Übergang über den sehr breiten, aber nicht tiefen Ruaha, in etwa 500
Meter Meereshöhe. Der Abstieg zum Teil ungemein steil, die Hitze nimmt
zu. Die Vegetation zeigt schon ein ganz anderes Bild; die herrlichen
Pelargonien, die in Irole so üppig wuchsen, daß ihre Blüten die
Hügel und Abhänge ringsum wie mit Rosa überzogen erscheinen ließen,
sind verschwunden. Der gestrige Todesfall hat bös auf die allgemeine
Stimmung gewirkt, heute sind uns zwei Träger fortgelaufen; die Hitze
wird immer fühlbarer; der schöne Algierwein, der all die Jahre über
unsere Freude und Stolz gewesen, will nicht mehr schmecken, dagegen
steigt der beinahe verächtlich behandelte Moselwein in unserer
Sehnsucht; überhaupt kommt alles Saure und vor allem Früchte zur
Geltung, während uns Fleisch anwidert.
Unter dem Allerleirauh unserer Karawane zeichnet sich ein
Wanjamwesi-Ehepaar aus; sie hilft ihrem Manne beim Tragen der Last,
im Lager geht sie mir viel zur Hand; ein angenehmer Gegensatz zu den
meist so faulen Weibern unserer Soldaten. Die Jumben mit ihrem Anhange,
die uns hier besuchen, zeigen auch schon einen von den schneidigen
Wahehe in den Uhehebergen ganz verschiedenen Typus; Jumbe Musaka von
Marore, der heute im Lager war, machte ganz den Eindruck eines alten,
gemütlichen Bierphilisters; nichts mehr von jenem stolzen, natürlichen
Selbstbewußtsein, das unsere stattlichen Wahehe so ungezwungen zur
Schau trugen; das heiße Klima der Ebene erschlafft.