7. Januar 1900.

Übergang über den sehr breiten, aber nicht tiefen Ruaha, in etwa 500

Meter Meereshöhe. Der Abstieg zum Teil ungemein steil, die Hitze nimmt

zu. Die Vegetation zeigt schon ein ganz anderes Bild; die herrlichen

Pelargonien, die in Irole so üppig wuchsen, daß ihre Blüten die

Hügel und Abhänge ringsum wie mit Rosa überzogen erscheinen ließen,

sind verschwunden. Der gestrige Todesfall hat bös auf die allgemeine

Stimmung gewirkt, heute sind uns zwei Träger fortgelaufen; die Hitze

wird immer fühlbarer; der schöne Algierwein, der all die Jahre über

unsere Freude und Stolz gewesen, will nicht mehr schmecken, dagegen

steigt der beinahe verächtlich behandelte Moselwein in unserer

Sehnsucht; überhaupt kommt alles Saure und vor allem Früchte zur

Geltung, während uns Fleisch anwidert.

Unter dem Allerleirauh unserer Karawane zeichnet sich ein

Wanjamwesi-Ehepaar aus; sie hilft ihrem Manne beim Tragen der Last,

im Lager geht sie mir viel zur Hand; ein angenehmer Gegensatz zu den

meist so faulen Weibern unserer Soldaten. Die Jumben mit ihrem Anhange,

die uns hier besuchen, zeigen auch schon einen von den schneidigen

Wahehe in den Uhehebergen ganz verschiedenen Typus; Jumbe Musaka von

Marore, der heute im Lager war, machte ganz den Eindruck eines alten,

gemütlichen Bierphilisters; nichts mehr von jenem stolzen, natürlichen

Selbstbewußtsein, das unsere stattlichen Wahehe so ungezwungen zur

Schau trugen; das heiße Klima der Ebene erschlafft.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 129 / 132 题