Helga brauchte nicht mehr zu hören: sie verstand, daß sie fort müsse,

und erklärte sogleich, daß sie gehen wolle; aber eine andre Stelle wolle

sie nicht annehmen, sondern sie kehre nach Hause zurück.

Man merkte wohl, daß sie auf Närlunda Helga nicht aus freiem Willen

kündigten.

Am Abschiedstage war so viel Essen aufgetischt, daß es ein förmlicher

Schmaus war, und Mutter Ingeborg steckte ihr eine solche Menge Kleider

und Schuhe zu, daß sie, die nur mit einem Bündel unter dem Arm gekommen

war, ihre Besitztümer jetzt kaum in einer Kiste unterbringen konnte.

»Ich bekomme nie wieder eine so gute Magd wie dich in mein Haus,« sagte

Mutter Ingeborg. »Und denke nun nicht zu schlecht von mir, weil ich dich

ziehen lasse! Du weißt wohl, daß es nicht mit meinem Willen geschieht.

Ich werde dich nicht vergessen. Solange ich noch Macht habe, wirst du

keine Not leiden müssen.«

Sie machte mit Helga ab, daß sie ihr Laken und Handtücher weben solle.

Und sie gab ihr Arbeit für mindestens ein halbes Jahr.

Am Abschiedstage stand Gudmund im Schuppen und hackte Holz. Er kam

nicht herein, ihr Lebewohl zu sagen, obgleich das Pferd schon vor der

Tür stand. Er schien so vertieft zu sein in seine Arbeit, daß er gar

nicht merkte, was vorging. Sie mußte hinausgehen, um ihm Lebewohl zu

sagen.

Er legte die Axt hin, gab Helga die Hand, sagte etwas hastig: »Ich danke

dir für all die Zeit!« und begann dann wieder zu arbeiten. Helga hatte

sagen wollen, sie sähe ein, daß es unmöglich für ihn sei, sie zu

behalten, und daß alles ihre eigne Schuld sei. Sie selbst hätte es so

für sich eingerichtet. Aber Gudmund schlug zu, daß die Späne rings um

ihn flogen, und da konnte sie sich nicht entschließen, etwas zu sagen.

Aber das Merkwürdigste an der ganzen Sache war, daß der Bauer selbst,

der alte Erland Erlandsson, Helga zum Moorhof hinauffuhr.

Gudmunds Vater war ein kleines, trocknes Männchen mit kahlem Scheitel

und schönen, klugen Augen. Er war so verschlossen und schweigsam, daß er

zuweilen den ganzen Tag kein Wort sprach. Solange alles ging, wie es

gehen sollte, bemerkte man ihn gar nicht. Aber wenn etwas nicht klappte,

dann kam er immer und sagte und tat, was gesagt und getan werden mußte,

um alles wieder in Ordnung zu bringen. Er war sehr geschickt im

Rechnungführen und genoß unter den Männern des Kirchspiels großes

Vertrauen. Er bekam auch alle möglichen kommunalen Aufträge und war

angesehener als so mancher, der einen schönen Hof und großen Reichtum

besaß.

Erland Erlandsson also fuhr Helga auf dem schlechten Wege heim und ließ

nicht zu, daß sie bei irgendeiner steilen Stelle ausstieg. Als sie auf

dem Moorhof angelangt waren, saß er lange in der Hütte und sprach mit

Helgas Eltern und erzählte ihnen, wie zufrieden er und Mutter Ingeborg

mit ihr gewesen waren. Nur weil sie jetzt nicht mehr so viele

Dienstleute brauchten, müßten sie sie nach Hause schicken. Sie hätte

gehen müssen, weil sie die Jüngste wäre. Sie hätten es unrecht gefunden,

jemand fortzuschicken, der schon lange bei ihnen diente.

Erland Erlandssons Rede machte einen guten Eindruck, und die Eltern

bereiteten Helga einen freundlichen Empfang. Als sie dazu noch hörten,

sie hätte so große Bestellungen erhalten, daß sie sich mit ihrer Weberei

das Brot verdienen könne, waren sie es recht zufrieden, daß sie nun

daheim blieb.

4

Gudmund kam es vor, als ob er Hildur Erikstochter bis zu dem Tage

geliebt hätte, an dem sie ihm das Versprechen abgezwungen, daß Helga aus

Närlunda fort sollte. Wenigstens hatte es bis dahin niemand gegeben, den

er mehr bewundert und geachtet hätte. Kein junges Mädchen schien ihm

Hildur an die Seite gestellt werden zu können, und er war sehr stolz

darauf gewesen, daß er sie gewonnen hatte. Es war ihm auch ein lieber

Gedanke, sich die Zukunft mit ihr zusammen vorzustellen. Sie würden

reich und angesehen sein, und er hatte das sichere Gefühl, daß es sich

in dem Heim, wo Hildur das Regiment führte, gut leben lassen müßte. Er

dachte auch gern daran, daß er viel Geld haben würde, wenn er mit ihr

verheiratet wäre. Er könnte seine Wirtschaft verbessern, könnte alle

verfallnen Hütten wieder aufbauen und den Hof erweitern, so daß er ein

richtiger Großbauer würde.

An demselben Sonntag, da er mit Helga von der Kirche heimging, war er

abends nach Älvåkra gefahren. Da hatte Hildur angefangen von Helga zu

sprechen und hatte gesagt, daß sie nicht nach Närlunda kommen wolle, ehe

die Dirne von dort fort sei. Gudmund versuchte zuerst, das Ganze als

einen Scherz fortzulachen. Aber es zeigte sich bald, daß es Hildur ernst

war. Gudmund führte Helgas Sache sehr beredt; er sagte, sie sei noch so

jung gewesen, als sie in den Dienst geschickt wurde, da sei es nicht zu

verwundern, daß sie ins Unglück gekommen wäre, wo sie an einen so

schlechten Menschen geraten war wie Per Martensson. Aber seit seine

Mutter sich ihrer angenommen, hätte sie sich immer gut betragen. »Es

kann nicht Recht sein, sie wieder hinauszustoßen,« sagte er. »Da könnte

sie ja wieder ins Elend kommen.«

Aber Hildur hatte nicht nachgeben wollen. »Wenn das Mädchen auf Närlunda

bleibt, so komme ich nie hin,« sagte sie. »Ich kann eine solche Person

in meinem Hause nicht dulden.« -- »Du weißt nicht, was du tust,« sagte

Gudmund. »Niemand hat Mutter noch so gut gepflegt wie Helga. Wir sind

alle froh, daß sie zu uns gekommen ist; früher war Mutter oft

verdrießlich und schlechter Laune.« -- »Ich zwinge dich ja nicht, sie

fortzuschicken,« sagte Hildur, aber man merkte: sie war, wenn Gudmund

ihr in dieser Sache nicht den Willen täte, entschlossen, die Heirat

aufzugeben. -- »Nein, es soll so sein, wie du willst,« sagte Gudmund

schließlich. Er fand, daß er Helgas wegen doch nicht seine ganze Zukunft

aufs Spiel setzen könnte. Aber er sah sehr blaß aus, als er so nachgab,

und war den ganzen Abend schweigsam und verstimmt.

Diese Sache nun ließ Gudmund befürchten, daß Hildur vielleicht nicht

ganz so sei, wie er sie sich vorgestellt hatte. Es gefiel ihm nicht, daß

sie ihren Willen über den seinen gesetzt hatte; aber das Schlimmste war:

er konnte sich nicht verhehlen, daß sie im Unrecht war. Er sagte sich,

daß er ihr gern nachgegeben hätte, wenn sie sich großherzig gezeigt

haben würde; aber nun schien es ihm, daß sie nur kleinlich und herzlos

gewesen wäre.

Jedesmal von da an, wenn Gudmund Hildur traf, saß er und suchte und

spähte, ob das, was er in ihr zu finden geglaubt hatte, sich wieder

zeigen würde. Nun sein Mißtrauen einmal geweckt war, dauerte es nicht

lange, und er fand manches, was nicht so war, wie er es sich gewünscht

hätte. »Sie ist wohl so eine, die zu allererst an sich selbst denkt,«

murmelte er jedesmal, wenn er sich von ihr trennte, und er fragte sich,

wie lange wohl ihre Liebe zu ihm standhalten würde, wenn man sie auf die

Probe stellte. Er suchte sich damit zu trösten, daß alle Menschen

zuerst an sich selbst dächten; aber sogleich fiel ihm Helga ein. Er sah

sie vor sich, wie sie im Thingsaal gestanden und die Bibel an sich

gerissen hatte, er hörte, wie sie rief: »Ich will die Klage

zurückziehen. Ich hab ihn noch lieb. Ich will nicht, daß er falsch

schwört.« So hätte er sich Hildur gewünscht. Helga war ihm ein Maß

geworden, nach dem er die Menschen beurteilte, -- wahrlich, es gab nicht

viele, die ein so liebevolles Herz hatten.

Von Tag zu Tag gefiel ihm Hildur weniger; aber er kam nie auf den

Gedanken, daß er von der Heirat abstehen könnte. Er suchte sich

einzureden, daß sein Mißmut nichts andres sei als leere Grillen. Vor

einigen Wochen erst hatte er sie ja für die Beste gehalten, die es gäbe.

Wäre er noch am Anfang seiner Werbung gewesen, dann hätte er sich

vielleicht zurückgezogen. Aber jetzt waren sie schon aufgeboten, der

Hochzeitstag war bestimmt, und bei ihm daheim hatten sie bereits große

Ausbesserungen in Angriff genommen. Er wollte auch den Reichtum und die

gute Stellung, die ihn erwarteten, nicht preisgeben. Und welchen Grund

hätte er für einen Bruch anzuführen vermocht? Was er gegen Hildur

einzuwenden hatte, war so unbedeutend, daß es sich auf seinen Lippen in

Luft verwandeln würde, wenn er versuchen wollte, es auszusprechen.

Aber das Herz war ihm oft schwer, und jedesmal, wenn er im Kirchdorf

oder in der Stadt etwas zu besorgen hatte, ließ er sich Bier oder Wein

geben, um sich eine gute Laune anzutrinken. Wenn er ein paar Flaschen

geleert hatte, war er wieder stolz auf die Heirat und zufrieden mit

Hildur. Dann begriff er gar nicht, was ihn eigentlich quäle.

Gudmund dachte oft an Helga und empfand Sehnsucht, sie zu treffen. Aber

er glaubte, daß Helga ihn für einen schlechten Kerl halte, weil er dem

Versprechen, das er ihr freiwillig gegeben hatte, untreu geworden war

und sie hatte ziehen lassen. Er konnte es ihr weder erklären, noch sich

rechtfertigen, und darum vermied er es, mit ihr zusammenzutreffen.

Doch eines Morgens, als Gudmund gerade über die Straße ging, begegnete

er Helga, die im Tal gewesen war, Milch zu kaufen. Gudmund kehrte um und

schloß sich ihr an. Sie schien über seine Gesellschaft nicht gerade

erfreut zu sein, sondern schritt rasch aus, als wolle sie von ihm

fortkommen, und sagte kein Wort. Auch Gudmund schwieg, weil er nicht

recht wußte, wie er ein Gespräch einleiten solle.

Da kam vom andern Ende der Straße ein Gefährt heran. Gudmund ging in

Gedanken versunken und bemerkte es nicht, aber Helga hatte es gesehen

und wendete sich nun plötzlich zu ihm. »Es hat keinen Zweck, daß du mit

mir weitergehst, Gudmund; denn wenn ich recht sehe, kommen da Amtmanns

aus Älvåkra gefahren.« Gudmund sah rasch auf, erkannte Pferd und Wagen

und machte eine Bewegung, als ob er umkehren wolle. Im nächsten

Augenblick jedoch richtete er sich auf und ging ruhig an Helgas Seite

weiter wie zuvor; und sie trennten sich, ohne daß er ihr ein Wort gesagt

hatte. Aber an diesem ganzen Tage war er zufriedener mit sich selbst,

als er seit lange gewesen war.

5

Es war bestimmt, daß Gudmund und Hildurs Hochzeit am zweiten

Pfingstfeiertag auf Älvåkra gefeiert werden sollte. Am Freitag vor

Pfingsten fuhr Gudmund in die Stadt, einige Einkäufe für einen

Begrüßungsschmaus zu machen, der am Tage nach der Hochzeit auf Närlunda

stattfinden sollte. In der Stadt traf er mit einigen andern jungen

Burschen aus seinem Kirchspiel zusammen. Sie wußten, daß dies Gudmunds

letzter Stadtbesuch vor der Hochzeit war, und nahmen dies zum Anlaß, ein

großes Trinkgelage zu veranstalten. Alle legten es darauf an, daß

Gudmund trinke, und es gelang ihnen schließlich, ihn ganz bewußtlos zu

machen.

Am Samstag morgen kam er so spät nach Hause, daß sein Vater und der

Knecht schon zu ihrer Arbeit gegangen waren, und er schlief bis tief in

den Nachmittag. Als er aufstand und sich anziehen wollte, sah er, daß

sein Rock an mehreren Stellen zerrissen war. »Das sieht ja aus, als wenn

ich heute Nacht eine Schlägerei gehabt hätte,« sagte er und versuchte,

sich zu besinnen, was geschehen wäre, erinnerte sich jedoch nur, daß er

gegen elf Uhr in Gesellschaft der andern aus dem Wirtshaus gegangen war,

aber wohin sie sich dann begeben hätten, das konnte er sich nicht

zurückrufen. Es war, als versuchte er, in eine große Dunkelheit

hineinzustarren. Er wußte nicht, ob sie sich nur auf den Straßen

herumgetrieben hätten, oder ob sie noch irgendwo eingekehrt wären. Er

konnte sich auch nicht erinnern, ob er selbst oder irgendein andrer sein

Pferd eingespannt hätte, und er hatte gar keine Erinnerung an die

Heimfahrt.

Als er in die Wohnstube trat, war sie der Feiertage wegen gescheuert und

gefegt. Alle Arbeit war beendigt, und das Hausgesinde trank Kaffee.

Niemand sagte etwas über Gudmunds Ausbleiben. Es schien ein

stillschweigendes Übereinkommen zu sein, daß er in diesen letzten Wochen

die Freiheit haben solle, so zu leben, wie es ihm behagte.

Gudmund setzte sich an den Tisch und bekam seinen Kaffee wie die andern.

Während er so dasaß und ihn aus der Schale in die Untertasse und dann

wieder in die Schale goß, um ihn abkühlen zu lassen, wurde Mutter

Ingeborg mit dem ihren fertig; sie nahm die Zeitung zur Hand, die eben

gekommen war, und begann zu lesen. Sie las Spalte für Spalte vor, und

Gudmund, der Vater und die andern saßen da und hörten zu.

Unter anderm las sie einen Bericht vor über eine Schlägerei, die in der

vorhergehenden Nacht auf dem großen Marktplatz zwischen einer Schar

betrunkner Bauern und einigen Arbeitern stattgefunden hatte. Sobald die

Polizei sich zeigte, waren die Streitenden entflohen; nur einer von

ihnen hatte leblos auf dem Marktplatz gelegen. Man trug den Gefallenen

auf die Polizeistation, und da man keine äußere Verletzung an ihm

entdecken konnte, begann man Belebungsversuche zu machen. Alle

Bemühungen waren jedoch vergebens, und schließlich entdeckte man, daß

eine Messerklinge in seinem Kopfe stak. Es war die Klinge eines

ungewöhnlich großen Taschenmessers, die durch die Hirnschale ins Gehirn

eingedrungen und dicht am Kopfe abgebrochen war. Der Mörder war mit dem

Messerschaft entflohen, aber da die Polizei die Leute, die an der

Schlägerei beteiligt waren, genau kannte, bestand die Hoffnung, man

würde ihn bald finden.

Während Mutter Ingeborg dies las, stellte Gudmund die Kaffeetasse hin,

fuhr mit der Hand in die Tasche, zog sein Messer hervor und warf einen

gleichgültigen Blick darauf. Aber mit einem Mal zuckte er zusammen,

drehte das Messer um und steckte es dann so hastig in die Tasche, als

hätte er sich daran verbrannt. Er rührte den Kaffee nicht mehr an,

sondern blieb lange ganz still mit einem nachdenklichen Ausdruck sitzen.

Seine Stirn legte sich in tiefe Falten. Es war deutlich zu sehen, daß er

mit aller Macht versuchte, sich über etwas klar zu werden.

Endlich stand er auf, streckte sich, gähnte und ging langsam auf die Tür

zu. »Ich muß mir ein bißchen Bewegung machen. Ich bin den ganzen Tag

nicht aus dem Hause gewesen,« sagte er und verließ das Zimmer.

Ungefähr gleichzeitig erhob sich auch Erland Erlandsson. Er hatte seine

Pfeife ausgeraucht und ging nun in die Kammer, sich neuen Tabak zu

holen. Als er da drinnen stand und die Pfeife stopfte, sah er Gudmund

vorübergehen. Die Fenster der Kammer gingen nicht auf den Hof, wie die

der Wohnstube, sondern auf ein kleines Gärtchen, in dem ein paar hohe

Apfelbäume standen. Unterhalb des Gärtchens lag ein Sumpfland wo um die

Frühlingszeit große Wasserpfützen waren, die aber im Sommer fast ganz

austrockneten. Dahin pflegte selten jemand zu gehen. Erland Erlandsson

fragte sich, was Gudmund da wohl zu suchen habe, und folgte ihm mit den

Blicken. Da sah er, wie der Sohn die Hand in die Tasche steckte, einen

Gegenstand herauszog und ihn in den Morast warf. Dann ging er durch das

kleine Gärtchen, sprang über einen Zaun und entfernte sich in der

Richtung nach der Straße.

Sowie der Sohn außer Sehweite war, verließ Erland ebenfalls das Haus und

begab sich an den Morast. Hier watete er in den Schlamm hinaus, beugte

sich zu Boden und hob etwas auf, woran er mit dem Fuß gestoßen war. Es

war ein großes Taschenmesser, dessen größte Klinge abgebrochen war. Er

drehte es nach allen Seiten und besah es genau, während er noch immer im

Wasser stand. Dann steckte er es in die Tasche, zog es aber noch ein

paarmal heraus und betrachtete es prüfend, ehe er wieder ins Haus

zurückging.

Gudmund kam erst heim, als sich alle schon niedergelegt hatten. Er ging

sofort zu Bett, ohne das Abendbrot zu berühren, das in der Wohnstube

aufgetischt stand.

Erland Erlandsson und sein Weib schliefen in der Kammer. Um das

Morgengrauen glaubte Erland Schritte vor dem Fenster zu hören. Er stand

auf, zog die Gardinen zurück und sah, daß Gudmund zum Morast

hinunterging. Dort legte er Strümpfe und Schuhe ab, ging ins Wasser

hinaus und wanderte hin und her, wie einer, der etwas sucht. Das tat er

lange, dann ging er wieder an das Ufer, als wollte er seiner Wege gehen,

kehrte aber bald um und suchte weiter. Eine ganze Stunde stand der Vater

da und sah ihm zu, dann begab sich Gudmund ins Haus und legte sich

wieder schlafen.

Am Pfingsttag sollte Gudmund zur Kirche fahren. Als er das Pferd

einzuspannen begann, kam der Vater über den Hof. »Du hast vergessen, das

Geschirr zu putzen,« sagte er, als er vorbeiging. Denn Geschirr und

Wagen waren schmutzig und ungescheuert. -- »Ich hab an andre Dinge zu

denken gehabt,« sagte Gudmund mürrisch und fuhr davon, ohne etwas

dergleichen zu tun.

Nach dem Gottesdienst begleitete Gudmund seine Braut nach Älvåkra und

blieb den ganzen Tag dort. Es kam eine Menge jungen Volkes zusammen, um

Hildurs letzten Jungfernabend zu feiern, und man tanzte bis tief in die

Nacht hinein. Es gab auch viel zu trinken, aber Gudmund rührte nichts

an. Den ganzen Abend sprach er kaum ein Wort zu irgend jemand, aber er

tanzte wild und lachte zuweilen laut und schrill auf, ohne daß jemand

wußte, worüber.

Gudmund kam nicht vor zwei Uhr nach Hause, und sobald er das Pferd in

den Stall geführt hatte, ging er zu dem Sumpf hinter dem Hause. Er

streifte die Schuhe ab, krempelte die Hosen hinauf und watete ins

Wasser. Es war eine helle Sommernacht, und der Vater stand in dem

Kämmerchen hinter der Gardine und sah dem Sohne zu. Er sah, wie er tief

über das Wasser gebeugt einherging und suchte wie in der Nacht zuvor.

Von Zeit zu Zeit ging er wieder an das Ufer, so als verzweifelte er,

etwas zu finden, aber nach einer Weile watete er wieder in das Wasser

hinaus. Einmal ging er in den Stall und holte einen Eimer und begann

Wasser aus den kleinen Pfützen zu schöpfen, als wollte er sie

trockenlegen, aber fand es sicherlich zwecklos und stellte den Eimer

wieder weg. Er versuchte es auch mit einem Sieb. Er durchsuchte den

ganzen Sumpf damit, aber schien nichts andres heraufzubekommen als

Schlamm. Erst um die Morgenstunde kam er herein, als die Leute im Hause

sich schon zu rühren begannen. Da war er so müde und übernächtig, daß er

im Gehen schwankte, und warf sich aufs Bett, ohne die Kleider abzulegen.

Als die Uhr acht schlug, kam der Vater und weckte ihn. Gudmund lag auf

dem Bett, die Kleider voll Schlamm und Lehm; aber der Vater fragte

nicht, was er angestellt habe, sondern sagte nur, es sei jetzt Zeit

aufzustehen, und schloß die Tür. Nach einer Weile kam Gudmund in die

Wohnstube herunter, mit den feinen Hochzeitskleidern angetan. Er war

bleich, und die Augen brannten in unruhigem Glanz, aber niemand hatte

ihn je so schön gesehen. Die Züge waren wie von einem inneren Schein

verklärt. Man glaubte einen Menschen zu sehen, der nicht mehr aus

Fleisch und Blut bestünde, sondern nur noch aus Wille und Seele.

Unten in der Wohnstube sah es festlich aus. Die Mutter hatte ihr

schwarzes Kleid angelegt und einen schönen Seidenschal über die

Schultern gehängt, obgleich sie nicht zur Hochzeit fahren wollte. Auch

alle Dienstleute waren in ihren besten Kleidern. Über dem Herde stak

frisches Birkenlaub, auf dem Tische lag eine schöne Decke, und viele

Schüsseln standen darauf.

Als sie gegessen hatten, las Mutter Ingeborg einen Psalm und ein Stück

aus der Bibel vor. Dann wendete sie sich an Gudmund, dankte ihm, weil er

ihr ein guter Sohn gewesen war, wünschte ihm Glück für sein zukünftiges

Leben und gab ihm ihren Segen. Mutter Ingeborg wußte ihre Worte gut zu

setzen, und Gudmund war sehr gerührt. Immer wieder traten ihm die Tränen

in die Augen, aber es gelang ihm doch, das Weinen zu unterdrücken. Auch

der Vater sprach ein paar Worte. »Es wird schwer für deine Eltern sein,

dich zu verlieren,« sagte er, und Gudmund war wieder nahe daran, in

Schluchzen auszubrechen. Auch alle Dienstleute traten vor, schüttelten

ihm die Hand und dankten ihm für die Zeit, die nun zu Ende war.

Beständig hingen Gudmund die Tränen in den Wimpern. Er räusperte sich

und machte ein paar Versuche, zu sprechen, doch brachte er kaum ein Wort

über die Lippen.

Der Vater sollte ihn in das Haus der Braut begleiten und der Hochzeit

beiwohnen. Er ging in den Hof, spannte das Pferd ein und kam dann

wieder, um zu sagen, daß es Zeit sei, sich auf den Weg zu machen. Als

Gudmund sich in den Wagen setzte, merkte er, daß alles so spiegelblank

war, wie er es selbst immer gern gehabt hatte. Zugleich sah er auch, wie

fein der Hof herausgeputzt war; der Zufahrtsweg war frisch beschottert;

alte Holzhaufen und andres Gerümpel, das Zeit seines Lebens dort

gelegen, waren fortgeschafft. Zu beiden Seiten der Eingangstür standen

ein paar abgehauene Birken als Triumphpforte, an der Wetterfahne hing

ein großer Blumenkranz, und aus allen Fensterluken guckten lichtgrüne

Birkenreiser. Wieder war Gudmund nahe daran, in Tränen auszubrechen. Er

drückte dem Vater, der eben das Pferd in Gang setzen wollte, heftig die

Hand. Es war, als wollte er ihn von der Fahrt abhalten. »Willst du

etwas?« sagte der Vater. -- »Ach nein,« sagte Gudmund »Es ist wohl am

besten, wenn wir uns auf den Weg machen.«

Bevor sie weit vom Hofe waren, mußte Gudmund noch einmal Abschied

nehmen. Es war Helga vom Moorhof, die an der Stelle stand und wartete,

wo der Waldpfad von ihrem Heim her auf den Weg mündete. Der Vater, der

kutschierte, hielt an, sowie er Helga erblickte. »Ich hab auf euch

gewartet, weil ich Gudmund Glück wünschen möchte,« sagte Helga. Gudmund

beugte sich aus dem Wagen und schüttelte Helga die Hand. Er glaubte zu

sehen, daß sie abgemagert war, ihre Augen waren rot gerändert. Sie lag

wohl nachts und weinte und sehnte sich nach Närlunda. Aber jetzt

trachtete sie, fröhlich auszusehen, und lächelte ihm zu. Er war wieder

sehr gerührt, konnte aber nichts sagen. Der Vater, der ja in dem Rufe

stand, daß er nicht sprach, ehe die Not am höchsten war, fiel ein: »Ich

glaube, über diesen Glückwunsch freut sich Gudmund mehr als über irgend

einen andern.« -- »Ja, das ist sicher,« sagte Gudmund. Sie schüttelten

sich noch einmal die Hand, und dann fuhr der Vater weiter. Gudmund

beugte sich aus dem Wagen und sah Helga nach. Als sie von ein paar

Bäumen verdeckt wurde, riß er plötzlich den Fußsack fort und erhob sich,

als wolle er aus dem Wagen springen. -- »Willst du Helga noch etwas

sagen?« fragte der Vater. -- »Nein, ach nein,« antwortete Gudmund und

setzte sich wieder zurecht.

Sie fuhren noch eine kleine Strecke. Der Vater fuhr sehr gemächlich. Es

war, als mache es ihm Freude, so mit seinem Sohne neben sich zu fahren.

Er machte keinerlei Anstalten, rasch ans Ziel zu kommen.

Plötzlich ließ Gudmund den Kopf auf die Schulter des Vaters sinken und

brach in heftiges Schluchzen aus. »Was ist dir?« fragte Erland und zog

die Zügel so plötzlich an, daß das Pferd mit einem Ruck stehen blieb.

-- »Ja, alle sind so gut gegen mich, und ich verdien es nicht.« -- »Du

hast doch nichts Böses getan?« -- »Doch, Vater, das habe ich.« -- »Das

wollen wir doch nicht glauben.« -- »Ja, ich hab einen Menschen

erschlagen.«

Der Vater holte tief Atem. Es klang beinahe wie ein Seufzer der

Erleichterung; Gudmund hob erstaunt den Kopf und sah ihn an. Der Vater

ließ das Pferd wieder in Trab fallen, dann sagte er still: »Ich bin

froh, daß du es selbst gesagt hast.« -- »Wußtet Ihr es denn schon,

Vater?« -- »Ich sah schon Samstag abend, daß irgend etwas nicht in

Ordnung war. Und dann fand ich dein Messer im Morast.« -- »Ach so, Ihr

habt das Messer gefunden!« -- »Ich hab es gefunden, und ich sah, daß die

eine Klinge abgebrochen war.«

»Ja, Vater, ich weiß, daß die Klinge abgebrochen ist. Aber ich kann mir

doch nicht denken, daß ich es getan haben soll.« -- »Es ist wohl im

Rausch geschehen.« -- »Ich weiß nichts, ich kann mich an nichts erinnern.

Ich sehe es an meinen Kleidern, daß ich bei einer Rauferei war, und ich

weiß, daß die Messerklinge fort ist.« -- »Ich verstehe, daß du es

verschweigen wolltest,« sagte der Vater. -- »Ich dachte, die andern

waren gewiß ebenso sinnlos betrunken wie ich und können sich an nichts

erinnern. Es liegt vielleicht sonst kein Beweis gegen mich vor als das

Messer, und darum hab ich es fortgeworfen.« -- »Ich kann mir denken,

daß du dir die Sache so zurechtgelegt hast.« -- »Ihr versteht, Vater:

ich weiß nicht, wer der Tote ist; ich hab ihn vielleicht nie im Leben

gesehen. Ich kann mich nicht erinnern, daß ich es getan habe. Und da

sagte ich mir, ich brauchte doch nicht für etwas zu leiden, was ich

nicht mit Willen getan habe. Aber bald sah ich ein, daß es eine Tollheit

war, das Messer in den Sumpf zu werfen. Er trocknet doch im Sommer aus,

und da kann es ein jeder finden. Darum wollte ich es gestern Nacht und

heute Nacht suchen.« -- »Hast du gar nicht daran gedacht, zu gestehen?«

-- »Nein, gestern dachte ich nur, wie ich es geheimhalten könnte, und ich

versuchte zu tanzen und vergnügt zu sein, damit mir niemand etwas

anmerkte.« -- »War es deine Absicht, vor den Traualtar zu treten, ohne

zu gestehen? Das ist eine große Verantwortung. Sahst du nicht ein, daß

du Hildur und ihre Familie mit in dein Elend ziehst, wenn man dich

entdeckt?« -- »Ich dachte, daß ich sie am besten verschonte, wenn ich

nichts sagte.«

Sie fuhren im Galopp den Weg entlang. Der Vater schien es jetzt sehr

eilig zu haben, ans Ziel zu kommen. Die ganze Zeit sprach er zu dem

Sohne. Er hatte ihm vorher in seinem ganzen Leben nicht so viele Worte

gesagt.

»Ich wüßte gerne, wodurch du andrer Meinung geworden bist,« sagte er. --

»Weil Helga kam und mir Glück wünschte. Da brach etwas Hartes in mir.

Ich war so gerührt über sie. Ich war auch heute morgen über Mutter und

über Euch gerührt, und ich wollte sprechen und sagen, daß ich eure Liebe

nicht verdiene, aber das Harte war damals noch in mir und leistete

Widerstand. Aber als Helga kam, da war es aus und geschehen. Ich meinte,

sie müßte mir eigentlich böse sein, weil ich doch schuld daran bin, daß

sie von daheim fort mußte.«

»Nun, denke ich, wirst du mit mir einig sein, daß wir dies gleich den

Amtmann wissen lassen müssen,« sagte der Vater. -- »Ja,« antwortete

Gudmund mit leiser Stimme. »Ja gewiß,« fügte er gleich darauf lauter und

fester hinzu, »ich will Hildur nicht in mein Unglück hineinziehen. Sie

würde es mir nie verzeihen.« -- »Die Älvåkraleute halten ihre Ehre hoch,

sie wie andre,« sagte der Vater, »und das magst du wissen, Gudmund: als

ich heute morgen von daheim fortfuhr, da sagte ich mir, ich muß es dem

Amtmann erzählen, wie es um dich steht, wenn du dich nicht

entschließest, es selbst zu tun. Wie hätte ich schweigend zusehen und

Hildur einen heiraten lassen können, dem jede Stunde eine Anklage wegen

Mordes droht.«

Er klatschte mit der Peitsche und fuhr in immer rasenderem Galopp. »Das

wird das Schwerste für dich sein,« sagte er. »Wir müssen es so

einrichten, daß es bald überstanden ist. Ich denke, der Amtmann und

seine Familie werden es recht von dir finden, daß du dich selbst

angibst, und sie werden freundlich gegen dich sein.«

Gudmund antwortete nichts. Er sah immer gequälter aus, je mehr sie sich

Älvåkra näherten. Der Vater sprach weiter, um ihm Mut zu machen.

»Ich habe einmal eine ähnliche Geschichte gehört,« sagte er. »Ein

Bräutigam hatte einen Kameraden auf der Jagd erschossen. Es war nicht

seine Absicht gewesen, und man hatte nicht entdeckt, daß er es war, der

den tödlichen Schuß abgefeuert hatte. Aber ein paar Tage später sollte

er heiraten; und als er in das Hochzeitshaus kam, da ging er zur Braut

und sagte: >Aus der Hochzeit kann nichts werden. Ich will dich nicht in

das Elend hineinziehen, das mich erwartet.< Aber sie stand schon fertig

geschmückt da, in Krone und Schleier, und sie nahm ihn bei der Hand und

führte ihn in den Saal, wo die Gäste versammelt waren und alles für die

Trauung bereit war. Und sie erzählte allen mit lauter Stimme, was ihr

der Bräutigam eben gesagt hatte. >Dies erzähle ich, damit alle wissen,

daß du nicht falsch gegen mich gewesen bist<, sagte sie dann und wendete

sich an den Bräutigam. >Aber jetzt will ich mich gleich mit dir trauen

lassen. Denn du bleibst der, der du bist, wenn du auch ins Unglück

gekommen bist; und was dich auch erwartet, das will ich gemeinsam mit

dir tragen.<«

Als der Vater mit seiner Erzählung zu Ende war, waren sie gerade bei der

langen Gasse angelangt, die nach Älvåkra führte. Gudmund sagte mit einem

wehmütigen Lächeln zu ihm: »So wird es uns nicht ergehen.« -- »Wer

weiß,« antwortete der Vater und richtete sich im Wagen auf. Er sah den

Sohn an und mußte wieder staunen, wie schön der an diesem Tage war. »Es

sollte mich nicht wundern, wenn ihm etwas Großes und Unerwartetes

widerführe,« dachte er.

Es sollte eine Kirchenhochzeit sein, und eine Menge Leute hatten sich

schon bei den Brauteltern versammelt, um im Hochzeitszuge mitzufahren.

Auch viele Verwandte des Amtmanns waren von weit und breit gekommen. Sie

saßen in ihrem besten Staat auf dem Flur, bereit zur Fahrt in die

Kirche. Wagen und Kutschen standen im Hof, und man hörte, wie die Pferde

im Stalle stampften, während sie gestriegelt wurden. Der Dorfspielmann

saß allein auf der Treppe der Scheuer und stimmte die Fiedel. An einem

Fenster im oberen Stockwerk stand die Braut fertig angekleidet und hielt

Ausschau, um den Bräutigam zu sehen, bevor der sie erspäht hätte.

Erland und Gudmund stiegen aus dem Wagen und sagten sogleich, daß sie

mit Hildur und ihren Eltern allein sprechen müßten. Bald standen sie

alle in einem kleinen Zimmer, wo der Amtmann sein Schreibpult hatte.

»Ich denke, Herr Amtmann, Sie haben in den Zeitungen von jener

Schlägerei in der Stadt gelesen, bei der ein Mensch ermordet wurde, in

der Nacht vom Freitag auf Samstag,« sagte Gudmund so rasch, als leiere

er eine Lektion herunter. -- »Ja freilich habe ich davon gelesen,« sagte

der Amtmann. -- »Ich war nämlich in jener Nacht in der Stadt,« fuhr

Gudmund fort.

Jetzt kam keine Antwort. -- Es wurde totenstill. Gudmund war es, als ob

alle ihn mit einem solchen Entsetzen anstarrten, daß er nicht

weitersprechen konnte. Aber der Vater kam ihm zu Hilfe. -- »Gudmund war

von ein paar Freunden eingeladen. -- Er hat in jener Nacht wohl zu viel

getrunken, denn als er heimkam, wußte er gar nicht, was mit ihm

geschehen war. Aber man merkte es ihm an, daß er bei einer Rauferei

gewesen war, denn seine Kleider waren zerrissen.« Gudmund sah, wie das

Entsetzen, das die andern empfanden, mit jedem Worte zunahm, aber er

selbst wurde ruhiger. Ein Gefühl des Trotzes erwachte in ihm, und er

ergriff wieder das Wort: »Als nun am Samstag abend die Zeitung kam und

ich von der Schlägerei las und von der Messerklinge, die in der

Hirnschale des Mannes stecken geblieben war, da zog ich mein Messer

hervor und sah, daß eine Klinge fehlte.« -- »Das sind schlimme

Neuigkeiten, die du da bringst, Gudmund,« sagte der Amtmann. »Es wäre

richtiger gewesen, wenn du uns das gestern gesagt hättest.« -- Gudmund

schwieg, und da kam ihm der Vater wieder zu Hilfe. -- »Es war nicht so

leicht für Gudmund. Die Versuchung, das Ganze zu verschweigen, war sehr

groß. Er verliert sehr viel durch dieses Geständnis.« -- »Ja, wir müssen

noch froh sein, daß er jetzt gesprochen hat, so daß wir nicht in das

Elend hineingezogen werden,« sagte der Amtmann bitter.

Gudmund hielt seine Augen die ganze Zeit auf Hildur gerichtet. Sie trug

Krone und Schleier; und nun sah er, wie sie die Hand hob und eine der

großen Nadeln herauszog, die die Krone festhielten. Sie schien dies ganz

unbewußt getan zu haben. Als sie merkte, daß Gudmunds Blicke auf ihr

ruhten, steckte sie die Nadel wieder hinein.

»Es ist ja noch gar nicht bewiesen, daß Gudmund der Schuldige ist,«

sagte der Vater, »aber ich begreife: Ihr wollt, daß die Hochzeit

aufgeschoben wird, bis wir alles aufgeklärt haben.« -- »Es hat wohl

wenig Zweck, von Aufschub zu sprechen,« sagte der Amtmann. »Ich denke,

Gudmund ist seiner Sache recht sicher, und wir könnten uns wohl darüber

einigen, daß es zwischen ihm und Hildur ein für allemal aus ist.«

Gudmund antwortete nicht gleich. Er ging zu seiner Braut hinüber und

streckte die Hand aus. Sie saß ganz regungslos da und schien ihn nicht

zu sehen. »Willst du mir nicht Lebewohl sagen, Hildur?« Jetzt sah sie

auf, und ihre großen Augen blitzten ihn kalt an. -- »Hast du mit dieser

Hand das Messer geführt?« fragte sie. Gudmund antwortete ihr keine

Silbe, sondern wendete sich an den Amtmann. -- »Ja, jetzt bin ich meiner

Sache sicher,« sagte er. »Es hat gar keinen Zweck, die Hochzeit

aufzuschieben.«

Damit war die Unterredung beendet, und Gudmund und Erland gingen ihrer

Wege. Sie hatten durch mehrere Stuben und Kammern zu gehen, ehe sie

hinauskamen, und überall sahen sie Vorbereitungen zur Hochzeit. Die Tür

nach der Küche stand offen, und sie sahen, wie eine Menge Menschen in

eiliger Geschäftigkeit durcheinanderliefen. Der Duft von Braten und

Backwerk drang heraus, der ganze Herd war voll kleiner und großer Töpfe,

die Kupferkasserollen, die sonst die Wände schmückten, waren

heruntergenommen und im Gebrauch. »Ach, daß sie alle diese Zurüstungen

für meine Hochzeit machen!« dachte Gudmund, als er vorüberging.

Er bekam Einblick in den ganzen Reichtum dieses alten Bauernhofes, wie

er so durch das Haus wanderte. Er sah den Eßsaal, wo große Tische mit

langen Reihen von Silberbechern und Kannen gedeckt waren. Er kam durch

die Kleiderkammer, wo auf dem Boden große Truhen standen und an den

Wänden Kleider in unendlicher Reihe hingen. Als er dann in den Hof

hinaustrat, sah er eine Menge alte und neue Wagen, prächtige Pferde

wurden aus dem Stall geführt und schöne Wagendecken in die Kutschen

gelegt. Er sah über ein paar Höfe, die von Scheunen, Ställen, Schuppen,

Vorratskammern und noch vielen andern Gebäuden umgeben waren. »Das alles

hätte mein sein können,« dachte er, als er sich in den Wagen setzte.

Mit einem Male kam bittre Reue über ihn. Er wäre am liebsten aus dem

Wagen gesprungen und hineingelaufen, um ihnen zu sagen, es sei alles

nicht wahr, was er erzählt hätte. Er hätte ja nur mit ihnen spaßen und

sie erschrecken wollen. Es war doch unerhört töricht von ihm gewesen, zu

bekennen. Was nützte es, daß er gestanden hatte? Dadurch wurde die Sache

für keinen Menschen besser. Der Tote war ja tot. Nein, dieses

Geständnis hatte nichts andres zur Folge, als daß auch er ins Verderben

gestürzt wurde.

In den letzten Wochen hatte er diese Heirat nicht mehr so eifrig

gewünscht; aber jetzt, da er darauf verzichten mußte, fühlte er erst,

was sie wert war. Es bedeutete viel, Hildur Erikstochter und alles, was

an ihr hing, zu verlieren. Was hatte es zu sagen, daß sie eigenwillig

und selbstherrlich war! Sie war doch die erste von allen in der

Umgegend, und durch sie wäre er zu großer Macht und Ehre gekommen.

Er trauerte jetzt nicht nur um Hildur und ihr Hab und Gut, sondern auch

um kleinere Dinge. In diesem Augenblick wäre er zur Kirche gefahren, und

alle, die ihn gesehen, hätten ihn beneidet. Und heute hätte er zu oberst

an der Hochzeitstafel gesessen. Heute wäre er mitten in Tanz und

Fröhlichkeit gewesen. Es war sein großer Glückstag, der ihm nun entging.

Erland drehte den Kopf ein Mal ums andre dem Sohne zu und sah ihn an. Er

war jetzt nicht so schön und verklärt, wie er am Morgen gewesen war,

sondern saß stumpf und schwerfällig da mit erloschenem Blick. Der Vater

hätte wohl gerne gewußt, ob der Sohn sein Geständnis bereue, und er

wollte ihn danach fragen, hielt es aber doch für richtiger, zu

schweigen.

»Wohin wollen wir jetzt fahren?« fragte Gudmund nach einer Weile. --

»Wäre es nicht das beste, gleich zu Gericht zu gehen?« -- »Du mußt

zuerst nach Hause, damit du ruhen und dich ausschlafen kannst,« sagte

der Vater. »Du hast in den letzten Nächten wohl nicht viel Schlaf

gefunden.« -- »Mutter wird erschrecken, wenn sie uns sieht.« -- »Sie

wird nicht so erstaunt sein,« sagte der Vater, »sie weiß ebenso viel wie

ich. Sie wird sich freuen, daß du gestanden hast.« -- »Ich glaube,

Mutter und ihr alle miteinander daheim seid froh, mich ins Gefängnis zu

bringen,« sagte Gudmund bitter. -- »Wir wissen, daß du viel verlierst,

weil du recht gehandelt hast,« sagte der Vater, »wir können nicht

anders: wir müssen uns freuen, daß du dich selbst überwunden hast.«

Gudmund glaubte es nicht ertragen zu können, nach Hause zu fahren und

allen den Leuten zuzuhören, die ihn rühmen würden, weil er seine Zukunft

vernichtet hatte. Er suchte einen Vorwand, um niemand treffen zu müssen,

bevor er sich mehr Ruhe erkämpft hätte. Nun fuhren sie an der Stelle

vorüber, wo der Pfad zum Moorhof abbog. »Wollt Ihr hier halten, Vater?

Ich denke, ich gehe zu Helga hinauf und spreche mit ihr.« --

Der Vater hielt bereitwillig das Pferd an. »Komm nur, sobald du kannst,

nach Hause, damit du dich ausruhst,« sagte er.

Gudmund schlug den Weg in den Wald ein und war bald zwischen den Bäumen

verschwunden. Er dachte nicht daran, Helga aufzusuchen. Er war nur froh,

allein zu sein, so daß er sich keinen Zwang aufzuerlegen brauchte. Er

fühlte eine unvernünftige Wut gegen alles, er stieß Steine fort, die ihm

im Wege lagen, und blieb zuweilen stehen, um einen großen Ast

abzubrechen, nur weil ein Blatt sein Gesicht gestreift hatte. Er schlug

den Weg zum Moorhof ein, ging aber an der Hütte vorbei und kletterte den

Berg hinauf. Hier wurde es ihm bald schwer, weiter zu kommen. Er hatte

den Pfad verlassen; und um den nächsten Gipfel zu erreichen, mußte er

über ein breites Flußbett voll kantiger Felsblöcke gehen. Es war eine

gefährliche Wanderung über die scharfen Felskanten, und er konnte sich

Arme und Beine brechen, wenn er einen Fehltritt machte. Das wußte er

sehr wohl, aber er ging doch weiter, als mache es ihm Freude, sich einer

Gefahr auszusetzen. »Und wenn ich mich zuschanden falle, so findet mich

hier oben niemand,« dachte er. »Aber was tut das? Ich kann ebensogut

hier liegen und sterben wie jahrelang hinter Gefängnismauern sitzen.«

Doch alles ging gut ab, und ein paar Minuten später stand er auf der

Höhe. Über den Berg war einmal ein Waldbrand hingegangen. Die oberste

Spitze war noch kahl, und von dort hatte man eine meilenweite Aussicht.

Er sah Täler und Seen, dunkle Wälder und fruchtbare Äcker, Kirchen und

Herrenhöfe, kleine Bauernhütten und große Dörfer. Weit in der Ferne lag

die Stadt, in einen weißen Schleier von Sonnenrauch gehüllt, aus dem ein

paar funkelnde Türme aufragten. Durch die Täler schlängelten sich Wege,

und ein Eisenbahnzug rollte am Waldessaume vorbei. Es war ein ganzes

Reich, was er da sah.

Er warf sich zu Boden, hielt aber den Blick noch immer auf die weite

Fernsicht geheftet. Es war etwas Stolzes und Großes in dieser Landschaft

vor ihm, und er empfand sich selbst und seine Sorgen als klein und

unbedeutend.

Ihm kam eine Erinnerung aus seiner Kindheit. Wenn er damals gelesen

hatte, daß der Versucher Jesus auf einen hohen Berg geführt und ihm alle

Herrlichkeit der Welt gezeigt hätte, so war er immer der Meinung

gewesen, die beiden müßten hier oben auf dem Gipfel gestanden haben ...

Und er sprach die alten Worte vor sich hin: Dies alles will ich dir

geben, wenn du niederfällst und mich anbetest.

Da kam es ihm plötzlich vor, als sei ihm selbst in diesen letzten Tagen

eine solche Versuchung entgegengetreten. Wahrlich, hatte ihn nicht der

Versucher auf einen hohen Berg geführt und ihm alle Herrlichkeit der

Macht und des Reichtums gezeigt? »Verschweige nur das Böse, das du getan

hast,« sagte er, »und ich will dir dies alles geben.« Wie Gudmund daran

dachte, kam ein klein wenig Befriedigung über ihn. »Ich habe ja nein

geantwortet,« sagte er; und plötzlich begriff er, worum es sich für ihn

gehandelt hatte. Wenn er geschwiegen hätte, wäre er dann nicht all sein

Lebtag verurteilt gewesen, den Versucher anzubeten? Ein scheuer,

mutloser Mann wäre er geworden, ein Sklave von Hab und Gut. Die Furcht

vor der Entdeckung hätte stets auf ihm gelastet. Nie mehr hätte er sich

als ein freier Mann fühlen können.

Eine große Ruhe kam über Gudmund. Er wurde ganz glücklich, weil er

einsah, daß er recht gehandelt hatte. Wenn er an die vergangenen Tage

zurückdachte, schien es ihm, daß er in einer großen Dunkelheit getappt

hätte. Es war wunderbar, daß er sich zuletzt doch zurechtgefunden hatte.

Er fragte sich selbst, wie es zugegangen sei, daß er nicht in die Irre

gegangen war. »Ich danke es dem, daß sie daheim alle so gut gegen mich

waren,« dachte er, »und die beste Hilfe war doch, daß Helga kam und mir

Glück wünschte.«

Er blieb noch eine Weile oben auf dem Gipfel liegen, aber bald sagte er

sich, er müsse zu Vater und Mutter heimgehen und ihnen sagen, daß er den

Frieden mit sich selbst gefunden hätte. Als er nun aufstand, um zu

gehen, bemerkte er, daß ein Stück weiter unten Helga auf einem

Felsenvorsprung saß.

Sie hatte dort nicht die große weite Aussicht -- nur ein kleines

Stückchen des Tales war für sie sichtbar. Es war die Gegend, wo Närlunda

lag, und sie sah vermutlich ein Stück des Hofes. Als Gudmund sie

erblickte, fühlte er, wie sein Herz, das den ganzen Tag mühsam und

ängstlich gearbeitet hatte, leicht und fröhlich zu klopfen begann, und

zu gleicher Zeit durchzuckte ihn ein so starkes Glücksgefühl, daß er

stehen blieb und über sich selbst staunte.

»Was ist mir denn? Was ist das? Was ist das?« dachte er, während das

Blut durch seinen Körper strömte und das Glück ihn mit solcher Macht

packte, daß er es beinahe schmerzhaft empfand. Endlich sagte er mit

erstaunter Stimme zu sich selbst: »Aber ich hab ja sie lieb! Nein, daß

ich das bisher gar nicht wußte!«

Es packte ihn mit der Stärke eines befreiten Wasserfalls. Er war die

ganze Zeit, solange er sie kannte, gebunden gewesen. Alles, was ihn zu

ihr hinzog, hatte er zurückgedrängt. Jetzt erst war er frei von dem

Gedanken, eine andre zu heiraten, hatte er die Freiheit, sie zu lieben.

»Helga!« rief er und begann zugleich den Abhang zu ihr

hinunterzuklettern. Sie wendete sich mit einem erschrockenen Aufschrei

um. »Hab keine Angst! Ich bin es nur.« -- »Aber bist du denn nicht in

der Kirche und wirst getraut?« -- »Ach nein, aus der Hochzeit wird

nichts. Sie will mich nicht haben, Helga.«

Helga richtete sich auf. Sie preßte die Hand aufs Herz und schloß die

Augen. Sie dachte in diesem Augenblick wohl, daß es nicht Gudmund sei,

der da kam. Ihre Augen und Ohren müßten hier im Walde verhext worden

sein. Aber schön und herrlich war es doch, daß er sich zeigte, wenn auch

nur als Traumerscheinung; und sie schloß die Augen und blieb regungslos

stehen, um das Trugbild noch ein paar Augenblicke festzuhalten.

Aber Gudmund war wild und toll von der großen Liebe, die in ihm

aufgelodert war. Sobald er zu Helga heruntergekommen war, schlang er die

Arme um sie und küßte sie, und sie ließ es geschehen; denn sie war ganz

betäubt und benommen vor Überraschung. Es war ja zu wunderbar, daß er,

der gerade jetzt in der Kirche stehen sollte, zur Seite seiner Braut,

wirklich hierher in den Wald gekommen war. Dieser Geist oder

Doppelgänger von ihm, der zu ihr gekommen war, mochte sie immerhin

küssen.

Aber in dem Augenblick, da Gudmund Helga küßte, wachte sie auf und stieß

ihn von sich. Und nun begann sie ihn mit Fragen zu überschütten. Ob er

es wirklich selbst sei? Was er im Walde zu tun hätte? Ob ein Unglück

geschehen? Warum man die Hochzeit aufgeschoben hätte? Ob Hildur krank

sei? Ob den Pfarrer in der Kirche der Schlag gerührt hätte?

Gudmund wollte mit ihr von nichts anderm auf der Welt sprechen als von

seiner Liebe; aber sie zwang ihn, zu erzählen, wie alles zugegangen war.

Während er sprach, saß sie still da und hörte mit tiefer Andacht zu.

Sie unterbrach ihn nicht, bis er von der abgebrochnen Klinge erzählte.

Da fuhr sie auf und fragte, ob es sein gewöhnliches Messer sei, das er

gehabt hätte, als sie noch auf Närlunda diente.

»Ja, gerade das war es,« sagte er. -- »Wieviel Klingen waren denn

abgebrochen?« fragte sie. -- »Nicht mehr als eine.«

In Helgas Kopf begann es zu arbeiten. Sie saß mit gerunzelter Stirn da

und suchte sich an etwas zu erinnern. Wie war es doch? Ja gewiß. Sie

entsann sich deutlich, daß sie sich dieses Messer an dem Tage, bevor sie

fortging, von ihm ausgeliehen hatte, um Holz zu spalten; dabei hatte sie

es zerbrochen, aber sie war nicht dazu gekommen, es ihm zu sagen. Er

war ihr damals immer ausgewichen und hatte nicht mit ihr sprechen

wollen. Und nun hatte er das Messer wohl seitdem in der Tasche gehabt

und gar nicht bemerkt, daß es zerbrochen war.

Sie hob den Kopf und wollte ihm dies eben sagen; doch er erzählte weiter

von seinem Besuch heute morgen im Hochzeitshaus, und sie wollte ihn zu

Ende kommen lassen. Als sie hörte, wie er von Hildur geschieden war,

erschien ihr dies als ein so furchtbares Unglück, daß sie ihn mit

Vorwürfen überhäufte. »Das ist deine eigne Schuld,« sagte sie. »Da kommt

ihr, du und dein Vater, angefahren und erschreckt sie zu Tode mit der

furchtbaren Botschaft. So hätte sie nicht geantwortet, wenn sie bei

Sinnen gewesen wäre. Ich will dir eines sagen: ich glaube, sie bereut es

schon in diesem Augenblick.« -- »Meinethalben mag sie bereuen, soviel

sie will,« sagte Gudmund. »Ich weiß jetzt, daß sie eine ist, die immer

nur an sich selbst denkt. Ich bin froh, daß ich sie los bin.«

Helga preßte die Lippen aufeinander, damit ihr das große Geheimnis nicht

entschlüpfe. Sie hatte viel zu denken. Es handelte sich nicht nur darum,

Gudmund von dem Morde reinzuwaschen. Es herrschte ja auch Feindschaft

zwischen Gudmund und seiner Braut. Könnte sie nicht versuchen, die

beiden mit Hilfe dessen, was sie wußte, zu versöhnen?

Wieder saß sie stumm da und grübelte, bis Gudmund davon zu sprechen

begann, daß er seinen Sinn jetzt ihr zugewandt hätte.

Aber das erschien ihr als das größte Unglück, das ihm an diesem Tage

widerfahren war. Schlimm war es schon, daß die vorteilhafte Heirat zu

scheitern drohte, noch schlimmer aber, daß er um eine wie sie werben

wollte. »Nein, so etwas darfst du mir nicht sagen,« rief sie und sprang

plötzlich auf. -- »Warum soll ich es dir nicht sagen?« fragte Gudmund und

erblaßte. »Ist es mit dir vielleicht gerade so wie mit Hildur? Hast du

Angst vor mir?« -- »Nein, nicht deshalb.« Sie wollte ihm erklären, daß

er in sein eigenes Verderben renne, aber er hörte ihr gar nicht zu. --

»Ich habe gehört, daß es früher einmal Frauen gab, die den Männern zur

Seite standen, wenn sie in Not kamen; aber heute trifft man solche

Frauen nicht mehr.« Helga erzitterte. Sie hätte die Arme um seinen Hals

schlingen wollen, aber sie verhielt sich still. Heute mußte sie

vernünftig sein. -- »Es ist ja wahr, ich hätte dich nicht an demselben

Tage, wo ich ins Gefängnis soll, bitten dürfen, mein Weib zu werden.

Aber der Gedanke, daß du auf mich warten würdest, bis ich wieder frei

wäre, hätte mich all das Schwere mit leichtem Mut erdulden lassen.«

-- »Ich bin es nicht, die auf dich warten soll, Gudmund.« -- »Alle

Menschen werden mich jetzt als einen Missetäter betrachten, als einen,

der sich besäuft und mordet. Ach wenn es nur eine gäbe, die mich mit

Liebe ansehen könnte! Das würde mich besser aufrechterhalten als alles

andre.« -- »Du weißt, daß ich nie etwas andres als Gutes von dir denken

werde, Gudmund.«

Helga war sehr still. Gudmunds Bitten wurden fast zu viel für sie. Sie

wußte gar nicht, wie sie ihm entkommen sollte. Aber Gudmund verstand

nichts, sondern begann zu glauben, daß er sich geirrt habe. Sie könnte

nicht dasselbe für ihn empfinden wie er für sie. Er kam ganz dicht an

sie heran und sah sie an, als wollte er mitten durch sie hindurchsehen.

»Sitzest du nicht gerade auf diesem Felsen hier, um nach Närlunda

hinunterzusehen?« -- »Ja, das tu ich.« -- »Sehnst du dich nicht Tag und

Nacht hin?« -- »Ja. Aber ich sehne mich nicht nach einem Menschen.«

-- »Und mich magst du gar nicht?« -- »O ja, aber ich will dich nicht

heiraten.« -- »Wen hast du denn gern?« -- Helga schwieg. -- »Per

Martensson?« -- »Ja, ihm hab ich gesagt, daß ich ihn gern habe,« sagte

sie und war ganz zermartert.

Gudmund blieb ein Weilchen stehen und sah sie mit ergrimmtem Gesicht an.

»Dann also lebewohl! Jetzt gehen wir getrennte Wege, du und ich,« sagte

er, und damit machte er einen gewaltigen Sprung von dem Stein zum

nächsten Felsabsatz und verschwand unter den Bäumen.

6

Kaum war Gudmund verschwunden, als Helga auf einem andern Wege den Berg

hinuntereilte. Sie lief am Moorhof vorbei, ohne stehen zu bleiben und

eilte dann, so rasch sie konnte, über die Waldhügel hinunter auf den

Weg. Im ersten Bauernhof, den sie erreichte, bat sie die Inwohner, ihr

Pferd und Fuhrwerk zu leihen, damit sie nach Älvåkra fahren könnte. Sie

sagte, es gälte das Leben, daß sie hinkäme, und versprach, dafür zu

zahlen. Die Dorfleute waren schon heimgekommen und hatten von der

unterbliebenen Hochzeit erzählt. Alle waren sehr bewegt und mitleidig,

und man wollte Helga die Hilfe nicht verweigern, da sie eine wichtige

Botschaft für die Leute auf Älvåkra zu haben schien.

In Älvåkra saß Hildur Erikstochter in einer kleinen Kammer im oberen

Stockwerk, wo sie ihr Brautkleid abgelegt hatte. Die Mutter und ein paar

andre Bäuerinnen waren um sie. Hildur weinte nicht, aber sie war

ungewöhnlich still und blaß; es sah aus, als würde sie jeden Augenblick

krank hinsinken. Die Frauen sprachen die ganze Zeit von Gudmund. Alle

tadelten ihn und schienen es als ein Glück für Hildur anzusehen, daß sie

von ihm befreit war. Einige meinten, Gudmund habe wenig Rücksicht auf

die Schwiegereltern gezeigt. Er hätte ihnen schon am Pfingsttage sagen

müssen, wie es um ihn stand. Andre sagten, wem ein so großes Glück

bevorstünde, der müßte besser auf sich achten. Und einige

beglückwünschten Hildur, daß sie dem Schicksal entging, einen zu

heiraten, der sich so sinnlos betrinken konnte, daß er nicht mehr wußte,

was er tat.

Mitten unter diesen Reden schien Hildur ungeduldig zu werden; sie stand

auf, um das Zimmer zu verlassen. Sowie sie zur Tür hinaus war, kam ihre

beste Freundin, ein junges Bauernmädchen, und flüsterte ihr zu: »Unten

ist jemand, der mit dir sprechen will.« -- »Ist es Gudmund?« fragte

Hildur, und ein Strahl des Lebens leuchtete in ihren Augen auf. -- »Nein,

aber, ich glaube, eine Botschaft von ihm. Sie will, was sie auszurichten

hat, keinem als nur dir selbst sagen.« Nun hatte Hildur den ganzen Tag

dagesessen und gedacht, daß jemand kommen müsse, der diesem Elend ein

Ende machte. Sie konnte es gar nicht begreifen, daß ein so schreckliches

Unglück sie treffen sollte. Sie meinte, es müsse etwas geschehen, das es

ihr möglich machte, Krone und Kranz wieder aufzusetzen, mit dem

Hochzeitszug zur Kirche zu fahren und getraut zu werden. Als sie nun von

einer Botschaft Gudmunds hörte, wurde sie ganz eifrig und lief eilends

zu Helga hinaus, die vor der Küchentür stand und auf sie wartete.

Hildur wunderte sich wohl, daß Gudmund Helga zu ihr schickte, aber sie

dachte, er hätte vielleicht heute am Feiertag keine andre Botin

gefunden, und begrüßte sie freundlich.

Sie winkte Helga, ihr in die Milchkammer zu folgen, die drüben auf der

andern Längsseite des Hofes lag. »Ich weiß keinen andern Ort, wo wir

allein sprechen können,« sagte sie. »Wir haben noch das ganze Haus voll

Leute.«

Sobald sie drinnen waren, trat Helga dicht an Hildur heran und sah ihr

ins Gesicht. »Bevor ich etwas sage, muß ich erst wissen, ob du Gudmund

lieb hast, Hildur.« Hildur zuckte vor Empörung zusammen. Es war ihr

eine Qual, mit Helga auch nur ein einziges Wort wechseln zu müssen, und

sie hatte wahrlich keine Lust, sie zu ihrer Vertrauten zu machen. Aber

nun war die Not am höchsten, und so zwang sie sich, zu antworten:

»Warum, glaubst du, hätte ich ihn sonst heiraten wollen?« -- »Ich meine,

ob du ihn noch lieb hast, Hildur?« -- Hildur wurde wie zu Stein, aber

unter dem forschenden Blick der andern konnte sie nicht lügen. --

»Vielleicht habe ich ihn noch nie so lieb gehabt wie heute,« sagte sie,

jedoch so leise, daß man glauben konnte, es täte ihr weh, die Worte

auszusprechen.

»Dann komm gleich mit mir,« sagte Helga. »Ich habe drunten auf der

Straße einen Wagen stehen. Du brauchst dich nur fertig zu machen, dann

können wir gleich nach Närlunda fahren.« -- »Wozu soll es gut sein, daß

ich hinfahre?« fragte Hildur. -- »Du mußt hinfahren und sagen, daß du

Gudmund angehören willst, Hildur, was er auch getan haben mag, und daß

du treu auf ihn warten wirst, während er im Gefängnis sitzt.« -- »Warum

soll ich das sagen?« -- »Damit alles zwischen euch wieder gut wird.«

-- »Aber das ist ja unmöglich. Ich will doch keinen heiraten, der im

Gefängnis gesessen hat.«

Helga prallte ein paar Schritte zurück, so als wäre sie an eine Mauer

gestoßen. Aber sie faßte rasch wieder Mut. Sie konnte ja begreifen, daß,

wer mächtig und reich war wie Hildur, so denken mußte. »Ich wäre nicht

hierher gekommen und hätte dich nicht gebeten, nach Närlunda zu fahren,

wenn ich nicht wüßte, daß Gudmund unschuldig ist,« sagte sie. Jetzt war

es Hildur, die einen Schritt von Helga forttrat. -- »Weißt du das, oder

ist es nur etwas, was du glaubst?« -- »Es wäre besser, wenn wir uns

gleich in den Wagen setzten, dann könnte ich es dir unterwegs erzählen,

Hildur.« -- »Nein, erst mußt du mir alles sagen. Ich muß wissen, was ich

tue.« Helga war so voll brennenden Eifers, daß sie kaum stillstehen

konnte, aber sie mußte sich doch bequemen, Hildur zu erzählen, woher sie

wüßte, daß nicht Gudmund der Täter sei. »Hast du das Gudmund nicht

gleich gesagt?« -- »Nein, ich sage es jetzt dir, Hildur. Kein andrer

weiß es.« -- »Und warum kommst du mit dieser Nachricht zu mir?« --

»Damit es zwischen euch wieder gut werde. Auch er wird wohl bald

erfahren, daß er nichts Böses getan hat, aber ich will, daß du wie von

selbst zu ihm kommst, Hildur, und es gut machst.« -- »Ich soll nicht

sagen, daß ich von seiner Schuldlosigkeit weiß?« -- »Du sollst ganz von

selbst kommen, Hildur, und ihm nie verraten, daß ich mit dir gesprochen

habe. Sonst verzeiht er dir nie, was du ihm heute morgen gesagt hast.«

Hildur hörte schweigend zu. Es lag etwas in diesen Worten, was ihr noch

nie im Leben begegnet war, und sie war bemüht, es sich klarzumachen.

»Weißt du, daß ich es war, die verlangte, daß du aus Närlunda

fortkommst?« -- »Ich weiß wohl, daß es nicht die Leute auf Närlunda

waren, die mich forthaben wollten.« -- »Ich kann gar nicht verstehen,

daß du heute zu mir kommst und mir helfen willst.« -- »Wenn du jetzt nur

mitkommst, Hildur, so kann alles gut werden!« Aber Hildur sah Helga an,

noch immer in dieselben Grübeleien versunken. -- »Vielleicht hat Gudmund

dich lieb,« warf sie hin. Aber nun riß Helga die Geduld. -- »Was hätte

er denn an mir!« sagte sie heftig, »du weißt doch, Hildur, daß ich

nichts andres bin als eine arme Häuslerdirne, und das ist noch nicht

einmal das Allerschlimmste.«

Die beiden jungen Mädchen schlichen sich unbemerkt aus dem Haus und

saßen bald im Wagen. Helga kutschierte, und sie schonte das Pferd nicht,

sondern ließ es rasch traben. Sie waren beide stumm. Hildur saß da und

sah Helga an. Es war, als könnte sie sich nicht genug über sie wundern,

und als dächte sie mehr an sie als an irgend etwas andres.

Als sie in die Nähe des Hofes kamen, übergab Helga Hildur die Zügel.

»Jetzt sollst du allein hinfahren, Hildur, und mit Gudmund sprechen. Ich

komme in einer Weile nach und erzähle die Geschichte mit dem Messer.

Aber du darfst Gudmund kein Wort davon sagen, Hildur, daß ich dich

geholt habe.«

Gudmund saß in der Wohnstube auf Närlunda neben Mutter Ingeborg und

sprach mit ihr. Der Vater saß etwas abseits und rauchte. Er sah

zufrieden aus und sagte kein Wort. Man merkte, er war der Meinung,

jetzt gehe alles, wie es sollte, so daß er nicht einzugreifen brauchte.

»Ich wüßte wohl gerne, Mutter, was Ihr gesagt haben würdet, wenn Ihr

Helga als Schwiegertochter bekommen hättet,« sagte Gudmund. Mutter

Ingeborg hob den Kopf und antwortete mit fester Stimme: »Ich werde jede

Schwiegertochter mit Freuden aufnehmen, wenn ich nur weiß, daß sie dich

so lieb hat, wie eine Frau ihren Mann lieb haben soll.«

Kaum war dies gesagt, als sie Hildur Erikstochter in den Hof einfahren

sahen. Sie kam gleich darauf ins Haus und war ganz anders als sonst. Sie

trat nicht in ihrer gewohnten zuversichtlichen Art in das Zimmer,

sondern es sah fast aus, als wolle sie unten an der Tür stehen bleiben

wie ein armes Bettelmädchen.

Sie kam jedoch heran und gab Mutter Ingeborg und Erland die Hand. Dann

wendete sie sich an Gudmund. »Mit dir will ich ein paar Worte sprechen.«

Gudmund stand auf, und sie gingen in die Kammer. Er stellte Hildur einen

Stuhl hin, aber sie setzte sich nicht. Sie war ganz rot vor

Verlegenheit, und die Worte kamen langsam und scheu über ihre Lippen:

»Ich war wohl -- -- ja, es war vielleicht zu hart, was ich heute morgen

sagte.« -- »Ach, wir haben dich damit so plötzlich überfallen,« sagte

Gudmund. Sie wurde noch röter und beschämter. »Ich hätte es mir besser

überlegen sollen. Wir könnten -- es sollte doch -- -- « -- »Es ist schon

am besten, wie es ist, Hildur. Darüber ist nichts mehr zu reden; aber

es ist schön, daß du gekommen bist.«

Sie schlug die Hände vors Gesicht, holte sehr tief Atem, daß es klang

wie ein Schluchzen, hob dann aber den Kopf wieder. »Nein,« sagte sie.

»Es geht nicht. Ich will nicht, daß du mich für besser hältst, als ich

bin. Jemand kam zu mir und sagte, daß du unschuldig bist, und riet mir,

hierher zu eilen und alles wieder gutzumachen. Und ich sollte nicht

sagen, daß ich schon weiß, daß du unschuldig bist. Denn dann würdest du

nicht so viel daran finden, daß ich komme. Jetzt sage ich dir: ich

wünschte, ich wäre selbst auf den Gedanken gekommen. Doch so war es

nicht. Aber ich habe mich den ganzen Tag nach dir gesehnt und gewünscht,

daß es wieder gut zwischen uns werden könnte. Und wie es auch kommen

mag: eins will ich dir sagen, ich freue mich, daß du unschuldig bist.«

»Wer hat dir denn diesen Rat gegeben, Hildur?« fragte Gudmund. -- »Das

darf ich nicht sagen.« -- »Ich wundere mich, daß es jemand weiß. Vater

kommt eben jetzt vom Bürgermeister. Er hat in die Stadt telegraphiert.

Und es ist die Antwort gekommen, daß der wahre Täter schon gefunden

ist.«

Als Gudmund dies sagte, fühlte Hildur, wie die Beine unter ihr

zitterten, und sie setzte sich rasch nieder. Es wurde ihr ganz angst,

weil Gudmund so ruhig und freundlich war, und sie begann zu verstehen,

daß er ganz außerhalb ihrer Macht war. »Ich sehe schon, du kannst es

nicht vergessen, Gudmund, wie ich heute vormittag gewesen bin.« -- »O

doch, das kann ich dir schon verzeihen, Hildur,« sagte er in demselben

ruhigen Ton. »Davon wollen wir nie mehr sprechen.«

Sie erzitterte, schlug die Augen nieder und saß da, als wartete sie auf

etwas. »Es ist nur ein großes Glück, Hildur,« sagte er und kam heran und

ergriff ihre Hand, »daß es zwischen uns aus ist. Denn heute ist es mir

klar geworden, daß ich eine andre lieb habe. Ich glaube, ich hatte sie

schon lange lieb, aber ich weiß es erst seit heute.« -- »Wer ist die,

die du lieb hast, Gudmund,« kam es tonlos von Hildurs Lippen. -- »Das

kommt ja auf eins heraus. Ich werde sie nicht heiraten, denn sie hat

mich nicht lieb. Aber eine andre kann ich nicht nehmen.«

Hildur hob den Kopf. Es war nicht leicht, zu sagen, was in ihr vorging.

Aber sie fühlte in diesem Augenblick, daß sie, die Großbauerntochter,

mit all ihrem Reiz und allem ihrem Hab und Gut nichts für Gudmund

bedeutete. Und sie war stolz und wollte nicht von ihm scheiden, ohne ihm

zu zeigen, daß sie ihren Wert in sich hatte, abgesehen von allem

Äußerlichen.

»Ich will, Gudmund, daß du mir sagst, ob es Helga vom Moorhof ist, die

du gern hast.«

Gudmund stand schweigend da. »Denn wenn es Helga ist, dann weiß ich, daß

sie dich lieb hat. Sie kam zu mir und lehrte mich, was ich tun sollte,

damit es zwischen uns wieder gut würde. Sie wußte, daß du unschuldig

bist, aber sie sagte es nicht dir, sondern ließ es mich zuerst wissen.«

-- Gudmund sah ihr fest in die Augen. »Findest du darin ein Zeichen, daß

sie eine große Liebe für mich hat?« -- »Dessen kannst du sicher sein,

Gudmund. Das kann ich bezeugen. Niemand in der Welt kann dich lieber

haben als sie.« Er ging hastig durch das Zimmer. Dann blieb er vor Hildur

stehen. »Aber du? Warum sagst du mir das?« -- »Ich will Helga an Edelmut

nicht nachstehen.« -- »Ach, Hildur, Hildur!« sagte er, legte die Hand auf

die Schultern und schüttelte sie, um seiner Rührung Luft zu machen. »Du

weißt nicht, nein, du weißt nicht, wie gut ich dir in diesem Augenblick

bin. Du weißt nicht, wie glücklich du mich gemacht hast -- -- --«

* * * * *

Helga saß am Wegrand und wartete. Sie saß da, das Kinn in die Hand

gestützt und sah zu Boden. Sie sah Gudmund und Hildur vor sich und

dachte, wie glücklich sie jetzt sein müßten.

Während sie so dasaß, kam ein Knecht aus Närlunda vorüber. Als er sie

sah, blieb er stehen. »Du hast doch von Gudmund gehört, Helga?« -- Ja,

das hatte sie. -- »Die ganze Geschichte ist ja gar nicht wahr. Der

richtige Täter ist schon verhaftet.« -- »Ich wußte, daß es nicht wahr

sein konnte,« sagte Helga.

Dann ging der Mann, aber Helga blieb am Wegrand sitzen wie zuvor. Ja so,

drüben wußten sie es schon. Sie brauchte gar nicht nach Närlunda zu

gehen, um es zu erzählen.

Sie fühlte sich so wunderlich ausgeschlossen. Vorhin erst war sie so

eifrig gewesen. Sie hatte gar nicht an sich selbst gedacht, nur daran,

daß Gudmunds und Hildurs Hochzeit zustande kommen müsse. Aber jetzt erst

stand es ihr vor Augen, wie einsam sie war. Und es war schwer, für die,

die man lieb hatte, nichts sein zu dürfen. Jetzt brauchte Gudmund sie

nicht, und ihr eigenes Kind hatte ihre Mutter zu dem ihren gemacht. Sie

gönnte ihr kaum, daß sie es ansah.

Sie dachte daran, daß sie aufstehen und nach Hause gehen müsse. Aber die

Hügel erschienen ihr so steil und schwer zu ersteigen. Sie wußte gar

nicht, wie sie hinaufkommen solle.

Da kam ein Wagen aus Närlunda. Hildur und Gudmund saßen darin. Jetzt

führen sie wohl nach Älvåkra, um zu sagen, daß sie sich ausgesöhnt

hätten. Und morgen fände dann die Hochzeit statt.

Als sie Helga erblickten, hielten sie an. Gudmund gab Hildur die Zügel

und sprang heraus. Hildur nickte Helga zu und fuhr weiter.

Gudmund blieb auf dem Wege vor Helga stehen. »Ich bin froh, daß du hier

sitzest, Helga,« sagte er. »Ich glaubte, ich müßte nach dem Moorhof

hinaufgehen, um dich zu treffen.«

Er sagte dies heftig, beinahe hart, und dabei hielt er ihre Hand fest

umklammert, und sie sah es seinen Augen an, daß er jetzt wußte, wie es

um sie stand. Jetzt konnte sie ihm nicht mehr entfliehen.

Ein Stück Lebensgeschichte, und andere Erzählungen · 第 14 / 28 题