Hahahahahahaha -- -- -- -- u. s. w.“

(Das Schlußgewieher der Ehehälfte läßt sich typographisch nicht

darstellen; es fehlen im Setzkasten die Zeichen dafür.)

Jetzt erst bemerkte Porgenau den Zustand der Drei. „O!“ sprach er:

„meine Freunde, Sie stellen sich, als ob Sie schliefen!... Hahaha! --

Wieder ein neuer Kniff! Doch auch er ist mir bekannt: Sie fürchten, daß

ich Ihnen einen neuen Calembour aufgeben würde -- den Sie nicht lösen

könnten... Fürchten Sie nichts, fürchten Sie nichts! Ich weiß, was ich

echten Freunden schuldig bin... wiewohl +Schuldner ein schlechtes

Gedächtniß haben+.... hahaha! hahaha! Wieder ein Witz! hahaha!

wieder ein Witz!“

Wir wenden uns von dieser _partie honteuse_ der Gesellschaft

unseres Salons ab, um zu einer interessanteren zu eilen. -- Als

Alexander so plötzlich seinen Sitz neben dem unglückseligen Porgenau

verlassen hatte, war dies auf eine Veranlassung geschehen, welche hier

näher beschrieben werden muß. Wir wissen, daß Alexander ununterbrochen

seine Frau sowohl wie ihren Bruder und den Chevalier im Auge behielt;

wir wissen ferner auch, daß Cölestine, als wir zuletzt von ihr gingen,

von Edmund, welcher sie durchaus zu sprechen verlangte, auf alle

mögliche Weise verfolgt ward. Sie hatte diesen Aufforderungen bisher

hartnäckig widerstanden -- indem sie dieselben durchaus nicht zu

verstehen schien.... sie war, bald dadurch, daß sie sich abwendete,

bald dadurch, daß sie mit irgend einer Dame sich in ein Gespräch

einließ -- bald durch die Aufmerksamkeit, die sie der Musik schenkte

-- dem Andringen ihres Bruders entgangen. -- Dieser schien darüber in

Verzweiflung -- er hatte sich bereits vorgenommen, Cölestinen geradezu

entgegenzutreten -- bald jedoch verließ ihn der Muth -- und er stand

einige Augenblicke in kläglichem Zorne, stumm an die Wand gelehnt. Ein

leichter Schlag weckte ihn aus seinem Trübsinn -- es war Marsan.

„Ah!“ rief Edmund so laut, daß seine Stimme bis zu Alexander drang --

„Sie sehen, guter Marsan -- es ist umsonst!“

Mehr hatte Alexander nicht vernommen; dies aber war für ihn genug,

um, wie wir wissen, gleich einem Wahnsinnigen von seinem Sitze

aufzuspringen -- und die Nähe der Zwei aufzusuchen, welche er behorchen

wollte. Zum Glück boten die Draperien des Salons an dieser Stelle einen

vortrefflichen Schlupfwinkel und der Ehemann eilte, davon Gebrauch zu

machen. Er hörte -- freilich hatte er jedoch den Anfang ihres Gesprächs

versäumt -- Folgendes:

„Aber -- es ist mir unerklärlich, daß Ihre Schwester Sie durchaus

nicht hören will....“ sagte Marsan; „bei mir freilich ist das eine

andere Sache -- -- sie hat Rücksichten auf den Narren, ihren Mann, zu

nehmen!...“

„Sagen Sie lieber -- den Elenden!“ versetzte Edmund: „dieser Mensch

hat sie gegen mich aufgehetzt -- es ist klar. Doch ich will ihm das

entgelten....“

„Ja, ja -- wir wollen es gemeinschaftlich thun, mein Freund! -- Also

sie will Ihnen die ersehnte Gelegenheit durchaus nicht gewähren,

Edmund? -- Nun, wissen Sie was? -- Dringen Sie jetzt nicht weiter

in sie.... Man darf es mit dem Narren Alexander nicht vorzeitig

verderben.... Zwar übt er durchaus keine Macht auf sie aus... allein

da er fähig ist, einen öffentlichen Skandal zu provociren, so muß man

Cölestinen wenigstens in seiner Gegenwart schonen.... Befolgen Sie also

die Regel, die ich Ihnen vorhin gegeben habe.... Ach!“ rief mit einem

Male der Chevalier aus: „jetzt ist die Zeit dazu -- der Narr Alexander

ist nirgends zu sehen -- er muß den Saal verlassen haben.“

„Bei Gott, Sie haben Recht -- Marsan!“ versetzte der Jüngling: „Ha!

sehen Sie doch -- -- Cölestine blickt überall herum -- sie scheint

dieselbe Entdeckung gemacht zu haben.... sie sieht den Tyrannen nicht

-- -- -- jetzt giebt sie mir einen Wink! Ich eile zu ihr!“

Hier hörte das Gespräch auf; die zwei Freunde verließen rasch den

Platz. -- Aber sie waren nicht rascher, wie der Gatte, welcher über

das, was er so eben gehört hatte, entsetzt aus seinem Hinterhalte

hervor eilte, um den Zweien nachzugehen. -- Beim ersten Schritte

jedoch schon blieb er stehen; Cölestine hatte in dem Momente, wo sie

im Begriffe war, sich mit ihrem Bruder in ein Fenster zurückzuziehen

-- ihn erblickt und war rasch umgekehrt -- indem sie sich auf eine

Ottomane warf....

Ihr Mann aber zog sich mit einem schweren, tiefen Seufzer zurück -- in

ein anstoßendes Kabinet. Doch konnte er noch, als er an der Thür sich

umwandte, sehen, wie sowohl Marsan als Edmund mit kühnem Schritt sich

abermals Cölestinen näherten -- und sie jetzt anredeten.

„Aber, meine Freundin, ich versichere Ihnen -- dieser Verein unserer

Damen hat keinen andern Zweck -- als Aufsehen zu erregen, und dann

noch einen, welchen ich schon einmal angedeutet und hier, vor dieser

Gesellschaft nicht wiederholen will....“

„Nein, nein, meine Liebe -- Sie irren sich wirklich, Sie thun uns Allen

so bitteres Unrecht.“

„Wem ist das größte geschehen?“ rief das Stiftsfräulein aus und öffnete

dabei ihren zahnlosen Mund so gewaltig, daß man, wie am Rande eines

Precipisses in der Schweiz, den Schwindel bekam -- --: „Ist es nicht

etwa mir geschehen? -- Mir, mir, die so viele menschenfreundliche Plane

hegte -- mir, die den Frauenverein zu einer respektableren Bedeutung

führen wollte -- mir, der Erfinderin jener Composition und jener

Schlösser, jener Ketten -- jener Fangeisen....“

„Freilich, freilich, es war nicht wohlgethan, Sie, beste Freundin, so

zu behandeln, wie geschehen ist,“ erwiederte Gräfin von Wollheim....

„man hat sich übernommen, man war zu strenge -- man -- --“

„Wie? man war zu strenge?!“ schrie die verkannte Edle, auf das Wort

„zu“ ein Gewicht legend.... „Was hatte man für ein Recht, +strenge+ zu

sein gegen mich? -- Gegen mich, ein Mitglied, welches sich rühmen kann,

zeitlebens für die Tugend, die Sittsamkeit, die Menschenfreundlichkeit

und für das Menschenwohl im Allgemeinen gelebt zu haben..? -- für mich,

die Erfinderin -- die Entdeckerin so vieler vortrefflicher Dinge,

welche ich alle hier nicht aufzuzählen brauche, da man dieselben

hinlänglich kennt!... Oder wie, kennt man sie nicht, die Fußangeln! die

Daumenschrauben? -- --“

Mehrere von den buckligen und liebenswürdigen Zuhörerinnen (wir wissen,

daß das Fräulein ihr eigenes Auditorium hatte) hielten sich hier die

Ohren zu; selbst ihnen, die doch an Humanität auf gleicher Stufe mit

ihr standen -- wurde es endlich zu arg.

„Es ist indeß, wie ich Ihnen vorhin sagte, Hoffnung vorhanden, daß Ihr

Wiedereintritt in den Verein nicht länger beanständigt werden wird,

beste Bomben!“ nahm die Gräfin das Wort.

„Ich habe Ihnen gleichfalls bemerkt,“ erwiederte diese aufgebracht --

„daß ich das nicht annehmen werde! Mich, mich soll man nie mehr -- ich

hab’s geschworen! -- in einem Vereine sehen, dessen geheimer Zweck

darin besteht -- -- hübsche Bauernbursche --“

Hier hielten sich die Zuhörerinnen abermals die Ohren zu, und die

Wollheim wandte sich mit gefalteten Händen an die Rednerin: „Um

Gotteswillen -- nicht weiter, meine Freundin! Was denken Sie? Wenn

diese Worte zur Kenntniß des Vereins kommen sollten!... des Vereins,

der Sie ohne Zweifel wieder in seine Mitte zurückrufen wird...“

„Aber ich wiederhole zum hundertsten Male: daß ich nichts mehr mit

diesem Vereine zu thun haben will. Ich bin hierzu viel zu moralisch!

-- Hinfort soll es mein Beruf nur sein: mich dem saubern Vereine

+entgegenzustellen+... ihn zu bekämpfen... ihn zu ruiniren.....

Oh! Oh!“ schäumte sie: „Wenn ich schon Nero’s Schwert nicht besitzen

kann, um diesem hübschen Damenkranz mit einem Hiebe die Köpfe

abzuschlagen.... so möchte ich doch wenigstens das Gift der +Lukretia

Borgia+ haben -- -- -- --“ Hier hielt die genügsame Dame plötzlich

inne, gemahnt ohne Zweifel von der Erinnerung, daß wir in dieser

verderbten Welt auch eine Polizei haben....

Die buckligen und anderen Zuhörerinnen aber erhoben sich, und ohne ein

Wort zu sprechen, verließen sie die Aspirantin des Giftes der Borgia --

Es mußte wirklich bis zu einem solchen Punkte kommen, um diese Damen zu

vertreiben. --

Allein Gräfin Wollheim überdauerte sie alle, vermöge ihrer

Gutmüthigkeit und einer Leidenschaft für Strumpfgespräche, die beide,

seit die Welt steht, noch nicht da waren.

Indessen, als diese Episoden sich hier zutrugen, rollte anderwärts die

Haupthandlung des Abends in ununterbrochener Gleichförmigkeit fort.

Die Musik war zu Ende -- d. h. jenes Harfenterzett oder Quartett, von

dem wir oben gesprochen haben. Jetzt -- sollte etwas Neues kommen;

eine große brillante Arie aus der jüngsten Oper Donizetti’s, dieses

Lieblings der Musen, der es bleiben wird, mögen seine nordischen

Eiferer und Geiferer sich und ihre traurigen Federn noch so vollsaugen

mit Gift und Galle.[F] -- Da die Arie, welche wir meinen, von einer

sehr berühmten Dilettantin (Fräulein von G--e--) gesungen wurde, so

widmete man derselben die größte Aufmerksamkeit, und einige Augenblicke

schien der Geist dieser Versammlung sich nur um die Sängerin zu

concentriren. -- Dies schien jedoch blos so. Es mochten in so manchen

Herzen Dinge vorgehen, die keinen Bezug auf die schöne Sängerin hatten,

wiewohl man Blicke und Mienen nur auf sie richtete -- wiewohl man nur

zu athmen schien, um Worte des Beifalls für sie zu haben. Wo in aller

Welt wäre auch eine größere und tiefere Schauspielkunst zu finden, als

in den Kreisen jener Gesellschaft, die sich ausschließlich die gute

nennt? Mich dünkt -- es könnte hier Jemand wissen, daß die nächste

Minute die seines Todes sein werde, und er würde, in der vorhergehenden

zu einer Polonaise aufgefordert -- süß lächelnd entgegnen: „Mit dem

größten Vergnügen!“

Diesen Gesichtspunkt müssen wir im Auge behalten, um den Zustand, worin

sich in diesem Augenblick eine Person in diesem Salon befand, gehörig

zu würdigen. Da saß Cölestine, dieses schöne, junge, reizende Weib

und hörte stumm den Tönen der Musik zu. Auf ihrem blüthenreinen --

aber auch blüthenbleichen Gesichte malte sich Aufmerksamkeit, Spannung

und tiefe Anschauung ab -- auf diesem Gesichte, worin sonst nur

Lust, Heiterkeit und schalkhafte Koketterie zu lesen war. Jene Mienen

schienen mit der herrlichen Musik im Zusammenhange zu stehen -- --

aber auch hier können wir sagen: daß sie dieses blos +schienen+.

Dieses schwarze, glühende, jetzt durch den seidnen Vorhang der Wimpern

halbverdeckte Auge -- war zwar auf die Sängerin gerichtet; es sah

jedoch nichts von ihr, es sah in sich selbst zurück, in die eigene

Brust sah es hinein...

Welche mochten die Gedanken sein, die in dieser Brust sich drängten?

-- denn sie war voll, überfüllt davon -- so daß sie zu überfließen

schienen, wie ein allzu voller Becher: O hätte sie das wohl vor

einigen Monaten geahnt -- in jener Zeit, als sie ihrem Manne aus

inniger Zuneigung die Hand reichte? -- Ach, damals kannte sie ihn noch

nicht! Sie träumte damals von paradiesischen Tagen und hesperidischen

Nächten... dies war nun vorbei.... es schien ein Wahn, eine

Seifenblase...

Cölestine warf, wie von einem plötzlichen Gedanken beunruhigt, ihren

Blick jetzt wieder im Saale umher.... da sah sie den Chevalier neben

Edmund, welcher sie erst vor Kurzem verlassen hatte, in einiger

Entfernung, an der entgegengesetzten Wand stehen -- und Marsan schien

sie mit seinen Augen zu verschlingen... -- Er wollte sich ihr schon

wieder nähern -- -- da winkte sie ihm flehend mit beiden Händen.... und

er blieb. --

-- Diese ganze Scene aber hatte Alexander wieder aus dem Nebenzimmer

beobachtet. Noch sah er, daß Edmund versteckt ein Zeichen mit der Hand

machte, wobei zwei Finger ausgestreckt waren, wie man die zweite Stunde

zu bezeichnen pflegt. --

Der unglückliche Ehemann rief mit Thränen in den Augen vor sich: „Das

ist eine Bestellung -- um 2 Uhr! Ein Kind müßte es begreifen.“

Gleich darauf verließ Edmund sowohl wie der Chevalier den Saal und sie

waren hier heute nicht ferner zu sehen. --

-- -- Mitternacht nahte heran, als man von allen Seiten sich zum

Aufbruch anschickte. -- Alexander erschien, um seine Frau wegzuführen;

Arm in Arm gelangten beide zu ihrem Wagen. Jedoch glaubte Alexander zu

bemerken, daß nicht nur der Arm, sondern der ganze Körper seiner Frau

von aller Kraft entblößt war.

Man sprach sowohl beim Einsteigen als auch während der Fahrt kein Wort.

Nur in der Nähe ihrer Wohnung erst war es, wo Cölestine wie aus einem

tiefen Schlafe erwachte. „Ach! schon zu Hause?“ sagte sie, und er

erwiederte eintönig: „Schon zu Hause!“ Hierauf schwiegen sie wieder. Er

hob sie aus dem Wagen. -- Vor ihren Gemächern verabschiedete er sich

von ihr, indem er vorgab, diese Nacht in seinem Studierzimmer zubringen

zu wollen.

„Wachend?“ fragte sie.

„Nein, nein; im Schlafe!“ entgegnete er, ergriff ihre Hand, führte sie

zu seinen Lippen und wollte forteilen. Aber sie faßte ihn plötzlich,

zog ihn zurück, sah ihn einige Augenblicke stumm und mit einem

unbeschreiblichen Ausdruck von Schmerz an -- preßte sodann seine Hand

an ihr Herz und fragte endlich mit matter Stimme: „Warum willst Du

die Nacht so fern von mir zubringen, Alexander?“ Und als er schwieg,

fuhr sie fort: „Du zürnst mir, Du verdammst mich... Aber ein Gott ist

mein Zeuge, daß ich mir nichts vorzuwerfen habe! -- O Alexander, mein

Gemahl, ich liebe Dich so innig! Könntest Du in mein Herz sehen!“

Sie wollte noch weiter sprechen, er hatte sich jedoch bereits sachte

losgemacht, und noch ein Mal „Gute Nacht!“ wünschend, war er über den

Corridor verschwunden. --

-- Er betrat, wie er gesagt hatte, sein Studierzimmer, schraubte die

Lampe, die hier bereits brannte, höher, warf einige Kleidungsstücke ab

und sich in seinen Schlafrock. Sodann verschloß er die Thür, ließ die

doppelten Rouleaux vor den Fenstern herab, setzte sich an den Tisch und

legte seine Taschenuhr, die sehr verläßlich war, vor sich nieder. --

Cölestine, oder der eheliche Verdacht; Erster Theil (von 2) · 第 11 / 12 题