Wer kommt noch zu so später Stunde
Behutsam durch die Nacht gewallt,
Den Wanderstab am Gürtelbunde,
Den Rucksack rüstig umgeschnallt?
Vor ihm ein Haus zur rechten Hand;
Zur linken führt ein Weg ins Weite.
Er will den weiten Weg ins Land,
Erfleht von Gott Kraft zum Geleite.
Allein er wendet, übermannt
Von stillem Weh, verzehrt von Gram,
Den Schritt zum Haus, woher er kam.
* * * * *
Vor einem offnen Fenster sitzt,
Den Kopf in seine Hand gestützt,
Und ruht ein wunderschönes Kind.
Mit seinem Flügel streicht sie mild
Und gibt ihr Träume ein -- der Wind,
Von denen sie nun ganz erfüllt,
Ein Lächeln zeigt. Und ihm entquillt,
Wie er sich peinvoll naht der Schönen
Und bebend ihr ins Antlitz schaut
Und kummerschwer, sein Weh in Tränen.
Sein Auge schimmert glanzbetaut.
Er beugt sich nieder glühend heiß
Und küßt sie seufzend, leis, ganz leis.
* * * * *
Den weiten Weg eilt er dahin.
Sein Innerstes durchbebt ein Schauer.
Unrast umdüstert seinen Sinn,
Und seine Seele tiefe Trauer.
Noch einmal wendet er den Blick
Zum Abschiedsgruß. -- Ein weißes Band,
Zieht schon der Nebel übers Land.
Sein stöhnend Herz weist ihn zurück.
Ein rauher Wind mit scharfem Tone
Stößt Eichenkron' an Eichenkrone.
Und grau verschwimmt im fernen Raum
Das Haus. Ganz unklar wie im Traum
Hat Pförtner Gottlieb nur vernommen,
Daß wer durchs Gartentor gekommen
Und daß einmal, als wenn er schälte,
Der treue Hund im Hofe bellte.