3. Oktober 1898.

Heute ist unser Freund Kiwanga[10] wieder abgezogen; er kam am 28. v.

M. mit seiner großen Bibi auf Besuch zu uns; wir besuchten ihn auch

einigemal in seiner Tembe. Ein Versuch, sein ausgesprochen jüdisches

Profil durch einen Schattenriß an der Wand zu verewigen, scheiterte

an seiner Beweglichkeit, der photographischen Kamera entging er aber

auch diesmal nicht, trotz seiner herzbewegenden Klage: „Ach Bibi, jeder

Europäer macht Bilder von mir, ich werde alle Tage photographiert.“

Als ich ihm aber die Bilder zeigte, die ich früher von ihm und seinem

Kriegslager aufgenommen hatte, geriet er doch in die freudigste

Aufregung. Auch unser braver Schnapsel war in diesen letzten Wochen

krank, ein großer Hund hatte ihn in den Hals gebissen; dank der

liebenswürdigen Bemühungen _Dr._ Drewes und unserer sorgsamen Pflege

kam er wieder zu Kräften; wir hätten den treuen Hausgenossen doch

schwer vermißt. Dem Hühnerstalle hat ein Leopard einen nächtlichen

Besuch abgestattet und 7 Enten mitgenommen; ich glaubte erst, es seien

Diebe gewesen, heute nacht hat er aber wieder einige 30 totgebissen

und zum Teil gefressen, auch meine Puten sind verschwunden; deutliche

Spuren und vereinzelte Federn verrieten aber, daß hier ein zweibeiniger

Spitzbube auf Konto seines vierbeinigen Kollegen gearbeitet hat.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 126 / 132 题