»Dienen tut keiner gern,« fuhr Wilkes fort. »Aber heutzutage

40. Band. Jeder Band ist vollständig abgeschlossen.

Preis 10 Pf. (15 Heller.)

Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff.

Die Empörung im Weltenfahrzeug.

[Illustration: Ein grauenvoller Anblick bot sich den Eintretenden

dar. Die Körper der beiden Männer wurden in furchtbarem Wirbel

von der unheimlichen Maschine umhergeschleudert.]

Druck- und Verlags-Gesellschaft

Berlin

Die Empörung im Weltenfahrzeug.

1. Kapitel.

Das seltsame Licht.

Dichter Nebel bedeckte Land und Meer.

Die grauen Massen lagerten sich schwer über die schäumenden Wogen, sodaß

das Auge nicht in die Weite zu schweifen vermochte.

Auch auf der geheimnisvollen Insel des Kapitän Mors lagen die Nebel und

dieser Umstand brachte es dahin, daß die Wachsamkeit, die auf der Insel

herrschte, verdoppelt wurde.

Allerdings hatte man keine Schiffe gewahrt und auch kein Zeichen eines

feindlichen Angriffes bemerkt. Dagegen hatte Kapitän Mors, der stets und

ständig Erkundigungen in der Welt einzog, einiges erfahren, was ihm zu

denken gab. Es schien, als ob wieder mal ein Angriff auf die

geheimnisvolle Insel geplant wurde. --

Die Nacht war vorüber und der Morgen dämmerte. Durch die Nebelmassen

schritt der stolze Mann, der das lenkbare Luftschiff und das

Weltenfahrzeug erbaut und hier auf der Insel wie ein König in seinem

Reiche herrschte.

Kapitän Mors inspizierte die Wächter, die er hier und dort am

Klippenstrand der Felseninsel aufgestellt hatte und ließ sich von ihnen

Bericht erstatten.

Soeben nahte er einem hohen Klippenrand, dort stand im Schutz einiger

gewaltiger Felsblöcke eine Männergestalt, die sich zum Schutz gegen die

feuchtkalten Nebel in eine große Decke eingehüllt hatte.

Es war einer der Inder, einer der treuen Gefährten des Kapitän Mors. Er

trat an den Wächter heran.

»Ist etwas vorgefallen?« fragte er mit jenem freundlichen Ernst, den er

stets seinen Leuten zeigte.

Kapitän Mors erwartete eine verneinende Antwort, denn der Nebel

versperrte ja jede Fernsicht, die Antwort setzte ihn daher in einiges

Erstaunen.

»Gesehen habe ich was, Kapitän,« lautete der Bescheid des

Wachehaltenden, »und zwar gegen Morgen. Als sich der Morgenwind erhob,

blies er tüchtig in die Nebelmassen und trieb sie ein wenig auseinander.

Da habe ich einige hundert Meter von der Insel ein sonderbares Licht

gesehen, es war ein bläulich-grüner Schimmer, der zuweilen aufzuckte und

dann wieder verschwand. Es wiederholte sich noch mehrmals.«

»Also ein Schiff,« meinte Kapitän Mors ruhig. »So scheinen die Gerüchte,

die ich vernommen, doch auf Wahrheit zu beruhen. Nun, mögen meine Gegner

nur kommen, sie finden einen heißen Empfang, ich würde diesmal keine

Schonung kennen. Wenn sie mich reizen, will ich ihnen mal meine Macht

zeigen.«

»Nein, Kapitän, ein Schiff war es nicht,« fuhr der Wächter fort. »Der

Wind hatte die Nebelmassen völlig verjagt und da hätte ich ein Schiff

sehen müssen, ja selbst einen Gegenstand, der nur so groß wie ein Boot

gewesen wäre. An der Stelle, wo das Licht aufflimmerte, sah ich nichts

als die Gewässer, welche im regelmäßigen Kommen und Gehen gegen unsere

Felsenküste brandeten. Das war ja eben das Sonderbare.«

»So, so,« erwiderte Kapitän Mors gedehnt, »und Du hast Dich nicht

getäuscht?«

»Nein, Kapitän, denn ich habe das Licht immer wieder beobachtet, bis es

endlich verschwand. Im Meere gibt es ja viele Geheimnisse und da wollte

ich Euch schon fragen, ob es nicht ein ungeheures Tier gewesen sein

kann. Gibt es doch sogar elektrisch leuchtende Fische. Könnte da nicht

irgend ein solches Riesentier aus den Tiefen des Meeres emporgestiegen

sein?«

»Ich bezweifle es,« erwiderte Kapitän Mors. »Allerdings gibt es große

Fische, die eine Art natürlicher Leuchtapparate besitzen, aber dies

Licht ist doch zu schwach, um in solcher Entfernung bemerkt zu werden.

Auch würden derartige Seeungeheuer, die in ungeheuren Tiefen leben,

alsbald den Tod finden. Schade, daß ich das Licht nicht selbst gesehen

habe, aber ich werde jetzt meine Maßnahmen darnach treffen.«

Kapitän Mors blieb noch eine ganze Weile bei dem Wächter und beide

Männer blickten auf das Meer, aber die Nebelmassen zogen sich immer

dichter und dichter zusammen.

Der Mann an der Seite des Kapitän Mors schien öfters zusammenzuzucken,

er zitterte krampfhaft und Kapitän Mors schien dies bald zu bemerken.

»Fühlst Du noch immer die krankhaften Zuckungen in Deinem Körper?«

fragte er plötzlich. »Ich habe diesen Zustand auch bei Deinen Gefährten

beobachtet, welche die Fahrten im Weltenfahrzeug unternahmen.«

»Allerdings, Kapitän,« klang es zurück. »Zeitweise ist es, als ob die

Glieder völlig gelähmt seien, es gibt Stunden, in denen man sich kaum

bewegen kann.«

»Seltsam,« murmelte Kapitän Mors. »Weder ich, noch Star oder Terror

haben etwas von diesen Anfällen bemerkt, auch die Töchter des Ingenieurs

und der Astronom sind von solchen Anfechtungen verschont geblieben. Es

scheint, daß nur die Inder unter den Fahrten im Weltenfahrzeug leiden.

Das kommt wohl daher, daß sie aus einem tropischen Lande stammen, und

ihre Körper weniger widerstandsfähig sind, als die der Europäer.«

»Ich glaube es auch, Kapitän, aber wir werden uns daran gewöhnen. Wir

werden aushalten, bis wir bei den Fahrten im Weltenraum dieselbe

Widerstandskraft besitzen. Der Mensch gewöhnt sich ja an alles.«

»Das ist richtig,« antwortete Kapitän Mors, »aber ich habe keine Lust,

die Gesundheit meiner getreuen Anhänger zu vernichten. Dabei bin ich

doch auf meine Inder angewiesen. Nun vielleicht wird sich auch hier Rat

schaffen lassen.«

Das verdächtige Licht zeigte sich nicht mehr und die Nebel blieben. Die

Sonne vermochte nicht, diese grauen Massen zu durchbrechen, es schien,

als hätte eine böse Fee die Insel und das ganze weite Meer verzaubert.

Kapitän Mors sprach nicht über die Beobachtung des Inders, aber er ließ

alle nur erdenklichen Vorsichtsmaßregeln treffen.

An den meisten Stellen war ja die Insel völlig unzugänglich und bot den

Anblick einer kolossalen Felsenmasse.

An den wenigen Stellen aber, wo eine Landung möglich schien, wurden

sonderbar aussehende Apparate aufgestellt, die von zuverlässigen Leuten

bedient wurden.

Das waren Zerstörungsapparate, welche dem Erfindungsgenie des Kapitän

Mors ihre Entstehung verdankten.

Diese Apparate konnten auf ziemliche Entfernung hin zerstörend wirken,

sie konnten gepanzerte Schiffe vernichten. Kapitän Mors hatte keine

Lust, ein Betreten seines Reiches zu dulden.

Er gab den Männern, welche die Zerstörungsapparate bedienten, Vollmacht,

daß sie nach ihrem eigenen Gutdünken handeln sollten, gebot aber, wenn

irgend möglich, das Hauptquartier, wie er sein Heim auf der Insel

nannte, beim Erkennen verdächtiger Gegenstände benachrichtigen zu

wollen.

Der Vormittag verging ruhig.

Alle Männer auf der geheimnisvollen Insel beobachteten das Meer, soweit

es eben der durch die Nebelmassen gehemmte Blick erlaubte.

Auch die Männer des Kapitäns meinten, daß irgend ein Anschlag geplant

sei, der möglicherweise mit besonderer Heimtücke in Szene gesetzt werden

würde.

Am Nachmittag begann sich der Wind, der sich völlig gelegt, wieder zu

erheben, er wurde stärker und stärker und entwickelte sich allgemach zu

einem Sturme.

In kurzer Zeit schlugen die Wellen mit fürchterlicher Gewalt gegen das

Klippenufer, es war ein großartiges Schauspiel, wie der Sturm die

Nebelmassen durcheinander schleuderte.

Die Bewohner der Insel kannten solche Naturereignisse. Die dichten Nebel

waren gewöhnlich die Vorboten schwerer Stürme, die sich zuletzt zu

wahrhaft rasenden Orkanen steigerten.

Das schien auch diesmal der Fall zu sein, denn der Wind nahm derartig

zu, daß sich die majestätischen Stämme der Kokospalmen wie dünne

Grashalme bogen, daß die Kronen der Palmen beinahe den Erdboden

berührten.

Aber für die Bewohner der Insel war nichts zu besorgen.

Alle Gebäude waren fest errichtet und an Stellen erbaut, wo sie gegen

den wütenden Sturm Schutz fanden. Die Häuser an der Haupteinfahrt

bestanden aus Stein und konnten selbst dem wütendsten Orkan Trotz

bieten.

Fürchterlich war das Tosen des rasenden Gesellen, das Geheul und Gebrüll

der Brandung, die Wellen schlugen an die Felsenküste, als wollten sie

die Klippen zertrümmern.

»Wenn Feinde von uns draußen sind, geht es ihnen schlecht,« sprach

Ingenieur Star zu Kapitän Mors. »Mögen sie nun nahen, wie sie wollen,

der Orkan verdirbt ihnen den Spaß. Selbst wenn sie unter dem Schutze des

Nebels die teuflischsten Anschläge geplant hätten.«

Mors gab keine Antwort, aber er teilte offenbar die Ansicht seines

Gefährten.

Es durfte sich niemand aus den Häusern wagen, der Orkan schleuderte

alles zu Boden. Nur der Luftpirat verließ einige Male sein

Hauptquartier, dieser eiserne Mann trotzte selbst der Gewalt der

Elemente.

Der Abend kam und der Orkan wütete mit unverminderter Gewalt fort, die

Nebelmassen aber waren jetzt völlig verschwunden.

Der Sturm hatte sie hinweggefegt und nun bot die See ein Bild, wie man

es selten zu schauen vermochte.

Haushohe Wogen jagten daher, und schlugen mit fürchterlicher Gewalt

gegen die Klippen, die ihnen den Weg versperrten.

Ein salziger Sprühregen flog weit landeinwärts und die Uferfelsen waren

mit weißem Schaum bedeckt, so daß es aussah, als ob Schnee gefallen

wäre.

Da brauchte niemand Wache zu halten. Aber die Leute, welche an der

Hafeneinfahrt wohnten, sahen bis spät in die Nacht auf die See hinaus

und betrachteten mit nie ermüdendem Staunen das prächtige Spiel der

entfesselten Naturgewalten.

Um Mitternacht vernahm Kapitän Mors den Zuruf der beiden Ingenieure, die

jetzt in dem steinernen Hause wohnten.

»Kapitän, Kapitän,« rief Terror, indem er an die Tür klopfte. »Wir haben

eben draußen auf der See ein grünlich-blaues Licht gesehen. Es ist

gerade, als ob da ein Fahrzeug von den empörten Wogen hin- und

hergeschleudert wird. Aber merkwürdiger Weise ist kein Schiff zu

erblicken.«

In wenigen Augenblicken stand Kapitän Mors am Fenster.

Da sah er auch den seltsamen Lichtschimmer, der ab und zu aufblitzte. Er

zog an der Klippeninsel vorüber und es schien, als wolle er jene Stelle

erreichen, wo die Felsen direkt senkrecht aus dem Meere emporstiegen.

»Es wird etwas von den Wogen dahingetrieben,« sprach Kapitän Mors, »der

Wächter, den ich heute morgen sprach, dachte an einen riesigen Fisch,

aber das halte ich für ausgeschlossen, ich muß das unbekannte Ding für

Menschenwerk halten.«

Mors hatte das Fenster aufgerissen.

Zu sehen war nichts mehr, man vernahm nur das Brüllen der Wogen, das

gräßliche Sausen und Heulen des Sturmes, das Knarren und Aechzen der

Palmen, die sich unablässig unter den anstürmenden Orkanstößen neigten.

So ging die Nacht vorüber und gegen Morgen brach sich die Gewalt der

Elemente, der Orkan tobte nicht mehr, aber die Wellen brandeten noch mit

aller Macht gegen die Steilklippen.

Auf der geheimnisvollen Insel pflegte man nach solchen furchtbaren

Stürmen immer die Küste abzusuchen, da es nicht selten vorkam, daß

alsdann Trümmer angeschwemmt wurden.

Oft genug fand man Eingeborenen-Canots von den benachbarten Inseln oder

vielmehr die Trümmer dieser sonst ziemlich seetüchtigen Fahrzeuge.

Es war jetzt hell genug geworden, aber ein feiner Regen rieselte

hernieder.

Kapitän Mors, die Ingenieure und einige Inder hüllten sich in ihre

wasserdichten Regenmäntel und machten sich daran, den Klippenstrand der

geheimnisvollen Insel zu umschreiten.

Unwillkürlich verfolgte Kapitän Mors den Weg nach dem nordöstlichen

Strand und wendete sich der Stelle zu, wohin das blaugrüne Licht

getrieben wurde.

Einer der Inder, ein junger, sehr leichtfüßiger Mann, war eine Strecke

voraus und erstieg gerade mit großer Behendigkeit die Klippen.

Da richtete sich der Mann plötzlich empor.

»Kapitän, Kapitän,« schrie er, mit den Armen gestikulierend. »Kommt

rasch, rasch, hier ist etwas Seltsames zwischen die Klippen geklemmt und

da sind auch Menschen!«

Es war kein Wunder, daß dieser Zuruf Kapitän Mors und dessen Begleiter

zur größten Eile veranlaßte.

Sie rannten um die Wette, klommen an den Klippen empor und schauten in

eine Art Bai hinunter.

Diese war ganz von Klippen angefüllt und dort lag in der Tat etwas

Merkwürdiges.

Es erschien fast wie ein riesiger Fisch von ungeheuren Dimensionen, wie

ein gestrandetes Ungeheuer, an dessen Seiten die Wogen brandeten.

Gischt und Wogenschaum gingen über das sonderbare Ding hinweg, so daß es

nur selten den Blicken sichtbar wurde.

»Das ist kein Meeresungeheuer,« rief Kapitän Mors plötzlich. »Das ist

Menschenwerk, ein Fahrzeug, welches sicherlich aus Metall hergestellt

ist. Nein, ich täusche mich nicht, das ist ein Unterseeboot.«

»Von dem ist das geheimnisvolle Licht ausgegangen,« ergänzte Terror.

»Kapitän, die dort hatten nichts Gutes im Sinne. Es war auf uns

abgesehen, das Unterseeboot wollte jedenfalls die Bewohner unserer Insel

angreifen. Jetzt ist das Ding gescheitert und die Wellen werden es

allmählich in Stücke zerschlagen.«

»Das mag sein,« erwiderte Kapitän Mors. »Aber jetzt müssen wir sehen,

daß wir die Menschen dort auf die Insel schaffen. Das gebietet die

Menschlichkeit, selbst, wenn diese Leute feindliche Absichten hegen. Was

dann mit diesen Leuten geschehen wird, werde ich noch bestimmen. Sie

befinden sich jetzt in größter Not und sind dem Untergang nahe.«

Es war in der Tat ein großes Unterseeboot, welches der furchtbare Sturm

zwischen die Klippen getrieben hatte.

Da lag es festgeklemmt und ragte gleich einem kolossalen Ungeheuer aus

den Wogen empor.

Seine Lage aber brachte es mit sich, daß eine Anzahl Menschen, die sich

zweifellos im Innern befunden hatten, eine hoch aus dem Wasser

emporragende Klippe erreichen konnten.

Da hockten sie in verzweifelter Lage, bis auf die Haut durchnäßt, Gischt

und Wogenschaum ging über sie hinweg, und die Brandung drohte diese

Leute mit sich fortzureißen und ihre Körper an den zackigen Klippen zu

zerschmettern.

2. Kapitel.

Die Mannschaften vom Unterseeboot.

Kapitän Mors legte beide Hände an den Mund, so daß sie gleichsam ein

Sprachrohr bildeten.

»Haltet aus!« schrie er mit mächtiger Stimme, die den Donner der Wogen

übertönte. »Klammert Euch fest, es kommt Hilfe!«

Auf der geheimnisvollen Insel befanden sich nicht nur Zerstörungs-,

sondern auch Rettungsapparate.

Kapitän Mors schickte den schnellfüßigen Inder nach dem Hauptquartier

mit dem Befehl, daß einer der Rettungsapparate herbeigeschafft werden

sollte.

Dieser war ganz nach der Art erbaut, wie man solche an den europäischen

Meeresküsten verwendete. Es war ein Raketenapparat mit Stricken und

Körben, die mittels Rollen auf dem Seil bewegt werden konnten.

Es dauerte noch eine halbe Stunde, aber dann war der mit dem

Rettungsapparat beladene Wagen zur Stelle.

Zuerst wurde eine Art Mörser auf die Klippen gestellt, und mit einer

Rakete geladen.

An diese Rakete war ein dünnes Tau befestigt und Kapitän Mors feuerte

den Mörser so geschickt ab, daß die lange Leine bis zu der von den

Schiffbrüchigen besetzten Klippe hinüberflog.

Die gestrandeten Mannschaften begriffen sofort, was da vorging und

mochten ähnliche Rettungsapparate kennen.

Sie ergriffen die Leine und zogen sie an, auf diese Weise zogen sie ein

dickes, an die Leine gebundenes Tau zur Klippe hinüber.

Das Ende dieses sehr festen und widerstandsfähigen Taues wurde an den

Felsen befestigt, und so war eine Verbindung zwischen der Klippe und dem

festen Lande hergestellt. Man brauchte nur noch den auf Rollen laufenden

Korb hinüberzusenden, um die Schiffbrüchigen einen nach dem andern auf

die geheimnisvolle Insel zu holen.

Da das Tau in etwas abschüssiger Richtung nach der Klippe hinabführte,

rollte der Rettungskorb leicht hinunter.

Zwei der halberstarrten Männer stiegen ein und wurden mittelst einer

Leine, die am Korb befestigt war, von den Indern auf den Felsenstrand

der Insel herübergezogen.

Dort reichte man ihnen sofort wollene Decken, während der Rettungskorb

schon wieder nach der Klippe hinunterrollte.

Auf diese einfache Art und Weise wurden im Verlauf von kaum einer halben

Stunde die sämtlichen zehn Männer, welche sich auf der Klippe befanden,

auf die Insel gebracht.

Kapitän Mors betrachtete die Geretteten, die vor Kälte und Nässe fast

erstarrt waren und sich in einem ganz jämmerlichen Zustande befanden.

Je zwei Inder faßten einen der Geretteten unter den Arm, da sie

dieselben nur auf diese Weise aufrecht zu erhalten vermochten.

Nun ging es landeinwärts, nach einem der in den Klüften erbauten

Gebäude, in denen die Schiffbrüchigen einstweilen Unterkunft finden

sollten.

Dort wurden sie ihrer triefend nassen Kleidung entledigt und ihnen

einige warme, behagliche Lagerstätten hergerichtet.

Die Leute ließen alles mit sich geschehen, ganz wie kleine, hilflose

Kinder, sie waren zu Tode erschöpft und nicht imstande, einen Laut

hervorzubringen.

Todmüde mußten sie sein, da sie alsbald in eine Art Totenschlummer

verfielen und regungslos zwischen den wollenen Decken lagen.

Kapitän Mors bestellte sofort eine Anzahl seiner Inder als Wächter.

Er gab ihnen den Befehl, die Geretteten zu bewachen und wenn sie das

Bewußtsein erlangten, belebendes Getränk und Speisen zu reichen.

Zugleich aber sollten ihn die Inder von dem Erwachen der Geretteten

benachrichtigen.

Darauf begab sich der Luftpirat in das Hauptquartier zurück, nachdem er

vorher die Stelle des Schiffsbruchs besichtigt hatte.

Das große Unterseeboot war schon halb zertrümmert und Kapitän Mors war

überzeugt, daß es in wenigen Stunden der Wut der Wellen zum Opfer

gefallen sein würde.

Der Rest des Tages verging, und es kam die Nacht, Kapitän Mors erhielt

zeitweise Nachrichten, aber es wurde ihm gemeldet, daß die

Schiffbrüchigen noch immer in totenähnlichem Schlafe lägen.

Erst am nächsten Morgen wurde gemeldet, daß sie erwacht seien und daß

man ihnen Speise und Trank gereicht hätte.

Kapitän Mors begab sich sofort in das Gebäude, welches den Gestrandeten

zum Aufenthalt diente.

Die zehn Männer waren bei voller Besinnung, saßen auf ihren Lagerstätten

und blickten mit einiger Neugier, vor allen Dingen aber auch mit einer

gewissen Scheu auf den Mann mit der Maske.

Sie mochten vielleicht an ihr zukünftiges Schicksal denken und über

dasselbe in Sorge sein. Kapitän Mors aber las in den Augen dieser

Männer.

»Es war auf mich abgesehen, kein Zweifel,« murmelte er. »Das galt mir!

Diese Männer haben jetzt Sorge, daß ich sie zur Verantwortung ziehen

möchte. Sie fürchten für ihr Leben.«

Der Maskierte trat näher und heftete seine Feueraugen auf die geretteten

Mannschaften.

Er war überzeugt, daß sich kein Offizier darunter befand, sondern daß er

nur die gewöhnliche Besatzung des gescheiterten Fahrzeuges gerettet

hatte.

»Nun?« fragte Kapitän Mors mit eiserner Strenge, während seine

durchdringenden Augen auf den Leuten hafteten. »Wie kommt Ihr denn

hierher? Was hattet Ihr am Strande meiner Insel zu tun?«

Kapitän Mors hatte die Leute französisch angesprochen und sah sofort,

daß er verstanden wurde.

»Ja, was können wir dafür,« erwiderte einer der Männer, der jetzt das

Wort ergriff und den die andern wohl stillschweigend als den Sprecher

betrachteten. »Wir sind Matrosen und Mechaniker, wir mußten gehorchen.

Wir haben gar keine Ahnung gehabt, um was es sich handelte, als wir von

Saigon hierher beordert wurden. Unsere Offiziere, die haben es freilich

besser gewußt, sie hatten geheime Befehle empfangen. Aber die Offiziere

sind tot. Als das Unterseeboot gegen die Felsen stieß, wurden sie, da

sie sich im vorderen Räume nahe der Torpedokammer befanden, buchstäblich

zerquetscht. Wir befanden uns im Achterteil des Fahrzeuges und konnten

uns, da der Metallrumpf auseinanderklaffte, im letzten Moment auf die

Klippe zu retten.«

»Wie hieß das Fahrzeug?« fragte Kapitän Mors.

»Der »Fliegefisch«,« schallte es zurück. »Das Unterseeboot gehörte zur

Flotte, die die Häfen Tonkins besetzt hält, dort war die Order gekommen

und da wurde der »Fliegefisch« in die Südsee dirigiert. Wir sind hier

schon eine Woche herumgefahren, ehe uns das Unglück ereilte.«

»Das war also das seltsame Licht,« murmelte Kapitän Mors. »Dies rührte

vom Unterseeboot her, das zur Spionage abgesandt worden war. Also hatten

es auch mal die Franzosen auf mich abgesehen. Nun, es ist ja ein

vergebliches Bemühen. Die Offiziere des Unterseeboots sind tot und die

gerettete Mannschaft kann nicht dafür, daß die Vorgesetzten das Fahrzeug

an diese Küste schickten. Was soll ich mit den Leuten anfangen? Gesehen

haben sie nichts. Ich hätte fast Lust, sie mit einem Eingeborenenboote

über kurz oder lang nach Australien zu senden. Aber, das ist auch eine

zweifelhafte Sache. Weiter hinten wohnen noch kannibalische Stämme, da

könnten die Leute in die Hände der Menschenfresser fallen.«

Star trat heran.

»Freilassen dürft Ihr sie nicht, Kapitän,« flüsterte er. »Wenn sie auch

nicht viel gesehen haben, können sie doch über manches, was hier auf der

Insel vorgeht, Auskunft geben. Ihr wißt ja, was Ihr gesagt habt, wenn

ein Fremdling die Insel betritt, so bleibt er zeitlebens ein

Gefangener.«

»Nun, das werden wir sehen,« meinte Kapitän Mors. »Vorläufig kann ich

noch keine Entscheidung treffen. Die Männer werden aufs schärfste

bewacht, sonst aber mit allem versehen, was sie nur bedürfen. Das Haus

hier werden sie unter keinen Umständen verlassen, wenigstens nicht ohne

meine Erlaubnis.«

Damit wendete sich Kapitän Mors zur Tür.

»Hört, hört, Herr,« rief ihm der Wortführer der Geretteten nach. »Was

geschieht mit uns? Hat man unseren Tod beschlossen?«

»Ich lasse nicht nutzlos morden,« gab Mors zurück und verließ

unmittelbar darauf das Zimmer.

Das war freilich ein schlechter Trost und die Schiffbrüchigen schienen

über ihr Schicksal in Unruhe zu geraten. Sie flüsterten zusammen und

warfen besorgte Blicke auf die bewaffneten Inder, die wie Statuen ihr

Wächteramt verrichteten.

Am nächsten Morgen wurde Kapitän Mors gemeldet, daß ihn die Geretteten

wieder zu sprechen wünschten.

»Sie haben sich alle gut erholt,« meinte Star, der diese Botschaft

brachte. »Es sind alles kräftige, stattliche Kerle. Sechs von ihnen

stammen aus der Normandie, die anderen vier sind Irländer. Sie verstehen

übrigens sämtlich etwas von der Mechanik und vom Ingenieurwesen, das

habe ich durch allerhand Fragen herausbekommen. Wenn sie Gefangene

bleiben, können sie uns möglicherweise gute Dienste leisten.«

»Das wird sich finden,« erwiderte Kapitän Mors. »Mein Entschluß ist noch

nicht gefaßt. Ich werde jetzt mit den Leuten sprechen.«

Eine halbe Stunde später stand Kapitän Mors vor den Geretteten, die mit

scheuen Mienen auf den Mann schauten.

Sie trauten offenbar dem Frieden nicht und meinten, das Abenteuer möchte

übel enden, sie fürchteten, daß Kapitän Mors den Befehl zu ihrer

Hinrichtung geben möchte.

»Nun, was begehrt Ihr?« fragte der Maskierte. »Was habt Ihr für ein

Anliegen?«

Der Sprecher der Schiffbrüchigen war ein Irländer, der sich Wilkes

nannte.

Er schien auf dem Unterseeboot als Steuermann gedient zu haben und war

offenbar ein sehr geschickter Mensch, der Kapitän Mors gute Dienste

leisten konnte.

»Ich wollte eine Bitte an Euch richten, Herr,« begann Wilkes in recht

demütigem Tone. »Wir wissen, daß wir uns auf einer Insel befinden, auf

die man schwer hinauf, aber wohl noch schwerer hinunterkommt. Wir sind

alles Leute hier, die was gelernt haben und viel von der Technik und dem

Ingenieurwesen verstehen. Ihr wißt sicherlich, daß nur solche Leute zum

Dienst auf den Unterseebooten zugelassen werden.«

Kapitän Mors neigte den Kopf, als Zeichen der Zustimmung.

»Dienen tut keiner gern,« fuhr Wilkes fort. »Aber heutzutage muß man ja

froh sein, wenn man nur Beschäftigung findet. Der Dienst auf dem

Unterseeboot ist schwer, aufreibend und gefährlich. Da es nun mal das

Schicksal so gefügt hat, daß wir hier auf dieser Insel stranden sollten,

so bitte ich Euch im Namen meiner Kameraden, uns gewissermaßen in Eure

Dienste aufzunehmen. Wir wollen uns nützlich machen, so gut wir können,

wir versprechen fleißig zu arbeiten und das, was wir gelernt haben, zu

Eurem Nutzen anzuwenden. Dafür bitten wir nur, daß uns das Leben

geschenkt wird. Wenn wir diese Gewißheit haben, sind wir schon glücklich

und zufrieden.«

Kapitän Mors war nie grausam und die Unterwürfigkeit dieser Leute machte

auf ihn einen gewissen Eindruck.

Aber, es kam auch noch etwas anderes hinzu. Ihm war eben ein Gedanke

durchs Hirn gezuckt. Blitzartig, wie alle jene Entschlüsse, die der

Luftpirat faßte.

Kapitän Mors plante nämlich eine neue Reise mit dem Weltenfahrzeug.

Da hatte er aber bei seinen letzten Fahrten zu seinem Verdruß bemerkt,

daß die Inder, seine treuen Gefährten, unter den ungewohnten Strapazen

litten.

Jedenfalls war es ihre Konstitution und die Gewöhnung an das tropische

Klima, welche die Folgen der seltsamen Reisen so nachteilig auf sie

wirken ließ. Die Inder kränkelten und es zeigten sich bei ihnen seltsame

Nervenzuckungen. Es war zweifellos, daß sie sich an die abenteuerlichen

Fahrten im Weltenraum erst gewöhnen mußten.

Da Star oder Terror aber abwechselnd auf der Insel zurückbleiben mußten,

so hatte Mors nur einen einzigen Mann, der ihm bei der Bedienung der

Maschinen zur Hand gehen konnte, das war aber völlig ungenügend.

Zwar hatte er noch die beiden Töchter des Ingenieurs als Gehilfinnen zur

Verfügung, aber das waren doch nur Mädchen, und Kapitän Mors dachte viel

zu edel, als daß er die beiden, die so treu an ihm hingen, mit schwerer

Arbeit überbürdet hätte.

Da kam ihm der Gedanke, das Angebot der Mannschaft des Unterseeboots zu

benutzen. Das waren Leute, die er gebrauchen konnte, die verstanden, mit

Maschinen umzugehen, die waren zäh und widerstandsfähig, das hatten sie

schon bei der Strandung auf den Klippen bewiesen.

Prüfend sah er sie an und musterte sie mit seinen feurigen Augen.

»Wenn ich ein Uebriges tun würde?« sprach er langsam. »Wenn ich Euer

Leben schone, Euch mit allem Nötigen versehe, und Ihr für Eure Dienste

außerdem eine besondere Belohnung erhaltet?«

»O, dann könnt Ihr mit uns machen, was Ihr wollt,« rief Wilkes

hocherfreut. »Dann tun wir für Euch, was Ihr nur verlangt, dann gehen

wir, wenn es nötig ist, mit in die Hölle.«

»Es ist gut,« erwiderte Mors mit schnellem Entschluß. »Ich nehme Euch

beim Wort. Zwei von Euch werden auf dieser Insel zurückbleiben und mir

gewissermaßen als Geiseln für Euer Wohlverhalten dienen. Diese Männer

werden bewacht, aber sie sollen nichts entbehren. Acht von Euch will ich

zu einer geheimnisvollen Reise mitnehmen und zusehen, ob Ihr mir

wirklich so nützlich seid, wie Ihr es versprecht. Seid Ihr das, so könnt

Ihr auf meinen Dank rechnen. Eurer Los ist dann gesichert, Ihr könnt

später im Ueberfluß leben, Ihr braucht nichts zu entbehren. Ihr könnt

nach längerer Prüfung sogar unter meine Gefährten aufgenommen werden.

Wenn Ihr das wollt, so sollt Ihr mir den Eid der Treue leisten.«

»Wir wollen es, wir wollen es,« riefen die Leute, wie aus einem Munde,

während sie förmlich jubilierten. »Wir haben es ohnehin schlecht genug

gehabt, unsere Offiziere waren Tyrannen, da sind wir drangsaliert und im

Unterseeboot härter wie Gefangene gehalten worden. Diese Knechtschaft

haben wir satt, wir wollen Euch treulich dienen, Euch überall hin

begleiten. Wir schwören es, wir gehen mit Euch, selbst in die Hölle.«

3. Kapitel.

Auf der Reise in unbekannte Fernen.

Acht Tage nach dem Scheitern des Unterseebootes war alles in Ordnung.

Das Weltenfahrzeug wartete nur auf seine Besatzung, um sich in die Lüfte

erheben zu können. Die Gestrandeten aber hatten ihre Kräfte wieder

erlangt und erklärten sich immer wieder bereit, Kapitän Mors bis in die

entferntesten Gegenden zu begleiten.

Sie hatten ihm Treue geschworen und willig den furchtbaren Eid

geleistet, der sie mit den Gefährten des Maskierten vereinigte.

Wohin es ging, wußten sie freilich nicht, das hatte Kapitän Mors ihnen

nicht gesagt, er hatte nicht einmal vom Weltenfahrzeug gesprochen.

Wohl aber ließ er die Leute durch Star und Terror aushorchen und die

Männer gaben willig über alles Auskunft.

Da kam es denn heraus, daß sie von Kapitän Mors wenig genug wußten.

Ihre Offiziere hatten zu ihnen gesagt, daß man die Geheimnisse einer

Felseninsel ausspüren wollte, auf der ein Mann sein Wesen trieb, den man

als den größten Feind der Menschheit bezeichnete.

Ferner hatten die Leute einige Geschichten von dem lenkbaren Luftschiff

gehört, welches hier und da auf Erden auftauchte und allgemein als der

Schrecken des Erdballs bezeichnet wurde.

Aus den Reden der Männer ging hervor, daß sie auf eine Reise mit dem

lenkbaren Luftschiff rechneten, ja, daß sie sich auf eine solche

wunderbare Reise freuten.

Star und Terror waren Menschenkenner und beobachteten die

Schiffbrüchigen unablässig. Sie suchten über deren Charakter ins Klare

zu kommen.

»Kapitän,« sprach Terror, als er am siebenten Tage dem Luftpiraten

Bericht erstattete. »Die sechs Männer aus der Normandie sind offenbar

recht zuverlässig und gut zu gebrauchen. Ich denke, sie werden uns noch

die besten Dienste leisten. Die vier Irländer sind noch geschickter als

die Franzosen, aber sie erscheinen mir verschmitzter und wortkarger.

Denen ist nicht so zu trauen.«

»Sie haben den Treueid geleistet,« erwiderte Kapitän Mors. »Sie sehen,

daß sie nicht von mir tyrannisiert werden. Ich glaube, sie werden ebenso

gute Dienste leisten wie die Leute aus der Normandie, indessen werden

zwei von den Irländern zurückbleiben. Die beiden anderen nehme ich mit,

darunter Wilkes und Penn. Der eine ist Steuermann, der andere

Ingenieurmaat auf dem Unterseeboot gewesen. Ich will diese Männer zum

Bedienen der Maschinen im Weltenfahrzeug verwenden.«

»Na, die werden staunen,« meinte Terror, der diesmal Kapitän Mors auf

die Fahrt im Weltenraum begleiten sollte. »Sie glauben nämlich, daß es

eine Fahrt im lenkbaren Luftschiff ist, und da werden sie sich nicht

wenig verwundern, wenn wir sie in das metallne Fahrzeug führen. Davon

haben sie übrigens nicht das geringste erfahren. Sie wissen gar nicht,

daß wir ein Weltenfahrzeug besitzen.«

»Desto besser,« erwiderte Kapitän Mors. »Sie sollen ja ohnehin bei Nacht

und Nebel das Weltenfahrzeug besteigen und vorerst, außer dem

Maschinenraum, wenig von dem Innern des Weltenfahrzeuges zu Gesicht

bekommen. Du wirst natürlich das Kommando über diese Männer übernehmen

und sie allgemein in die Handgriffe und das Wesen der Maschinen

einweihen. Die Leute sind jetzt völlig bei Kräften und wir wollen in

übernächster Nacht emporsteigen. Der Professor und die Töchter des

Ingenieurs sind bereits benachrichtigt. Der Astronom ist ganz glücklich,

daß er wieder die Wunder der Sternenwelt betrachten darf; van Haalen

kann die Zeit der Abfahrt kaum erwarten.«

Am übernächsten Abend war alles bereit.

Zwei der Irländer sollten zurückbleiben, was sie nur sehr ungern taten,

sie baten und flehten, daß sie an der Reise teilnehmen durften, aber

Kapitän Mors blieb hier unerbittlich. Er wollte nur acht Männer von den

Geretteten mit sich nehmen.

Die Inder blieben diesmal sämtlich zurück, Kapitän Mors ließ nicht

einmal den treuen Lindo an der geheimnisvollen Fahrt teilnehmen.

Das geschah aus Sorge um die Gesundheit der Inder, die ja unablässig

kränkelten und oft die seltsamsten Nervenzuckungen zeigten.

Bei den Europäern war dies nicht der Fall und Kapitän Mors hoffte, daß

die neuen Mannschaften genau solche Widerstandsfähigkeit zeigen würden,

wie Star und Terror und seine übrigen europäischen Begleiter.

Das sollte die bevorstehende Reise zeigen.

Um Mitternacht wurden diese acht Leute abgeholt und von Kapitän Mors und

einigen Indern nach dem großen Felsenkrater geführt, in dem die Halle

für das große Weltenfahrzeug erbaut war.

Die Leute machten große Augen, als sie den riesigen Metallkörper

gewahrten.

»Ist denn das das lenkbare Luftschiff?« hörte Kapitän Mors den einen

murmeln. »Wenn es das ist, so sieht es sonderbar genug aus. Das hatte

ich mir ganz anders vorgestellt. Als einen Metallkörper, der mit einem

ungemein leichten Gas gefüllt ist, mit Anbauten. Aber das Ding sieht ja

aus, als solle man ins Innere hineinsteigen.«

Das Erstaunen der Männer wuchs, als sie durch die luftdicht zu

verschließenden Doppeltüren in das Innere des Fahrzeuges steigen mußten.

Sie rissen die Augen weit auf, als der Maskierte sie in den sogenannten

Maschinenraum geleitete.

Da war der Lenkapparat, da standen die sonderbaren Maschinen, die auf

den riesigen Diamanten montiert waren. Maschinen, wie sie die Männer

noch nie gesehen hatten und deren Anblick ihnen Rufe des Erstaunens

entlockte.

Der Professor, die beiden Mädchen und Terror befanden sich schon an Bord

des Weltenfahrzeugs und Kapitän Mors hatte von den Zurückbleibenden

kurzen Abschied genommen.

Nun schloß er die Türen und begab sich mit Terror nach dem Lenkraum, wo

die acht Leute vom Unterseeboot ganz verdutzt die wunderbaren Maschinen

beguckten.

»So, das ist Euer künftiger Wirkungskreis,« sprach Kapitän Mors. »Hier

werdet Ihr beschäftigt. Hier, Terror, ist mein Ingenieur, der wird Euch

nach und nach in alles einweihen. Ihm sollt Ihr helfen und alle seine

Befehle und Weisungen getreulich erfüllen. Auf gute Behandlung, auf

reichliche, ja luxuriöse Verpflegung könnt Ihr rechnen. Nun tut Eure

Pflicht, wie Ihr es gelobt habt und denkt an Euren Eid, dann werdet Ihr

über nichts klagen können.«

Kapitän Mors setzte den Lenkapparat und den Riesenmagneten in Bewegung.

Man vernahm das Surren und Brummen der Maschinen, zu gleicher Zeit stieg

das Weltenfahrzeug majestätisch in die Höhe.

»Sagt, Kapitän,« rief Wilkes im maßlosesten Erstaunen, »ist denn dies

hier das lenkbare Luftschiff, welches Euch so berühmt gemacht hat?«

»Nein,« erwiderte Kapitän Mors. »Es ist das Weltenfahrzeug. Ich besitze

zwei Fahrzeuge, die ich erbaut habe, das lenkbare Luftschiff, welches

auf der Insel zurückgeblieben ist. Damit bewegte ich mich im Luftkreis

der Erde. Aber dieses Fahrzeug hier ist der »Meteor«, welcher den

Weltenraum durchfliegt. An Bord desselben tut Ihr jetzt Eure Dienste.«

Die Männer waren sprachlos vor Staunen, aber sie zeigten sich willig,

besonders waren es die Leute aus der Normandie, die sich rasch in das

Rätselhafte und Geheimnisvolle zu finden wußten.

Sie zeigten sich sehr geschickt und griffen überall zu, auch die beiden

Irländer blieben in ihren Leistungen nicht zurück.

Wilkes und Penn aber wechselten zuweilen bedeutungsvolle Blicke und

benutzten jeden Augenblick, wo sie sich unbeobachtet glaubten, um leise

mit einander zu flüstern.

Kapitän Mors weihte die Leute in die Handhabung der Maschinen ein; aber

er verriet ihnen noch nicht alle Geheimnisse des Weltenfahrzeuges.

Er zeigte ihnen die Maschinen, ferner die Instrumente, welche anzeigten,

an welchem Ort sich das wunderbare Fahrzeug befand. Er erklärte ihnen

den Höhenmesser und die Maschine, welche die Entfernungen angab, er

zeigte den Staunenden, mit welch rasender Geschwindigkeit sie jetzt von

dannen sausten.

Kapitän Mors erntete Bewunderung, denn diese Leute verstanden die

Wissenschaft eines Ingenieurs zu schätzen. Kapitän Mors erschien ihnen,

wie der König der Ingenieure.

Die alleinigen Ausnahmen machten Wilkes und Penn, die fanden, wie alle

Irländer, bald ihre Ruhe und Gleichgültigkeit wieder.

Sie betrachteten all dieses Sonderbare hier mit der Miene von Männern,

die sich in alles zu finden wissen und machten sich im übrigen ebenso

nützlich, wie ihre anderen Gefährten.

Kapitän Mors bemerkte mit innerer Zufriedenheit, daß die Leute unter den

veränderten Verhältnissen nicht im mindesten zu leiden schienen.

Bei den Indern hatten sich jedesmal Störungen gezeigt, wenn eine solche

Reise angetreten wurde. Da klagten sie über Kopfschmerz, über Schwindel,

über fürchterliches Ohrensausen.

Die Leute aber hier, welche im Unterseeboot gearbeitet, zeigten sich

lustig und guter Dinge und meinten, daß solche Reise etwas Wunderbares

sei und daß sie an dieser Fahrt großes Vergnügen empfänden.

Kapitän Mors wollte diesmal im Weltenfahrzeug den ganzen Erdball

umkreisen, aber außerhalb der Luftzone die Fahrt unternehmen.

Da gedachte er nochmals die magnetischen Strömungen zu studieren, ferner

wollte er die seltsamen Geschöpfe beobachten, die an den Grenzen des

Luftozeans einstmals von ihm entdeckt wurden.

War diese Rundfahrt vollendet, so wollte Kapitän Mors den Riesenmagneten

der Erde zuwenden und dann mit furchtbarer Geschwindigkeit zum Trabanten

unserer Erde, zu dem noch so viele Rätsel bergenden Monde fliegen.

Die ersten zwei Tage und Nächte gingen ohne Störungen vorüber.

Die neue Mannschaft wechselte mit Wachen und Schlafen ab, so daß immer

vier Mann im Maschinenraum beschäftigt waren.

Ebenso wechselte Kapitän Mors mit Terror im Wachen und Schlafen ab, die

beiden Männer bedienten die geheimnisvollen Maschinen, während das

Weltenfahrzeug mit furchtbarer Geschwindigkeit durch die Räume sauste.

Am dritten Tage wurde Kapitän Mors wieder durch Terror abgelöst und

betrat den Maschinenraum, in dem die Hälfte der neuen Mannschaft

hantierte.

Wilkes war da, auch Penn und noch zwei von den Franzosen.

Als Kapitän Mors hereintrat, schwenkte Wilkes seine Mütze.

»Ein Hoch für den Luftpiraten!« schrie er, während seine drei Genossen

mit dröhnender Stimme in den Ruf mit einstimmten.

Kapitän Mors sah die Leute befremdet an.

Er wunderte sich nicht darüber, daß sie seinen Beinamen kannten, denn

der war ja über die ganze Erde verbreitet. Er staunte nur, daß sie ihn

mit solchem Beifall empfingen.

Da trat Wilkes auf ihn zu.

»Ja, so ist es, Kapitän, wir haben Euch so genannt, denn wir wissen ja,

daß Ihr Euch selber so genannt habt, und da werdet Ihr nicht böse sein.

Aber ich hätte Euch einen Vorschlag zu machen.«

»Nun, was willst Du?« fragte Kapitän Mors, der auch jeden der neuen

Mannschaft mit Du anredete. »Was hast Du für ein Begehr?«

»Kapitän, in diesem neuen Fahrzeug seid Ihr ja ein Herr der Welt,« rief

Wilkes, der große Begeisterung zeigte. »Mit diesem sonderbaren

Wunderwerk könnt Ihr Euch ein Königreich erobern. Dann braucht Ihr bloß

Eure Zerstörungsmaschinen anzuwenden und morgen ist ein Fürstentum Euer,

vielleicht Neu-Seeland oder eine andere große Insel. Mit Euren

Erfindungen werdet Ihr es so weit bringen, daß Euch der ganze Erdball

Tribut zahlen muß, daß Ihr die Geschichte der Völker bestimmt, daß sie

Euren Weisungen gehorchen müssen. Wir wollen dann alle Eure Befehle

ausführen.«

»Das heißt also, ich soll gewissermaßen ein Unterdrücker werden?« meinte

Mors mit großer Ruhe.

»Ja, das ist der Welt Lauf,« schrie Wilkes, dessen Augen seltsam

funkelten. »Es ist ein altes Sprichwort, wer die Macht besitzt, der hat

auch das Recht. So ist es auf Erden immer gegangen. Der Starke hat seine

Kraft benutzt, und den Vorteil davon gezogen. Wir haben Euch Treue

geschworen, Kapitän, und wir helfen Euch ein Fürstentum zu erobern.

Allerdings werdet Ihr Widerstand finden, aber den sollen die

Zerstörungsmaschinen besiegen. Also, hört auf meinen Vorschlag. Laßt die

Himmelsräume sein, auf den Sternen und Planeten ist nichts zu holen. Da

ist alles tot und starr, so habe ich es wenigstens in der Schule

gelernt.«

»Das ist ein Irrtum,« erwiderte Kapitän Mors kalt. »Irren ist

menschlich. Ich habe die Beweise, daß im Weltenraum das regste Leben

herrscht, daß sich auf anderen Planeten intelligente Bewohner befinden.

Ich habe die wunderbaren Fahrzeuge, mit denen sich diese uns an Kultur

überragenden Bewohner bewegen, mit eigenen Augen gesehen.«

Wilkes starrte den Kapitän einen Augenblick überrascht an.

Aber das dauerte nicht lange.

»Ach laßt doch die fernen Welten, Kapitän,« rief er. »Die Erde liegt uns

ja näher. Ich habe bereits erkannt, welche Macht Ihr besitzt, bin ich

doch selbst Ingenieur und mit diesem Fahrzeug hier könnt Ihr in der Tat

alles erobern. Wie wäre es mit Neu-Seeland? Das könnten wir uns im Nu

unterwerfen. Ihr könnt dort wie ein König herrschen und wir möchten dann

auch eine Rolle spielen. Wir helfen Euch, Kapitän, wir gebrauchen die

Zerstörungsmaschinen und werfen jeden Widerstand zu Boden.«

»Das will ich nicht,« erwiderte der Maskierte. »Ich bin nicht der Mann

dazu, der blühende Gemeinwesen vernichtet und Kultur zerstört. Ich bin

kein Vernichter, ich will Kultur schaffen, aber nicht als Mordbrenner

und als gesetzloser Räuber erscheinen.«

»Oho,« rief Wilkes. »Ihr seid doch der Luftpirat. Ihr habt oft genug

tollkühne Ueberfälle verübt. Ich habe manches gelesen. Ihr habt doch die

Schätze aus großen Bergwerken hinweggeführt, Millionen, ja Milliarden

erbeutet.«

»Ja, aber nur zu bestimmten Zwecken,« erwiderte Mors. »Wenn Du

aufmerksam mein Leben und meine Taten verfolgtest, so würdest Du gehört

haben, daß ich die erbeuteten Reichtümer zur Linderung der Not und des

Elends benutzte.«

»Ich hätte alles für mich behalten,« meinte Wilkes. »Ich hätte die

riesigsten Summen zusammengebracht und in Ueppigkeit und Schwelgerei

gelebt. Man lebt auf Erden nur einmal und soll sich das Dasein so

angenehm als möglich machen. O, wie oft habe ich die beneidet, die sich

jeden Wunsch erfüllen konnten. Nur der Reichtum macht glücklich.«

»Die Ansichten sind eben verschieden,« erwiderte Kapitän Mors kurz und

energisch. »Im übrigen wiederhole ich Dir, daß ich nimmer als Vernichter

und Zerstörer auftreten werde.«

Er trat an die Maschinen und prüfte die Instrumente, er machte sich

verschiedene Notizen und schritt dann zu dem nebenliegenden Arbeitsraum,

um dort die Berechnungen niederzuschreiben.

Die beiden Franzosen waren am Lenkapparat beschäftigt, den sie

bedienten. Wilkes und Penn aber zogen sich nach dem Hintergrund zurück,

wo sie durch die mächtigen Maschinenapparate völlig verdeckt wurden.

»Na, was sagst Du dazu,« meinte Wilkes zu dem anderen Irländer, dem er

alles anvertraute. »Ist dieser Kapitän Mors nicht ein kompletter Narr.

Er hat die Mittel in der Hand, um sich die ganze Welt zu erobern und

benutzt sie nicht? Nun, wenn er so dumm ist, dann müssen eben andere

Klugheit zeigen. Weißt Du, Kamerad, solche Gelegenheit kommt nicht

wieder. Jetzt wollen wir uns die Herrschaft über die ganze Erde

verscharren.«

»Still, sprich leiser,« mahnte Penn. »Die anderen könnten es hören.«

»Ach was, die müssen mittun,« rief Wilkes, indem er seine riesige

Gestalt reckte und streckte. »Das ist eine Kleinigkeit. Du sollst sehen,

die sind nebst den anderen Feuer und Flamme. Denen werden wir alles

Mögliche versprechen. Ich aber will die Macht des Mannes mit der Maske

besitzen. Der Narr, als er mir vorhin mein Anerbieten abschlug, da war

ich fest entschlossen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Wir sind

hier acht Männer und der hat nur den einen, den Terror zur Verfügung.

Der Sterngucker und die beiden Mädchen können ihm nicht das geringste

nützen. Mein Entschluß steht fest. Wir bemächtigen uns der Herrschaft,

wir wollen dieses wunderbare und unwiderstehliche Fahrzeug zu unseren

Zukunftsplänen benutzen.«

4. Kapitel.

Die Meuterei beginnt.

Kapitän Mors ahnte nichts von dem Unheil, welches sich vorbereitete.

Er hielt die Mannschaft des Unterseebootes für Leute, die ihm später die

besten Dienste leisten konnten und dachte nicht daran, daß die zwei

Irländer eine Verschwörung vorbereiteten.

Wilkes und Penn waren auch schlau genug, um sich nichts anmerken zu

lassen.

Aber sie begannen ungesäumt ihre Wühlarbeit, und da galt es, die sechs

Franzosen auf ihre Seite zu ziehen.

Diese letzteren waren mit ihrer Lage ganz zufrieden und meinten, daß sie

ein wahres Herrenleben führten.

Wilkes und Penn aber verstanden es, diese Leute anderen Sinnes zu

machen.

»Der Maskierte ist halb verrückt,« sprach Wilkes bei jeder Gelegenheit.

»Der ist schon dem Wahnwitz nahe. Der führt das sonderbare Fahrzeug

irgendwo hin ins Weltall, dorthin, wo keine Wiederkunft möglich ist, wo

es durch Naturgewalten vernichtet wird. Dieses prächtige Fahrzeug könnte

uns aber auf Erden die besten Dienste leisten. Damit kann man sich ein

ganzes Land erobern, da können wir die Herren spielen und das üppigste

Leben führen. Mit diesem Fahrzeug können wir die ganze Welt in Schrecken

setzen. Was soll uns die verrückte Fahrt in unbekannte Räume des

Weltalls. Nichts damit, wir bleiben auf der Erde. Verlaßt Euch darauf,

Kameraden, bald befinden wir uns in dem Besitz des wunderbaren

Fahrzeuges.«

Die Franzosen erinnerten den Irländer an den Eidschwur, den man

geleistet, aber Wilkes lachte nur darüber.

Er entwickelte solche Schlauheit und solche List, daß er die Franzosen,

wenn auch nicht überzeugte, doch allgemach auf seine Seite brachte.

Er sagte in berechnender Weise, daß das bevorstehende Unternehmen des

Maskierten mit dem Untergang aller enden müsse.

So waren wieder zwei Tage vergangen, die Rundfahrt um die Erde

vollendet. Das Weltenfahrzeug hatte bereits die Reise zum Trabanten der

Erde begonnen.

Kapitän Mors hatte im Benehmen der Mannschaft nicht das geringste

Verdächtige bemerkt, sondern nur gesehen, daß die Irländer und die

Franzosen ihre Pflicht taten.

Wilkes und Penn zeigten sich besonders lernbegierig, und da sie großes

Geschick und vortreffliche Kenntnis des Ingenieurwesens besaßen, hoffte

Terror, sie bald zum Gebrauch der geheimnisvollen Maschinen

heranzuziehen.

So erfuhren diese beiden immer neue Geheimnisse der Maschinen und

Kapitän Mors ahnte nicht, daß er damit die Verschwörung zur Reife

brachte.

»Jetzt wissen wir genug,« flüsterte Wilkes am Abend des dritten Tages

seinem Gefährten Penn zu. »Mehr brauche ich nicht zu wissen. Jetzt kann

ich dieses wunderbare Fahrzeug selber lenken. Nun kann es losgehen. Wenn

der Maskierte schlafen geht, brechen wir los und wenn der Terror uns

hindernd in den Weg tritt, wird er niedergeschlagen. Wenn der neue

Morgen kommt, müssen wir die Herren des neuen Weltenfahrzeuges sein.

Dann geht es zur Erde zurück, dann wollen wir selber mal Luftpirat

spielen.«

Es war Mitternacht und Kapitän Mors, der um elf Uhr von Terror abgelöst

worden war, lag im festen, ruhigen Schlummer.

Anita und Lucy Long halfen dem Astronomen, da sie sich in jeder Weise

nützlich zu machen suchten. Professor van Haalen war für diese Hilfe

sehr dankbar und hatte den beiden jungen reizenden Geschöpfen

verschiedene notwendige Beobachtungen übertragen.

Plötzlich hörte Kapitän Mors, wie jemand hart an die Tür seiner

Schlafkajüte klopfte.

Sofort fuhr er in die Höhe.

»Was gibt es?« rief der Luftpirat mit dröhnender Stimme. »Wer ist da

draußen?«

»Ich bin's, Kapitän, ich,« tönte Terrors Stimme. »Soeben bin ich mit

Mühe und Not dem drohenden Tode entronnen.«

Kapitän Mors stand im Nu an der Tür.

Herein stürzte Terror, der die eiserne Tür sofort hinter sich

zuschmetterte.

»Empörung, Empörung!« stieß er hervor. »Die neue Mannschaft rebelliert

und die beiden Irländer sind die Rädelsführer. Im Maschinenraum haben

sie mir plötzlich die Forderung gestellt, daß ich mich der Verschwörung

anschließen sollte und als ich mich weigerte, sind die beiden Irländer

wie toll auf mich eingedrungen. Ich hatte keine Waffe zur Hand. Da mußte

ich flüchten. Die Kerle haben aber sofort die Türen hinter mir versperrt

und nun sind sie im Besitz des Maschinen- und des Lenkraumes.«

Kapitän Mors war natürlich sehr überrascht, aber er verlor die

Besonnenheit keinen Augenblick.

Was da vorgefallen war, entzog sich freilich seiner Kenntnis, aber der

Maskierte beschloß die äußerste Energie zu gebrauchen.

»Wo ist der Professor und die beiden Mädchen?« fragte er.

»Die schlafen in den unteren Räumen,« erwiderte Terror.

»Gut,« entgegnete Mors. »Ich komme mit, wir müssen sie sofort wecken.«

(Man vergleiche hier immer den Plan des auf der Rückseite abgebildeten

Weltenfahrzeuges).

Kapitän Mors eilte mit Terror eine der eisernen Treppen hinab, die nach

den unteren Räumen führte.

Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 40: Die Empörung im Weltenfahrzeug · 第 1 / 3 段