schwört, des blinden Einst nicht mehr
Zu denken, aber immerfort
Fliehn seine Opfer vor ihm her. -- -- --