3. September 1898.

Heute besuchte mich Mgundimtemi; es fiel mir auf, daß sie nicht mehr in

Trauer geht, sie trägt wieder bunte Tücher, Ketten und Armbänder. Sie

hat einen ehemaligen Msagira aus einer reinen Wahehefamilie geheiratet,

Tom will ihn als Jumbe eines kleinen Bezirkes einsetzen.

Auf der Station treten die Pocken wieder auf, diesmal ziemlich

bösartig. Die Leute sind zum Glück recht vernünftig, beim geringsten

Anzeichen bringen sie ihre Kranken. Auch die ankommenden Karawanen

werden genau untersucht. Etwa eine halbe Wegstunde von der Station

entfernt ist ein Pockenhospital eingerichtet. Ich wünsche sehnlichst,

die Lymphe käme endlich von der Küste an, damit wir uns alle impfen

lassen können.

Von Quawas Grausamkeit werden immer mehr Beispiele bekannt. Als er

damals von Luhota aus entfloh, hielt er sich einen Tag in der Nähe der

Station versteckt; dort erschlug er einen seiner Anhänger, dem er nicht

mehr traute, und schnitt ihm einen Fuß und ein Stück Schulterfleisch

ab; die am Feuer gedörrten Stücke trug er dann stets bei sich; wirklich

hat Feldwebel Merkl beides bei seiner Leiche gefunden.

Um so erfreulicher blüht Handel und Wandel jetzt nach des

Unruhestifters Tod. Tom unterschreibt soeben wieder einen Scheck;

in diesem Monate haben die Händler bereits 16000 Rupien in die

Stationskasse eingezahlt. Das ist für unser Iringa doch gewiß ein

schöner Umsatz. Auch die Bautätigkeit ist rege.

Meinen Geburtstag mußte ich ohne Tom verleben, aber trotzdem ging

es hoch her! Schon früh am Morgen war alles bekränzt. Dann kamen

der Wali mit den Honoratioren, der Effendi namens der Kompagnie,

sämtliche Europäer und Abordnungen von Frauen der Askaris, der Fundis,

Farhengas große Bibis, kurz, die Gratulanten nahmen kaum ein Ende.

Abends besuchten mich dann zu meiner Freude die am 18. August hier

angelangten Schwestern, mit denen ich noch einer Einladung nach der

Messe folgte; dort wurde ich auch angefeiert. In der Stadt und im

Askaridorfe herrschte lustiges Treiben an allen Ecken und Enden, mit

Tanzen und Jubeln. Die Schwestern blieben bis zum nächsten Nachmittage;

ich hatte aus unserer Vorratskammer mit Hilfe von Decken und Zeug

ein hübsches Zimmerchen für sie hergerichtet. Auf Toms dringenden

Wunsch sind uns diese vier Schwestern bewilligt worden, der Präfekt

Maurus[9] brachte sie uns selbst. Ich empfing die willkommenen Gäste

mit einem feinen Diner und mit Sekt; dem Präfekten ließ ich einen

Rosenstrauß überreichen; von dem Empfange waren sie sichtlich gerührt.

Die Schwestern erzählten mir, daß die Schwarzen ihnen schon viel von

der weißen Bibi erzählt hätten, die in Iringa wohne, die lesen und

schreiben könne, stets einen Revolver bei sich trage, sehr langes Haar

und nur einen Mann habe. Daß die vier neuen Bibis auf der Station

großes Aufsehen erregten, ist natürlich; ich hatte große Mühe, unseren

Leuten beizubringen, daß die Schwestern nicht die Frauen der Patres von

der Mission seien.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 124 / 132 题