Viertes Bild

Im Land, wo des Lebens Wunderquellen

Entspringen und strahlend rings alles erhellen;

Wo schwer die Nächte vom Ambraduft,

Von Lotossüße geschwängert die Luft;

Wo Räucherwerkwolken die Bläue durchfluten

Und Mangostans Früchte golden gluten;

Wo Kandahars Wiesengrund samten sich breitet;

Wo kühn sich ob allem der Himmel weitet

Und Blüten regnet in üppigem Glanz;

Wo Schwärme von Faltern auffunkeln im Tanz:

Dort sieht mein Blick eine Peri: versunken,

Nichts sehend, nichts hörend; traumestrunken.

Gleich Sonnen leuchtet ihr Augenpaar,

Wie Hemasagara funkelt ihr Haar.

Ihr Atem gleicht dem, den die Lilie haucht,

Wenn die Nacht den Garten in Schlummer taucht

Und im Wind ihre Seufzer von dannen schwingen;

Ihre Stimme den nächtlichen Ton von Syringen,

Dem silbernen Tone, wenn Israfil

Die Flügel schlägt in mutwilligem Spiel;

Dem heimlichen Plätschern des Tschindara-Fluß.

Und ihr Lächeln erst! Und erst ihr Kuß!

Was ist? -- Sie hebt sich, ein Hauch, und entschwindet

In Himmeln, wo sie Verwandte findet.

Bleib! Blicke dich um! Bleib! -- Taub meinem Schrei,

Verrinnt sie im Regenbogen. -- Vorbei!

Erinnrung an sie bleibt und hält

Sich fest; und Duft erfüllt die Welt. --

* * * * *

Bunt war sein Träumen überstrahlt;

Vom Drang der Jugend heiß durchflossen.

Die Hoheit, die sein Herz genossen,

Hat herrlich oft sich abgemalt

Auf seinem Angesicht. Allein,

Was ihn in seinen Träumerein,

Was die erregte Seele quälte,

Wonach er schrie, wonach er bangte,

In wilder Leidenschaft verlangte,

Als gält' es, daß er sich vermählte

Der ganzen Welt mit ganzer Lust,

Verstand er nicht. -- Voll Staub und Dust,

Von Dumpfheit voll und Schwere fand

Er diese Welt und wirr. Es flog

Sein Herz und schlug und schlug und zog

Ihn hin nach fernem, fernem Land.

Wer sah ihn so? Sein Atem ächzte.

Die Brust ging keuchend auf und nieder.

Stolz funkelte durch seine Lider.

Ach, wie die Seele darnach lechzte,

Am flücht'gen Traum sich festzusaugen.

Ach, welche Feuer in ihm brannten,

Wie ihn die Tränen übermannten,

Das Leben schürend in den heißen Augen. --

Sämmtliche Werke 8: Briefwechsel II, Hans Küchelgarten Briefwechsel II / Die Beichte des Dichters / Betrachtungen über die Heilige Liturgie / Jugendschriften / Fragmente / Hans Küchelgarten · 第 33 / 56 题