Der zweite Teil der Liturgie heißt die Liturgie der Katechumenen. Wie
der erste Teil, d. h. das Offertorium, den ersten Lebensjahren Christi,
Seiner Geburt, die nur den Engeln und wenigen Menschen offenbart war,
Seiner Kindheit und Seinem Aufenthalt in tiefster Zurückgezogenheit und
Verborgenheit, bis zu Seinem Auftreten in der Welt entspricht, so
entspricht der zweite Teil Seinem Leben inmitten der Welt und der
Menschen, denen Er das Wort der Wahrheit verkündigt hat. Dieser Teil
heißt auch deshalb noch die Liturgie der Katechumenen, weil während der
ersten christlichen Zeit auch die zu ihr zugelassen wurden, die erst
Christen werden wollten, die sich erst darauf vorbereiteten, noch nicht
die heilige Taufe empfangen hatten und zu den Katechumenen gehörten.
Dazu kommt noch, daß die heilige Handlung, die aus der Verlesung der
Propheten, der Epistel und des heiligen Evangeliums besteht, in erster
Linie einen verkündigenden Charakter trägt.
Der Priester beginnt die Liturgie, indem er aus dem Inneren des
Altarraumes ruft: »Gelobt sei das Reich des Vaters, des Sohnes und des
Heiligen Geistes ...« Da durch die Fleischwerdung des Sohnes der Welt
das Mysterium der Heiligen Dreieinigkeit deutlich geoffenbart ward, geht
und leuchtet die Verkündigung der Heiligen Dreieinigkeit dem Beginn
aller heiligen Handlungen voran; der Betende muß daher allem entsagen,
sich aller anderen Gedanken entledigen und sich gänzlich in das Reich
der Heiligen Dreieinigkeit versetzen.
Der Diakon steht auf der Kanzel und hat sein Gesicht der Königspforte
zugewendet. So stellt er einen Engel und Erwecker dar, der die Menschen
zum Gebet anfeuert; er hebt mit drei Fingern seiner Hand das schmale
Band -- das Sinnbild des Engelsflügels -- empor und ruft das ganze
versammelte Volk auf, die Gebete zu sprechen, die die Kirche seit den
Zeiten der Apostel unablässig zum Himmel emporsendet, deren erstes die
Bitte um Frieden ist, ohne die man überhaupt nicht zu beten vermag. Die
versammelten Andächtigen bekreuzigen sich, suchen ihre Herzen in
harmonisch abgestimmte Saiten eines Instruments umzuwandeln, die bei
jedem Wort des Diakons mitschwingen, und rufen im Geiste zugleich mit
dem Chor der Sänger aus: »Herr, erbarme Dich unser!«
Der Diakon steht auf der Kanzel, er hält die Gebetstola, die den
erhobenen Flügel eines Engels darstellt, der die Gemeinde zum Gebet
anfeuern soll, empor und ruft die Gemeinde zum Gebet auf: er fordert sie
auf, an die höhere Welt und die Rettung unserer Seelen zu denken und zu
beten für den Frieden der ganzen Welt, das Wohlergehen der heiligen
Kirchen und die Vereinigung ihrer aller, für den heiligen Tempel und
die, die ihn gläubig mit Andacht und Ehrfurcht betreten, für den Kaiser,
den Synod, die geistliche und weltliche Obrigkeit, den Richterstand und
den Militärstand, für die Stadt, für das Haus, darin die Liturgie
zelebriert wird, zu bitten um Reinheit und Gesundheit der Luft, um eine
reiche Ernte, um friedliche Zeiten, für die Seefahrer und Reisenden, für
die Kranken und Leidenden, für die Gefangenen und ihre Errettung; er
fordert die Gemeinde auf, Gott zu bitten, daß Er uns vor jeglichem
Kummer, Zorn und Not bewahren möge, und indem die Versammlung der
Andächtigen alles mit dieser allumschließenden Kette von Gebeten, die
die große Ektenia heißt, umschlingt, erwidert sie jedesmal, wenn sie
angerufen wird, zusammen mit dem Chor der Sänger: »Herr, erbarme Dich!«
Im Bewußtsein der Ohnmacht unserer Gebete, denen es an Seelenweisheit
fehlt und denen kein reiner himmlischer Lebenswandel entspricht, fordert
der Diakon, derer gedenkend, die da besser zu beten verstanden als wir,
die Gemeinde auf, sich selbst, einander und das ganze Leben unserem
Gotte Christus zu weihen. In dem aufrichtigen Wunsch, sich selbst,
einander und ihr ganzes Leben Christus, unserem Gotte zu weihen, wie
dies die heilige Mutter Gottes, die Heiligen und die, die besser waren
als wir, verstanden, ruft die ganze Kirche zusammen mit dem Sängerchor:
»Dir, o Herr!« Der Diakon beschließt die Kette der Gebete mit einem
Lobgesang auf die Dreieinigkeit, die sich wie ein alles
zusammenhaltender Faden durch die ganze Liturgie hindurchzieht und jede
Handlung einleitet und beschließt. Die Versammlung der Andächtigen
antwortet mit einem bestätigenden »Amen! Ja, so geschehe es!« Der Diakon
steigt von der Kanzel herab, und es beginnt der Abgesang der Antiphone.
Die Antiphone sind Wechselgesänge, d. h. Lieder, die den Psalmen
entnommen sind und das Erscheinen des göttlichen Sohnes in der Welt
prophetisch ankündigen; sie werden abwechselnd von einem der beiden
Sängerchöre, die auf beiden Chören postiert sind, gesungen; sie bilden
einen Ersatz für die älteren Psalmodien und sind kürzer als diese.
Während des Abgesangs des ersten Antiphons betet der Priester im Inneren
des Altarraumes für sich; der Diakon steht unterdessen in betender
Stellung vor dem Bilde des Heilands, indem er die Stola mit drei Fingern
seiner Hand emporhält. Wenn der Gesang des ersten Antiphons beendet ist,
besteigt er aufs neue die Kanzel und wendet sich mit folgenden Worten an
die versammelten Andächtigen: »Laßt uns abermals und abermals zu Gott
beten!« Die versammelten Andächtigen rufen: »Herr, erbarme Dich unser!«
Der Diakon wendet sich nun den Bildern der Heiligen zu und fordert die
Gemeinde auf, der Mutter Gottes und aller Heiligen zu gedenken und sich
selbst, einander, sowie das ganze Leben unserem Gotte Christus zu
weihen. Die Gemeinde ruft aus: »Dir, o Gott!« Der Diakon beschließt
diesen Teil mit einer Lobpreisung der Heiligen Dreieinigkeit. Die ganze
Kirche ruft bestätigend Amen, und dann folgt der Abgesang des zweiten
Antiphons.
Während des zweiten Antiphons betet der Priester im Altarraum bei sich
selbst. Der Diakon tritt wieder in betender Stellung vor das
Heiligenbild des Erlösers, indem er die Gebetstola mit drei Fingern der
Hand emporhält; nach Beendigung des Gesanges besteigt er abermals die
Kanzel, blickt auf die Bilder der Heiligen und ruft die Gemeinde wie
vorhin mit den Worten auf: »Laßt uns in Frieden zu dem Herrn beten!« Die
Gemeinde erwidert: »Herr Gott, [erbarme Dich.« Der Diakon ruft aus]: »O
Gott, hilf uns, sei uns gnädig, errette uns, behüte uns durch Deine
Gnade!« Die Gemeinde erwidert: »Herr Gott, erbarme Dich unser!« Der
Diakon blickt auf die Bilder der Heiligen [und ruft aus]: »Laßt uns
unserer heiligen, unbefleckten, hochgelobten, herrlichen Gebieterin, der
Jungfrau und aller Heiligen gedenken und uns selbst, einander und unser
ganzes Leben Christus, unserem Gotte weihen!« Die Gemeinde antwortet:
»Dir, o Herr!« Das Gebet endet mit einer Lobpreisung der Heiligen
Dreieinigkeit. Die ganze Kirche antwortet bestätigend: »Amen,« und der
Diakon steigt von der Kanzel herab. Der Priester betet im Inneren des
Altarraumes bei sich selbst, indem er spricht: »Du, Der Du uns dies
gemeinsame einträchtige Gebet schenktest, Du, Der Du verhießest, wenn
zwei oder drei in Deinem Namen versammelt sind, zu gewähren, worum sie
bitten! erfülle die Bitten Deiner Knechte zu ihrem eigenen Besten;
schenke uns in diesem Leben die Erkenntnis Deiner Wahrheit und schenke
uns im künftigen das ewige Leben.«
Jetzt werden vom Chor so laut, daß alle es hören können, die
Seligpreisungen verkündet, die uns in diesem Leben die Erkenntnis der
Wahrheit und im künftigen ein ewiges Leben verheißen. Die andächtige
Gemeinde spricht die Worte des weiseren Übeltäters, der Christus am
Kreuze anflehte: »Herr, gedenke an mich, wenn Du in Dein Reich kommst,«
und wiederholt nach dem Vorleser die Worte des Heilandes: »_Selig sind,
die da geistlich arm sind; denn das Himmelreich ist ihrer_« -- d. h.
die, die sich nicht überheben und sich nicht mit ihrem Verstande
brüsten.
»_Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden_« --
d. h. die, die da noch mehr über ihre eigenen Unvollkommenheiten und
Verfehlungen, als über die Beleidigungen und Kränkungen trauern, die
ihnen zugefügt werden.
»_Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen_«
-- d. h. die, die wider niemand Zorn in ihrem Herzen hegen, allen
vergeben und von Liebe erfüllet sind, deren Waffe die alles besiegende
Güte ist.
»_Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn
sie sollen satt werden_« -- d. h. die, die nach der himmlischen
Gerechtigkeit dürsten und sich vor allem danach sehnen, sie in sich
selbst herzustellen.
»_Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen_«
-- d. h. die, die jeden ihrer Brüder bemitleiden und in jedem, der ihnen
bittend naht, Christus selbst erkennen, der für ihn bittet.
»_Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen_« --
wie sich in dem reinen Spiegel eines ruhigen Gewässers, das weder durch
Sand noch Schlamm getrübt wird, das reine Himmelsgewölbe spiegelt, so
gibt es auch in dem Spiegel eines reinen Herzens, das von keinen
Leidenschaften aufgewühlt wird, kaum noch etwas Menschliches mehr, und
nur Gottes Bildnis spiegelt sich in ihm.
»_Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen_«
-- gleich dem Sohne Gottes selbst, der auf die Erde herabstieg, um
unseren Seelen Frieden zu bringen, so sind auch die, die da Frieden und
Versöhnung in unser Heim tragen, wahrhafte Söhne Gottes.
»_Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn das
Himmelreich ist ihrer_« -- d. h. die, die verfolgt werden, weil sie die
Gerechtigkeit nicht bloß mit dem Munde, sondern durch die
Wohlgefälligkeit ihres ganzen Lebens verkündigen.
»_Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um Meinetwillen schmähen und
verfolgen, und reden allerlei Übels wider euch, so sie daran lügen. Seid
fröhlich und getrost, es wird euch im Himmel wohl belohnt werden_«; --
ihr Verdienst ist ein dreifaches; erstlich sind sie schon an und für
sich rein und unschuldig, zweitens werden sie geschmäht, obwohl sie rein
sind, und drittens freuen sie sich, daß sie um Christi willen leiden,
obwohl sie unschuldig sind.
Die Gemeinde der Andächtigen spricht dem Vorleser mit vor Tränen
bebender Stimme diese Worte des Heilandes nach, die da verkündigen, wer
in der Zukunft auf ein ewiges Leben hoffen und warten darf, welche die
wahren Könige der Welt, die Erben des Himmels sind und am himmlischen
Reiche teilhaben.
Jetzt öffnet sich feierlich die Königspforte, als wäre sie das Tor zum
himmlischen Königreiche, und dem Auge aller Anwesenden bietet sich der
schimmernde Hochaltar dar, der den Sitz des göttlichen Ruhms und die
höchste Lehrstätte darstellt, aus der wir die Erkenntnis der Wahrheit
schöpfen und die uns das _ewige Leben_ verheißt. Der Priester und der
Diakon nähern sich dem Altar, nehmen das Evangelium und bringen es dem
Volke dar; hierbei gehen sie nicht durch die Königspforte, sondern durch
eine Seitentür, die die Tür der Seitenkammer darstellt, der man in der
ersten Zeit die Bücher entnahm. Diese wurden dann in die Mitte des
Tempels getragen, worauf hier aus ihnen vorgelesen wurde.
Die Gemeinde der Andächtigen richtet ihre Blicke auf das Evangelium, das
die demütigen Diener der Kirche in den Händen tragen, als wäre es der
Heiland selbst, der zum erstenmal hervortritt, um Gottes Wort zu
verkündigen; er schreitet durch die schmale nördliche Tür, gleichsam
unerkannt, bis in die Mitte der Kirche, um, nachdem er sich allen
gezeigt hat, durch die Königspforte wieder ins Allerheiligste
zurückzukehren. Die beiden Diener Gottes bleiben mitten in der Kirche
stehen; beide beugen ihr Haupt. Der Priester betet bei sich selbst, »Er,
Der im Himmel die Heerscharen der Engel und die himmlischen Würden
eingesetzt hat, auf daß sie Seinem Ruhm und Seiner Ehre dieneten, möge
diesen Engeln und himmlischen Kräften, die Ihm mit uns dienen, gebieten,
mit uns zusammen das Allerheiligste zu betreten«. Der Diakon weist mit
der Gebetstola auf die Königspforte und spricht zum Priester: »Segne, o
Herr den heiligen Eingang!« -- »Gesegnet sei der Eingang Deiner Heiligen
immerdar, jetzo, hinfort und in alle Ewigkeit!« erwidert der Priester.
Der Diakon reicht ihm das heilige Evangelium zum Kusse hin und trägt es
in den Altarraum, bleibt jedoch inmitten der Königspforte stehen, hebt
es hoch mit den Händen empor und ruft: »Höchste Weisheit!« wodurch er
ausdrücken will, daß das Wort Gottes, Sein Sohn, Seine ewige höchste
Weisheit der Welt durch das Evangelium verkündet ward, das er jetzt mit
seinen Händen emporhebt. Dann ruft er: »Verzeih!« d. h.: »Erwachet,
rafft euch auf, überwindet eure Trägheit und Lässigkeit!« Die Gemeinde
der Andächtigen richtet ihren Geist empor und singt zusammen mit dem
Chor: »Kommt, laßt uns vor Christus niederfallen und Ihn anbeten!
Errette uns, Du Sohn Gottes, uns, die wir Dir >_Halleluja_< singen!« Das
hebräische Wort Halleluja bedeutet soviel wie: »Der Herr _kommt
gegangen_, lobet den Herrn!« da jedoch das Wort kommt gegangen nach dem
Sinn der heiligen Sprache Gegenwart und Zukunft in einem ausdrückt, d.
h. es kommt der, der schon gekommen ist und der wiederkommen wird, so
begleitet dieses Wort _Halleluja_, das das ewige Wandeln Gottes
ankündigt, jedesmal solche heilige Handlungen, bei denen Gott selbst in
Gestalt des Evangeliums oder der heiligen Gaben zum Volke hinaustritt.
Das Evangelium, das die frohe Botschaft vom Worte des Lebens verkündigt,
wird auf den Hochaltar gestellt. Auf dem Chor ertönen jetzt Gesänge zu
Ehren des Festtages, oder kurze Lobgesänge und Hymnen zu Ehren des
Heiligen, dem der Tag geweiht ist und den die Kirche feiert, weil er
denen gleicht, die Christus in den Seligpreisungen aufgezählt hat, und
weil Er durch das lebendige Beispiel Seines eigenen Lebens gelehrt hat,
wie wir Ihm nachfolgen und ins ewige Leben eingehen sollen.
Nachdem die Lobhymnen beendigt sind, beginnen die Trichagien, d. h. der
Abgesang des Dreimalheilig. Der Diakon erbittet sich den Segen des
Priesters, betritt die Königspforte, schwingt die Stola und gibt den
Sängern das Zeichen. Feierlich und mit Donnerlaut dröhnt der Gesang des
Dreimalheilig durch die Kirche. Er besteht in folgendem Anrufe Gottes,
der dreimal wiederholt wird: »Heiliger Gott, heiliger Starker, heiliger
Unsterblicher, erbarme Dich unser!« Mit dem Ruf: heiliger Gott
verkündigt das Trichagion Gott den Vater; mit dem Ruf: heiliger Starker
-- Gott den Sohn, Seine Kraft, Sein schaffendes Wort; und mit dem Ruf:
heiliger Unsterblicher -- Seinen unsterblichen Gedanken, den ewigen
lebendigen Willen Gottes, des Heiligen Geistes. Dreimal stimmen die
Sänger diesen Gesang an, damit es bis ans Ohr aller Menschen dringe, daß
in dem ewigen Sein Gottes das ewige Sein der Dreieinigkeit mitenthalten
ist und daß es keine Zeit gab, wo Gottes Wort nicht bei Ihm gewesen wäre
und wo der Heilige Geist Seinem Worte gemangelt hätte. »Der Himmel ist
durch das Wort des Herrn gemacht, und all sein Heer durch den Geist
Seines Mundes,« sagt der Prophet David. Jeder in der Gemeinde ist sich
dessen bewußt, daß auch in ihm als dem Ebenbilde Gottes jene Dreiheit
enthalten ist: Er selbst, Sein Wort und Sein Geist oder der Gedanke, der
das Wort bewegt, daß jedoch sein menschliches Wort ohnmächtig ist,
vergebens ertönt und nichts schafft, daß sein Geist nicht ihm gehört, da
er von allen möglichen fremden Eindrücken beeinflußt wird, und daß nur
durch seine Erhebung zu Gott in ihm das eine wie das andere Kraft
gewinnt: im Worte spiegelt sich Gottes Wort, im Geiste Gottes Geist; das
Bild der Dreieinigkeit des Schöpfers drückt sich im Geschöpfe ab, und
das Geschöpf wird seinem Schöpfer ähnlich -- Indem dies jedem bewußt
wird, betet er, während er dem Trichagion lauscht, innerlich bei sich
selbst, daß der heilige, starke, unsterbliche Gott sein ganzes Ich
reinigen und es zu Seinem Tempel und Wohnhaus machen möge, und dabei
wiederholt er dreimal bei sich selbst: »Heiliger Gott, heiliger Starker,
heiliger Unsterblicher, erbarme Dich unser!« Der Priester betet im
Inneren des Altarraums leise zu Gott, er möge dieses Trichagion gnädig
aufnehmen, wirft sich dreimal vor dem Altar nieder und wiederholt
dreimal bei sich selbst: »Heiliger Gott, heiliger Starker, heiliger
Unsterblicher!« Auch der Diakon wiederholt gleich ihm dreimal das
Trichagion und wirft sich zusammen mit dem Priester vor dem Altar
nieder.
Nachdem der Priester den Kniefall getan hat, besteigt er den erhöhten
Platz im Allerheiligsten, als dränge er bis in die Tiefe der
Gotteserkenntnis ein, daher uns das Mysterium der Allerheiligsten
Dreieinigkeit gekommen ist; dieser Platz symbolisiert jenen höchsten
erhabensten über allem schwebenden Ort, da der Sohn im Schoße des Vaters
und in der Einheit mit dem Heiligen Geiste ruht. Durch dieses
Emporsteigen stellt der Priester das Emporsteigen Christi selbst samt
dem Fleische in den Schoß des Vaters dar, wodurch der Mensch gleichfalls
aufgefordert wird, Ihm in den Schoß des Vaters nachzufolgen -- eine
Wiedergeburt, die schon der Prophet Daniel von ferne vorausgeahnt hat,
als er in einem erhabenen Gesichte erschaute, wie des Menschen Sohn zu
dem »Alten der Tage« kam.
Der Priester schreitet nun unerschütterlichen Schrittes voran und
spricht: »Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn.« Der Diakon
fleht ihn an: »Segne, o Herr den erhabenen Hochaltar!« und der Priester
segnet ihn, indem er spricht: »Gelobet seist Du auf dem Throne des Ruhms
in der Herrlichkeit Deines Reiches. Du thronest auf Cherubim immerdar,
jetzo, hinfort und von Ewigkeit zu Ewigkeit.« Dann nimmt er auf dem
erhöhten Orte Platz, der für den Erzpriester bestimmt ist. Von hier aus
sucht er wie ein Apostel Gottes und als sein Stellvertreter mit dem
Gesicht zum Volke gewandt die Aufmerksamkeit der Gemeinde wach zu halten
und die Gemeinde auf die bevorstehende Vorlesung der Epistel
vorzubereiten -- er tut dies in sitzender Stellung und deutet hierdurch
an, daß er selbst den Aposteln gleichgestellt ist.
Der Vorleser tritt mit den Episteln in der Hand in die Mitte des
Tempels. Mit dem Ruf: »Laßt uns aufmerken!« fordert der Diakon alle
Anwesenden zur Aufmerksamkeit auf. Der Priester fleht vom Inneren des
Altarraumes aus Frieden auf den Vorleser und die Anwesenden herab, und
die Gemeinde der Andächtigen erwidert diesen Wunsch des Priesters mit
dem gleichen Wunsche. Da sein Dienst jedoch ein rein geistlicher Dienst
sein muß, gleich dem der Apostel, deren Worte nicht aus ihnen selbst
kamen, sondern deren Lippen vom Heiligen Geist bewegt wurden, so sagen
sie nicht: »Friede sei mit dir!« sondern »mit deinem Geiste«! Der Diakon
ruft aus: »Höchste Weisheit!« Laut und ausdrucksvoll, so daß jedes Wort
einem jeden vernehmlich ist, beginnt der Vorleser seine Vorlesung;
aufmerksam, empfänglichen Herzens, mit suchender Seele und einem
Verständnis, das den inneren Sinn des Vorgelesenen zu erfassen sucht,
lauscht die Versammlung, denn die Vorlesung der Epistel ist eine Stufe
und Leiter zum besseren Verständnis der Evangelien. Wenn der Vorleser
seine Vorlesung beendigt hat, ruft ihm der Priester aus dem Inneren des
Altarraumes zu: »Friede sei mit dir!« Der Chor antwortet: »Und mit
deinem Geiste!« Der Diakon ruft aus: »Höchste Weisheit!« Der Chor singt
ein donnerndes »Halleluja!«, das das Nahen des Herrn ankündigt, Der
kommt, um durch den Mund des Evangeliums zum Volke zu sprechen.
Nunmehr erscheint der Diakon mit dem Räucherfaß in der Hand, um den
Tempel mit Wohlgerüchen zu erfüllen und für den Empfang des Herrn, der
da naht, vorzubereiten; dieses Räuchern soll uns an die geistige
Reinigung unserer Seelen ermahnen, denn wir sollen die wohltönenden
Worte des Evangeliums reinen Herzens anhören. Der Priester betet im
Innern des Altarraumes bei sich selbst, er bittet, daß das Licht der
göttlichen Weisheit in unseren Herzen aufgehen und daß unsere geistigen
Augen sich öffnen mögen, auf daß wir die Predigt des Evangeliums
verständnisvoll in uns aufnehmen. Auch die Gemeinde betet leise bei sich
selbst, sie bittet, daß das gleiche Licht auch in ihrem Herzen aufgehen
möge, und bereitet sich auf die Vorlesung vor. Der Diakon erbittet sich
den Segen des Priesters, dieser erwidert ihm mit dem Wunsche: »Gott
verleihe auf Fürbitte des hochheiligen, hochgelobten Apostels und
Evangelisten [hier folgt sein Name] deiner Stimme große Kraft, daß du
die frohe Botschaft machtvoll verkündigest, auf daß erfüllet werde das
Evangelium Seines innig geliebten Sohnes, unseres Herrn Jesu Christi!«
Hierauf besteigt der Diakon die Kanzel, wobei ihm eine Leuchte
vorangetragen wird, die das alles erleuchtende Licht Jesu Christi
symbolisiert. Der Priester ruft der Gemeinde aus dem Inneren des
Altarraumes zu: »Höchste Weisheit! Vergib! Laßt uns dem heiligen
Evangelium lauschen! Friede sei mit euch allen!« Der Chor antwortet:
»Und mit deinem Geiste!«, worauf der Diakon seine Vorlesung beginnt.
Alle beugen andächtig ihr Haupt, als lauschten sie den Worten Christi
selbst, Der von der Kanzel zu ihnen spricht, und als bemühten sie sich,
die Saat des heiligen Wortes die der himmlische Säemann selbst durch den
Mund Seines Dieners ausstreut, in sich, in ihr Herz, aufzunehmen; --
nicht mit einem Herzen, das der Heiland mit der Erde am Wege vergleicht,
auf die zwar auch einige Samenkörner fallen, um jedoch sofort von den
Vögeln -- den bösen Gedanken und Absichten -- aufgefressen zu werden; --
auch nicht mit solch einem Herzen, das Er mit dem steinigen Erdreich
vergleicht, das nur ganz oberflächlich mit Erde bedeckt ist, sie, die
das Wort zwar willig aufnehmen, es aber nicht tief Wurzeln schlagen
lassen, da es ihnen an Herzenstiefe fehlt; -- auch nicht mit solch einem
Herzen, das Er mit dem verwahrlosten und ungesäuberten Acker vergleicht,
der von Dornen überwuchert ist, auf dem die Saat zwar aufgeht, dessen
eben aufsprießende Keime jedoch von den schnell emporwachsenden Dornen
-- den Dornen zeitlicher Sorgen und Mühen, den Dornen der Versuchungen
und der zahllosen Lockungen des ertötenden, weltlichen Lebens mit seinen
trügerischen Reizen und Annehmlichkeiten -- sofort erstickt werden, --
so daß die Saat keine Frucht trägt; wohl aber mit jenem hingebungsvollen
Herzen, das Er mit gutem Lande vergleicht, welches Frucht trägt --
etliches hundertfältig, etliches sechzigfältig, etliches dreißigfältig
--, das alles, was es in sich aufnimmt, beim Verlassen der Kirche, zu
Hause, in der Familie, im Dienst, während der Arbeit, während der
Mußestunden und Vergnügungen, im Gespräche mit anderen Menschen, und,
wenn es mit sich allein ist, wieder zurückerstattet. Kurz, jeder
Gläubige bemüht sich, ein Hörer und Täter des Wortes zugleich zu sein,
den der Heiland mit dem weisen Manne gleichzumachen verspricht, der sein
Haus nicht auf Sand, sondern auf einem Felsen erbaut, so daß sein
geistiges Heim, selbst wenn sich, gleich nachdem er die Kirche verlassen
hat, Regen, Flüsse und Wirbelstürme, alle möglichen Leiden und
Mißgeschick wider ihn erhöben, unerschütterlich dastehen wird, gleich
einer auf einem Felsen erbauten Feste.
Nachdem die Vorlesung beendigt ist, ruft der Priester dem Diakon aus dem
Inneren des Tempels zu: »Friede sei mit dir, der du frohe Botschaft
verkündigst!« Alle Anwesenden erheben ihr Haupt und rufen im Gefühl
ihrer Dankbarkeit zugleich mit dem Chor: »Ehre sei Dir, unserem Gott,
Ehre sei Dir!« Der in der Königspforte stehende Priester nimmt das
Evangelium aus den Händen des Diakons entgegen und stellt es auf den
Altar, als das Wort, das von Gott ausgegangen ist und nun zu Ihm
zurückkehrt. Der Hochaltar, der die höchsten erhabensten Gefilde
darstellt, entzieht sich jetzt den Augen der Gemeinde -- die
Königspforte schließt sich, und die Tür zum Allerheiligsten wird
verhängt zum Zeichen, daß es keine andere Tür zum Himmelreiche gibt als
die, die uns Christus geöffnet hat, und daß wir nur mit Ihm durch sie
eintreten können, denn es heißt: »Ich bin die Tür.«
Hiernach pflegte während der ersten christlichen Zeit die Predigt
stattzufinden, worauf die Erklärung und Interpretation der verlesenen
Evangelientexte folgte. Da jedoch in unserer Zeit meist über andere
Texte gepredigt wird, und da folglich die Predigt nicht zur Erklärung
der vorgelesenen Evangelientexte dient, so wird sie, um den Zusammenhang
und die strenge harmonische Ordnung der heiligen Liturgie nicht zu
stören, ans Ende gestellt.
Der Diakon besteigt sodann, den Engel, der die Menschen zum Gebet
anfeuert, versinnbildlichend, die Kanzel, um die Gemeinde zu noch
inbrünstigerem Gebet aufzurufen. Er ruft: »Lasset uns beten aus ganzem
Herzen, ganzer Seele, lasset uns beten aus ganzem Gemüt,« indem er die
Gebetstola mit drei Fingern in die Höhe hebt; und während alle aus
tiefster Seele inbrünstige Gebete zum Himmel emporrichten, rufen sie
aus: »Herr, erbarme Dich!« Der Diakon aber unterstützt und verstärkt
seinerseits das Gebet noch, indem er dreimal um Erbarmen fleht, und er
fordert die Gemeinde nochmals auf, für alle Menschen zu beten, welchen
Rang und welches Amt sie auch immer bekleiden mögen; zunächst und in
erster Linie für die in den höchsten Ämtern und Stellungen, wo es der
Mensch am schwersten hat, wo er am leichtesten strauchelt und wo er der
Hilfe Gottes am meisten bedarf. Jeder von den Versammelten betet, da er
weiß, in wie hohem Grade die Wohlfahrt vieler Menschen davon abhängt,
daß die Mächtigen redlich ihre Pflicht erfüllen, inbrünstig und bittet
Gott, Er möge sie erleuchten und belehren, getreulich ihre Schuldigkeit
zu tun, und jedem Kraft verleihen, seine irdische Laufbahn in
ehrenhafter Weise zu vollenden. Darum beten alle inniglich, indem sie
nun nicht mehr einmal, sondern dreimal nacheinander rufen: »Herr,
erbarme Dich!« Die ganze Reihe dieser Gebete heißt: doppelte Ektenia
oder die Ektenia des inbrünstigen Gebets, und der Priester bittet im
Altar vor dem Gottestisch inniglich um Erhörung dieser allgemeinen
verstärkten Gebete, und sein Gebet heißt das Gebet der inbrünstigen
Bitte.
Wenn an jenem Tage eine Seelenmesse zu Ehren der Toten stattfindet, so
wird gleich nach der doppelten Ektenia noch eine Ektenia zu Ehren der
Entschlafenen verkündigt. Der Diakon hält die Stola mit drei Fingern
seiner Hand empor und fordert die Gemeinde auf, für den Seelenfrieden
der Knechte Gottes zu beten, die er alle beim Namen nennt, auf daß Gott
ihnen alle ihre Sünden, ihre bewußten und unbewußten Verfehlungen
vergeben und ihre Seelen dorthin versetzen möge, wo die Gerechten in
Frieden weilen. Bei dieser Gelegenheit gedenkt jeder der Anwesenden
aller Verstorbenen, die seinem Herzen nahestanden, und beantwortet jeden
Ruf des Diakons mit einem dreimaligen: »Herr, erbarme Dich!« indem er
inbrünstig für seine Lieben und für alle entschlafenen Christen betet.
»Wir flehen Dich an, Christus, unser Gott, unsterblicher König, gewähre
uns Deine göttliche Gnade, das Himmelreich und Vergebung der Sünden!«
ruft der Diakon aus. Die Gemeinde erwidert zugleich mit dem Sängerchor:
»Gewähre es uns, o Herr!« Der Priester aber betet im Inneren des
Altarraums und bittet den Überwinder des Todes, Ihn, der uns das ewige
Leben schenkte, Er möge die Seelen Seiner entschlafenen Knechte in
Frieden in die friedlichen grünen Gefilde, die von Krankheiten, Kummer
und Seufzern gemieden werden, eingehen lassen; er bittet in seinem
Herzen, Er möge ihnen alle ihre Sünden erlassen und verkündet laut:
»Christus, unser Gott, da Du bist die Auferstehung, das Leben und der
Frieden Deiner entschlafenen Knechte, so singen wir Dir Preis und Ruhm
samt Deinem ewigen Vater und Deinem allerheiligsten, gütigen,
lebenspendenden Geist, nun, hinfort und in alle Ewigkeit.« Der Chor ruft
bestätigend: »Amen,« worauf der Diakon die Ektenia für die Katechumenen
beginnt.
Obwohl die Zahl der noch nicht Getauften und derer, die noch zu den
Katechumenen zählen, heute nur noch gering ist, denkt doch jeder
Anwesende daran, wie weit er durch Glauben und Taten noch hinter den
Gläubigen zurücksteht, die gewürdigt wurden, an den Liebesmahlen der
ersten christlichen Zeit teilzunehmen, sieht ein, wie er gleichsam bloß
bei Christus in die Lehre gegangen ist, jedoch sein Leben noch nicht mit
Ihm erfüllt hat, wie er erst die Weisheit Seiner Worte versteht, sie
aber in seinem Leben noch nicht verwirklicht, wie kalt sein Glaube noch
ist, und wie es ihm noch an dem Feuer einer allesverzeihenden Liebe zu
seinem Bruder gebricht, einer Liebe, die alle Herzenskälte und Dürre
verzehrt, und wie er, obwohl er mit dem Wasser auf den Namen Christi
getauft ward, doch noch der geistigen Wiedergeburt nicht teilhaftig ist,
ohne die sein Christentum nach den eigenen Worten des Heilandes nichts
ist, Der da spricht: »Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde,
kann er das Reich Gottes nicht sehen!« -- Indem also jeder Anwesende
dessen eingedenk ist, zählt er sich demutsvoll zu den Katechumenen, und
so antwortet er denn auch auf den Ruf des Diakons: »Lasset uns zu Gott
beten, Katechumenen!« aus der Tiefe seines Herzens: »Gott, erbarme Dich
unser!«
Hierauf ruft der Diakon: »Ihr Gläubigen, lasset uns für die Katechumenen
beten und Ihn bitten, Er möge ihnen gnädig sein, sie erwecken mit dem
Worte der Wahrheit, ihnen das Evangelium der Gerechtigkeit offenbaren,
sie vereinigen in Seiner heiligen allgemeinen apostolischen Kirche, Er
möge sie erretten, Sich ihrer erbarmen, ihnen beistehen und sie erhalten
in Seiner Gnade.«
Und die Gläubigen beten, tief durchdrungen von dem Gefühle, wie wenig
sie den Namen der Gläubigen verdienen, indem sie für die Katechumenen
bitten, auch für sich selbst und beantworten jeden Ruf des Diakons in
ihrem Innern, indem sie mit dem Sängerchor die Worte nachsprechen:
»Herr, erbarme Dich unser!« Der Diakon ruft: »Katechumenen, beugt euer
Haupt vor Gott!«, und alle beugen ihr Haupt, indem sie innerlich
ausrufen: »Vor Dir, o Herr!«
Der Priester betet leise für die Katechumenen, sowie für die, die sich
in ihrer Herzensdemut unter die Katechumenen versetzt haben. Sein Gebet
hat folgenden Wortlaut: »Herr, unser Gott, Der Du in der Höhe wohnst und
herabsiehst auf die Demütigen, Der Du das Heil herabsandtest dem
menschlichen Geschlechte in Gestalt Jesu Christi, Deines Sohnes, unseres
Herrn und Gottes! Blicke nieder auf die Katechumenen, Deine Knechte, die
ihren Nacken vor Dir beugen! Nimm sie auf in Deine Kirche und in Deine
auserwählte Herde, auf daß sie mit uns Deinen hehren, herrlichen Namen
loben und preisen den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, jetzo,
hinfort und in alle Ewigkeit!« Der Chor fällt mit einem donnernden
»Amen!« ein. Und in Erinnerung, daß nun der Augenblick gekommen ist, wo
ehemals die Katechumenen aus der Kirche herausgeführt wurden, ruft der
Diakon mit lauter Stimme: »Tretet heraus, Katechumenen!« Hierauf erhebt
er abermals die Stimme und ruft noch einmal: »Tretet heraus,
Katechumenen!« Und endlich ruft er noch ein drittes Mal aus: »Tretet
heraus, Katechumenen! Keiner von euch Katechumenen, sondern ihr
Gläubigen alleine, laßt uns abermals und abermals zu Gott beten!«
Bei diesen Worten erbeben alle im Bewußtsein ihrer Unwürdigkeit.
Inbrünstig flehen sie in Gedanken Christus selbst um Gnade an, Der die
Käufer und die schamlosen Krämer, die Sein Heiligtum zu einer
Mördergrube gemacht hatten, aus dem Tempel Gottes jagte, und jeder
Anwesende bemüht sich, den Katechumenen, der noch nicht darauf
vorbereitet ist, in dem Heiligtume zu weilen, aus dem Tempel seiner
Seele zu vertreiben, und er betet zu Christus, Er möge selbst den
Gläubigen, der in die auserwählte Herde aufgenommen wird, in ihm
erwecken, denn von ihm sagt der Apostel: »Ein heiliges Volk, Menschen
der Erneuerung sind die Steine, aus denen der Tempel erbaut wird«; Er
möge ihn erwecken ihn, der zu den wahrhaften Gläubigen gehört, die
während der Zeit der ersten Christen, deren Gesichter von der
Ikonostasis auf den Andächtigen herabblicken, an der Liturgie
teilnahmen. Und indem er sie alle mit seinem Blick umfaßt, fleht er sie
um Hilfe an, als seine Brüder, die jetzt im Himmel anbeten, denn nunmehr
steht die allerheiligste Handlung bevor; es beginnt die Liturgie der
Gläubigen.