Heute besuchte mich Mgundimtemi; es fiel mir auf, daß sie nicht mehr in
Trauer geht, sie trägt wieder bunte Tücher, Ketten und Armbänder. Sie
hat einen ehemaligen Msagira aus einer reinen Wahehefamilie geheiratet,
Tom will ihn als Jumbe eines kleinen Bezirkes einsetzen.
Auf der Station treten die Pocken wieder auf, diesmal ziemlich
bösartig. Die Leute sind zum Glück recht vernünftig, beim geringsten
Anzeichen bringen sie ihre Kranken. Auch die ankommenden Karawanen
werden genau untersucht. Etwa eine halbe Wegstunde von der Station
entfernt ist ein Pockenhospital eingerichtet. Ich wünsche sehnlichst,
die Lymphe käme endlich von der Küste an, damit wir uns alle impfen
lassen können.
Von Quawas Grausamkeit werden immer mehr Beispiele bekannt. Als er
damals von Luhota aus entfloh, hielt er sich einen Tag in der Nähe der
Station versteckt; dort erschlug er einen seiner Anhänger, dem er nicht
mehr traute, und schnitt ihm einen Fuß und ein Stück Schulterfleisch
ab; die am Feuer gedörrten Stücke trug er dann stets bei sich; wirklich
hat Feldwebel Merkl beides bei seiner Leiche gefunden.
Um so erfreulicher blüht Handel und Wandel jetzt nach des
Unruhestifters Tod. Tom unterschreibt soeben wieder einen Scheck;
in diesem Monate haben die Händler bereits 16000 Rupien in die
Stationskasse eingezahlt. Das ist für unser Iringa doch gewiß ein
schöner Umsatz. Auch die Bautätigkeit ist rege.
Meinen Geburtstag mußte ich ohne Tom verleben, aber trotzdem ging
es hoch her! Schon früh am Morgen war alles bekränzt. Dann kamen
der Wali mit den Honoratioren, der Effendi namens der Kompagnie,
sämtliche Europäer und Abordnungen von Frauen der Askaris, der Fundis,
Farhengas große Bibis, kurz, die Gratulanten nahmen kaum ein Ende.
Abends besuchten mich dann zu meiner Freude die am 18. August hier
angelangten Schwestern, mit denen ich noch einer Einladung nach der
Messe folgte; dort wurde ich auch angefeiert. In der Stadt und im
Askaridorfe herrschte lustiges Treiben an allen Ecken und Enden, mit
Tanzen und Jubeln. Die Schwestern blieben bis zum nächsten Nachmittage;
ich hatte aus unserer Vorratskammer mit Hilfe von Decken und Zeug
ein hübsches Zimmerchen für sie hergerichtet. Auf Toms dringenden
Wunsch sind uns diese vier Schwestern bewilligt worden, der Präfekt
Maurus[9] brachte sie uns selbst. Ich empfing die willkommenen Gäste
mit einem feinen Diner und mit Sekt; dem Präfekten ließ ich einen
Rosenstrauß überreichen; von dem Empfange waren sie sichtlich gerührt.
Die Schwestern erzählten mir, daß die Schwarzen ihnen schon viel von
der weißen Bibi erzählt hätten, die in Iringa wohne, die lesen und
schreiben könne, stets einen Revolver bei sich trage, sehr langes Haar
und nur einen Mann habe. Daß die vier neuen Bibis auf der Station
großes Aufsehen erregten, ist natürlich; ich hatte große Mühe, unseren
Leuten beizubringen, daß die Schwestern nicht die Frauen der Patres von
der Mission seien.