Heute ist unser Freund Kiwanga[10] wieder abgezogen; er kam am 28. v.
M. mit seiner großen Bibi auf Besuch zu uns; wir besuchten ihn auch
einigemal in seiner Tembe. Ein Versuch, sein ausgesprochen jüdisches
Profil durch einen Schattenriß an der Wand zu verewigen, scheiterte
an seiner Beweglichkeit, der photographischen Kamera entging er aber
auch diesmal nicht, trotz seiner herzbewegenden Klage: „Ach Bibi, jeder
Europäer macht Bilder von mir, ich werde alle Tage photographiert.“
Als ich ihm aber die Bilder zeigte, die ich früher von ihm und seinem
Kriegslager aufgenommen hatte, geriet er doch in die freudigste
Aufregung. Auch unser braver Schnapsel war in diesen letzten Wochen
krank, ein großer Hund hatte ihn in den Hals gebissen; dank der
liebenswürdigen Bemühungen _Dr._ Drewes und unserer sorgsamen Pflege
kam er wieder zu Kräften; wir hätten den treuen Hausgenossen doch
schwer vermißt. Dem Hühnerstalle hat ein Leopard einen nächtlichen
Besuch abgestattet und 7 Enten mitgenommen; ich glaubte erst, es seien
Diebe gewesen, heute nacht hat er aber wieder einige 30 totgebissen
und zum Teil gefressen, auch meine Puten sind verschwunden; deutliche
Spuren und vereinzelte Federn verrieten aber, daß hier ein zweibeiniger
Spitzbube auf Konto seines vierbeinigen Kollegen gearbeitet hat.