Noch ungeklärt sind die Gedanken,
Die Hans bewegen, und sein Blick
Sieht wirr die Welt des Lebens wanken
Und sucht sein künftiges Geschick. --
In stillem Frieden war die Zeit
Dem Tändelnden vorbeigeflossen;
Noch hatte keine Bitterkeit
Sich in der Seele Unschuld ihm gegossen.
Kind dieser Erdenwelt war er.
Doch ihrer Leidenschaften Brand
War seinem Herzen unbekannt.
Ganz sorglos war und leicht bisher
In Heiterkeit und Glück und Lust
Das Kind beim Spiel der Kinderschar.
Das Böse war noch seiner Brust
Ganz fremd. Ihm blühte wunderbar
Die Welt. -- Schon in der frühsten Zeit
Der Kindheit war sein Kamerad
Luise, deren Heiterkeit
Und Milde seinen Lebenspfad
Erhellt. Wenn sie im grünen Kleid
Zu tanzen anfing oder sang,
Dann schoß durchs blonde Ringelhaar
Manch Blitz, der zündend weitersprang.
Ihr rosa Miedertüchlein glitt
Herab. Man sah bei jedem Schritt
Das feine, zarte Füßchenpaar.
Sie war ein Kind, und kindlich war
Ihr Tun. -- Im Walde spielte sie
Mit ihm. Sie fingen sich. Dann lief
Sie fort, versteckte sich und schrie
Ihm plötzlich zu, daß er erschreckte.
Sie schwärzte heimlich, wenn er schlief,
Ihm sein Gesicht, und lachend weckte
Sie ihn dann aus dem süßen Schlafe.
Und er, er küßte sie zur Strafe. --
Und Lenz auf Lenz zog hin ins Land.
Die Spiele wollten nicht mehr taugen.
Die gegenseit'ge Keckheit schwand.
Es schwand das Feuer seiner Augen.
Und sie hält Traurigkeit gebannt
Und Schüchternheit. -- Ihr, junger Herzen
Verliebte, erste Worte, wart
Gekommen, und es blieben nicht erspart
Die Tage voller süßer Schmerzen.
Was blieb ihm denn zu wünschen weiter,
Wo er Luise bis zur Nacht,
Gefesselt wie von Zaubermacht,
Nicht ließ, ihr treuester Begleiter,
Ihr Schatten, wo sie ging und stand.
Mit innig tiefer Freude sahen
Die Eltern, wie das Glück sich fand,
Und sahen sich nicht satt. Die nahen,
Leidvollen, zweifelvollen Zeiten
hielt noch ein Engel sanft verhüllt den beiden. --
Doch allzubald befiel ein Schmerz,
Ein tiefer, ihn. Matt ward vor Gram
Sein Blick; er starrte himmelwärts
Und war ganz unstet, ach, und wundersam.
Es schien, als suchte stets sein Geist,
Als hegte er geheimen Groll.
Die Seele sehnte sich zumeist
Gedankenschwer und kummervoll. --
Er sitzt und schaut hinab vom Strand
Hinaus aufs Meer wie festgebannt.
Und wenn im Takt die Wellen rauschen,
Scheint einer Stimme er zu lauschen.
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Bald geht er grübelnd durch das Tal,
Die Augen feierlich voll Glanz,
Wenn bei der Wolken Wirbeltanz
Der Donner grollt, ein Feuerstrahl
Durchs Dunkel zuckt und wilder Regen
Heiß prasselt und mit einemmal
In Strömen rauscht auf allen Wegen.
Bald sitzt er in der Mitternacht
Vor alten Sagen auf und wacht
Und hofft, daß sich die Lettern regen
In ihrer Stummheit, wenn die Seiten
Er wendet, die so tiefe Kunde
Ihm bringen von den grauen Zeiten.
Ins Buch versunken manche Stunde,
Sitzt er und wendet kaum das Haupt.
Wer ihn in dieser schweren Not
Gesehn, der hätte fest geglaubt,
Die Zeit, da er gelebt, sei tot.
Gedanken, wunderbare, hatten
Mit ihrem Zauber ihn gebannt.
Er suchte dunkler Eichen Schatten
Auf seinem Weg durchs Sommerland.
Aus diesen tiefen Schatten sprach
Manch Rätsel, das er nicht verstand,
Und träumend streckte er die Hand
Liebkosend aus und griff darnach. --
Luise ist die ganze Zeit
Allein in ihrem tiefen Kummer.
Ihr Herz ist einzig ihm geweiht.
Sie findet nächtens keinen Schlummer
Und bringt die gleiche Zärtlichkeit
Ihm dennoch stets entgegen, hält
Die zarten Arme um ihn, küßt
Ihn sanft, daß er den Schmerz vergißt,
Bis er der Schwermut neu verfällt.
Schön sind die Stunden, wunderbar,
Wenn ferne Träume ihn umschweben
Und der Gesichte lichte Schar
Ihn fortträgt in ein andres Leben.
Doch, wenn der Seele Land zerstört,
Der stille Erdenfleck vergessen,
Der Scholle nicht sein Herz gehört,
Die schlichten Menschen er vermessen
Nicht achtet, werden Traumgestalten
Auch dann noch froh im Herzen walten? -- --
Indessen laßt sein unstet Wesen
Belauschen uns. Macht euch bereit,
Die Rätsel seines Geists zu lösen
In ihrer Mannigfaltigkeit. --