5. Januar 1900.

Der steile Abstieg liegt hinter uns. Das waren anstrengende Tagemärsche

und noch dazu in strömendem Regen. Das Gebirgsland Uhehe liegt hinter

uns, jetzt nähern wir uns wieder der Ebene. Der Temperaturunterschied

ist bereits fühlbar, die frische, reine Bergluft werden wir nun nicht

wieder atmen, die Ebene mit ihren warmen, fieberbergenden Ausdünstungen

macht sich geltend. Ich ließ unsere Karawane an mir vorüberziehen,

Träger, Askaris mit ihren Frauen und Boys, alles in allem etwa 150

Menschen; unter ihnen die Witwe eines unserer Askaris, eine Sudanesin,

die nach dem Tode ihres Mannes wieder in ihre Heimat zurückkehren will;

sie hat mir oft in Haushalt und Küche geholfen, bei dem Begräbnis

ihres Mannes schloß ich mich dem Gefolge an, nicht als _Bibi Kwubwa_

(„gnädige Frau“), sondern als Leidtragende, was ihr damals von den

anderen Frauen als hohe Ehre angerechnet wurde, jetzt geht sie unter

meinem Schutze zurück zur Küste.

Die Jumben aus der Umgegend stellen sich alle ein, um uns glückliche

Reise zu wünschen; dabei tauschten wir alte Erinnerungen aus, wie sie

uns damals feindlich gegenüberstanden, als Quawas Einfluß noch wirksam;

ich frug sie, warum sie mich damals in Perondo nicht angegriffen

hätten, obgleich sie wußten, daß Tom auf einem Kriegszuge abwesend

war; die Antwort lautete wieder: wir hatten Furcht vor dir, man hatte

uns überall gesagt, du würdest uns alle töten! Nähere Erklärungen

über diese heikle Frage vermied ich mit diplomatischer Gewandtheit,

im Stillen segnete ich aber die Urheber jenes Gerüchtes, dem ich es

verdanke, daß ich mich jetzt wohlbehalten auf der Heimreise befinde.

Von großem Interesse ist es mir, aus Toms und der Jumben Unterhaltung

zu hören, wann und wie nahe wir uns oft gegenübergestanden haben;

das wird jetzt alles mit einer Gemütlichkeit und einem Interesse

verhandelt, als gälte es einem Jagdzuge auf Kibokos und nicht dem

Vernichtungskampfe auf Leben und Tod. Gott sei Dank, daß wir jetzt so

ruhig über jene Zeit reden können.

+Mgowero+, 6. Januar 1900.

Der Übergang aus dem gesunden Gebirgsklima Uhehes zur heißen Ebene

macht sich geltend; der heutige Marsch in der Glühhitze war furchtbar.

Als wir am Lagerplatz unser Zelt aufschlagen ließen, stürzte einer der

Leute vom Hitzschlag getroffen und starb trotz aller angewandten Mittel

bald. Seine Frau wollte mit ihrem Jungen, einem allerliebsten kleinen

Bengel von drei Jahren, bei der Leiche zurückbleiben, doch redete ich

ihr so lange zu, bis sie sich entschloß, mit mir weiterzuziehen; was

wäre aus dem armen Weibe in der Wildnis geworden?

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 128 / 132 题