Vom Turme schlägt es Mitternacht.
Hans sitzt wie immer auf und wacht.
Dem Einsamen gewohnte Zeit.
Das Flackerlicht der Lampe leiht
Nur spärlich Helligkeit. Es fällt
Wie Saat des Zweifels in die Welt
Des Schlafs. -- Kein Blick träf' in der Runde
Nur eines Menschen Spur. Fern, ferne
Rauscht wie Gespräch aus Menschenmunde
Die Welle in dem Glanz der Sterne.
Die Stille läßt den Atem hören
Der Nacht. -- Jetzt wird ihn nicht mehr stören
Der laute Tag in seinem Denken,
Wo über seine Stirn sich senken
Friede und Ruh'. -- Und sie? Sie setzt
Sich auf im Bett; im Fenster jetzt:
»Er kann's nicht sehen, merkt's ja nicht;
Ich seh' mich satt an seinem Bild.
Er wacht, daß er mein Glück erfüllt.
Gott sei ihm gnädig, sei ihm mild.« --
* * * * *
Die Welle rauscht im Mondeslicht.
Ein Traum sinkt nieder und umfängt
Ihr Haupt und beugt es leis, ganz leis.
Um Hans spielt der Gedankenkreis
Noch immer, dem er sich versenkt.
1.
Entschieden alles! Ist's Gebot,
Tiefinnerst jetzt zugrund zu gehn?
Gibt's andres Ziel nicht als den Tod?
Vermag ich Beßres nicht zu sehn?
Soll ich mich hin zum Opfer geben,
Tot für die Welt und ruhmlos leben?
2.
Soll denn ein Herz, das Ruhm geliebt,
Nur Nichtigkeiten lieben dürfen;
Kalt jedem Glück sein, das sich gibt,
Und niemals Seligkeiten schlürfen?
Der Erde Schönheit nie mehr finden,
Nie Wahres mehr in ihr ergründen?
3.
Was ruft, was lockt ihr mich so bang,
Ihr, dieser Erde schönste Lande.
Bei Tag und Nacht wie Vogelsang
Hör' ich in meiner Träume Bande,
Bei Tag und Nacht die süßen Töne,
Und bin berückt von eurer Schöne.
4.
Euch, euch gehör' ich. Bald, ach bald
Such' ich die seligen Gefilde,
Ein Pilgrim, der zum Heil'gen wallt.
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Hin fliegt umschäumt des Schiffes Bug.
Hoch strebt der Sehnsucht froher Flug.
5.
Ja, fallen wird der trübe Flor,
In den euch stets der Traum gehüllt.
Aufschließen wird die Welt das Tor
Zur Wunderherrlichkeit, gewillt,
Den Jüngling freundlich zu begrüßen
Mit unversieglichen Genüssen.
6.
Der Schönheit Meister! Meine Augen
Bereiten sich, was ihr geschaffen
Mit Stift und Meißel, einzusaugen.
Mein Herz will eure Glut erraffen.
Rausch' hin, mein Meer, von Riff zu Riff!
Bring mich an Land, einsames Schiff!
7.
Du aber, enger Winkelfrieden,
Mein Wald, mein Feld, ihr müßt verzeihn.
Himmlischer Regen reich beschieden
Sei euch und Blüte und Gedeihn.
Das Herz, scheint's, härmt sich, euch zu lassen,
Und dürstet, euch noch einmal zu umfassen.
8.
Auch du, mein engelstilles Herz,
Vergib und geiz' mit deinen Tränen.
Gib dich nicht hin dem ersten Schmerz.
Verzeih dem armen Hans sein Sehnen.
Klag' nicht. Der Weg ist bald gemessen,
Und ich zurück. Wie könnt' ich dein vergessen! --