und in verschiedene Abteilungen geteilt, in denen sich die Vorräte, die
Reserveteile für die Maschinen und auch die verschiedenen Schlafkabinen
befanden.
Zu seinem Erstaunen fand Kapitän Mors im Mannschaftsraum zwei der
Franzosen, die in festem, ruhigem Schlummer lagen.
»Also sind es nur sechs, die sich an der Empörung beteiligen,« sprach er
zu Terror.
»Wer weiß denn,« erwiderte dieser. »Die können ja auch darin eingeweiht
sein.«
»Das wird sich finden,« meinte Mors. »Ich halte gerade die beiden hier
für biedere Männer, für echte Bewohner der Normandie, deren Herzen ohne
Falsch sind. Jedenfalls wollen wir sie hier einschließen, sodaß sie sich
nicht mit den Meuterern vereinigen können. Wecke Du den Professor, ich
werde die Schwestern aus dem Schlummer rufen.«
Die Räume hier bestanden ja alle aus Metall und konnten wie Stahlkammern
verschlossen werden.
Kapitän Mors sperrte die beiden schlafenden Franzosen ein, steckte den
Schlüssel zu sich und rannte dann nach der Schlafkammer der beiden
jungen Mädchen.
Diese kleideten sich hastig an und erschienen in kürzester Frist, ebenso
der Professor.
»Das ist ja eine schöne Geschichte,« meinte van Haalen, der nur an seine
gestörten Beobachtungen dachte. »Können Sie den Verschwörern nicht zu
Leibe gehen, Kapitän? Unter diesen Umständen ist ja Energie geboten.«
»Ganz richtig,« erwiderte Kapitän Mors. »Aber wir befinden uns im
Weltenraum. Da kann ich nicht in den Maschinenraum vordringen. Das ist
unmöglich, denn dadurch würde ich den Raum luftleer machen. Es bliebe ja
bloß der Fall übrig, daß ich eins der Fenster zertrümmerte, aber damit
würde das Unheil noch größer. Höchst wahrscheinlich haben auch die
Verschwörer die Metallschieber geschlossen. Wie mir Terror sagte, ist
die Tür bereits versperrt. Sie können vorerst über das Fahrzeug
verfügen.«
»Ist es nicht möglich, ihnen mit irgend einer Waffe beizukommen?« fragte
der Professor.
»Die beiden Irländer würden sich vorsehen,« lautete die Antwort des
Maskierten. »Ich glaube, die Franzosen sind nur irre geleitet, diese
Leute können Schonung beanspruchen. Aber nun merken Sie auf, Professor.
Wir müssen Vorsichtsmaßregeln treffen. Aller Wahrscheinlichkeit nach
werden die Verschwörer und das können nur die beiden Irländer sein,
Vorbereitungen treffen, um unsere Vernichtung herbeizuführen. Was sie da
tun werden, weiß ich noch nicht, aber das beste ist, daß Sie und die
beiden Mädchen in den Schlafkabinen bleiben und sich dort mit den
vorhandenen Riemen an die in dem Schlafraum befindlichen Handgriffe
festbinden. Ich sage das für den Fall, daß sich mit dem Weltenfahrzeug
etwas Unvorhergesehenes ereignet.«
»Meine Instrumente,« rief van Haalen, der jetzt nur an die Fernrohre
dachte. »Wenn die Instrumente zertrümmert werden, ist der Schaden
unersetzlich.«
»Wir werden sie sofort festschrauben,« erwiderte Mors tröstend. »Tun Sie
nur, was ich gesagt habe. Terror und ich werden zu handeln wissen.
Binden Sie sich fest, damit Sie auf alles vorbereitet sind. Das ist die
Hauptsache.«
Anita und Lucy Long wollten den Kapitän bei seinem Vorhaben
unterstützen, ihm helfen und wenn nötig mit ihm gegen die Empörer
kämpfen.
Aber Kapitän Mors schlug dies ruhig, aber entschieden ab.
»Ihr beide seid tapfer und mir treu ergeben,« sprach er zu den jungen
Mädchen. »Das weiß ich. Aber unter den obwaltenden Umständen könnt Ihr
mir nicht von Nutzen sein. Begebt Euch in Eure Schlafkabine und bindet
Euch fest. Alles andere ist jetzt meine Sache.«
Er eilte, von Terror gefolgt, nach den oberen Räumen und sicherte
zunächst die astronomischen Instrumente.
Diese wurden an dem Boden festgeschraubt, alle Vorbereitungen waren dazu
vorhanden.
Ferner wurden die Schutzkapseln über die kostbaren Gläser gestülpt und
damit die wertvollen Fernrohre gegen jeden Unfall gesichert.
Hierauf eilte Kapitän Mors nach dem Arbeitsraum, der an die
Maschinenkammer grenzte.
Sein erster Blick galt den dort hängenden Instrumenten.
»Ganz wie ich es mir dachte,« sprach er. »Sie versuchen das
Weltenfahrzeug zu wenden und nach der Erde zurückzukehren. Aber sie
handhaben die Maschinen falsch. Sie gebrauchen den Lenkapparat nicht
richtig. Sie handeln --«
Kapitän Mors stampfte mit dem Fuß auf, daß der Boden dröhnte.
»Was tun sie denn, Kapitän,« fragte Terror besorgt. »Sie beschädigen
wohl das Fahrzeug?«
»Bis jetzt noch nicht,« knirschte Kapitän Mors, »obwohl dieser Fall auch
noch eintreten könnte. Sie lenken das Weltenfahrzeug nicht richtig! Wenn
wir diesen Kurs einhalten, kommen wir auf den sogenannten toten Punkt,
wo sich die Anziehungskraft der Erde und des Mondes ausgleicht. Ich
allein kenne die Manöver, die dort nötig sind, um über die gefährliche
Stelle hinauszukommen. Wenn ich nicht in die Maschinenkammer gelange,
wird das Fahrzeug an diesem toten Punkt für alle Ewigkeit festsitzen.«
»Schöne Aussicht,« meinte Terror. »Was meint Ihr, Kapitän, wollen wir
mit den Meuterern verhandeln? Sie müssen ja sehen, daß sie der
Handhabung des Fahrzeuges nicht gewachsen sind. Da werden sie wieder zur
Besinnung kommen.«
»Ja, das will ich,« erwiderte Kapitän Mors und schlug mit der Faust
gegen die Eisentür, daß es dröhnte.
Sofort ließ sich Wilkes Stimme vernehmen.
»Was gibt's denn?« schrie er in einem Tone, der bewies, daß er sich als
Herr der Situation fühlte. »Was wollt Ihr denn, he?«
»Macht auf,« donnerte Kapitän Mors, »öffnet auf der Stelle.«
Ein Hohngelächter gab Antwort. Wilkes und Penn lachten wie die Tollen.
»Das glaube ich wohl,« schrie der erstere. »Aber wir müßten ja Narren
sein, wenn wir die Macht, die wir jetzt besitzen, aus den Händen lassen
sollten. Das fällt uns nicht im Traume ein. Wir gebieten jetzt über das
Weltenfahrzeug.«
»Wahnwitzige!« rief Kapitän Mors. »Ihr versteht nicht dieses wunderbare
Fahrzeug zu führen, dazu bin nur ich imstande. Oeffnet und ich will
sehen, ob ich noch Gnade walten lassen kann. Der Rausch hat Euch
gewissermaßen betört, der Sinnenrausch, daß Ihr ein solches Fahrzeug
lenkt. Aufgemacht, ich fordere es auf der Stelle!«
»Wenn tausend Teufel kämen, würde ich der Herr des Wunderfahrzeuges
bleiben,« schrie Wilkes. »Penn und ich, wir sind einig und die andern
hier gehorchen uns, denn sie sehen ja jetzt, daß wir auf Erden Schätze
erwerben, daß wir die mächtigsten Leute des ganzen Erdballs werden
können. Also spart Eure Worte! Wir haben die Macht und diese wollen wir
benutzen.«
Kapitän Mors trat zurück, denn er wußte, daß die schwere Eisentür nur
mit Anwendung größter Gewalt gesprengt werden konnte.
Er wollte sich überlegen, was zu beginnen wäre, unterdessen aber
berieten die beiden Rädelsführer da drinnen, wie sie sich des Maskierten
entledigen könnten.
Kapitän Mors hörte ein Wispern und Zischeln und da ahnte er, daß Unheil
drohte. Rasch verließ er den Arbeitsraum, um Terror zu warnen, während
das Hohngelächter von neuem aus dem verschlossenen Maschinenraum
herübertönte.
5. Kapitel.
Furchtbare Stunden.
Terror erwartete Kapitän Mors im Beobachtungsraum.
»Nun?« fragte er. »Haben sie sich besonnen? Wollen die Tollen
nachgeben?«
»Nein,« erwiderte Kapitän Mors. »Der Sinnestaumel hat sie gefaßt, sie
bilden sich ein, daß sie die Herren der Welt wären. Freilich sind es nur
zwei, die beiden Irländer, sie haben die Franzosen betört, diese waren
brave Leute und haben sich nur zu der Meuterei hinreißen lassen. Aber
jetzt gilt es Vorsichtsmaßregeln zu treffen. Die Elenden da drinnen
wollen uns vernichten.«
Terror stellte keine Frage, denn er wußte, daß Kapitän Mors allein zu
handeln pflegte. Er folgte dem kühnen Manne nach einem kleineren Raume.
»Hier binde Dich an,« befahl Kapitän Mors. »Benutze die Riemen und die
Handgriffe. Binde Dich aber so an, daß Du Dich noch bewegen kannst und
triff nur Vorsichtsmaßregeln, daß Du nicht gegen die Wand geschmettert
wirst.«
»Und Ihr, Kapitän? Was wollt Ihr tun?« fragte Terror, indem er der
Weisung nachkam.
»Ich halte mich an den eisernen Handgriffen fest,« lautete die kurze
Antwort. »Das genügt mir, aber spute Dich, der Professor und die beiden
Mädchen sind gewarnt, sie haben Vorsichtsmaßregeln getroffen. Sie
befinden sich in gepolsterten Kammern, da kann ihnen kein Leid
zustoßen.«
»Aber wir könnten ja auch nach den gepolsterten Schlafkammern
hinabgehen,« meinte Terror. »Das wäre sicherer.«
»Allerdings,« erwiderte Mors. »Aber verschiedene Umstände zwingen uns,
hier oben zu bleiben. Die Empörer könnten sich zeigen, um zu sehen, was
aus uns geworden ist. Da müssen wir schnell zu Hand sein und zupacken.
Bist Du fertig? Nun, so ist es gut. Es war auch die höchste Zeit. Du
siehst, jetzt beginnt es, was ich vorausgesehen.«
Das Weltenfahrzeug begann furchtbar zu schwanken.
»Sie verändern das Gleichgewicht des Fahrzeuges,« rief Terror.
»Gewiß,« erwiderte Mors, indem er mit eiserner Kraft die metallenen
Griffe packte. »Wir werden gleich auf dem Kopf stehen.«
Das war auch der Fall.
Jedenfalls hatten die Meuterer in der Maschinenkammer Vorsorge
getroffen, daß sie bei dem Manöver, das sie jetzt mit dem Weltenfahrzeug
vornahmen, keinen Schaden erlitten.
Dagegen wollten sie dadurch Kapitän Mors und dessen treue Begleiter
verletzen oder gar vollkommen vernichten.
Die Handhabung mit dem Riesenmagnet und eine besondere Benutzung der
Maschinen gestattete, das Schwergewicht des Fahrzeuges zu ändern und so
stand urplötzlich das unterste zu oberst.
Dieser Plan der beiden Empörer legte von teuflischer Schlauheit Zeugnis
ab. Sie wollten, daß Kapitän Mors und seine Begleiter durch diese
plötzliche Umdrehung des Fahrzeuges mit den Köpfen gegen die metallenen
Decken schmettern sollten.
Die sechs Männer in der Maschinenkammer hatten sich jedenfalls dagegen
gesichert und festgebunden. Jetzt ließen sie das Fahrzeug wieder
blitzschnell herumdrehen.
Diese Manöver wiederholten sich noch zwei-, dreimal, mit geradezu
furchtbarer Schnelligkeit, es war ein Zeichen, daß die Empörer vieles
von Kapitän Mors gelernt hatten.
Sie verstanden mit der Maschine, welche die Schwerkraft des Fahrzeuges
und das Gleichgewicht veränderte, vortrefflich umzugehen und so wälzte
sich das Weltenfahrzeug noch zweimal herum, sodaß Kapitän Mors und
Terror mit den Köpfen nach unten schwebten.
Terror aber befand sich an den Riemen festgebunden in völliger
Sicherheit und Kapitän Mors hielt sich an den metallenen Handgriffen so
fest, als sei er mit ihnen verwachsen.
Das Weltenfahrzeug schwankte jetzt wie ein Schiff im wildesten Sturme,
bis es allmählich das Gleichgewicht bekam und nun wieder mit furchtbarer
Geschwindigkeit durch den Weltenraum dahinraste.
Kapitän Mors überzeugte sich mit einem Blick, daß Terror nicht verletzt
sei.
»So, das wäre vorüber,« meinte er. »Jetzt will ich zusehen, ob die
Empörer den Maschinenraum öffnen.«
»Wenn es geschieht, Kapitän, es sind sechs gegen einen und das
schlimmste ist, daß unsere elektrischen Waffen in einem Schrank des
Maschinenraums aufbewahrt werden.«
»Das ist allerdings fatal,« sprach der Maskierte. »Das erschwert mein
Vorhaben. Würden sie die Tür öffnen und hätte ich den elektrischen
Revolver zur Hand, so würde ich die Waffe unnachsichtlich gegen die
beiden Rädelsführer gebrauchen.«
»Wenn die Kerle die Waffen finden,« rief Terror besorgt, »dann werden
sie dieselben gegen uns gebrauchen.«
»Das mag sein,« erwiderte Mors. »Aber, dieser Schrank ist versteckt und
in die eiserne Wand eingelassen. Sie werden ihn nicht so leicht finden.
Außerdem trage ich den Schlüssel in meiner Tasche.«
Terror war in großer Sorge und meinte, die Meuterer möchten doch den
Schrank öffnen, die elektrischen Waffen finden und sich dann derer gegen
den Luftpiraten und dessen Anhänger bedienen.
War dies der Fall, so wurde die Situation eine geradezu verzweifelte.
»Das Auffinden der Waffen wäre allerdings ein schwerer Schlag,« sprach
Kapitän Mors, als Terror nochmals Bedenken äußerte. »Aber das alles ist
nicht so schlimm wie der Gedanke, daß die Empörer durch ihre
Unbesonnenheit das Weltenfahrzeug auf den sogenannten toten Punkt
bringen. Sie wissen nicht, wie man diese gefährliche Zone passiert und
da werden sie selbst ihr Todesurteil unterschreiben, aber zugleich auch
das unsere.«
»So wollen wir ihnen doch zurufen,« meinte Terror, der sich inzwischen
von den Riemen befreit hatte. »Wir werden ihnen zuschreien, daß sie
durch ihren Wahnsinn das Verderben heraufbeschwören? Vielleicht geben
sie dann nach und merken, daß sie sich ins Verderben bringen? Dann
könnten wir die Oberhand über das Fahrzeug bekommen.«
»Ich fürchte, sie werden die Nachricht mit Mißtrauen aufnehmen,«
erwiderte Mors. »Aber versuchen kannst Du es immerhin. Gehe an die
Eisentür der Maschinenkammer, denn ich sehe, daß die Leute nicht öffnen.
Versuche, was Du willst, aber ich fürchte, Du wirst wenig Erfolg haben.
Sollte sich während der Zeit das Weltenfahrzeug wieder drehen, mußt Du
Dich rasch an den Handgriffen festhalten. Zur Vorsicht kannst Du Dir
noch einen Riemen um den Leib binden.«
Terror tat, wie ihm geheißen und sicherte sich nach Möglichkeit gegen
das Umschlagen des Fahrzeuges.
Es konnte ja sehr leicht möglich sein, daß die Meuterer das vorherige so
gefährliche Manöver noch einmal wiederholten und er hatte keine Lust,
sich den Schädel an der Eisendecke des Weltenfahrzeugs zu zerschmettern.
Mors blieb einstweilen im Beobachtungsraum und öffnete dort ein kleines,
angeschraubtes Kästchen.
Dort lagen einige seltsam aussehende, patronenartige Gegenstände, die in
einer glänzenden Metallhülle steckten.
Mors nahm zwei derselben heraus und steckte sie in die Tasche,
unterdessen hatte Terror die Unterhandlung mit den Meuterern im fest
verschlossenen Maschinenraum begonnen.
»Wahrhaftig, der ist ja noch ganz lebendig,« schrie Wilkes drinnen. »Das
ist der Terror. He, hallo, wo ist denn der Maskierte? Warum hat sich der
nicht gemeldet?«
Terror war klug genug, um die Antwort schuldig zu bleiben, denn er
hoffte vielleicht, daß man Kapitän Mors für tot hielt, oder daß die
Meuterer doch wenigstens an eine Betäubung oder eine schwere Verletzung
glaubten.
»Von dem Maskierten spricht er nichts, Penn,« rief Wilkes drinnen seinem
Genossen zu. »Der hat jedenfalls was abbekommen. He, holla, aufgepaßt!«
Terror ahnte, daß das Fahrzeug noch einmal den furchtbaren Saltomortale
schlagen würde, und er klammerte sich krampfhaft an den eisernen
Handgriffen fest, während Kapitän Mors seinem Beispiel folgte.
Die Vorsichtsmaßregeln der beiden Männer vereitelten aber das
heimtückische Vorhaben der beiden Rädelsführer.
Endlich gewannen die beiden das Gleichgewicht wieder.
»Wahnsinnige,« rief Terror, als er sich wieder in der natürlichen Lage
befand. »Wißt Ihr denn nicht, daß Ihr der gefährlichen Zone zutreibt,
dem sogenannten toten Punkt, wo sich die Anziehungskraft der Erde mit
der des Mondes ausgleicht? Ihr kennt nicht die Art und Weise, wie man
die Maschinen bedienen muß. Oeffnet, Ihr Tollhäusler, sonst muß das
Fahrzeug bis in alle Ewigkeit in jener gefährlichen Zone schweben.«
Wilkes und Penn stutzten anfangs, aber dann brachen sie wieder in lautes
Hohngelächter aus.
»Wir sind doch keine Kinder,« schrieen sie. »Wir lassen uns doch nicht
durch solche Mätzchen fangen! Nichts damit. Wir sind nicht so dumm und
lassen uns nicht ins Bockshorn jagen, das sind bloß listige Reden, damit
wir den Maschinenraum öffnen. Aber wir denken nicht daran, wir befinden
uns ganz wohl und können auch zu einer Vorratskammer. Ihr aber werdet
früher oder später vom Teufel geholt, wir sind jetzt die Herren des
Weltenfahrzeuges!«
Da half alles nichts, Terror mußte zurück und wutschäumend den Meuterern
freies Spiel lassen.
Er hörte, wie sie drinnen herumhantierten, und verhielt sich völlig
still. Er lauschte auf das, was die Rebellen sprachen.
Den vier Franzosen schien gar nicht wohl zu Mute zu sein, wenigstens
vernahm Terror, wie sie verschiedene Einwendungen erhoben, wie sie
meinten, man solle auf die Warnung des Herrn des Weltenfahrzeuges
achten.
»Unsinn,« schrie Wilkes. »Laßt Euch doch nicht zum Narren halten. Der
möchte bloß herein und uns das Handwerk legen! Da seht Ihr ja seine
Ohnmacht. Derjenige, dem die Maschinenkammer gehört, der ist Herr der
Lage. Dabei bleibt es. Also wollen wir alles weitere abwarten. Wir
können die da draußen verlachen. Vielleicht hat sich der Terror noch
erhalten, aber es scheint wohl, daß der Luftpirat schwer verletzt oder
gar tot in einer Ecke liegt.«
»Schade wäre es um die hübschen Mädels,« meinte Penn, der schon vordem
nach den Schwestern geschielt hatte.
»Ach was,« brüllte Wilkes, »wenn wir die Macht haben, die wir später
besitzen werden, können wir über die schönsten Frauen und Mädchen der
ganzen Erde verfügen. Inzwischen wollen wir uns hier mal die Maschinen
näher betrachten. Hier aus dem großen Apparat in der Ecke kann ich noch
nicht klug werden. Den muß ich mal genauer untersuchen.«
Terror wußte, was die Empörer mit diesem Apparat meinten. Es war eine
seltsam aussehende Maschine, die in der Nähe der eisernen Treppe stand,
welche nach der Vorratskammer im Achterteil des Fahrzeuges
hinunterführte.
Wozu dieser Apparat diente, wußte Terror auch nicht, Kapitän Mors hatte
nie darüber gesprochen.
Die Maschine war auch noch nie in Gebrauch gewesen.
Er nahm sich schon vor, Kapitän Mors danach zu fragen, als er etwas
anderes hörte, was seine Seele mit Hoffnungslosigkeit erfüllte.
Die Meuterer hatten nämlich den verborgenen Wandschrank gefunden.
Deutlich vernahm Terror, wie sie dort hantierten, wie sie darüber
sprachen, was wohl darinnen enthalten sein mußte.
Einen Schlüssel fanden sie natürlich nicht und so entschlossen sie sich
kurz dazu, den Schrank aufzubrechen.
Terror schlich sich zu Kapitän Mors hinüber.
»Es ist alles vorbei,« sprach er leise zu dem Maskierten. »Sie brechen
den Schrank auf, da werden sie unsere fürchterlichen Waffen finden. Dann
greifen sie uns an und dann werden wir ohne Gnade vernichtet.«
»Zuletzt werden wir uns sichern,« erwiderte Kapitän Mors. »Auch die
anderen eisernen Türen sind verschließbar. Da werden wir den Empörern
das Vordringen unmöglich machen.«
Terror seufzte leise, denn er hatte wenig Hoffnung, er meinte wohl, dies
Abenteuer würde das letzte des Kapitän Mors sein, und der berühmte
Luftpirat mit seinen Anhängern ein schmähliches Ende finden.
Die Meuterer besaßen jetzt die Waffen und an dem Jubelgeheul, welches
Wilkes und Penn ausstießen, erkannte man, daß die beiden geschickten
Männer wohl wußten, welche fürchterlich tödlichen Waffen sie in die
Hände bekommen hatten.
Sie wußten das schon von der Insel her, dort hatte man öfters von den
elektrischen Revolvern gesprochen. Sie wußten, daß diese fürchterlichen
Geschosse alles zerstörten. Sie konnten damit sogar die eisernen Türen
sprengen.
Alle diese Gedanken stürmten auf Terror ein, sodaß er ganz nach der
sonderbaren Maschine zu fragen vergaß, von der die Meuterer vorhin
gesprochen hatten.
Kapitän Mors zeigte jetzt eine Tollkühnheit sondergleichen.
Er schlich sich noch einmal nach dem Maschinenraum hinüber, obwohl ihn
Terror dringend zurückzuhalten suchte. Er lauschte noch einmal auf das
Stimmengewirr, welches er da drinnen hörte.
Dann kehrte er zurück, nachdem er die eine Verbindungstür hinter sich
geschlossen hatte.
»Es wird wenig nützen, Kapitän,« meinte Terror betrübt, »wenn die
Kanaillen die elektrischen Geschosse gegen die Tür senden, wird sie
zunächst aufspringen.«
»Ich habe verschiedenes vernommen,« erwiderte Mors. »Zunächst bin ich
überzeugt, daß nur die beiden Irländer die gefährlichen Waffen an sich
genommen haben. Den Franzosen dagegen haben sie diese Waffen nicht
gegeben. Es ist dies für mich ein Beweis, daß die übrigen Männer nur
irregeleitet und verführt worden sind, daß sie sich durch Versprechungen
auf eine glänzende Zukunft verlockt zum Treubruch hinreißen ließen.
Wären nur die beiden Irländer nicht, so würden die Franzosen bald zu uns
zurückkehren. Aber die beiden Rädelsführer sind zum äußersten
entschlossen. Ich aber auch. Auch ich werde jetzt gegen die Meuterer
vorgehen, koste es, was es wolle.«
»Aber, Kapitän, Ihr habt ja keine Waffen. Die befinden sich ja alle in
der Maschinenkammer,« meinte Terror halb verzweifelt.
Die Augen des Maskierten funkelten wie glühende Kohlen.
»Und ich muß doch hinein,« sprach er. »Geschehe, was da wolle. Hier,« er
zog die metallisch glänzenden Patronen hervor, »diese Sprengpatronen
sollen mir dazu dienen, die Tür nach dem Maschinenraum zu öffnen.«
»Dann werdet Ihr sofort von den Geschossen der elektrischen Revolver
begrüßt,« rief Terror. »Nein, das geht nicht. Das wäre Euer Verderben!
Mit Eurem Tode, Kapitän, ist aber alles zu Ende.«
»Haltet mich nicht zurück,« erwiderte Mors. »Es wäre völlig vergeblich.
An den Instrumenten sehe ich, daß wir uns bereits dem toten Punkt
nähern, ich muß das letzte aufbieten, um mein Fahrzeug aus dieser
gefährlichen Zone zu retten. Halte mich nicht zurück, Terror, es hat
keinen Zweck. Du weißt, wenn ich einen Entschluß gefaßt habe, so kann
nichts auf der Welt denselben erschüttern. Handeln muß ich. In den
nächsten Stunden wird die Entscheidung fallen.«
6. Kapitel.
Der tote Punkt im Weltenraum.
Terror fügte sich in das Unvermeidliche, denn er kannte ja den
rätselhaften Mann zur Genüge.
»Jetzt müssen wir eine kleine elektrische Batterie herstellen,« sprach
der Maskierte. »Es befinden sich einige an Bord des Weltenfahrzeuges,
aber auch diese stehen in der Maschinenkammer. Es ist, als hätte sich
alles gegen uns verschworen. Aber ich werde das Schicksal zu zwingen
suchen. Vorwärts, Terror, gehen wir an die Arbeit.«
Glücklicherweise waren einige Ersatzteile für die elektrische Batterie
vorhanden. Aber, es verging doch geraume Zeit, ehe die beiden Männer das
Nötige herstellen konnten.
Bald fehlte es an Drähten, bald an einem Isolator, aber endlich wurde
doch etwas zusammengebracht, was als elektrische Batterie zur Not dienen
konnte.
Die Zeit war aber rasch verflossen.
Kapitän Mors legte eben die letzte Hand an das Werk, als das
Weltenfahrzeug wieder unregelmäßige Bewegungen machte.
»Sie wollen uns wieder auf den Kopf stellen,« rief Terror, indem er nach
den Handgriffen faßte.
Mors aber sprang zu den Instrumenten.
Deutlich sah Terror, wie der Maskierte zusammen zuckte.
»Was gibt es?« rief er hinüber.
»Das Gefürchtete ist geschehen,« erwiderte Kapitän Mors. »Wir befinden
uns auf dem toten Punkte.«
»Eine schöne Bescherung,« murrte Terror, indem er sein Entsetzen
möglichst zu verbergen suchte. »Da können wir jetzt einen neuen
Weltkörper bilden und solange das Fahrzeug zusammenhält, wird es an
dieser Stelle zwischen Erde und Mond schweben, als ein riesiger
metallner Sarg, in dessen Innern wir allmählich zu Staub verfallen.«
»Unsere Lage ist in der Tat fürchterlich,« erwiderte Mors, indem er
unablässig die Instrumente beobachtete. »Durch die Unbesonnenheit der
Meuterer sind wir in diese schreckliche Lage gebracht worden und Du
siehst an den Instrumenten, daß sich das Fahrzeug völlig unbeweglich
verhält.«
»Gibt es kein Mittel, um den »Meteor« aus dieser furchtbaren Lage zu
befreien?« fragte Terror hastig.
»Vielleicht,« erwiderte Mors. »Du erinnerst Dich wohl, daß Du mit
Verwunderung die Maschine betrachtetest, die im Lenkraum neben der
Treppe zur Vorratskammer steht. An diese eigenartige Maschine, von der
eine Menge Drähte nach einer Art eisernen Galgen laufen, auf dem ein
ungeheurer Brennspiegel angebracht ist?«
»Ja, Kapitän,« erwiderte Terror. »Ich habe ja schon mehrmals danach
gefragt, aber Ihr habt nie eine Antwort gegeben.«
»Nein, diese Maschine habe ich für Notfälle aufgestellt, es ist das
Resultat langer Arbeit. Diese merkwürdige Maschine, deren Zweck Du Dir
nie erklären konntest, dient dazu, die sogenannte Sonnenenergie
aufzuspeichern.«
»Sonnenenergie,« wiederholte Terror, ohne zu wissen, was dies bedeutete.